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My Feet Can't Touch The Bottom Of You

von M i n a
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Het
America Singer Aspen Leger Maxon Calix Schreave
15.07.2021
16.07.2021
2
6.885
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15.07.2021 3.585
 
Huhu. :)

Die Rechte an der Geschichte „My Feet Can't Touch the Bottom of You“ liegen bei triflingthings (und als FF selbstverständlich auch teils bei Kiera Cass – wäre komisch, sie an dieser Stelle nicht zu erwähnen?).

triflingthings hat mich mit ihrer Zustimmung zur Übersetzung überglücklich gemacht. Für mich ist die Geschichte absolut America-Und-Maxon (und Familie-Singer und … und …) – und ja, daher habe ich gar nicht weinen können, aber … ich vermisse die beiden vor allem seitdem unglaublich. Mein Herz die ganze Zeit: »Lies die Reihe – endlich – nochmal!« Ich traue mich nicht, tja. Dieses Gefühlschaos.
(Über Empfehlungen von Fanfictions zu Selection freue ich mich immer! :) )

Zum Original der herzergreifenden, für mich perfekten Geschichte führt euch dieser Link: My Feet Can't Touch the Bottom of You by triflingthings | Archive of Our Own

Hoffentlich verzaubert die zweiteilige Geschichte euch ebenfalls ….

Liebe Grüße!

· · ·


Dear triflingthings,

once again I thank you from the bottom of my heart. :))))


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My Feet Can't Touch the Bottom of You

Der Flug nach Carolina verlief ruhig. Aspen saß zusammen mit einer Handvoll anderer Wachen, die ich vage wiedererkannte, an den kleinen Tischen am anderen Ende des Jets. Obwohl ich ihnen nicht gegenüber saß, konnte ich Aspens Blick durch den Stoff meines Kleides brennen spüren. Überraschenderweise begleitete mich auch Maxon. Nach unserer Rückkehr würde er den Preis zweifellos mit Peitschenhieben bezahlen müssen.

Der Innenbereich sah exakt so aus wie der des Flugzeugs, in das ich kurz vor Beginn der Selection eingestiegen war. Maxon und ich hatten uns jedoch für die Einzelsitze im hinteren Winkel entschieden, anstatt die Couch zu benutzen. Die Armlehne zwischen uns war hochgeklappt, was mir ermöglichte, sich an seine Seite zu schmiegen. Er sagte nichts, rieb nur kleine Kreise auf meinem Rücken und küsste abwechselnd meinen Kopf und die Fingerspitzen der Hand, die er hielt. Ich wusste, dass Aspen wahrscheinlich an eine Million Möglichkeiten dachte, Maxon zu zerstückeln, konnte mich aber auf nichts anderes konzentrieren als auf den tiefen Schmerz in meiner Brust.

Die Fahrt vom Flughafen war ähnlich, nur, dass meine Gedanken von dem Schmerz zu meiner Reaktion auf den Schmerz wanderten. Ich hatte nicht mehr geweint, seit Maxon mir die Nachricht überbracht hatte. Mein Vater war mein Fels, sollten meine Tränen jetzt nicht unkontrollierbar sein? Sollte ich nicht in Schluchzen, Schreien und Zittern verfallen? Sollte ich nicht Aspen wollen, den Mann, der meinen Vater sein ganzes Leben lang und nicht nur ein kurzes Wochenende gekannt hatte?

Das tat ich aber nicht. Ich schluchzte nicht oder schrie oder wollte Aspen. Ich wollte meinen Vater, aber da ich wusste, dass ich ihn nicht haben konnte, wollte ich Maxon fast ebenso sehr. Etwas veränderte sich, aber ich war mir nicht sicher, ob Maxon es auch spürte. Wie auch immer, jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Ich fühlte mich für den Rest der Fahrt schuldig.

Als wir bei mir zu Hause ankamen, konnte ich nicht anders, als darüber nachzudenken, ob ich mich schämen sollte oder nicht. Ich wusste, dass ich mich für meine Familie oder für meine Herkunft nicht schämen musste, aber trotzdem, der Prinz stand auf meiner kleinen Veranda, direkt vor der abgeplatzten Haustür und unter der flackernden Lampe. Meine Schuldgefühle wuchsen nur an, und ich fragte mich, wie enttäuscht mein Vater von meinen Gedanken sein würde.

