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A Dragon's Dream

von Aristea
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
16.07.2021
12.04.2022
18
65.859
8
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29.01.2022 4.362
 
Lying close to you, feeling your heart beating
And I'm wondering what you're dreaming
Wondering if it's me you're seeing


Aerosmith - I Don't Wanna Miss a Thing



Kapitel 15 - It's me you're seeing


Licht. Er sah einen Ozean. Wellen, die sanft über den Strand schwappten. Der Himmel war weiß, genau wie der Sand. Das Meer in dem klarsten Blau was man sich vorstellen konnte. Niemand war zu sehen, keine Menschen, keine Tiere. Er war vollkommen allein.

George hörte seine eigenen Schritte nicht, als er über den Sand lief, der sich wunderbar weich an seine bloßen Füße schmiegte.. Er hörte nur die Wellen. So friedlich. Wie das Paradis. So stellte er es sich vor.

Ein roter Fleck färbte den Sand vor seinen Füßen. Er sah nach vorne. Der weiße Strand tränkte sich mit Blut. Es lief bis ins Meer, färbte die Wellen. Am Ufer, inmitten von Rot saß Dream. Den Blick hinaus aufs Meer gerichtet. Sein grüner Pullover war voller Blut, seine blonden Haare, die Hände, die er im Schoß gefaltet hatte. Als er sich zu George umdrehte, lächelte ihm die Maske entgegen. Rote Schlieren liefen an dem Smiley herab.
"George."
Seine Stimme klang wie immer. Sich keiner Schuld bewusst. Glücklich darüber ihn zu sehen.

Dream saß, in einem Tümpel aus Blut, sah zu ihm hoch als wäre es das Normalste der Welt. Das Rot was ihn durchtränkte, der schwere metallische Gestank in der Luft. Er nahm es hin, als wäre es Alltag für ihn. Es störte ihn nicht, er schien es nicht einmal wahrzunehmen.

"Wieso?"
Georges Stimme klang klein und schwach. Die Kraft wütend zu sein hatte er nicht. Von dem üblen Geruch wurde ihm schlecht. Die Luft war so dick und schwer. Anstatt zu atmen hatte er das Gefühl sie abbeißen und runterschlucken zu müssen.
"Wieso hast du das getan, Dream?"

Der andere verstand nicht. Fragend legte er den Kopf schief, wie ein Tier was zu überlegen schien. Unter seiner blutverschmierten Maske spürte George ein Stirnrunzeln.
"Für dich, George.", antwortete Dream nach einer Weile, als wäre es offensichtlich. Langsam erhob er sich, klopfte rote Klumpen getrockneten Sand von sich.
"Alles für dich."
Er trat an ihn heran, die Maske starrte ihm in die Augen. Dream hob eine Hand, seine Bewegung langsam und vorsichtig. Finger berührten George an der Wange, streichelten über seine Haut.
"Es tut mir so Leid, dass ich dein Nest nicht beschützt habe."
"Mein... was?", fragte George verwirrt.
"Nach dem Tag heute werden sie sich nie wieder trauen dir ein Leid anzutun." Dream kam näher mit seiner Maske. Er hörte den Atem darunter.
"Wovon redest du?"
"Wir werden für immer zusammen sein.", seine Stimme war ein Flüstern, George wollte zurückweichen und fühlte, dass etwas seinen Fuß festhielt. Flüchtig sah er herab, erblickte den grünen Schwanz, der sich um seinen Knöchel wand und sein Bein heraufkroch. Seine Augen wurden groß.
"Für immer."
Die Finger die ihn berührten begannen schmerzhaft zu stechen. Unter der Maske kam ein tiefes Grollen hervor. Ein Schatten erhob sich hinter Dream, die Masse von zwei Schwingen.
George schrie.


