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A Dragon's Dream

von Aristea
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
16.07.2021
12.04.2022
18
65.859
8
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04.08.2021 3.483
 
Kapitel 3 - A Dragon's Friends


Sapnap: George auf deinem Haus liegt ein Drache.
GeorgeNotFound: Ich weiß, das ist Dream.


Er könnte eine Pause vertragen. Seit Stunden las er sich durch Bücher über das End. Eine freundliche Leihgabe von Ranboo, der sie aus der Bibliothek einer Festung hatte. Sein linker Oberarm pochte schmerzlich. Dort wo ihn der Pfeil am Vorabend getroffen hatte. Aber die Verletzung war nicht gefährlich und er wollte sich seinen Vorrat an Heiltränken für etwas Ernsteres aufsparen, zumal er keine Zutaten hatte neue Tränke herzustellen.

Dream lag auf dem Dach seines Hobbithauses und schlief. George konnte seinen grünen Schweif vor einem der Fenster baumeln sehen. Am anderen hing ein Vorderbein mit Krallen herab. Momentan war alles gut. Die Leute hier regten sich nicht über einen Drachen auf, solange dieser ihnen keinen Grund dazu gab.

An seiner Tür klopfte es. Seufzend legte er das Buch weg, schob seine Brille in die Haare, erhob sich von seinem Tisch und ließ Sapnap herein. Der andere Junge sah ihn kurz an und zeigte mit einem Finger an die Decke.
"Das ist Dream?"
"Lange Geschichte.", antwortete er und winkte ihn hinein. Er ignorierte das Ziehen, was die Bewegung in seinem bandagierten Arm verursachte.
Sapnap schlenderte eine Weile umher, bevor er sich vor eines der Fenster hockte und die dort herabhängenden weißen Krallen betrachtete. Für einen Moment war er still, zupfte sich gedankenverloren an den Haaren, dann fragte er:
"Schon eine Idee, wie wir es rückgängig machen können?".
George schüttelte den Kopf und griff sich eins der Bücher, die aufgestapelt auf seinem Tisch lagen.
"Nein, in den Wälzern steht nichts darüber. Über Enderdrachen ja, doch bisher habe ich keine nützlichen Informationen gefunden."
"Was ist überhaupt passiert?", fragte Sapnap, wande seinen Blick vom Fenster ab und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
"Ich habe gesehen, dass ihr das Achievement des End bekommen habt. Wieso wart ihr dort?"
"Wir wollten den Spawn einbauen. Als Sicherheitsmaßnahme, damit niemand ins End geht. DreamXD war einverstanden, er hat uns das Bedrock dafür beschafft. Als ich ankam war Dream schon vorausgegangen. Ich hab unseren Job erledigt, vom Enderdrachen und Dream war keine Spur zu sehen, abgesehen davon..."
George wühlte in seinem Inventar und zog die weiße Smiley Maske hervor. Beim Anblick der Gesichtsbedeckung weiteten sich die Augen seines Gegenüber. Sapnap streckte kurz eine Hand nach der Maske aus, zog sie dann aber zurück als wäre ihm die Sache nicht geheuer.
"Hast du ihn je ohne gesehen?", fragte der Schwarzhaarige.
"Nein, nie. Er hat sie immer getragen.", sagte George und packte die Maske wieder weg.
"Als ich ihn fand, hing er an einer der Obsidiansäulen. Dann ist er durch das Portal und im Community Haus gespawnt."
"Und warum hat er es bis auf die Grundmauern zerlegt? Wir haben das Haus gemeinsam gebaut, ich hätte etwas mehr Respekt seinerseits erwartet."
"Ich glaube nicht, dass er begreift was vor sich geht.", sagte George und strich sich durch die dunklen Haare. Es war schlicht zuviel für einen Tag. Sein Auffassungsvermögen war erschöpft. Ja, eine Pause. Angeln wäre schön oder ein wenig in den Minen nach Schätzen graben. Es war lange her, seit er sich körperlich beschäftigt hatte.