»Die Lichter sind schön«, hörte ich jemanden sagen, meine Gedanken unterbrechend. Maxon stand neben mir und betrachtete die Weihnachtsbeleuchtung, die mein Vater am Dach und an einem Verandapfeiler angebracht hatte. Ihm war zuzutrauen, in dem flimmernden grünen und roten Licht makellos auszusehen. Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln und legte meine Arme um seinen Nacken, wobei ich alle Blicke und das Geflüster ignorierte.

»Ich habe Angst«, flüsterte ich ihm ins Ohr. »Es ist nicht fair.« Mir war bewusst, dass ich mich albern verhielt. Natürlich war es nicht fair, aber war es für mich so unfair wie für Aspen, als sein Vater starb? Oder für Natalie, als die Südrebellen ihre Schwester ermordeten? Oder für Königin Amberly, als sie Kind um Kind verlor? Nein. Und doch erlaubte ich mir, dass der engelsgleiche Mann vor mir mein Haar streichelte und meine Wangen küsste, weil ich egoistisch bin, und für einen Moment war ich mit dieser Tatsache einverstanden.

Maxon seufzte und drückte mich fester an sich, und einen Moment lang fühlte ich mich völlig sicher. »Ich weiß, Liebling, ich weiß. Er wird aber nie wirklich weg sein, nicht aus diesem Haus und nicht von dir. Das musst du wissen.« Er klang so aufrichtig, so einfühlsam, so liebevoll. Ich konnte die wenigen Tränen, die mich doch überwältigten, nicht zurückhalten, aber Maxon küsste jede einzelne weg und flüsterte mir zu, wie stolz er auf mich war und wie stolz mein Vater war und weiterhin sein würde.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, gingen wir hinein und wurden umgehend von meiner Mutter und May überfallen. Es war nicht die fröhliche Begrüßung, die ich mir erhofft hatte, als ich daran gedacht hatte, dass Maxon meine Familie zum zweiten Mal sehen würde, war aber irgendwie bedeutungsvoller, als es in jeder anderen Situation hätte sein können. Er küsste meine Mutter auf die Wange und sprach ihr sein Beileid im Flüsterton aus, er setzte sich auf die Knie und hielt May, als wäre sie seine eigene Schwester, und schließlich wurde ich in das Wirrwarr auf dem Fußboden gezogen. Maxon hielt zwei weinende Mädchen und tat genau das, was ihn am nervösesten machte – für mich. Er tat es für mich, für May, für meine Mutter, für Kenna, die er noch nie getroffen hatte. Er tat es, weil er selbstlos war, fürsorglich. Weil er Maxon war. Weil er mich liebte. Ich wusste, dass er das tat. Ich denke, zumindest ein Teil von mir hat es schon gewusst und mein Verstand hat es trotzdem infrage gestellt. Mein idiotischer Verstand, der immer gute Dinge ruiniert.

Das Abendessen war lebhafter als erwartet. Geschichten über Dad und Dinge, die er gesagt oder getan hatte, wurden ausgetauscht, und Maxon erfuhr genug, um mich sicher sein zu lassen, dass er das Gefühl hatte, meinen Vater sein ganzes Leben lang gekannt zu haben. Maxon war großherzig und freundlich, lächelte und brachte sich mit ein, wenn er es für angemessen hielt, war aber im Allgemeinen zufrieden mit dem Zuhören. Seine Hand verließ nie meine Nähe, normalerweise ruhte sie auf einer der meinen oder auf meinem Bein oder auf meiner Stuhllehne. Ich spürte, wie ich mit ihm und der Atmosphäre verschmolz, das Gefühl von Furcht und Schrecken rann meinen Rücken hinunter und auf den Holzboden. Im Palast fühlte ich mich natürlich zu Hause, aber nicht so. Nicht so, wie ich mich mit Maxon an meinem Esstisch, auf meiner Couch oder in der Küche, als meine Mutter versuchte, ihm die Grundlagen des Kochens beizubringen, zu Hause fühlte.

