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I still Burn for You

GeschichteRomance, Fantasy / P18 / Gen
18.07.2021
19.11.2021
37
118.771
4
Alle Kapitel
64 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
18.07.2021 2.410
 
Bevor die Geschichte beginnt, möchte ich ganz kurz auf ein zwei Dinge hinweisen:

1.  Lasst euch bitte nicht von den Titeln der Kapitel in die Irre führen. Beim schreiben höre ich immer Musik. So bekommen die Kapitel grundsätzlich den Namen des Liedes, welches mich zu dem Kapitel inspiriert hat.
2.  In dieser Geschichte werden Alkohol und "Drogen" in Bezug auf Zigaretten konsumiert. Grundsätzlich bin ich gegen diese Dinge, daher vielleicht eine kleine Triggerwarnung.
In manchen Kapiteln wird nochmal explizit auf Triggerwarnungen hingewiesen. Bitte lest wirklich nur, wenn ihr euch dabei wohl fühlt. Euer Wohlergehen ist tausend Mal wichtiger, als ein Komentar unter einem Text da zulassen.
3. Alle Handlungen der Charaktäre sind frei erfunden.

Da ich super liebe Mädels habe, die mich hierbei mega unterstützen, möchte ich gleich noch darauf hinweisen, dass sie zusammen mit mir diese Geschichte ausarbeiten.

Die Liebe MilkyRoselation schreibt die Gesichte zu Caleb, die ihr hier findet:
https://www.fanfiktion.de/s/6106e3fa000452b82de7b939/1/Never-enough-of-your-love
Und meine Liebste BlackyShinigami  nimmt sich die Geschichte von Oz vor, die in kürze folgen wird.

Und jetzt, viel Spaß mit Will & Oz

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1 – Falling away from me

„Shadow Cove“ stand in großen Lettern auf einem alten, von Rost besetzten Schild am Rand der Straße, als ich mit schnellen Schritten die Grenzen der herunter gekommenen Kleinstadt übertrat.
Ich musste weiter! Weit weg von all dem Chaos, das ich hinter mir herzog. Es durften keine Menschen mehr durch meine Hand sterben. Tod und Verderben durften nicht langer meine Reisebegleiter sein. Das musste aufhören.
Die Straßen waren dunkel, hin und wieder flackerte das Licht einer Straßenlaterne. Die meisten Gebäude waren verwüstet, mit zertrümmerten Scheiben, vor dem ein oder anderen hingen sogar ein paar Holzbretter, die mit schwarzer Farbe besprüht wurden.
Das war der Ort, an den ich gehöre, das wurde mir bewusst, als ich den ersten Schritt herein machte. Willkommen im Exil, wo Verzweiflung und Angst an der Tagesordnung stehen. Hier würde alles sein Ende nehmen. Ich musste von der Bildfläche verschwinden. Und wo ging das besser, als hier in dieser Stadt namens „Shadow Cove“ die kaum ein Mensch kannte und in der Kriminalität ihr Präsident war?

