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Liebe überlebt - eine Harry&Ginny-Geschichte

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Het
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Neville Longbottom Ronald "Ron" Weasley
17.07.2021
22.07.2021
3
4.604
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22.07.2021 2.329
 
Hier der erste Rückblick. Als kurze Erinnerung zur zeitlichen Einordnung:
Harrys erstes Schuljahr: 1991-1992
2. SJ: 1992-1993
3. SJ: 1993-1994
4. SJ: 1994-1995
5. SJ: 1995-1996
6. SJ: 1996-1997
Jahr im Zelt: 1997-1998

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Ein anderes Leben – Oktober 1996 - Astronomieturm

„Also, auf jeden Fall ist der Plan doch ganz gut, oder?“, sagte Ron. Hermine sah bei Rons Spinnerei nicht einmal von ihren Büchern auf. Sie kannte Ron zu genüge.
Ginny gähnte übertrieben und legte sich in ihrem Sessel zurück. „Laaaangweilig! Wenn du weiterhin so laaaangweilig bist, dann schlafe ich, bevor Harry zurückkommt.“
Ron grummelte. „Ich höre von dir den ganzen Tag über immer nur Harry, Harry, Harry. Du sagst den Namen so oft, dass ich mich schon öfter gefragt habe, ob du irgendwelche Quoten erfüllen musst. 100-mal in einer Stunde „Harry“ sagen, dann gewinnst du den Preis für die beste Harry-Fanatikerin?“
Er stand aus seinem Sessel auf und streckte sich grinsend. Ginny ließ sich von der Stichelei und dem Grinsen ihres Bruders nicht provozieren. Sie konnte so etwas viel besser als er. „Das hast du gut durchschaut, Ron. Ganz clever. Aber doch nur fast richtig.“
„Was daran stimmt denn nicht? Musst du 200-mal in einer Stunde seinen Namen sagen, um den Preis zu gewinnen?“ Er grinste, immer noch in dem Glauben, dass er das Gespräch lenkte. Er hatte sowas von keine Ahnung und wärmte sich vor dem warmen Feuer genüsslich den Hintern.
„In der Tat muss ich Harrys Namen nur 30-mal in einer Stunde sagen. Und das war gerade das 26. Mal, dass ich Harrys Namen gesagt habe. Und das hier das 27. Aber du hast auch bei dem Preis, den ich erhalte, wenn ich dreißigmal Harrys Namen sage, - wir sind jetzt bei 28! – nicht ganz richtig gelegen.“ Sie blieb ganz ruhig. Sie wusste, was Ron jetzt fragen würde. Selbst Hermine schielte von ihrem Buch hoch und schüttelte warnend den Kopf, doch Ron blickte Ginny interessiert an.
„Okay, und was passiert, wenn du dreißigmal Harrys Namen in einer Stunde gesagt hast? Bekommst du dann eine Medaille?“
Ginny tat desinteressiert. „Nicht ganz.“ Sie pustete sich gelangweilt über die Fingernägel, konnte jedoch ein Grinsen nicht verbergen und hielt deswegen den Kopf gesenkt, anstatt zu Ron hinüberzublicken, der sich – immer noch in dem Glauben, seine Schwester zu ärgern – weiterhin den Hintern am Feuer wärmte. „Wenn ich 30-mal in einer Stunde Harrys Namen gesagt habe – das war übrigens das 29. Mal -, dann bekomme ich richtig guten, heißen Sex.“
Ron erschrak so, dass er mit seinem Umhang im Feuer landete, während Ginny sich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten konnte. Selbst Hermine hielt ihr Buch höher vor das Gesicht, um ihr Grinsen zu verbergen. Ron trampelte indes wie wild auf seinem schmorenden Umhang herum und fluchte laut. „Ginny, du… wie konntest du nur – ich…“
„Du hast gefragt“, lachte Ginny und hielt sich ihr vor Lachen schmerzendes Zwergfell.
„Hermine, sag du mal was dazu“, forderte Ron wütend die still in ihrem Buch lesende Hermine auf.
„Ähm“, sagte Hermine und ließ ihr Buch langsam in ihren Schoß sinken. „Ich denke, Ron, Harry und Ginny sind alt genug, um selbst zu entscheiden.“
„Was selbst zu entscheiden?“, fragte Harry, der plötzlich hinter Hermines Sessel stand.
Ginnys Herz frohlockte und tanzte plötzlich Tango. Immer wieder erstaunlich, was seine Anwesenheit bei ihr auslöste. Sie wünschte sich, dass sie sich immer so fühlen würde, für den Rest ihres Lebens.
