Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

A Dragon's Dream

von Aristea
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
16.07.2021
12.04.2022
18
65.859
8
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.12.2021 4.259
 
Lost in a world I knew
but still this flames burn through
I am a dragon, hear me roar


NerdOut - Hear me Roar



Kapitel 11 - Lost in a World I knew


Die Müdigkeit hing ihm in den Knochen, als er blinzelnd zu sich kam. Sein Verstand, normalerweise schnell und präzise wie eine Maschine, arbeitete trägend langsam. Sonnenlicht stach ihm in die Augen, als er sie öffnete. Das innere Lid schloss sich wieder schützend über die empfindliche Iris. Es bescherte ihm eine blassere Sicht, milchig, aber es war keine große Einschränkung.

Dream streckte die Glieder, schwang seine Flügel einmal um das taube Gefühl darin loszuwerden. Er spürte förmlich wie sein Kreislauf ansprang, das Blut was eine Spur schneller durch seinen Körper pumpte. Leichte Kopfschmerzen plagten ihn. Der Preis dafür unnötig lange wach gewesen zu sein. Laut Stand der Sonne war es bereits Mittag. Eine Zeit zu der er sonst schon längst auf den Beinen war. George... nur weil er nicht Bescheid sagen konnte wo er hin ging. Seine Angst um den anderen, als er zurückgekommen war und von George jede Spur fehlte. Er hatte seinen Geruch bis zu einem der Mineneingänge verfolgen können. Zu schmal um ihm folgen zu können. Und das Risiko ihn auszubuddeln und dabei womöglich die Mine zum Einsturz zu bringen, hatte er nicht eingehen wollen.

Blinzelnd sah er zu der Person seiner Gedanken, die an seinem Hals gelehnt eingenickt war, ein Buch auf dem Schoß liegend. Dream bewegte sich langsam, um ihn nicht zu wecken, zog seinen Kopf vorsichtig hoch, sodass er George mit einem Vorderbein abstützen und ihn anschließend an seine Seite unter den Flügel betten konnte. Das wäre gemütlicher und wärmer. Er breitete seine Schwinge über ihm aus, um ihm Schatten und Ruhe zu schenken. George murmelte etwas, drehte sich ein Stück und lehnte die Wange an seine Schuppen. Früher hätte Dream schadenfroh gegrinst, aber er war zu zufrieden um sich zu solch einer Geste herabzulassen. George war genau dort wo er hingehörte. Bei ihm.

Ein Anflug von Hunger machte sich unangenehm in seinem Magen bemerkbar. Doch es war ein zweitrangiges Gefühl. Das Verlangen nach Essen war weniger geworden. Nicht nur durch die Portionen an Milch, sondern auch allgemein. Er vermutete, dass es eine Stressreaktion gewesen war. Und Drachen für gewöhnlich nicht viel fressen mussten.
Sein schweifender Blick fiel auf die Klaue, die George ihm verbunden hatte. Ein Missgeschick seinerseits. Beim Bau seines Nestes war er zuerst auf Obsidian und dann auf Bedrock gestoßen. Kein Gestein zuvor hatte seinen Krallen oder dem grünen Feuer was er hervorspeien konnte stand gehalten. Alles war ohne größere Mühe auseinander geplatzt. Aber als er an Obsidian stieß, erwies sich das glasartige schwarze Material als widerspenstiger als erwartet. Er HATTE es beseitigen können, aber sich daran verletzt. Nichts was ihm vorher begegnet war hatte ihm eine Wunde beschert. Weder das Eisenerz durch das er sich gegraben hatte, noch die Diamanten, die er für Punz eingesammelt und auf dessen Turm abgelegt hatte.

