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Run jump and be yourself

von Yve
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
18.07.2021
21.10.2021
21
30.574
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14.10.2021 797
 
«Und du bist dir sicher, dass du nicht mit zu mir kommen möchtest?», hatte Steve gefragt, als er Nathaniel vor der Praxis abgesetzt hatte. Er hatte darauf nur genickt. Wenn er eine andere Möglichkeit hatte unterzukommen, dann wollte er die Geduld seines Freundes nicht noch weiter strapazieren.

Außerdem wollte er sehen, was in der Wohnung noch zu machen war. Die nächsten Tage sollte er sich schonen, aber das bedeutete nicht, dass er nur im Bett liegen durfte.

Die Wohnung lag nur zwei Straßen von Jills Zuhause entfernt. An den roten Backsteinwänden prangte ein Graffiti mit dem Namen es Arztes: Dr. Smith. Er war ein Arzt, der mehr für die Menschen hier darstellte, als ein Mediziner, der ein paar Pillen austeilte. Dr. Smith war auch ein Zuhörer, Seelsorger und ein Hoffnungsbringer.

Dass seine Mutter die Nachfolge antrat, würde der Umgebung helfen, da war sich Nathaniel sicher. Sie war in der Lage seinen Weg fortzuführen und wenn er selbst in den Bereich der sozialen Arbeit ging, dann konnten sie vielleicht gemeinsam etwas erreichen.

Zu der Wohnung selbst kam er durch eine Tür im engen Hinterhof. Ein Treppenhaus, führte nach oben und eine einsame Lampe flackerte in ihrer Fassung. Nathaniel schwor sich diese als Erstes auszutauschen. Das Geländer konnte auch einen neuen Anstrich gebrauchen und auf den Fenstern hätte man in den Staub Romane schreiben können.

Er stieg die Stufen hoch und stand dann vor einer blauen Holztür. Das Schloss hatte seine Mutter eindeutig schon erneuern lassen. Er drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür. Nathaniel tastete neben dem Eingang nach einem Lichtschalter.

Als die ebenfalls schirmlosen Lampen den Raum erhellten, verstand Nathaniel, was seine Mutter damit meinte, dass noch viel zu tun war. Die Wände waren nicht gestrichen. Die Eimer mit den Farben standen in einer Ecke. Daneben Abdeckmaterial und eine Leiter. Auf der anderen Seite befand sich in einer Nische die Küche. Der Kühlschrank brummte leise vor sich hin.

Die Wohnküche war groß und auf einem Absatz vor dem Fenster lagen längliche Pakete. Nathaniel ging zu ihnen und das Bild auf ihnen verriet, dass es sich um den Esstisch handelte.

Mitten im Wohnzimmer lagen weitere dieser Pakete. Seine Mutter hatte alles an die Stelle gelegt, wo es später einmal stehen sollte. Das würde ihm die Arbeit leichter machen.

Von dem Raum aus führte eine Tür ins Badezimmer und eine weitere in ein Schlafzimmer. Außerdem gab es eine schmale Treppe an der Wand neben dem Bad, die nach oben führte. Nathaniel stieg sie hoch und fand einen weiteren Raum vor. Mit einer Klappe konnte man den Zugang hierher verschließen.

Ein Schreibtisch, ein Bett und ein Schrank, dann ist das wohl mein Zimmer.

Er drehte sich langsam im Kreis. Gar nicht schlecht. Für ihn hatte seine Mutter orange als Wandfarbe vorgesehen, aber der Eimer war so klein, dass Nathaniel davon ausging, nur eine der Wände damit zu streichen. Eine Matratze gab es auch schon, die lag jedoch noch eingepackt vor dem Fenster.

Nathaniel setzte sich auf das Fensterbrett. Es war so breit, dass er ohne Probleme darin sitzen konnte. Vielleicht sogar mit dem Laptop. Er war kein Freund von Schreibtischen. Lieber saß er im Schneidersitz auf dem Boden oder dem Bett.

Die Fußböden sind fertig. Es muss nur alles noch gestrichen werden. Dann kann ich die Möbel aufbauen. Ob ich das schaffe, bis meine Mutter entlassen wird?

Er lehnte den Kopf an. Es war der erste Moment, in dem er wirklich zu Ruhe kam. Nathaniel ließ die Schultern bewusst sinken und versuchte alles locker zu lassen.

Sein Handy vibrierte. Sofort sah er nach. Seit er es zurückhatte, hatte er noch keinen Blick darauf geworfen.

Aiden … Und es war nicht das erste Mal, dass er versucht hatte ihn zu erreichen. Da waren noch weiteren sieben Anrufe, die Nathaniel nicht entgegengenommen hatte.

«Ja?»

«Endlich, ich dachte schon, du bist tot oder so. Ich habe einen schwarzen Wagen wegfahren sehen, der gehört doch bestimmt deinem Vater.»

«Ja, tut er.»

«Er hat dich abgefangen, richtig?»

«Er mich sofort mitgenommen und mit Konsequenzen für euch gedroht. »

«Dann hatte mein Arschlochsensor echt recht.»

«Ja, das hatte. Aber jetzt ist es vorbei.» Nathaniels Herz meldete sich. Da war noch jemand, mit dem er dringend sprechen musste und sie weg war nicht weit weg. «Sag mal, weißt du, ob Jill zuhause ist?»

«Ist sie.»

«Hast du ihr irgendwas erzählt?»

«Nein. Ich wollte erst wissen, was bei dir los ist.»

«Gut, dann gehe ich jetzt zu ihr.»

«Aber, es wird dunkel und was wird dein Vater dann tun? Was wenn er …»

«Es hat sich heute grundlegend etwas geändert. Lass mich bitte erst mit Jill sprechen, dann reden wir, ja?»

«Also gut. Viel Erfolg.»

«Danke.»

Nathaniel legte auf. Wenn seine Mutter ihre große Liebe jetzt hatte, dann wollte er auch versuchen, ob er seine noch retten konnte.
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