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Flucht

OneshotAngst / P12 / Gen
24.07.2021
24.07.2021
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1.641
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Schluchzend lief Elena durch den Wald. Unzählige salzige Tränen liefen der jungen Frau über die Wangen und tropften, auf den vom Regen aufgeweichten Erdboden des Waldes. So schnell wie ihr geschwächter und ausgehungerter Körper sie tragen konnte, rannte sie. Mehrmals verlor sie das Gleichgewicht und fiel dabei zu Boden.

Sie rannte und rannte, hörte ihr Blut in den Ohren rauschen und ihren viel zu schnellen Herzschlag. Während sie mit weiten schnellen Schritten die Bäume durchquerte, blieb sie mit ihrem rechten Fuß an einer, aus dem Boden, ragenden Wurzel einer Eiche hängen. Plötzlich fiel sie mit dem Gesicht voraus, direkt auf den matschigen Boden. Der Aufprall war trotz der stark aufgeweichten Erde hart.

Einige Sekunden blieb Elena nur regungslos liegen. Ihr Kopf war wie leergefegt. Sie konnte lediglich das starke Geräusch des auf sie niederprasselten Regens hören. Doch mit der nächsten Erkenntnis, traf es sie plötzlich wie ein Blitz. Die grausige Erkenntnis, dass sie nicht an jenem Ort verweilen konnte, dass sie es nicht durfte. Sonst würde diese Monster sie kriegen. Somit stemmte sie sich langsam mit ihren zittrigen Armen nach oben. Ihre langen feuerroten Haare klebten ihr im Gesicht. Als die junge Frau ihre kristallblauen Augen öffnete, und nach oben blickte, konnte sie zwischen den Baumkronen den Vollmond hell hervorscheinen sehen.

Es war nicht viel Licht, da der Wald dicht mit breiten Bäumen besiedelt war. Somit konnte man, an den meisten Stellen, nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen. Deshalb war es ein vorsichtiges hindurchtasten, um diesen Wald in der Nacht überhaupt unverletzt zu verlassen.

Durch die wenigen sanften Lichtstrahlen, welche der Mond spendete, konnte Elena das sehen, was sie schon die ganze Zeit zu verdrängen versuchte. Und zwar die Geschehnissen, die Spuren, welche erst wenige Stunden zurücklagen. Elena senkte ihren Blick auf den Boden und riss sogleich schockiert die Augen auf. Denn in dieser Position hatte sie die perfekte Sicht, auf die frischen Schnittwunden, die ihre Hände bis hin zu ihren Oberarmen zierten.

Obgleich sie sich an alles erinnern konnte, wollte sie es nicht sehen. Sie wollte den Schrecken nicht wahrhaben. Sie wandte den Blick ab und starrte zum Mond, während sie ihre Hände zu Fäusten ballte. Dabei konnte sie nur zu deutlich spüren, wie hierdurch ihre Wunden weiter aufrissen, und frisches Blut herausquoll. Die Rothaarige spürte zu deutlich, einen unheimlichen Kontrast.

Sie spürte, wie das warme tiefrote Blut über ihre eiskalten weißen Hände lief. Es fühlte sich komisch an für sie. Da ihr Körper durch den eisigen Wind und den immensen Regen stark unterkühlt war. Es war als würde über eine Eisskulptur plötzlich heiße Schokolade laufen. Elena merkte wie ihre Glieder immer steifer und tauber wurden. Nur schwerlich konnte sie ihre Augen geöffnet halten. Zu erschöpft war sie von allem. Zu schwer lag ihr die Anstrengung in den Knochen. Nur mit Mühe und viel Willenskraft konnte sie sich dazu überwinden ihren Körper langsam hoch zu stämmen.

Nachdem sie wieder halbwegs aufrecht auf den Beinen stand, ließ sie ihre Arme runterhängen und atmete tief durch. Sie konnte nur zu deutlich spüren, wie der Schlamm ihre nackten Füße umschloss. Als sie an sich herunter sah, erblickte sie ihr knielanges zerissenes Kleid, welches von dem ganzen Matsch völlig verdreckt war. Von dem einst strahlend weißen Stoff, war nichts mehr wiederzuerkennen. Mit wankenden Schritten begab Elena sich langsam in Bewegung.

Ihre Schritte waren unsicher und sehr zaghaft. Denn immer wieder überkamen sie plötzliche Anfälle eines starken Zitterns. Sie konnte es weder unterdrücken. Noch konnte sie dabei weitergehen. Zu sehr fror sie und zu sehr war ihr Körper damit beschäftigt, die letzten verbliebenen Kraftreserven zu nutzen, um sie bei Bewusstsein zu halten. Das Adrenalin, welches zu Anfang Krafttank, der ihr Entkommen erst möglich machte, war, wich beständig aus ihrem Körper. Obgleich sie schon weit gekommen war, hatte sie ihrem Körper zu viel abverlangt. Für die ganze Anstrengung wurde nun der Tribut gefordert. Doch sie wusste, dass sie dies nicht aufhalten durfte.

Sie sagte gedanklich zu sich selbst: „Ich muss weitermachen. Denn jegliche körperliche Schäden oder Beeinträchtigungen, die ich durch weitere Anstrengung erhalten werde, sind bloß Kollateralschäden. Es gibt nur noch eine weitere Option. Aufgeben---und aufgeben ist unweigerlich mit einem sadistischen schmerzvollen Tod verbunden. Deshalb kommt das nicht in Frage.“

Obwohl die Rothaarige, von ihrer derzeitigen, körperlichen Verfassung her nicht so aussah, war sie stark. Sie hatte einen starken Willen. Und sie sprach sich selbst Mut zu, indem sie sich vor Augen führte, dass dieser eiserne Wille, ihr helfen würde in dieser brenzlichen Situation zu bestehen. Trotz dessen fiel es ihr mit jeder verstrichenen Minute immer schwerer, tapfer zu bleiben. Zu gerne hätte sie sich einfach der Ohnmacht hingegeben, die sich immer näher anbahnte, um ihren Körper zur Ruhe zu zwingen. So erschöpft wie sie war, hatte sie diese Ruhe dringend nötig. Doch es war unmöglich. Denn eine solche Ohnmacht wäre ihr Todesurteil gewesen.

Einen kurzen Moment schloss sie die Augen und dabei merkte sie, wie gerne sie sich der umgarnenden tiefen Dunkelheit des Schlafes hingegeben hätte, doch sie musste sich davon abhalten. Endlich schaffte sie es ihr Tempo zu beschleunigen. Gerade rechtzeitig. Denn nicht weit entfernt hörte sie plötzlich eine tiefe vor Wut triefende Männerstimme: „Hier sind Fußspuren. Los schneller! Die Schlampe muss ganz in der Nähe sein. Fangt sie ein, um jeden Preis. Das Ritual muss beendet werden.“ Elena erschauderte. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr erneut Tränen aus den Augen kullerten und ihr gesamter Körper vor Angst bebte.

„Oh nein bitte nicht, flüsterte sie zu sich selbst, während sie verdrängend den Kopf schüttelte, sie haben mich gefunden.“ Das war das Startsignal. Jenes Zeichen, welches ihr neue Kraft gab, was neues Adrenalin durch ihren Körper schießen ließ. Ihr Blut war in Wallung und ließ ihr Herz unheimlich schnell pochen, während sie so schnell wie ihre Beine sie tragen konnten, weiterrannte. Dabei streiften viele dicke und dünnere Äste ihre zitternde Haut. Teilweise entstanden dabei Kratzer und blutige Wunden, doch das interessierte die Rothaarige in diesem Moment herzlich wenig. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich einen Hoffnungsschimmer erblickte.

Zwischen den dichten Fichten, war plötzlich ein Lichtstrahl zu erkennen, der sie blendete. Sie musste sich ihre Hand vor die Augen halten, so stark war das Licht, deshalb konnte Elena sich denken, dass es sich hierbei vermutlich um eine Laterne handelte. Jedoch war es vorher natürlich auch fast komplett finster. Die Rothaarige kam dem Licht immer näher. Nachdem sie nah genug war, um richtig erkennen zu können, dass sie Recht hatte, dass es wirklich eine Straßenlaterne war, fühlte sie Erleichterung. Doch sie konnte sich längst nicht in Sicherheit wiegen. Davon war sie nach wie vor, weit entfernt. Zeitgleich erkannte sie, eine schmale Landstraße, die direkt an den Wald grenzte. Zudem war es nicht nur die eine Straßenlaterne, sondern gleich sehr viele, welche eine gute Sicht auf die Straße gaben.

Somit blieb sie einen Moment zwischen den hohen Fichten stehen und lehnte sich gegen einen robusten Baumstamm. Sie kniff ihre rot angelaufenen, von vielen Tränen, aufgequollenen Augen zusammen. Zu groß war der Schmerz. Alles was geschehen war, was man ihr angetan hatte. Sollte sie es nun vielleicht wirklich schaffen…überleben?

Taumelnd betrat sie, das Asphalt. Es fühlte sich komisch für die junge Frau an, den rauen Untergrund unter der Haut zu spüren, da sie die letzten Stunden nur die weiche Erde unter sich hatte. Der Regen war nach wie vor sehr stark und verschleierte trotz der Laternen eine klare Sicht. Aus diesem Grund nahm sie auch nur am Rande aus den Augenwinkeln war, wie ein kleiner Lieferwagen auf sie zufuhr. Elena konnte noch ihren Oberkörper in Richtung des Fahrzeuges drehen und für wenige Sekunden, den überraschten und schockierten Gesichtsausdruck, des Fahrers erblicken. Einen Wimpernschlag später kam es zu dem unausweichlichen Aufprall. Zu den Schnittverletzungen spürte Elena nun noch den schlagartigen betäubenden, von außenwirkenden Schmerz, der ihren ganzen Körper erfasste und sie auf den Boden krachen ließ.

Sie landete, mit einem Knall auf dem Rücken und ihr Kopf schlug hart auf den Boden. Der Fahrer hatte versucht rechtzeitig zu bremsen, doch es war zu spät. Durch den Regen geriet er ins Rutschen und verlor die Kontrolle. Fast hätte er es geschafft. Als er die Rothaarige erblickte, trat er direkt auf das linke Pedal, doch es ging nicht schnell genug. Er fuhr die junge Frau direkt um, zwar verlangsamt, aber dennoch mit unheimlicher Wucht. Wenige Meter hinter dem zusammengebrochenen Körper, konnte der Wagen endlich halten. Der Fahrer eilte schnell zu der Verletzten.

Elena hob ihren rechten Arm Richtung Himmel und blickte den Sternen entgegen, als wolle sie danach greifen, ehe sie von der bleiernen Ohnmacht in die Dunkelheit gezerrt wurde. Sie konnte sich dagegen nicht wehren, nicht mehr.

Piep….piep….piep…

Das waren die ersten Geräusche, die Elena vernehmen konnte, als sie zu sich kam. Was war passiert? Sie lag auf einem weichen Untergrund und konnte spüren, dass sie zugedeckt war. Sie kam sich vor wie ein kleiner Schmetterling, der bald aus seinem Kokon schlüpfen würde. Den Geräuschen nach zu urteilen, musste sie wohl in einem Krankenhaus sein. Das piepsen kam vermutlich von Maschinen, die ihre Vitalfunktionen überwachten, doch sie konnte nicht nachsehen. Denn sie war so müde. Zu wohlig warm und umgarnt fühlte sie sich. Sie wollte die Augen geschlossen halten, denn sie wusste, sobald sie die Augen öffnete, müsste sie sich mit dem Geschehenen auseinandersetzten. Wenigstens einen kleinen Moment wollte sie noch davor flüchten.

Dadurch, dass es so aussah, als würde sie noch schlafen, konnte sie unbemerkt mitbekommen, wie ein Arzt mit einer Krankenschwester  das Zimmer betrat und über die Patientin gesprochen wurde.

Elena konnte jedoch nur Gesprächsfetzen mitbekommen, da sie nach wie vor sehr geschwächt war und die Anwesenden nicht sehr laut sprachen.

Die Worte die sie mitbekam waren….

….Verbrechen

….Missbrauch

….wie kann man jemanden so etwas antun

….Satanismus

….Ritual

….sie hatte Sperma an ihren Oberschenkeln kleben und an den selben Stellen …… blaue Flecken.

….versuchter Mord

….Fleischwunde

….stark unterkühlt

….Blutverlust
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