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Ermittlungen mit Masumi

von Hobbit91
KurzgeschichteHumor, Krimi / P16 / Het
Conan Edogawa / Shinichi Kudo Masumi Sera OC (Own Character) Ran Mori Shiho Miyano / Ai Haibara Sonoko Suzuki
20.07.2021
26.07.2021
7
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22.07.2021 2.277
 
Auf Masumi Sera war echt Verlass. Wie vereinbart fuhr sie am Mittag des nächsten Tages mit ihrem Motorrad zur Detektei Mori, um den kleinen Conan abzuholen. Der erste, der sie bemerkte, war allerdings nicht der Brillenträger, sondern Kogoro, welcher seinem nervigen Mitbewohner sogleich auf die Wartende aufmerksam machte.

„Hey, Knirps!“, blaffte er. „Die Dame mit dem Fangzahn steht schon bereit. Also schwing die Hufe!“

„Alles klar, Onkelchen! Bin schon unterwegs“, rief Conan, der gerade dabei war, sich seinen Rucksack aufzusetzen. Und weg war er.

Das Timing hätte dabei nicht besser sein können, denn kurze Zeit später wurde die Yoko-Okino-Show ausgestrahlt. Pflichtbewusst schaltete Kogoro Mori den Fernseher ein und öffnete die erste Dose Bier des Tages.



„Da bin ich“, rief Conan gut gelaunt, als er ins Freie trat. „Es kann losgehen.“

„Sehr schön“, rief Masumi zurück und warf dem Grundschüler einen zweiten Helm zu. „Dann steig mal auf!“

Conan war schon das ein oder andere Mal mit Masumi mitgefahren, doch heute würde die Fahrt vermutlich nicht ganz so rasant werden. Schließlich stand dieses Mal keine Verfolgungsjagd an. Sie wollten lediglich zum Hotel, in welchem morgen jene große Veranstaltung stattfinden sollte. Tadashi Miyahara, der Auftraggeber, war bereits zusammen mit seiner Familie angereist und hatte Masumi gebeten ebenfalls dorthin zu kommen. Vor ein paar Stunden hatte er ihr mitgeteilt, dass bereits alles organisiert war.

„Ich habe veranlasst, dass du ein hübsches Zimmer bekommst“, hatte er gemeint.

Masumi war gespannt. Was würde sie und Conan wohl erwarten? Schwebte dieser Toshio Miyahara wirklich in Lebensgefahr oder war am Ende doch nur alles ein dummer Streich?

„Du bist so still, mein Kleiner“, stellte die Oberschülerin nach einer Weile fest. „Ist alles in Ordnung?“

„Aber sicher doch“, kam prompt die Antwort von hinten.

„Ich glaube, das ist das erste Mal, dass wir zusammen mit dem Motorrad unterwegs sind, ohne dabei jemanden zu verfolgen. Schön, wenn man sich mal Zeit lassen und keine gefährlichen Manöver machen muss, nicht wahr?“

„Absolut“, stimmte Conan ihr zu. „Allerdings hat es sich gerade fast so angehört, als würde dir ein wenig Action ganz gelegen kommen.“

„Was nicht ist, kann ja noch werden“, rief Masumi munter.

„Wie bist du denn heute drauf?“

„Ich freue mich einfach nur darüber, dass wir zwei mal was zusammen unternehmen. Es kommt viel zu selten vor, dass wir mal allein sind. Findest du nicht auch?“

„Doch, schon“, lenkte Conan ein. „Allerdings finde ich auch, dass ein bisschen weniger Aufregung nicht verkehrt wäre.“

„Und so etwas sagst ausgerechnet du?“, rief Masumi erstaunt. „Du bist doch immer sofort dabei, wenn es irgendwo kracht.“

„Nur mal so zur Info: Ich kann nichts dafür, dass immer etwas geschieht, wenn ich in der Nähe bin“, verteidigte sich der geschrumpfte Detektiv.

„Du stehst aber auch gerne im Mittelpunkt, oder?“, hakte Masumi nach.

„Na ja...“

„Du kannst das ruhig zugeben. Da ist doch nichts dabei. Shinichi Kudo soll ja genauso sein, wie ich gehört habe...“

„Ach echt?“, fragte Conan, dem absolut klar war, dass er jetzt ganz besonders vorsichtig sein musste, denn dies war exakt die Art von Unterhaltung, vor der ihm Ai Haibara gestern versucht hatte zu warnen.

„Jetzt tu doch nicht so! Du steht doch mit Shinichi in Kontakt, oder?“, bohrte Masumi weiter.

„Ich habe seine Handynummer“, behauptete Conan. „Wenn ich seinen Rat brauche, darf ich ihn anrufen. Dank ihm konnten schon sehr viele Fälle gelöst werden. Ich finde ihn voll cool.“

„Hm“, machte Masumi. „Dabei scheint es oft so, als wärst du durchaus in der Lage, all diese Rätsel auch ganz alleine zu lösen. Bist du dir wirklich sicher, dass du überhaupt noch einen Berater brauchst?“

„Natürlich brauche ich manchmal jemanden, der mir bei Ermittlungen unter die Arme greift. Ich bin doch nur ein Kind“, sagte Conan, der sich gerade große Mühe gab besonders unschuldig und ein bisschen hilflos zu klingen, damit sich diese Behauptung noch glaubwürdiger anhörte.

„Aha, verstehe.“ Masumis Grinsen wurde immer breiter. Diese Komödie kaufte sie dem Jungen natürlich nicht ab. Da musste er ihr schon bessere Geschichten auftischen.

Conan selbst glaubte aber auch nicht, dass er Masumi überzeugt hatte. Ebenso wenig konnte er sich vorstellen, dass sich die Kurzhaarige mit seinen Ausreden zufrieden geben würde. Nein, die würde ganz gewiss weiterbohren. Doch fürs Erste schien sie keine Lust mehr auf solch eine Unterhaltung zu haben. Jedenfalls sah sie bis zum Ende der Fahrt davon ab, ihn Fragen über Shinichi Kudo zu stellen und schnitt stattdessen ein anderes Thema an.

Das nun folgende Gespräch war um einiges harmloser, denn hierbei ging es lediglich um ganz alltägliche Dinge. Dennoch war Conan nach wie vor auf der Hut. Schließlich konnte es ja gut möglich sein, dass die liebe Masumi hier und da ein paar Fallen für ihn einbaute, um ihn schlussendlich doch noch aus der Reserve zu locken.

Im Grunde bewunderte Conan sie dafür. Masumi war äußerst hartnäckig und ging dabei sehr geschickt vor. Mit ihr gemeinsam zu ermitteln war stets etwas ganz Besonderes. Aus diesem Grund hatte er sich ja auch so auf diesen Ausflug gefreut. Wenn Ai glaubte, dass er nur wegen des bevorstehenden Falles mitgefahren war, dann irrte sich die Rotblonde. Auch Masumi Sera hatte Geheimnisse, hinter die Conan gern kommen würde. Er hoffte auf neue Einblicke und Erkenntnisse. Deshalb wollte er die Oberschülerin so gern begleiten. Die Frage war bloß: Wer von ihnen würde zuerst versehendlich etwas preisgeben? Im Laufe des Tages – das nahm er sich ganz fest vor –  wollte Conan ihr mal eine verhältnismäßig harmlose Frage stellen und schauen, wie sie darauf reagierte. Danach würde er ein wenig nachbohren und...

„Schau nur! Dort drüben ist es schon!“, rief Masumi plötzlich.

„Hä? Was?“ Conan sah sich um. Mit diesem Ausruf hatte ihn die Kurzhaarige gerade aus seinen Gedanken gerissen.

„Das Hotel natürlich“, antwortete sie, „Wir haben unser Ziel erreicht.“

Sie stoppte ihr Fahrzeug kurz vor dem geschlossenen Tor, nahm dann ihr Handy zur Hand und rief eine eingespeicherte Nummer an. Als am anderen Ende abgehoben wurde, sagte sie: „Hi, Tadashi! Ich bin es. Kann uns bitte mal jemand reinlassen?“

Nicht lange danach wurde besagtes Tor vom Pförtner, einem älteren, leicht grimmig dreinschauenden Herrn namens Chozo Honogi, geöffnet, sodass Masumi hindurchfahren konnte. Vor dem Haupteingang, wo sich bereits ein paar Leute versammelt hatten, hielt sie erneut an.

„Hallöchen“, rief sie fröhlich.

„Schön, dich zu sehen“, entgegnete der junge Tadashi Miyahara und trat auf sie zu.

„Sagtest du nicht, du würdest ein Mädchen mitbringen?“, fragte ein großgewachsener Herr mit strengem Gesicht, bei dem es sich um Tadashis Vater handelte. Sein Name war Tatsuhiko Miyahara.

„Ich bin ein Mädchen!“, rief Masumi und nahm ihren Helm ab. Es war entsetzlich nervig! Wenn sie mal keine Mädchenkleider trug, hielt sie gleich jeder für einen Typen. Das konnte doch nicht ewig so weitergehen.

„Bitte vielmals um Entschuldigung, junges Fräulein“, rief Tatsuhiko, dem das Ganze sichtlich peinlich war.

