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Run jump and be yourself

von Yve
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
18.07.2021
21.10.2021
21
30.574
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18.07.2021 2.754
 
Du wirst dich anpassen! Darauf kannst du dich verlassen.

Der kräftige Wind des Pazifiks wehte durch die Straßen des verlassenen Fabrikkomplexes. Er wirbelte Staub auf, trug ihn vor sich her und ließ ihn an den Mauern der Gebäude wieder zu Boden kommen.

Der Sand auf dem Asphalt knirschte unter Nathaniels Turnschuhen. Die Wut trieb ihn vorwärts, der Schweiß stand ihm auf der Stirn und erste Stiche trafen ihn in der Seite. Seine Lunge brannte. Nathaniels Körper gab sich alle Mühe ihm mitzuteilen, dass er sich zurücknehmen musste. Nicht erst, seit er das alte Industriegebiet erreicht hatte.

Das Knallen der Haustür hallte in seinen Ohren nach, wie auch alle Worte, die sein Vater ihm an den Kopf geworfen hatte.

Was du willst, hat keine Bedeutung. Dein Verhalten ist unterirdisch! Wir sind nicht mehr in Seattle, wo du damit durchgekommen bist. Hier hast du dich zu fügen.

«Nein!» Er sprang ab und packte die untere Kante eines der großen Fenster des vor ihm liegenden Backsteingebäudes. Nathaniel zog sich hoch und blieb auf der Fensterbank in der Hocke. Es war der erste Moment, seit die Aggressivität in der Stimme seines Vaters ihn endgültig zur Flucht getrieben hatte, in der sein Körper zur Ruhe kam.

Nathaniel atmete ein, schmeckte die salzige Luft des Meeres die sich mit den letzten Schwaden des alten Öls vermischte, die noch durch die Gassen zogen. Langsam ließ er die Luft wieder entweichen. Der Wind pfiff durch die Halle vor ihm und mit dem Heulen an den Häuserecken wurde es zu einem schaurigen Lied. Von schweren Maschinen, die einst in der Fabrik von Engels&Schmidt gestanden hatten, waren nur noch die dunklen Umrisse auf dem Betonboden zu sehen. Auch wenn der Zorn seine Gedanken beherrschte, so was seine Fantasie doch stark genug, um die alten Zeiten vor seinem geistigen Auge wieder auferstehen zu lassen.

Die schweren Stanzen, die aus dem Blechen die Teile für die Werft herausholten, schnauften. Arbeiter hängten sie anschließend in die Ketten der Schienen an der Decke ein, um sie bis zur nächsten Station zu transportieren. Es musste heiß in dem Gebäude gewesen sein. Auch wenn man die Fenster zum Teil öffnen oder auf kipp stellen konnte, gegen die Wärme der Maschinen hatte das sicher nicht gereicht.

Nathaniel sprang herunter. Hinein in das Gebäude.

Die Fabrik bestand aus zwei Etagen, die Obere war von Aussparungen für den Transport der Teile unterbrochen. Zwei der dicken Eisenketten hingen noch an den Schienen. Der Zahn der Zeit nagte an ihnen. Wie auch an den ganzen anderen Oberflächen, fraß sich der Rost in sie hinein.

Seine Finger verfingen sich in den verschwitzen nackenlangen Haaren, als er sie am Hinterkopf zusammennahm und zu einem Zopf band.

Er fixierte einen der Stützträger für die obere Ebene, der im 45° Winkel mit dicken Bolzen im Boden verankert war. Dann schaute er kurz zu der Treppe mit ihrem rostigen Geländer. Dazwischen lagen ca. zwei Meter. Heute musste der Sprung endlich klappen.

Nathaniel nahm Schwung, machte zwei Schritte auf dem Träger, dann eine 90° Wendung und stieß sich mit einem kräftigen Sprung ab. Er packte das Geländer der Treppe, und schwang die Beine darüber. Mit beiden Füßen landete er sicher auf der gleichen Stufe.

Endlich.

Warum hatte er dafür so lange gebraucht? In Seattle hatte er solche Sprünge unzählige Mal gemacht. Sicher, sie hatten nicht immer beim ersten Mal funktioniert. Aber eine Woche daran zu festzuhängen, war ihm nie passiert.