Nicht viele Dinge schienen ihn in jetziger Form verletzen zu können. Tubbo hatte ihn mit Pfeilen beschossen, Fundy mit einem Schwert angegriffen. Es war alles an ihm abgeprallt. Waffen aus Obsidian könnten ihn vielleicht verwunden. Aber niemand benutzte solche.
Netherite... Womöglich könnte das ihm gefährlich werden. Doch andererseits, selbst wenn jemand ein Netherite Schwert bis zum Anschlag in seinen Bauch rammen würde, es würde wahrscheinlich nicht einmal zu einem kritischen Punkt vordringen. Er war groß... Er war verdammt groß. Er müsste nur auf seinen Hals und die Augen aufpassen.

Wieso dachte er darüber nach? Die Antwort kam ihm überraschend schnell. Weil er er war. Genug Leute auf diesem Server würden ihm gerne eins mit der Axt überziehen. Oder ihn auch töten. Undankbares Gesindel...

Ein Knurren entrang sich seiner Kehle, Klauen gruben sich in das Gras.
Er hatte diesen Server erschaffen, diese Welt. Für sich und George, Sapnap, Bad und ein paar Freunde. Die anderen waren später dazugekommen und großzügig wie er ist, hatte er ihnen erlaubt zu bleiben. Er dachte es wäre gut so. Verschiedene Menschen, verschiedene Ideen und Meinungen, die alles ein wenig besser machen würden.
Doch dann war da Tommy und sein unmögliches Verhalten was dem eines verzogenen Kindes entsprach. Und Wilbur mit seinem Drogenhandel, der die Frechheit besaß einen Staat zu gründen um sich abzusetzen. Ein "unabhängiges" Land, hatte er es genannt. So ein Schwachsinn, niemand auf dem SMP war zuvor eingeschränkt gewesen. Niemandem war etwas vorenthalten worden. Jeder hatte das Recht gehabt zu tun was er wollte, Tränke zu brauen, Schätze zu horten, Häuser zu errichten die bis in den Himmel ragten. Alle besaßen ihre Freiheit. Ein Staat der sich als unabhängig bezeichnete war vollkommen sinnlos gewesen. Doch so was es gekommen und jetzt hatten sie L'Manberg. Eine Stadt die hundertmal mehr Probleme verursacht als gelöst hatte.

Dream sah in die Ferne dort wo das "unabhängige" Land lag. Viel konnte er nicht erkennen, einige Hügel und Wälder lagen zwischen Georges Haus und dem Ort seines Verachtens. Manchmal wünschte er sich nichts mehr als die Stadt unter seinen Krallen zu zermalmen.

Dann wieder... die Stadt war Nebensache. Seine Augen wanderten wieder zu George, er zog das innere Lid zurück um ihn uneingeschränkt betrachten zu können. Seine dunklen Haare waren zerzaust vom Schlafen. George war ein unruhiger Schläfer. Drehte sich ständig, er kannte es gut. Wie oft hatte sein Freund ihm in die Seite getreten, wenn sie im Community Haus zusammen übernachtet haben? Die Erinnerung daran ließ ihn lächeln. Dream vermisste diese Momente.

Ein Instinkt sagte ihm er sollte losfliegen und an seiner Höhle weiterbauen. Es gab noch viel zu erledigen. Die passende Tiefe bis zum Bedrock hatte er bereits erreicht, das Labyrinth was Eindringlinge fern halten sollte, stand ebenfalls. Aber er brauchte mehr leuchtende Ranken, er wollte eine Grasfläche haben für ein paar Hühner. Ein unterirdischer Teich wäre nicht verkehrt. Ein kleiner Wald vielleicht weit unter dem fernen Berg den er als Seinen beansprucht hatte.
Die ausstehenden Aufgaben drängten ihn dazu aufzubrechen, aber das Verlangen wurde von einem anderen überlagert. Hier zu bleiben und auf seinen besten Freund aufzupassen. Nach allem, tat er all dies nicht nur für sich, sondern auch für George. Sobald er ihn in seinem Nest hatte, wäre er sicher. Weit weg von dem Verderben, der Gewalt und Hass was dieses Land heimsuchte. Sie könnten glücklich sein und all das hier hinter sich lassen. Dream würde George sogar erlauben sich ein neues Hobbithaus in seiner Höhle zu bauen. Er würde ein paar Vögel ansiedeln, Bäume pflanzen und für ausreichend Licht sorgen, sodass George nicht einmal merken würde, dass sie sich tief unter der Erde befanden.