Am Ende der Straße, weit hinaus der Kleinstadt bewegte ich mich auf das einzige Gebäude zu, welches weit und breit nach Versagen schrie. Ein heruntergekommenes Loch, das mir zu verstehen gab, hier gehörst du hin.
Ich holte den Schlüssel aus meiner Tasche, den ich mir bei Damon, meinem „Onkel“ zuvor abgeholt hatte und der mir eine Wegbeschreibung mit auf den Weg gab, als wäre er erst kürzlich hier gewesen. Dabei musste das schon gute 300 Jahre zurück liegen.
Müde stieg ich die Treppen zur Vordertür hinauf, öffnete diese und trat in einen kleinen Raum, der nach Rauch und Dreck stank. Irgendwo glaubte ich ein verwesendes Tier zu riechen. Und Alkohol, den jemand entweder verschüttet oder ihn als Raumspray benutzt hatte.
Mit schweren Schritten bewegte ich mich durch den dunklen Flur auf die Treppe zu, stieg die 4 Stockwerke nach oben. Je weiter hoch es ging, desto mehr roch es nach Müll, nach verdampftem Restrauch, nach etwas, was ich als verbranntes Moos bezeichnen würde. Die Tapete löste sich von den Wänden, das Holz der verschiedenen Türen war morsch und unbearbeitet. Vollgeschmiert mit Graffiti und vulgären Texten, schrie der Gang nach Vandalismus. Mit jeder Sekunde, in der ich hier war, wurde mir bewusster, dass ich hier genau richtig war und dass ich mich hier zurückziehen konnte, ohne gefunden zu werden. An genau einen solchen Ort gehörte ich hin.
Oben angekommen, trottete ich durch einen langen Flur, ganz nach hinten durch. Damon sagte, das letzte Apartment im obersten Stockwerk, wäre sein Rückzugsort gewesen, als er seine Wandlung durchstehen musste. Aber dass es die mieseste Absteige war, die Shadow Cove hier zu bieten hatte,hatte er mit keinem Wort erwähnt.
Ich hielt an der hintersten Tür inne, atmete einmal tief durch und steckte den Schlüssel ins Schloss.
Es machte ein knackendes Geräusch, wie ein Zweig, den man in der Mitte durch brach und die Tür ging quietschend vor mir auf. Im nächsten Moment huschte eine Kakerlake über das Holz durch den Flur und verschwand in einem Loch auf der anderen Seite des Flures in der Wand.
Ich blieb ruhig, schnaubte genervt. Schon klar, damit musste ich mich auch auseinander setzen.
Mit den Fingern tastete ich die Wand ab und fand kurz darauf einen Lichtschalter, der ein schlechtes Licht in der Mitte des Raumes aufleuchten ließ. Ein Weltwunder, dass hier nach all den Jahren noch Strom durch die Leitungen lief.
Mein Zimmer miefte, das war das erste, dass mir auffiel, als ich den Schlüssel im Schloss gedreht und die Tür aufgestoßen hatte. Ich machte zwei Schritte hinein, stieß die Tür hinter mir zu fallen und verschloss sie direkt von innen. Ich hatte weiß Gott keine Lust auf Nachbarn, die plötzlich in meiner Tür standen und mich beobachteten. Ich hatte eigene Sorgen, um die ich mich kümmern musste. Und eins davon war, diesen widerlichen Gestank so schnell wie möglich los zu werden.
Der Zustand dieses Raumes war nicht ganz so schlimm wie draußen in den Fluren.
Die Tapeten lösten sich nicht, waren aber fleckig und schon lange nicht mehr gestrichen worden.
Ich sah keine Krabbeltiere, die aus irgendwelchen Löchern kamen und tropfen hatte ich es bisher auch noch nichts gehört.
Zu meiner Linken entdeckte ich eine kleine Küchenzeile, die schon seit 10 Jahren kein frisches Wasser gesehen haben musste. Dass sich dort noch keine Pilze weiter entwickelt hatten überraschte mich sehr. Mittig stand ein altes, braunes Sofa, an dessen Lehnen der Überzug eingerissen war, schräg ausgerichtet auf die Wand rechts neben der Tür an dem ein alter Röhrenfernseher stand.
