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High Expectations

OneshotRomance / P16 / MaleSlash
Haruka Nanase Makoto Tachibana
16.07.2021
16.07.2021
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"Das ist beachtlich! Du bist der ganze Stolz unserer Schule."

"Du darfst dein Talent nicht vergeuden."

"Ich erwarte viel."

"Du darfst nicht weglaufen. Wenn du wegläufst endet dein Leben in einer Sackgasse!"

"Fertig.... Los!"

Er fiel.
Was war das nur für ein Gefühl? Der Boden war so weit entfernt, doch trotzdem näherte er sich viel zu schnell. Wenn er auf die Oberfläche aufkommt, würde er in tausende Teile zerspringen, da war er sich sicher.
Das Wasser sah so grausam aus. Als würde es seine dunklen Fänge nach ihm ausstrecken und dann wäre nichts mehr von ihm übrig. Getilgt vom Erdboden sprachen alle nur noch von dem talentierten Jungen, der nichts erreicht hat. Sein Leben war leer.
Er wird ertrinken.

Mit rasendem Herzschlag und weit aufgerissenen Augen saß Haruka in seinem Bett. Er hatte bei seinem Erwachen einen dumpfen Schrei ausgestoßen, der noch immer in der dicken Luft des Zimmers hing. Ein Traum. Doch dieser Traum spiegelte seine Gefühle wohl besser wieder, als er sie selbst ausdrücken konnte.
Haru fuhr sich mit einer Hand fahrig durch die dunklen Haare, die durch den Schweiß in seinem Gesicht klebten. Erst dann viel ihm auf, dass es sich bei seiner Umgebung nicht um seine Wohnung handelte. Die Matratze war ein wenig weicher und auch der Geruch unterschied sich.

Bei ihm zuhause konnte man in der Luft immer einen Hauch von gebratenem Fisch wahrnehmen. Hier hingegen roch es einfach nur nach Putzmitteln und war das Pfefferminzzahnpasta? Auch die Note von frischem Grüntee kitzelte in seiner Nase, als er versuche sich zu konzertieren. Pfefferminzzahnpasta und Tee... er kannte eigentlich nur eine Person, die stätig von diesem angenehmen Duft begleitet wurde. Allein der Geruch seines besten Freundes ließ Harus Herzschlag etwas geregelter werden.

"Erinnerst du dich an letztes Jahr Haru? Wir konnten vor dem Turnier alle nicht schlafen und du bist mitten in der Nacht joggen gegangen nachdem..."
Makotos Stimme war sanft wie das träge Wasser in einem friedlichen Fluss. Haru erkannte, dass er in seine Richtung sprach und das er ihn sicherlich beobachtete, doch er hatte sich noch nicht genug gefangen, um sich bewegen zu können. Er fühlte sich elend.
Wasser war immer sein Element gewesen. Durch dieses hatte er sich nie einsam gefühlt, selbst wenn seine Eltern sich monatelang nicht blicken ließen. Es war für ihn da und umhüllte ihn schützend.

Jedes Mal, wenn jemand in seinem Umfeld von Wasser oder einem Schwimmbecken sprach, glänzten seine Augen wie die eines Kindes an Weihnachten. Es war eine innere Wärme, die sich nur in ihm ausbreitete, wenn er seine Finger durch das kühle Nass gleiten ließ.
Oft hatte er es nicht leicht im Umgang mit Menschen. Für ihn war es angenehmer sich vor anderen zu verschließen obwohl er sich nicht erst einmal gefragt hatte, ob er vielleicht einfach nicht in der Lage dazu war, so viele Emotionen zu empfinden. Bei der Beobachtung anderer Menschen und besonders bei Nagisa, überkam ihn manchmal das Gefühl, dass es spannend wäre, mal so wie der aufgedrehte Blondschopf zu empfinden. So viel Wärme.
Doch wenn er Freistil schwimmen konnte oder mit seinen Freunden zusammen eine Staffel bestritt, war ihm diese Wärme in seinem Herzen vollkommen ausreichend. Er wollte einfach nur schwimmen.