Seine Stimme ging unter wie im Wasser. Alles um ihn verschwand. Blind und orientierungslos trieb er dahin. Als er auftauchte, befand er sich wieder am Ufer. Es war weiß, wie zuvor. Keine Spur vom Blut. Die Luft roch nach dem Meer, die Wellen rauschten leise. Jemand stand hinter ihm, George fühlte Arme um seinen Körper. Ein Kinn was in seinen Haaren ruhte und ein Blick der seinem hinaus aufs Meer folgte... Er lehnte sich zurück, atmete erleichtert aus. Alles war gut.



Jemand hielt ihn. Er wusste nicht ob er noch träumte. Sein Verstand spielte mit ihm. Zeigte ihm grauenvolle Bilder, dann den Frieden den er sich wünschte. George wusste nicht mehr was er wollte.

Leise Atemzüge war das erste was er wieder hörte. Blinzelnd kam er zu sich. Alles war trüb, verschwommen. Er konnte nicht richtig sehen. Ruhe..., Zu ruhig. Wo war Sapnap, Bad? Das Feuer, er erinnerte sich an soviel Feuer, die Hitze, das Geräusch von Flammen die sich durch eine Stadt brannten.

Hier war es still. Warm, aber nicht heiß. Etwas pochte gleichmäßig gegen seinen Rücken, Wärme blies kaum spürbar über seinen Kopf. Atemzüge und ein Herzschlag. Da war jemand bei ihm.
"Bist du wach?"
Die Stimme klang nah direkt neben seinem Ohr, gehörte zu der Person die bei ihm war. Dreams Stimme.
Sie waren nicht mehr auf dem Schlachtfeld. Es war ein Haus, sofern George es mit seiner verschlafenen Sicht feststellen konnte. Er lag halb aufrecht in einem Bett, sein Rücken lehnte gegen eine Brust, die beiden grünen Enden eines Mantels deckten ihn zu. Über seinen Beinen war eine Bettdecke ausgebreitet.

Eine Hand legte sich auf seine Stirn, kühl und angenehm. Im nächsten Moment lichtete sich der verschwommene Schleier über seinem Blick und wurde klar.
"Besser so? Tut das Atmen noch weh? Ist noch nie vorgekommen, dass ich einem Menschen neue Lungen eingesetzt habe."
Neue Lungen? Das war verstörend. Unwillkürlich rieb er sich über die Brust und nahm einen tiefen Atemzug. Fühlte sich an wie immer.
George verdrehte den Kopf, sah zurück hinter sich und entdeckte DreamXD, der auf dem Bett saß, ihn an sich gedrückt hielt, sodass sein Mantel sie beide einhüllte. Seine Flügel waren gefaltet, die Kapuze zurückgestrichen und gab die Sicht auf dunkelblonde Haare und silbrige Hörner frei. Um seinen Kopf leuchtete der doppelte Heiligenschein.

Ein Schwindelgefühl peinigte ihn und er drehte sich wieder nach vorne, um sich die Stirn zu halten. Seine Glieder waren wie taub. Er konnte sich kaum bewegen.
Der Druck von Armen um ihn verstärkte sich, George blinzelte irritiert und ihm wurde die vertraute Position bewusst. Links und rechts neben sich erblickte er Knie, die ihn davon abhielten aus dem Bett zu fallen. XD hielt ihn fest, bestimmt, vielleicht in dem Wunsch ihm Sicherheit zu geben.
"Wo sind... die anderen?", fragte er. Seine Stimme brach mitten im Satz weg, er fühlte die Worte in seinem Hals kratzen. Es tat weh, stach als hätte er Reißnägel verschluckt. Eine von DreamXDs Händen auf seiner Brust krümmte sich leicht, danach war der Schmerz fort.
"In Sicherheit.", antwortete der andere.