Nach einem Blick, mit dem sie sich des zur späten Stunde leeren Gemeinschaftsraums vergewisserte, sprang sie auf und schlang ihm die Arme um den Hals. „Hallo Harry“, sie ließ den Namen auf ihrer Zunge zergehen und konnte es nicht lassen, sich noch einmal zu Ron umzudrehen und mit den Lippen eine „30“ zu formen. Dann wandte sie sich wieder zu Harry und gab ihm einen flüchtigen Kuss, auch wenn sie ihn lieber auf der Stelle vollkommen abgeknutscht hätte. Doch gleich würden sie allein sein und dann konnte sie sich noch genug mit seinem Körper befassen.
Ron stampfte schon wieder laut auf dem Boden herum – vermutlich hatte sein Umhang erneut Kontakt mit dem Feuer gehabt.
„Lass uns gehen“, hauchte sie an seinem Ohr. Er nickte, nahm ihre Hand und sie zwinkerte der armen Hermine noch schelmisch zu, bevor sie mit Harry durch das Portraitloch kletterte. Vermutlich würde Hermine jetzt eine Stunde lang Ron beruhigen müssen.
Ihre Hand haltend führte Harry sie durchs Schloss. Ginny wusste nicht, wohin, aber es war ihr auch egal. Vielleicht nutzten sie das herrliche Wetter und genossen die Sonne auf dem Schlossgelände, versteckten sich in einem Geheimgang im Schloss, um alleine zu sein oder schlichen sich heimlich aus der Schule.
„Will ich wissen, was gerade zwischen dir und Ron war?“, fragte er und ließ ihre Hand los. Sie wollte schon protestieren, aber er legte seinen Arm stattdessen um ihre Schultern, zog sie näher und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Zwischen Ron und mir? Wie kommst du denn darauf?“, fragte sie und lächelte unschuldig.
Harry grinste sie an, nahm vor der Treppe, die hinauf auf den Astronomieturm führte, wieder ihre Hand und lief vor ihr her die Stufen hinauf. Der Astronomieturm war von der Abenddämmerung umgeben. Ginny zauberte eine Decke, während Harry zwei Flaschen Butterbier aus seinem Umhang zog. Sie setzen sich auf die Decke. Harry gab ihr eine der Flaschen und Ginny trank ein paar Schlucke.
„Will ich wissen, wo du sie herhast?“, fragte sie dann und stellte die Flasche neben die Decke auf die Steine.
„Ich habe meinen Charme spielen lassen“, zwinkerte Harry.
„Du hast also mal wieder mit einem fremden Mädchen geflirtet. Pfui Teufel! Ich werde sie umbringen müssen.“
Harry lachte. „Die kleine Ginny Weasley ist eifersüchtig.“
Ginny stimmte mit ein. „Gib mir bloß keinen Grund dazu.“
„Nie – für mich wird es immer nur dich geben!“, sagte er, plötzlich ernst. Dann trank er noch einen Schluck, bevor er fragte: „Was war denn jetzt zwischen dir und Ron?“
„Ach“, sagte Ginny und wandte den Blick ab, ihr Herz raste noch immer von seinem Eingeständnis. Sie atmete mehrmals tief durch und versuchte sich nicht wie eine liebeskranke Närrin aufzuführen. „Ron meinte, er hätte den ultimativen Plan, wie man Du-weißt-schon-wen töten könnte.“
„Voldemort!“, sagte Harry scharf.