Sein Blick hing immer noch auf dem anderen fest. George war ohnehin das Beste, was man anschauen könnte und Dream genoss es die ganzen kleinen Details zu beobachten. Die Haarsträhne die seinem Freund vor der Nase hing und mit jedem Atemzug vor und zurück wippte. Seine Augen die unter den geschlossenen Lidern manchmal zuckten. Der Zeigefinger, der sich gelegentlich krümmte.
Wäre er nicht so klein und zerbrechlich, hätte er ihn enger an sich gedrückt. Ihn mit Schweif und Flügel umschlungen, den Kopf an ihn geschmiegt. Aber er könnte ihm die Knochen brechen, wenn er auch nur eine unvorsichtige Bewegung wagen würde. In seiner Gegenwart musste er auf Klauenspitzen gehen. Menschen waren so leicht verletzlich.

Ein Geräusch ließ ihn aufsehen. Schritte auf dem Hauptpfad, der in die Stadt führte. Mit menschlichen Sinnen hätte er den Klang niemals wahrgenommen. Aber sein jetziges Gehör war soviel intensiver. Er konnte hören wie jemand atmete, zwanzig Schritte von ihm entfernt. Er konnte Georges Herz in dessen Brust schlagen hören. Ein leiser und gleichmäßiger Ton, der ihm mehr Sicherheit schenkte als er sagen könnte.
Dream sah zum Pfad. Dem hölzernen Steg der vom Netherportal Richtung Norden führte. Jemand lief dort entlang. Er kniff die Augen leicht zusammen, sein Blick fokussierte sich und er erkannte Tommyinnit. Den blondhaarigen Jungen mit seinem rotweißen T-Shirt. Fast augenblicklich sank seine Stimmung. Ein Knurren bahnte sich aus seiner Brust an die Oberfläche.

Der Junge sah ihn zuerst nicht, dann drehte er den Kopf und blieb einen Moment auf dem Pfad stehen um herüberzuschauen. Dream erkannte einen Anflug von Überraschung in seinem Gesicht, dann wich es der Verachtung.
"Noch monströser als vorher, nicht wahr?", sagte Tommy. Er schien sich bewusst zu sein, dass Dream ihn über die Entfernung hören konnte, denn anstatt zu rufen, sprach er ruhig und hochnäsig wie immer. Dream wollte ihm das Gesicht vom Kopf fressen. Tommys letztes Kanon Leben in seinem grollenden Magen versenken.
"Nun ja, es geht immer schlimmer. Komm mir nicht in die Quere."
Damit ging der Junge weiter, nicht ohne ihm noch einige skeptische Blicke über die Schulter zuzuwerfen. Ein Hügel verdeckte die Sicht auf ihn, nach ein paar Minuten.

Es kostete ihn einiges an Überwindung, nicht aufzustehen und Tommy in zwei Stücke zu teilen. Er hatte nichts dagegen, wenn die Leute hier ihr eigenes Ding durchzogen. Aber alles was Tommy tat oder sagte war pure Verhöhnung ihm gegenüber. Der Halbwüchsige spielte sich auf, als gehöre ihm diese Welt. Das tat sie nicht. Es war SEINE Welt. Er war verantwortlich für Gerechtigkeit und Sicherheit auf diesem Server. Deshalb hatte er die Konflikte mit Tommy begonnen. Weil der andere diese Sicherheit gefährdet hatte. Noch immer gefährdete, wenn es ihm passte. Und die Leute wagten es ihn als einen Helden zu bezeichnen und Dream als die böse Fraktion. Wie man es heutzutage gedankt bekam, wenn man versucht die Allgemeinheit zu schützen...

