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Adone und Gilbert

von Lucinnda
KurzgeschichteÜbernatürlich, Historisch / P16 / MaleSlash
20.07.2021
23.07.2021
4
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22.07.2021 433
 
Wir kamen nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir durch graue Täler, Wälder und Felder gefahren waren in einem Dorf in der Nähe von Olmütz an. Die March war ganz in der Nähe und schmiegte sich wie silbrig glitzernde Seide an das Ufer und die Steine. Der Himmel war ebenso grau. Alles war nur grau. Der Kutscher setzte uns im Dorf ab, sagte aber, dass man ab hier wohl niemanden wohl mehr finden würde, der einen weiter fahren würde. Zu groß war die Furcht wegen der Seuche und ihrer bösen Abkömmlinge aus der Erde. Es war diesig und in der Luft hing an diesem Tag ein feuchter Schleier. Ich fühlte mich unwohl an diesem Ort. Es war ein Ort so grau, wie alles bisher. Nur war es zu Adones Freude bedrückend in diesem Dorf. Bedrückend, weil man weit und breit keine Menschenseele sah. Die Fenster, der kleinen schäbigen Häuser, die nebeneinander gereiht eine öde und schmutzige Kette bildeten, waren allesamt mit Brettern vernagelt. Nur kleine Schlitze im Holz ließen ab und zu schwaches Licht durchsickern, zeugte davon, dass es Leben dort gab.
In einer herunter gekommenen Schänke bekamen wir schließlich ein Zimmer. Es war ein mickrig und so staubig, dass man nicht mal aus den Fenstern hätte schauen können, wenn sie nicht zugenagelt gewesen wären. Der Wirt gab uns einen Schlüssel und sagte: „Schließt bei Nacht ab, aber lasst ihn unbedingt im Schloss“ Auf mein irritiertes Gesicht verdunkelte er nur den Blick und flüsterte ganz leise, als hätte er Angst, dass ihn jemand hören könnte. „Das Schlüsselloch“ Ich nickte knapp und Adone und ich beschließen uns auszuruhen. Die Reise hatte ihn geschafft, auch wenn er es nicht zugab. Er war blass und der Glanz der kindlichen Vorfreude war aus seinen Augen gewichen. Noch am frühen Nachmittag als wir ankamen schlief er ein. Ich schrieb währenddessen, was ich sah, die Reise, das Verhalten und Sagen der Menschen. Es musste einen Grund geben, weshalb sie sich so dermaßen schützen wollten. Holz konnte eine Seuche nicht stoppen. Der Raum war kühl und der kleine Kamin war feucht, kalte Luft bahnte sich seinen Weg durch ihn ins Zimmer. Ich rieb mir die Hände über der kleinen Kerze auf dem Tisch und schaute hinüber auf das Strohlager, auf dem Adone schlief. Ich ging zu ihm und betrachtete das friedliche Gesicht, die geschlossenen Lider mit den langen Wimpern. Das Lager war staubig wie der Raum und mit seinem Spitzenhemd und den Handschuhen wusste ich, dass er an einem Ort wie diesen nichts zu suchen hatte. Ich schob die Decke am Bettende über seinen Körper und setzte meinen Bericht fort.
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