„Was?“, fragte Ginny verwirrt und sah ihn an, auch wenn der Blick in seine wundervollen grünen Augen sie zwangsläufig wieder zu einer liebeskranken Närrin machen würde. Seine Stirn war gefurcht, die Augenbrauen leicht zusammengezogen. „Warum bist du sauer?“
„Er heißt Voldemort! Immer und immer wieder sage ich den Leuten, dass er VOLDEMORT heißt. Was ist denn so schwierig daran?“
Ginny zuckte die Schultern. „Du und Dumbledore und Lupin, ihr seid vielleicht mutig genug, ihn so zu nennen. Der Rest von uns ist dafür aber zu abergläubisch.“
Jetzt entspannten sich Harrys Züge. „Abergläubisch? Meinst du, ich rufe ihn herbei, wenn ich seinen Namen sage?“
„Ich glaube, es ist nicht unbedingt gut für die eigene Gesundheit, den Namen auszusprechen.“
Harry musterte sie einen Moment, dann begann er in den verschiedensten Tonlagen zu singen. „Voldemort! Voldemort… Voldi… Voldi… Voldemort! Vol-“ Plötzlich griff er sich an die Kehle, röchelte, als wäre ihm der Name im Halse stecken geblieben. Er fiel hintenüber und wand sich auf dem Boden. Seine Hände immer noch an seiner Kehle, keuchte er: „Ich ersticke, ich ersticke. Er hat mich tatsächlich aus 1000 km Entfernung mit einem Fluch zum Schweigen gebracht, nur weil ich seinen Namen gesagt habe! Mann, der hat vielleicht Kräfte!“
Ginny lachte über seine schlechte Schauspielkunst und schlug ihn gegen das Knie. „Das ist nicht witzig!“
„Irgendwie schon“, meinte Harry und setzte sich wieder auf. Sein Haar war noch zerzauster und er sah noch besser aus, fand Ginny. Er sah sie an und sagte: „Na los, sag es schon.“
„Was?“, fragte Ginny.
„Den Namen!“
„Harry Potter. Harry Potter. Harry, Harry, Harry!”
Harry hielt ihr den Mund zu. „Ich meinte nicht den Namen des tollsten, klügsten und heißesten Jungen dieser Schule, der sich vor Verehrerinnen nicht retten kann. Ich meinte seinen Namen! Los, komm schon. Sag ihn! Sag Voldemort!“ Sein Treffen mit Dumbledore musste ihn in eine gute Stimmung versetzt haben. Er war vollkommen ausgelassen und gut gelaunt.
„HMM-HMM!“, machte Ginny und schüttelte den Kopf hin und her.
„Was?“, fragte Harry. Ginny nahm seine Hand und zog sie von ihrem Mund weg. „Wie soll ich reden, wenn du mir den Mund zuhältst!“
„Ich dachte, Frauen könnten immer reden“, neckte er sie und duckte sich dann rasch, bevor Ginny ihn schlagen konnte.
„Wenn du mir schon den Mund zuhältst“, murrte Ginny, „dann doch bitte nicht mit deiner Hand!“
„Womit denn sonst?“ Ginny grinste, sie beugte sich vor und küsste ihn. Er erwiderte den Kuss, doch als Ginny sich gegen ihn stemmte, damit er nach hinten überfiel, schob er sie an den Schultern zurück. Schnell atmend lösten sich beide voneinander. „Wenn das ein Ablenkungsmanöver sein sollte, dann war es definitiv ein gutes“, keuchte Harry.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du redest!“, erwiderte Ginny unschuldig und schob sich eine Strähne ihres roten Haares hinter die Ohren.
„Nein, natürlich nicht. Nun komm schon, sag seinen Namen.“
„NEIN!“, antwortete Ginny bestimmt und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wieso nicht? Was, meinst du, könnte passieren? Dass du von einem Backstein erschlagen wirst?“ Er versuchte, Ernst zu bleiben, aber ein Grinsen umspielte trotzdem seine Lippen.
„Ich habe dir schon gesagt, warum ich den Namen nicht sagen will, Harry. Es ist gruselig und es bringt Pech.“
„Pech? Findest du, dass ich Pech habe? Ich sitze hier mit dem schärfsten“, er beugte sich zu ihr und zwirbelte eine Strähne ihres Haares zwischen seinen Fingern, „taffsten“, er steckte die Strähne hinter ihr Ohr und küsste ihren Hals; Ginny legte den Kopf schräg, „und gewitztesten“, seine Küsse wanderten bis zu ihrem Ohr, „Mädchen der ganzen Welt“, er unterbrach seinen Kuss, seine Nase plötzlich keine zwei Millimeter von ihrer entfernt. Ihr Herz raste, doch auch ihn ließ all das nicht kalt. Er atmete schneller als gewöhnlich. „Wieso glaubst du dann, dass ich Pech habe? Ich denke, die meisten Jungen würden alles dafür geben, ein paar Stunden hier mit dir verbringen zu dürfen.“ Ginnys Herz zog sich zusammen und sie versuchte, dieses Gefühl, was sie gerade überkam, aus ihrem Gesicht fernzuhalten. Harry hasste es, wenn man Mitleid mit ihm hatte. Er hatte kein Mitleid mit sich selbst und er würde niemals denken, dass sein Leben vom Pech verfolgt war, auch wenn eine Menge toter Leute für das Gegenteil sprachen.