Eine Bewegung an seinem Bauch machte ihn aufmerksam. Etwas berührte ihn, Georges Hand, bevor er sich an ihm abstützte um sich aus der liegenden Position aufzurichten. Dream unterdrückte den Impuls seinen Schweif um sich zu schlingen und so dem anderen den Ausweg abzuschneiden.
"Morgen Dream."
Er blickte nach oben, die Sonne stand fast senkrecht über ihnen. Von wegen Morgen, es musste an die zwei Uhr Mittags sein. Wenn man bedachte wie spät George eingeschlafen war, grenzte es an ein Wunder, dass er vor Sonnenuntergang zu sich gekommen war.

Mittag. Dream betrachtete, wie George sich die Augen rieb und sich beim Gähnen eine Hand vor den Mund hielt. Es würde sich kaum lohnen heute noch zu seinem Nest zu fliegen. Der Flug dauerte gut zwei Stunden, er musste Ebenen, Wälder und den Ozean überqueren. Bis er ankommen würde, wäre es zu spät um noch vernünftig arbeiten zu können. Zumal er den Rückflug einberechnen musste.
Deshalb hatte er nicht vor hier sitzen zu bleiben. Sein Magen rumorte. Entweder würde er BadBoyHalo suchen um Fische abzugreifen, oder jagen gehen. Eins von beiden.


---


Bis morgens wach zu bleiben, war eine blöde Idee gewesen. Schmerzen pochten hinter seinen Augen und seine Gelenke fühlten sich an als wären sie in Beton eingegossen worden. Jede Bewegung kostete doppelt soviel Kraft wie sonst.
Ein heißer Atemzug stieß ihm gegen die Wange und er blickte müde blinzelnd nach vorne. Grüne Schuppen nahmen sein Sichtfeld ein, zwei leuchtende Augen musterten ihn. Er legte eine Hand auf die Schnauze und drückte Dreams fragendes Gesicht weg.
"Du hast Mundgeruch."
Und zwar schrecklich. Aber was erwartete er? Drachen benutzten keine Zahnbürsten und er wollte nicht wissen, was Dream alles verschlang wenn er tagsüber nicht aufzufinden war.

Sein Rücken tat weh von der unnatürlichen Schlafposition. Er unterdrückte ein schmerzliches Stöhnen, als er sich wackelig auf die Beine erhob und dabei an den bleichen Bauchschuppen neben sich abstützte. Als er merkte was er anfasste, nahm er die Hand wieder weg. Seinen Kumpel am Bauch zu berühren wirkte irgendwie... intim. Auch wenn er die vergangene Nacht dort verbracht hatte.

"Verdammt...", murmelte er bezüglich seiner Kopfschmerzen, während er sich die Stirn rieb. Durch die Finger spähte er zu Dream, der ihn nicht aus den Augen ließ.
"Brauchst du was? Frühstück?"
Er könnte noch einen Eimer Milch auftreiben. Aber Dream schüttelte den Kopf, obwohl George sich sicher war, dass er Hunger hatte. Vielleicht wurde ihm langsam klar, dass es untypisches Verhalten war sich füttern zu lassen. Andererseits... war so ziemlich alles was er tat untypisches Verhalten.

Um sich die Beine zu vertreten lief er ein paar Mal den Hügel auf und ab. Das Gras war angenehm unter seinen leichten Schuhen. Ein sanfter Wind wehte und brachte kühle Luft mit sich. Es roch nach dem Meer. Eine Brise aus dem Norden, dort wo der nächste Ozean an das Land angrenzte. Bald wäre es Herbst. Die Blätter des Waldes der an sein Haus angrenzte verfärbten sich schon leicht. In ein paar Monaten würde es schneien.

