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Outlaws

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller
24.07.2021
02.08.2021
10
13.162
5
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24.07.2021 1.559
 
“Hubert, Staller!”, schallte es aus dem Büro von Polizeirat Girwidz. Gemächtlich betraten die Gerufenen das Büro ihres Chefs und setzten sich auf die Stühle vor dessen Schreibtisch. “Ich habe gerade einen Anruf vom Bürgermeister bekommen. Er hat sich über Sie beide beschwert”, fuhr der Revierleiter seine beiden Polizeiobermeister an. Hubsi sah zu Hansi, doch der zuckte nur mit den Schultern. “Was will er denn?”, fragte Staller. “Was er will?”, Girwidz’ Stimme klang drohend, “Ich kann Ihnen sagen, was er will. Er will, dass Sie sich endlich um diesen Landstreicher kümmern, der seit Tagen vor dem Rathaus sitzt. Was gibt das denn für ein Bild ab, insbesondere für die Touristen, die unser schönes Rathaus fotografieren wollen und das ohne einen Landstreicher davor!” “Jetzt platzt er gleich”, flüsterte Hubsi seinem Partner zu, der daraufhin breit grinste. “Das habe ich gehört!”, sagte der Chef mit zornrotem Kopf. Er deutete auf die Tür und die beiden Polizeiobermeister verließen eilends das Büro.

“Der soll doch den armen Mann da sitzen lassen, der macht ja nix”, schimpfte Hubsi, als er mit Hansi im Streifenwagen in Richtung Rathaus fuhr. Tatsächlich saß neben dem Eingang zum Rathaus ein Obdachloser. Er hatte den Kopf an die Hauswand gelehnt und schien zu schlafen. “Servus, Ihre Papiere bitte”, sprach ihn Staller an, doch der Mann rührte sich nicht. Hansi fasste ihn mit der Hand an die Schulter. Dabei kippte dieser zur Seite und Staller legte zwei Finger an dessen Halsschlagader. Er schaute zu Hubsi und schüttelte den Kopf. Hubert seufzte und zog sein Handy aus der Hemdtasche. “Servus Anja, kannst du mal zum Rathaus kommen? Da sitzt a Toter davor.” Ohne auf Antwort zu warten, legte er auf. Er wusste, dass das sehr unhöflich war, je kürzer er Anjas Stimme hörte, desto besser. Per Funk informierten die Polizisten Sonja und forderten Riedl an, der den Tatort absperrte.

Schließlich traf Anja ein. Sie schleppte ihre Koffer zum Toten und begann mit ihren Untersuchungen. Hubsi trat neben sie und schnüffelte. “Mei Anja, dir tät a Dusche au mal wieder guat”, stichelte er. Anja richtete sich auf und sah ihn spöttisch an: “I hab heut Morgen ausgiebig geduscht, was man von dem da net sagen kann.” Sie deutete auf den toten Obdachlosen. “Ich erinnere mich immer no an die Zeiten in unserer Ehe, als du dachtest, dein Männerschweiß sei des beste Deo.” Hubsi setzte ein zynisches Lächeln auf und sah sie abschätzig an. Doch insgeheim atmete er ihren feinen Duft nach Lavendel ein, den er immer schon an ihr gemocht hatte und wusste nicht, dass auch sie an den “Männerschweiß” dachte, der in seinen T-Shirts hing und an denen sie früher gerochen hatte, wenn er länger arbeiten musste und nicht bei ihr war.

