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Julie and the Phantoms - Season 2

von Shine4You
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Alex Carrie Wilson Flynn Julie Molina Luke Patterson Reggie
23.07.2021
05.08.2022
29
41.607
3
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05.08.2022 1.457
 
Es dauerte nicht lange, bis Carrie den Flughafen erreichte. Sie stand am Gate und schaute sich teilnahmslos um. nichts kam ihr verdächtig vor. Ihr Vater war fort, eine wichtige Angelegenheit. Wie fast immer eigentlich. Daran hatte sich die junge Schülerin gewöhnt, sagte nichts dazu. Auch wenn sie tief im Inneren wusste, dass sie ihren Vater brauchte. Jemanden, mit dem sie reden konnte. Mit dem sie sich über alles unterhalten konnte, ohne schief angeschaut zu werden. Das würde jedoch nie passieren. Vermutlich erst, wenn sie größeren Erfolg erzielte. Erst dann würde sich ihr Vater mit Carrie beschäftigen.
Als die junge Frau ihren Koffer abgab und sich zum zugewiesenen Platz aufmachte, fiel ihr ein Mann auf. Mit dunkler Kleidung. Sofort beschleunigte sie ihre Schritte. Er schien unheimlich, aus einem Grund bedrohlich. Carrie schluckte und konnte erst erleichtert aufatmen, als sie eine größere Menschenmenge erreichte. Blitzschnell verschwand sie zwischen ihnen. Das Gefühl, jemand würde sie beobachten, verschwand nicht ganz. Und doch fühlte sie sich hier etwas aufgehobener.
Sie hätte doch nicht fliegen sollen.
Das war nun zu spät.
Der Flieger wartete darauf, dass alle einstiegen. Und das Geld würde sie vermutlich nie wieder zurückbekommen, wenn sie jetzt aus heiterem Himmel verschwand. Seufzend schüttelte Carrie den Kopf und straffte die Schultern. Um jeden Preis durfte sie jetzt nicht schwach werden. Sie hatte andere Pläne, die verwirklicht werden mussten. Die Rache an Julie und ihren Freunden brachte sie auf andere Gedanken.
Im Flugzeug war es stickig. Die Familie, welche sich hinter ihr in der Reihe befand, machte einen Krach, der für drei Tage – und mehr – ausreichte. Entnervt rollte sie mit den Augen und kramte in der Tasche nach ihrem Handy. Sie stöpselte sich die kleinen Kopfhörer ins Ohr und drehte die Musik auf die letzte Lautstärke. So würde sie zumindest für die nächsten Minuten nichts hören.
Der Gesang, der aus ihren Headsets dröhnte, beruhigte sie. Eine melodiöse Stimme, die eines Mannes, schmetterte Texte zum Besten, die ihr den Kummer und die Sorgen von der Seele rissen. Sie war so sehr in der Musik vertieft, sodass sie nicht merkte, wie sich jemand neben sie setzte. Erst als eine Hand auf ihrer Schulter lag und am Kabel zog, schrak sie heftig zusammen. Den Aufschrei konnte sie sich nicht verkneifen.
"Tut mir leid", hörte sie die warme und wohlklingende Stimme eines Jungen.
Carrie schluckte, schob die Hand grob zur Seite und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren.
"Wer es glaubt!", erwiderte sie schnippisch.
"Ich wollte dich wirklich nicht erschrecken", versuchte er es erneut, doch Carrie schüttelte den Kopf und gab ihm zu verstehen, dass er nichts von ihm hören wollte. Bevor sie wieder in ihrer Musik versank, hörte sie ihn ein letztes Mal leise, ja fast schwermütig, seufzen.

Wenige Stunden später hörte sie ein leises Knacken. Es kam von den Lautsprechern, die den Landeanflug ansagten. Carrie steckte das Handy mit samt den Headsets in ihre kleine Handtasche und schaute aus dem Fenster. Vor ihren Augen wurde die Landebahn größer und größer. Langsam rollte der Flieger aus. Erst als alles stillstand, löste sie den Gurt und griff nach oben. Nur mit leichter Anstrengung gelang es ihr, das Ablagefach zu öffnen.
"Du hättest auch was sagen können", hörte sie die Stimme des Jungen neben ihrem Ohr.
Genervt rollte sie mit den Augen. "Du nervst! Verzieh dich!"
Wenn das keine deutliche Abfuhr war, dann wusste sie auch nicht, was noch zu tun war. Entweder wollte der Typ nicht verstehen oder etwas anderes steckte dahinter. Carrie warf den Gedanken beiseite und drängte sich an ihm ins Freie. Zielstrebig lief sie in Richtung der Gepäckausgabe weiter. Hinter ihr: Schritte. Sie ignorierte diese und lief weiter. Erst als eine Hand auf ihrer Schulter lag und sie zum stehenbleiben zwang, drehte sie sich um. Vor ihr: der junge Typ. Wieder rollte sie mit den Augen und schob seine Hand von ihrer Schulter.
"Wenn du zur Gepäckausgabe willst, dann bist du hier falsch", meinte er und deutete mit einem Kopfnicken in die entgegengesetzte Richtung. "Zum Gepäck geht es dort entlang."
Mit einem Nicken bedankte sich Carrie bei ihm und lief in Richtung der Gepäckausgabe. Sie hörte ihn leise seufzen, doch das kümmerte die junge Frau nicht mehr.

