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Liebe überlebt - eine Harry&Ginny-Geschichte

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Het
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Neville Longbottom Ronald "Ron" Weasley
17.07.2021
30.07.2021
5
8.805
2
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18.07.2021 1.030
 
So, jetzt geht's los. Viel Spaß!

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Es regnete, es schien die Sonne, es regnete. Es wurde dunkel, es wurde wieder hell und wieder dunkel. Es wurde stürmisch und dann wehte wieder kein Lüftchen. Es wurde warm, manchmal war es kalt, nur um dann wieder warm zu werden.
Doch Ginny war nicht warm. Ihr war kalt. Egal, wie warm es dort draußen war, sie fror. Sie fror innerlich. Es war eine klamme Kälte, die ihre Finger ungelenk und ihre Glieder steif machte. Immer wenn Harry ihre Hand genommen hatte, hatte er gesagt, wie wunderbar warm ihre Hände waren und dass das daran läge, dass Ginny so ein warmer Mensch war. Wenn er seinen schelmischen Tag hatte, benutzte er das Wort heiß. „Du hast immer warme Hände, weil du einfach nur heiß bist. Dein ganzer Körper ist heiß, meine Hot-Ginny!“ Wenn er das gesagt hatte, hatte er gegrinst und seinen Blick über ihren Körper wandern lassen, als würde er sie im nächsten Moment ausziehen wollen. Und sie hatte es genossen, dass er sie begehrenswert fand, dass er keiner anderen hinterhersah.
Während sie vor dem Fenster saß und die Tage vergingen, das Wetter und die Uhrzeit wechselten und voranschritten, spürte Ginny nichts als Schmerz. Sie saß in einem nicht richtig bequemen Sessel und starrte hinaus in den Garten, der so wunderschön blühte. Als sie einmal mit Harry …
Sie unterbrach den Gedanken abrupt. Sie wusste immer nicht, was besser war. Die Erinnerungen an ihn zuzulassen und sie noch einmal zu durchleben oder sich lieber abzuschotten und zu versuchen, ihn zu vergessen, auch wenn das unmöglich war.
Jeder Tag war ein Kampf und sie hatte mehr und mehr das Gefühl, diesen Kampf schon längst verloren zu haben. Am Anfang hatte sie wenigstens noch versucht, weiterzuleben. Hatte auf der Beerdigung die anderen Opfer begraben und betrauert, hatte vor Harrys kleinem Kreuz gestanden, Rons Flüstern in ihrem Ohr: „Du darfst nicht zusammenbrechen, du darfst ihnen nicht zeigen, wie viel er dir bedeutet hat.“ Er selbst hatte dem kleinen Andenken an Harry nur ein kurzes Nicken geschenkt und war dann schnell weitergegangen, unerkannt.
Und schon wieder war sie bei Harry. Aber um sich abzulenken, ließ sie die Zeit seit seinem Tod weiter Revue passieren.
Nachdem alle wieder in den Fuchsbau zurückgekehrt waren, hatte Ginny angefangen, sich einen möglichst ausgefüllten und geregelten Tagesablauf zu erschaffen. Sie war jeden Morgen hinunter in die Küche gegangen, hatte eine Schüssel Müsli gegessen, versucht, ihre heulende Mum zu ignorieren, die zwischendurch zu ihr hinüberschielte, um dann nur noch lauter zu heulen. Dann war sie wieder nach oben gegangen, hatte ihr Zimmer aufgeräumt, bis es blank gewesen war. Hatte das restliche Haus auf Vordermann gebracht, war zum Abendessen in die Küche gegangen, um neben ihren Geschwistern zu sitzen und den erfolglosen Versuchen ihres Vaters zuzuhören, ein Gespräch in Gang zu bringen, während ihre Mutter bei jedem Thema angefangen hatte zu heulen wie ein Wasserfall. Was für Ginny immer unerträglich gewesen war, war der Moment, wenn ihre Mutter sie weinend an sich gedrückt hatte. „Für dich muss es ja noch viel schwerer sein als für uns andere. Du hast das Schönste in deinem Leben verloren.“ Wirklich unerträglich!