“Der Mann ist etwa sechzig Jahre alt und hat keine äußeren Verletzungen. Zur Todesursache kann ich euch erst was nach der Obduktion sagen. Todeszeitpunkt ist vor etwa einer Stunde, denn er ist noch warm.” Die Pathologin packte ihre Koffer zusammen und stiefelte ohne ihren Ex-Mann eines weiteren Blickes zu würdigen zu ihrem Auto und fuhr davon. Hubert und Staller gingen ins Rathaus und sprachen mit der Dame am Empfang. “Guten Tag, Staller mein Name, Polizei Wolfratshausen. Der Obdachlose da vor der Tür, hockt der schon den ganzen Tag da?”, fragte Staller. “Der saß schon seit drei Tagen da, von morgens bis abends. Des war scho seltsam, denn gebettelt hat der net. Der war einfach nur da”, erzählte ihm die Empfangsdame. Staller grinste die hübsche Frau an und schielte auf ihr Namensschild: “Aha, Frau Täubner, und ist der nie weggangen, aufs Klo vielleicht oder um was zu essen zu besorgen?” “Na, der hatte einen Rucksack dabei, da hat er ab und zu was rausgnomma. Aufs Klo isser immer im Rathaus gegangen, da sind ja öffentliche Toiletten.” Hubsi zeigte auf den Rucksack, der immer noch neben der Türe lag und Hansi legte das Gepäck des Toten in den Streifenwagen. Dann fuhren Hubert und Staller zurück aufs Revier. Sie bemerkten nicht, wie ihnen ein dunkelblauer Ford folgte. Zuerst erstatteten sie dem Revierleiter Bericht. “Das ist ja so typisch für Sie. Da schickt man Sie zu einem Obdachlosen und plötzlich ist der tot. Manchmal frage ich mich...”, begann der Polizeirat. “Ha, keine Unterstellungen”, unterbrach ihn Staller entrüstet, “mir kennen da ja nix dafür, wir finden die Leichen ja nur.” Der Girwidz nickte versöhnlich: “Haben Sie denn schon etwas herausgefunden?” “Na”, meinte Hubsi, “wir warten, bis sich die Licht meldet.”

Hubert und Staller gingen für weitere Ermittlungen in ihr Büro und Hansi öffnete den Rucksack des Toten. Darin befanden sich eine Jacke und leere Plastikdosen, in denen wahrscheinlich Brote gewesen waren. Ganz zu unterst lag eine Plastiktüte. Staller zog sie heraus und fand darin zu seiner Überraschung gebündelte Geldscheine. “Hubsi, des sind ja mehrere zehntausend Euro. Was macht ein Obdachloser mit so viel Geld?” “Jetzt wissen mir wenigstens, warum der net gebettelt hat”, sagte Hubsi verwundert und nahm ein Bündel in die Hand. “Des müssen wir zur Anja bringen”, meinte Hansi und stand auf. Hubsi stöhnte: “Die meckert dann bestimmt wieder, dass wir des alles ohne Handschuh angfasst haben!” Lustlos folgte er seinem Partner, denn eigentlich war seine Dosis Anja für diesen Tag schon erreicht. In der Pathologie wunderte sich Anja, dass die beiden Polizisten ankamen, ohne dass sie sich gemeldet hatte. Sie sah ihren Ex-Mann kurz an und meckerte: “Was macht ihr denn scho da, i bin doch noch gar net fertig?” Kommentarlos warf Hubsi den Rucksack auf ihren Schreibtisch. “Spinnst du?”, schrie sie ihn an. “Der ghört dem Toten”, erklärte Hansi. “Habt ihr denn etwa scho aufgmacht und wahrscheinlich wieder ohne Handschuh?”, schimpfte die Pathologin. “Ohne Handschuh”, äffte sie ihr Ex-Mann nach. Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu und begann den Polizisten ihre Ergebnisse mitzuteilen. “Der Tote hatte keine Papiere dabei und ist eindeutig vergiftet worden.” Sie öffnete den Mund des Toten und zeigte auf das Blut darinnen. Angeekelt wandte sich Hubsi ab und wurde ganz blass. Voller Genugtuung grinste ihn seine Ex-Frau an. “Wahrscheinlich war das Gift in seinem Essen. Im Magen hatte er Brot mit Schinken und ein paar Tomaten, mehr nicht. Willst des sehen?”, fragte sie und hielt ihrem Mann ein Gefäß mit dem Mageninhalt des Toten unter die Augen.  