Das war der Grund dafür, dass er in diesem Augenblick das Gefühl hatte zu zerbrechen. Da war nichts mehr an der Stelle, an der seine Liebe für den Freistil war. Alle schienen ihn in eine bestimmte Richtung drängen zu wollen und er fühlte sich wie ein eingesperrtes Tier. Als hätte man ihm die Flügel gestutzt um ihn seiner Freiheit zu berauben. Das Wasser wurde seit dem Zeitpunkt an dem man ihm freudig mitgeteilt hatte, dass sich Talentscouts für ihn interessierten, zu einem eisigen Gefängnis. Wofür das ganze eigentlich? Was waren seine Ziele und Träume? Solche Gedanken machten ihm nun eine höllische Angst und schnürten ihm gleichzeitig die Kehle zu.

"Damals hast du gesagt, dass du froh bist, dass ich für dich da bin. Ich möchte auch jetzt an deiner Seite sein Haru. Du musst deine Probleme nicht alleine lösen!"
Das dunkle Ozeanblau in Harus Augen traf auf beruhigendes Grün. Wie war es Makoto nur möglich, solch eine Ruhe auszustrahlen? Seine bloße Präsenz schien die Zeit zu entschleunigen und gab dem Dunkelhaarigen die Chance, endlich wieder zu Atmen.

"Das ist nichts wobei du mir helfen kannst Makoto.", gab Haru eine Antwort und ließ sich etwas tiefer in die Kissen sinken. Seine Hände zitterten.
Dann hörte er, wie eine Bedecke zurückgeschlagen wurde und im nächsten Moment sank die Matratze neben ihm ein Stück ein. Makoto saß nun in Harus Bett und dieser versuchte die Hand zu erreichen, die in seiner Reichweite war, doch Haru drehte sich auf die andere Seite. Sein Freund sollte nicht merken, wie schlimm seine Verfassung wirklich war. Wie kurz er davor stand zu zerbrechen.

"Haru. Du hast Recht. Ich kann dir deine Sorgen nicht abnehmen. Aber ich bleibe trotzdem an deiner Seite. Auch Rei und Nagisa machen sich Sorgen. Du bist nicht allein Haru." Die Worte brachten Haruka dazu seinen Kopf tiefer in sein Kissen zu vergraben. Wieso nur machten sich alle Sorgen um seine Zukunft? War es nicht seine Sache was er mit seinem Leben anstellte?
"Geh zurück in dein Bett Makoto. Ich hab genug von solchen Ansprachen..."
Doch Makoto rührte sich nicht. Vielmehr tat er das Gegenteil, als er einen Arm schützend um die schmalere Gestalt vor ihm legte und sprach. "Ich werde nicht zulassen, dass du deiner eigenen Sturheit ins Messer läufst. Schrei mich jetzt an oder trete mich aus deinem Bett heraus, aber das ändert nichts. Ich bleibe hier Dummkopf."
Haru versteifte sich unter der Bedeutungsschwere dieser Worte und für einen Augenblick war dort wirklich rasende Wut. Er wollte ihn anschreien, dass seine Zukunft ihn nichts anging und er sich einfach raushalten sollte, doch nicht ein Ton kam ihm über die Lippen.

Was war das? Seit Makoto ihm so nah war, war ein Teil dieser Wärme, die Haru nur beim Schwimmen empfand, zurück in seine Brust gekehrt. Dabei war hier weit und breit kein Wasser. Löste dieses Gefühl gerade die Person neben ihm aus? Gab es die Möglichkeit, dass sowas passieren konnte?
"Makoto... ich fühle mich merkwürdig."
Makoto, der sicher nicht mit so einer Reaktion gerechnet hatte, hielt inne und versuchte die Gedanken in seinem Kopf zu sortieren. Merkwürdig? Was bedeutet merkwürdig?
"Mein Herz schlägt... komisch. Mir ist warm und... du bist warm Makoto."
Hatte er seine Gedanken etwa laut ausgesprochen oder brabbelte Haru nun einfach vor sich hin? Der Dunkelhaarige hatte sich auf den Rücken gedreht und sah etwas verwirrt zu dem Arm hinab, der noch immer um seinen Oberkörper geschlungen war. So warm.