Sapnap stieß ihm mit dem Ellbogen in die Seite und sagte mit einem hinterhältigen Grinsen im Gesicht:
"Eigentlich ist es doch nicht schlecht. Wenn nochmal ein Krieg angezettelt wird, haben wir einen Drachen."
"Er ist keine Waffe Sapnap.", murmelte er.
"Das sagen sie von Technoblade auch immer und dann schwingen sie ihn wie eine Klinge."
"Richtig und deshalb hat sich Technoblade auch gegen sie gerichtet. Weil er benutzt wurde. Weil er verraten wurde. Was glaubst du wird Dream in seinem jetzigen Zustand tun, wenn wir das Gleiche mit ihm versuchen?"
"Den ganzen Server niederbrennen? Man, ich will dabei sein, wenn das passiert.", fand Sapnap, offenbar wenig besorgt über die Konsequenzen. Er lachte kurz und stieß ihn erneut.
"Jetzt komm schon! Deine Recherche kann warten. Wir haben einen Drachen, lass uns was damit anfangen!"

George hatte das Gefühl vor eine Wand zu reden, wann immer er mit Sapnap sprach. Vielleicht zeigte sich da auch schlicht der Altersunterschied. Oder er sah die Dinge von vorneherein anders. Ihm lag nichts daran, Dream wie ein Spielzeug oder eine Waffe zu benutzen. Was mit dem Community Haus passiert war, hatte nicht in Dreams Absicht gelegen. Er war verwirrt gewesen, hatte Angst gehabt. George wollte sich nicht ausmahlen was passieren würde, sollte er tatsächlich wütend werden. Er war schon als Mensch gefährlich genug. Er hatte Wilbur das TNT verschafft um Manberg in die Luft zu sprengen. Er hatte mit Technoblade die Wither verteidigt um das Land dem Erdboden gleich zu machen. Was würde er anrichten können, wenn er ein Drache war?

Er hörte ein Fauchen von draußen und erschrak. Ein schneller Rundumblick durch das Haus zeigte, dass Sapnap verschwunden war. Die ruhig baumelnden Krallen und der Schwanz vor den Fenstern waren fort.
"So ein Mist!"
Staub rieselte von der Decke, George eilte heraus und sah nach oben. Dream schnaubte, schüttelte sich und trampelte mit seinen Klauen auf dem grasbewachsenen Hügel herum. Seine Flügel schlugen durch die Luft, Windstöße drückten das Gras nieder. Er öffnete das Maul, grollte verärgert und warf den Kopf hin und her wie ein bockendes Pferd. Sapnap hockte als im Vergleich zu dem Drachen lächerlich kleine Person auf dessen Rücken, hielt sich an der dunkelblonden Mähne fest und lachte aus vollem Hals.
"Guck mal ich reite ihn!"
"Geh runter da, er hasst es!"
Zu seiner Überraschung gehorchte Sapnap und ließ sich mehr oder weniger freiwillig abwerfen. Etwas unsanft landete er im Gras, rappelte sich jedoch wieder hoch und hob beschwichtigend die Hände, als Dream sein Maul vor ihn schob und zwei Reihen todbringender Raubtierzähne entblößte.
"Hey chill Kumpel, war nur ein Spaß."
Kiefer schnappten aufeinander, Sapnap ging einen Schritt rückwärts und wäre dabei fast den runden Hang der das Dach von Georges Haus darstellte heruntergefallen. Er fing sich noch rechtzeitig.
George, gewissermaßen überrascht, dass die Situation nicht in einer Katastrophe ausgeartet war, sah zwischen seinen Freunden hin und her und fragte sich wie es weitergehen sollte.
"Hey George, ich hab eine Idee."
Irgendwie ahnte er, dass diese "Idee" nicht die Lösung war, die er brauchte, aber er drehte sich zu Sapnap und hob eine Braue. Der Schwarzhaarige richtete sich sein weißes Stirnband, was während der Reittour verrutscht war. Mit den Fingern spielte er an den offenen Enden des Bandes herum.
"In Geschichten werden Flüche oder Verwandlungen doch durch einen Kuss aufgehoben."
Wie er es gewusst hatte...
"Du könntest ihn einfach küssen, vielleicht bringt es was."
"Warum küsst du ihn nicht?", gab er zurück und verschränkte herausfordernd die Hände. Ihm fielen fast die Augen raus, als er sah, wie Sapnap zu Dream heranging, dessen Maul mit beiden Händen packte und ihm einen sehr laut schmatzenden Kuss mitten auf die Schnauze gab.
"Eeeww..."

