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Loslassen und Vertrauen

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Het
19.07.2021
27.01.2022
126
187.423
4
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15.01.2022 888
 
Ein Grinsen versuche ich mir zu verkneifen und setze mich jetzt wortlos und unter den prüfenden Blicken von Max und Jan, vor allem aber der anderen Gäste wieder an den Tisch. “Hanna, ist alles in Ordnung?” fragt Jan mich nach einer ganzen Weile, ich nicke “Hat er sich entschuldigt?” wieder nicke ich “Hat er” und ich richte jetzt meinen Blick auf die anderen Gäste, die erst jetzt allmählich ihre Aufmerksamkeit von mir lassen. Ich mag es nicht im Mittelpunkt zu stehen.
“Hanna, was war hier in Gottes Namen gerade los?” kommt jetzt Susanne zu uns an den Tisch und versucht so unauffällig wie möglich die Sachlage zu erfragen “Martin und ich hatten eine kleine Auseinandersetzung” erkläre ich ihr, woraufhin sie jetzt ihren Kopf auf die Seite legt und seufzt “Ach Hanna, ihr sollt euch doch nicht streiten. Habt ihr euch wenigstens direkt wieder ausgesprochen?” Ich nicke jetzt nur und Susanne belässt es erst einmal dabei. “Mögt’s ihr noch etwas?” fragt sie uns, aber wir sind uns alle einig, dass wir satt und zufrieden sind und es langsam Zeit wird, um nach Hause zu fahren. Denn Max wird auf dem Hof gebraucht und Jan hat sich zu einer Telefonkonferenz mit seinem alten Professor verabredet. Er übernimmt heute das Bezahlen, obwohl mir das eigentlich überhaupt nicht Recht ist, aber er besteht darauf und mit ihm zu diskutieren hätte auch nur wenig Sinn. Ich verabschiede mich von den Männern, die jetzt zurück zum Stadlerhof fahren und Jan hält mir zum Abschied noch einmal seine gedrückten Daumen hoch "Wenn er es vermasselt, du hast meine Nummer!" Ich lache "Danke, ich komme falls nötig darauf zurück" und beschließe noch einen Moment zu bleiben und suche das Gespräch mit Susanne. Sie ist gerade oben in ihrer Wohnung und packt ein paar Sachen für Sophia, die heute den Abend und die Nacht auf dem Gruberhof verbringen wird, da sie sich am Abend um die Buchhaltung kümmern muss. “Susanne?” klopfe ich gegen ihre Tür und sie ruft “Hanna, komm nur rein” und das mache ich direkt “Hey” sage ich und sie schaut jetzt zu mir auf, zieht eine Augenbraue nach oben und seufzt erneut “Ach Hanna, magst du mir erzählen, was da gerade zwischen euch los war?” legt die Sachen auf die Seite und streicht mir sanft über den Oberarm.
Ich helfe ihr jetzt beim Einpacken und erzähle ihr dabei was passiert ist. “Immerhin habe ich es geschafft zu meinen Gefühlen zu stehen” sage ich abschließend und Susanne fragt “Und er? Hat er dir auch seine Gefühle gestanden?” Ich nicke “Hat er und wir haben uns für heute Abend zum Essen verabredet.” Auf Susannes Gesicht breitet sich ein Lächeln aus und sie nimmt mich jetzt in den Arm “Wie schön, ich wünsche euch alles erdenklich Gute. Eigentlich hätte er es verdient, wenn du ihm die kalte Schulter gezeigt hättest. Manchmal kann er so ein Holzkopf sein." Ich atme tief durch “Danke. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau, wieso ich meinem ersten Impuls nicht gefolgt  bin ihm eine reinzuhauen. Aber plötzlich war meine Wut weg und ich wollte nur noch, dass die Wahrheit  endlich ausgesprochen wird. Ich wollte mich nicht länger quälen, das habe ich schon viel zu lange” und ich bitte sie “Es würde mit viel bedeuten, wenn du das erst einmal für dich behalten würdest. Ich weiß nicht, wie mein Bruder darauf reagieren würde und ich weiß auch nicht, ob das alles gutgehen wird.” Susanne legt ihre Hand auf meinen Arm “Ich sage nichts, versprochen. Aber ich hoffe und wünsche mir für euch beide, dass ihr glücklich miteinander werdet. Ihr habt es einfach beide verdient.” Abermals bedanke ich mich bei Susanne und helfe ihr jetzt die Tasche nach unten zu tragen, während sie Sophia an die Hand nimmt und mit ihr zusammen die Treppe nach unten steigt. Da Susanne gleich wieder in die Küche muss bleibe ich noch bis Hans die Kleine abholen kommt.
Sophia und ich haben uns eine ruhige Ecke gesucht und schauen dort zusammen in ein Buch. Ich merke gar nicht, dass Hans schon da ist und jetzt vor uns am Tisch steht “Na ihr zwei” begrüßt er uns und setzt sich einen Moment zu uns. Sophia strahlt direkt bis über beide Ohren und klettert zu ihrem Papa auf den Schoß. Er nimmt sie fest in den Arm und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn “Hallo mein Schatz” sagt er und schaut dann zu mir “Servus Hanna, na wie war eure Tour heute?” Ich lächel “Servus, schön war es. Ich hatte ganz vergessen wie toll es dort oben am Schleierwasserfall ist.” Hans lächelt “Das ist es. Schade, dass ich selber kaum zum Klettern komme und wenn dann nur mit der Bergrettung.” Ich seufze “Das ist irgendwie immer so. Wir wohnen, wo andere Urlaub machen und nehmen uns selber kaum Zeit zum Durchatmen.” Hans nickt “Das stimmt wohl, so Sophia, wir müssen jetzt aber langsam los, die Oma wartet schon auf dich” erklärt Hans und Sophia strahlt weiter “Ja, ich will zur Oma” und rennt jetzt schon los, sodass Hans kaum hinter ihr hinterher kommt “Wir sehen uns Hanna” verabschiedet er sich und läuft seiner kleinen Tochter hinterher. Nachdem ich das Buch zur Seite geräumt habe und mich von Susanne verabschiedet habe mich ich mich schließlich auch auf den Weg nach Hause.
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