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Loslassen und Vertrauen

GeschichteAllgemein / P18 / Het
19.07.2021
05.12.2021
104
163.040
4
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15.10.2021 1.170
 
Als ich aufwache blicke ich in das Gesicht von Martin, er schläft noch und liegt ganz friedlich neben mir. Ich kann nicht anders als zu lächeln und atme tief ein um seinen Geruch noch intensiver wahrzunehmen. Herz und Kopf spielen mir einen Streich und bevor noch mehr passiert stehe ich jetzt vorsichtig auf, um Martin zu wecken. Es ist noch sehr früh, gerade einmal halb sieben, der Kamin ist längst aus und es ist hier in der Hütte kühl geworden. Eigentlich würde mir etwas Wärme jetzt sehr gelegen kommen, aber wenn wir die Hütte gleich sowieso verlassen hat es wenig Sinn ein neues Feuer zu entfachen. Ich nehme meine Hose und meine restlichen Anziehsachen und gehe damit ins Badezimmer, um mich ein wenig frisch zu machen. Als ich fertig bin und zurück gehe schläft Martin noch immer, ich bleibe einen Moment im Türrahmen stehen, verschränke die Arme und lächel ihn an. Kopf und Herz, denke ich und seufze erneut. Ich reiße mich von Martins Anblick los, stelle das Wasser an und koche Tee für uns. Aus meinem Rucksack hole ich mein Carepaket, welches ich mir gestern für die Suche gepackt habe und nehme die beiden Äpfel aus der Tasche. Jetzt muss ich erst einmal ein kleines Feuer am Ofen entfachen, damit ich das Wasser erhitzen kann, aber das stellt zum Glück kein größeres Problem für mich dar. Martin bekommt von alledem herzlich wenig mit und schläft noch immer friedlich. Vermutlich würde ein richtig starker Kaffee helfen, aber mit dem kann ich hier oben auf der Hütte leider nicht dienen. Ich schütte das heiße Wasser in die beiden Tassen mit den Teebeuteln und werfe dann einen ersten Blick aus dem kleinen Fenster. Es hat zum Glück aufgehört zu regnen und der Himmel sieht auch wieder um einiges besser aus als noch gestern. Wolken kann ich keine mehr ausmachen und der Tag bricht langsam heran. Wir können uns also schon bald auf den sicheren Weg zurück ins Tal machen. Während der Tee jetzt zieht setze ich mich zu Martin. Erst beobachte ich ihn nur und hoffe, dass er von alleine wach wird, aber er schläft einfach weiter und bewegt sich überhaupt nicht. Vorsichtig lege ich meine Hand auf seine Schulter “Martin?” aber davon wird er auch nicht wach, meine Hand wandert jetzt weiter zu seiner Wange, ich streife mit meinen Fingerkuppen vorsichtig über diese und lege schließlich meine gesamte Hand auf die Wange. “Martin? Zeit zum Aufstehen” sage ich jetzt und er schlägt langsam seine Augen auf und lächelt mich an “Hanna” haucht er, woraufhin ich sofort meine Hand zurückziehe. Für einen Moment habe ich den Gedanken, dass es schön wäre jeden Morgen neben Martin aufzuwachen und mit ihm das Bett zu teilen und ich muss unwillkürlich lächeln, gut nur, dass Martin das nicht bemerkt. “Wie spät ist es?” fragt er mich und ich antworte “Kurz nach sieben”, Martin richtet sich auf, fährt sich durch die zerzausten Haare und gähnt “Dann gehe ich wohl mal ins Badezimmer und mache mich etwas frisch.” Ich nicke “Dann solltest du dich aber beeilen, das Frühstück ist schon fertig und dein Tee wird kalt.” Er nickt “Gib mir zwei Minuten” und verschwindet dann mit seinen ganzen Sachen im Badezimmer. Ich setze mich derweil wieder an den kleinen Tisch und beobachte meinen Tee. Dieser Mann verdreht mir ordentlich den Kopf und obwohl ich seine Worte von gestern Abend nicht vergessen kann und den damit verbundenen Schmerz, spielen mein Herz und meine Gefühle verrückt und fahren Achterbahn mit mir.

“Vorsicht heiß” warne ich Martin als er sich zu mir an den Tisch setzt und er fragt mich, weil ich schon wieder ein Lächeln auf den Lippen habe “Ist alles in Ordnung?” Schlagartig vergeht mir mein Grinsen und ich beherrsche mich auf der Stelle “Ähm, ja. Ja, alles in Ordnung, ich habe nur gerade an etwas denken müssen”, jetzt ist es Martin der grinst und mich fragt “Aha und an was?” Na super, denke ich, in was habe ich mich da nun wieder hinein gequatscht und mir fällt nichts besseres ein als mit den Schultern zu zucken “Das ist nichts für Männerohren” und kaum habe ich diese Worte ausgesprochen könnte ich mich jetzt direkt selbst ohrfeigen und spüre deutlich die Röte in meinem Gesicht. Johanna Stadler, nun reiß dich doch endlich zusammen, sage ich in Gedanken zu mir. Martin nimmt einen Schluck von seinem Tee und antwortet “Na dann” und ich stehe jetzt schnell auf und und versuche so wenigstens halbwegs der Situation zu entfliehen und verräume ein paar Dinge zurück in den Schrank “Wem gehört die Hütte hier eigentlich?” frage ich, um das Thema in eine ganz andere Richtung zu lenken. Martin grinst jetzt breit und antwortet mit einem gewissen Unterton “Dem alten Schochelmeier”, ich schaue ihn ernster denn je an “Du machst Witze, oder?” frage ich lieber nach, aber Martin schüttelt den Kopf “Nein, die Hütte gehört wirklich dem Schochelmeier und ich glaube er würde es ganz und gar nicht begrüßen, dass wir hier übernachtet haben, aber das wird er ja zum Glück nie erfahren. Es sei denn, du willst ihm hiervon berichten.” Kräftig schüttel ich meinen Kopf “Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin ja nicht lebensmüde” und ich stelle die Sachen nun noch ordentlicher zurück. “Hast du eigentlich gut geschlafen?” fragt Martin mich jetzt “Mh, es war ein wenig hart, aber ich habe immerhin durchgeschlafen und du?” Er nimmt jetzt den letzten Schluck aus seiner Tasse “Ich war ein paar Mal wach, aber das geht schon in Ordnung. In letzter Zeit schlafe ich selten durch.” Ich hole Luft und versuche einen Satz in meinem Kopf zu konstruieren, halte es dann aber doch für besser zu schweigen und spüle jetzt noch die restlichen Sachen ab und stelle sie dorthin zurück wo ich sie hergeholt hatte. “Das Wetter hat sich zum Glück wieder stabilisiert, wir können also gleich aufbrechen” erklärt Martin mir und schaut dabei aus dem Fenster. “Wir sollten hier aber vorher noch ein bisschen aufräumen. Vor allem sollten wir alles mitnehmen, was auf unsere Identität schließen lässt, ich habe ehrlich keine Lust den Schochelmeier morgen vor mir stehen zu haben und wieder einen seiner Wutausbrüche ertragen zu müssen.” Martin nickt und hilft mir jetzt aufzuräumen, so dass wir etwa eine halbe Stunde später fertig sind und startklar vor der Hütte stehen. Martin verschließt die Tür und steckt den Schlüssel wieder in sein Versteck zurück. Ich schultere meinen Rucksack und schaue noch einmal in den Himmel “Gestern als wir gestartet sind sah es genauso aus” Martin deutet nach links in den Wald “Ja, aber heute werden wir mit Sicherheit nicht wieder nass. Wir nehmen den Weg querfeldein, ist zwar etwas steil und unwegsam, aber dann sind wir schneller wieder auf dem regulären Wanderweg, der uns nach unten führt und den auch Hans und Anton nehmen werden.” Ich nicke “Na gut, wenn du das sagst, dann machen wir es so” erkläre ich ihm, denn auch wenn ich hier aufgewachsen bin habe ich gerade keine gute Orientierung, dafür bin ich schon viel zu lange nicht mehr hier gewesen.
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