Als an diesem Abend Geschenke ausgetauscht wurden, hatte Maxon für jedes Familienmitglied etwas dabei, was selbst mir nicht bewusst gewesen war. Trotz der diskret geflüsterten Offenbarung, auch etwas für mich zu haben, war ich mir sicher, dass Kenna es gehört hatte, als sie mir ein kleines Zwinkern zuwarf. Ich errötete merklich und lehnte meinen Kopf an Maxons Schulter, um nicht ihrem Blick zu begegnen.

Ein paar Stunden später lagen alle entweder im Bett oder befanden sich auf dem Weg dorthin, sodass nur ich und Kenna im Wohnzimmer zurückblieben. Astra schlief in meinen Armen, gewickelt und ruhig atmend. Ich konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Sie war so unschuldig, so unbeschwert, so wunderschön. Ich hatte noch nie etwas so Reines gesehen und konnte nicht anders, als mich zu fragen, ob ich eines Tages ein eigenes Kind halten würde. Ob das in einem kleinen Haus in Carolina oder einem Palast in Angeles war, war mir egal – denn auf einmal zählte nur, dass Maxon bei allem neben mir war. Es war mir egal, ob wir Kronen auf unseren Köpfen trugen, ob ich ein Kleid oder Schlafshorts aus Baumwolle trug. Es war mir egal, denn in Gedanken war ich bei ihm. Drehten sich meine Gedanken um Aspen, kam ich nie weiter als bis zu unserer Hochzeit, denn es war der Nervenkitzel, den wir beide so liebten. Natürlich liebte er mich und ich ihn, aber er liebte mich nicht auf die Art, die ich jetzt von Maxon kannte. Er sah mich nicht als seine ganze Welt, nur als einen großen Teil davon. Aspen war eine Kraft, eine, die ich liebte, in die ich aber nicht verliebt war.

»Worüber denkst du nach?«, fragte Kenna leise, damit Astra nicht aufwachte und niemand – insbesondere nicht Maxon – es hören würde. Sie wusste, worüber.

Ich konnte sie nicht anlügen. Kenna stand meiner Mutter vielleicht näher, aber sie und ich waren uns in dem Sinne ähnlich, dass wir wie unser Vater dachten. Dad und sie konnten mich beide wie ein Buch lesen, und ich wusste, dass ich mit jemandem darüber reden musste, der nicht um Maxons Hand konkurrierte. Kenna unterstützte mich immer, hatte aber keine Angst, offen zu sein. Ich fand, sie und Celeste, die neue Celeste, kämen miteinander aus.

»Ihn«, flüsterte ich. »Es macht mir Angst, wie sehr ich ihn brauche. Ich sollte niemanden brauchen, aber ich möchte ihn brauchen, Kenna. Ich habe das Gefühl, dass ich mich auf ihn verlassen kann, dass ich ihn brauche und er mich braucht. Wie kann ich aber wissen, dass dieses Gefühl echt ist, wenn hinter mir drei andere Mädchen für dasselbe kämpfen, wofür ich kämpfe?« Ich konnte die Hilflosigkeit, die Verzweiflung, die Angst in meiner Stimme hören. Ich wusste, dass sie mich nicht verurteilen und ihr Bestes geben würde, um sich in meine hochhackigen Riemchenschuhe zu versetzen. »Kenna, was soll ich tun?«

Sie legte ihre Hand auf meinen Arm und sah mich grimmig an, und ich verstand, dass ich eine Antwort bekommen würde. »Lass dir Eier wachsen«, sagte sie. Ich musste mir ein Lachen über ihre derbe Ausdrucksweise verkneifen, wusste jedoch, dass diese Antwort besser war als eine, die meine Gefühle verhätschelte. »Er liebt dich, Ames, jeder kann es sehen. Ernsthaft, ich weiß, dass James mich liebt, aber selbst er sieht mich nicht so an, wie Maxon dich ansieht.« Sie zuckte sacht mit den Schultern, und ich wusste, dass sie das nicht störte. Weder sie noch irgendjemand sonst hatte jemals die Liebe, die James für sie hegte und sie für ihn, angezweifelt. »Und diese Mädchen in Angeles? Die Leute und der König und die Königin? Ernsthaft, wen kümmert es, America? Er wählt, nicht jemand anderes.«

Da musste ich wieder ein Lachen unterdrücken. Ihr war nicht bekannt, dass Königin Amberly kürzlich dasselbe gesagt hatte. Ich wusste, dass sie recht hatte – und ich wusste auch, dass das viel leichter gesagt als getan war. Ich schüttelte leicht den Kopf, aber Kenna kam mir zuvor, bevor ich mich dazu äußern konnte. »Nein, Ames, ich meine das ernst. Denk nicht zu viel darüber nach. Es ist Liebe, und das ist so viel mehr als ein dummer Wettbewerb.« Sie küsste mich auf den Kopf, stand auf und streckte sich leicht, bevor sie dem Baby in meinen Armen einen fragenden Blick zuwarf.