Er stieg die Stufen zur oberen Etage hinauf.

Alle Aussparungen waren mit schulterhohen Brüstungen versehen. Nathaniel kletterte darauf und balancierte sich aus. Das Geländer wackelte. Bei seinem ersten Versuch vor ein paar Wochen hatte Nathaniel seinen Versuch sofort abgebrochen. Heute wusste er, dass es stabil genug war, um ihn zu halten. Nathaniel schaute hinab. Wenn er fiel, wartete vier Meter unter ihm der blanke Beton. Das würde nicht passieren. Nathaniel nahm mit den Armen Schwung und sprang. Sein Ziel: Das Geländer, nur eine Körperlänge von ihm entfernt.

Die Schwebephase gab ihm den Kick, den er brauchte, um alles was in der letzten Stunde geschehen war in den Hintergrund treten zu lassen.

Seine Füße berührten die Brüstung. Auch auf dieser Seite pendelte das Geländer unter der Kraft, mit der Nathaniel auf es einwirkte und er glich es mit den Armen aus. Der Boden der Etage bestand aus engmaschigen Metallgittern. Sie mussten verzinkt sein, auf ihnen hatte der Rost sich noch nicht abgesetzt.

Nathaniel sprang herunter und rannte weiter. Das Gitter vibrierte leicht unter seinen Schritten. Ein Sprint zur gegenüberliegenden Wand, verbunden mit zwei Sprüngen über die anderen Aussparungen der Ebene und er stand wieder an einer Treppe. Nathaniel ging ein paar Schritte zurück, um Anlauf zu nehmen. An der obersten Stufe sprang er ab. Sein Flug reichte, um ihn bis ans Ende der Treppe zu bringen, ohne sie zu berühren. Er rollte sich über die Schulter ab, um die Landung abzufangen.

Wieder auf den Beinen, sah er zurück. Er nickte zufrieden.

«Hey du!»

Nathaniel zuckte zusammen, als die weibliche Stimme an den Wänden der alten Fabrik widerhallte. Er suchte nach dem Ursprung und entdeckte ein Mädchen, das in dem gleichen Fenster stand, durch das auch er den Weg hineingefunden hatte.

Als er Blickkontakt mit ihr aufnahm, sprang sie in den inneren Teil des Gebäudes und machte einen Sprint bis zu dem Träger. Sie rannte daran hinauf und landete nach einem Backflip wieder vor ihm auf den Füßen.

Oh, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Nathaniels Mundwinkel gingen hoch.

«Ich habe dich schon öfter hier gesehen», sagte das Mädchen und kam auf ihn zu. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem festen Dutt gebunden. Violette Strähnen leuchteten daraus hervor.

«Hast du das?»

«Ja.» Sie blieb vor ihm stehen und stemmte die Hände in die Hüften.

Warum hatte er sie nie bemerkt?

Das Mädchen musterte ihn. «Was ich bisher von dir gesehen habe, war das alles oder hast du noch mehr drauf?»

«Das kann ich dir nicht sagen.»

Mit einem herausfordernden Blick schaute sie zu dem zerbrochenen Fenster. «Sollen wir es rausfinden?»

Die Herausforderung jagte ein Prickeln über seine Haut. «Ja.»

«Ich habe auch nichts anderes von dir erwartet. Wie gut kennst du die Umgebung?»

«Leider schlecht. Ich bin noch nicht lange hier.»

«Kein Problem.» Sie lächelte. «Ich werde dir etwas zeigen. Komm mit.»

Nathaniel folgte ihr aus dem Fenster heraus zurück in die teils engen Gassen zwischen den Gebäuden. Das Mädchen legte ein angenehmes Tempo vor, dem er locker folgen konnte.

Wärmte sie sich auf?

Sie führte ihn tiefer in den alten Komplex hinein. Fabriken mit ihren Aufbauten, die durch den Zerfall wirkten, wie rostende Metallmonster aus einem schlechten Science Fiction Film, langen auf ihrem Weg. Sie passierten Backsteingebäude, Wellblechhütten und rannten unter einem Wasserturm hindurch. Port Cliff war eine Küstenstadt, aber das Brackwasser aus der Bucht hatte man nicht als Trinkwasser nutzen können. So hatte man, vor dem Bau der Wasserleitungen, auf diesem Wege die Versorgung sichergestellt.

