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Eifersucht

von Mujuchu
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
22.07.2021
22.07.2021
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“Ich schicke Sie zu einem Kellereinbruch und Sie bringen mir schon wieder eine Leiche!”, wetterte Polizeirat Girwidz. “Na, na”, widersprach ihm Staller, “gebracht ham mir di Eahne net. Die liegt scho in der Pathologie.” Der Chef machte eine ungeduldige Bewegung und sagte genervt: “Das ist mir schon klar. War es ein Unfall?” “Bestimmt”, erwiderte Hubert, “die is im Keller hingefallen und dann ist aus heiterem Himmel ein Schraubenzieher auf se gstürztund hat se durchbohrt.” “Ihren Sarkasmus können Sie sich sparen! Wissen Sie schon etwas über den Täter?”, forderte der Girwidz, doch die Ermittler blieben stumm. “Was stehen Sie dann noch hier so herum, an die Arbeit”, herrschte der Chef seine Untergebenen an, die daraufhin das Büro verließen.  

Mit dem Streifenwagen fuhren die beiden Polizeiobermeister in die Pathologie. “Tatsächlich nur ein präziser Einstich”, begann Anja mit ihren Ausführungen, “der sofort zum Tod gführt hat. Der Schraubenzieher war bis zum Griff in den Rücken gerammt, da brauchst scho a Kraft.” “So a Brutalo”, meinte Staller und Anja erwiderte: “Oder jemand der emotional involviert war. Und ja, sie hatte vor ihrem Tod etwas, was der Hubsi  scho lang nimmer ghabt hat …" “Ärger mit der Ehefrau?”, vermutete dieser spöttisch. “Nein, Geschlechtsverkehr”, sagte Anja süffisant.  Anjas Bemerkung traf ihn wie einen Schlag in die Magengrube, denn ihm war klar, dass Anja nicht wie eine Nonne lebte. “I geh halt net mit jederer glei ins Bett nei, des hab i net nötig”, antwortete er schlagfertig, “und i hab net dauernd a neues Gspusi, wie andere hier.” “Was willst denn damit sagen?”, fragte die Pathologin streitlustig. “Nichts”, behauptete Hubsi und sah seine Ex-Frau vielsagend an. Staller sah es Anja an, dass sie das nicht auf sich sitzen lassen würde und machte sich leise aus dem Staub. “Du bist so a Arschloch! I entscheid no selber mit wem i was mach und du hast damit aber au gar nichts zu tun!”, schrie Anja ihren Ex-Mann an. “Du hast doch damit angefangen, net I", sagte Hubsi leise, “was wolltest denn hören? Macht es dich glücklich, wenn i niemand hab?”  

Anja beruhigte sich genauso schnell, wie sie sich aufgeregt hatte. Sie sah ihren Ex-Mann verlegen an und murmelte dann: “Natürlich net, ich würd dir scho gönnen, dass du noch amol glücklich wirst.” “Schmarrn, Anja. Du hast des doch nur gsagt, um mich zu verletzen. Warum muss das immer sein?”, Hubsis Stimme klang traurig und er wandte sich zum Gehen. “Jetzt wart amol, Franz”, hörte er Anjas sagen. “Franz”, wiederholte er, “des hast scho lang nimmer zu mir gsagt.” Hubsi blieb stehen und drehte sich zu Anja um. Eine Weile sahen sich die Ex-Eheleute schweigend an. “I wollt eigentlich nur …", stammelte Anja. “Was wolltest du nur?”, fragte Hubsi und trat einen Schritt auf sie zu. “I hab immer mal wieder a Beziehung ghabt und des weißt du au, aber i weiß net, ob du jemanden hast”, gab Anja zu. Hubsi schüttelte den Kopf und erwiderte mit fester Stimme: “Du weißt, dass du die Einzige bist, mit der i beieinander sein will. Aber du willst nimmer; du hast andere Männer, die du in dein Bett lässt. Kannst du dir vorstellen, wie das für mich ist, wenn du mit denen vor meinen Augen herumturtelst?”, Hubsi sprach jetzt lauter und Anja sah den Schmerz in seinen Augen. Aggressiv umfasste er ihre Schultern und sein Gesicht kam ihrem ganz nahe. “Des macht mich kaputt, Anja! Wenn i di mit einem anderen seh, dann kann i nachts net schlafen, weil i mir immer vorstell, wie du in seinen Armen liegst und net in meinen. Des is die Hölle für mich. Ja, ich hab schon lang kein Sex mehr gehabt, aber net, weil mi koine will, sondern weil i nur di will, Anja.” Hubsi schrie jetzt beinahe und seine Augen funkelten. Schon fast brutal presste er seine Lippen auf Anjas. Dann ließ er seine Ex-Frau los und stürmte aus der Pathologie.