»Ich lege sie hin«, sagte ich ihr. »Ich möchte noch ein bisschen Zeit mit ihr verbringen, bevor ich wieder abreisen muss. Geh, schlaf ein bisschen.« Sie lächelte sanft und strich mein Haar glatt, bevor sie sich auf den Weg zu dem Zimmer machte, das sie und James teilten. Ich bemerkte, dass alle Zimmer, an denen sie vorbeikam, das Licht aus hatten und nahm an, Lucy und May waren so mitgenommen, dass sie früh eingeschlafen waren.

Ich hörte, wie sich die Tür am anderen Ende des Flurs öffnete und sah für einen Moment eine kleine Flut von warmem gelbem Licht mein peripheres Sichtfeld erfüllen. Maxon trat in einem Baumwollhemd und einer Pyjamahose, die so fein verarbeitet aussah, dass es illegal sein sollte, aus dem Badezimmer. Sein blondes Haar war feucht, was es stattdessen hellbraun erscheinen ließ, und fiel ihm in die Augen, bis er schnell mit den Fingern hindurch fuhr, um es in Form zu bringen. Gott, er schaffte es immer wieder, mich damit zu schocken, wie umwerfend er unter egal welchen Umständen aussah. Unsere Blicke trafen sich und er schenkte mir das sanfteste Lächeln, bevor er sich neben mich auf die Couch setzte. Ich lehnte mich an ihn und schmiegte mich an seine Seite, als sein Arm meine Schultern umgab. Wir schwiegen für den Moment und starrten Astra an. Ich hätte schwören können, dass sowohl mein Verstand als auch mein Herz explodierten, als er mit seinem Zeigefinger über ihre kleinen Wangen strich und schließlich zuließ, dass sich ihre kleine Faust darum schloss.

»Willst du sie halten?«, flüsterte ich und hoffte, dass er ja sagen würde, damit ich das Bild in mein Gedächtnis einbrennen konnte. Er sah sowohl aufrichtig schockiert als auch verängstigt aus, fasste sich aber schnell, als ich mich aufrichtete, um ihm den Säugling zu reichen. Er nahm Astra behutsam, und ich sah das Rosa seiner Wangen und das Glück, das in seinen braunen Augen leuchtete. Wieder an ihn gelehnt drehte ich mein Gesicht nach oben, damit ich die beiden beobachten konnte.

Und da traf mich die Wahrheit wie ein Blitzschlag.
Ich wollte, dass dieser Moment für immer andauert. Ich wollte die Kinder, das Lachen, die Tränen, und ich wollte alles mit Maxon. Ich wollte alles mit Maxon, weil ich ihn liebte. Weil ich so heillos in ihn verliebt war, dass ich mich beim Gedanken, diese Momente mit jemand anderem zu erleben, körperlich krank fühlte. Der Mann neben mir war der, mit dem ich für den Rest meines Lebens zusammen sein wollte, nicht nur für die letzten Wochen der Selection. Plötzlich schienen die Krone, das Volk, König Clarkson nicht mehr so furchterregend. Weil ich Maxon haben würde, und weil Maxon mich haben würde.

Und dann brach eine andere Angst über mich herein. Schlagartig wirkte die Angst davor, Maxon von meinen mit Aspen gemachten Fehlern zu erzählen, entsetzlich auf mich. Was, wenn meine Liebe zu ihm nicht ausreichte, um mich an seiner Seite zu halten? Was, wenn er sich, obwohl er wusste, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht im Wettbewerb um ihn war, trotzdem von mir löste? Ich wusste nicht, dass die Tränen flossen, bis Maxon die Stille durchbrach.