Makotos Wärme war wie...Kleber. Er schien die Teile, die von Haru abzusplittern drohten, festzuhalten und ihn wieder zusammenzusetzen. Es war ganz komisch, aber er fühlte sich plötzlich so vollständig. Aus diesem Grund streckte sich Haru der Wärme entgegen und war überrascht, als sein eigener Kopf auf Makotos Brust zur Ruhe kam.
"...Haru!"
War das Kuscheln? Kuschelte er gerade mit Makoto? Taten sowas nicht nur Pärchen?
Die Verwirrung in Harus Kopf war mittlerweile an seiner gesamten Haltung zu erkennen. Doch es war sicher richtig, wenn es sich so anfühlte.
"Du bist wie Wasser Makoto. Ich hatte so viel Angst und Wut in mir, doch du scheinst das alles wegzuspülen. Wie?"
Haru richtete sich ein Stück auf und sah seinem Kindheitsfreund mit ehrlicher Neugierde in die Augen. Dabei erkannte er, dass sich eine zarte Röte auf Makotos Gesicht ausgebreitet hatte. Süß.

"Jeder versucht mir zurzeit zu sagen was ich tun soll. Ich versuche ja einen Traum zu finden, für den ich meine Ziele stecken kann. Wirklich. Aber es ist schwer okay? Es ist so verdammt schwer und ich habe das Gefühl nur noch auf der Stelle zu treten." Makoto erkannte, dass sich Tränen in den Augenwinkeln seines Freundes sammelten und er wollte ihm etwas tröstendes sagen, doch die nächsten Worte, die aus Harus Mund purzelten, veränderten alles. "Willst du mein Traum sein Makoto?"

Harus Stimme war nur ein Flüstern gewesen und er kniff ängstlich die Augen zusammen. Was war bloß in ihn gefahren? Wieso fragte er seinen Freund sowas seltsames? Makotos Lippen waren wirklich verdammt weich... warte... WAS?
Harus Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als er tatsächlich den leichten Druck von Makotos Lippen auf seinen eigenen spürte.

"Abfer Makoscho ich binf ein Junge!", nuschelte der Junge mit den ozeanfarbenen Augen gegen die Lippen des anderen, die sich zu einem Grinsen verzogen, ehe Makoto wieder etwas Abstand zwischen den beiden herstellte.
"Ach wirklich?"
Haru spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Als hätte Makoto das nicht gewusst. Aber hieß das... "Heißt das... du magst mich?"

Makoto ließ seinen Kopf etwas zur Seite kippen und Lächelte. Eins von diesen wunderschönen Lächeln, wo er die Augen schloss. Dann überbrückte der Größere erneut die Distanz zwischen ihnen. Diesmal war der Kuss nicht ganz so unkoordiniert. Haru war zwar unglaublich durcheinander, doch als er die Zärtlichkeit spürte die von Makoto ausging, schlug sein Herz in seiner Brust wie ein kleiner Kolibri. Er hob seine Hände um sie in den weichen Haaren in Makotos Nacken zu vergraben und spürte ein Kribbeln, als er von zwei starken Armen in Makotos Schoss gezogen wurde. Haru fand die neu dazugewonnene Nähe nicht ansatzweise störend und nach ein oder zwei Minuten schmiegte er sich an Makotos Oberkörper, während ihre Lippen immer wieder süß und unschuldig aufeinandertrafen.
So verging eine ganze Weile, ehe Haru sich vorsichtig traute seine Lippen gegen die seines Freundes zu bewegen. Dadurch verlor der Kuss etwas an Unschuld und ein schwindelerregendes Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit. Makotos Hände wanderten derweil über Harus Rücken und hinterließen überall eine Wärme, die Haru so noch nie in seinem Leben gespürt hatte.