In der Zwischenzeit seufzte der junge Mann und holte sein Handy heraus. Mit einem kurzen Überblick durch die Menschenmenge tippte er das Display an. Eine Oberfläche öffnete sich, Kontakte erschienen. Dann hörte er das leise Tuten.
"Jeremy", meldete sich eine erfreute Frauenstimme. "Schön, dass du anrufst. Wo bist du jetzt?"
Er lächelte. "Am Flughafen. Ich habe die Zielperson noch nicht gefunden, werde aber dranbleiben."
"Das ist schön."
Er lief weiter, versuchte den Ärger herunterzuschlucken, den das junge Mädchen in ihm auslöste. "Gibt es etwas, das ich für dich tun kann?"
Ein Lachen ertönte am anderen Ende der Leitung. "Du kannst deine Mutter anrufen und ihr sagen, dass du kommst. Sie wäre erfreut."
Jeremy seufzte. "Sie ist beschäftigt. Mit dem Ausrichten ihres großen Events."
Wieder ein leises Lachen am anderen Ende. "Du bist ihr einziges Kind. Bestimmt würde sie sich freuen, wenn du sie anrufst."
Er zuckte mit den Schultern und griff nach seinem Koffer. "Ich werde einfach hinfahren. So kann ich sie überraschen. Und vielleicht ist die Zielperson auf dem Event zugeben."
"Wie du meinst. Ich warte auf deinen Bericht. Wenn du in zwei Tagen nichts schreibst, dann werde ich dir Verstärkung schicken."
Jeremy lachte und steuerte auf den Ausgang des Flughafens zu. Die Sonne schlug ihm heiß und unerbittlich entgegen. Reflexartig hob er einen Arm und schirmte sich die Augen ab. "Keine Sorge, Kendra. Ich werde mich pünktlich melden."
"Ich verlass mich drauf."
Er legte auf und steckte sein Smartphone in die Jackentasche. Anschließend winkte Jeremy ein Taxi herbei.
"Wohin kann ich Sie bringen?"
Eine Frau, die hinter dem Steuer des Wagens saß, lächelte freundlich. Jeremy zog einen Zettel aus der Tasche und reichte ihn nach vorne. Er sah, wie sich die Brauen der Frau hoben. Sie deutete ein knappes Nicken an, reichte ihm das Papier und startete den Motor. Indes schnallte Jeremy sich an, schaute aus dem Fenster. Die Skyline der Stadt war beleuchtet, die Sonne schien. Im Inneren des Taxis war es angenehm kühl.
Die Fahr dauerte eine knappe halbe Stunde. Sie hielten vor einem großen Gebäude. Er stieg elegant aus dem Wagen, reichte der Frau ein kleines Bündel. Sie wollte ihm das Wechselgeld in die Hand drücken, doch er schüttelte den Kopf. Mit seinem Koffer lief er weiter, auf die großen Glastüren, die sich automatisch öffneten, sofern man der Lichtschranke zu nah trat. Im Inneren erwarteten ihn einige Security-Mitarbeiter, die ihn skeptisch musterten. Erst als er sich auswies und sie erkannten, dass er der Sohn von der Veranstalterin war, ließen sie ihn passieren.
Jeremy lief durch das Gebäude, auf das Büro seiner Mutter zu. An der Tür hielt er inne. Er hörte Stimmen, die sich über etwas zu unterhalten schienen. Das klang nicht gut. Die Stimme seiner Mutter zitterte leicht. Vor Wut, nahm Jeremy an. Der junge Mann atmete einige Male tief ein und aus. Dann drückte er die Klinke herunter.
"Was hab ich von nicht stören gesagt!", blaffte sie, ohne sich umzudrehen.
Jeremy verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen die verschlossene Tür. "Nette Begrüßung", meinte er und löste die überkreuzten Arme. "Ich kann auch gleich wieder gehen."
Lira sprang von ihrem Stuhl auf, legte den Hörer des Telefons zur Seite und lief eiligen Schrittes auf ihn zu. "Jeremy?" Verwunderung lag in ihrer Stimme. Und ein leises Zittern. "Bist du es wirklich?" Grinsend nahm er sie in seine Arme. Lira schluckte ihre Gefühle herunter und drückte ihren Sohn fest an ihre Brust. Man konnte ihr ansehen, dass die froh war, ihren Sohn in einem Stück zu sehen. Tränen der Freude glitten über ihr Gesicht, die er mit einem Finger wegwischte. Jeremy führte seine Mutter zu einem Stuhl und drückte sie auf die Sitzfläche. Anschließend griff er nach einem Glas und schenkte ihr Wasser ein. Schweigend trank sie es in einem Zug aus und stellte es mit zitternder Hand auf den Schreibtisch. Er griff nach dem Telefon, sagte Worte, die sie nicht ganz begreifen konnte und legte es wieder auf die Gabel. "Und ich dachte, dass du …"
Er lachte. "So leicht bekommt man mich nicht klein."
"Es ist schön, dich wiederzusehen", flüsterte sie mit belegter Stimme und legte ihm einen Arm um die Schultern. Für einen Moment konnte er alles vergessen. Die schweren Observationen, seinen Auftrag. Er konnte sich fallenlassen.
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