Geschockt blieb Anja zurück. Noch nie hatte sie ihr Ex-Mann so hart angefasst und sie ahnte, wie sehr sie ihn dieses Mal verletzt haben musste. Sie spürte noch seine Lippen und seinen aggressiven Kuss. Schließlich zog sie sich um, packte ihre Sachen zusammen und schloss die Pathologie hinter sich ab. Sie ahnte, wo sie Hubsi finden konnte und fuhr mit ihrem Auto zu der Stelle an der Loisach, wo der Fluss eine kleine Schleife macht. Dort ging er schon während ihrer Ehe immer hin, wenn sie sich gestritten hatten und er allein sein wollte. Obwohl der Polizist augenscheinlich dorthin gerannt war, saß Anja schon auf der kleinen Bank am Ufer, als er tatsächlich erschien, denn sie war ja mit dem Auto schneller gewesen. Überrascht blieb Hubsi atemlos stehen. “Anja”, stammelte er nur. Seine Miene verfinsterte sich und er wollte gerade umkehren, als die Pathologin aufstand und ihn am Arm festhielt. “Franz, jetzt beruhig dich doch”, sprach sie mit sanfter Stimme. Doch er war immer noch ärgerlich und verletzt. “Verfolgst du mich schon?”, fragte er sie mit lauter Stimme und seine Augen sahen sie kalt an, “Was willst du, Anja?” Entschlossen trat sie auf ihn zu und erklärte dem verdutzten Hubsi: “I hab nie mit einem anderen …. So weit bin i nie ganga, da waren die Beziehungen immer scho wieder vorbei. I konnt einfach net, denn i hab immer das Gfühl ghabt, i würd dich betrügen und des wollt i nie.” Hubsi sah sie mit großen Augen an: “Du hast net…?” Anja schüttelte den Kopf und sah in seine überraschten blauen Augen.

Müde sank Hubsi auf die Bank und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Anja setzte sich neben ihren Ex-Mann und schaute auf ihre Hände, die in ihrem Schoß lagen. “Da sitzen wir nun, wir zwei Deppen”, meinte sie schließlich und sah zu Hubsi. “Ja”, antwortete er kurz angebunden und sah sie unverwandt an. “Es tut mir leid, dass i so grob war zu dir in der Pathologie. I wollt dir net weh tun”, entschuldigte sich Hubsi. “Du hast mich geküsst”, antwortete sie nur und lehnte sich zu ihm. “Des war schee, aber i denk, des geht no besser”, flüsterte sie und küsste ihn sanft. Sie spürte seine weichen Lippen und nach einer Weile bemerkte sie, dass er den Kuss erwiderte. Seine Arme schlangen sich um ihren Körper und er drückte sie fest an sich. Anja streichelte seine Wange und öffnete leicht ihren Mund. Ihre Zungen spielten miteinander, bis sich die Ex-Eheleute atemlos voneinander lösten. Seit der Scheidung hatte Hubsi keine körperliche Nähe mehr zugelassen und es kostete ihn jetzt seine ganze Selbstbeherrschung nicht gleich hier über Anja herzufallen. Verführerisch lächelte Anja ihren Ex-Mann an und stand auf. “Zu mir oder zu dir?”, fragte sie kokett und zog Hubsi mit sich. Ein breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht und er sagte zu ihr: “Lass uns nach Hause gehen, Anja.”

Ende
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