»Was ist, Liebling?« Er klang so besorgt und ich wusste, dass ich das nicht verdient hatte. Ich wusste, dass Maxon mich hassen würde, ungeachtet dessen, was irgendjemand sagte. Und ich wusste, dass ich es ihm sagen musste. Wie konnte ich mit mir selbst leben, wenn ich es ihm verheimlichte?

»Können wir Astra ins Bett bringen und dann in meinem Zimmer reden?«, flüsterte ich heiser, die Angst unverhohlen in meiner Stimme. Maxon nickte nur, Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nachdem ich mich in Gerads Zimmer, in dem Kenna und James gegenwärtig untergebracht waren, geschlichen und Astra behutsam hingelegt hatte, begaben Maxon und ich uns leise zu meinem Zimmer. Wir saßen mit dem Rücken zum Kopfende des Bettes und als er nach meiner Hand griff, verhinderte ich durch leichtes Kopfschütteln, dass er meine Hand auch hielt.

»Das wirst du nicht mehr tun wollen, sobald ich dies sagte«, teilte ich ihm ehrlich mit, mir im Klaren, dass es einige Augenblicke dauern würde, bis er verstand, wovon ich sprach. Schmerz vermischte sich mit der anhaltenden Verwirrung in seinem Gesicht, aber ich wusste, dass ich sagen musste, was ich zu sagen hatte.

»Maxon«, begann ich, »bevor ich dies sage, will ich dir etwas mitteilen, obwohl ich mir sicher bin, dass es dir bald egal ist. Aber um es einfach zu machen, ich liebe dich.« Ich sah das sich über sein ganzes Gesicht ausbreitende Lächeln, ließ es aber nicht zu weit kommen. »Ich liebe dich so sehr, dass es wehtut, aber ich kann dir das nicht verschweigen.« Er nickte, sein Lächeln war immer noch deutlich. »Officer Leger, nun, ich habe dir einmal erzählt, dass wir beide aus Carolina stammen, was wahr ist, aber ich habe Teile weggelassen.« Es war, als würde ein Schalter umgelegt, und Erkenntnis nahm seine Züge ein. »Wir waren verliebt oder dachten es zumindest. Wir wollten heiraten. Wir trafen uns jahrelang heimlich und sparten beide für eine kleine Hochzeit. Ich war bereit, eine Kaste abzusteigen, zur insgeheimen Enttäuschung meiner Familie, weil ich dachte, ich liebe ihn. Aber dann hat er einen Tag vor der Verkündung meines Namens Schluss gemacht, obwohl ich meinen Namen nur eingereicht habe, weil er mich darum gebeten hat. In Angeles aber, mit dir und den anderen Mädchen, fühlte ich mich schließlich okay. Ich war abgelenkt und dachte, dass es mir endlich gut gehen könnte. Du und ich wurden Freunde und mein Herz begann zu heilen. Bis er dann im Palast auftauchte und alles auf den Kopf gestellt wurde. Du wusstest, dass ich da war, um dir zu helfen und nicht, um dich zu heiraten, und so sagte ich mir, dass ich eigentlich nichts falsch mache. Aber das habe ich und das weiß ich. Es ging nie über Küsse und geheime Treffen hinaus, was mir in keiner Weise hilft, aber ich möchte, dass du die ganze Wahrheit kennst.«

Maxon hatte keinen Ton von sich gegeben, was nur etwas Schreckliches bedeuten konnte. Aufzuhalten waren meine Worte trotzdem nicht, ich erbrach sie regelrecht. »Als Marlee und Carter mit der Rute geschlagen wurden, wurde mir klar, wie gefährlich meine Situation ist. Aber ich war wütend, Maxon. Ich war so wütend auf dich, weil ich dachte, du hättest das zugelassen. Ich wusste nicht, dass du alles in deiner Macht Stehende getan hast, um das zu verhindern. Und dann tanzten wir im Regen, und mich erfasste der Gedanke, dass ich mich in dich verliebe, und ich bekam solche Angst. Ich fing an, mich von Aspen zu distanzieren. Ich hatte ihn als Sicherheitsnetz benutzt und mir gesagt, dass ich ihn liebe, dass ich ihn brauche. Aber das tat ich nicht, und tue es auch nicht. Ich brauche dich, und als mir das klar wurde, wusste ich, dass ich dir davon erzählen muss und dass du mich hassen würdest.«