Hubsi musste würgen und rannte nach draußen. “Herrschaftszeiten, muss das immer sein?”, echauffierte sich Hansi und sah Anja missbilligend an. Anja könnte sich ohrfeigen, warum hatte sie das nur getan? Hubsi konnte ja nichts dafür, dass er so etwas nicht sehen kann, er ist eben manchmal ein Sensibelchen. Unbewusst schmunzelte sie. Hansi wies die Pathologin auf den Inhalt des Rucksackes hin und Anja entnahm die darin enthaltenden Dosen und das Geld. Auch sie staunte: “Was macht ein Obdachloser mit so viel Geld?” Sie versprach sich zu melden, wenn sie Fingerabrücke gefunden hatte. “Außer euren”, setzte sie süffisant dazu. Hubsi war immer noch grün im Gesicht, als er wieder aus dem Waschraum kam. Er würdigte seine Ex-Frau keines Blickes, doch Anja sah ihm besorgt ins blasse Gesicht. Die Polizisten verließen die Pathologie und stiegen wieder in den Streifenwagen. Der Fahrer des blauen Fords ließ Wagen 3 an sich vorbeifahren und stieg dann aus. Er ging hinunter in die Pathologie. Staller war gerade ein paar Meter gefahren, da seufzte Hubsi ärgerlich auf. “So ein Mist”, schimpfte er, “jetzt hab i mein Handy im Waschraum liegen glassen.” Staller ließ ihn aussteigen und Hubsi ging noch einmal in das Untergeschoss des Klinikums. Die Tür zur Pathologie stand offen und der Polizist wollte gerade vorbeischleichen, da warf er doch einen Blick in den Raum, aber von Anja war nichts zu sehen. Der Leichnam war abgedeckt, aber es brannte noch Licht und Anjas Tasche stand unter dem Schreibtisch. Hubsi wollte Anja nicht begegnen, aber das fand er seltsam. “Anja?”, rief er deshalb und trat in den Sezierraum. Plötzlich fühlte er einen dumpfen Schmerz auf seinem Hinterkopf und alles wurde dunkel um ihn herum.

Klaus war tot und den wertvollen Rucksack hatten die Polizisten mitgenommen. Fred Jenninger folgte dem Streifenwagen zum Revier und später zur Pathologie. Er sah Hubert und Staller ohne Rucksack wieder aus dem Klinikum kommen und stieg aus seinem Auto und ging die Treppe hinunter in die Pathologie. Dr. Anja Licht stand mit dem Rücken zu ihm und hatte ihre Augen auf das Mikroskop gerichtet. Plötzlich hörte sie ein Geräusch: “Wer sind denn Sie”, rief sie aus, als sie einen schwarzgekleideten Mann vor sich sah. Jenninger schlug ihr mit einem Stein über den Kopf und es wurde dunkel um sie herum. Jenninger wollte gerade mit dem Rucksack verschwinden, da hörte er Hubsi kommen. Er stellte sich hinter die Türe und schlug auch ihn nieder. Dann überlegte er. Die Frau hatte ihn definitiv gesehen, bei dem Mann war er sich nicht sicher. Kurzerhand legte er beide auf eine Trage und deckte sie zu. Er schob die Rolltrage in den Aufzug und verlud die beiden Körper ungesehen in seinen Wagen und verstaute sie im Kofferraum; dann fuhr er los. Er musste schnellstmöglich über die Grenze, bevor man die beiden vermisste.  

Staller wartete über eine Viertelstunde auf Hubsi und eilte dann zurück in die Pathologie. Die Tür war verschlossen und alles war dunkel. Hansi wunderte sich, doch dann grinste er von einem Ohr zum anderen. Vielleicht hatten sich die Ex-Eheleute ausgesprochen und ihn darüber ganz vergessen. Staller beschloss Feierabend zu machen und fuhr nach Hause.
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