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Oneshots

OneshotAllgemein / P12 / Gen
20.07.2021
20.11.2021
10
12.603
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Nur als kleine Warnung, es wird sehr traurig.




Langsam bewegte sich der Brustkorb des kleinen Mädchens auf und ab. Es war angeschlossen an viele Schläuche und Geräte, die alle piepten. Hansi saß neben dem Baby am Brutkasten, weil es sechs Wochen zu früh auf die Welt gekommen ist. Vorsichtig streichelte er ihr über den Kopf. Der Polizist konnte nicht glauben, was heute alles passiert war. Heute Morgen war schließlich alles gut.
>Rückblick< Hubsi, die schwangere Anja und Hansi saßen gemeinsam beim Frühstück. Draußen wütete schon seit gestern ein schwerer Sturm mit heftigen Schneefällen. Doch im Haus war es gemütlich warm, eine wohlige Atmosphäre. Die Vorfreude war groß, bald würde die Geburt von Anjas und Hubsis erstem Kind sein. Das Kinderzimmer war bis auf ein paar Kleinigkeiten schon fast fertig. Wie so oft streichelte sie überglücklich über ihren Bauch. Hansi freute sich wirklich sehr für seine beiden Freunde. Bevor sie von den der Schwangerschaft erfuhren, herrschte im Hause Hubert und Licht eine konfliktreiche Atmosphäre. Doch jetzt war alles gut, keine Streitereien mehr, kein ewiges Geschrei, einfach nichts.
Eine Stunde später hatte es endlich aufgehört zu schneien. „Wir müssen noch etwas Milch besorgen und ein paar Lebensmittel.“, stellte Anja bei einem Blick in den Kühlschrank fest. „Soll ich was für euch kaufen? Ich muss eh wieder nach Hause.“, schlug Hansi vor. „Ne, lass mal. Die Anja ist im Moment etwas wählerisch und entscheidet sich immer wieder neu, was Lebensmittel angeht.“, erzählte Hubsi und gab Anja sofort einen Kuss auf die Stirn. Kurze Zeit später machten sich alle auf den Weg. Hansi fuhr in seine Wohnung und das Ehepaar in den Supermarkt. Die Straßen waren glatt vor lauter Eis. Schweißgebadet kam Staller bei seiner Wohnung an. Er wollte gerade seine Tür aufschließen, als er einen Anruf bekam. Sonja gab ihm Bescheid, dass es einen schweren Autounfall in der Stadt gegeben hat. Schweren Herzens machte er sich wieder auf den Weg. Er wäre viel lieber in seiner Wohnung geblieben, als in der eisigen Kälte sich um einen Unfall kümmern zu müssen. Durch das Eis wurde ihm die Fahrt erschwert, weshalb er erst ca. zwanzig Minuten nach dem Anruf an der Unfallstelle ankam. Das eine Auto war komplett von der Straße an einen Baum geschleudert worden. Der zweite Wagen lag komplett überschlagen auf der Kreuzung. Erst beim zweiten Blick erkannte er, dass es sich hierbei um den Wagen seiner Freunde handeln müsste. Schnell lief er zu dem Wagen. Die Rettungskräfte hatten bereits die beiden Personen aus dem Wagen geborgen. Johannes wurde schlecht bei dem Anblick. Seine Freunde lagen tatsächlich da auf dem Boden! Normalerweise machte es ihm nichts aus, Blut und Verletzungen zu sehen, doch hier war es anders. Überall war einfach Blut! „Was ist mit ihnen?“, erkundigte sich Hansi bei einem der Sanitäter. „Das können wir nicht genau sagen, es sieht nur nicht gut aus.“, beantwortete einer der vielen Sanitäter seine Frage. Er konnte nicht hier bleiben, weshalb er im Revier Bescheid gab, wegen Befangenheit nicht dabei sein zu können. Besorgt folgte er dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Ungeduldig lief er im Wartebereich auf und ab. Ein Arzt in voller OP Montur kam auf ihn zu. „Ihr Freund hat sehr schwere innere Verletzungen erlitten. Wir geben unser bestes, aber wir können nichts garantieren. WENN er die Op überlebt, können sie in ca. fünf Stunden zu ihm.“, informierte er ihn. Damit verschwand er auch wieder in einen der vielen OPs. Da kam eine weitere Ärztin zu ihm. Diesmal ging es um Anja. „Sie hat sehr schwere Verletzungen, vor allem einige schlimme Blutungen im Hirn. Wir können für nichts garantieren. Ihr Kind mussten wir per Kaiserschnitt holen. Der kleinen geht es soweit gut, doch auch sie müssen wir engmaschig überwachen. Entschuldigen Sie mich bitte.“, erklärte diese ihm. Hansi musste das gerade realisieren. Wurde ihm gerade in kürzester Zeit hintereinander gesagt, dass seine besten Freunde wahrscheinlich sterben werden und dabei ein kleines, unschuldiges Mädchen hinterließen? „Es wird alles gut werden, nur nicht die Hoffnung aufgeben.“, ermutigte er sich selber. Erschöpft setzte er sich auf einen der vielen Stühle. Seine Hoffnung wurde eine Stunde später zerstört, als drei Ärzte blutverschmiert aus dem OP Bereich traten. Einer davon, war der Arzt, der ihn schonmal über Hubsi aufgeklärt hatte. „Nein, nein!“, rief Hansi in seinen Kopf. „Es tut uns sehr leid, aber ihr Freund ist tot. Wir haben versucht, was wir konnten, doch seine Verletzungen waren zu schwer. Er ist vor uns auf dem Tisch verblutet.“, brachten ihm die Ärzte behutsam bei. „Aber er war doch noch putzmunter heute morgen.“, murmelte Hansi vor sich hin. Dabei kamen ihm Tränen in die Augen. Hubsi konnte nicht tot sein! Er durfte es einfach nicht! „Was ist mit seiner Frau?“, hakte er nach. „Darüber können wir Ihnen nichts sagen. Wenn Sie wollen können wir für Sie einmal nachfragen.“, schlug ein anderer, alter Arzt vor. Hansi konnte nur Nicken. Hoffentlich schafft es Anja! Die Nachfrage ergab nichts Neues. Die Neurochirurgin war gerade bei einer ziemlich heftigen Hirnblutung zugange. Weitere drei Stunden wartete er ungeduldig, bis zwei Ärztinnen kamen. „Wie ist die OP verlaufen? Lebt sie noch?“, wollte Staller sofort wissen. Die eine Ärztin senkte ihren Kopf. „Sie lebt, aber eine der Hirnblutungen hat das Hirn so zerstört, dass sie nie wieder aufwachen wird. Da Frau Dr. Licht eine Patientenverfügung hat, müssen wir bei ihr die Lebenserhaltenden Maßnahmen abstellen.“, klärte die Ärztin ihn auf. „Aber… aber das geht doch nicht. Sie hat doch gerade eine kleine Tochter bekommen.“, jammerte der Polizist. „Es tut uns leid, aber wir sind daran gebunden. Wir werden die Maschinen jetzt gleich abschalten müssen.“, entschuldigte sich die Ärztin. „Was? Jetzt gleich schon?“, rief Hansi entsetzt. Als Antwort bekam er nur ein Nicken. „Kann ich … wenigstens noch… ihre Freunde… hierhin holen?“ Hansi liefen die ersten Tränen hinunter. „Natürlich!“
Gesagt, getan. Hansi rief alle an. Sonja, Sabrina und ihre beste Freundin Tanja. Traurig standen sie alle vor dem Krankenbett in der Intensivstation. An Anja waren unzählige Schläuche angeschlossen, die für ihre Beatmung zuständig sind. Alle sagten ihr noch ein paar schöne Worte zum Abschied. Hansi setzte sich dafür zu ihr auf ihr Bett und nahm ihre Hand. „Ich hätte für euch einkaufen gehen sollen. Ihr hättet nicht raus fahren dürfen. Aber du warst immer eine gute Freundin für mich. Ich verspreche dir, dass ich mich gut um eure Tochter kümmern werde und sie wie mein eigenes Kind lieben werde. Mach’s gut und grüß Hubsi von mir. Macht euch keine Sorgen!“, murmelte er mit langsamer, zittriger Stimme. Nun wurden ihr die Schläuche aus dem Mund genommen und einige Geräte abgestellt. Auf dem Monitor konnte man sehen, wie sich ihr Herzschlag verlangsamte. Nach ein paar Minuten war sie ebenfalls gestorben. Zusammen begaben sie sich auf die Neointensive, um nach dem Baby zu schauen. >Rückblick Ende<
Nun saß er hier, die anderen waren bereits gegangen. Mit dem Baby war alles gut, sie war nur etwas schwach und klein. In Hansis Augen konnte man viel Liebe, aber auch sehr viel Trauer erkennen. Das Kind hatte nicht die Chance gehabt, seine Eltern zu erleben. Die Eltern hatten nicht die Chance, ihre kleine Tochter kennenzulernen oder überhaupt zu sehen. Doch eins war klar, sie war wunderschön. Hansi wollte sich sehr gut um sie kümmern. Das wäre auch in dem Interesse seiner verstorbenen Freunde. Schließlich sollte er auch Patenonkel werden. Eine Krankenschwester kam auf ihn zu. „Wie soll die Kleine denn heißen?“, fragte sie ihn. „Anja Saphira Hubert Licht Staller!“ Hansi hatte den Namen bewusst ausgewählt. Saphira war ein seltener Name, den Anja sehr liebte. Hubsi liebte den Namen Anja, auch weil seine große und einzige Liebe so hieß. Das Mädchen sollte auch den Nachnamen all ihrer Eltern tragen, weshalb sie drei besaß. Daraufhin widmete sich Hansi wieder dem Baby. In der Ecke standen, als Geister, Hubert und Anja. Sie beobachteten das Geschehen und waren froh, dass es ihrer Tochter gut gehen wird. Beide würden ihr ganzes Leben lang ihr Schutzengel sein. ~Ende
 
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