Zwei weitere Türen zu meiner rechten führten in weitere Räume.
An der Wand gegenüber der Tür befand sich nur ein Fenster. Ich eilte sofort darauf zu und riss es so weit auf, wie es möglich war. Der letzte, der dieses Apartment hatte, tat mir leid. Ganz davon abgesehen, was für kranke Sachen hier passiert sein mussten. Als ich einen Blick aus dem Fenster warf, entdeckte ich ein paar benutzte Spritzen auf der äußeren Fensterbank, leere Plastiktütchen, in der noch die Überreste von Gras zu sehen waren und einzelne ausgedrückte Zigaretten. Gehen wir einfach davon aus, dass es „Zigaretten“ sind. Ich kann mir meinen Teil denken.
Ich atmete die frische Luft von draußen tief in meine Lunge. Wenn ich hier bleiben musste, würden sich hier einige Dinge ändern müssen. Ich war selbst kein Deut besser, hatte das Blut unschuldiger Menschen an meinen Händen kleben. Ich war ein Monster durch und durch, verflucht bis an mein Lebensende. Trotzdem musste ich nicht leben wie ein Junkie. Ich musste etwas tun. Frische Luft herein zulassen war nicht nur der erste Schritt, er war der wichtigste von allen.
Ich ließ das Fenster Fenster sein und bewegte mich schließlich zum ersten Raum. Ich traute mich kaum den Türgriff in die Hand zu nehmen, tat es schließlich doch und wünschte mir, es gelassen zu haben.
Das Zimmer war dunkel, den Rollo schien man genauso wenig seit 10 Jahren geöffnet zu haben. Ich konnte den Umriss eines Bettes ausmachen, auf dem irgendwas oder irgendwer gestorben war. Ich wollte einfach nicht genauer hin sehen, doch ich glaubte, den Körper noch auf dem Bett liegen zu sehen. Reflexartig wandte ich mich um, eilte zum Fenster und übergab mich nach draußen. Was für meine Verhältnisse eigentlich gar nicht sein dürfte. Durch meine Adern floss ein Teil Vampirblut. Eigentlich sollte ich einen robusten Magen haben. Aber nein, der Anteil Feenblut in mir machte mich menschlicher als ich sein sollte.
Scheiße! Ich hatte hier alle Hände voll zu tun bis ich hier ansatzweise leben konnte. Und ohne Magie würde das eine Scheißarbeit werden. Was zur verfickten Hölle ist hier passiert? Hätte Damon das Loch hier nicht selbst ein bisschen auf Vordermann bringen können?
Ich zwang mich zur Vernunft. Es war nur ein Zimmer, verdammt! Ich würde das schon irgendwie überstehen.
Schweren Schrittes bewegte ich mich durch den dunklen Raum nebenan. Der Rollo bewegte sich leicht, die Fenster ließen sich problemlos öffnen und frische Luft zog durch beide Räume, als würde er tief einatmen.
Mein Glück, keine Leichenteile auf dem Bett, aber auch das hatte schon mal bessere Tage gesehen.
Die Glühbirne an der Decke war nackt und aus dem kleinen Loch darüber lugten vereinzelte Kabel hervor. Noch ein Problem, dass ich auf meine „Zu Erledigen“- Liste packen musste.
Ich bewegte mich zurück in den Wohnraum und nahm das letzte Zimmer in Augenschein.
Ein Bad. Ein ganz einfaches Badezimmer.
Ein. Badezimmer.
Der einzige Raum, der nicht nach Tod und Scheiße roch. Es war sauber, als hätte erst vor 5 Minuten jemand geputzt. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Bei meinem Glück entpuppte sich die kommende Überraschung, wenn ich das Wasser aufdrehte.
Klares Wasser floss in den Abfluss. Ich drückte die Spülung der Toilette, auch hier nichts ungewöhnliches. Hatte ich ausnahmsweise mal Glück? Wer weiß...