Dream riss den Kopf zurück, brüllte Sapnap an und wand sich ab um seine Schnauze am Boden abzuwischen.
"Das Bild bekomme ich nie wieder aus dem Kopf...", murmelte George, als Sapnap sich lächelnd zu ihm umdrehte.
"Du bist an der Reihe."
"Ganz sicher nicht, guck ihn dir an, es hat sich nichts getan."
Das hatte sich auch nicht, Dream sah nach wie vor wie ein großes grünes schuppiges Reptil mit Flügeln und einer Mähne aus. Eine Veränderung konnte er nicht feststellen nur, dass Dream sehr intensiv seine Nase am Boden abrieb.

"Du willst dich nur drücken. Tu es einfach, küss ihn."
"Nein!", schnaubte George und versuchte die aufsteigende Röte auf seinen Wangen zu unterdrücken. Das war einfach nicht richtig. Er konnte Dream nicht küssen, egal wie er aussah.
"Küss ihn!", forderte Sapnap nachdrücklich.
"Nein, verdammt!"


---


Menschen waren merkwürdig. Manche zumindest. War er nicht selbst ein Mensch? Er war sich nicht sicher.
Dream wischte sich seine angesabberte Schnauze am Gras ab. Widerlich, Sapnap hatte ihn geküsst. Als ob das ihre Probleme lösen würde. Er leckte sich die Klauen und strich sich anschließend damit über die Nase. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seine zwei Freunde, wie sie sich gegenseitig anschrien. Ein Kuss würde ihn auch nicht zurückverwandeln und offenbar hatte George auch in den Büchern nichts gefunden. Grummelnd streckte er sich und schwang seine Flügel. Hier war es langweilig. Er hatte Hunger... schon wieder.

George bemerkte seine Unruhe, trat an ihn heran und strich ihm über die Schulter. Die Berührung beruhigte ihn augenblicklich.
"Ich habe Bad angeschrieben, er sollte gleich mit was zu Essen hier sein."
Das klang gut, sein Magen machte nachdrücklich klar, dass er gefüllt werden wollte.
"Hat er nicht gestern eine ganze Horde Rindviecher verschlungen?", fragte Sapnap. Der Schwarzhaarige verstand mal wieder gar nichts. Das war Gestern gewesen, er hatte JETZT Hunger.

Ihm kamen die Manhunts in den Sinn. In anderen Welten, wenn seine Freunde versuchten ihn davon abzuhalten den Enderdrachen zu töten. Der Gedanke an die Hetzjagd machte ihn nervös. Nein nicht nervös... kribbelig. Der Wind in seinem Haar, Krallen die über den Boden galoppierten, Flügel. Er konnte fliegen, sie würden ihn nicht fangen. Er würde sie fangen. George würde vor ihm wegrennen. Er würde schreien wie er es immer tat. Und dann könnte er ihn auffressen.
Dream stieß die Luft aus. Er blinzelte und legte den Kopf schief. Warum dachte er sowas? Der Hunger verdrehte ihm den Kopf. Zuviel Hunger. Sapnap hatte Recht, wie konnte er nach dem Festmahl gestern schon wieder soviel Hunger haben?

"Leuteeeeee!!"
Er fuhr herum und erspähte BayBoyHalo der aus der Ferne angerannt kam. Ein eigenartiges Gefühl von Vertrautheit durchströmte ihn. BayBoyHalo war ein Dämon. Er hatte Krallen, scharfe Fangzähne, einen Schwanz. Genauso wie er selbst momentan. Auch fiel ihm auf, dass Bad anders roch als George oder Sapnap. Nicht nach einem Menschen.
"Hey Dream."
Ihn schien es nicht einmal zu wundern wie er aussah. Bad war... Bad. Ein Lächeln auf den Zügen, seine weißen Augen leuchteten voller Freude. Er ignorierte George und Sapnap, trat heran und musterte ihn.
"Wow... so schöne Augen!"
"Soll das ein Flirtversuch sein?", fragte Sapnap im Hintergrund.
"Nicht unbedingt, ich hab nur noch nie seine Augen gesehen. Hier Großer."
Dream roch das Essen, bevor Bad es aus seinem Inventar kramte. Sofort sperrte er den Mund auf und ließ sich einen Strom roher Steaks in den Rachen werfen. Tot. Kein lebendiges Futter. Kein Blut. Nicht so gut wie ein Tier direkt zu erledigen und runterzuschlucken, aber immerhin was zu Essen.