Jetzt wo George wieder vernünftig sehen konnte, erkannte er wo sie sich befanden. Sein Bett, seine Kisten und Öfen gegenüber. Die kleine Kommode neben ihm, der Tisch unter einem der Fenster. Sonnenlicht schien herein, er erkannte die angelegten Hecken, seinen kleinen Teich draußen. Die hölzerne Brücke, zerstört als er sie das letzte Mal gesehen hatte, zog sich makellos über das spiegelnde Wasser hinweg.
"Du hast es repariert.", murmelte er und blinzelte müde in der Erkenntnis. Hinter sich fühlte er ein Nicken.
"Zumindest versucht. Kann sein, dass es ein wenig anders ist als vorher."

Es war anders. Es roch anders, nach frisch geschlagenem Holz. George erkannte, dass eine andere Holzsorte benutzt worden war um das schmale Vordach draußen zu erneuern. Die Brückenpfeiler sahen nicht so aus wie früher, genauso wie die Decke als er seinen Blick vom Fenster nahm und nach oben sah.
Doch die Geste war so herzerwärmend. Er schluckte und fand seinen Hals zugeschwollen. Tränen bahnten sich in seine Augen, erfolglos versuchte er sie wegzublinzeln.

DreamXD sagte nichts. Er hielt ihn, Federn raschelten. George hörte ihn leise vor sich hin summen, eine Melodie die Dream manchmal gesungen hatte, wenn sie abends gemeinsam auf dem Dach des Community Hauses saßen.

Dream war nicht hier. Wo auch immer er steckte, vielleicht meilenweit entfernt an dem Ort zu dem er die letzten Tage geflogen war. Oder bei Technoblade, er hatte keine Ahnung. Und auch wenn es ihm schmerzlich durch die Brust stach er wusste, dass er sich nicht darum scheren sollte. Wieso sollte er sich sorgen, wenn der andere willentlich sein Leben riskiert hatte? Dream war nicht derjenige der an seinem Bett saß, ruhig, geduldig und auf sein Erwachen gewartet hatte, wie ein Freund es tun würde. Der Drache steckte sonstwo.
Seine Finger gruben sich in den Mantel, der ihn zudeckte.

Interessierte sich Dream überhaupt für das was er angerichtet hatte? Dachte er darüber nach wie es ihm ging? Wie es den anderen ging? Bad und Sapnap. Lebte Skeppy bereits wieder? Dreimal... Dreimal konnte man in dieser Welt sterben, bevor man nicht mehr zurückkehrte. All die verlorenen Leben und Dream hatte nicht gezögert.

Er wollte nicht daran denken. Schwerfällig versuchte er sich aufzurichten in eine halbwegs sitzende Position. Die Bewegung verschlimmerte das Schwindelgefühl was ihn plagte. Die Arme die um seine Brust geschlungen waren lösten sich, stützten ihn an den Schultern ab, bevor sie gänzlich verschwanden und George die Berührung plötzlich an einem seiner Beine spürte. Irritiert sah er zur Seite, entdeckte DreamXD nicht mehr hinter sich, sondern neben dem Bett auf einem Stuhl sitzend. Sein Mantel hing noch einen Moment offen, gab den Blick auf einen sehr menschlich aussehenden Oberkörper frei, bevor sich der Stoff darüber faltete. Er sah Dream so ähnlich... Eine seiner Hände ruhte mitfühlend auf Georges Knie.
"Geh es langsam an. Neue Lungen machen den Sauerstoffmangel nicht rückgängig."

Da war ein Moment gewesen. In seiner Vergangenheit. Als er nachts aufgewacht war, schreiend, verwirrt. Aber Dream war bei ihm gewesen. Hatte ihn getröstet. Ihm versprochen, dass alles gut war.
Seine Stimme damals hatte den gleichen Tonfall gehabt, wie DreamXD zu ihm sprach. Wieso erstaunte es ihn? Damals waren die beiden noch eine Person gewesen.

"Wo ist er hin?", fragte George, um sich abzulenken. Sein Blick fiel auf die Hand, welche auf seinem Knie ruhte. Ihm schien es als würde Wärme in ihn hineinfließen, neue Kraft. Vielleicht war es so.
Auf seine Frage schwieg XD ein paar Sekunden, in denen er merkwürdig abwesend wirkte, bevor er antwortete:
"Im Osten, weit weg. Es ist kalt dort, Tundra."
George nickte, sagte jedoch nichts dazu. Finger drückten sein Bein sanft.
"Falls du ihn suchen willst, der Kompass den ich dir gegeben habe. Er wird dir genau anzeigen wo er ist."
"Ich weiß nicht ob ich ihn finden will.", murmelte er und drehte sein Gesicht zur Wand auf der anderen Seite. Was würde es nützen Dream zu suchen? Wie sollte es weitergehen? Er konnte ihn nicht unter Kontrolle halten.

"Er braucht dich, George."
Die Stimme des Gottes brachte ihn dazu sich wieder umzudrehen.
°Niemand braucht mich...°
Alles was ihn davon abhielt es laut auszusprechen war der Blick mit dem XD ihm begegnete. Auch wenn er sein Gesicht und seine Augen nicht sehen konnte. Er fühlte den gekränkten Ausdruck, der deutlich machte, was XD von diesem Gedanken hielt. Auszusprechen was er dachte, würde den anderen nur traurig machen. Also schwieg George.

Beim Anblick von DreamXD bemerkte er, dass eines der silbernen Hörner die dem Gott aus den Haaren ragten einen Bruch aufwies. Es war ihm zuvor nicht aufgefallen, aber er war sich sicher, dass der Makel bei seinem letzten Besuch noch nicht dagewesen war. Das sah nicht schlimm aus, aber die Tatsache dass sich diese Verletzung am Körper eines Gottes befand gab ihm zu denken. George fragte sich ob es wehtat. Woher der Riss kam.
Einem Impuls folgend, streckte er die Hand danach aus. DreamXD gab ein fragendes "Hm?" von sich, bevor er verstand und bereitwillig den Kopf senkte um ihn gewähren zu lassen.
"Tut nicht sehr weh.", versicherte er.

Er hatte das Gefühl, als würde ein elektrischer Schlag ihn durchzucken, als seine Finger Kontakt mit dem silbrigen Horn machten. Fast hätte er gelacht. Welcher Gott besaß schon Hörner? War das nicht eher das Zeichen eines Dämons, so wie bei Bad?
Die Oberfläche fühlte sich glatt an, der Bruch war nur eine leichte Kante.
"Danke.", sagte XD, so leise, dass er es kaum hörte. George sah an die Stelle seiner Maske, wo Augen sein sollten.
"Wofür?"
"Die Schmerzen sind fort."
XD hob einen Arm, umschloss Georges Hand mit seiner eigenen.
"Wenn diese Welt verletzt wird, dann werde auch ich verletzt."

Der Brand in L'Manberg. Das Feuer, was das Land auseinandergerissen hatte.
"Wird das heilen?", fragte George. Er bekam ein Nicken.
"Genauso wie alles andere."

Die Maske sah ihn an. Keine Augen. Das gleiche Problem was er mit Dream hatte. Nie sein Gesicht sehen zu können.
Er befreite seine Hand sanft aus der von DreamXD, nahm den anderen Arm mit hoch an dessen Gesicht und berührte seine Wangen. Die beiden Heiligenscheine streiften ihn, das Licht war warm und besaß eine Art Druck. Nicht unangenehm.
Er fühlte die Kanten der Maske, das Band mit dem sie auf dem Gesicht des Gottes festgebunden war. XD spannte sich für einen Moment an, die Berührung unerwartet für ihn. Dann sanken seine Schultern und auch die gefiederten weißen Schwingen ein Stück herunter, George glaubte ihn leise seufzen zu hören.
Doch als seine Finger sich unter das Band der Maske schoben, erschrak der andere. Sofort packte er seine Handgelenke und zog den Kopf zurück. Flügel breiteten sich ruckartig in einer Abwehrhaltung aus.
"Nein!"

Um ehrlich zu sein, hatte er es nicht anders erwartet. Und auch wenn ihn die Reaktion gewissermaßen schmerzte, es war okay. Aber es brachte ihn auf eine Idee.
"Vertrau mir.", bat er.
Einen Moment rührte sich keiner von beiden, schließlich sehr zögerlich, gab XD seine Hände wieder frei, starrte ihn durch die emotionslose Maske an. George atmete einmal tief ein und schob die Finger wieder unter das schwarze Band.
"George..."
"Keine Angst."
Er ließ seinen Blick ein letztes Mal über den Gott gleiten, bevor er die Augen schloss und seine Sicht in Dunkelheit hüllte. Vorsichtig schob er die Finger hoch, fühlte wie das Band über die Haare des anderen rutschte und dann hielt er die Maske. Sie war überraschend schwer. Schwerer als die von Dream, die er in seinem Inventar mit sich herumtrug.

Das Gewicht wurde ihm aus den Händen genommen, er hob die Arme, tastete vorsichtig. Seine Finger berührten Schultern, einen Hals, fuhren über die Konturen eines Kinns, eines Mundes. Federleicht strich er über geschlossene Augenlieder, eine Nase, wieder die Lippen, die zu einem offensichtlichen Lächeln geformt waren, was er nur erwidern konnte. Er fühlte Atemzüge, wie bei einer Person. Genauso wie er zuvor Herzschläge gespürt hatte.

Vielleicht konnte er DreamXD nie sehen wie er es wollte. Aber die Gewissheit, dass er einen Ausdruck hatte, ein Gesicht, Augen, die ihn ansehen könnten. Es war genug für ihn. Und wenn er nur diesen Moment hatte...
Unter ihm knarzte das Bett als er sich vorbeugte, DreamXD zu sich herunter zog und mit seinen Lippen die des anderen suchte. Unsichtbare Finger griffen sein Kinn, zeigten ihm die Richtung. Atem strich über sein Gesicht, dann eine weiche Berührung auf seinem Mund.

Es war kein intensiver Kuss, nicht stürmisch oder voller Leidenschaft. Aber länger als er geplant hatte. Liebevoll, voller Zuneigung. Und George schämte sich fast dabei flüchtig an Dream zu denken.
Aber auch nur fast.

XD war es, der sich zuerst zurückzog, ihm noch einen Kuss auf die Stirn gab, bevor er ihn gänzlich losließ. George hörte, wie der andere die Maske wieder aufzog und als er vorsichtig seine Augen öffnete, sahen ihm wieder die vertrauten zwei Buchstaben entgegen.
"Ich bin nicht er, George."
Da war Bedauern in seiner Stimme. Nicht über das was passiert war, sondern darüber nicht derjenige zu sein, den George sich herbeisehnte. Als ob er etwas dafür konnte. Es war so ein menschliches Verhalten, was ihm bewusst machte, dass XD kein Mensch war. Aber er handelte wie einer.

"Du bist du.", antwortete er.
"Du musst nicht er sein."

Das war nicht nötig. George wollte Dream nicht ersetzen. Nicht, dass er und Dream sich jemals so einen Moment geteilt hatten. Doch diese ganze Situation... Wären die Umstände anders, dann wäre es Dream hier an seiner Bettseite. Er hätte ihm vielleicht keine neuen Lungen verschafft, aber dafür Heiltränke und Essen, dafür gesorgt, dass er es warm und sicher hatte. Er hätte sich um ihn gekümmert, so wie sie es immer taten, wenn es einem von ihnen schlecht ging. Bei dem Gedanken daran erinnerte er sich, dass auch Dream verletzt worden war. Genauso wie Bad und Skeppy... Und er lag nur hier herum und tat nichts.

George warf die Bettdecke von sich, registrierte, dass ihm jemand (er sah zu XD) die Rüstung ausgezogen hatte, während er schlief. Die Einzelteile davon hingen in einer anderen Ecke des Hauses auf seinem Rüstungsständer.
"Was hast du vor?", fragte XD, der ihn beobachtete. Georges Beine taten weh, als er aufstand. Sein Rücken auch. Zeichen dafür, dass er viel zu viel Zeit im Bett verbracht hatte. Er neigte dazu ungesund lange zu schlafen. Eine schlechte Angewohnheit von ihm die er aber nie wirklich loswurde, egal wie sehr er es versuchte.
"Keine Ahnung.", antwortete er ehrlich. Einen größeren Plan hatte er nicht. Er wollte sich den Schaden ansehen, was übrig war von der Stadt, sofern XD nicht auch dort alles neu aufgebaut hatte. Doch er bezweifelte es. Dieses Privileg brachte der Gott nicht jedem entgegen und George wusste, dass XD anderen Leuten eher abgeneigt war.

Er musste Bad suchen und Sapnap. Nachschauen ob es ihnen gut ging. Was er bezweifelte. So wie er Bad kannte, wäre er am Boden zerstört. Nicht nur wegen Skeppys Tod. Dämon hin oder her, soviel Leid und Chaos waren das reinste Gift für jemand, der so gutherzig wie Bad war.


---


Seine Wange brannte als würde sie in Flammen stehen. Dream grollte und drückte die Wunde in den weißen Schnee auf dem er lag. Die Kälte wirkte betäubend, aber es half nur kurzzeitig.
"Das setzt dir ganz schön zu, was?"
Technoblade stieg von der Treppe seines Hauses herunter, näherte sich ihm und musterte die Verletzung.

Die Gegend hier war angenehm ruhig. Weit weg von den geschäftigen Ländereien dieses Servers. In dem riesigen arktischen Biom, was sich weit im Osten erstreckte. Einen halben Tagesflug entfernt von L'Manberg.
Es war ein gutes Versteck. Technoblade hatte sich hier eine solide kleine Bleibe gebaut. Eine gemütliche Hütte aus dunklem Holz, in die Dream selbstverständlich nicht hinein passte. Doch die Kälte machte ihm kaum etwas aus, und so hatte er sich in das Gehege zu Technoblades Wölfen gelegt. Ein Rudel, was mehr als achtzig Mitglieder umfasste. Groß und klein, die meisten mit einer Fellfärbung so weiß wie der Schnee auf dem sie standen. Die Tiere störten sich nicht an ihm. Im Gegenteil, sie waren neugierig, kamen oft nah an ihn heran um zu schnuppern oder sich behaglich an seinen Schuppen zu reiben. Sie waren sehr zutraulich.

Die großen weißen Wölfe umkreisten Technoblade, der ein paar Fleischstreifen aus seinem Inventar zog und sie den Tieren handfütterte. Er streichelte einen von ihnen lang und fürsorglich. Danach schüttelte er sich Haare von der Hand, streckte einen Arm aus und Dream fühlte die Berührung von Fingern neben der Klauenspur auf seiner Wange. Er unterdrückte den Impuls seinen Kopf wegzuziehen.
"Ich weiß nicht warum es nicht heilt."

Aber Dream wusste es. Die meisten Leute dachten nach einer Weile nicht mehr daran, aber BadBoyHalo, so lieb und unschuldig, er war ein Dämon. Verletzungen für die ein Dämon verantwortlich war, zogen sich wie eine Krankheit durch den Körper. Sie verheilten äußerst langsam. In seinen Manhunts war dies oft genug der Grund für sein Versagen gewesen. Bad war gefährlicher als die meisten anderen auf diesem Server. Und viel stärker als er vorgab zu sein.

Er öffnete gehorsam das Maul, als Technoblade einen weiteren Heiltrank vom Gürtel zog. Die pinke Flüssigkeit schmeckte angenehm süß, er kaute ein paar Mal um den Geschmack auszukosten. Langsam verebbte der Schmerz in seiner Wange, aber Dream wusste, dass die Wunde sich weder geschlossen hatte, noch aufhören würde dauerhaft wehzutun. Es war nur temporär, in einer halben Stunde wäre es wie zuvor. Bis die Verletzung komplett abgeheilt war, konnte viel Zeit vergehen.

"Hör zu, ich habe nichts dagegen, wenn du hier bleibst. Aber du kannst dich nützlich machen."
Technoblade stieß ihm einen Ellbogen gegen den Hals, was Dream dazu bewegte ihn anzuknurren. Mehr tat er jedoch nicht und erhob sich gelangweilt auf die Beine. Schnaubend schüttelte er Schnee von seinen Schwingen. So schön dieser Ort war, viel zu tun gab es nicht. Was gäbe es für eine großartige Aufgabe für ihn. Und er war kein Arbeitstier, für Technoblade würde er sich nicht den Rücken krumm schuften.

Sein Blick fiel auf Philza. Der andere Mann lief mit einem Arm voll Obsidianklötzen am Gehege vorbei und begann das schwarze gläserne Material auf dem Boden zu verteilen. Einige Krähen kämpften um die Plätze rechts und links auf seinen Schultern.
"Machs groß genug!", rief Technoblade ihm zu.
"Was meinst du weshalb ich mich vor ihn stelle. Die Größe abzuschätzen ist nicht so leicht wie du glaubst.", gab Philza zurück. Er streichelte die Krähe, die seine linke Schulter erobert hatte.

Dream betrachtete das Ganze mit mildem Interesse. Seit sie hier angekommen waren, hatte Philza sich hauptsächlich mit dem Fällen von Bäumen beschäftigt. Um, wie er sagte, sich ein eigenes Haus hier zu bauen. Er hatte kein Bedürfnis in absehbarer Zeit zurück nach L'Manberg zu gehen.
Einen Grundumriss aus dunklen Stämmen und Planken hatte er bereits platziert. Das Haus sollte an Technoblades eigene Hütte anschließen, mit einer Brücke welche die beiden verband. Sicher eine schöne Idee, sie würde nur Zeit für die Umsetzung brauchen.

Doch Philza schien eine Pause bei seinen eigenen Plänen einzulegen und schichtete das Obsidian zu einem Portalbogen auf. Ein Pfad ins Nether. Größer als die anderen, die bereits existierten. Groß genug für ihn.
Auf einen Wink von Philza, flog der Krähenschwarm der ihn stetig begleitete davon und landete auf der Baustelle seines Hauses. Er platzierte das letzte Stück Obsidian in dem schwarzen Bogen und nickte Technoblade zu. Der andere sah an ihm hoch, Dream zuckte mit den Flügeln und spuckte ein kleines grünes Flämmchen in den Rahmen. Surrend erwachte das Portal zum leben, bildete ein schimmerndes violettes Tor in die andere Welt.
"Dann los.", fand Technoblade, zückte eine Spitzhacke, die er schulterte und ohne ein weiteres Wort durch den Bogen ging. Das violette Kraftfeld verschluckte ihn.

Einen Moment überlegte Dream, ob er dem pinkhaarigen Mann folgen sollte. Sie waren keine Freunde. Eher so eine Art Chaos-Kumpels. Die Sache in L'Manberg war ihr beiderseitiges Interesse gewesen. Er hatte Techno reiten lassen, nicht weil er ihn so gern mochte, sondern weil er auf einer Stufe mit ihm stand. Die gleiche Absicht, die gleiche Kraft, das gleiche Ziel.
Nur weil er ihn respektierte, machte ihn das nicht zu seinem Partner. Sein Partner war...

Dream zuckte merklich zusammen als ihm klar wurde, dass er kein einziges Mal an George gedacht hatte. Die Erkenntnis traf ihn härter als erwartet. Was war los mit ihm? Er hätte George in L'Manberg verletzen können, sogar töten. Aber er hatte es für ihn getan, oder nicht? Um sein Haus zu rächen, sein Nest. Zu verhindern, dass sowas nochmal passierte.

Das war nicht so abgelaufen, wie geplant. Er hätte die Stadt zerstören und dann zu George zurückkehren sollen. Ging es ihm gut, war er verletzt? Er hätte nicht dort sein sollen. Dream hätte ihm nie wehgetan.
Seine Flügel hoben sich schon in der Absicht loszufliegen, George zu suchen und sich zu vergewissern, bis ihm einfiel, dass DreamXD bei dem anderen gewesen war. Der Gott, sein anderes Ich.
Der Gedanke, dass jemand sich an seiner Stelle um George kümmerte, ließ ihn knurren und die Klauen in den Schnee graben. Dann verrauchte das Gefühl, als ein Teil seiner Menschlichkeit ihn daran erinnerte, dass es gut so war. Vielleicht gefiel es ihm nicht, aber wer könnte besser auf George aufpassen als DreamXD? Doch die Eifersucht die ihn durchströmte, war nur schwer runterzuschlucken.
Er hätte ihn herausfordern sollen. Ganz gleich was passiert wäre. Sein Überlebensinstinkt hatte ihn vor einem Kampf mit DreamXD bewahrt, aber es wäre besser gewesen zu bleiben und dem Gott eine Abreibung zu verpassen. Dann wäre er jetzt bei George und alles wäre gut.

Nein... Das stimmte nicht, er hätte verloren und alles nur schlimmer gemacht. Es war die richtige Entscheidung gewesen.

Ein kalter Wind blies und brachte ihn kurz aus den Gedanken. Seine Mähne wirbelte umher. Einer von Technoblades Wölfen lag behaglich quer über seinem Vorderfuß. Das Tier wedelte zufrieden mit dem Schwanz.
Er blickte in die Ferne, zu dem Wald aus dunklen Fichten und Kiefern. In die Richtung wo der größere Teil des bewohnen Servers lag. Dort wo sich weit weg irgendwo George aufhielt. Etwas drängte ihn dazu loszufliegen und ihn zu suchen. Aber tief in seinem Herzen wusste er, dass er George damit keinen Gefallen tun würde.
Sein Freund... er würde ihn nicht sehen wollen.
Sapnap würde ihn nicht sehen wollen.
Bad würde ihn nicht sehen wollen.

Technoblade wollte ihn sehen.
Dreams Kopf sank Richtung Boden. Der Wolf auf seinem Fuß,... seiner Hand sah ihn an. Er hob den Arm leicht, sein Vorderbein und das Tier winselte, rutschte herunter und setzte sich ein paar Schritte entfernt wieder hin. Gelbe Augen starrten ihn an.
°Nicht nett.°
Er hatte das Gefühl es sich einzubilden, dann wieder nicht. Tiere besaßen eine Allgemeinsprache. Dass er sie in seinem momentanen Zustand verstehen konnte... so merkwürdig war es nicht.

Schnee knirschte unter seinen Klauen, Dream warf einen kurzen Blick auf Philza, der neben dem Portal stand, die Augen auf ihn gerichtet. Der geflügelte Mann sah noch einen Moment hin, dann drehte er sich um, Schwingen wehten hinter ihm und er ging zurück zur Baustelle seiner Hütte. Eine der Krähen dort kam herbeigeflattert, landete auf dem breiten gestreiften Hut den er trug.

Eine Flamme bahnte sich aus seinem Maul, als Dream ausatmete und zu dem violetten Portal ging. Was hatte er zu verlieren? Er hielt sein Verhalten in der Stadt nicht für einen Fehler. Wäre er ein Mensch, hätte er mehr darüber nachgedacht. Aber er musste feststellen, dass ein Drache im Jetzt lebte und sich offenbar keine Gedanken über Konsequenzen machte.
Er hoffte nur, dass seine Freunde in Ordnung waren.
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