Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Cœur de Femme   ||   Frauenherz

von Aersling
GeschichteAbenteuer, Humor / P12 / Gen
Ikkaku OC (Own Character) Trafalgar Law
15.07.2021
16.09.2021
13
36.091
17
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
15.07.2021 3.583
 
Hallo ihr Lieben,

Dieser Geschichte ist ein Outtake bzw. ein kleiner separierter Arc zu meiner Hauptstory  Cœur de Pirate || Piratenherz .

Wie sich diese Geschichte für jemanden liest, der nicht mit CdP und den zugehörigen OCs Jane Piston und Io vertraut ist, kann ich überhaupt nicht beurteilen. Falls sich dennoch jemand blind daran versuchen möchte, fände ich es interessant, das mitzubekommen. ^^;

Ansonsten möchte ich gleich mal eine fette SPOILER-Warnung für die CdP-Leser rausgeben. Wenn ihr in der Hauptstory nicht bei Kapitel 134 seid, wird dem dortigen Plot vorgegriffen und ihr werden Infos bekommen, die ihr zu dem Zeitpunkt vielleicht noch nicht haben wollt. Wer das Risiko nicht eingehen möchte, der findet diese Geschichte wie immer bei dem Kapitel, wo sie zur Timeline passt. :3

Natürlich gilt auch hier das, was bei mir immer gilt: Anregungen und Kritik sind jederzeit herzlich erwünscht und ich freue mich sehr über jegliches Feedback.

Frauenherz ist bereits komplett fertig geschrieben und es wird wöchentlich ein Update am Freitag dazu geben.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Viele Grüße,
Aersling

____________________________________________________________________________________________________________


”Über den Umgang mit Zicken”


„Warum wollen sie uns nicht dabei haben?“, murmelte Io bedrückt, während sie gemeinsam mit den beiden anderen weiblichen Besatzungsmitgliedern der Heart-Bande die Hafenpromenade von Isla Alegria entlang schlurfte.

„Weil Männer hin und wieder Dinge tun, an denen wir Frauen keinen Spaß haben, Io“, erklärte Jane mit einem verdächtigen Funkeln in den eisblauen Augen. „Darum werden wir uns heute zu dritt einen schönen Tag machen.“

Ikakku schnaubte nur. Erstens war das mit dem Spaß eine Lüge und zweitens war es das Dümmste, was Jane hätte sagen können.

„Was für Dinge?“, hakte die Jugendliche prompt nach und runzelte die Stirn. „Und wie soll ich wissen, dass ich das nicht mag, wenn ich es nicht ausprobiert habe?“

„Sie werden sich betrinken“, sprang die Smutje sofort ein, um Schlimmeres zu verhindern.

„Es ist erst acht Uhr morgens!“ Io blieb stocksteif stehen und starrte Ikakku entsetzt an. „Und warum sollten sie das überhaupt wollen?! Es macht keinen Spaß, betrunken zu sein.“

Ikakku triumphierte innerlich. Vermutlich würde Io jetzt eher froh sein, nicht dabei sein zu müssen und das war genau das, was die Smutje erreichen wollte. Nach außen zuckte sie allerdings nur gleichmütig mit den Schultern.

„Genau darum werden wir jetzt das tun, was Jane gesagt hat. Wir machen uns einen schönen Tag und die Männer dürfen mal ein bisschen primitiv sein und sich vollaufen lassen“, verkündete sie demonstrativ fröhlich und hakte sich bei ihrer unwilligen Begleiterin unter, um sie weiter von der Polar Tang wegzuziehen.

„Wenn ihr meint“, murrte Io und ließ sich eher lustlos mitschleifen.

Ikakku und Jane hatten nicht komplett gelogen, allerdings würden sie dem Lockenkopf definitiv nicht erzählen, wo dieses Besäufnis stattfinden würde. Vermutlich in einem Bordell oder irgendeinem zwielichtigen Strip-Club. Nicht, dass die beiden erwachsenen Heart-Piratinnen etwas dagegen gehabt hätte, sich anzuschließen. Sie hatten die Abende in diesen speziellen Etablissements immer extrem witzig gefunden.

Aber da Ikakku und Jane mit ihren stichelnden Kommentaren Shachi, Penguin und allen anderen dabei immer gehörig die Stimmung versalzen hatten, hatten die ihre Anwesenheit nie sonderlich erbaulich gefunden. Also hatte Trafalgar Law vor Jahren ein Machtwort gesprochen. Wenn die Männer einen Abend ausschließlich für sich wollten, dann hatten Jane und Ikakku das zu respektieren und im Gegenzug wurde den beiden Frauen genau dasselbe Recht eingeräumt.

Früher hatten sie tagsüber immer einen ausgiebigen Shoppingtrip gemacht und dann am Abend die Schiffswache übernommen, so dass alle Männer der Mannschaft in der Nacht zusammen losziehen konnten. Aber aufgrund von Ios Anwesenheit war diese Regelung schon lange nicht mehr angewandt worden.

Hauptsächlich, weil niemand der traumatisierten Jugendlichen das Konzept eines Bordells erklären wollte. Vor allem, weil Sex ein absolutes Tabu-Thema war, sobald sie anwesend war. Ein paar Mal waren den Heart-Piraten trotzdem schlüpfrige Sprüche herausgerutscht, aber Io war nie darauf angesprungen. Sie hatte nie nachgebohrt und schien alles zu ignorieren, was auch nur im Ansatz mit Sex in Verbindung stand. Anscheinend wollte Io gar nichts damit zu tun haben. Und falls sie in ihrem bisherigen Leben irgendwie Erfahrungen damit gemacht hatte, dann war sie viel zu jung dafür gewesen!

Ikakku fröstelte und drängte die düsteren Gedankengänge beiseite. Der Tag bot optimale Voraussetzungen und sie würde ihn nicht mit irgendwelchen Grübeleien trüben! Nein, Io, Jane und sie würden ihren Ausflug in vollen Zügen genießen. In einhelligem Schweigen bummelten sie die belebte Strandpromenade entlang und genossen den frühmorgendlichen Sonnenschein. Das Wetter war perfekt, um eine unbekannte Stadt zu erkunden.

„Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Law sich betrinkt“, griff Io das unleidige Thema nach ein paar Minuten wieder auf.

„Natürlich nicht“, schmunzelte Jane und warf Ikakku über Ios Kopf hinweg einen vielsagenden Blick zu. „Unser Käpt’n ist ja auch anständig.“

Die Smutje grinste nur dreckig zurück.

Manchmal war Io einfach viel zu naiv. Es kam nur extrem selten vor, aber wenn der Käpt’n mal so richtig in Feierlaune war, dann war er tatsächlich der Schlimmste von allen. Und außerdem war er derjenige, dem sie den heutigen Trip zu verdanken hatten. Ikakku wunderte sich ein wenig, was ihn dazu getrieben hatte, denn er hatte eindeutig klargestellt, dass er komplett allein losziehen und sein eigenes Ding drehen würde. Selbst Bepo dufte ihn nicht begleiten.

Was Trafalgar Law wohl so Spezielles vorhatte?

Egal.

Heute ging es nur um sie drei und nicht um den Chirurg des Todes.

„Jane, hast du die Broschüren durchgeschaut, die ich gestern noch aufgetrieben habe?“, wandte sie sich an die Mechanikerin.

„Jepp.“ Die bullige Blondine fischte ein paar bunte Flyer aus ihrer Tasche und wedelte triumphierend mit ihnen herum. „Um es kurz zusammenzufassen, gibt es hier auf Isla Alegria einfach nur alles. Die Stadt ist riesig und sie haben irgendwo sogar ein separates Messegelände, wo ständig irgendwelche Veranstaltungen sind. Aktuell ist nichts Interessantes dabei, aber letzte Woche wäre da eine Technik-Messe gewesen“, schloss sie bedauernd.

„Du siehst mich ob dieser verpassten Gelegenheit zutiefst betroffen“, schluchzte Ikakku theatralisch und griff sich ans Herz, bevor sie Jane hart gegen die Schulter knuffte. „Heute gibt’s für dich keine Motoren, Jane! Heute gibts die volle Breitseite Weiberkram. Und jetzt kommt, wir gehen erstmal shoppen.“

„Aber ich habe mein Geld nicht dabei.“

Ikakku stöhnte genervt auf.

Warum war Io nur so ein Stimmungskiller?! Kurzerhand baute sie sich vor der Teenagerin auf und hob ihr Kinn an, so dass sie ihr in die Augen sehen konnte. Autsch. In den goldenen Iriden war nicht ein Hauch von guter Laune zu finden. Es schien ihr wirklich nahe zu gehen, dass der männliche Teil der Besatzung sie kategorisch ausgeschlossen hatte.

„Okay, jetzt hör mal zu, Io. Egal, was wir heute machen, du wirst nichts bezahlen müssen. Bailey hat mir für diesen Trip mehr Geld in die Hand gedrückt, als jeder vernünftige Mensch an einem Tag ausgeben könnte. Und weißt du auch, warum? Obwohl die anderen heute ohne uns was unternehmen, wollen sie, dass wir ebenfalls unseren Spaß haben“, erklärte sie dem Lockenkopf ungeduldig. „Unser erklärtes Ziel wird es also sein, das gesamte Budget auf den Kopf zu hauen und unseren Ausflug in vollen Zügen zu genießen. Wir werden richtig prassen und einfach nur alles tun, worauf wir Lust haben. Das heißt, wenn du etwas siehst, was dir gefällt, dann sag es einfach und wir machen es.“

Io nickte zögernd, aber begeistert wirkte sie immer noch nicht. „Können wir auch in einen Buchladen?“, fragte sie und zupfte abwesend an einer ihrer Locken herum. „Da war vorhin einer und der hatte im Schaufenster die Fortsetzung von einem Roman, den ich gut fand.“

Oh, nein.

Alarmiert schüttelte Jane hinter dem Rücken der Jugendlichen den Kopf. Für Io waren Buchhandlungen ungefähr das, was für die Mechanikerin eine Technikmesse oder für Ikakku ein Messerladen war. Sie würden nie wieder aus dem Geschäft rauskommen und das war definitiv nicht die Vorstellung, die die beiden Piratinnen von einem typischen Frauentag hatten.

Aber die rettende Idee war schnell gefunden.

„Das passt ganz hervorragend“, stimmte Ikakku zu und ignorierte Jane, die zuerst auf sich selbst und dann in Richtung der Smutje deutete, bevor sie ihren Finger drohend über die eigene Kehle zog. „Wir holen dir das eine Buch und du kannst auch gleich anfangen, es zu lesen. Denn direkt danach gehen wir an einen besonderen Ort. Einen, an den wir gar nicht gehen könnten, wenn die Männer dabei wären. Sowas hast du garantiert noch nie gesehen.“

Und da war es endlich. Das neugierige Aufblitzen in den goldenen Iriden, das Ikakku bisher so schmerzlich vermisst hatte.

~oOo~


Nur eine halbe Stunde später standen sie vor einem großen, weißen Torbogen, an dem sich akkurat gestutzte Rosen entlang wanden. Er gab den Blick auf einen kleinen Innenhof frei, in dessen Mitte ein Springbrunnen plätscherte. Die Beete, die die hell gepflasterten Wege säumten, waren fein säuberlich gepflegt und verströmten einen süßlichen Duft.

„Das ist hübsch“, befand Io und zupfte ein Blütenblatt von einem nahen Busch ab, während sie sich umblickte. „Aber was ist ein Queens Palace?“

Ikakku grinste und machte eine ausladende Bewegung über den Innenhof. „Das, meine liebe Io, ist ein Wellness-Center“, verkündete sie enthusiastisch.

„Und was tun wir hier?“

„Sie es einfach als kleines Abenteuer und lass dich überraschen“, würgte Jane die Frage kurzerhand ab und schob Io nachdrücklich in die Richtung, in der sie die Rezeption vermutete.

„Kann ich Ihnen helfen?“, näselte die grünhaarige Empfangsdame und rümpfte unmerklich die Nase, während sie die drei Gestalten musterte, die nicht so wirkten, als wären sie im richtigen Laden gelandet.

Ein bulliges, weißblondes Mannsweib, das sie um Haupteslänge überragte und ein bauchfreies, weißes Top und abgeschnittene, ausgefranste Jeans trug. Eine Frau sollte definitiv keinen Sixpack haben! Das Mädchen daneben sah aus, als hätte es die letzten Jahre keinerlei Kontakt zu einer Haarbürste gehabt und dessen Kleidung... Nun ja. Ein übergroßer, schwarzer Hoodie und weite, braune Hosen waren einfach nur eine scheußliche Kombination! Und die letzte im Bunde trug einen so kurzen Rock, dass sie aussah wie eine billige-

„Hallöchen“, säuselte Ikakku süßlich zur Begrüßung und lehnte sich unverschämt über den Tresen, um schmerzhaft fest gegen das Namensschild der Frau zu schnipsen. „Du weißt es zwar noch nicht, aber heute ist dein Glückstag, Marley. Wir möchten nämlich...“

Noch während die Smutje begann ihre Vorstellungen zu erläutern, fischte sie ein Bündel Berry aus dem Ausschnitt ihrer zu tief ausgeschnittenen Bluse und knallte es auf den Tisch. Der Frau liefen beinahe die Augen über. Wenn diese drei Gestalten auch nur die Hälfte davon im Queens Palace ausgeben würden, würde sie heute ein kleines Vermögen verdienen.

„Möchten Sie außerdem noch etwas?“, fragte Marley geschäftig und schnappte sich schnell Papier und Stift, um den Preis zu kalkulieren. „Wir bieten auch Stilberatung in unseren hauseigenen Boutiquen und Sie werden im hinteren Bereich ebenfalls Restaurants und Cafes finden. Wenn ich empfehlen dürfte-“

„Nerv nicht“, unterbrach Ikakku die Frau unwirsch. „Wir sehen uns alles an.“

„ALLES?!“

Marley kam spontan zu dem Schluss, dass sie diese drei Frauen trotz ihres undamenhaften und groben Auftretens mögen würde. Naja, wenigstens ihre Berrys. Sie nickte geflissentlich.

„Ganz wie die Damen wünschen. Dreimal ‚All inclusive‘. Warten Sie kurz, ich rufe eine unserer Mitarbeiterinnen. Sie wird Sie während ihres Aufenthalts betreuen und Ihnen alles zeigen.“

Besagte Mitarbeiterin entpuppte sich als wasserstoffblonde, braungebrannte Frau namens Cat, die sie mit einem gekünstelten Lächeln zu ihrer hervorragenden Auswahl beglückwünschte. Dann wurden sie einen langen Gang entlang zu den Umkleiden geführt. An seinen Wänden hingen in regelmäßigen Abständen Bilder diverser Schauspielerinnen und Sängerinnen.

Cat ließ es sich auch nicht nehmen, ihnen dabei etwas über die Stars zu erzählen, die sich im Queens Palace schon eingebucht hatten. Ikakku und Jane konnten wenigstens mit ein paar Namen etwas anfangen, aber Io ignorierte die hochkarätige Geschichte des Hauses komplett, während sie sich skeptisch in dem Umkleideraum umblickte.

„Hier können Sie sich umziehen, danach werden wir mit dem Spa-Programm beginnen, meine Damen.“

Cat wartete vor der Tür, bis sie ihre Wertsachen in einem Spind verstaut, sich ausgezogen und in flauschige Bademäntel gehüllt hatten. Ihre dunklen Iriden streiften kurz über Ikakku und Jane, blieben dann aber an Io kleben. An den unzähligen Narben, die zuvor durch den weiten Pulli verborgen worden waren, und die nun gut sichtbar an Hals und Dekoltee aufblitzten.

Ikakku runzelte die Stirn, als Io wegen dem angewiderten Blick hektisch den Ausschnitt ihres Bademantels enger zusammenraffte und ihren Kopf senkte.

„Womit fangen wir an, Cat?“, peitschte die Smutje der Mitarbeiterin harsch entgegen.

Diese zuckte ertappt zusammen und öffnete eine nahegelegene Tür. „Hier hinein, meine Damen. Wir starten mit einem Schlammbad und dann-“

„Schlamm?!“ Ios Kinnlade krachte nach unten, als sie die großen marmornen Wannen und deren schwarzbraune Füllung sah. „Wir baden in Dreck?!“, japste sie völlig entsetzt und starrte Ikakku und Jane an, als ob sie völlig wahnsinnig geworden wären.

„Nein, in kosmetischem Schlamm“, erwiderte die Mitarbeiterin gereizt. Was hatten diese drei Weiber hier überhaupt verloren, wenn sie das Angebot nicht zu schätzen wussten? „Das entspannt, gibt geschmeidige Haut und-“

„Das ist unhygienisch!“, hielt der Lockenkopf prompt dagegen.

„Du hängst echt zu viel mit dem Käpt’n rum, Io.“ Kopfschüttelnd schälte Jane sich aus dem Bademantel und ließ sich ohne Umschweife nackt in eine der Wannen sinken.

„Und außerdem ist es teuerer Schlamm“, feixte Ikakku, während sie am Knoten ihres Bademantels herumnestelte. „Edler Schmutz, sozusagen.“

Im Gesicht der Mitarbeiterin braute sich ein Sturm zusammen. „Was fällt ihnen denn ein?! Wir sind ein ernsthaftes-“

„Entschuldigt uns kurz, ich muss Cat noch was fragen“, unterbrach Ikakku die aufbrandende Tirade und zerrte die Frau unsanft zurück in den Gang hinaus. Die Mitarbeiterin quiekte erschrocken auf, als sie fest am Kragen ihrer blassrosa Uniform gepackt und mit dem Rücken gegen die nächste Wand geschleudert wurde.

„Sie können hier nicht einfach-“

„Ich kann tun und lassen, was ich will, Kätzchen“, zischte die Smutje aggressiv. „Du wirst jetzt schön deinen Mund halten und zuhören, denn ich werde mich nicht wiederholen. Hast du mich verstanden?“

Als die Frau versuchte, sich loszureißen, drückte sie sie noch härter gegen die Wand. Die Wasserstoffblondine gab ihre erfolglose Gegenwehr schnell auf und nickte hektisch.

„Wunderbar“ Ikakkus Lippen verzogen sich zu einem bösartigen Grinsen, während sie Cat noch näher auf die Pelle rückte. „Wenn dir das Aussehen oder das Verhalten meiner kleinen Freundin nicht passt, ist das deine Sache. Aber wenn du das noch ein einziges Mal so offen zur Schau stellst oder dich erneut im Ton vergreifst, dann werde ich dir ein ganz spezielles Peeling mit meinen Messern verpassen. Und keine Schönheitsbehandlung der Welt wird die Fetzen retten können, die ich von deiner Visage übrig lassen werde. Würde dir das gefallen, Cat?“, hauchte sie der Angestellten drohend ins Ohr, während sie ihr mit der freien Hand über Wange und Kehle strich. „Ich glaube, ich hätte sehr viel Spaß daran.“

Die künstliche Bräune verwandelte sich in ungesunde Blässe, als die langen Fingernägel ihrer wahnsinnigen Kundin genüsslich über Cats Wange kratzten. Diese Ikakku sah aus, als würde sie schon überlegen, wo sie das Messer ansetzen wollte! Panik flackerte in Cats Mine und sie sackte mit wackelnden Knien die Wand hinab, als die Frau sie mit einem verächtlichen Schnauben aus ihrem ungnädigen Griff entließ.

Ikakku kehrte in den Raum zurück, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Jane hob nur milde interessiert den Kopf, als sie sich in die Wanne neben ihr sinken ließ. „Du hast alles geklärt?“

„Cat und ich haben nur Schönheitstipps ausgetauscht“, schmunzelte Ikakku gehässig und streckte sich träge in der zähen Masse aus, während sie Io beobachtete, die immer noch zögernd neben einem der Bassins stand und ihren Bademantel eng um sich geschlungen hatte. „Hüpf endlich rein, Süße. Das Zeug wird sonst nur kalt.“

„Wir geben wirklich Geld aus, um uns dreckig zu machen... Ich fasse es nicht, das ist völlig irre“, murmelte Io kopfschüttelnd, während sie vorsichtig mit einem Finger in die halb volle Marmorwanne stippte und die zähe, braune Masse kritisch aus der Nähe musterte. Als sie prüfend daran schnupperte, weiteten sich ihre Augen überrascht. „Warum riecht er nach Blumen?“

„Der Schlamm ist hitzebehandelt und mit Duftwasser versetzt“, meldete sich ein schüchternes Stimmchen aus dem Hintergrund. „Du hast sowas noch nie gemacht, oder?“

„Nein. Ich bin zum ersten Mal an so einem Ort“, erwiderte Io zurückhaltend und drehte sich zu der Sprecherin herum, die unauffällig in einer Ecke stand und einen Eimer in der Hand hatte. Sie mochte vielleicht 17 Jahre alt sein und auch sie steckte in einer Angestelltenuniform. Allerdings war diese grau, statt rosa. Ihre roten Haare waren zu einem schlichten Zopf gebunden und unzählige Sommersprossen sprenkelten ihr rundliches Gesicht.

„Ich weiß auch gar nicht, wie so viel Schlamm auf meine Teufelskraft wirkt“, fuhr Io zweifelnd fort und verrieb die Masse zwischen ihren Fingern.

Ikakku und Jane richteten sich abrupt auf. Verdammt, daran hatten sie gar nicht gedacht! Wellness beinhaltete teils recht viel Wasser und wenn Io nicht daran teilnehmen konnte, dann würde ihr das den ganzen Tag verderben!

„Oh, das ist kein Problem. Wir haben eine Stammkundin mit Teufelskräften und sie liebt das Schlammbad. Ich gehe ihr manchmal zur Hand und wir können es genauso machen wie bei ihr, wenn du willst“, erwiderte die Angestellte geschäftig und begann sofort einen Teil des Schlammes abzuschöpfen. „Die Wanne ist nicht tief. Wenn du dich jetzt reinsetzt, dann geht das Zeug dir nur bis zur Hüfte. Ich kann sie so lange auffüllen, wie du es willst und falls du dich unwohl fühlst oder es dir zu viel wind, kann ich den Schlamm ganz schnell wieder rausnehmen.“

Ios Kopf schoss unsicher zu den beiden anderen Heart-Piratinnen herum.

Jane fand, dass sich der Vorschlag gut durchdacht anhörte und einen Versuch wert war. Sie winkte nur auffordernd und lehnte sich mit einem wohligen Seufzen zurück. Gäbe es die technische Möglichkeit dazu, dann würde sie sowas in der Polar Tang einbauen, denn auf hoher See bekam man einfach viel zu selten die Gelegenheit, sich in der wohligen Wärme solch eines Bades zu entspannen. Stille legte sich über den Raum, lediglich unterbrochen vom leisen Gluckern des Schlamms, als der Lockenkopf sich endlich überwand und in die Wanne stieg.

„Und wie ist es?“, fragte die Rothaarige leise.

„Das fühlt sich an wie eine flüssige Kuscheldecke“, lächelte Io scheu und wackelte mit ihren Zehen in der dicklichen Masse herum. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, aber auch nicht unangenehm. „Ich glaube, das ist in Ordnung.“

„Also noch ein bisschen mehr?“

„Ich denke schon.“

Keine fünf Minuten später steckte Io bis über die Brüste im Schlamm und blätterte hochkonzentriert in ihrem neuen Buch.

„Hey, Mädchen. Wie heißt du eigentlich?“, fragte Ikakku mit entspannt geschlossenen Augen in den Raum hinein.

