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Yu-Gi-Oh GY - The Blue Kingdom

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Mix
OC (Own Character)
19.07.2021
06.08.2022
22
176.998
2
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06.08.2022 7.935
 
Mayla hielt einen mit Flicken versehenen, weiten roten Mantel gegen die Sonne und bemusterte ihn mit einem dankbaren Lächeln.
Sie stand draußen auf dem Sliferplatz, neben ihr Daniel und ihre Zimmergenossinnen Ugur und Jenny, Julian sowie ein gutes Dutzend weiterer Slifer-Red-Schüler.
Gemeinsam genossen sie die Sonnenstunden des frühen Sommerbeginns.
„Wow, den hast du nur für mich gemacht? Vielen Dank, Ugur, ehrlich! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!“
Mayla zog sich das ärmellose Kleidungsstück direkt über die Schultern und knöpfte ihn vor der Brust zu.
Der rote, sanft im Wind wehende Mantel verbreiterte die Silhouette des zierlichen Mädchens erheblich und verlieh ihr ein dominanteres Auftreten.
„Ein „Danke“ reicht mir als Antwort“, entgegnete Ugur schmunzelnd, „Unsere Königin braucht natürlich auch einen königlichen Mantel. Leider gabs außerhalb der Theater-AG keinen guten Stoff, aber Herr Althus hat uns immerhin ausgemusterte Uniformen zur Verfügung gestellt.“
„Uns?“
„Deborah hat viel mitgeholfen, ohne sie hätte ich ihn nicht fertig bekommen und erst recht nicht bis heute vor dir geheim halten können. Du solltest dich bei ihr auch bedanken.“
„Das werde ich! Vielen Dank nochmal!“, sagte Mayla und verbeugte sich dankend vor ihrer Mitbewohnerin.
„Sieht aber schon ein bisschen schäbig aus! Willst du damit ehrlich rumlaufen!?“, unkte die helle Stimme der Flamenco-Forelle aus Maylas Deckbox.
„Also ehrlich. So spricht man nicht über Geschenke von Freunden. Die Mädchen haben sich sicher viel Mühe gegeben“, dröhnte der Walzer-Wal.
Mayla schenkte den für sie schon fast alltäglich gewordenen Stimmen ihrer Duellgeister keine besondere Beachtung.
Julian verneigte sich demonstrativ.
Wir haben es nur dir, der Königin zu verdanken, dass wir Slifer-Reds nicht mehr länger von Schülerinnen und Schülern der anderen Häuser drangsaliert werden. Wenn du nach den Prüfungen gegen den Obeliskenkönig gewonnen hast, dann werden wir den gleichen Respekt wie alle anderen genießen. Vielleicht wird man sogar mal endlich unsere Unterkunft renovieren!“
„Kann dir doch egal sein, du machst doch dieses Jahr eh deinen Abschluss! Oder hast du vor durchzufallen?“, fragte Ugur nach.
„Ja, also Nein! Ehh, ich war wohl schon so lange in dieser doofen Bruchbude, da habe ich spontan ganz vergessen, dass ich hier bald nicht mehr wohnen werde“, entgegnete Julian verlegen.
„Also wenn in der Prüfung kein Wunder geschieht, werde ich wohl vorerst ein Slifer bleiben“, sagte Jenny und sah dann ihre Königin mit großen, erwartungsvollen Augen an, „Wenn du bald die neue Königin der Akademie bist, dann wird unsere Unterkunft mindestens genauso schick, wie die der Obelisken! Wir bekommen alle riesige Betten und Zimmer und eigene Badezimmer und Kantinenessen, von dem man nicht sofort Bauchschmerzen bekommt! Du musst dann unbedingt beim Direktor....-
Mayla unterbrach die in Euphorie geratene Mitbewohnerin: „Naja, also ihr seid euch ja alle ziemlich sicher, dass ich im Jahresabschlussduell gewinnen werde. Aber der Obeliskenkönig ist schon ein schwieriger Gegner und ich will niemanden enttäuschen...“
„Ach was! Du besiegst doch jeden eingebildeten Obelisken!“, rief ein Slifer aus dem zweiten Jahrgang und eine Freundin von ihm pflichtete gleich bei: „Ich hab gehört, dass dieser Möchtegernkönig sich inzwischen kaum duelliert und die meiste Zeit nur faul rumliegt und sich ausruht. Den machst du locker platt!“
Es bildete sich ein kleiner Chor in der Gruppe, der die zweifelnde Königin aufzubauen versuchte.
„May-la! May-la! May-la!“
Die Sliferkönigin wurde passend zur Uniform und dem Mantel ganz rot.
Es war schön, dass man ihr so viel zutraute, aber...
Sie schluckte.
Mayla konnte sich noch gut daran erinnern wie Maxim, damals noch dritter Kronprinz, Erin mühelos in wenigen Zügen vorgeführt hatte.
Der König selbst würde nochmal ein ganzes Stück stärker sein.
„Mayla!“, meldete sich die kindliche Stimme der Merengue-Muschel zu Wort, „Damals warst du ja auch noch neu auf der Akademie. Inzwischen bist du schon vieeeeeel besser im Duellieren geworden. Du hast ja auch ganz viele andere tolle Duellanten besiegt!“
Da war wohl etwas Wahres dran.
Trotzdem...
„May-la! May-la! May-la!“
Auch ihre beiden Mitbewohnerinnen waren in den gemeinsamen Jubel eingestiegen.
Lediglich Daniel stand mit leichtem Kopfschütteln daneben und behielt die Ruhe.
Er erahnte, was in seiner Freundin bei dem Druck, den man ihr machte vorging und er teilte den Gedanken, dass Mayla gute Chancen zu gewinnen hätte, ganz und gar nicht.
„Hey, lass uns gehen. Das wird mir langsam zu laut und ich habe noch eine Überraschung für dich“, flüsterte er ihr zu.
Sie nickte eilig und setzte sich von der Gruppe ab.
„Habt vielen Dank für eure ermutigenden Worte und vor allem für den schönen Mantel. Den werde ich ab jetzt immer tragen. Aber ich muss jetzt etwas Ruhe haben, um mich besser auf das große Duell vorbereiten zu können.“
Sie nickte ihren Fans mit einem Lächeln zu und verließ dann mit Daniel händchenhaltend den Sliferplatz in Richtung Küste.
„Wo führst du mich denn hin?“, fragte Mayla neugierig.
„Wäre ja keine Überraschung, wenn ich es dir einfach sagen würde. Aber ich habe schon was geplant“, entgegnete er mit einem Augenzwinkern.
Er sah nach einer Weile hinter sich auf den Sliferplatz.
„Mann! Ich habe es jedem von denen schon zigmal gesagt, dass man dich nicht so unter Druck setzen soll!“, begann Daniel zu schimpfen, als das Pärchen sich weit genug von Maylas Fantrupp entfernt hatte, „Gehts dir gut? Oder war dir das zu viel?“
„Mir geht’s gut. Danke, dass du immer so lieb an mich denkst. Sie meinen es ja nur gut und sind mir dafür dankbar, dass ich sie vor den wütenden Ras und Obelisken beschützt habe.“
Diese Dankbarkeit konnte Mayla gut nachvollziehen.
Sie genoss es selbst sich in ihrer roten Uniform auf der Akademieinsel wieder sicher fühlen zu können.
Tatsächlich hatten die Angriffe komplett aufgehört und zwar ab ziemlich genau dem Tag, an dem auf der Schulplattform für alle bekannt gegeben war, dass Mayla gegen den Obeliskenkönig antreten werden würde.
