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The warlock and the wolf

GeschichteFantasy, Erotik / P18 / MaleSlash
21.07.2021
26.07.2021
4
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21.07.2021 2.392
 
Wahrnehmung kann eine wunderbare Sache sein. Sie ist schnell und oft effektiver, als man denkt, zumindest in Verbindung eines einigermaßen funktionierenden Gehirns. In meinem jetzigen Fall waren diese Vorzüge allerdings etwas kontraproduktiv. Der Mann, den ich befreien sollte, hockte mit angezogenen Beinen in einer Ecke der kleinen Zelle. Es fiel genug Mondlicht durch das hochgelegene, kleine Gitterfenster, um sein Gesicht erkennen zu können. Ich hatte nur diesen einen kurzen Moment sein Gesicht so zu sehen, ungeschützt, alles preisgebend. Verzweifelt nach einem Ausweg suchend, kurz davor sich einzugestehen anderen ausgeliefert zu sein. Das Kinn auf die Arme gestützt, mit diesem unendlich traurigen Blick.
Schon bemerkte er meine Anwesenheit. Er hob den Kopf und sah sich mit schmalen Augen um. Sein Körper spannte sich an, bereit aufzuspringen.
Ich manifestierte mich aus den Schatten heraus, aus meiner ätherischen Form in meine ursprünglich körperliche.
Der Mann vor mir unterdrückte so gut es ging ein erschrockenes Zurückzucken. Sein Blick fixierte mich, als gäbe meine Erscheinung Antworten auf seine Fragen.
Zwei Schritte genügten um bei ihm zu sein. Das Stroh auf dem Boden war feucht und gab kaum ein Geräusch von sich als ich darüber ging. Meinen Zeigefinger an die Lippen gelegt, bedeutete ich ihm still zu sein. Ich hockte mich zu ihm und flüstere so leise wie möglich: "Wir gehen."
Ich wies ihn mit meinen Händen an seine Beine auszustrecken und die Hände auf den Boden zu legen. Mit ernstem Blick gab ich ihm noch mal zu verstehen still zu sein, setzte mich auf seine Beine, schlang meine Arme um ihn und presste mich an ihn.
Diesmal ging ein deutlicher Ruck durch seinen Körper, glücklicherweise fast geräuschlos.
Ich atmete tief durch, schloss die Augen um mich besser zu konzentrieren und nahm ihn mit in die ätherische Form.
Es war schon immer so anstrengend eine weitere Person in diesen Zustand zu versetzten. Er hatte allerdings eine enorme Selbstbeherrschung. obwohl ich deutlich einen Anflug von Panik bei ihm spürte, blieb er ruhig, was das Entkommen durch das kleine Fenster etwas erleichterte.
meine Kräfte reichten gerade aus, um nicht gleich vor dem Fenster sonder in einer Gasse gegenüber zu materialisieren.
Wir lehnten uns gegen das raue Gemäuer, er desorientiert, ich erschöpft.
"Wir müssen weiter." Meine Stimme brach und ich räusperte mich.
Wir wankten durch dunkel Gassen und kamen nur langsam voran. Das Horn der Stadtwache ertönte und verkündete einen Ausbruch. Es war so laut, als wären wir immer noch beim Gefängnis.
Ich packte den schmutzigen Ärmel des Mannes neben mir und zerrte ihn grob mit mir. Er stöhnte auf, hielt jedoch Schritt.
Kurze Zeit später errichten wir unseren Unterschlupf, ein zweistöckiges ehemals hübsches Fachwerkhaus. Ich stoppte abrupt. Er stolperte mir ungebremst in den Rücken.
Eines der Fenster war nicht in der Art vernagelt wie die anderen. Ich öffnete den versteckten Haken und ließ die Holzbretter aufschwingen.
Wir schlichen die marode Stiege nach oben. Eines der Zimmer war für unsere Ankunft vorbereitet worden. Während der Rest des Hauses völlig verwahrlost war, empfing uns in dieser Raum eine erstaunliche Sauberkeit. Ein Korb mit Essen war auf einen Tisch gestellt worden, an dem auch zwei einfache Holzhocker standen. Krüge mit Getränken waren auf dem Boden an der Wand aufgereiht. An einen Waschzuber mit Wasser war eben so gedacht worden worden, wie an saubere Tücher. Betten gab es keine, dafür zwei Matratzen mit Decken darauf. Auf einer der beiden lag zusätzlich noch saubere Kleidung. Zwei Laternen mit Lucin-Kristallen erhellten das Zimmer mit ihrem leicht violetten Licht. Ein Blick zu den Fenstern, sagte mir das diese nicht nur vernagelt sondern auch zusätzlich mit dicken Tüchern verhangen waren.
Erschöpft schleppten wir uns in das Zimmer. Ich verschloss die Tür. Das erste Mal hatte ich nun Zeit mir den, von mir geretteten, Mann anzusehen. Er war in etwa so groß wie ich, vielleicht auch ein wenig größer, da seine Körperhaltung gerade nicht aufrecht war. Seine Haare waren dunkel und so kurz, dass sie die Vermutung nahe legten, abrasiert worden zu sein. Er war kräftig gebaut, breite Schulter, schmale Hüften, lange Beine. Unter Schmutz und getrocknetem Blut waren Details schwer zu erkennen. Nur seine Augen konnte ich sehen und sie waren von einem hellen goldbraun. Eine Farbe die wage Erinnerungen in mir wachrief, an etwas das ich jedoch nicht greifen konnte.
"Wie heißt du?", meine Stimme war immer noch kratzig. Von meinen Auftraggebern hatte ich keinen Namen bekommen, lediglich die genaue Position seiner Zelle und eine oberflächliche Beschreibung.
Er sah mich noch einmal genauer an. "Narvik."
Seine Stimme war angenehm, so weit ich das anhand der knappen Antwort beurteilen konnte.
"Und du?", fragte er dann nach einigem Zögern.
"Du kannst mich Ami nennen." Ich probierte mich an einem Lächeln, ein unverbindliches, freundliches, war mir jedoch nicht sicher, ob mir das ganz gelang, denn er sah mich mit gerunzelter Stirn an.
Nun es war nicht zu ändern, immerhin war er nur ein Auftrag und wir mussten nicht unbedingt Freundschaft schließen. Es machte mich jedoch stutzig, dass er so gar kein bisschen Freude über seine Befreiung zeigte.
Ich trat zu den Waschtrog und wusch mir die Hände, eh ich mich dem Korb auf dem Tisch widmete. Während ich Brot, Käse, Äpfel und tatsächlich auch kleine Honigkuchen herausnahm, begann sich Narvik auszuziehen und zu waschen. Eine Weile beschäftigte ich mich damit, dass Essen auf dem Tisch zu verteilen und zu überlegen, ob ich schon etwas essen sollte, da mir mein Magen unaufhörlich zu verstehen gab, ich möge ihn doch bitte füllen. Schließlich sah ich zu Narvik und hielt tief schockiert inne.
Er war nackt und hatte mir den Rücken zugekehrt. Sein Körper war von den Schultern bis zu den Waden mit blutigen, tiefen Striemen übersät.
Irgendeinen Laut musste ich wohl von mir gegeben haben, denn er drehte sich um und sah mich durchdringend an.
"Ich kann dir helfen.", gab ich tonlos von mir. Der Anblick seiner Verletzungen ging mir unerklärlicherweise sehr nahe.
"Nicht nötig." Er wand sich wieder ab.
Wie stur er war. Ich stopfte mir einen Honigkuchen in den Mund und würgte ihn herunter. Zu meinem und auch Narviks Glück konnte mein Körper ausgesprochen schnell Energie aus Nahrung gewinnen. Vorsichtig trat ich zu ihm. Ich legte meine Hände auf seinen Rücken. Heftig zuckte Narvik zusammen, drehte sich um und schob mich weg.
"Es wird nicht weh tun.", beschwor ich ihn. Mir wurde unwohl. Seine Vorderseite wies ähnliche Verletzungen auf und noch mehr. Sie hatten ihn gefoltert.
"Es ist nicht nötig.", wiederholte er und sah mir fest in die Augen.
Verstimmt presste ich die Lippen aufeinander. Warum war er nur so dickköpfig? Beherzt trat ich einen Schritt auf ihn zu und legte meine Hände auf seine Brust. Ehe er mich wieder fortschieben konnte, ließ ich meine Magie auf ihn los. Er schwankte und ging in die Knie. Ich folgte ihm notgedrungen. Es war nicht besonders nett ihn derart zu überfluten, doch es war effektiv um ihm meinen Willen aufzuzwingen, denn immerhin war es nur zu seinem Besten.
Zu dumm nur, dass ich meine Kräfte über und das Ausmaß seiner Wunden unterschätzt hatte. Langsam wurde es dunkel um mich herum. Meine Energie war endgültig aufgebraucht und mir schwanden die Sinne.

Allmählich kam ich wieder zu mir. Ich  lag auf einer der Matratzen. Mein Körper fühlte sich schwer und kraftlos an. Vorsichtig drehte ich den Kopf, verschwommen konnte ich jemanden am Tisch sitzen sehen.
Narvik dreht sich in meine Richtung, stand auf und kam zu mir.
"Da bist du ja wieder, Hexenmeister." Er beugte sich über mich und betrachtete mich. "Das hättest du nicht tun müssen."
"Bitte, gern geschehen.", krächzte ich.
Er zog leicht belustigt eine Mundwinkel in Andeutung eines Lächeln nach oben. Dann ging er zurück zum Tisch. Ich schloss, immer noch erschöpft, die Augen. Ein Weilchen noch und ich hatte genug Kraft um mich aufzurichten. Ich mochte dieses Gefühl nicht sonderlich, so kraft- und hilflos zu sein.
"Hier." Plötzlich war Narvik wieder neben mir, schob seinen Arm unter meinen Schultern hindurch und hob meinen Oberkörper etwas an. Er hielt mir einen Becher mit Wasser an die Lippen.
Unter Anstrengung trank ich einige Schlucke. Er stellte den Becher ab und hielt mir ein kleines Stück Brot hin. Brav öffnete ich meinen Mund. Ich sah zu ihm auf und entdeckte ein amüsierte, kleines Lächeln auf den sinnlich geschwungene Lippen. Narvik sah gut aus.
"Sag nichts.", forderte ich ihn mürrisch vor mich hin kauend auf. Immerhin hing ich wie ein nasser Sack über seinem Arm, während er sich kraftstrotzend über mich amüsierte.
"Mach ich nicht." Er gab mir noch ein Stück Brot und langsam kam meine Energie zurück.

Wir mussten eine ganz Weile in diesem Raum ausharren. Meine Auftraggeber hatten vorgesehen, mich benachrichtigen zu lassen, sobald es möglich war, Narvik von der Wache ungesehen aus der Stadt zu bringen.
Die meiste Zeit verbrachten wir damit vor uns hinzuschweigen, aßen etwas, schliefen und warteten.
Als die Nacht anbrach, schlich ich die Treppe hinab, in der Hoffnung auf irgendein Zeichen. Das Einzige, was ich durch die Spalten der vernagelten Fenster sehen konnte, war die Stadtwache, die offensichtlich häufiger und aufmerksamer patrouillierte.
Ich schlich etwas enttäuscht zurück.
"Neuigkeiten?", fragte mich Narvik, nachdem ich mich auf einen der Hocker gesetzt hatte. Er lümmelte ausgestreckt auf seiner Matratzen, entspannt, als wäre er auf einem Ausflug.
"Nichts. Die Stadtwache sucht nach dir.", antwortete ich verdrossen. Es war für mich nicht wirklich angenehm so eingesperrt zu sein.
Narvik zuckte mit den Schultern. "War anzunehmen."
Sein intensiver Blick machte mich unruhig. Ich konnte deutlich sehen, dass er nachdachte, nur behielt er seine Gedanken fast immer für sich. Anders dieses mal.
"Wer hat dich beauftragt?", wollte er plötzlich wissen.
"Weiß ich nicht.", gab ich zu. Der Mittelsmann war ein Irgendwer.
Überrascht zog er die Augenbrauen hoch und grinste dann dreist. "Ein Abtrünniger."
Ich verdrehte die Augen. Das wusste ich selbst. Es war lächerlich, das jeder Magiebegabte gleich abtrünnig war, wenn er nicht der Gilde angehörte.
"Du hast keine Ahnung, wer dich angeheuert haben könnte?", hakte er noch mal nach.
Ich schüttelte nur den Kopf. Sorvis, der Wirt einer ziemlich heruntergekommenen Kaschemme, hatte mich auf den rattengesichtigen Typen aufmerksam gemacht. Ganz unauffällig ließ er beim Wirt durchblicken, dass er jemanden mit speziellen Fähigkeiten suchte und dafür einiges springen lassen würde. Abgebrannt wie ich war, hatte ich die Gelegenheit ergriffen.
Narvik sah mich aus schmalen Augen durchdringend an, dann legte er sich auf den Rücken, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte nachdenklich an die Decke.
Nach einer Weile, ich hing schon lange wieder meinen eigenen Gedanken nach, meinte Narvik: "Du gehst ein ganz schön großes Risiko ein."
"Ohne Geld überlebt es sich schwierig.", murmelte ich bloß.
"Mhm..." Er musterte mich nachdenklich. "Das die Gilde dich so einfach gehen lassen hat..."
"Sie ist nicht sehr tolerant bei einigen Verfehlungen." Ich zuckte nur mit den Schulter.
"Der falschen Dame unter die Röcke gefasst?" Seine Augen funkelten belustigt.
Ich weigerte mich darauf zu antworten.
"Oder hast du probiert deinen Meister für eine bessere Bewertung zu verführen?"
Ich wusste, er wollte mich nur aufziehen. Ich lachte trocken. "Dann hätte ich ja jetzt wohl eine bessere Bewertung."
Narvik kicherte breit grinsend. Sein Blick war allerdings nicht mehr nur noch amüsiert, sonder eindeutig lüstern.
Unglücklicherweise reagierte mein Körper darauf mit beschleunigtem Herzschlag.
Sicher, das Warten war langweilig und es gab wirklich nicht viel, mit dem man sich hätte ablenken können, aber mit Narvik das Lager zu teilen, war keine gute Idee. Vermutete ich, denn in diesem Moment fiel mir kein überzeugender Grund ein. Der Gedanke, von ihm berührt zu werden, bescherte mir eine Gänsehaut.
Nachdem ich beim grübeln den Kopf gesenkt hatte, sah ich Narvik wieder an. Er entkleidete mich regelrecht mit den Augen.
Ohne es so recht beeinflussen zu können, glitt mein Blick an seinem Körper entlang und, bei den Göttern, er war erregt.
"Das ist grade kein guter Zeitpunkt...", ich hielt inne und verzog mein Gesicht. Viel deutlicher hätte ich ihm nicht zu verstehen geben können, dass das Interesse beidseitig war.
Er lachte vergnügt, dann wurde sein Gesichtsausdruck etwas wehmütig. "Schade eigentlich." Seufzend dreht er mir den Rücken zu.

Wir verbrachten auch den nächsten Tag in dem baufälligen Haus. Langsam wurde ich unruhig. Nicht weil wir immer noch keine Nachricht bekommen hatten, das Eingesperrtsein machte mir immer mehr zu schaffen. Rein theoretisch hätte ich das Haus verlassen können. Nur war ich mir nicht sicher, ob Narvik noch da sein würde, wenn ich zurück käme. Und nur bei seiner wohlbehaltenen Übergabe, würde ich meine Geld bekommen. Ich hätte auf eine Vorauszahlung bestehen sollen, kam es mir in den Sinn. Doch ich war so abgebrannt, dass mir jeder Auftrag zu noch so lausigen Bedingungen recht gewesen war.
Ich atmete tief durch und lockerte meine Schulter. So lautlos wir möglich, war ich seit einer Weile in den Raum auf und ab gegangen. Narvik hatte es amüsiert zur Kenntnis genommen. Jetzt sah er mich wieder mit seinen hellen Augen begierig an und meinte, er könne mir helfen mich zu entspannen. Wie auf Stichwort und bevor ich mich dazu auch nur äußern konnte, begann unten in der Gasse ein Paar sich gegenseitig lautstark zu beglücken.
Narvik begann breit zu grinsen. "Das ist ein Zeichen."
Ich seufzte. "Kein Zeichen. Nur eine Hure mit ihrem Freier."
"Und warum soll das kein Zeichen sein?" Er saß mit überkreuzten Beinen auf der Matratze und hatte den Kopf leicht schräg gelegt.
"Weil..." Was sollte ich denn sagen?
Sein Blick wurde sinnlicher und sein Lächeln zärtlich.
Ich drehte mich schnell weg. Und wieder war dann, die Frage, warum sich nicht einfach ein bisschen miteinander amüsieren. Vielleicht weil es unprofessionell war? Da machte ich mir nur etwas vor. Schon als ich ihn das erste Mal sah, hatte sein Anblick irgendwas in mir berührt.
Verstimmt, machte ich mich daran, die restlichen Vorräte zu inspizieren. Das Gestöhne unten aus der Gasse machte gerade nichts leichter.
"Sch!", kam es plötzlich von Narvik.
Ich sah überrascht, dass er scheinbar auf etwas lauschte. Dann flog sein Blick zur Tür und diese im nächsten Moment auf.
 
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