Sie hatte bis dahin, seitdem sie wieder zu Hause war, kein einziges Mal geweint. Sie verlor sogar jeden Respekt ihrer Mutter gegenüber, weil sie sich so gehen ließ, weil sie es nicht schaffte, weiterzumachen.
Dann kam der Abend, an dem sie ein Gespräch zwischen Charlie und ihrem Vater in der Küche belauschte – unbeabsichtigt. Sie wusste gar nicht, warum sie dieses Gespräch so sehr mitnahm, mehr mitnahm als die Beteuerungen ihrer Mutter, dass ihr Leben ohne Harry nun vorbei war. Doch es war das erste Mal gewesen, dass sie nach oben gerannt war, in Harrys und Rons leeres Zimmer. Und seitdem war sie noch verabscheuungswürdiger als ihre Mutter. Seitdem hatte sie sich noch kein einziges Mal aus diesem Stuhl fortbewegt, weder um sich zu waschen noch hinunterzugehen. Sie saß nur da.
Ihre Mutter kam herein und brachte ihr etwas zu essen. Sie schniefte und stellte mit zitternden Fingern den Teller neben ihr ab. Ginny starrte einfach nur in den Sonnenuntergang. Von ihrem Zimmer aus war er wunderschön. Da hatte Harry recht gehabt.
„Ginny, bitte iss etwas“, hauchte ihre Mutter, ihre Stimme rau wie ein Reibeisen. Warum hörte sie nicht endlich auf zu weinen? Warum tat ihre Mutter so, als würde die Welt zusammenbrechen, weil Harry gestorben war? Er hatte doch sterben wollen. Es war seine Entscheidung gewesen. Eine Entscheidung, für die sie ihn noch immer hasste. Die sie vielleicht nie verstehen würde. Er hatte versucht, ihr zu erklären, dass er sich opferte, damit sie alle Leben konnten, damit Voldemort endlich besiegt werden konnte, damit der Krieg vorbei war. Doch das war nun Monate her und der Krieg tobte noch immer, schlimmer als je zuvor.
Sie hatte gar nicht bemerkt, dass ihre Mutter noch immer auf sie einredete. „… alle sorgen. Vielleicht müssen wir jemanden um Hilfe bitten. Jemanden mit Ahnung.“
Ginny wusste, dass ihre Mutter von einem Heiler sprach. Eigentlich eine witzige Vorstellung und wenn Ginny nicht versucht hätte, so zu tun, als höre sie ihrer Mutter nicht zu, dann hätte sie jetzt auch gelacht. Denn ihre Mutter konnte sie nicht zu einem Heiler bringen. Was sollte sie dem Heiler sagen? Meine Tochter trauert um Harry Potter. Sie waren jahrelang heimlich zusammen und meine Tochter verkraftet seinen Tod nicht, aber das darf keiner Wissen, vor allem kein Heiler, wie Sie es sind, weil wir alle wissen, dass das St. Mungo schon lange infiltriert worden ist und Harry Potter, der geheime und jetzt tote Freund meiner Tochter, alles darangesetzt hat, damit Voldemort oder einer seiner Handlanger nie von meiner Tochter und seinen Gefühlen für meine Tochter erfährt, weil sie damit auf Voldemorts Abschussliste ganz oben stünde.
Ginny unterdrückte das in ihr aufsteigende Grinsen. Dieser Gedanke war eigentlich gar nicht witzig. Und vor allem total unrealistisch. Als würde ihre Mutter Lord Voldemort bei seinem Namen nennen.
Um dem stumpfen Schmerz, der in ihr pochte, endlich zu entfliehen, ließ Ginny die gerade in ihr aufsteigende Erinnerung zu, eine Erinnerung an schönere Zeiten.

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Im nächsten Kapitel gibt's dann den ersten Rückblick zwischen Harry und Ginny.
Einen schönen Sonntag!
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