Ich weinte und Maxon auch. Unsere heißen Tränen waren langsame stetige Ströme, und nur einer von uns verdiente es überhaupt, zu weinen. Ich wischte mir mit dem Handrücken über die Wangen. »Also, es tut mir leid«, schloss ich. »Ich weiß, es bedeutet nichts, aber es tut mir so, so leid, Maxon.«

Er fuhr sich mit der Handfläche über das Gesicht, seufzte und wischte sich über die Augen. Er öffnete ein paar Mal den Mund, als wollte er etwas sagen, schloss ihn dann aber und schüttelte den Kopf. Er schloss auch die Augen und wie ich wusste, lag es daran, dass er nicht ertragen konnte, mich anzusehen. Ich hasste mich selbst, mehr als ich jemals etwas gehasst habe.

»Können wir einfach schlafen gehen, America? Du kannst nicht erwarten, dass ich jetzt weiß, was ich dazu sagen soll. Ich bin wütend, ich bin so wütend, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll.« Ich konnte die widersprüchlichen Emotionen sehen, die Wut und Verwirrung und den blanken Schmerz. Ich verdiente viel mehr als eine Prügelstrafe dafür, was ich ihm antat. Ich nickte, kaum eine Bewegung meines Kopfes, und schob meine Beine unter die Steppdecke. Maxon tat dasselbe am anderen Ende des kleinen Bettes. Ich schaltete die Lampe aus und drehte mich zur Wand, wohl wissend, dass Maxon exakt dasselbe tat und dass es mehr als verdient war.

Über eine Stunde brauchte es, bis ich einschlief. Nach der Hälfte dieser Zeit hatte sich Maxons Atmung beruhigt, obwohl sie flacher und mühsamer als normal war. Während ich endlich einschlief, lag meine Wange im feuchten Kissenbezug und mein Kopf fing schon zu schmerzen an.

Ein paar Stunden später wachte ich auf, als sich das Bett bewegte. Maxon rückte auf meine Seite des Bettes und schlang einen Arm um meine Taille. Er schmiegte seine Nase an meinen Nacken und atmete einen Moment lang ein, bevor er das Zimmer in völlige Stille versinken ließ.

Ich beobachtete die Uhr an der Wand. Sieben Minuten und einundvierzig Sekunden waren vergangen, als Maxon sprach.
»Ich möchte dich dafür hassen, was du getan hast, America. Ich möchte dich so sehr hassen, aber ich kann nicht. Weil ich dich liebe, und das macht mich noch wütender, als du es dir jemals vorstellen kannst.« Ich nickte schwach, sagte nichts. »Ich bin wütend auf dich und ich habe noch so viel mehr zu sagen, aber ich liebe dich mehr, als ich jemals jemand anderen geliebt habe. Also heirate mich, America. Bitte, heirate mich.«

Nicht glauben könnend, was ich hörte, spannte ich meinen ganzen Körper an. Nach einem Moment drehte ich mich um, schlang unbeholfen einen Arm um seinen Nacken und fuhr mit meinen Fingern durch sein Haar. Meine Wangen waren feucht von heißen Tränen, sowohl aus Erschütterung als auch aus Schuldbewusstsein, und ich drückte mich näher an ihn. Dass Wortkotze meine Stärke war, bewies ich mir nur wenige Augenblicke später, als ich hektisch nickte und flüsterte: »Ja, ja, es tut mir so leid, ja, ich liebe dich so sehr, ja, es tut mir leid.«

Maxon unterbrach mich, indem er seine Lippen auf meine drückte, auf meine Wangen, meine Augenlider, meine Nase, meinen Hals. Unsere Tränen kollidierten und verbanden sich und wir bewiesen einmal mehr, dass wir ohne einander viel zu hilflos waren.

Morgen würden wir meinen Vater beerdigen. Morgen würden wir schreien und kämpfen und weinen. Morgen würden wir meiner Familie mitteilen, dass wir uns verlobt hatten. Morgen würden wir es begreifen. Aber heute Abend waren wir nicht eine Fünf und eine Eins, wir waren nicht ein Elitemitglied und ein Prinz, und wir waren nicht eine Bürgerliche und ein Adeliger. Wir waren America und Maxon. Wir waren zwei verliebte Idioten, zwei wütende Idioten, die seit Neuestem verlobt waren.

Heute Nacht waren wir alles, was zählte.
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