„Okay“, erwiderte sie, legte den Kopf leicht schräg, damit er sie küssen konnte. Doch er tat es nicht. Ihre Nasen berührten sich. Sie spürte seinen Atem auf ihrer Haut und eine Gänsehaut lief ihr den Rücken hinunter, während sich ein Prickeln in ihrem Magen bemerkbar machte. Sie wollte den letzten Abstand überwinden und ihre Lippen auf seine drücken, doch als sie sich nach vorne legte, wich er das gleiche Stück zurück. Er lachte leise. „Komm, sag es!“, hauchte er.
Sie seufzte, stemmte ihre Arme gegen seine Brust und drückte ihn ein Stück von sich. „Nein!“
„Los, sag es schon!“
„Nein!“
„Bitte!“ Er legte den Kopf leicht schräg und sah sie durch seine Wimpern an.
„Warum ist es dir so wichtig?“, fragte sie und wandte den Blick ab, bevor sie dahinschmelzen würde.
„Die Angst vor einem Namen macht nur noch mehr Angst vor der Sache selbst. Voldemort ist so eng mit meinem Schicksal verknüpft, dass es dir nicht guttun würde, zu viel Angst vor ihm zu haben.“
„Ich kann seinen Namen noch so oft aussprechen, ich wollte ihm trotzdem nicht begegnen.“
„Bitte, Ginny! Tu es für mich!“
Ginny sah ihn an und verlor sich in seinen Augen. Wie konnte sie ihm einen Wunsch abschlagen, auch wenn er noch so unsinnig war?
Sie atmete tief durch. Ihr Herz klopfte jetzt nicht wegen Harrys Anwesenheit. „Vol-“ Sie brach ab und sah sich beunruhigt um. Harry nickte ihr aufmunternd zu. „Voldemort!“, sagte sie rasch und so leise wie möglich.
„Das zählt nicht. Das hab ich ja gar nicht gehört. Na los, sei mutig!“
Ginny verdrehte die Augen und überlegte, ob sie einfach gehen sollte. Warum tat sie sich das an? „Voldemort“, sagte sie noch einmal. „Voldemort!“ Harry legte seine Hand an ihr Kinn und hielt es fest, damit sie sich nicht mehr ängstlich umsehen konnte. „Er ist nicht hier!“, hauchte er. „Denn er wird dich niemals kriegen, dafür werde ich sorgen!“
„Voldemort!“, wiederholte Ginny, dieses Mal lauter und mit fester Stimme. „VOLDE-!“ In diesem Moment umschlossen Harrys Lippen ihre und er verwickelte sie in einen atemberaubenden, leidenschaftlichen Kuss. Ginny schlang die Arme um seinen Nacken, um ihn noch enger an sich zu ziehen. Doch das war gar nicht nötig. Harry drängte sich gegen sie und Ginny ließ sich nach hinten auf die Decke gleiten, Harry direkt über ihr.
Nach mehr als zehn Minuten löste Harry den Kuss, seine Arme neben ihren Ohren aufgestützt. Sein Gewicht wunderbar auf ihrem Körper.
„Wofür war das?“, fragte Ginny verwirrt und versuchte wieder Sauerstoff in ihre Lungen zu bekommen.
„Na ja, wenn du jetzt den Namen Voldemort hörst, dann wirst du nicht mehr an den Irren denken, der versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen, sondern nur noch an diesen Kuss mit mir hier oben auf dem Astronomieturm.“
„Und was soll das ändern? Er bleibt trotzdem böse!“
„Ja, schon. Aber wenn du keine Angst mehr vor ihm hast, hat er auch keine Macht mehr über dich.“
„Klingt logisch.“ Auch wenn es überhaupt nicht logisch klang. „Heißt das jetzt, du willst jeden abknutschen, der Angst vor Vol-demort hat? Ist das dein Plan, ihn zu besiegen?“
Er rollte sich von ihr hinunter und Ginny kuschelte sich an ihn. Er lachte bei der Vorstellung. „Ich mag den Plan. Er könnte funktionieren!“ Auch Ginny stimmte in sein Lachen mit ihn.
„Ich finde ihn auch nicht schlecht, nur Ron wird den Part übernehmen müssen, alle abzuknutschen. Sie, Mr Potter, haben für den Rest ihres Lebens nur noch das Recht, eine einzige Frau zu küssen!“
„Ach, und die wäre?“, fragte Harry unschuldig. Ginny gab ihm einen heftigen Stoß in die Seite.
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