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Liebe überlebt - eine Harry&Ginny-Geschichte

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Het
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Neville Longbottom Ronald "Ron" Weasley
17.07.2021
30.07.2021
5
8.805
2
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Dieses Kapitel
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17.07.2021 1.245
 
Dies ist meine erste Geschichte auf dieser Seite. Ich hatte auf einer anderen Fanfiction-Seite vor einigen Jahren schon eine ziemlich lange und mehrere kürzere Geschichte. Jetzt wurde es so langsam auch mal wieder Zeit :) Viel Spaß beim Reinschnuppern.

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Vorwort – 1999

„Bereust du es manchmal?“
Ginnys Kopf ruckte hoch. Ihre Augen waren stechend und blutunterlaufen. „WAS?“, fragte sie scharf.
„Jetzt, wo du weißt, wie all das geendet hat“, er stockte und wurde vorsichtig, „da frage ich mich, ob du es nicht manchmal bereust?“
Ginny musterte ihn verwirrt. Er räusperte sich verlegen. „Na ja, mich würde nur interessieren, ob… jetzt, wo du weißt, dass es ein schlechtes Ende genommen hat, ob es dir da nicht lieber wäre, wenn du all das nie zugelassen hättest, sondern dich von ihm ferngehalten hättest. Es hat dir ja eigentlich nur Schmerzen eingebracht und Trauer.“
Er senkte rasch den Blick, weil Ginny ihn anstarrte. Schmerzen und Trauer. Ja, das war genau das, was sie seit einiger Zeit fühlte. Schmerzen und Trauer und WUT. Unbändige Wut. Aber die Frage, ob es besser gewesen wäre, wenn all das nicht passiert wäre, zwischen ihr und ihm, hatte sie sich noch nie gestellt. Sie hatte es als gegeben hingenommen, als unerschütterliche Tatsache. Doch jetzt, wo ihr diese Frage gestellt wurde, musste sie darüber nachdenken.
Ja, vielleicht wäre es besser gewesen, wenn all das nie passiert wäre. Sie hätte ein normales Leben gehabt mit viel weniger Angst. Sie hätte sich nicht ständig sorgen müssen, nicht die Zeitungen verfolgen müssen, ob sie über seinen Tod berichteten. Sie hatte immer Angst gehabt, aus der Zeitung zu erfahren, dass er tot war. Sie hatte sich versucht, auf die Trauer und den Schmerz vorzubereiten, jeden Morgen, wenn sie den Tagespropheten auf dem Tisch hatte liegen sehen. Jedes Mal der Schock, wenn sein Gesicht darauf zu sehen war und dann die Erleichterung, dass es nur ein Artikel darüber war, dass der Unerwünschte Nummer 1 noch nicht gefasst worden war und die Bevölkerung um Mithilfe gebeten wurde. Ginny hatte dann immer grinsen müssen, wenn sie gesehen hatte, dass es trotz des steigenden Kopfgeldes niemand geschafft hatte, ihn zu fangen. Vielleicht hatte sie selbst irgendwann geglaubt, dass er unbesiegbar war.
Doch dann hatte sie auf die harte Tour lernen müssen, dass auch ein Held ein Mensch blieb. Mit menschlichen Gefühlen und mit der menschlichen Sterblichkeit. Ein Fluch reichte aus, um ihn zu töten, vor allem wenn dieser Held sterben wollte, nach eigener Aussage - sterben musste. Sie hatte es bis zum Schluss nicht glauben wollen. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie seinen Leichnam gesehen hatte. Wie er dort an Voldemorts Füßen gelegen hatte, kalt und leblos. Und vielleicht hatte sie es selbst da noch nicht geglaubt, hatte den Worten nicht getraut, die Voldemort gesprochen hatte, denn sie hatte das Gefühl gehabt, dass sein Herz noch schlug, weil sie gedacht hatte, sie würde es merken, wenn er sterben würde. Ihr Herz würde ihr Bescheid sagen, wenn er sie für immer verlassen hatte. Seitdem hasste sie ihr Herz, denn es hatte sie betrogen und sie in einen Schlamassel gebracht und ließ sie jetzt darin verrotten. Warum zum Teufel konnte sie nicht weitermachen? Es musste doch weitergehen! Ihr Verstand sagte ihr das die ganze Zeit. Es musste weitergehen. Es musste ein Leben ohne ihn geben. Aber ihr Herz steckte in einem tiefen Sumpf und wollte nicht daraus kommen. Sie wünschte sich, dass dieser Schmerz und dieser Ozean der Trauer endlich vergehen würden, aber er ging nicht weg. Wenn es doch nur nie passiert wäre, wenn sie diesen Schmerz doch nur nie gefühlt hätte…
Es war das erste Mal, dass sie diese Gedanken hatte und unwillkürlich stellte sie sich die Frage: Bereute sie es wirklich, dass es all das zwischen ihr und ihm gegeben hatte und dass sie deswegen nie wieder wirklich glücklich sein würde?
Ja, dachte sie plötzlich in ihrem tiefsten Innern. Es wäre viel besser für sie gewesen, wenn all das nie passiert wäre. Wenn er sie nicht geküsst hätte – wieder und wieder, und sie damit immer weiter in seinen Besitz genommen hätte. Wenn er nicht seinen Arm um sie gelegt hätte, um sie an sich zu ziehen und sie näher bei sich zu spüren. Wenn er nicht ihre Hand gehalten hätte, während sie heimlich durch die Korridore liefen. Wenn er sie nicht ständig mit einem verschmitzten Lächeln angesehen hätte, als würde seine ganze Welt sich um sie drehen. Wenn er sie nie aus seinen wundervollen grünen Augen angesehen hätte, als könne nur er sie vollkommen verstehen und als wüsste er ganz genau, was gerade in ihr vorging. Wenn das alles nicht passiert wäre, dann wäre sie in dem Moment von Harrys Tod nicht mit ihm gestorben. Dann hätte es für sie ein Leben danach gegeben. Sie hätte seinen Tod betrauern können, wie sie den Tod eines jeden ihr nur wenig bekannten Menschen betrauert hätte.
Sie schloss die Augen und wünschte sich mit aller Kraft, dass sie Harry Potter nie begegnet wäre. Dass sie sich in seinen Armen nie so wohlgefühlt hätte, bei seinem Lächeln nie so atemlos, bei seinen Küssen nie so, als würde die Welt plötzlich stehen bleiben.
Ein Schmerz durchzog sie, der noch viel schlimmer war als alles andere, was sie seit Wochen fühlte. Wie konnte sie nur glauben, dass es besser gewesen wäre, wenn sie all das nie gefühlt hätte? Wenn sie über die schönsten Augenblicke ihres Lebens nachdachte, dann waren es die Augenblicke mit ihm, die Augenblicke, in denen sie sich als etwas ganz Besonderes gefühlt hatte, weil sie wusste, dass sie für ihn einzigartig gewesen war. Sie hatte das Gefühl, jede seiner Berührungen auf ihrem Körper erneut zu spüren und Stromstöße schossen durch ihre Adern. Sie hatte das Gefühl, jeden Kuss noch einmal zu schmecken und eine ihr lange vorenthaltene Süße zog sich durch ihren Mund. Sie hatte das Gefühl, noch einmal seine Seelenverwandte zu sein und ihre zerstörte Seele salbte sich an der Erinnerung.
In diesem Moment akzeptierte sie, dass es für sie nie einen anderen Weg gegeben hatte. Wenn sie noch einmal Leben würde, dann würde ihr Leben genauso ablaufen und sie würde wieder hier sitzen und an seinem Verlust zu Grunde gehen. Denn das war es wert gewesen. Egal wie viel Schmerz ihr ihre Liebe zu ihm schon bereitet hatte und noch bereiten würde, es hatte ihr auch die schönsten Gefühle ihres Lebens beschert. Und solange sie manchmal in der Lage war, diese Gefühle wieder aufzuwecken, diese Erinnerungen an ihn aus der Tiefe ihrer Trauer zurückzuholen, würde sie weiterleben können, irgendwie. Nur für diese Erinnerungen.
Sie sah ihren Gegenüber an und sagte: „Auch wenn ich wünschte, dass es ein anderes Ende gäbe, werde ich diese Zeit mit ihm immer in Ehren halten, und selbst wenn ich vorher gewusst hätte, wie es zwischen uns ausgeht, dass es für uns kein Happy End geben würde, würde ich alles noch einmal genauso machen. Denn all das war es wert!“
Ihr Gegenüber schien jetzt wirklich an ihrem Geisteszustand zu zweifeln. „Was meinst du damit?“
In diesem Augenblick verzogen sich Ginnys hohle, blasse und ausgezerrte Wangen zum ersten Mal seit Monaten zu dem Anflug eines echten Lächelns. Es fühlte sich merkwürdig auf ihrem Gesicht an, als wenn ihre Muskeln diese Mimik gar nicht mehr gewohnt waren. Sie sah der Person fest in die Augen und sagte mit Entschlossenheit und vollkommener Gewissheit:
„Was ich damit meine? –
ICH BEREUE NICHTS!“

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Ich hoffe, dieser kleine Einblick hat euch gefallen. Im nächsten Kapitel geht's dann richtig los.
Ich würde mich über Reviews freuen.
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