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Schiffe versenken

von Pacifer
GeschichteDrama, Horror / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Harry Potter James Sirius Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Severus Snape
19.07.2021
22.07.2021
2
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22.07.2021 1.931
 
30.10.2034 an Bord des Atomeisbrechers „Flying Beluga"

Der Laut brechender Knochen blieb dem unfreiwilligen Lauscher noch lange in Erinnerung. Wenn die Flying Beluga durch das zwei Meter dicke Packeis schnitt, als wäre es ein Blatt Papier, brachen tausende von Schädeldecken mit einem einzigen, langanhaltenden Knarzen ein. Der Wind brauste an dem Atomeisbrecher, der früher einmal Arktika hieß, vorbei, streifte den breiten Bug und rieb sich am Stahl. Das rote Schiff war bereits von weiter Ferne im immer weißen Eis zu sehen. Die Welt bestand hier aus Eisschollen und Eisbergen. Eiskristalle hatten sich auf den roten Stahl gesetzt. Sie bildeten eine zweite Haut. Jeder, der für fünf Minuten zum Luftschnappen ging, kehrte mit einer betäubend kalten Hülle zurück. Die kleinsten Flocken verfingen sich an der Kleidung und den Fellbestückungen der Mäntel und Mützen.

In seinen dunklen Haaren glänzte der Schnee. Er klopfte sich ihn von den Schultern und Schenkeln, zog fluchend die dicken Handschuhe aus. Mit schmerzenden Wangen schritt er in die Kommandobrücke zurück. Dort piepsten und blinkte verschiedene technische Gerätschaften. Ein monotones Surren legte sich über das beständige Knacken des Packeises. Lord Voldemort wurde mit untertänigen Gesten begrüßt.

«Mein Herr, drei Fahrtstunden voraus, Richtung Nordost, befindet sich ein Objekt auf den Radarschirm.» Severus Snape wusste wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden. Er wusste, wie man den Kopf neigte, ohne dabei heischend oder schleimig auszusehen. Diese Fähigkeit besaßen die wenigsten.

In all seinen Jahren, die er nun schon die Todesser führte, waren ihm wenige Männer untergekommen, die seinem magischen Talent so nah kamen wie Severus Snape. Natürlich waren Sie immer noch Meilen voneinander entfernt, doch wenigstens bewegten sie sich auf demselben Kontinent. Das konnte man nicht von vielen behaupten, weder von Lucius Malfoy, der zu Severus' Rechten stand, noch von Arthur Weasley, der zur Linken des dunklen Mannes Platz genommen hatte.

Halt stopp, ruft ihr jetzt ... – Snape lebt noch? Arthur Weasley und Lucius Malfoy machen gemeinsame Sache? Arthur ist ein Todesser? Wie kann das sein?

Nun, meine Verehrer und Verehrerinnen, ihr kommt reichlich spät zur Vorstellung! Mittlerweile schreibt man das Jahr 2034, ihr habt lang geschlafen und den größten Magier aller Zeiten hat es auf die weite, kalte See hinausgetrieben. Sein Schiff, die «Flying Beluga» – noch so eine Frage, denkt ihr euch, warum, bei Merlin, «Flying Beluga»? – steuert sicher und verlässlich zwischen den Eisbergen.

Was macht es da?
Hört zu!

«Mein Herr, drei Fahrtstunden voraus, Richtung Nordost, befindet sich ein Objekt auf den Radarschirm.»

«Severus, mein treuer Diener, kann es sich dabei um die Pacifer handeln?»

Er nickte. Es war nur eine leichte Bewegung, die manch einer schnell als Zögern interpretiert hätte. Doch er hatte die Späße satt.

«Es liegt im Bereich des Möglichen, Meister.» Severus' monotone Stimme, die den brummenden Maschinen Konkurrenz in Sachen Gleichförmigkeit machen konnte, hallte durch die Kommandobrücke. Sicher übte er den Tonfall und den starren Gesichtsausdruck jeden Morgen vor dem Spiegel. «Sollen wir darauf Kurs nehmen?»

«Selbstverständlich.» Wieso hatte er eine Crew, wenn er immer noch für alle das Denken übernehmen musste? Es ärgerte ihn. Bald würden wieder ein paar Köpfe rollen. «Macht die Geschütze bereit, zur Sicherheit.»

Severus verabschiedete sich und drehte sich auf der Stelle um, um dann im Marsch die Kommandobrücke zu verlassen. Weasley folgte ihm, doch Lucius blieb wie angewurzelt stehen. Schwierig, wenn man die Umgebung bedenkt. An der Tür verharrten beiden und musterten ihn verwirrt. Sie warteten, als könnten sie nicht ohne den andere existieren. Lächerlich. Mit einer hektischen Handbewegung scheuchte Riddle sie weg.

Riddle fragt ihr euch? Nicht Voldemort? ... Wirklich?

Weg mit euch! Seht auch zu, dass ihr davonkommt!

«Wieso strapazierst du meine Nerven, Lucius? Nenne mir einen Grund und bete dafür, dass es ein guter ist.»

Lucius neigte seinen Kopf so tief, dass er beinahe mit seinen Knie kollidierte. «Mein Lord, ich habe ihren Auftrag erfüllt und möchte meine Beobachtungen melden.»

Stille.

«Worauf wartest du?» Das Hissen schnitt durch den Raum wie ein Skalpell. Lucius zuckt wie erwartet zusammen. Noch immer hatte er sich nicht an die grundlegende Geräuschkulisse gewöhnt. Malfoys waren langsame Lerner, unerschütterliche Gewohnheitstiere, es war schon immer so gewesen.

«Entschuldigen Sie ... Ich habe festgestellt, dass Hugo Weasley an Bord ist. Er plant höchstwahrscheinlich eine Befreiungsaktion.»

Riddle strich sich über sein Kinn. «Lucius, du hast die einmalige Gelegenheit mich zu erleuchten. Wie sieht noch einmal das Verwandtschaftsverhältnis dieser Weasleys aus? Nur der beiden, sonst sitzen wir hier ewig.»

Eilig nickte Lucius und beeilte sich, der Sache, die mehr Lappalie als Befehl war, nachzukommen. «Hugo Weasley ist Arthurs Enkelkind, Sohn von Ron Weasley, der der beste Freund von Har-»

«Harry Potter!» So ein banaler Name und doch hatte er den Einfluss, den großen Lord Voldemort über fünfzig Jahre zu beschäftigen.

«Ja, Meister.»

Riddle knurrte.

«Befehlsgemäß lasse ich ihn in diesem Moment verfolgen. Soll ich einem Zugriff stattgeben?»

«Nein.»

«Meister?» Lucius schluckte die aufkommende Galle hinunter. «Sind Sie sich sicher?»

«Verschwinde! Und kein Wort zu Hugo ... - ich will sehen, wie sich das entwickelt.»

«Jawohl.»

Wie ein verlorener Pudel im Regen lief Lucius den anderen beiden hinterher.

Eine rote Lampe leuchtete auf und gefahrmeldend schwoll ihr Licht an und ab.

«Ist alles in Ordnung?», fragte Riddle.

Der Muggel an den Steuerungsgeräten nickte hastig. «Es ist nichts Schlimmes, nur ein knapper Druckabfall in einer Gerätschaft im Maschinenraum. Machen Sie sich keine Sorgen, Lord.»

«Betrügst du mich, ist es das Letzte, was du getan hast.»

«Mein Lord, das ist mir bewusst.»

«Wie heißt du?»

Der Matrose wischte sich über die Stirn und lachte verlegen. In der Mannschaft war es bekannt, dass man auf einen schmalen Grad wanderte, sollte man dem Kapitän – dem Lord – näherkommen. Sollte er nach ihren Namen fragen, konnte eine Beförderung oder eine Enthauptung anstehen. Doch man entschied nicht über sein Schicksal an Bord, das tat er, Riddle.

«Tom Littleless, Sir»

Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Seine Armmuskeln krampften. «Tom oder Thomas?» Wie sehr hatte er es gehasst, wenn man ihm diese Frage gestellt hatte. Warum glaubten die Leute, er kenne seinen eigenen Vornamen nicht?

«Thomas, aber jeder nennt mich Tom.»

«Sie hassen den Namen, nicht wahr?»

«Wieso? … Aber ja, Sir. Er gefällt mir nicht.»

Riddle seufzte. «Ab nun heißen Sie Tim.» Nein, das war noch zu ähnlich. «Nein, besser, ab nun sind Sie Percival, wie der Gralsritter.»

«Sir?»

«Gefällt Ihnen das nicht?»

«Doch, mein Lord. Ich danke Ihnen. Tom Percival.» Er zwang sich zu einem Lächeln.

«Percival Littleless … – oder besser: Percival Dolohov.»

«Percival Dolohov – toll! Ich danke Ihnen.»

Kopfschüttelnd verließ auch Riddle die Kommandobrücke, nachdem er dem anwesenden Muggel noch ein paar Befehle erteilt hat. Es schmerzte ihn, dass er nun zu einem Teil auf die Muggel sich verlassen musste. Sie steuerten das Schiff. Sie verstanden dessen Funktionsweisen. Das hieß nicht, dass er ihnen über den Weg traute, jedoch hatte es sich erwiesen, dass Zauberer in technisch versierten Berufen wie ein Elefant im Porzellanladen waren. Ihnen fehlte schon der Hauch eines Verständnisses. Deswegen waren nun die muggelstämmigen Zauberer oder jene, die Zeit in der Muggelwelt verbracht hatten, bevor alles aus den Fugen geraten war im Aufwind – Severus und Arthur allen voran. Lucius war ein Jammerlappen, aber er tat gut daran, sich an die Beiden zu halten. Er selbst nahm sich davon natürlich aus – die Zeit seines Aufstiegs war unbegrenzt.

In seiner privaten Kajüte widmete er sich ein letztes Mal seinen Plänen. Wenn alles gut ging, nahmen sie in diesem Augenblick Kurs auf die Pacifer. Dann würden sie seiner Vision wieder einem Schritt näherkommen. All die Arbeit und die Zeit auf den verfluchten Schiffen würde sich gelohnt haben. Nur noch ein Opfer trennte ihm vom Erfolg.

Nachdenklich klopfte er gegen das kreisrunde Glasgefäß, das auf seinem Schreibtisch stand. Der kleine Goldfisch im Inneren des Glases drehte sich verwirrt um die eigene Achse.

«Nun Beluga», sprach er ihn an. «Du hättest sicher nicht gedacht, das es einmal so weit kommt.»

Der Goldfisch stierte ihn wissend an.

«Ich weiß, Goldfische haben nur ein Gedächtnis von acht Sekunden. Sie können sich immer wieder selbst überraschen. Doch wir wissen beide, dass du kein gewöhnlicher Goldfisch bist.»

Er beobachtete, wie der Fisch auf und ab schwamm. Dann schüttelte er den Kopf. Was sollte passieren? Worauf wartete er? Dies war ein vermaledeites Tier! Es würde ihm nicht antworten können. Das hatten Verwandlungen von Menschen in Tieren nun einmal an sich.

«Ich sollte dich über Bord werfen, verdammtes Vieh!»

Es klopfte. «Äh ... dunkle Lordschaft?», schallte es von außen.

Wie lange hatte Arthur Weasley dort schon von der Tür gestanden? Er wollte es gar nicht wissen. «Herein!»

Die Tür öffnete sich mit einem langen Quietschen. «Sir, ich habe die Konstruktionspläne, um die Ihr mich gebeten habt.»

Es waren die Baupläne der Pacifer. Riddle nahm sie gierig entgegen. «Hervorragend, Arthur.» Er konnte beobachten, wie sich die Körperhaltung seines Gegenüber anspannte. Entweder mochte er seinen Namen nicht - das konnte er durchaus nachvollziehen - oder er konnte es nicht ertragen, dass Lord Voldemort ihn in den Mund nahm. Wahrscheinlich war es letzteres, aber Riddle war schon weit darüber hinaus, sich um die Crew zu scheren. Arthur war wie Severus und Lucius nur eine Schachfigur. Die eigentliche Frage war: Welche? War er ein Springer oder ein Läufer? Vielleicht war er nur ein Bauer? Es lag am König, dies herauszufinden.

«Sag mir Arthur, was musstest du tun, um diese Pläne zu erhalten?» Er rollte sie über seinen gesamten Schreibtisch aus und pinnte die Ecken mit Stecknadel fest, die herumlagen. Es war nicht leicht, sie in das Holz zu kriegen und Arthur zuckte im Angesicht der Gewalt, die er dafür aufwendete, zusammen.

«Ach, das war gar nichts.» Arthurs Kiefer mahlten aufeinander. Das war was, da war sich Riddle sicher. «Ich hatte noch einen ausstehenden Gefallen von einem der Reeder, den ich eingefordert habe. Es war ein kurzer Besuch und zack! - Ich hatte, was ich wollte.»

Darauf würde er wetten. Bei dem kurzen Besuch waren nicht nur die Pläne an Bord gegangen, sicher hatte Hugo Weasley mit einem Muggel die Plätze getauscht.

«Wer hat dich bei deinem kurzen Besuch begleitet?»

Eine Schweißperle bahnte sich den Weg über Arthurs Wange bis hin zu seinem Kinn, wo sie im stoppeligen Backenbart verschwand. Dabei war es schier unmöglich, einen riesengroßen Eisbrecher zu beheizen. Sie liefen sowieso knapp an Erdöl, bald würden sie wieder zum Tanken der Bohrinsel einen Besuch abstatten müssen.

«Kommandant Rickens, meine Lordschaft», krächzte er und verkrampfte sich. «Und Severus Snape.»

«Ach, Severus war auch dabei?»

«Ja, Sir.»

«Das habe ich ihm nicht befohlen.»

«Sie haben es ihm aber auch nicht verboten, Sir.»

Das stimmte. «Ich erinnere dich daran, dass auf eine Lüge die Planke steht. Du wirst dich nicht auf eine Eisscholle retten können, bevor du erfrierst und da Erfrieren noch ein zu gnädiger Tod ist, versichere ich dir, dass ich dich bis zur Besinnungslosigkeit foltern werde, bevor ich dich eigenhändig über Bord werfe. Wie bei Jenkins, der dachte, er könnte meutern.»

Dämlicher Muggel! Er hatte an ihm ein Exempel statuiert und seitdem verrichteten alle ihren Dienst ohne Zwischenvorfälle.

Arthur schluckte. «Ähm ... - Sir, äh ... Es ist die Wahrheit.»

«Verschwinde.»

Der Weasley beeilte sich davonzukommen.

Er schrieb Lucius eine kurze Nachricht, dass er Arthur wie Severus im Blick behalten sollte. Irgendetwas braute sich da zusammen. Wie Lucius zwei Männer gleichzeitig beschatten sollte, wusste er nicht und es war ihm gleichgültig. Lieber richtete er seinen Blick auf wichtigere Dinge. Die Pacifer... Irgendwo in den Konstruktionsplänen musste ein Hinweis auf die besondere Fracht versteckt sein. Er studierte jeden Strich. Wenn er nichts fand, dann würde er die tatsächlichen Ausmaße des Schiffs mit den Plänen vergleichen müssen. Vielleicht hatte man ein paar Modifikationen vorgenommen, um dem Ladegut gerecht zu werden.

Beluga blubberte in seinem Glas, während die Maschinen seines riesigen Namensvettern brummten.

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