Er umrundete den kleinen Teich vor seiner Haustür und ging kurz nach drinnen um sich aus einer seiner Vorratskisten ein Stück Brot zu holen. Ein hervorragendes Frühstück. Schon etwas älter, aber aus Nikis Bäckerei. Er brach ein paar Krümel davon ab und streute sie in den Teich. Der braune Fisch wurde sofort aufmerksam und schnappte die Häppchen auf. George lächelte und knabberte an dem Brot.

Hinter ihm bebte der Boden, als Dream sich zu ihm gesellte, neben dem Teich stehen blieb und die Augen auf den Fisch heftete.
"Ich muss ins Nether heute. Lohenrouten holen, sonst kann ich das mit den Tränken vergessen.", bemerkte er und kaute zwischendurch.
Dream antwortete nicht und George zuckte mit den Schultern. Er würde sich an einseitige Gespräche gewöhnen müssen. Sein Freund konnte ihn verstehen er konnte nur nicht antworten. Die Gespräche waren nicht sinnlos. Und es half ihm dabei nicht verrückt zu werden.

George beendete sein Frühstück und ging wieder hinein um in seiner Werkzeugkiste nach der Spitzhacke zu suchen. Ein Blick in die Öfen verriet, dass das Gold letzte Nacht zu handlichen Barren geschmolzen war, die er heraus nahm und in einer anderen Kiste verstaute. Melonenscheiben und einen Braustand hatte er. Das einzige was ihm fehlte war Lohenstaub um genug Hitze für die Tränke zu erzeugen. Mit etwas Glück könnte er den Abend mit der Zubereitung verbringen, vorausgesetzt er fand ein paar Lohen im Nether, die er um ihre Routen erleichtern konnte. Die Festung war ein Stück weg vom Portal, aber er war schon einige Male dort gewesen. Keine große Herausforderung, es würde nur etwas dauern.

Ausgerüstet trat er wieder heraus zu Dream, der noch immer den Fisch im Wasser beobachtete. Seine grünen Augen zuckten passend zu jeder Bewegung die das kleine Tier verursachte.
"Ich geh ins Nether.", meldete er, um von vorneherein Missverständnisse auszuräumen. Damit Dream nicht wieder den Himmel ansang, wenn er nicht pünktlich zurück war.
Es brachte ihm die Aufmerksamkeit des anderen ein. Der Drache schwenkte den Kopf herum, bis die schuppige grüne Schnauze direkt vor Georges Gesicht hing. Die Nähe behagte ihm nicht und er trat einen Schritt rückwärts.
"Abstand.", bemerkte er. Es war nicht nötig ihm derart auf die Pelle zu rücken. Dream zog den Kopf ein Stück zurück und öffnete das Maul, sodass zwei Reihen Dolchzähne sichtbar wurden. Der Anblick schüchterte George in gewisser Weise ein, aber er ließ sich davon nicht abschrecken. Als er einen Schritt machte um vorbei zu gehen, knallte ein klauenbesetztes Vorderbein vor ihm auf und versperrte den Weg. Leuchtende Augen starrten ihn eindringlich an.
"Bist du mein Babysitter? Lass mich vorbei Dream."
Das Nether war gefährlich, aber nicht so sehr wie man annehmen könnte. Für jemanden der sich dort nicht auskannte vielleicht. Doch auf dem SMP war das Portal abgesichert und stabile Wege führten über die Abgründe aus Feuer und Lava. George hatte Erfahrung mit der anderen Dimension und fürchtete sich nicht davor. Er hatte schon Lohen ohne Schutz und nur mit einer Metallaxt bekämpft. Nicht zu vergleichen mit der kompletten Netherite Rüstung die er momentan besaß. Es wäre ein Kinderspiel dort hinein zu gehen und zu holen was er brauchte.

Nach ein paar Sekunden schien auch Dream sich daran zu erinnern und nahm den Fuß wieder weg. Zufrieden machte George ein paar Schritte und sah beim Gehen an seinem verwandelten Freund hoch. Ein flüchtiger Gedanke kam ihm, als er die Kuhle zwischen den Flügelgelenken im Nacken des Drachens sah. Ein nahezu perfekter Sitzplatz.
Philzas Buch wies oft genug darauf hin, dass man einen Drachen nicht reiten konnte. Oder sollte. Außer es herrschte genug Respekt zwischen beiden.