„Sag mal, Masumi“, wandte sich der Sohn daraufhin schnell an die Kurzhaarige, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. „Wer ist denn der Kleine dort? Ich hatte angenommen, du würdest allein kommen.“

„Tja, weißt du“, begann Masumi, nachdem sie und Conan abgestiegen waren. „Das hier ist Conan. Er ist mein...“ Ohne Vorwarnung schlang sie die Arme um ihn und hob ihn hoch. „...kleiner Bruder. Er wollte unbedingt mitkommen und wenn er mich etwas fragt, ist er immer so niedlich, dass ich einfach nicht Nein sagen kann.“

„Hey, lass mich runter!“, protestierte der vollkommen überrumpelte Detektiv.

Masumi tat ihm den Gefallen, hatte aber noch nicht vor, ihn in Frieden zu lassen. Während sie den anderen erklärte, wie sehr sie an ihm hing, zerzauste sie ihm die Haare und kniff ihm zärtlich in die linke Wange.

„Entzückend“, kommentierte eine bebrillte Dame, die so aussah, als hätte sie das letzte Mal vor etwa zehn Jahren gelacht. Bei ihr handelte es sich um Eiko, Tadashis Tante. Masumi bezweifelte stark, dass diese das Gesagte auch wirklich so gemeint hatte. Eiko wirkte vielmehr so, als könne sie Kinder im Allgemeinen nicht leiden.

Nun kam auch Eikos Ehemann, Toshio, zum Vorschein. Derjenige, der morgen, bei der großen Veranstaltung eine wichtige Rede halten würde und dessen Leben – wie es aussah – in Gefahr schwebte. Wie all die anderen Anwesenden hatte er keine Ahnung, dass Masumi eine Detektivin war. Davon wusste nur Tadashi, der sie ja eingeladen hatte.

„Herzlich willkommen, ihr zwei“, sagte der dickliche Toshio freundlich. „Es ist schön mal eine Bekannte von meinem lieben Neffen kennenzulernen. Wie gut bist du eigentlich mit Tadashi befreundet und wie seid ihr einander begegnet? Entschuldigt diese Fragen, aber mich interessiert das eben.“

„Wir sind im selben Schulklub“, behauptete Masumi einfach.

„Genau“, sprang Tadashi ihr bei.

Als nächstes gesellte sich Yuto, der Sohn von Toshio und Eiko, zu ihnen, um die Neuankömmlinge ebenfalls zu begrüßen. Wie seine Mutter trug auch er eine Brille auf der Nase. Das Gesicht des 25-jährigen war jedoch wesentlich freundlicher als das von Eiko. Nachdem er ein paar nette Worte an Masumi gerichtet hatte, ging er in die Hocke und gab Conan die Hand. „Freut mich, dich kennenzulernen, Kleiner“, sagte er.

„Tja, damit wären meine Verwandten nun allesamt vorgestellt“, verkündete Tadashi. „Wollen wir rein gehen? Dann kann ich euch gleich euer Zimmer zeigen.“

„Aber gerne doch“, rief Masumi und ergriff Conans Hand. „Komm, Bruderherz!“

„Müssen wir jetzt etwa die ganze Zeit diese Show abziehen?“, zischte Conan, nachdem sie durch die Eingangstür geschritten waren.

„Ich brauchte eben eine gute Erklärung für deine Anwesenheit und da dachte ich mir...“ Sie schaute hinab zu Conan. „Bist du deswegen etwa sauer?“

„Du hättest mich zumindest mal vorwarnen können“, bemerkte der Grundschüler. „Das eben kam nämlich ein bisschen unerwartet.“

„Ich bin eben spontan. Und außerdem... Wie du sicher weißt, bin ich das jüngste von insgesamt drei Kindern. Ich habe mir schon immer einen kleinen Bruder gewünscht.“

„Also echt mal...“ Genervt verdrehte Conan die Augen.

„Hihi!“, kicherte die Oberschülerin.

Dieses kurze Gespräch war so leise geführt worden, dass Tadashi, der voraus gegangen war, um ihnen den Weg zu ihrem Zimmer zu zeigen, nichts hatte verstehen können. Conans nächste Frage dagegen vernahm er laut und deutlich: „Es ist hier ganz schön still, findest du nicht auch, Masumi?“

„Stimmt“, gab sie dem Jungen recht. „Außerdem scheint hier kaum Betrieb zu herrschen.“

„Nun, das liegt daran“, ertönte die Stimme einer Frau, „dass die morgige Veranstaltung gleichzeitig unsere große Wiederöffnung ist. Nur Gäste, die zur Familie Miyahara gehören, dürfen schon mal hier übernachten.“

Die Frau, die diese Worte gesprochen hatte, trug ein elegantes, schwarzes Kleid. Sie war überaus hübsch. Dunkle Locken umrahmten ein etwas blasses Gesicht mit klaren Augen, gerader Nase und vollen Lippen.    

