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Loslassen und Vertrauen

GeschichteAllgemein / P18 / Het
19.07.2021
05.12.2021
104
163.040
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25.11.2021 595
 
Nur wenige Minuten später stehen wir bei Doktor Kahnweiler vor dem Büro, ich klopfe gegen die Tür und es ertönt ein leises “Ja?” so dass ich jetzt die Tür öffne und meinen Kopf durch den kleinen Spalt stecke “Guten Tag” sage ich und stelle mit Erleichterung fest, dass Doktor Kahnweiler alleine ist und an seinem Schreibtisch sitzt. Erstaunt sagt er “Frau Doktor Stadler, guten Tag. Was verschlägt Sie denn freiwillig hierher, noch dazu in mein Büro?” fragt er mich und steht von seinem Schreibtisch auf. “So ganz freiwillig bin ich nicht hier” und ziehe jetzt Vivi hinter mir hervor “Deswegen bin ich hier!” Doktor Kahnweiler macht nun große Augen und Vivi bringt nicht mehr hervor als ein knappes “Hallo”, ich schiebe sie ins Büro und schließe die Tür hinter mir. Doktor Kahnweiler braucht ganz offensichtlich einen Moment, um sich zu sortieren und zu verstehen wen ich ihm da mitgebracht habe. Er legt seine Hand nervös in den Nacken und kann sich dann doch noch selbst retten “Vivi, bist du es? Du hast dich kaum verändert. Immer noch so hübsch wie zu unserer Studienzeit.” Meine beste Freundin nickt und Doktor Kahnweiler umarmt sie jetzt ganz stürmisch, nachdem sie ihm mit einem Nicken seine Vermutung abermals bestätigt hat. Ich muss mir ein breites Grinsen verkneifen und kann mich jetzt erst einmal entspannt zurücklehnen, denn Vivi und Doktor Kahnweiler haben sich erst einmal eine ganze Menge zu erzählen. Aber exakt dieses Verhalten seinerseits führt dazu, dass ich ihn nicht sonderlich mag. In meinen Augen ist er ein absoluter Macho und Frauenheld. Schlimmer noch als Martin. Nachdem ich jetzt meinen Kaffee ausgetrunken habe beschließe ich nach dem Patienten zu schauen, den ich mit Jan, Martin und Alexander zusammen operiert habe. “Ähm” räuspere ich mich und ziehe so die Aufmerksamkeit der beiden Ärzte auf mich “Ich unterbreche euch nur äußerst ungern, aber wenn ihr euch so viel zu erzählen habt, dann werde ich jetzt nach Constantin Hellering schauen, okay?” frage ich und blicke dabei kurz zu Vivi, ob das für sie in Ordnung ist und ich sie alleine mit diesem Mann lassen kann. Sie nickt kurz und auch Doktor Kahnweiler hat nichts dagegen einzuwenden, kein Wunder, ihm scheint diese Begegnung mit Vivi sehr zu gefallen. Als ich Doktor Kahnweilers Büro verlasse schüttel ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht meinen Kopf, offensichtlich haben sich da gerade zwei gesucht und gefunden, aber die Erlebnisse aus der gemeinsamen Vergangenheit der beiden interessieren mich nur bedingt. Wenn das Frau Doktor Fendrich wüsste, dass da in Alexanders Büro eine Frau sitzt, die er aus seinen Tagen als Frauenheld kennt, ob das nicht Ärger geben würde für den lieben Doktor? Ich weiß es nicht und mache mir auch keine weiteren Gedanken mehr darüber. Auf meinem Weg auf die chirurgische Station treffe ich mir einige bereits bekannte Gesichter, auch auf der Station selbst ist mir das Pflegepersonal teilweise schon ein bisschen bekannter und so werde ich gleich nach meiner Ankunft zum Zimmer von Herrn Hellering gebracht. Ihn finde ich am Tisch sitzend mit einem Lächeln im Gesicht vor. Das erstaunt mich schon sehr, die Fortschritte die er macht sind groß und ich bin froh, dass er seinen Lebensmut wiedergefunden zu haben scheint. Wir unterhalten und eine ganze Weile und er bedankt sich mehrfach dafür, dass wir ihn zu dieser Operation ermutigt haben und dass wir uns für ihn so sehr engagiert haben, denn auch er hat den Artikel in der Zeitung gelesen und ich glaube ihm ist erst jetzt der Ernst der Lage, in der er sich noch vor wenigen Tagen befunden hat bewusst geworden.
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