„Sarina.“

„Ah. Kannst du auch Gesichtsmasken, Sarina?“

„Natürlich, aber...“, die Angestellte zögerte merklich. „Aber die darf ich nicht machen. Dafür ist eure persönliche Betreuerin zuständig. Ich gehe sie sofort holen.“

Ikakku winkte lässig ab. „Lass gut sein, Sarina. Ich regel das schon... CAT, KOMM HER!“

Ihr Brüllen fetzte wie ein Paukenschlagschlag durch den Raum. Io fiel beinahe das Buch aus der Hand und auch Jane fuhr erschrocken aus ihrer entspannten Position hoch.

„Verdammt, ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen!“, meckerte die Mechanikerin und schoss einen Todesblick in Richtung Smutje.

Aber die war schon voll auf die Wasserstoffblondine fixiert, die vorsichtig in den Raum huschte und erschauderte, als sie das brutale Funkeln in den nussbraunen Augen ihrer schlimmsten Kundin sah.

„Was kann ich für die Damen tun?“, fragte sie zittrig.

„Cat, wir haben gerade entschieden, dass Sarina uns während unseres restlichen Aufenthaltes an deiner Stelle begleiten wird.“

„Haben wir?“, fragte Jane verblüfft.

Ikakku grinste triumphierend. „Ja, haben wir. Gerade eben.“

„Aber ich bin noch nicht dafür geschult!“, protestierte Sarina mit peinlich geröteten Wangen.

Die Smutje schnaubte nur. Das Mädchen konnte ihretwegen so unausgebildet sein, wie sie wollte. Sie hatte in wenigen Augenblicken bedeutend mehr geleistet als die aufgetakelte Wasserstoffblondine und die arrogante Schlampe vom Empfang zusammen! Auch Sarina hatte das Entsetzen nicht verbergen können, das sie beim Anblick von Ios unzähligen Narben befallen hatte. Aber statt Ekel hatte die Rothaarige nur Bedauern ausgestrahlt. Außerdem schien Io sich in ihrer Nähe wohler zu fühlen als in Cats.

Und auch wenn Ikakku den Gedanken amüsant fand, die unsympathische Angestellte den Rest der Zeit ein bisschen zu terrorisieren, war es wohl gesünder für alle Beteiligten, wenn Blondie schnellstmöglich das Weite suchte.

Die dumme Ziege schien sich allerdings in ihrer Ehre angegriffen zu fühlen. „Das geht nicht, sie ist nur eine Auszubindende und außerdem soll sie gar nicht mit Kunden arbeiten! Zusätzlich wirft es den ganzen Arbeitsplan durcheinander!“

„Oh, Cat. Sei doch nicht gleich so aufgeregt“ Ikakku schnalzte tadelnd mit der Zunge. „Ich bin mir absolut sicher, dass du deine Chefin davon überzeugen kannst, für uns eine kleine Ausnahme zu machen. Und außerdem hat jemand anders ja jetzt genug Zeit, um Sarinas ursprüngliche Arbeit zu übernehmen. Denkst du nicht auch?“, fragte sie die Blonde süßlich und eine ihrer Brauen zuckte auffordernd nach oben. Wer dieser andere ihrer Meinung nach sein sollte, war klar.

„N-n-natürlich“, würgte Cat stotternd hervor, als Ikakku spielerisch damit begann mit ihren Nägeln über den polierten Marmor der Wanne zu kratzen. „Ganz wie es den Damen beliebt. Ich werde alles veranlassen.“

Jane verfolgte den fluchtartigen Abgang der Blondine mit hochgezogenen Brauen. „Die hat sich ja fast eingepisst vor Angst“, murmelte sie so leise, dass Io und ihre neu erkorene Betreuerin es nicht hören konnten. „Will ich wissen, womit genau du ihr vorhin gedroht hast, Ikakku?“

„Schöhnheitstipps, Jane. Es waren nur Schönheitstipps“, wiegelte Ikakku die Frage mit einem wölfischen Grinsen ab und ließ sich noch tiefer in den wohlig warmen Schlamm sinken, bevor sie sich wieder zu der Auszubildenden umwandte.

„Was ist jetzt mit der Maske, Sarina?“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast