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Wie man über böse Katzen schreibt

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
22.07.2021
22.07.2021
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Willkommen, liebe Mitkatzen! :)

Da ich mich in letzter Zeit viel mit der Erstellung von Bösewichten auseinandergesetzt habe, dachte ich, ich teile mal meine Erkenntnisse in einem kleinen Guide mit euch.
Im ersten Absatz wird es um das Aussehen des Bösewichts gehen und welche Designs dem Leser (nicht) sofort verraten, dass man einen Bösewicht vor sich hat. Danach soll es um die Benennung des Bösewichts gehen. Somit wären die Äußerlichkeiten abgedeckt. Im nächsten Teil geht es dann um die Dinge, die man nicht unbedingt sehen kann – die Stärken, Schwächen und vor allem das Kernstück des Bösewichts: seine Motivation und seine Ziele. Hiernach möchte ich noch kurz auf meinen Standpunkt zu tragischen Backstories und psychischen Krankheiten eingehen, bevor ich mich im letzten Part den bösen Clans widme.
Bitte bedenkt, dass alles, was ich hier schreibe, auf meinen Erfahrungen beruht und zudem von meiner persönlichen Meinung gefärbt ist. Dieser Text soll lediglich zur Inspiration dienen und nur, weil die Kritikpunkte auf euren Bösewicht oder Clan zutreffen, bedeutet das nicht automatisch, dass dieser schlecht ist. Am wichtigsten ist immer noch, dass man Spaß beim Schreiben hat. Erlaubt ist also, was gefällt.


Das Gesicht des Bösen - Aussehen

Viele Bösewichte sind Kater mit dunkel getigertem, oft auch schwarzem Fell, stechend blauen oder gelben (manchmal gar roten) Augen und vielen Narben, teilweise auch mit langen Krallen, Zähnen und/oder Stachelhalsband. Entweder ist der Bösewicht unglaublich gutaussehend oder schrecklich entstellt und ungepflegt. Außerdem schauen sie fast immer grimmig drein und lächeln nur dann, wenn sie Schadenfreude empfinden.
Keine Sorge: wenn euer Bösewicht in dieses Schema passt, ist er nicht automatisch schlecht. Dass solche Charaktere düster, gefährlich und schlichtweg cool aussehen, muss ich ihnen definitiv zugestehen. Doch da dieses Design sehr oft für Bösewichte benutzt wird, können Leser unter Umständen schnell erkennen, welche Katze Böses im Schilde führt. Soll euer Bösewicht also ein Verräter sein, der im Geheimen agiert, wäre ein unauffälligeres Design vorteilhaft.
Außerdem ist das Aussehen eine der Stellen, an der man am schnellsten und einfachsten ein bisschen mehr Vielfalt in die Story bringen kann – warum nicht mal böse Katzen mit hellbraunem, goldgetupftem, schildpattfarbenem, rotem oder weißem Fell? Warum nicht mal bernsteinfarbene oder grüne Augen statt eisblauen? Warum gibt es immer noch so wenig weibliche Bösewichte?
Im echten Leben sieht man den Leuten ja (leider) auch nicht an, ob sie nett sind oder ein paar (sprichwörtliche oder gar reale) Leichen im Keller haben.
Wenn euer Bösewicht dennoch dunkles Fell und stechende, helle Augen haben soll, dann überlegt, ob ihr nicht ein paar Katzen in den Clan setzt, die zwar ähnlich aussehen, aber gut sind, um das Ganze ein wenig auszubalancieren.
Was ist mit den Narben? Nun, die Katzen sind Krieger, da ist es nur realistisch, dass sie im Laufe ihres Lebens einige Narben davontragen. Ich fände einen vernarbten Bösewicht also nur dann seltsam, wenn er oder sie die einzige Katze ist, die viele Narben hat.


„Nomen est omen?“ - Namen

Oft deutet schon der Name darauf hin, dass man einen bösen Gesellen vor sich hat. Sie haben Namen, die düster und gefährlich klingen. Ist das schlecht?
Nicht unbedingt! Auch hier müsst ihr euch fragen, was ihr erreichen wollt. Zwar wissen Katzen wahrscheinlich nicht, was eine Geißel ist, aber der gleichnamige Kater wäre wahrscheinlich nicht halb so unheimlich gewesen, wenn er stattdessen Wulle geheißen hätte. (Wobei das echt ein krasser Plottwist gewesen wäre: Wulle, Anführer des BlutClans xD)
Wenn allerdings im Clan ein rätselhafter Mord geschieht, dann liegt für den Leser die Vermutung nahe, dass Todeskralle etwas damit zutun hat, auch wenn zunächst Lerchenfeder verdächtigt wird. Das führt auch schon zur nächsten Frage, die ihr euch stellen müsst, wenn ihr Bösewichte benennt: wer hat der Katze ihren Namen gegeben? In den Clans werden Katzen oft nach ihren Eigenschaften und Fähigkeiten benannt, deswegen liegen „Nachtschatten“ (für einen guten Schleicher), „Dunkelnarbe“ und „Tigerkralle“ (für gute Kämpfer) durchaus im Bereich des Möglichen – allerdings ebenso wie „Lerchenfeder“, „Lichtherz“ und „Meisenlied“. An dieser Stelle ist die Benennung also mit dem Aussehen verknüpft und damit, was die jeweilige Katzenkultur als erstrebenswert ansieht. Was hat das jetzt mit Todeskralle zu tun? Nun, welche Mutter nennt ihr Junges denn schon Todesjunges? (Das wäre im Falle des Bösewichts wohl entweder weise Voraussicht oder eine selbsterfüllende Prophezeiung… wobei ich geneigt bin, an letztes zu glauben, denn wenn sie wirklich so hellsichtig wäre, hätte sie den Mord ja verhindern oder zumindest aufklären können)
Ein wenig anders verhält es sich, wenn der Bösewicht sich seinen Namen selbst ausgesucht hat oder von Katzen benannt wurde, die Namen wie „Reißzahn“, „Scar“ oder „Killer“ bevorzugen, um z.B. ihre Stärke auszudrücken. Hier kann man sich also austoben. Bedenkt aber noch eine Sache: sprechende Namen. Wenn ihr nicht wollt, dass die Leser durchschauen, dass eine Katze böse ist, benennt sie nicht nach z.B. Verrätern (Brutus), Tyrannen (Caligula), Dämonen, bösen Göttern oder ähnlichem. Google ist schließlich nur wenige Klicks entfernt.


Was macht den Bösewicht so gefährlich? – Stärken und Schwächen

Hier gibt es grob zwei Arten, auf die ein Bösewicht Probleme bereiten kann. Entweder ist er ein extrem mächtiger Kämpfer, der sich mit roher Gewalt durchsetzt oder er ist ein charismatisches, intelligentes und listiges Manipulationsgenie, das andere für sich kämpfen lässt. Nicht wenige Bösewichte, wie z.B. Tigerkralle, fallen auch in beide Kategorien.
Um die Geschichte spannend zu machen, sollte der Bösewicht durchaus ein mächtiger Gegner sein, doch jeder Charakter hat auch Schwächen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt! Die Schwächen und Fehler des Gegenspielers sind nämlich der Schlüssel zum Sieg des Protagonisten. Daraus folgt auch, dass es spannender sein kann, wenn die Schwäche des Bösewichts nicht offensichtlich ist, sondern erst herausgefunden werden muss oder sich eine vermeintliche Stärke des Bösewichts als Schwäche entpuppt und er mit seinen eigenen Waffen geschlagen wird. So könnte z.B. die Grausamkeit und absolute Rücksichtslosigkeit von Kiefernstern dafür gesorgt haben, dass sie zur gefürchteten Anführerin aufsteigen und den halben Wald unterwerfen konnte, doch eben jenes Verhalten bringt vielleicht irgendwann ihre eigenen Schergen gegen sie auf. Vielleicht konnte Rabenfeder sich durch sein Manipulationsgeschick zum heimlichen Herrscher des DonnerClans aufschwingen – bis ihm diese Macht zu Kopfe steigt, er sich in seinem eigenen Spinnennetz verfängt oder es einer Katze gelingt, ihn zu durchschauen. Dachskralle mag der stärkste Krieger des Clans sein, doch seine Arroganz ist eventuell sein Untergang. Brandstern missbraucht die Unverwundbarkeit, die ihr der SternenClan geschenkt hat, für böse Taten, aber man kann sie immer noch vergiften…


„Warum tust du mir das an, Brutus?“ - Motivation

Nun kommen wir zum wichtigsten und interessantesten Part: die Fragen nach dem Warum und dem Wozu sind eng miteinander verwoben.
Zunächst möchte ich zwei Konzepte trennen, die ich bisher in diesem Text vermischt habe: Bösewicht und Gegenspieler. Denn tatsächlich muss der Gegner eurer Hauptfigur gar nicht böse sein, damit ein spannender Konflikt entsteht, lediglich die Ziele dieser beiden Charaktere müssen einander widersprechen. So kann z.B. nur einer der beiden Anführer werden. Auch Beute und Territorium sind begrenzte Ressourcen. Der Bösewicht muss nämlich kein Monster sein, um gefährlich und interessant zu sein. Böser bedeutet nicht automatisch spannender!

Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen Bösewicht und Hauptfigur?
Steht die Hauptfigur dem Bösewicht einfach nur im Weg, ist sie ein Zufallsopfer oder hat er ein persönliches Motiv, die Hauptfigur zu hassen? Hier ist vieles möglich. Vielleicht ist der Böse ein Unbekannter, vielleicht auch ein Clankamerad, ein ehemaliger oder zurückgewiesener Liebhaber oder gar ein Familienmitglied. Vielleicht hat die Hauptfigur den Bösewicht (absichtlich oder unabsichtlich) gedemütigt, verletzt oder ihm etwas (oder jemanden) weggenommen? Hier reicht unter Umständen auch schon die Befürchtung, dass die Hauptfigur ihm irgendwie schaden könnte.
Auch Neid kann ein starker Antrieb für Hass sein. Verkörpert die Hauptfigur etwas, das der Bösewicht (an sich selbst) verachtet? Oder lässt der Bösewicht die Hauptfigur für etwas büßen, was eigentlich jemand anderes getan hat? Vielleicht gehört die Hauptfigur auch einfach nur einer Gruppe an, die der Bösewicht hasst – entweder, weil er mit dieser Gruppe schlechte Erfahrungen gemacht hat, oder weil ihm dieser Hass anerzogen wurde.
Das Böse ist nämlich auch eine Frage der Perspektive. Bedenkt, dass Bösewichte meist wirklich glauben, im Recht zu sein. Sie denken, dass sie das Richtige tun und die Hauptfigur der eigentlich Böse ist! Manche Bösewichte haben vielleicht sogar gute Ziele, gehen aber nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ vor. Vielleicht hat der Bösewicht sogar einst für das Gute gekämpft, wurde dann aber enttäuscht oder verraten. Vielleicht wurde der Bösewicht zu dem, was er einst bekämpft hat.  
Seine Taten müssen jedenfalls einem Zweck dienen und zumindest in seiner eigenen Welt Sinn ergeben! Für die allerwenigsten Leute ist das Böse ein Selbstzweck, bloße Lust am Leid anderer ist selten. Aus der Sicht des Bösewichts haben seine Opfer das Leid entweder verdient oder sie sind ihm schlichtweg egal (Kollateralschäden). Vielleicht hat der Bösewicht auch selbst Angst und kämpft um sein eigenes Überleben und das seiner Lieben. Denn in der Regel haben Bösewichte auch etwas zu verlieren (oder etwas verloren). Würde nicht etwas auf dem Spiel stehen, das ihnen wichtig ist, würden sie nicht zu solch drastischen Mitteln greifen.
Viele Tugenden verkehren sich übrigens in ihr Gegenteil, wenn sie ins Extrem gesteigert werden. Ehrgeiz ist an sich nichts Schlechtes, denn er treibt zu großen Leistungen an, aber ungezügelter Ehrgeiz hat Tigerkralle zum Bösewicht gemacht. Treue und Hingabe sind wunderbar, doch werden sie gefährlich, wenn sie bis zum Fanatismus gesteigert werden.

Machtgier wird oft als schwaches Motiv abgetan, aber ich finde durchaus, dass Machtgier ein realistisches Motiv für einen Bösewicht sein kann. Machtgier tritt allerdings zumeist nicht isoliert auf, sondern speist sich aus etwas anderem. Eine machtgierige Katze fürchtet nichts mehr als die Machtlosigkeit, die sie vielleicht schon oft und grausam erlebt hat. Wenn ein Junges die Erfahrung macht, dass herausragende Leistungen die einzige Möglichkeit sind, um Liebe zu erhalten, dann wird es wahrscheinlich großen Ehrgeiz entwickeln – eine machtgierige Katze will sich selbst und allen anderen etwas beweisen. Vielleicht will die Katze die große Macht, die sie anstrebt, auch für etwas Bestimmtes benutzen, z.B. um die Welt nach ihren Vorstellungen umzugestalten.
Das Tückische an Macht ist dabei, dass sie das Schlechteste aus einer Katze herausholt – hier kann eine schreckliche Abwärtsspirale beginnen.

Bevor ich weiter auf Hintergrundgeschichten eingehe, möchte ich noch etwas einschieben: Platziert gerne auch „kleinere“ Fieslinge im Clan, die eurer Hauptfigur das Leben schwer machen. Nicht jede böse Katze muss ein Mörder und Tyrann wie Tigerkralle sein, es gibt auch einfach:
- arrogante Katzen mit viel zu großer Klappe
- Schlägertypen, die viel zu schnell beleidigt sind
- verbohrte Rechthaber, evtl. mit kruden Ansichten („Hauskätzchen können keine Krieger sein!“)
- Feiglinge, die ihr Fähnchen nach dem Wind hängen
- verwöhnte Katzen, die einen Trotzanfall bekommen, wenn etwas ausnahmsweise mal nicht nach deren Willen geht
- Katzen, die an sich nicht wirklich böse sind, aber den Oberbösewicht bewundern/von ihm manipuliert werden
- Katzen, die das Böse erkennen, aber es gewähren lassen (aus Angst oder Desinteresse)


„Aber er hatte eine schlimme Kindheit!“ - Hintergründe

Bösewichte brauchen zwar einen Grund für ihre Taten, etwas, das sie antreibt, aber nicht unbedingt eine detaillierte Backstory – vor allem nicht unbedingt eine extrem tragische. Ich höre schon Widerspruch heranrollen xD
Wenn ich sehe, dass die Missetaten von Bösewichten durch deren tragische Vergangenheit entschuldigt werden („Er hat zu viel geliebt!“), dann wird mir übel. Man kann durchaus ein Licht auf die Psychologie des Bösewichts werfen, aber nichts entschuldigt z.B. Mord. Viele scheinen nach dem Motto vorzugehen: umso böser die Taten dieser Katze, desto dramatischer muss ihre Vergangenheit sein. Aber diese Gleichung geht nicht auf. Es stimmt zwar, dass z.B. die meisten Serienmörder eine schwere Kindheit mit frühen Gewalterfahrungen hatten, aber das bedeutet keineswegs, dass jeder, der traumatische Erlebnisse hatte, böse wird. (Würden alle Leute, die in der Kindheit Traumata erlebt haben, gewalttätig werden, wäre die Mordrate astronomisch hoch)
Die meisten entwickeln sich trotz ihrer schlimmen Erlebnisse dennoch zu freundlichen und einfühlsamen Leuten, während das Leben einiger realer Bösewichte hingegen größere Tragik vermissen lässt. Es gibt immer irgendwo eine Wahl und eine gewisse Verantwortung – und ich finde es wichtig, das zu zeigen. Denn Bösewichte mit allzu tragischer Backstory implizieren auch irgendwie, dass psychisch Kranke (vor allem Traumatisierte) gefährlich wären – und das stimmt nicht. Im Gegenteil sind es gerade psychisch Kranke, die unseren Schutz am meisten benötigen.
Noch dazu sind psychische Krankheiten, je nach Ausprägung, teilweise derart einschränkend, dass sie auch aus technischen Gründen kaum für interessante Bösewichte taugen. Denn wie sollte man böse Pläne fassen und durchführen, wenn man kaum die Energie hat, aus dem eigenen Nest aufzustehen? Wenn man kaum eine Nacht durchschlafen kann? Oder wenn man sich kaum konzentrieren kann?
Ich schätze, viele wollen, dass der Bösewicht unberechenbar ist, doch dazu muss man ihm keine psychische Krankheit anhängen.
Die meisten, realen Diktatoren waren übrigens nicht im klinischen Sinne psychisch krank, sondern hingen schrecklichen Ideologien an und/oder hatten kein Mitgefühl für ihre Mitmenschen. Sie haben sich mehr oder minder bewusst dafür entschieden, zu tun, was sie getan haben (irgendwie ein deutlich unheimlicherer Gedanke, als sie einfach als "verrückt" abzustempeln). Umso größer die Macht, desto geringer die Hemmungen.


„Lang lebe der BlutClan!“ - Böse Clans

Ich habe so meine Probleme mit bösen Clans, denn ich finde sie oft unrealistisch. Nicht selten geht mit bösen Clans nämlich auch ein Krieg mit einem guten Clan einher (der sich natürlich gegen den Überfall des bösen Clans verteidigen muss) und das finde ich sehr … schwarz-weiß gemalt, vor allem wenn man bedenkt, dass in richtigen Kriegen auf beiden Seiten Gräueltaten begangen werden.
Verschiedene Clans bzw. Gruppen haben unter Umständen Moralvorstellungen und Religionen, die voneinander abweichen. Das kann zu Konflikten führen, ebenso wie die Konkurrenz um Land und Nahrung. So weit, so normal.
Es ist jedoch unrealistisch, dass wirklich jedes einzelne Mitglied eines Clans ein böser Hannibal Lecter ist, der nur darauf lauert, jeden umzubringen, der seinen Weg kreuzt. (Auch wenn die Gruppendynamik dafür sorgt, dass die Brutalität v.a. gegen Außenstehende Ausmaße annehmen kann, zu denen die einzelnen Gruppenmitglieder allein nicht fähig gewesen wären)
Nun sind böse Clans jedoch nicht nur grausam zu Außenstehenden, sondern oft auch gegenüber ihren eigenen Mitgliedern und das ist … schwierig.
Ein Clan, der seine alten, kranken oder ‚schwachen‘ Mitglieder verhungern lässt oder sogar tötet, würde nicht lange bestehen bleiben, denn wer etwas für den Clan gibt, möchte auch etwas zurückbekommen. Kaum etwas ist schädlicher für die Loyalität als das Gefühl, beliebig austauschbar zu sein und die Aussicht, einfach zum Sterben zurückgelassen zu werden, wenn man nicht mehr stark genug ist. Spätestens, wenn dieses Schicksal eine Katze trifft, die man liebt, müsste das einem zu denken geben.
Angst und Terror allein reichen nicht dauerhaft, um eine Herrschaft zu festigen, denn Repressionsmaßnahmen verringern die Mitgliederanzahl (durch Tötung oder Flucht) und schüren nicht nur Angst, sondern auch Wut auf die Herrschenden. Damit ein Herrscher sich an der Macht (und am Leben) halten kann, braucht er also die Zustimmung eines, nicht unbedingt zahlenmäßig größten, aber doch mächtigsten Teils seiner Bevölkerung.
Was hält die Katzen also beim Clan? Was bekommen sie zurück? Und warum ausgerechnet dieser Katze folgen?
Oft sind es tatsächlich Sicherheit und Anerkennung. Vielleicht sind der Herrscher und seine Garde keine netten Gesellen, aber sie halten vielleicht die Streuner fern und verhindern die Kriege, die vorher unter den Stämmen wüteten. Den jungen Kriegern gefällt eventuell auch die Aussicht darauf, Helden sein zu können (auch wenn das in Wahrheit bedeutet, in einem sinnlosen Krieg zu sterben). Auch der Glaube kann einem Herrscher helfen, sich zu legitimieren. Vielleicht werden die Alternativen zum Regime auch einfach als noch schlechter angesehen oder ein vorangehender Herrscher hat auf ganzer Linie versagt (oder es gab eine Katastrophe, an der er gescheitert ist). Nun ruht die ganze Hoffnung des Clans auf Ginsterstern, einem starken Krieger, der versprochen hat, den Clan wieder zu seiner alten Größe zu führen und diejenige Minderheit zu bestrafen, die er als schuldig an seinem Niedergang ansieht…
Denn ein Clan beschließt nicht einfach spontan, der Bösewicht zu sein. Ihre Taten ergeben in ihren Augen Sinn, denn sie glauben, dass sie im Recht sind. Sie halten sich selbst für die Guten – oder zumindest für weniger böse als die anderen.
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