---


"Das kann nicht so weitergehen.", fand George, während er Bad bei der Raubtierfütterung beobachtete. Sapnap lehnte sich an ihn, er trat einen Schritt beiseite, sodass der Schwarzhaarige das Gleichgewicht verlor und sich nur mit einem Ausfallschritt retten konnte. Mürrisch raffte er sich auf.
"Wieso es läuft doch besser als erwartet. Er benimmt sich, er macht nichts kaputt. Vielleicht ist es besser als vorher."
George wollte widersprechen, doch Sapnap schnitt ihn ab, bevor er etwas sagen konnte:
"Nein, denk darüber nach. Dream war skrupellos in letzter Zeit. Diese Schlacht bei du erst am Ende erschienen bist, DREAM und Techno haben sie angezettelt. Die beiden haben Manberg im eine Kraterlandschaft verwandelt."
"Sie hatten Gründe... Und Wilbur hat auf den Knopf gedrückt.", bemerkte George leise.
"Nachdem Dream ihm das TNT beschafft hat. Hey!" Hände legten sich auf seine Schultern, drückten zu und zwangen ihn Sapnap anzusehen.
"Ich habe an diesem Tag an seiner Seite gekämpft, aber das ändert nichts daran, dass er zu weit geht. Das hier..."
Er nickte zu Dream, der geräuschvoll ein rohes Steak nach dem anderen verschlang. Bad kicherte und streichelte ihm die feingeschuppte Schnauze.
"... es tut ihm vielleicht gut. Ich sage nicht, dass wir ihn so lassen sollen, er ist mein Freund George, er war es lange bevor du ihn kanntest. Aber vielleicht ist das etwas was er braucht. Eine Möglichkeit auf andere Gedanken zu kommen."

"Den Gedanken uns aufzufressen?", fragte Bad und lenkte die Aufmerksamkeit der beiden Jungen damit auf sich. George atmete erschrocken ein, Sapnap zückte unwillkürlich sein Schwert.
"Scheiße!"
Bads rechter Arm hing in Fetzen zwischen Dreams Zähnen hervor. Schwarzes Blut tropfte dem Drachen vom Kinn, tränkte den Ärmel von Bads Mantel.
"Hey Aussprache!", ermahnte der Dämon und zog seinen zerlegten Arm mit einem widerlich reißenden Geräusch aus dem Drachenmaul heraus. Schmerzen schien er nicht so zu empfinden wie ein Mensch, denn er sah beinahe fasziniert auf seine bloßgelegten Knochen und die Stücke schwarzen Fleisches die noch daran hingen. Ein schwerer metallischer Geruch erfüllte die Luft.

"Ich hol was dafür!", rief George und schickte sich an in seinem Haus nach einem Heiltrank zu suchen, aber Bads gesunde Hand packte ihn am Arm und hielt ihn zurück.
"Halb so wild, sieh."
Er gehorchte und sah zu, wie sich der zerrissene Arm des Dämons in Sekundenschnelle wieder zusammenfügte, Haut und Fleisch nachwuchsen und innerhalb eines Momentes abgeheilt war.
"Dämon." Bad zwinkerte und kraulte Dream die Mähne, als der Drache sich näherte um zu schnuppern.
"Aber ein Problem haben wir trotzdem. Das war alles Fleisch was ich auftreiben konnte. Ich habe auf dem Weg hierher fast alle Vorräte geplündert. Wir können nicht soviel nachzüchten, wie er frisst."