Die Stimme des Typen, die durch meine Kopfhörer schallten, sang die ersten Takte von „Broken Heart“ in meine Ohren, als ich nach guten 4 Stunden endlich die letzten Überreste des Junkies entfernte, der sich hier vor mir das Leben zur Hölle gemacht hatte. Mit dem Unterarm wischte ich mir den Schweiß von der Stirn und ließ dabei den Müllsack zu Boden sinken. Ob Damon so einen Dreck hinterlassen hatte? Oder hatte er jemandem anderen die Schlüssel zur Hölle überlassen? Ich musste ihn das bei Gelegenheit wirklich mal fragen. Obwohl, wollte ich das so genau wissen?
Nachdem ich festgestellt hatte, dass mit dem Badezimmer alles in Ordnung war, hatte ich mich noch einmal auf den Weg gemacht, ein paar Sachen zu besorgen, womit ich den Laden hier auf Vordermann bringen konnte. Um die Ecke gab es einen 24 Stunden Markt, der das Nötigste verkaufte. Jetzt, eine gefühlte Ewigkeit später, war ich endlich fertig.
Ich streifte mir die Handschuhe ab, warf sie in den Müllsack und nahm einen der Kopfhörer aus meiner Ohrmuschel. Dann fischte ich mein Handy aus der Hosentasche und warf einen kurzen Blick drauf. 15 Nachrichten, alles Nachrichten, die ich niemals lesen wollen würde. Ich konnte mir denken, von wem sie waren. Und trotzdem wischte ich sie ungeöffnet von dem kleinen Bildschirm.
Sekunden später erschien die nächste Textnachricht. Damon?
Ich öffnete die Nachricht und überflog den kurzen Text von meinem einzigen Verwandten, den ich nicht unwissend zurück gelassen hatte.
„Lass was von dir hören, Großer.“ stand in schwarzen Buchstaben auf dem kleinen Feld vor meiner Nase. Was zum...? Ich pausierte meine Musik, entfernte die Kopfhörer aus dem Anschluss und wählte kurz darauf seine Nummer. Wie zu erwarten, nahm er sofort ab.
„Das ging ja schnell.“ ich konnte sein dreckiges Grinsen durch den Hörer förmlich vor meinen Augen sehen.
„Was soll der Scheiß? Haben meine Eltern dich angeschwärzt?“ erwiderte ich genervt.
„Wo denkst du hin.“ sein Grinsen war unerträglich. „Ich wollte nur mal hören, wie's dir geht, Will. Darf ich nicht fragen?“
Ich wusste worauf er hinaus wollte. Mir war klar, dass sich aktuell jeder fragte, wo ich war. Ich war ohne ein Wort aufgebrochen, hatte alles mitgenommen, was ich besaß und niemandem gesagt, dass ich die Stadt verlassen würde. Mir war egal, welche Herzen ich brechen würde, mir war egal, wer sich um mich sorgte. Verdammt noch mal! Mir war scheiß egal, was aus denen wurde, die ich zurückließ. Ich konnte nicht länger dort bleiben, wo alles angefangen hatte. Ich konnte nicht mehr in dem Haus bleiben, welches mal mein „Zuhause“ war. Nicht nachdem, was passiert war.
„Scheiße, Mann! Nein, darfst du nicht!“ brachte ich zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. „Ich weiß, wieso du fragen willst. Und nein! Ich werde weder meinen Eltern noch meinen Geschwistern oder sonst wem sagen, wo ich bin und das wird auch so bleiben.“
„Ganz ruhig, Tiger.“ lachte er. „Ich wollte für niemanden fragen. Wollte nur mal hören, wie du dich eingelebt hast.“
Perplex nahm ich das Telefon vom Ohr und starrte für einen kurzen Moment auf das Display. „Ich bin erst seit ein paar Stunden hier. Wie soll es mir da gehen?“ nahm ich das Gespräch wieder auf.
„Gute Frage, mir ging's ziemlich beschissen, als ich das erste Mal da gelandet bin.“ erwiderte er. Ich konnte hören, wie im Hintergrund etwas quietschte, womöglich sein alter Sessel, den er partout nicht wegwerfen wollte, auf dem er aber am liebsten saß. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich ihn auf das Chaos hier ansprechen sollte, entschied mich dann aber sofort dagegen. Das war nicht mein Problem. Das einzige Problem, um das ich mich kümmern musste war ich selbst.
„Frag nicht.“ sagte ich nur, griff nach hinten in meine Hosentasche und zog eine kleine Schachtel heraus. Ich nahm eine der Zigaretten zwischen die Lippen, schnappte mir das Feuerzeug von der Fensterbank und zündete das Teil an, während ich weiter sprach. „Ich hatte einiges zu tun.“
„Du solltest damit aufhören, Will, du bist zwar „Untot“ aber die Dinger machen keinen Sinn und deine Lunge machst du dir damit auch kaputt.“ tadelte er mich zwischen einem Zug und dem ausatmen des Dampfes. Der Nikotin stieg mir in den Kopf. Mein Sargnagel, die erste Zigarette in meinem neuen Leben und sie tat unglaublich gut.
Ich erinnere mich an die Blicke meiner Familie, als ich mit dem Zeug angefangen hatte. Mom war davon nicht sonderlich begeistert, Dad zuckte nur mit den Schultern und Inori hatte mir das Ding aus dem Mund gerissen und in der Hand zerdrückt. Tja, und Tiziana wusste bis heute nichts davon. Alles Erinnerungen, ohne Wert.
„Wer bist du? Meine Mutter?“ gab ich zurück. „Ich geb' 'nen Scheiß drauf, was mit meiner Lunge passiert. Da brauchst auch du mir nichts zu sagen, Damon“
„Du wirst sehen, was du davon hast, Will.“ ich sah förmlich, wie er mit den Schultern zuckte. „Grüße von Scarlett und Tara“
Mir wurde eiskalt. Scarlett war die beste Freundin von meiner Tante. Wenn die zwei Reden, bin ich am Arsch. Als hätte er meine Gedanken gelesen, was gut möglich sein kann, sagte er: „Keine Sorge, wir schweigen. Scarlett findet, du solltest dein Nest verlassen und dich selbst finden.“
Wieder sah ich das Telefon an und nahm das Gespräch wieder auf. „Ich soll mein Nest verlassen? Ist das ihr ernst?“
„Vollkommen, genau wie meiner. Du hättest nur nochmal Tschüss sagen können, du Löffel. Tara hätte sich gefreut.“ sagte er.
Ich schnaubte nur, nahm einen letzten Zug und warf das Ding schließlich aus dem Fenster. „Jaja, ich weiß.“
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