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Meine Gedanken ziehen Gegensätze magisch an

von Yukibana
OneshotDrama / P16 / Gen
22.07.2021
22.07.2021
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Hallo :)

Dies ist etwas sehr Persönliches für mich, dennoch wollte ich es mit euch teilen, für den Fall, dass jemand unter euch, oder jemand, den ihr kennt, an etwas Ähnlichem leidet oder gelitten hat. Falls das der Fall sein sollte: Fühlt euch umarmt! <3

Eine kurze Triggerwarnung vorweg: Es geht um die Beschreibung einer Essstörung.

Ansonsten liebe Grüße,
Yuki

***

Still ist es. Ab und zu sind vereinzelte Regentropfen hörbar, die an der Fensterscheibe prasseln. Es war den ganzen Tag schon windig und grau gewesen, aber geregnet hatte es nur einmal. Das ist vermutlich auch der Grund, warum mir gerade diese Kleinigkeit genau jetzt in den Sinn kommt. Ich fühle, dass mir ausnahmsweise einmal warm ist. Obwohl normalerweise besonders meine Hände und Füße stets wie gefroren sind. Es fühlt sich gut an. Manchmal stehe ich sogar an der Heizung, einfach nur, um ein wenig Wärme abzubekommen. Dabei fühle ich mich dann meistens ziemlich erbärmlich, da ich weiß, dass ich diesen Zustand theoretisch ändern könnte, ich könnte dieses eine Leid wenigstens selbst beenden.

Und doch tue ich es nicht, ich habe es nicht einmal vor.

Wie kann man weiterhin etwas verfolgen, von dem man weiß, dass es einem schadet, und das auch noch mit solcher Leidenschaft?

Fast schon, als würde gerade das meine Rettungsleine sein, die ich auf gar keinen Fall loslassen darf.

Warum nicht?

Gute Frage, ich weiß es nicht genau, und genau da liegt der Punkt. Es scheint mir rein objektiv gesehen nichts zu bringen, aber mein subjektives Inneres, diese Gedanken, scheinen sich geradezu darauf zu stürzen, wider jede Vernunft. Dabei habe ich dieses Mal sogar etwas zu verlieren, falls ich dieses selbstbenannte Spiel wieder zu weit treiben würde. Und da ich es nun mal absolut nicht mag, zu verlieren, ziehe ich mit. Auf der Suche nach einem Preis, den keiner eigentlich wollen sollte. Der mir nichts bringen wird, außer die Illusion, dass er mir hilft und mich weiterbringt, wofür auch immer.
Dabei weiß ich es sogar besser. Alles. Und doch höre ich mir selbst nicht mehr zu, zumindest nicht mehr diesem einen Teil meines Bewusstseins, wahrscheinlich, weil die Wahrheit noch schlimmer zu ertragen wäre. Ja, ich mache es mir damit unglaublich einfach. Aber gleichzeitig auch schwer. Ich bin, wenn ich so darüber nachdenke, noch nie in eine Situation geraten, die so voller Widersprüche steckt, die sich mir aber trotzdem vollkommen schlüssig erscheint. In einer Art, die ich gar nicht mal richtig beschreiben kann.

Was habe ich nur getan? Soll ich jetzt glücklich über diese Situation sein? Soll ich stolz auf meine Entscheidungen sein?

Das kann nicht mein Ziel gewesen sein. Das ist nicht mein Ziel. Ein bisschen Ablenkung, ein bisschen Kontrolle vielleicht. Ja, das trifft es eher. Ich dachte, und ich denke immer noch, dass es sich gut anfühlt. So richtig. Wie etwas Lobenswertes, Mutiges. Aber es ist nur ein einziger Haufen Scheiße. Ich spiele mir alles nur vor, und obwohl ich das weiß, spiele ich freiwillig mit, als Hauptrolle.

Wieso lasse ich das zu? Wieso tue ich nichts dagegen? Wieso ist meine Vernunft nicht stärker? Bin ich denn wirklich so schwach, oder ist die Verlockung doch zu stark?

Eigentlich will ich nicht mehr frieren, mich den ganzen Tag im Bett unter den Decken verkriechen, um noch etwas spürbare Körperwärme aufbauen zu können. Und ich will mir auch nicht länger ständig dieselben, trivialen aber doch unglaublich wichtigen Fragen mehr zu stellen haben.

Wie teile ich es auf, dass es zeitlich gesehen passt?

Nicht zu viel auf einmal, natürlich. Dieses Mal werde ich es über eine längere Zeit schaffen, dem standzuhalten. Ich werde mich übertreffen, mich bessern, aber niemals aus dem tiefsten Inneren stolz darauf sein.
Ich sollte mir mehr Mühe geben. Aber dieser Drang nach Leistung, nach dem immer Weitergehen sollte ich ignorieren.

Wie viel kann ich dieses Mal erreichen?

Ich schraube nochmal alles runter, das ist zu viel.

Und wenn genau, unter welchen Umständen sollte ich es am besten machen?

Ich will ja auch noch etwas davon haben, immerhin wird es zu einer immer größer werdenden Seltenheit.
Ich fühle richtig, wie ich es will, es aber gleichzeitig abstoße, als würde es mich umbringen. Ein einziger Regelverstoß würde alle Mühen, alles Aufgebaute einfach wieder zerstören. Ich muss auf jeden Fall aufpassen.

Wenn es wieder so weit ist, welche Kombination soll ich dann ausprobieren?

Ich will etwas Neues, etwas, wofür sich das schlechte Gewissen lohnt.

Ich stehe auf. In letzter Zeit stehe ich gern, auch wenn ich es hasse. Ich geh ein bisschen umher. Ich sollte mich besser um mich kümmern.
Ich habe es aber nicht verdient. Ich mache Einiges falsch. Vieles ist zwar richtig, aber ich mache Anderes falsch. Auch jetzt fühle ich, dass es nicht gut genug ist, es könnte definitiv besser sein. Andere können es so gut, sie tun und erschaffen Dinge, darauf bin ich neidisch. Dagegen kann ich noch nichts. Ich habe aber immer das Gefühl, ich müsse mich nur mehr anstrengen, dann könnte ich auch etwas Besseres erschaffen. Die Tatsache, dass ich dies nicht tue, stört mich am meisten. Ich will es besser machen. Ich will beeindrucken, stolz machen, nicht nur die anderen. Aber es fehlt an so vielen Stellen etwas,

wo soll ich nur anfangen?

Wie man sehen kann, kann ich mit mir selbst nicht so viel anfangen, ich wünschte einfach, ich könnte mehr. Dabei kann ich nicht mal für mich selbst etwas in voller Überzeugung tun, außer natürlich die ganze Scheiße hier, die mich aber wie gesagt auch nicht weiterbringen wird. Eher im Gegenteil.
Und jetzt denke ich schon wieder darüber nach, obwohl ich anfangs etwas ganz anderes vermitteln wollte. Daran bemerke ich auch, wie sehr es in meinem Kopf wohl herumspukt und wie sehr ich es genieße, und hasse.

Das Essen.
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