"Kommt drauf an, was er alles frisst.", fand Sapnap und packte sein Schwert weg. Er beäugte Dream misstrauisch.
"Glaubst du er isst noch andere Dinge als Fleisch?", fragte George, der noch verarbeitete, was eben passiert war. Es existierten einige Kartoffelfarmen, aber er bezweifelte, dass sich ein Tier mit Zähnen die Knochen zermahlen konnten, damit zufrieden geben würde.
"Sam hat eine Wächterfarm gebaut. Wir könnten Fisch dort abgreifen.", bemerkte Bad. Er ließ seine Hand einen Moment noch über Dreams Schuppen gleiten, bevor er sie herunternahm.
"Ich werd ihn suchen, er ist östlich in den Badlands zugange und baut einen grässlichen Klotz auf den Ozean. Verschandelt die Landschaft, aber Dream hat mich dafür bezahlt ihn dort bauen zu lassen."
"You go Daddy.", Sapnap salutierte kurz und Bad boxte ihn.
"Nenn mich nicht Daddy mein Sohn."
Damit wande er sich ab und ging den Hauptpfad entlang, sein dämonischer Schwanz mit der Pfeilspitze wippte hinter ihm her.

"Einen grässlichen Klotz?", fragte George, als Bad außer Sichtweite war. Sapnap nickte kurz angebunden.
"Ja, Sam ist seit Wochen damit beschäftigt. Es ist ein gewaltiger Kasten auf dem Meer, größer als ganz L'Manberg. Ich frag mich was er da vor uns aussperren will."
"Oder er will etwas drin behalten...", murmelte George mehr zu sich selbst. Was in Sams Kopf vorging konnte niemand nachvollziehen. Der Creeper-Hybrid war mindestens genauso mysteriös in seinen Handlungen wie Dream.

"Na dann..." Sapnap klopfte George auf den Arm und schickte sich an ebenfalls zu gehen. Er hielt ihn zurück und rief:
"Wo willst du hin?"
Er deutete auf Dream, der sie ignorierte und sich einen Flügel ableckte. George verzog das Gesicht und schüttelte verständnislos den Kopf. Sein bester Freund hockte da und LECKTE sich einen Flügel ab.
"Hör zu, ich kann ihn nicht allein handhaben."
Letzte Nacht ging es gut, aber es war ein Projekt, was ihn schlicht überforderte. Zuviel Verantwortung, wenn etwas schief liefe, würde er sich schuldig fühlen.
"Kumpel.", begann Sapnap.
"Ich hab ein Leben und einen Verlobten, der Zuhause auf mich wartet. Du bekommst das hin."
"Nein warte! Sapnap!"
Doch der Angesprochene ging nur winkend den Pfad entlang, der zurück in die Hauptstadt führte.

Entmutigt ließ George den Kopf hängen. Hinter sich hörte er Dream schnauben. Es war alles zuviel. Gewissermaßen konnte er auf seine Freunde zählen. Bad würde mehr Futter ranschaffen, Sapnap würde ihm helfen, aber er konnte auch nicht erwarten, dass die beiden vierundzwanzig Stunden am Tag da wären. Sie hatten ein eigenes Leben.
Sapnaps Einstellung gefiel ihm nicht ganz. Dream so zu lassen was keine Option, ganz gleich ob es ihn veränderte. Vielleicht sogar zum Besseren, aber dafür gab es keine Garantie. Ein Mensch gehörte nicht in den Körper eines Drachen. Dream hatte Bads Arm in Stücke zerbissen, absichtlich oder aus Versehen, das konnte niemand sagen. Womöglich änderte sich seine Persönlichkeit auch zum Schlechteren.

Drachen waren aggressive Geschöpfe, die ihr Revier verteidigten. Ein Verhalten was er vom Enderdrachen kannte und in den Büchern darüber gelesen hatte. George befürchtete, dass in dem Moment, in dem irgendjemand Dream quer kam, derjenige dafür teuer bezahlen müsste. Auch glaubte er, dass sein Freund erhebliche Erinnerungslücken hatte. Dream wusste wer er war, aber er konnte kaum etwas anderes unterscheiden. Das einzige was ihn interessierte war genug Essen zu haben...
Oder auch nicht, er wusste nicht genug um urteilen zu können. Das Beste wäre es sich mit der Situation vertraut zu machen, bevor man vorschnell handelte.

Ein heißer Atemstoß traf ihn in den Nacken, er schluckte und drehte sich um.
"Hör auf damit."
Dreams grüngeschuppte Schnauze war nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Seine klaren Augen blinzelten. Das innere Augenlied zuckte wie ein Blitz über die grüne Iris.
Genau das meinte er. Als Mensch war Dream nicht so anhänglich. Zumindest... nicht immer, er konnte aufdringlich werden, doch es war ein Spaß zwischen ihnen. Freunde neckten sich, das war völlig normal. Etwas anderes war es ihm absichtlich in den Kragen zu atmen.