"Ich hoffe das zählt als Antwort", sagte Makoto nachdem sie sich durch Luftmangel voneinander lösen mussten. Seine Wangen hatten einen tieferen Rotton angenommen, was Haru irgendwie gefiel.
"Ich verstehe die Situation nicht. Aber das hier...", Haru deutete mit schüchternem Gesichtsausdruck erst auf Makoto und dann auch sich selbst "mag ich."
Ein leises Lachen war zu hören und Haru spürte, wie Makotos Körper anfing sich zu diesem Geräusch zu bewegen, bis er sich schließlich nach hinten fallen ließ und lauthals lachte. Haru verstand nicht was so witzig war. Vielleicht war er ein grauenvoller Küsser?

Mit hochrotem Kopf stemmte er seine Arme rechts und Links neben Makoto ab und ließ sein Gesicht nur wenige Zentimeter über dem des anderen schweben. Das brachte den Lachanfall zumindest zum erliegen.
"Tut mir leid Haru. Du bist viel zu süß, wenn du durcheinander bist. Aus deinem Gesichtsausdruck kann man wirklich lesen."
Makoto gab seinem Freund noch einen kurzen Kuss auf die Lippen und entspannte sich dann. "Schön, dass du dich auf meine Kosten amüsieren kannst...", grummelte Haru und verpasste das kurze Aufblitzen in Makotos Augen, ehe dieser nach Harus Arm griff und sie in einer schnellen Bewegung herum drehte. Nun war Makoto es, der Haru mit sanftem Druck in die Matratze pinnte. Noch bevor der Kleinere etwas realisieren konnte war er wieder in einem Kuss verwickelt, der diesmal ein wenig harscher war. Als er Makotos Zunge spürte, die über seine Unterlippe fuhr, konnte Haru nicht mehr anders als seinen Mund einen Spalt breit zu öffnen und seinem Freund Einlass zu gewähren. Das war definitiv eine andere Art der Zuneigung, die Haru wie eine Flutwelle mit sich riss. Sogar ein zartes Stöhnen wurde ihm entlockt, als Makoto seine Mundhöhle erkundete und den Kuss dadurch so viel intensiver machte. Noch nie hatte er einen anderen Menschen auf diese Weise gespürt und es war unglaublich, wie diese Person jeden negativen Gedanken in seinem inneren durch dieses warme Kribbeln austauschte. Der feuchte Muskel in seinem Mund kämpfte um Dominanz und ihm war es recht, dass Makoto diese Auseinandersetzung gewann. Es war unbeschreiblich wie er den anderen Körper wahrnahm, der sich fordernd gegen seinen eigenen presste und er gab einen wehmütigen Laut von sich, als ihm diese Nähe schließlich genommen wurde.

"Ich glaube eher, dass du dich genauso amüsierst wie ich." Makotos Stimme war ein wenig rauer als sonst und seine freche Wortwahl war so ungewohnt, dass Haru sich fragen musste, ob er träumte. Nein. Das war echt. Das war echt und er wollte unbedingt mehr davon. Mehr von dem Menschen mit dem er aufgewachsen war, aber den er nie mit solch einem Blick wie jetzt betrachtet hatte. Es hatte sich heute einiges geändert, doch Haru war einfach glücklich. Nun konnte er mit einer aufgeregten Spannung in die Zukunft schauen. Wie immer hatte Makoto es geschafft seine Welt zu retten und vielleicht würde es seine Zeit brauchen um diese neue Verbindung zwischen ihnen zu definieren aber das war etwas, worauf sich Haru freute.

"Wir sollten schlafen. Das Turnier morgen wird anstrengend."
Haru gehorchte und kuschelte sich mit einem Lächeln auf den Lippen an Makoto, der seinem Freund noch einen Kuss auf die Stirn gab, ehe er den Kleineren in seine Arme zog.
"Gute Nacht Makoto."
"Gute Nacht Haru."







[Schreibt gerne, wenn euch die Story gefallen hat x3 Ich überlege noch einen OS zu verfassen der sich mit Harus Reise und Rückkehr nach Australien befasst (Staffel 2 vom Anime)
Ansonsten danke fürs Lesen <3]
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