«Hier.» Das Mädchen blieb vor einem kleineren Gebäude stehen. «Ich hoffe, du magst präzis.» Sie ging noch ein Stück weiter und quetschte sich durch einen Spalt zwischen den beiden Teilen der schief hängenden Holztore.

Nathaniel betrachtete die Lücke skeptisch. Das Mädchen ging ihm gerade bis zur Schulter und war vom Körperbau eher zierlicher, soweit er das unter ihrem übergroßen T-Shirt erkennen konnte. Passte er durch den Spalt überhaupt durch? Er drehte sich seitlich dazu und hielt die Luft an. Nathaniel wusste, dass ihn das nicht schmaler machte, aber sein Kopf war davon absolut überzeugt.

«Passt es?» Sie schaute über die Schulter.

«Ja.» Wenn auch knapp, aber er war drin.

«Und? Was sagst du?»

Er ließ seinen Blick umherschweifen. Im Gegensatz zu den meisten Gebäuden waren die Wände vollständig aus Holz. Es roch modrig. Das Dach bestand dort, wo die beiden flachen Schrägen aufeinandertreffen sollten, nur noch aus seinen Balken. Vielleicht war es auch schon immer so gewesen. Das wussten wohl nur die, die einst hier gearbeitet hatten. Wurzeln ragten durch die löchrigen Bretter. Die Natur holte sich zurück, was man ihr einst genommen hatte.

Einen Boden hatte das Holzgebäude nicht. Balken waren wie ein Schachbrettmuster über dem Keller angebracht. Nur ein schmaler Gang führte an beiden Hauswänden auf die andere Seite.

«Was war das hier mal?», fragte Nathaniel und trat an die Grube heran.

«Keine Ahnung.» Sie stellte sich neben ihn und warf einen Blick in den Keller des Gebäudes. Sein Boden war der einzige Bereich, der mit Beton gegossen war und stand kniehoch voll mit Wasser. «Präzis bis zur anderen Seite?»

«Sind die Balken echt noch so stabil?»

Sie nickte. «Hatte ich auch nicht erwartet, als ich das erste Mal hier war. Holz ist teilweise echt langlebiger als Metall.»

«Vielleicht die Meeresluft.»

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. «Möglich.» Dann ging sie zurück, bis sie mit dem Rücken an die Wand stieß. «Ich fange an.» Sie rannte los.

Wow! Was für eine Sprungkraft!

Mit einer spielerischen Leichtigkeit landete sie mit beiden Füßen sicher auf dem ersten Balken, balancierte sich kurz aus und sprang wieder ab.

Ihre Bewegungen … So etwas habe ich noch nie gesehen.

Er war kein schlechter Parkour Läufer. Bei weitem nicht. Sonst hätte er bei den Meisterschaften in Seattle nicht den 8. Platz belegt, aber gegen dieses Mädchen fühlte er sich wie ein blutiger Anfänger.

Als hätte die Schwerkraft keinen Einfluss auf sie. Wie macht sie das?

Sie erreichte das Ende des Gebäudes und winkte ihm zu. «Jetzt du!»

Die Abstände waren alle gleich und stellten von der Weite keine besondere Schwierigkeit dar. Warum zur Hölle zitterte er dann? Warum machte ihre Performance ihn so nervös?

Seine Hände berührten die Wand hinter ihm, von der er sich abstoßen wollte.

Seit wir hier wohnen, trainiere ich viel weniger. Komme langsam aus der Form?

Die Erinnerungen an den Streit drängten sich auf.

Nicht jetzt.

Nathaniel sah zu dem Mädchen herüber.

Nicht, solange sie hier zuschaut.

Sie hatte ihn beeindruckt und herausgefordert. Jetzt war er am Zug.

Nathaniel wusste, dass diese Situation alles nur nicht ideal war. Eine unbekannte Umgebung, ein Untergrund, den er vorher nicht getestet hatte und die Lichtverhältnisse waren auch alles andere als gut. Durch die staubigen Fenster fiel ein gedämpftes Licht und von oben kam der Schein der Sonne. Die Blätter der Pflanzen auf dem Dach warfen durch den Wind tanzende Schatten auf die Holzbalken, die seine Ziele sein sollten.