Ob Dream ihn verstand war unklar. Manchmal schien er die Worte zu begreifen, dann wieder handelte er als würde er Enchantment Table sprechen. Jedenfalls reagierte Dream, indem er sich aufs Hinterteil setzte, die Vorderpfoten auf den Boden, der Schwanz durch das Gras wedelnd. George verzog das Gesicht, beim Anblick der hundeähnlichen Position.
"Gut so?"
Er rieb sich die Stirn, hinter der sich Kopfschmerzen anbahnten. Wie sollte er damit umgehen? Sollte er ihn loben, wenn er sich gut verhielt? Als wäre Dream ein Tier und kein Mensch. Der Drache war nur eine Hülle in der eine Person steckte. Er konnte ihn nicht wie einen Löwen im Zirkus dressieren.
Oder doch...?

"Aaaaaah!"
Nichts ergab einen Sinn. Warum konnte es nicht wie immer sein? Er schlug sich die Hände vor die Augen. Mit einem Mal bekam er Angst. Was wenn er Dream nicht zurückverwandeln konnte? Was wenn sein Freund für immer weg wäre. Die vielen gemeinsamen Herausforderungen. Dream der Tage und Nächte lang fort war um mit einem gezähmten Wildpferd zurückzukehren. Dream, der abends mit ihm zusammen vor dem Community Haus angelte. Oder Nachts, wenn sie zusammengelehnt unter einem Baum saßen und schliefen. Sich gegenseitig ihre Werkzeuge klauten, Sapnap oder Bad herumscheuchten, ins Wasser schubsten, zusammen lachten.
All das wäre vorbei, für immer Vergangenheit, wenn es keine Möglichkeit gäbe die Verwandlung rückgängig zu machen.

Seine Augen brannten, ihm kamen fast die Tränen. Er wollte Dream nicht auf diese Weise verlieren.
Etwas berührte ihn, warm und nass an seiner Wange. Für eine Sekunde glaubte er, dass es Tränen waren, dann traf ihn ein weiterer Atemstoß, er bemerkte die raue Oberfläche die zaghaft über seine Haut strich und sprang mit einem Aufschrei zurück.
"Dream!"
Er wischte sich Speichel vom Gesicht und starrte den Drachen an, dem noch die Zunge aus dem Maul hing. Das war einfach nur widerlich und er machte sich nicht die Mühe seinen wütenden Ausdruck zu verstecken. Diese... Kreatur war daran schuld, dass er Dream verloren hatte.
"Mach das nicht wieder, hörst du!"
Schweigend betrachtete der grüne Drache ihn, zuckte mit dem Maul und legte ein fragendes Gesicht auf. Als George nicht reagierte, schob er das Maul wieder vor, öffnete den Kiefer und kam näher. George trat fluchend einige Schritte zurück und schnaubte:
"Krieg dich ein, es ist ekelhaft! Ich will das nicht!"
Von einem Drachen abgeleckt zu werden. Er konnte schon nicht nachvollziehen, was Hundebesitzer daran so toll fanden, für ihn war es ein abstoßender Gedanke.

Ein Windstoß traf ihn, er sah wie Dream seine durchscheinenden Schwingen entfaltete und sich mit einem Schlag in die Luft schwang. Ungeschickt, aber besser als vorher. Sein Schatten verdeckte die Sonne, als er sich abwande und mit gleichmäßigen Flügelschlägen Richtung Osten davon flog.

Ein kleiner Anflug von Schuldgefühlen ließ sein Herz eine Spur schwerer schlagen.





AutorNote:
Es ist ziemlich schwer zu entscheiden, was Minecraft-Welt bleiben soll und was nicht. Manche Dinge werden etwas realistischer sein. Schwerkraft ist zum Beispiel eine Sache, es gibt Verletzungen, es ist keine Welt aus Blöcken, es gibt mehr Tiere usw. Verzeiht also, wenn das etwas durcheinander ist, bei vielen Dingen habe ich mich schlicht noch nicht entschieden, wie ich sie haben möchte.
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