Dream hatte sich von ihm helfen lassen bezüglich seiner verletzten Klaue. Er hörte, wenn George ihn um etwas bat. Vielleicht würde auch das ohne Weiteres gehen. Nicht, dass das Nether Portal weit weg war, es lag direkt auf dem Hauptpfad der zum Community Haus führte. Aber früher oder später müsste er es ohnehin austesten. Es wäre auch die Gelegenheit herauszufinden, wohin Dream verschwand, wenn er davon flog.

George trat einen Schritt an ein Vorderbein heran.
"Uhm, stört es dich, wenn ich...", begann er und nickte hoch zu den Schultern des Drachens. Zuerst gab Dream keine Reaktion zu erkennen, dann als George einen weiteren Schritt auf ihn zutrat, begriff er worauf er hinaus wollte. Sofort begann er zu zischen, schwang seinen Flügel über das Vorderbein, sodass George nicht mal einen Versuch bekam sich an ihm hochzuziehen. Dream fixierte ihn, der Blick stechend und ließ die Kiefer einmal laut aufeinander schnappen. Schwarzer Rauch quoll zwischen seinen zusammengebissenen Fängen hervor.
"Alles gut! War nur eine Idee.", fand George, trat zurück und hob beschwichtigend die Hände. Wenn es ihn so sehr störte würde er das Thema nicht weiter vertiefen. Doch er konnte nicht leugnen, dass es ihm einen kleinen Stich versetzte. Anscheinend ging Dreams Vertrauen in ihn nicht soweit, dass er bereit war ihn auf seinem Rücken zu tragen. Andererseits hatte der Drache auch Sapnap ohne weiteres abgeworfen, als dieser versucht hatte ihn als Reittier zu benutzen. Er sollte sich deswegen nicht schlecht fühlen.

Mit einem Seufzer ging er an Dream vorbei, der sich herum schwang und ihm hinterher stapfte. Wollte er mitkommen? Er würde nicht durch das Portal passen. Ein Netherportal war anders als ein Endportal. Während man ein Endportal nur berühren musste um hindurch zu gelangen, musste man ein Portal zum Nether tatsächlich durchschreiten. Ein Ding der Unmöglichkeit für einen Drachen der achtzehn Meter lang war.

Das Netherportal kam nach wenigen Minuten in Sicht. Gebaut auf einem kleinen Berg, der vor langer Zeit von Dream begradigt und mit Steinen aus der anderen Dimension dekoriert worden war. Von dem Berg war nicht mehr viel zu sehen. Im Laufe des Servers war er immer mehr abgetragen worden und durch Schwarzstein und Ziegeln aus der Bastionsruine ersetzt worden.
George erinnerte sich, als sie das Portal gebaut hatten. In einem kleinen Loch mit Lava, was sie neben dem See mit dem Community Haus gefunden hatten. Dream war damals sauer auf ihn gewesen, weil er sich nie an den gemeinnützigen Aufgaben beteiligte und seine Zeit lieber damit verbrachte sich gute Rüstung und Werkzeuge zusammenzufarmen. Sapnap und Dream hatten seine mühselig gefarmten Dinge in die Lava im Nether geworfen, was ihn nicht nur wütend, sondern auch traurig gemacht hatte. Aber er erinnerte sich auch, dass er zu einem späteren Zeitpunkt mit Dream Netherite gefarmt und sie sich alles was sie fanden geteilt hatten.
Eine längst vergangene Zeit, die er manchmal so sehr vermisste...

