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Auf Wiedersehen, Sweetheart

von A-K1112
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Angst / P12 / MaleSlash
Amerika Deutschland Italien Rom Spanien Süd-Italien
24.07.2021
30.04.2022
16
41.007
4
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.07.2021 2.403
 
Anmerkung des Übersetzers:

Das hier ist die deutsche Übersetzung von George de Valiers Geschichte „Auf Wiedersehen, Sweetheart“, die mittlerweile im Hetalia-Fandom zu den Legenden gehört. Die Übersetzung ist in soweit genehmigt, dass es (unter ein paar Bedingungen) jedem von George de Valier erlaubt wurde, die Story zu übersetzen. Das Original ist noch immer in den Tiefen des Internets zu finden (auf tumblr zum Beispiel), genauso wie die anderen Teile, die ebenfalls zum Veraverse gehören. Die anderen Teile, sowie die englische Version von Auf Wiedersehen, auch zu lesen, ist übrigens sehr zu empfehlen! Wirklich das Zeug ist fantastisch!
Des Weiteren wird alles, was eigentlich auf deutsch gesprochen wird, in kursiv geschrieben, um Verwirrung zu vermeiden.

Disclaimer:
Die Charaktere und alles drum herum gehört zu Hetalia, und damit Hidekaz Himaruya und mit wem auch immer er noch zusammenarbeitet. Ich verdiene hiermit kein Geld und es dient nur zu Unterhaltungszwecken. Die Geschichte an sich ist meine Übersetzung des englischen Originals von George de Valier.  


Und nun viel Spaß mit der deutschen Übersetzung.

Vorhang auf für:

Auf Wiedersehen, Sweetheart
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Kapitel 1

Feliciano wusste nicht, was er sonst noch tun sollte. Konnte dieser schreiende Offizier nicht sehen, dass er offensichtlich kein Deutsch sprach? Feliciano versuchte es noch einmal und schwenkte seine kleine weiße Fahne noch schneller. Er trug sie immer für solche Situationen bei sich, aber heute schien es nicht zu funktionieren.

"Ich verstehe dich nicht! Kein Deutsch! Ich würde dir wirklich gerne antworten, aber ich habe keine Ahnung was du sagst! Sprechen sie Italienisch? Englisch ?"

Das funktionierte auch nicht. Der Deutsche schrie einfach nur lauter. Feliciano zuckte unter der verbalen Attacke zusammen und versuchte sich noch kleiner zu machen. Das war völlig ungerecht! Er wollte doch nur zum Dorfmarkt laufen, um Mehl zu kaufen, und stattdessen wurde er unterwegs von diesem lauten deutschen Soldaten angehalten, der über irgendetwas unglaublich wütend zu sein schien und nicht aufhörte, ihn in der fremden Sprache anzuschreien. Feliciano war es inzwischen gewohnt, die Deutschen in und um das Dorf herum zu sehen, aber er hatte noch nie zuvor mit so etwas zu tun gehabt. Er war erschrocken.

"Es tut mir Leid!" rief Feliciano, als der Deutsche, dessen Stimme zu einer ohrenbetäubenden Lautstärke anschwoll, noch wütender wurde. „Ich weiß nicht, was du…“ Felicianos Herz blieb in seiner Brust stehen, als der Deutsche seine Waffe aus dem Halfter zog. Die gesamte Straße und die umliegenden Felder schienen zur Seite zu kippen. Aber der Soldat richtete die Waffe nicht auf ihn – stattdessen hob er sie über seinen Kopf und Feliciano sah zu, wie der Gewehrkolben auf ihn zuschnellte. Er schloss die Augen und machte sich auf den Schlag gefasst. Er kam nicht. Stattdessen drang das Geräusch eines anderen Deutschsprechenden an seine Ohren und Feliciano wagte es, ein Auge zu öffnen und nach oben zu spähen.

Dieser neue Deutsche war hochgewachsen, breitschultrig, blond und sprach zornig auf den Soldaten ein, dessen Arm er fest im Griff hielt. Er schien aus dem Nichts gekommen zu sein. Feliciano sah mit großen Augen zu, wie der blonde Offizier noch ein paar harsche Worte sprach, bevor er den Soldaten losließ und ihn unverzüglich davon schickte. Der Soldat salutierte hastig und eilte davon. Feliciano umklammerte seine weiße Fahne, holte tief Luft und wartete gespannt, was als nächstes passieren würde. Der Offizier sah auf ihn herab und begann auf Deutsch zu sprechen, brach dann aber ab. Nach einigen angespannten Momenten fragte er: "Sie sprechen nicht zufällig Englisch?"

Feliciano atmete erleichtert auf. „Oh, Gott sei Dank! Ja, ich spreche Englisch! Dieser Soldat hat nicht aufgehört mich anzuschreien, und ich wusste nicht, was er wollte, und er war wirklich laut und wütend und beängstigend und vielen, vielen Dank, dass du ihn davon abgehalten hast mich zu schlagen, und wirst du mich jetzt verhaften?"

Der Deutsche sah ein wenig verdutzt aus. "Gern geschehen. Nein, ich werde Sie nicht verhaften."

"Oh gut!" Feliciano lächelte und der Offizier hielt inne, bevor er fortfuhr.

"Ich entschuldige mich für ihn. Er wollte Ihre Ausweispapiere sehen."

„Oh“, sagte Feliciano und versuchte, die Papiere aus seiner Gesäßtasche zu holen. „Ich habe sie hier, ich…“

„Nein…“ Der Deutsche hob seine Hände, die Handflächen nach außen zeigend. "Es ist in Ordnung, wirklich. Geht es Ihnen... geht es Ihnen gut?"

Feliciano lächelte wieder. Das war der netteste deutsche Soldat, den er je getroffen hatte, selbst wenn er äußerst ernst schaute und nicht lächelte. „Ja, mir geht es gut. Danke.“

Der Deutsche nickte flüchtig. „Gern geschehen“; sagte er erneut. Feliciano wartete, aber der Deutsche fuhr nicht fort, sondern sah einfach aufmerksam zu ihm herunter. Feliciano spürte wie seine Atmung schneller wurde, während er zurückstarrte. Es fühlte sich fast an, als ob der Deutsche direkt durch ihn durch schauen würde. Seine Augen waren das Blaueste, was Feliciano je gesehen hatte.

„Also…“, sagte Feliciano endlich, wobei es sich anfühlte als würde er durchs Sprechen einen Zauber brechen. „Kann ich jetzt weiter zum Markt gehen? Da ich eigentlich dort Mehl kaufen sollte und schon spät dran bin. Außerdem will ich nicht das mein Großvater anfängt sich Sorgen um mich zu machen.“

Der Deutsche blinzelte ein paar Mal und seine Augen schossen endlich hoch, um an Feliciano vorbeizuschauen. "Bitte." Er bedeutete Feliciano, weiterzugehen.

"Danke, netter deutscher Soldat-Mensch!" Feliciano lief vorbei und weiter die schmale Landstraße hinunter in Richtung Dorf. Nach ein paar Schritten, unsicher warum, blickte er noch einmal zurück. Der Deutsche sah ihm nach, aber er wandte sich schnell ab.

Feliciano entschied sich, dass heute wohl sein Glückstag war. Nach dem Vorfall mit den deutschen Soldaten gelang es ihm, auf dem Markt reichlich Mehl zu kaufen, dazu Äpfel und sogar ein bisschen Zucker, welcher seit Kriegsbeginn fast nicht mehr zu bekommen war. Feliciano rannte munter aus dem Dorf, winkte den Bewohnern zu und ging den schmalen Feldweg zurück zu seinem kleinen Bauernhaus. Die schon tief stehende Nachmittagssonne tauchte die Straße, die Bäume und die weiten Felder in ein warmes orangefarbenes Licht, und Feliciano summte glücklich vor sich hin, während er seinen Korb voller Einkäufe neben sich her schwang.

An Tagen wie diesen liebte er die Landschaft. Fast konnte er die ständige deutsche Präsenz im Dorf vergessen, fast nicht den Lärm von explodierenden Bomben als Echo in den Bergen widerhallen hören, fast seinen Blick einfach über den kaputten und ausgebrannten Panzer am Wegesrand hinwegschweifen lassen. Es war fast friedlich. Während er spazierte, fragte sich Feliciano was den deutschen Offizier vorhin dazu veranlasst hatte, den Soldaten davon abzuhalten ihn zu schlagen. Feliciano hatte nicht viel mit den Deutschen zu tun gehabt, schließlich versuchte er verzweifelt ihnen aus dem Weg zu gehen, aber sein Großvater und Bruder erzählten ihm immer, dass sie alle schrecklich, grausam und bösartig waren. Dieser Offizier allerdings hatte ganz sicher nicht schrecklich oder böse gewirkt. Feliciano konnte nicht anders als sich zu fragen, ob er ihn je wiedersehen würde. Aber er sollte das nicht denken. Es sollte ihm egal sein. Also warum in aller Welt war es ihm dann nicht egal?

Feliciano bog in die Gasse ein, die zu seiner Haustür führte und wurde sofort von Gelächter und Gesang begrüßt. Er lächelte und rannte zum Haus. Als er das überfüllte Wohnzimmer betrat, wurde er von Jubel begrüßt. Lovino stand auf einem Tisch in der Mitte des Raumes, spielte seine Gitarre und führte die Menge mit einem mitreißenden Revolutionslied an. Feliciano lachte… Lovino musste schon sehr betrunken sein. Der Raum war nicht groß und schien noch kleiner, wenn er voller feiernder Revolutionäre war. Opa Roma durchquerte den Raum und nahm Feliciano den Korb ab, bevor er ihn durch eine Flasche Wein ersetzte und ihn in eine Umarmung zog. "Willkommen zu Hause, Feliciano! Oh, du hast Äpfel und Zucker mitgebracht, guter Junge!"

"Großvater, was ist los?" fragte Feliciano und dachte darüber nach , was die Menge heute Abend wohl feiern könnte.

"Heute ist ein guter Tag für ein freies Italien!"

Feliciano wusste, was das bedeutete. Er hatte es inzwischen oft genug gehört. "Was war der Preis heute?"

"Eine Munitionsladung, aus den Bergen." Roma drehte sich um und rief in den Raum: "Das ist eine Ladung Kugeln, die die Deutschen nicht abfeuern werden!"

Der Raum brach erneut in Jubel aus. Feliciano applaudierte mit ihnen, aber diesmal war sein Herz nicht ganz dabei. „Waren viele von euch da? Sind alle in Ordnung?“

"Verluste gab es heute ausschließlich für die Deutschen." Roma ergriff Felicianos Hand und hob sie zusammen mit der Weinflasche zum Gruß. Er nahm einen tiefen Schluck, bevor er Felicianos Hand endlich losließ. "Drei Fahrer, sieben Wachen. Dein alter Opa hat drei von ihnen im Alleingang erledigt!"

„Gut gemacht Opa!“ Feliciano nahm einen Schlug Wein und versuchte trotz des lauten Singens, Redens und Feierns der Revolutionäre, zu denken. Er hatte noch nie darüber nachgedacht. Opa sagte immer, dass der einzige gute deutsche Soldat ein toter deutscher Soldat war. Aber Feliciano dachte plötzlich, dass diese Soldaten, die getötet worden waren, genauso hätten sein können wie der Deutsche, den er heute auf der Straße getroffen hatte. Es war seltsam… Opa hatte ihm schon oft von Soldaten erzählt, die er ermordet hatte, und Feliciano hatte nie einen weiteren Gedanken daran verschwendet. Aber jetzt hatte der bösartige Deutsche, den er gelernt hatte zu hassen, ein Gesicht. Ein Gesicht mit Augen so blau wie der Himmel…

„Also trink, Feli, und feiere einen weiteren Sieg für La Resistenza!“

Die lauten und aufgeregten Widerstandskämpfer jubelten erneut. Feliciano kannte sie alle… Dorfbewohner und Farmer, die sich der deutschen Militärpräsenz in Italien entgegenstellten und sich verbündet hatten, um gegen sie zu kämpfen und ihre Operationen zu sabotieren. Sie trafen sich oft bei dem Bauernhaus der Vargas oder einer kleinen Bar im Dorf, normalerweise um eine Mission zu planen oder eine erfolgreiche zu feiern. Sie waren La Resistenza… der italienische Widerstand… und sie waren zur Zeit unter den meist gesuchten Menschen in Italien. Deutsche Lieferungen aufhalten, Autos und Panzer zerstören und wichtige taktische Informationen sammeln; La Resistenza arbeitete unermüdlich, um die Vorhaben des deutschen Militärs in Italien zu vereiteln. Und wenn sie feierten, taten sie das mit der selben Hingabe und Leidenschaft.

Lovino beendete den Refrain des Liedes, sprang vom Tisch und warf einen Arm um Feliciano. "Hey Feli!" Feliciano hatte Recht… Lovino hatte tatsächlich schon zu viel Wein getrunken. So fröhlich und umgänglich war er erst nach ein paar Drinks und einem entscheidenden Sieg.

"Du warst heute nicht an der Operation beteiligt, oder?" fragte Feliciano plötzlich besorgt. Es war schon schlimm genug, dass Opa immer rausging und sich solchen Risiken und Gefahren aussetzte. Er wollte sich nicht auch noch um seinen Bruder sorgen machen müssen.

Lovino rollte mit den Augen. „Wenn doch nur.“ Lovino wandte sich an Roma. „Wann lässt du mich mit dir auf eine richtige Mission gehen, Opa? Ich habe es satt, nur Bomben in Autos zu legen. Ich will ein wenig mehr Action sehen!“ Roma lachte nur und warf seinen freien Arm um Lovino.

"Ihr wisst doch, ich mag es nicht, meine geliebten Enkel in Gefahr zu sehen", sagte Roma und umarmte Feliciano und Lovino fest.

Feliciano lachte. Opa brauchte sich keine Sorgen um ihn zu machen. Er war der Erste, der zugab, dass er versuchte, sich immer von Gefahren weit fernzuhalten. Er trug immer noch zur Bewegung bei, normalerweise indem er so viele Informationen von den Dorfbewohnern über die deutschen Aktivitäten in dieser Gegend sammelte, wie er konnte. Feliciano war dankbar, dass Opa Roma versuchte, ihn zu beschützen, war sich aber gleichzeitig bewusst, dass er manchmal noch immer wie ein kleines Kind behandelt wurde. Lovino hingegen hatte jahrelang verzweifelt versucht, in die Action draußen mit einzusteigen, selbst wenn Opa ihm immer wieder sagte, der Zweck des Widerstands sei es, so wenig wie möglich gesehen zu werden und dass direkte Auseinandersetzungen selten seien. Aber mit jedem bisschen an Verantwortung, das Opa Lovino zugestand, wollte er immer nur mehr.

„Nächstes mal Lovino, ich versprech‘s dir“, sagte Roma fröhlich lächelnd, während er durch Lovinos Haare wuschelte.

"Das sagst du immer", grummelte Lovino und schlug Romas Hand weg.

Roma lachte nur und nahm Lovino die Gitarre aus der Hand. "Kopf hoch, Lovino. Feier und Sing mit uns!" Roma klimperte auf der Gitarre, drehte sich um, verbeugte sich zum Raum und begann eine sofort erkennbare Melodie zu spielen. Der überfüllte Raum brach in einen Jubel der Anerkennung aus. Dann stimmte Roma ein Lied an, das ihnen inzwischen allen so vertraut war.

"Una mattina mi son svegliato,
O bella, ciao! Bella, ciao! Bella, ciao, ciao, ciao!
Una mattina mi son svegliato,
e ho trovato l'invasor."

Die Revolutionäre stiegen mit ein. Lovino, betrunken von Wein und Heiterkeit, schien seinen Ärger sofort zu vergessen und begann mit einem der Mädchen aus dem Dorf zu tanzen. Feliciano konnte nicht anders, als mitgerissen zu werden. Er trank Wein aus der Flasche und fing ebenfalls an zu singen. Er begrüßte fröhlich verschiedene Leute, die zu ihm kamen, um mit ihm zu plaudern. Er lachte und feierte, währenddessen er sich Siegesgeschichten anhörte. Er rief dann laut mit allen, dass Opa Roma das Lied noch einmal spielen solle. Er tanzte und jubelte und sang das Lied immer und immer wieder, bis zur letzten Strophe, die jeder so laut sang, dass Feliciano sicher war,  man würde sie noch im Dorf hören.

"È questo il fiore del partigiano,
O bella, ciao! Bella, ciao! Bella, ciao, ciao, ciao!
È questo il fiore del partigiano,
morto per la libertà!"

In dieser Nacht lag Feliciano erschöpft, satt und glücklich da und versuchte zu schlafen, während Lovinos Schnarchen aus dem Bett neben seinem kam. Er hatte den Abend damit verbracht, mit dem örtlichen Widerstand zu essen, zu trinken, zu reden und Lieder über die Freiheit Italiens zu singen. Aber als er die Augen schloss und zufrieden in den Schlaf driftete, war das letzte Bild, das ihm durch den Kopf ging, das eines blonden, blauäugigen deutschen Offiziers, der im Sonnenlicht stand und auf ihn herabschaute.

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Fortsetzung folgt…
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Der Text des Liedes stammt vom dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ aus dem Zweiten Weltkrieg:

Eines Morgens erwachte ich
O Schöne, tschau, Schöne, tschau, Schöne, tschau, tschau, tschau!
Eines Morgens erwachte ich
und fand den Eindringling vor.

Dies ist die Blume des Partisanen
O Schöne, tschau, Schöne, tschau, Schöne, tschau, tschau, tschau!
Dies ist die Blume des Partisanen
Der für die Freiheit starb
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