„Darf ich vorstellen“, rief Tadashi. „Das ist Hideka Inoue, die Hotelmanagerin.“

„Im Laufe des morgigen Tages werden noch viele weitere berühmte Persönlichkeiten anreisen“, erklärte die Schönheit mit den dunklen Locken. „Herr Miyahara hat all das hier erst in die Wege geleitet. Ich bin ihm ja so dankbar. Ohne ihn wäre all das nicht möglich gewesen.“ Sie geriet regelrecht ins Schwärmen. Und sie war noch längst nicht fertig. „Diese Veranstaltung muss einfach ein Erfolg werden“, rief Hideka voller Leidenschaft. „Ich werde mich ordentlich ins Zeug legen müssen. Wir alle müssen unser Bestes geben.“

„Das werden wir, keine Sorge“, meinte ein Mann mit Spitzbart, der gerade von den Aufzügen kam und die letzten Worte Hidekas mitgehört hatte. „Für Sie besteht nicht der geringste Grund, nervös zu sein, wo doch alles so perfekt geplant wurde.“

„Ach, da sind Sie ja! Ich habe mich bereits gefragt, wo Sie stecken“, rief Tadashi und an Masumi und Conan gewandt fügte er hinzu: „Dieser Herr hier ist Kyosuke Nara, der Sekretär meines Onkels.“

„Sehr erfreut“, sagte der Spitzbart. „Ich würde euch ja gerne noch ein wenig Gesellschaft leisten, aber leider gibt es für mich noch sehr viel zu tun. Wenn Ihr mich also bitte entschuldigen würdet...“

„Unser Herr Nara: So gewissenhaft wie immer“, sagte Tadashi anerkennend, nachdem sich Kyosuke umgedreht hatte und wieder gegangen war.

„Sagen Sie“, wandte sich Masumi nun an Hideka. „Wäre es vielleicht möglich, sich den Raum, in welchem die Veranstaltung morgen stattfinden soll, schon einmal anzuschauen?“

„Ja, ich würde ihn auch gerne sehen. Das ist bestimmt aufregend“, sprang Conan ihr bei, dem gerade der gleiche Gedanke durch den Kopf gegangen war wie seiner Begleiterin. Mit Sicherheit sollte genau dort das angekündigte Verbrechen geschehen. Es wäre also nicht verkehrt, den Raum bereits jetzt in Augenschein zu nehmen, um nach eventuellen Gefahrenzonen Ausschau zu halten.

„Tut mir sehr leid für euch, aber das geht leider nicht“, sagte Frau Inoue. „Die Arbeiten dort sind noch nicht abgeschlossen. Momentan herrscht noch ein ziemliches Chaos. Ihr würdet dem Personal nur im Weg herumstehen. Schaut lieber im Laufe des nächsten Tages vorbei, nachdem ich noch einmal alles kontrolliert habe.“

„Na gut“, gab sich Conan geschlagen.

Im nächsten Moment war ein gewaltiges Scheppern zu hören, welches alle, aber ganz besonders Hideka Inoue zusammenzucken ließ.

„Was treiben diese Blödmänner denn da?“, rief die Managerin vollkommen entsetzt aus und eilte davon. Kurz darauf hörte man sie mit einem ihrer Mitarbeiter schimpfen, dem offensichtlich vorhin ein Missgeschick widerfahren war. Nicht lange danach lief der Unglückliche höchst persönlich aus der Tür, blieb stehen, drehte sich um, verbeugte sich mehrmals hintereinander und entschuldigte sich dabei.

„Ich werde alles wieder in Ordnung bringen“, rief er noch, bevor er den nächsten Korridor entlang hetzte.

„Diese Frau Inoue hat es wirklich nicht leicht“, seufzte Tadashi. „Sie ist immer so tüchtig, wird unglücklicherweise aber sehr schnell nervös und wenn – wie gerade eben – etwas schief geht...“ Er schüttelte den Kopf. „Vermutlich würde es ihr das Herz brechen, wenn morgen Abend nicht alles reibungslos über die Bühne gehen sollte.“


* * * * * * * * * * *

Liebe Leser,

keine Sorge wegen der vielen neuen Figuren, die hier eingeführt wurden! Ab Kapitel 4 gibt es am Anfang immer eine Namensliste mit kurzen Erklärungen, damit niemand durcheinander kommen kann.
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