Das kreiselnde violette Portal gab die typisch schwingenden Geräusche von sich, als George sich näherte. Eine vertraute Hitze schimmerte vor dem leuchtenden Bogen. Den Hang herab sah er die zerstörten Überreste des Community Hauses auf dem See. Hölzerne Gerüste rahmten die Ruine ein. Irgendjemand machte sich die Mühe das Haus zu reparieren.

Hinter ihm klackerten Dreams Krallen auf dem harten Schwarzstein. Er drehte sich zu dem Drachen um.
"Endstation für dich."
Dream blinzelte und legte den Kopf schief. George gab einen Stoßseufzer von sich.
"Bitte, mach was du willst. Wenn ich am Abend noch nicht zurück bin, dann heul nicht wieder die Sterne an und halte den ganzen Server damit wach."
Damit ging er durch das Portal, bevor Dream auf die Idee kam ihn irgendwie daran zu hindern. Ihm wurde kurz schwindelig, die Sicht verschwamm vor seinen Augen. Dann spürte er die sengende Hitze der Netherwelt auf seiner Haut.

George trat aus dem Portalbogen in der Unterwelt. Das abgesicherte kleine Fleckchen verbunden mit Brücken zu den verschiedenen anderen Portalen, die an Orte überall auf dem Server führten. Er hörte einen Ghast in der Ferne wimmern, weit genug weg um keine Gefahr darzustellen. Trotzdem holte er seinen Schild aus dem Inventar, bereit ihn einzusetzen. Entschlossen betrat er die gemauerte Brücke, die ihn zur nächsten Netherfestung führen würde.


---


Knurrend schob er die Schnauze durch das Portal. Das folgende Gefühl war grauenvoll. Er gelangte nicht hindurch, stattdessen kam sein Kopf hinter dem Portalrahmen wieder zum Vorschein. Das violette Kraftfeld schnitt unangenehm durch seinen Hals und bereitete ihm Übelkeit. Schnell zog er sich zurück und betrachtete den Obsidianbogen missbilligend.
Daran hatte er damals nun wirklich nicht gedacht, aber er schalt sich dafür das Portal so klein gebaut zu haben.

Sein Magen knurrte. Der Hunger konnte nicht mehr warten.
Seine erste Idee war im Wald nach etwas essbarem zu suchen, aber George würde es nicht gefallen, wenn er hier wildern würde. BadBoyHalo hatte mit Sicherheit noch Fische aus der Wächterfarm.
Dream hob eine Klaue und sah auf seinen Vorderfuß. Normalerweise trug er seinen Kommunikator als Armband, aber von dem Stück Technik war nichts zu sehen. Genauso wenig wie sein Pullover da war, oder die schwarze Jeans, der Gürtel mit seinen Waffen und Tränken. Es war alles verschwunden als er in einen Drachen verwandelt wurde. Oder Teil seines Körpers geworden, er wusste nicht wie sowas funktionierte.
Seine Klaue fuhr über sein Gesicht. Die Krallenspitzen kitzelten die feinen Schuppen auf seinen Wangen. Er fühlte sich nackt ohne seine Maske. Er könnte sie in seiner jetzigen Gestalt nicht tragen, aber... ohne sie war ihm unwohl.

Die Wärme der Sonne strömte durch seine Flügel, als er sie ausbreitete. Ein kräftiger Schlag der Schwingen katapultierte ihn in die Luft. Wind fing sich unter den grünen Membranen. Dream hatte Luft immer für etwas gehalten, was kaum spürbar ist. Aber fliegend war sie wie Wasser. Er konnte die Luft fühlen. Zu fliegen war, wie zu schwimmen. In den Weiten des Himmels.