Keine Zweifel jetzt!

Nathaniel sprang ab und landete auf dem ersten Balken. Alles kein Problem. Diese Unsicherheit, war fehl am Platz. Der nächste Sprung. Sein Selbstbewusstsein wollte nicht zurückkommen.

War es ihre Anwesenheit? Hatte ihn ihre Bewegung, ihr Können so sehr eingeschüchtert?

Nein. Das war es sicher nicht. Die Herausforderung war etwas, wonach er sich gesehnt hatte, seit er Seattle verlassen hatte.

Er berührte den letzten Balken und merkte schon in der Flugphase, dass sein Kreislauf ihm die gelbe Karte zeigte. Die schlecht abgefederte Landung schmerzte in seinen Knien.

«Nicht schlecht.» Sie nickte anerkennend. «Wie lange machst du schon Parkour?»

«Ich habe mit 10 Jahren angefangen.»

«Merkt man.»

«Du bist aber auch nicht seit gestern dabei.»

Sie grinste. «Nö.» Dann musterte sie ihn. «Sollen wir noch weiter?»

Sein Körper wollte aufhören. Aber sein Herz hatte andere Pläne. Nathaniel nickte nur und ignorierte die aufsteigende Kaltschweißigkeit. Es war ein Stück alter Normalität, die sie ihm mit der Frage geschenkt hatte.

«Gut. Sagst du mir noch wie du heißt?»

«Nathaniel.»

«Ich bin Jill.»

Auch auf der anderen Seite des Gebäudes gab es ein Tor, durch das die beiden sich hindurch quetschten. Dahinter lagen mehrere gemauerte Unterstände. Ihre Wellblechdächer waren zusammenstützt und die Reste befanden sich im Inneren.

Jill machte auch hier den Anfang. Sie nahm Anlauf und packte die obere Kante der Mauer. Ihr zu Folgen war für Nathaniel kein Problem. Er hätte sich nur strecken müssen, dann wäre er auch herangekommen. Er zog sich hoch und stand neben ihr auf dem Sims. Die Entfernung zur anderen Seite war etwas weiter als in dem Holzgebäude.

«Möchtest du zuerst?», fragte Jill.

«Ok.»

Nathaniel ging leicht in die Knie. Bereit zum Absprung und mit dem Ziel fest im Blick. Er schwor seinem Körper, dass dies die letzte Runde für heute war. Noch vier Sprünge. Das musste er noch durchhalten. Er stieß sich ab. Die erste Landung fühlte sich nicht gut an. Auch wenn er mittig mit beiden Füßen auf der folgenden Mauer landete.

Weiter.

Immer weiter.

Das hatte er doch früher auch so gemacht. Bis an die Grenzen und dann darüber hinaus. Wieso fühlte sich das heute nicht richtig an?

Er setzte zum letzten Sprung an. Seine Sicht verschwamm, eine Hitzewallung schoss durch seinen Körper. Kalter Schweiß quoll aus allen Poren. Die Flugphase absolvierte er blind. Er berührte noch sein Ziel, aber es gelang ihm nicht sich auszubalancieren. Nathaniel stürzte nach vorne, er versuchte sich abzurollen und schlug mit dem Ellenbogen auf den Boden. Es brannte. Zu der gewünschten Rolle kam er nicht mehr. Er krachte auf den Rücken und blieb liegen.

«Nathaniel!», hörte er Jill rufen.

Er öffnete die Augen. Die Sonne schien ihm ins Gesicht. Ein Windstoß kühlte seine Stirn. Das Adrenalin in seinem Blut rauschte mit Schallgeschwindigkeit durch seine Adern. Er bewegte die Hände und die Füße. Tief einatmen, es schmerzte, aber nicht wie damals, als er sich die Rippe gebrochen hatte.

«Nathaniel.» Jill sprang von der Mauer und landete neben ihm. «Ist alles in Ordnung?»

«Ich glaube schon.» Er setzte sich auf. Bis auf diesen verdammten Schwindel ging es ganz gut.

«Das sieht aber nicht gut aus.» Jill zeigte auf seinen Ellenbogen.

«Ach, passt schon.» Er drehte den Arm so weit, dass er die Wunde betrachten konnte. Blut tropfte aus ihr heraus auf seine Jeans.

«Das hier ist ein altes Industriegelände, du weißt nicht, was hier noch im Boden ist.» Sie holte eine handgroße Metalldose aus der Tasche ihrer Cargohose und einen Flachmann.

«Alkohol betäubt oder wie?»

«Trottel.» Sie öffnete den Drehverschluss. «Da ist Wasser drin. Zeig mal deinen Arm her.»

«Das musst du nicht.»

«Arm her.» In ihren blaugrauen Augen entstand ein Sturm, dem sich Nathaniel beugte.

Jill spülte die Wunde und legte ein Tuch darunter, ohne die Ränder selbst zu berühren. Sie wartete ab, bis die Blutung nachließ. «Halt mal das Tuch, aber nicht auf die Wunde legen. Es soll ausbluten, dann gehen hoffentlich alle Fremdkörper raus.»

Er nickte.

Sie nahm einen Pflasterstreifen aus der Dose, passte es an die Größe der Verletzung an und schnitt das Stück ab.

Sie hat alles für Erste Hilfe dabei. Pflaster, ein Verband, Schere und … Nathaniel verzog das Gesicht, als sie Hautdesinfektion auf die Wunde sprühte.

Dann klebte sie das Pflaster drauf. «Du solltest es zuhause gleich wechseln.»

«Das mache ich. Danke.»

«Dafür nicht.»

Nathaniel beobachtete Jill, wie sie alles wieder in die Dose zurücklegte. «Du versorgst öfter Wunden, oder?»

«Ja.» Sie schaute auf. «Und wenn du hier trainieren willst, wäre es gut, es auch zu können.»

«Ich kann es. Nur …» Er wich ihren Blick aus und sah zu Boden. «Ich hatte einen beschissenen Tag. Da war keine Zeit, an so etwas zu denken.»

«Verstehe.» Jill lehnte sich zurück und stützte sich auf den Händen ab. «Ging mir ähnlich. Eigentlich wollte ich nur allein sein, aber dann habe ich dich gesehen. Du warst das erste Mal so nah, dass ich dich ansprechen konnte.»

Ach so. Dann war es sonst nur aus der Entfernung. Kein Wunder, dass ich sie nie bemerkt habe.

«Hättest du Lust noch einmal einen Run zu machen, wenn ich nicht schon alle bin?»

Jill lächelte. «Ja und wenn du möchtest, kannst du zu unserer Gruppe dazukommen.»

«Was für eine Gruppe?»

«Ein Freund von mir ist Freerunner.» Jill grinste. «Typischer Poser, ganze Zeit am Rumhüpfen, Front Flips, Back Flips. Du weißt schon.»

«Hast du doch vorhin auch gemacht.»

Sie legte den Kopf in den Nacken. «Ich muss dich schließlich beeindrucken.»

«Das hast du.»

Jill sah zu ihm.

«Aber nicht damit.»

«Also, kommst du dazu?»

«Ja.»

«Gibt du mir deine Handynummer? Dann nehme ich dich mit in die Gruppe.» Sie nahm ihr Handy aus der Tasche.

Nathaniel griff in seine Eigene und seufzte. Sein Handy lag noch auf seinem Schreibtisch. «Schreibst du mich dann an? Ich habe kein Handy dabei.»

«Mach ich.» Sie hielt ihm das Smartphone hin. «Gib ein.»

Nathaniel gab seinen Namen und die Nummer ein. «Hier.»

Jill schaute auf das Display. «Alister? So heißt doch auch der neue Berater für die Stadtplanung.»

«Das ist mein Vater.» Die Bitterkeit in seiner Stimme, erschrak ihn selbst.

«War dein Tag wegen ihm beschissen?»

Nathaniel nickte, auch wenn er es verneinen wollte.

«Dann bist du bei uns richtig. Wenn du mit uns unterwegs bist, wirst du keine Zeit haben, um darüber nachzudenken.»

Das hoffte. Das hoffte er wirklich.
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