Ob das wohl der eigentliche Zweck hinter diesem Angebot gewesen war? Auf diese Art für Frieden zu sorgen?
Während Mayla sinnierte, stöhnte ihr Freund genervt.
Daniel überzeugte die Antwort nicht.
„Wenn sie WIRKLICH dankbar wären, würden sie nicht immer an sich selbst denken! Du bist nicht für uns Slifer verantwortlich und hast auch deine eigenen Probleme. Außerdem will ich ehrlich nicht sehen, wie du aus falschem Pflichtgefühl auf der Bühne vor den Augen der versammelten Lehrer- und Schülerschaft zusammenbrichst.“
„Das passiert mir doch gar nicht mehr“, protestierte Mayla kleinlaut.
„Das hatte ich auch gedacht. Und dann beginnst du plötzlich von Geistern zu erzählen, läufst beinahe über die Inselklippe und verlierst direkt danach wieder das Bewusstsein. Ich weiß, dass du das nicht mehr hören kannst, aber...ich habe das schon zu oft miterleben müssen und mir macht das jedes Mal eine Heidenangst.“
Mayla schaute Daniel traurig an.
„Du glaubst mir also doch nicht?“
„Hmm, ich habe da viel drüber nachgedacht und ich kann jetzt nicht beweisen, dass es Geister NICHT gibt. Aber selbst wenn deine Duellgeister und dieser untote Absolvent nicht das Ergebnis einer geschädigten Psyche sind, der Kontakt zu sowas kann deinen Sinn für das, was die meisten für die Realität halten würden, auf jeden Fall schädigen. Und dass du gesehen hast, wie jemand von einem lebendig gewordenem Drachen-Monster getötet wurde, ist sicher auch nicht gut für die mentale Gesundheit, weißt du?
„Ja, ich verstehe, was du meinst.“
Die Gesprächsatmosphäre zwischen den beiden war ziemlich ernst geworden und Daniel, der Mayla aufmuntern wollte, wechselte schnell das Thema.
„Hey, du hast doch heute auch mitbekommen, wie Carlos von Frau Mentzel Ärger für seine nicht gemachten Hausaufgaben bekommen hat und Tim dran genommen und für seine gute Arbeit gelobt wurde? Ungelogen, vorgestern stand Tim bettelnd vor unserer Zimmertür und hat herumgejammert, wie schwer Fusionslehre wäre und dass er nachsitzen müsse, wenn er die Aufgaben wieder nicht hinbekäme. Irgendwann hat Carlos dann Mitleid mit ihm bekommen und ihn abschreiben lassen. Weil der faule Sack aber nie pünktlich aus dem Bett kommt, hat Carlos heute morgen in der Hektik einfach seine Hausaufgaben liegen lassen.“
„Ohje, da hat er sich bestimmt mächtig über sich selbst geärgert, wenn er schon alles richtig macht und dann einfach nur vergisst seine Hausaufgaben mitzunehmen. Wenn Fiona das passiert war, dann war sie den ganzen restlichen Tag immer ziemlich mies drauf.“
Daniel wunderte sich kurz darüber, dass Mayla sich nach ihrer letzten Konfrontation so wohlwollend an die guten Zeiten mit Fiona erinnerte.
Ein Teil von ihr hing definitiv noch an ihren ehemaligen Mitbewohnerinnen, da war er sich sicher.
Ein gutes Zeichen, was seinen Plan anging.
„Hehe, es kommt noch besser. Denn eigentlich nervt Carlos sonst immer Ahmad oder mich, bis wir ihn abschreiben lassen, weil er von Fusionslehre nicht richtig versteht. Aber seit wir mit dem Thema Kontaktfusion angefangen haben, macht der seine Hausaufgaben selbst und prahlt immer damit, wie gut er dem Unterricht folgen könne.“
Nun hatte es Daniel geschafft Mayla zum Lachen zu bringen.
„Wie sagt man? „Hochmut kommt vor dem Fall“ ?“
„Tja, was meine Zimmergenossen angeht, stimmt das wohl. Aber weißt du was? Wenn ich diesmal den Aufstieg schaffe, werde ich es vielleicht hin und wieder vermissen, mit ihm zusammen zu wohnen.“
Mayla drückte nun kurz seine Hand, sodass sie seine Aufmerksamkeit gewann und sich beide kurz in die Augen sahen.
Er war auch besser geworden, viel besser.
In den letzten Wochen war Daniel Maylas häufigster Gegner geworden.
Und auch, wenn sie inzwischen alle Duelle gewann, gelang es ihm hin und wieder solide Gegenwehr zu leisten, insbesondere, da ja nun wieder sein Alpha die Eisenmähne in seinem Deck war.
„So, fast da.“
Beide waren nun am Strand am südlichen Inselende angekommen.
Einige Schülerinnen und Schüler lagen dösend im Sand oder spielten im durch die strahlende Sonne glitzernden Wasser.
Das Wellenrauschen ging in der Geräuschkulisse der sich vergnügenden Jugendlichen unter.
Niemand hier schien besonders auf die zwei zu achten.
Mayla spürte, wie Daniels Hand nun plötzlich sanft ihren Hinterkopf streichelte und ehe sie sich versehen konnte, hatte er seine Lippen auf ihre gepresst.
Sie hatte sich ein wenig erschrocken, doch presste sich mit beiden Armen hinter ihm verschlungen fest an Daniel und erwiderte den Kuss.
Sie hatten sich zwar schon einige Male geküsst, aber es war jedes Mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis für sie.
„Überraschung“, sagte er lächelnd, als er sich von ihr gelöst hatte.
„Das war aber eine schöne Überraschung. Davon darf es in Zukunft gerne mehr geben.“
„Hmm...“
Er druckste ein wenig herum.
„Also, das war jetzt eigentlich nur eine spontane Idee, um dich in gute Laune zu bringen. Die eigentliche Überraschung wartet im Wasser auf uns und ich bin mir nicht sicher, ob sie dir gefallen wird.“
„Ähm, Daniel, ich habe gar keine Badesachen untergezogen oder überhaupt ausgeliehen. Du weißt doch, dass ich nie schwimmen gelernt habe.“
Eilig schüttelte er den Kopf.
„Nein, so meinte ich das nicht. Warte kurz...“
Er joggte bis an das andere Ende des Strands und begann zu rufen: „Hey! Erin! Jang!, kommt raus!“
Mayla dachte kurz, sie hätte sich über die Ferne verhört.
Erin? Was macht sie denn hier?
Augenblicklich drehten sich zwei Mädchen in ihren ragelben Schwimmanzügen zu Daniel um.
Mayla machte einige Schritte in Richtung Meer und presste die Augen zusammen.
Das lange, blonde Mädchen war tatsächlich Erin, das erkannte sie, als sie mit ihrer etwas kleineren, asiatisch aussehenden Freundin zusammen langsam aus dem Wasser watete.
Mayla hatte sie ohne ihre Brille so schnell gar nicht erkannt.
Erin und Jiang kamen schließlich aus dem Wasser, gingen dann zuerst zu ihrer Stranddecke, sodass sich die Mädchen zuerst grob abtrocknen konnten und Erin sich ihre Brille wieder aufsetzen konnte.
Danach gingen beide hinter Daniel auf die wenig begeistert wirkende Mayla zu.
„Daniel! Warum belügst du mich und bringst mich dazu Erin zu sehen? Ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben!“, schrie sie aufgebracht.
Sie hatte sich darauf gefreut etwas Zeit alleine mit ihrem Freund zu verbringen.
Stattdessen holte er ohne ihr Einverständnis nun die eine Mitschülerin dazu, mit der Mayla am wenigsten zu tun haben wollte.
Erin zwang sich dazu Mayla freundlich anzulächeln, auch wenn ihr ihre ablehnende Art sehr weh tat.
„Hey...Ich...möchte das zwischen uns Dreien wieder in Ordnung bringen. Ich weiß, dass ich mich gegenüber Fiona echt dumm benommen habe und ich habe mich schon bei ihr...-“
„Du hast dich bei ihr entschuldigt, das hat sie mir schon selbst erzählt! Aber das hat nichts damit zu tun, dass WIR keine Freundinnen mehr sind! Lass mich bitte einfach in Ruhe!“
Sie blickte Erin bei diesen harschen Worten noch nicht einmal in die Augen.
Maylas wütende Reaktion auf das Wiedersehen zwang Erin eine große Menge Selbstbeherrschung ab.
Sie konnte sich nicht daran erinnern ihre alte Freundin jemals so zornig erlebt zu haben
„Mayla, beruhig dich doch, bitte“, sagte Daniel ruhig und versuchte vorsichtig über ihre Schulter zu streicheln.
Sie schlug seine Hand unerwartet schroff beiseite.
„Fass mich nicht an!“, fauchte sie.
„Lass seine Wut nicht an Daniel aus. Das ist ungerecht und er...wir wollen dir nur helfen“, protestierte nun Erin bemüht nicht selbst laut zu werden.
„Lasst mich raten, ihr habt euch mit Fiona abgesprochen und versucht nun auch mir das Duell gegen Aland Kaya auszureden! So ist es doch, oder?!“
„Ich habe mich genau einmal mit Fiona getroffen und das ist schon wieder mehrere Wochen her. Habt ihr euch persönlich getroffen?“
Daniel gab Erin mit einem bösen Blick zu verstehen, dass das in diesem Moment keine gute Frage war.
„Diese fiese Aktion von ihr vergesse ich so schnell nicht! Sie hat mich vorletzte Woche nach dem Unterricht bis zur Sliferunterkunft verfolgt, nur um mir dann ins Gesicht zu sagen, dass ich ja gar keine Chance hätte und ich geisteskrank sei! Vor meinen Freunden, Erin! Weißt du was ihre Worte waren?! „SELBST ICH war machtlos gegenüber Chris und ersie ist ja noch viel schwächer als der König“ !“, sie blickte nun doch einmal kurz auf, um Erin für einen kurzen Moment anzusehen, „Du hattest damals wohl Recht gehabt: Sie ist echt arrogant geworden seit sie sich nur noch mit Obelisken umgibt!“
Erin stöhnte.
Es war zum Haare raufen.
Diese ungeschickte Formulierung klang leider nur zu sehr nach Fiona.
Einfühlsame Worte zu wählen war noch nie ihre Stärke gewesen, auch wenn sie es sicher nur gut meinte.
Aber das Mayla jetzt zu erklären, war wohl aussichtslos, auch wenn sie Fiona eigentlich genauso gut kennen sollte.
„Wenn eure „Hilfe“ darin besteht mir immer wieder zu erzählen, was ich angeblich alles nicht kann und wie viel besser du bist als ich, dann kann ich darauf verzichten!“
Mayla drehte sich augenblicklich um, um zu ihrer Unterkunft zurückzukehren, doch Daniel rief ihr etwas hinterher, was sie schließlich dazu bewegte stehen zu bleiben.
„Wenn du wirklich kämpfen willst und ich meine wirklich für DICH, nicht für die anderen Slifer, dann stehe ich hinter dir!“
Mayla drehte sich wieder zu Daniel herum und es schien, als hätte sie sich ein wenig abreagiert.
„Und wenn du kämpfen willst, dann möchte ich, dass du bis zu dem Duell zumindest mit ein paar starken Spielerinnen trainierst. Ein Sparring mit Erin und Jang bringt dir auf jeden Fall mehr, als immer nur gegen mich zu gewinnen.“
Mayla zögerte mit ihrer Antwort keine Sekunde.
„Ich kämpfe. Gegen den Obeliskenkönig. Für mich. Weil mir die anderen am Herzen liegen und es MICH stört, wenn sie ungerecht behandelt werden!“, entgegnete sie ihrem Freund entschlossen.
„Ähm.. also mein Name spricht sich eigentlich „Jiang““, korrigierte sie kleinlaut.
Jiang fühlte sich angesichts des recht persönlichen und explosiven Streits ein wenig fehl am Platz, ist aber Erin zu liebe geblieben.
Sie war ja auch irgendwo selbst schuld, schließlich hatte sie diesmal darauf bestanden Erin moralisch zu unterstützen.
Mayla atmete einmal tief ein und aus.
„Entschuldigung, dass du so doof in unseren Konflikt reingezogen wurdest...Ji-ang? Ich bin Mayla, es ist schön dich kennen zu lernen.“
„Ich freue mich auch dich kennenzulernen. Ich habe sehr viel Positives über dich von Erin gehört und es wäre mir eine Freude, dir bei der Vorbereitung zu helfen.“
Mayla lächelte sie an.
„Gut, wenn du und Daniel das so wollt, dann übe ich gerne mit dir. Ich bin schon gespannt auf dein Deck.“
Dann wandte sich Mayla Erin zu.
„Jetzt geh doch endlich. Ich will dich einfach nicht mehr sehen!“
Das tat weh.
Erin hatte bis eben zumindest kurz die Hoffnung, dass Erin sich ebenfalls mit ihr duellieren könnte, so wie früher.
„Was ist bloß passiert, Mayla? Ich...verstehe dich nicht.“
„Jo, voll whack, die Erin! Jetzt macht sie dir noch endkrass auf schlechtes Gewissen!“, kommentierte Robot-Rochen.
„Und ihre Donnerklang-Monster sind gefährlich und können im Duell echte Verletzungen verursachen. Denk mal daran zurück, wie oft ihr euch duelliert habt! Ein Wunder, dass du noch lebst!“, sagte Disko-Delfin mit ernster Stimme.
„Du hast gesehen, was einmal aus ihr werden wird: Eine böse KI, die unschuldige Jugendliche hinrichtet, du darfst ihr nicht trauen!“, fügte letztlich noch Tango-Tintenfisch hinzu.
„Haltet den Mund“, antwortete Mayla den Geistern gereizt und dabei auch deutlich zu laut.
Ihre Duellgeister hatten in ihren Augen nicht das Recht so schlecht über eine Freundin herzuziehen, auch wenn es nur eine ehemalige Freundin war.
HalTET den Mund?
Da stimmte was nicht, sie schien sich zumindest gegenüber Daniel beruhigt zu haben und zu Jiang war sie auch freundlich.
Erin senkte den Kopf und sah Mayla, die eigentlich Blickkontakt vermeiden wollte, direkt in die Augen.
„Du hörst wieder Stimmen, habe ich Recht? Sie sind es, die den Mund halten sollen, oder? Sind es wieder Geister, die wollen, dass du irgendwo hingehst?“
Mayla schwieg und überlegte.
Sie zog kurz in Betracht, zu erzählen, mit welchen Karten Benjamin wirklich getötet wurde und dass die künstliche Frau aus dem Gewölbe sehr auffällige Ähnlichkeit mit Erin hatte.
Aber was würde Daniel dazu sagen?
Er hatte die von ihr abgeschwächte Variante, in der irgendwelche Drachenmonster genutzt wurden, kaum geglaubt.
Und Jiang würde nach so einer abgefahrenen Geschichte sicher überhaupt nicht mehr mit ihr trainieren wollen.
„Du hältst mich auch für geisteskrank, genau wie Fiona. Was willst du dann noch von mir?“
Darauf wusste Erin auch keine richtige Antwort.
Sie wollte, dass es wieder so wird wie früher, aber das war wohl zur Zeit kaum eine realistische Option.
Erin gab an dieser Stelle auf.
Eine Versöhnung mit Mayla schien aussichtslos und sie wusste inzwischen nicht einmal, wieso sie einen solchen Groll gegen sie hegte, aber immerhin wollte sie sich ordentlich auf das Jahresabschlussduell vorbereiten und hatte Daniel und nun auch Jiang an ihrer Seite.
„Ich will, dass du gesund wirst. Und glücklich“, antwortete sie Mayla traurig, „Ich will meine alte Freundin zurück.“
Mit diesem Satz hob Erin die Hand und winkte Jiang und Daniel kurz zu, um sich zu verabschieden.
„Mayla, wenn du doch noch reden, oder schreiben willst: Du hast meine Nummer. Du müsstest mich nur entblockieren.“
Etwas hilflos schaute Jiang zwischen Erin, Daniel und Mayla hin und her.
„Bleib ruhig, ihr solltet euch ruhig noch besser kennenlernen, bevor es ans Trainingsprogramm geht.“
Erin ging zur Stranddecke, warf sich eilig die Uniform über den noch feuchten Badeanzug und ging alleine zu ihrem Zimmer zurück.

Etwas später an dem Tag, unweit von der Ra-Yellow-Unterkunft fand auch schon das erste Duell zwischen Jiang und Mayla statt und es sollte das Erste von Vielen sein.
In den kommenden Wochen verließ Jiang, wenn sie mit Erin zusammen die Hausaufgaben erledigt und gemeinsamen für die immer näher rückende Abschlussprüfung gelernt hatte, das gemeinsame Zimmer, um bis in die Nacht gegen Mayla zu duellieren.
Sie spielten stets relativ nahe der Ra-Unterkunft, um zu verhindern, dass Mayla von ihren Bewunderern aus Slifer-Red allzu sehr abgelenkt werden würde, allerdings außerhalb der Sichtweite von Erin, die nicht willkommen war und deshalb alleine im Doppelzimmer blieb.
Was hatte sie Mayla bloß getan, dass sie die Freundschaft mit ihr komplett aufgegeben hatte?
Sie hätte jedenfalls im Voraus nicht gedacht, dass es einfacher werden würde, sich bei Fiona zu entschuldigen, als mit Mayla wieder Frieden zu schließen.
Aber Erin ließ sich nicht entmutigen.
Alles hatte seine positiven Seiten.
Sie nutzte die einsamen Stunden, indem sie immer und immer weiter lernte, insbesondere für Fallen- und Schnellzaubertaktik, welches aufgrund von Frau Ehrings Härte wohl wieder der schwierigste Teil der schriftlichen Prüfung werden dürfte.
Mayla schlug sich extrem gut, sodass Jiang nur etwa jedes zehnte Spiel für sich entscheiden konnte.
Und inzwischen schrieb Erin zumindest hin und wieder mit Fiona, auch wenn sie noch keinen persönlichen Kontakt wollte.
Inhaltlich ging es meist um den Unterrichtsstoff, aber es war ein Anfang.
Mit der Zeit wurden die Chats ein wenig persönlicher.
Fiona schrieb von ihrem Tag, davon, was sie in der Botanik-AG gemacht hatte und verwendete dabei ihren typischen, bunten Schwall unterschiedlichster Emojis, der Erin stets zumindest zum Schmunzeln brachte.
Fast so wie früher.
Fiona fragte sie nach ihrem Tag, wie es ihr so ging, was Daniel, Jiang und Mayla so machen würden und wie sie sie doch noch vom Plan im Jahresabschlussduell anzutreten, abhalten könnten.
Als Erin ihr einmal in einer mehrminütigen Audio die Situation zwischen ihr und Mayla schilderte, schien Fiona allerdings zu verstehen, dass Erin in dieser Hinsicht machtlos war.
In den letzten Tagen vor der Prüfung war Fiona allerdings schwer zu erreichen.
Erin erinnerte sich gut daran, wie es vor einem halben Jahr gewesen war.
Sie hatte pausenlos gelernt, kaum geschlafen und sich nur noch von Süßkram ernährt, um ihre Lernmarathons durchstehen zu können, gut möglich, dass sie sich wieder so quälen würde.
So lag Erin an dem vorletzten Abend vor der praktischen Abschlussprüfung wieder alleine in ihrem Bett und las sich die heute vervollständigten Lernzettel noch ein letztes Mal vorm Schlafengehen durch.
Inzwischen war es halb zehn, die Sonne war gerade untergegangen.
Plötzlich hörte sie, wie sich die Zimmertür öffnete und eine sichtlich erschöpfte Jiang trat Erin zuwinkend ein.
Erin richtete sich gleich auf und lächelte ihre Freundin an.
„Hey! Da bist du ja! Und, hast du heute zwischendurch auch mal gewonnen?“, fragte Erin, wie sie es schon so oft getan hatte.
„Nur an Erfahrung“, entgegnete Jiang und lachte, „Ihre Merengue-Muschel macht mir ständig die Ausrüstungszauber kaputt und wenn ich dann mal in den Angriff übergehe, kommt sie mir mit ihrem Sprungfederfeld in die Quere. Sie ist echt stark. Und du hast wieder fleißig gelernt?“
Erin lag demonstrativ ihre Notizen aus der Hand und schloss die Augen, bevor sie das heute Gelernte vortrug:
„Für Spielfeldzauberkarten gibt es für jeden Spieler eine eigene Kartenzone, in der keine anderen Zauber oder Fallen platziert werden können. Auf dem Spielfeld kann sich immer nur eine aktive Spielfeldzauberkarte liegen, allerdings kann der Gegenspieler gleichzeitig seinen eigenen Spielfeldzauber setzen. Spielt einer der beiden Spieler eine weitere Spielfeldzauberkarte aus, so wird die aktive Spielfeldzauberkarte durch die Neue ersetzt. Wenn das passiert, zählt das übrigens als „Zerstörung“, was für einige Karten wie „Magiestrafe Schadenersatz“ entscheidend ist“, Erin hielt für einen kurzen Augenblick inne um sich innerlich darüber zu ärgern, dass ihr an der Stelle keine andere Karte als Beispiel eingefallen war und setzte dann fort, „Befindet sich ein aktiver Spielfeldzauber auf dem Spielfeld und ein weiterer Spielfeldzauber wird aktiviert, so kann man die Zerstörung des ersten Spielfeldzaubers verhindern, indem man entweder die Aktivierung des zweiten Spielfeldzaubers annulliert oder an der Aktivierung des neuen Spielfeldzaubers eine Karte wie „Ominöser Zeit-Orkan“ ankettet, die den neuen Spielfeldzauber zerstört, bevor er vollständig ausgelöst wird. Dies ist möglich, da die Zerstörung eines alten Spielfeldzaubers durch einen Neuen nicht als Karteneffekt behandelt wird, sondern als eine Spielmechanik.“
Erin öffnete wieder ihre Augen und grinste breit.
„Tja, jetzt bist du ganz schön beeindruckt was?“
Jiang nickte anerkennend.
„Ich wüsste nichts, was man dem noch zufügen könnte. Was Permanente Zauber und Spielfeldzauberstrategie angeht, brauchst du dir keine Sorgen machen.“
„Was die anderen Fächer angeht: Mit denen habe ich schon seit Montag abgeschlossen. Inzwischen habe ich jetzt alles wiederholt, was wir seit Beginn des Halbjahres gelernt haben.“
„Das ist sehr gut. Morgen will ich auch nochmal den ganzen Tag zum Lernen nutzen. Bist du sehr nervös?“
„Hmm, offen gesagt...Nein, überhaupt nicht. Ich meine, ich weiß ja, was ich kann und habe ja schon einmal eine Prüfung erfolgreich überstanden. Außerdem wird es diesmal im Praxisteil sehr wahrscheinlich auf ein gewöhnliches Duell hinauslaufen. Soweit ich weiß, gab es noch nie zwei besondere Praxisprüfungen hintereinander.“
„Ja, das verstehe ich. Ich glaube auch, dass die schriftliche Prüfung diesmal etwas leichter werden wird, nachdem sich im letzten Halbjahr so viele darüber beschwert hatten.“
Jiang nahm sich ihren kleinen, klappbaren Schminkspiegel, zwei Wattepads und ein Fläschchen Reinigungsgel aus ihrer beigefarbenen Handtasche, legte sie auf den Schreibtisch und begann sich nebenbei abzuschminken.
„Es wäre witzig, wenn wir gegeneinander antreten müssten, oder Erin?“
„Hehehe, stimmt, das wäre es. Wäre vor allem praktisch, wenn man gegen ein Deck antritt, das man kennt. Leider ist das bei mir nicht sehr wahrscheinlich, habe mich zuletzt nur alle paar Tage mal mit Daniel duelliert, wenn er die Nase voll vom Zugucken hatte. Ich hatte also nicht gerade viele unterschiedliche Gegner.“
Erin stand nun noch einmal auf und stellte sich neugierig hinter Jiang, was ihr allerdings ein wenig unangenehm war.
„Öhm, Erin, was schaust du denn?“
„ Ich möchte dir nur ein wenig zusehen. Ich hatte ja nie eine Mutter oder eine große Schwester, die mir zeigt, wie man mit Foundation und Make-Up und so vernünftig umgeht und ich würde mich gerne mal selbst etwas aufhübschen können.“
„Was ist mit deinen alten Mitbewohnerinnen? Haben Mayla und diese Fiona dir das nie gezeigt?“
„Nein. Mayla ist ja ein Waisenkind, sie hat also wohl das gleiche Problem wie ich und Fiona...sie ist glaube ich echt gar nicht der Typ für sowas.“
Jiang war nun fertig und warf die benutzten Wattepads in den Mülleimer unter dem Schreibtisch, bevor sie sich zu Erin umdrehte.
„Hmm...weißt du was? Ich schreibe dir morgen mal eine Liste an Kosmetikartikeln, die du dir über die Ferien besorgen kannst. Dann gebe ich dir gerne im nächsten Jahr ein Schminktutorial.
Erin lächelte erfreut.
„Du bist die Beste!“
Wie geplant, nutzten die Mädchen den ganzen nächsten Tag zur Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung, die sechsstündige Klausur, in der Wissen aus allen Unterrichtsfächern exklusive dem Sportunterricht abgefragt wurde.
Zwar war die schriftliche Prüfung erst am Montag, sodass sie noch den restlichen Freitag und ein komplettes Wochenende Zeit zum Lernen hatten, aber Erin wollte, nachdem sie letztes Mal sehr viel schlechter in der schriftlichen als in der praktischen Prüfung abgeschnitten hatte, sich mehr auf die Theorie vorbereiten.
Außerdem war einiges aus dem Unterricht davon unerwartet relevant für sie geworden, denn sie hatte nie einen Spielfeldzauber genutzt, bis ihr Kevin die Gewittersturmfestung Amperia von ihrer angeblichen, heimlichen Freundin weitergereicht hatte.
Und Erin war sich bis vor Kurzem nicht ganz sicher, was passieren würde, wenn sie gegen jemanden antritt, der ebenfalls Spielfeldzauber verwendet.
Was Jiang anging, so hatte sie von der ständigen Duelliererei sowieso langsam genug und auch, wenn sie an sich keine schlechte Verliererin war, hatten sie ihre vielen Niederlagen gegen die Sliferkönigin doch ein wenig entmutigt.
Deshalb war ein Tag, an dem sie mal nicht spielen musste, sehr erholsam, auch wenn sie stattdessen in der Zeit paukte.
Am Donnerstagabend gingen beide Mädchen früh ins Bett, um am kommenden Morgen möglichst topfit zu sein und Erin hatte immerhin so gut geschlafen, wie es ihr in den etwas zu warmen Sommernächten möglich war.
Pünktlich um 10 Uhr hatten sie sich, zusammen mit allen anderen Ra-Yellow-Schülerinnen und Schülern am Stadioneingang eingefunden.
Erin war erstaunt darüber, wie wenig Gedanken sie sich eigentlich um die Prüfung machte, insbesondere wenn sie sich daran erinnerte, wie nervös sie zu ihrer Aufnahmeprüfung oder der Halbjahresprüfung war.
Aber inzwischen war ihr das gesamte Prozedere der praktischen Prüfungen gut vertraut und sie vertraute ihrem Deck und den Fähigkeiten, die sie im letzten Schuljahr erworben und verbessert hatte bedingungslos.
Jiang und Erin holten sich von dem am Monitor sitzenden und gelangweilt wirkenden Obelisken aus dem dritten Jahrgang ihre Prüfungsnummern ab und konnten ab dann nur noch in der etwa halbvollen Prüfungshalle abwarten.
Es waren fast nur Mitschüler in gelben Uniformen zu sehen, sodass die nebeneinander am Rand stehenden Mayla und den auf den Füßen wippenden Daniel durch ihre rote Uniformen sofort auffielen, insbesondere, da Mayla zusätzlich den roten Königinnenmantel trug.
Daniel winkte den beiden zu.
„Lass und mal bitte kurz zu ihnen rüber gehen. Nur zum Hallo-sagen und um den beiden viel Glück zu wünschen“, bat Jiang.
Erin hatte mit der Bitte von ihrer Freundin bereits gerechnet und nickte ihr zur Bestätigung stumm zu, auch wenn sie gerade überhaupt nicht in der Stimmung war, erneut von Mayla die kalte Schulter gezeigt zu bekommen.
„Hey! Schön euch zu sehen! Und, schon aufgeregt?“, fragte Daniel, als die beiden Mädchen bei ihm und Mayla angekommen waren.
„Nein, inzwischen hatten wir ja schon ein paar Prüfungen und ich wurde ja von einem echten Duellprofi trainiert“, antwortete Jiang fröhlich.
Mayla verbeugte sich ein wenig nach diesem Kompliment.
„Danke dir, dass du immer wieder mit mir gespielt hast. Leider mögen mich die meisten Ras nicht besonders, von den Obelisken ganz zu schweigen, deshalb war ich auf deine Hilfe angewiesen. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, weil ich mich nicht zurückgehalten habe.“
„Ach nein, das solltest du ja auch nicht. Außerdem hat Erin auch immer mit aller Kraft duelliert, wenn wir zusammen gespielt haben. Ich kenne das kaum noch anders.“
Die beiden Mädchen lachten.
Erin, die Blickkontakt mit Mayla vermied, sprach nun Daniel an: „Du wirkst aber schon ganz schön angespannt. Du kannst ja kaum ruhig an der Stelle stehen.“
„Klar bin ich angespannt! Ich weiß gar nicht, wie ihr das schafft so ruhig zu bleiben. Ich meine, ihr zwei wollt doch bestimmt auch aufsteigen, oder?“
„Natürlich wollen wir aufsteigen! So hart, wie wir gelernt haben, da wäre der Frau Ehring sicher das Herz aufgegangen...falls sie sowas hat“, scherzte Erin.
Daniel lachte und auch Mayla musste bei dem Spruch ein wenig kichern, während Jiang die Augen verdrehte.
Sie mochte es nicht besonders, wenn Erin über die Lehrer herzog, auch wenn sie Erins Frust gegenüber der Frau, den sie mit vielen anderen Schülern teilte, gut nachvollziehen konnte.
„Ist auf jeden Fall echt aufregend. Alle anderen Slifer spielen noch oder sind bereits fertig. Hoffentlich geht’s für mich in der nächsten Runde los!“, sagte Daniel weiter.
„Du spielst in der nächsten Runde, da bin ich mir sicher“, sagte Mayla zu ihm und zeigte auf den Monitor.
Auf dem breiten Bildschirm in der Halle standen nebeneinander Zahlenpaare, die die Paarungen für die Praxisprüfung der aktuellen Runde symbolisierten.
Es war Runde Vier und alle Prüfungsnummern begannen mit der 4.
„Das ist vom Zahlensystem so wie in der Halbjahresprüfung. Die erste Ziffer sagt dir die Runde, die zweite und dritte sagt die Plattform und die 01 oder 02 am Ende der Nummer verrät, auf welcher Seite der Plattform du dich begeben sollst. Du hast die Nummer 5-12-02. Bitte sag mir nicht, dass du das in den letzten drei Runden nicht verstanden hast“, erklärte Mayla ihrem Freund.
„Sorry, wurde leider zu sehr von meiner bezaubernden Königin abgelenkt.“
Daniel überspielte seine Scham über diese kleine Dummheit durch einen schnellen Kuss auf Maylas Wange.
Erin, die erst vor einigen Minuten mit Jiang zusammen ihre Nummer abgeholt und sich noch keine Gedanken über das genaue Paarungssystem gemacht hatte, guckte sofort auf ihre eigene Nummer.
8-17-02.
„Lustig, wenn ich mich recht erinnere, war mein Probeduell damals auch auf der Nummer 17, also zumindest hätte ich damals dort spielen sollen“, erinnerte sie sich laut.
„Ich spiele ebenfalls in Runde 5, allerdings an Plattform 6“, sagte Jiang.
„Schade, hatte gehofft, mal gegen dich antreten zu können. Ich meine, ich muss ja anscheinend sowieso gegen einen Ra duellieren.“
„Hey, Daniel“, sprach Erin den Jungen an, „Hier werden die Zulosungen wohl wieder mittels des GY-Scores entschieden, genau wie vor nem halben Jahr. Dann bedeutet das ja, dass du nach Mayla der zweitstärkste Slifer des Jahrgangs bist!“
„Wenns gut läuft, bin ich das aber nicht mehr lange. Ich habe mich zu sehr angestrengt, um noch länger rot zu tragen.“
Jiang kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf.
„Ich muss den Prüfern dann beweisen, dass ich nicht zu den schwächsten Ras gehöre. Die Duelle mit Mayla haben zwar Spaß gemacht, aber haben mich wohl ein paar Punkte gekostet.“
„Tut mir echt Leid“, entschuldigte sich Mayla aufrichtig, doch Jiang winkte lächelnd ab.
„Es ist alles in Ordnung, so wichtig ist mir die Punktzahl nicht.“
Die gemeinsame Unterhaltung wurde von der Durchsage über die Schulsprechanlage unterbrochen.
“Runde 4 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 5 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“
„Ähm...Das ist dann unser Stichwort, oder Jiang? Ich wünsche dir viel Erfolg!“
„Dankeschön. Ich wünsche dir auch viel Erfolg. Du wirst bestimmt gewinnen.“
Erin verabschiedete sich von Jiang und Daniel mit zwei kurzen Umarmungen und von Mayla gab es eine Umarmung für Jiang und einen Kuss für Daniel.
„Lasst ein bisschen was von euren Gegnern übrig, ja? Besonders du, Daniel, nicht, dass du dich von Anfang an unbeliebt bei den Ras machst!“
„Haha! Ich verspreche nichts!“, erwiderte der Junge überzogen selbstsicher.
„Ich drücke euch auch ganz fest die Daumen, habt viel Glück und Erfolg“, fügte Mayla hinzu.
Daniel und Jiang betraten gemeinsam das Stadioninnere und ließen Mayla und Erin hinter sich zurück.
Erin blickte kurz zu Mayla, die nun auf ihr Handy schaute.
Sollte sie etwas sagen?
Einfach an das andere Ende des Raumes zu gehen, wäre auch komisch...Oder?
Die Mädchen schwiegen und würdigten sich keines Blickes.
Erin ärgerte sich darüber, dass es nicht gestattet war den Mitschülern der anderen Runden bei deren Prüfungsduellen zuzusehen und  holte selbst ihr Handy aus der Hosentasche.
Sie kannte ihren eigenen GY-Score, der lag bei etwa 1520, aber die anderen Zahlen hatte sie nicht auf dem Schirm und sie war nun neugierig geworden.
Sie meldete sich auf dem Schulportal an und begann zuerst nach Jiang zu suchen.
Jiang Chunlan: GY-Score: 1323, Platzierung Jahrgang/Haus: 203.
„Autsch, damit musste Jiang tatsächlich das Schlusslicht der Ras des ersten Jahrgangs sein“, dachte sich Erin still und machte mit Daniel weiter.
Daniel Schmitt: GY-Score: 1323, Platzierung Jahrgang/Haus: 2.
Ulkig, beide hatten zufällig den exakt gleichen GY-Score und traten trotzdem nicht gegeneinander an.
Erin überlegte.
Die Paarung hing wohl nicht komplett vom Score ab.
Irgendwie ist das auch logisch, so wollte der Akademiestab verhindern, dass man im Voraus den eigenen Gegner kennt und sich auf ein bestimmtes Deck vorbereiten kann.
Sie musste nun spontan an ihr zweites Duell gegen Kevin denken, als er gegen sie mit einem von Maxim zusammengestellten Anti-Donnerklang-Deck gespielt hatte.
Erin war nun gespannt auf Maylas Score und riss nach einer kurzen Suche sofort schockiert die Augen auf.
Mayla Bozkurt: GY-Score: 1790, Platzierung Jahrgang/Haus: 1.
Mayla stöhnte leise und setzte sich mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf den Boden.
Erin konnte das nun gut nachvollziehen.
Als Slifer musste Mayla wie alle anderen bereits um 9.00 Uhr in der Halle anwesend sein, aber mit einem derart hohen Score würde sie stundenlang auf ihr Duell warten müssen.
Wie ist ihre Zahl so hoch geworden?
Sie schaute auf Maylas Duellhistorie und rechnete grob zusammen, dass Mayla alleine Jiang etwa 130 bis 150 Punkte durch die Duelle der letzten Wochen abgenommen hatte.
Erin änderte die Suchoptionen und betrachtete nun die Liste der stärksten Duellanten des ersten Jahrgangs über alle Häuser.
Mayla war mit ihren knapp 1800 Punkten weitaus stärker als jeder andere Slifer- oder Ra-Schüler und auch stärker als fast alle Neulinge aus dem Haus Obelisk Blue.
Nach aufwendigem Gescrolle fand sie schließlich in der gegen Ende ausschließlich blauen Liste Mayla in rot hinterlegt.
Mayla Bozkurt: GY-Score: 1790, Platzierung Jahrgang: 5.
Erin scrollte noch ein Stückchen weiter.
Über ihr erwartungsgemäß nur drei Obeliskinnen und Obelisken von denen sie noch nie gehört hatte und auf Platz 1 Chris Lutherford mit einem Score von 1866.
Fiona hatte Erin das Duell mit Chris beschrieben und Erin drückte Mayla die Daumen, dass sie vor ihrem Duell gegen den König zumindest jetzt einen etwas leichteren Gegner bekommen würde.
Erneut ertönte die Durchsage: “Runde 5 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 6 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“
Die Eingangshalle leerte sich weiter, nur etwa die Hälfte der Ra-Yellow Schüler blieben jetzt noch übrig.
Die automatische Durchsage ging Erin auf den Keks, aber sie würde sie wohl blöderweise noch zweimal ertragen müssen.
Es war 10:21, sie wartete also erst etwa 15 Minuten alleine neben Mayla.
Es kam ihr deutlich länger vor.
Dann kam eine Textnachricht von Jiang.
Wie es bei ihrem eigentlich zu niedrig liegendem Score zu erwarten war, hatte sie ihre Gegnerin mühelos besiegen können und Jiang schrieb, dass auch Daniel sein Duell für sich entscheiden konnte.
In der Halbjahresprüfung kam es zwischen den Runden zu einem Chaos, weil zu viele Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Runden das Stadion gleichzeitig betreten und verlassen wollten, deshalb hatte man dieses Mal beschlossen genau hier den Eingang zu legen und als Ausgang die andere Seite des Stadions zu nutzen.
Außerdem sollte, um unnötiges Gedränge zu vermeiden, jeder, der das eigene Duell beendet hat, nicht mehr die Eingangshalle betreten.
So hatte es zumindest der Direktor selbst in der letzten Unterrichtsstunde erklärt.
Wäre auch zu schön gewesen, wenn Jiang oder Daniel sie vor dem peinlichen Geschweige mit Mayla hätten retten können.
Erin schrieb noch eine Weile mit Jiang und ließ sich den Duellverlauf beschreiben.
Jiang war wegen des aggressiven Stils ihres Decks und einer wie sie zugab glücklichen Starthand wohl sehr schnell fertig geworden und konnte auch zu Daniels Duell einiges schreiben.
Sie blickte auf die noch auf dem Boden sitzende Mayla, die ebenfalls mit jemandem schrieb.
Höchstwahrscheinlich mit Daniel, der nun gute Chancen auf den Aufstieg zu Ra-Yellow hatte.
Damals hatten sich alle vier nichts mehr gewünscht, als alle zusammen zu Ra-Yellow-Schülern zu werden.
Erin musste plötzlich an Fiona denken.
Die Obelisk-Blues sollten in etwa einer halben Stunde eintreffen.
Ob sie wohl auch lange warten müsste?
Sie suchte nach ihr im Schulportal.
Fiona Lena Scholte: GY-Score: 1445, Platzierung Jahrgang: 238.
„Das war ein klares Nein“, dachte sich Erin, „Aber zu ihrer Verteidigung: Sie hatte sich, ganz im Gegensatz zu Mayla, noch nie viel duelliert, also ist sie vermutlich mit diesem Score stark underrated.“
Jiang hatte Erin soeben geschrieben, dass sie wieder an der Unterkunft angekommen war und ihr Handy zum Lernen nun ausschalten würde.
Na klasse.
Sie wusste nicht mehr, wessen GY-Score sie noch suchen konnte und ihre einzige andere Ablenkung verabschiedete sich nun ebenfalls.
Sie schaute noch ein letztes Mal auf die Uhrzeit, bevor sie ihr Handy wegsteckte.
10:35.
Das Stehen war anstrengend geworden und sie wollte ganz sicher nicht noch mehr Zeit mit blödem Rumgeschweige verbingen, wenn wenige Meter weiter sich andere Ras lebhaft austauschten.
Als sie gehen wollte, wurde sie auf unerwartete Weise unterbrochen.
„Bitte lass mich nicht allein.“
Wie war das?
“Runde 6 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 7 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“
Erin würde im Moment am liebsten jeden Lautsprecher im Stadion auf einmal zertrümmern.
Sie sah zu Mayla herab, die immer noch zu schreiben schien, so, als ob sie nichts gesagt hätte. Sie setzte sich nun ebenfalls.
„Danke Erin.“
Erin starrte das Mädchen an.
„Sie hatte sich das also doch nicht eingebildet!“
„Wenn du mir was sagen willst, dann sag es einfach, aber guck mich dabei wenigstens vernünftig an.“
Mayla steckte ebenfalls ihr Handy ein.
Sie winkelte die Beine an und legte ihre Arme auf die Knie.
„Das kann ich aber einfach nicht, Erin. Ich... kann dich nicht ansehen und das tut mir Leid, weil du mich genauso wie Jiang und Daniel und wahrscheinlich auch Fiona einfach unterstützen wolltest, aber...-“
„Bin ich sooooo hässlich? Aua, mein Ego!“, alberte Erin.
Mayla lachte.
„Du weißt, dass ich es nicht so meine. Es ist... kompliziert.“
„Erklärs mir.“
„Hmm...Glaubst du an Geister?“
„Nein.“
„Dann weiß ich nicht, wie ich dir mein Problem mit dir erklären soll“, antwortete Mayla traurig.
„Tu es einfach. Auch wenn ich dir deine Geistergeschichte am Ende nicht abnehmen werde, ich will zumindest versuchen zu verstehen, was in dir vorgeht.“
Mayla schwieg für einen Moment.
„Ich erzähls dir. Aber ich will bitte keine Unterbrechungen und kein Wort über Schulpsychologen oder sonstige Ratschläge von dir hören. Für mich ist alles, was ich dir erzählen werde real.“
Sie wartete auf Erins Antwort.
„Klar.“
Mayla schwieg wieder, sie überlegte, wo sie anfangen sollte.
„In der Nacht, als du mit Daniel und mir zur Ostküste gegangen bist, nachdem du mich davor gerettet hast, blind ins Meer zu stürzen...da...habe ich mich duelliert. Mit einem toten Absolventen der Akademie, er hieß... Benjamin und zählte letztes Jahr zu den Topabsolventen. Wir waren in einem unterirdischem Gewölbe, dass sich wohl unterhalb der Akademie befindet und während des Duells hatten wir beide so eine Art von Visionen. Alte Erinnerungen an die Zeit vor seinem Tod. Benjamin wurde vom Direktor gebeten in dieses Gewölbe zu gehen, damit er eine böse KI in Form einer Frau in einem Duell besiegt und sie so deaktiviert. Benjamin hat eingewilligt. Die Frau, also das Hologramm, das von der KI erzeugt wurde sah dir sehr ähnlich.
Gleiche Gesichtszüge, Lippen, Haarfarbe und Augen. Sie war ebenfalls recht groß für eine Frau, so wie du. Sie sah eben so aus, wie du in 15 oder 20 Jahren aussehen könntest, Erin.
Dann haben sie sich duelliert, das Hologramm der Frau und Benjamin, also...äh...der Erinnerungs-Benjamin, als er noch gelebt hatte.
Die Frau hat solche viel zu starken Zauberkarten benutzt, mit der sie das Startblatt von Benjamin zerstören konnte, bevor er überhaupt seinen ersten Zug machen konnte. Danach...spielte sie...Donnerklang-Monster. Die gleichen Karten wie du. Und Donnerklang-Kriegerin hat Benjamin mit ihrem Schwert aufgeschlitzt. Und dann... hat die Kriegerin ihn bei einem zweiten Angriff mit dem Schwert... durchstoßen und er ist annähernd tot in seiner eigenen Blutlache gelandet. Als er das Duell verloren hatte, kamen solche grünen Blitze und haben ihn...dann endgültig...Tja. Benjamins Mörderin sah dir sehr ähnlich und sie hat deine Karten benutzt. Deswegen... will ich dich nicht sehen.“
Erin hatte sie die ganze Erzählung über gebannt angesehen, auch wenn Mayla den Blickkontakt nicht erwiderte.
Sie dachte, dass Mayla alles erzählt hatte, als sie plötzlich weitererzählte: „Als wir vier uns dann später am Strand getroffen haben, nach dem Streit zwischen dir und Fiona und mir, da hattest du mich gefragt, ob ich wieder Stimmen höre... Seit der Nacht, in der ich dieses Duell mit Benjamin hatte, da höre ich die Stimmen meiner Duellgeister, die von Tango-Tintenfisch, die von Disko-Delfin, eben von allen Wassertänzer-Monstern...Also eigentlich habe ich so schon früher gehört, aber erst da habe ich begriffen, wer die Stimmen sind. Seitdem reden sie ständig mit mir. Sie reden wenn ich schlafe, esse, mich duelliere oder sonst etwas tue. Sie...sind nicht böse, aber sie haben Angst vor dir. Sich warnen mich vor dir, Erin...Tatsächlich flehen sie mich in diesem Moment an, dass ich dir nicht vertrauen dürfe, weil du sonst auch mich töten könntest, aber ich weiß, dass sie falsch liegen. Weil du ein guter Mensch bist. Du könntest niemals zu so einem bösen Wesen werden, dass finstere Karten benutzt, um andere im Duell zu verletzen oder sogar umzubringen und ich vermisse dich. Ich vermisse es einfach nur Spaß mit dir zu haben. Du bist mir so wichtig. Aber...ich kann dich nicht ansehen.“
Sie schien fertig zu sein und Erin hatte erstmal eine Menge zu verdauen.
„Mit der Story kommst du mir vor der Prüfung?“
„Es tut mir Leid. Ich...es tut mir Leid.“
Was sollte sie sagen?
Mayla hatte ihr verboten mit Ratschlägen oder dem Vorschlag psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen zu kommen, also musste sie nun aufpassen, was sie ihr antwortete.
„Ich vermisse dich auch.“
Erin nahm ihre Hand.
„Du willst immer noch gegen Aland antreten? Du weißt, dass du das nicht tun musst.“
„Doch, das muss ich. Weil...alles falsch ist. Die Blaue Ehre ist falsch, der König ist falsch, Schrainmann ist falsch, die ganze Insel ist falsch. Wenn ich die Fähigkeit habe, irgendwas zu verändern, dann muss ich sie auch nutzen. Ich will, dass kein Slifer Angst davor haben muss, von stärkeren Duellanten herumgeschubst zu werden. Aber das ist nicht alles. Ich bin auch vom Obeliskenkönig und seiner Passivität enttäuscht. Er beschützt niemanden und er wird gegen die Geheimniskrämerei unseres Direktors nichts unternehmen. Sobald ich die Königin der Schülerschaft bin, werde ich meine Position nutzen, um Schrainmann mit der gesamten Schülerschaft an meiner Seite zur Rede zu stellen. Ich muss wissen, was genau hier los ist.“
„Es ist nicht deine Aufgabe, die Welt zu verbessern. Lass einfach die nächtlichen Ausflüge weg, hol dir ein neues Deck, das NICHT redet und...-“
„Du beratschlagst mich gerade.“
„Sorry, hast Recht.“
„ich weiß, dass ich die Möglichkeit hätte, alles zu ignorieren und mit der Zeit zu vergessen. Aber ich kann nicht einfach den leichten Weg gehen, wenn ich die Macht habe, Dinge zu verändern.“
Erin lachte gequält.
„Hab ich was Lustiges gesagt?“
„Nur die Formulierung. Das mit dem leichten Weg hatte Fiona mir auch gesagt. Sie würde nicht den leichten Weg gehen und zur Obeliskin werden, indem sie meine Geheimnisse gegen ein paar stärkere Karten eintauscht. Ich schätze, ich hätte auch den leichten Weg gehen und unsere Freundschaft vergessen können. Mir einfach ein paar neue Freunde als Ersatz suchen können. Aber wir drei sind alle sture Vollidiotinnen. Wir sind zu blöde um den leichten Weg zu wählen.“
Erin lachte wieder und diesmal klang es ein wenig glücklicher.
„Wir drei gehen den schweren Weg.“
„Ah! Wenn man vom blautragenden Teufel spricht!“
Erin hatte sich zwischendurch umgesehen und eine Vielzahl von Obelisken war inzwischen im Stadioneingang zu sehen.
Unter ihnen war auch Fiona.
Erin wollte aufstehen und sie zu sich winken, aber Mayla hielt Erin an der Hand am Boden.
„Später, bitte. Nicht jetzt.“
„Alles klar. Ein verrückt klingendes Geständnis nach dem Anderen.“
„Du glaubst mir wahrscheinlich nicht. Aber das verstehe ich.“
„Ich glaube dir, dass deine Erlebnisse, die Stimmen, dass das Alles FÜR DICH real ist, so wie du es gesagt hast. Und das, was für dich real ist, habe ich irgendwie zu respektieren wenn ich deine Freundin sein will. Und das will ich!“
“Runde 7 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 8 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“
Erin blieb einen Moment sitzen und sah zu, wie fast alle restlichen Ras und einige Obelisken das Stadion betraten.
Fiona blieb einen unscheinbaren Augenblick auf dem Weg stehen und betrachtete die auf dem Boden sitzenden, alten Freunde von ihr mit einem etwas ungläubig werdenden Blick.
Schließlich ging sie weiter.
„Ich muss dann mal“, sagte Erin und löste sich von Maylas Griff, um aufzustehen. „Das mit Fiona und dir bekommen wir auch noch hin. Immerhin reden wir zwei wieder miteinander. Das ist ein Anfang.“
„Viel Erfolg! In deinem Duell!“
Mayla zwang sich dazu für wenige Sekunden Erin anzusehen und lächelte sie dabei an.
„Das wünsche ich dir für dein Duell später auch. Und danke, dass du mit mir geredet hast.“
Erin ging nun als Letzte ebenfalls ins Stadion.
Mayla blieb alleine zurück.


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Über drei Stunden zu spät und dabei noch nicht einmal ein Duell geschrieben, Tss, Tss.
Aber im nächsten Kapitel gibt’s wieder Duellaction und zwar mit einem alten Bekannten ;)
Und unser altes Trio ist den ersten Schritt in Richtung gemeinsamer Neuanfang gegangen, ob das auch so gut weiter geht?
Wer weiß, da müsstet ihr den wahren Autoren fragen, von dem ich heimlich diese Geschichte klaue :D
Ich hoffe wie immer, dass ihr alle Spaß beim Lesen hattet und bedanke mich übrigens für über 5000 Aufrufe.
Rückmeldung ist immer gerne gesehen und motiviert mich immer ganz unheimlich den faulen Hintern hoch zu nehmen und rechtzeitig weiterzuschreiben <3

Bis in zwei Wochen :*
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