Die Spuren von Gerüchen verliefen wie unsichtbare Fäden. Er konnte ihnen folgen und würde denjenigen finden zu dem sie gehören.
BadboyHalos Geruch kam von Osten. Dream richtete seine Flügel und segelte in die Richtung. Ein leichter Wind blies, der nach dem Meer roch. Er konnte sich treiben lassen ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Seine Schwingen trugen ihn zuverlässig über das Land.
Punz' Turm wurde größer in der Ferne, er sah Fundys Base nördlich davon. Auf der freien Fläche zwischen den zwei abgegrenzten Stützpunkten landete er. Ein ebenes Stück bewachsen mit Gras und Blumen. Ein paar wilde Schafe ließen sich ließen sich das Grünzeug schmecken. Hungrig betrachtete er die Tiere. Aber Schafe wäre das letzte Futter auf das er zurückgreifen würde. Sie schmeckten hervorragend, doch die Wolle anschließend aus den Zähnen zu bekommen war eine widerliche Angelegenheit.

Vielleicht hatte Bad ihn gehört oder gesehen, denn der Dämon kam wenige Augenblicke nach seiner Landung.
"Hey Dream!"
Er war fröhlich wie immer, ein Lächeln auf den Zügen.
°Hey Bad°
Nur ein leises Glucksen kam hörbar aus seiner Kehle hervor, keine Worte. Bad schien es nicht zu stören, er trat an ihn heran und berührte ihn am Flügel. Seine schwarzen Finger waren warm und auch wenn Dream es nicht leiden konnte berührt zu werden, abgesehen von George, war es ihm nicht unangenehm.
"Hunger denke ich. Keine Sorge, ich habe leider nichts dabei, aber Sam ist unterwegs hierher, er kann dir sicher sagen wo du an die Fische aus seiner Farm kommst."
Nicht die Antwort die er sich erhofft hatte, aber okay. Auf fünf Minuten länger kam es nun wirklich nicht an.

Gemeinsam warteten sie auf der Wiese. Dream beobachtete die Schafe, die mit gebeugten Köpfen das Gras zupften. Bad hatte seine Augen auf einen Schmetterling gerichtet, der von Blume zu Blume schwebte.
"Wo du hier bist, hast du Lust kurz mitzukommen, wenn Sam da ist? Ich wollte ihm was zeigen, aber vielleicht interessiert es dich auch."
Nein, er wollte nicht mitkommen, er wollte etwas zu Essen. Beim näheren Überlegen darüber kam er allerdings zu dem Schluss, dass es ihm nicht schaden würde nachzusehen. Der Hunger war nervig, aber die Gelegenheit etwas eventuell Interessantes zu erfahren, sollte er nicht ungenutzt verstreichen lassen. Wie oft war es sein Wissen gewesen, was ihm in den Kriegen auf diesem Server den Vorteil verschafft hatte.

Also nickte er knapp und betrachtete weiter das laufende Futter vor seinen Augen, was er nicht fangen wollte, weil es seine Mundhygiene ruinieren würde.
Lange mussten sie nicht warten. Dream hörte Awesamdude bevor er ihn sehen konnte. Leise Schritte über das Gras, fast unscheinbar, wie der Creeper der sich in dem Hybrid verbarg. Er schwenkte den Kopf herum und sah den anderen über die Wiese näherkommen. Sam zuckte unmerklich zusammen, als er ihn erblickte und Dream verkniff sich ein Grinsen.

"Hey Leute.", machte sich der Neuankömmling bemerkbar. Bad drehte sich zu ihm und winkte kurz.
"Sam!"
"Bad!", gab der andere zurück. Bad kicherte und ging ihm entgegen. Mit raschelnden Flügeln folgte Dream dem Dämon. Seine Nähe beunruhigte Awesamdude, der Creeper-Hybrid ließ die Augen nicht von ihm und seine Blicke wanderten über Schuppen und Flügel. Ein Moment wunderte sich Dream über die Unsicherheit, dann fiel ihm ein, dass Sam ihn in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Zumindest nicht aus der Nähe.
"Man gewöhnt sich dran.", fand Bad, der die Gedanken des anderen erraten konnte. Er bekam keine Antwort, nur ein Schulterzucken. Awesamdude richtete seine Augen auf den Dämon und fragte:
"Was wolltest du mir so dringend zeigen?"
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast