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Circle (2) - the bitter truth

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Lucius Malfoy
15.07.2021
21.10.2021
11
43.902
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14.10.2021 2.197
 
Im Stockdunkeln kam Lucius zu sich. Jemand rüttelte an seiner Schulter. Er blinzelte und es wurde heller. Er lag noch immer im Flur, sein Bein puckerte schmerzhaft. Dracos Gesicht hing über ihm. Sein Sohn sah schrecklich aus. Seine grauen Augen waren angstvoll aufgerissen, seine Lippe blutete.

„Dad, komm zu dir … ich habe Mist gebaut, Dad …“

„Was … ist …“ Ächzend richtete er sich auf und betrachtete sein Bein. Es war eine Mullbinde darum gewickelt, mehr schlecht als recht. Aber wie es aussah, hatte Draco die böse Fleischwunde einigermaßen heilen können.

„Ich musste es ihm sagen, Dad. Hätte ich es nicht getan, hätte er dich schlimm zugerichtet, dich vielleicht sogar getötet.“ Lucius kapierte nicht gleich.

„Hilf mir aufstehen!“, befahl er und Draco tat es. Sein Sohn weinte, wimmerte auf, als er ihn an der Schulter berührte und half ihm stehen zu bleiben.

„Du … hast was?“, begriff er es endlich. Sein Kopf dröhnte von Snapes Eingriff.

„Ich habe Snape gesagt, wo er Hermione finden kann. Er hätte sonst nicht aufgehört dich zu quälen.“ Lucius sank wieder nach unten.

„Wie … konntest du das tun? So sehr hasst du mich, ja?“

„Aber Vater, ich habe es für dich getan, verstehst du nicht?“ Draco schluchzte wie ein Kleinkind.

„Ich … bin nichts ohne sie. Komm, zweiter Versuch. Wir müssen zu Lupin. Vielleicht können wir Snape nicht mehr aufhalten, doch wir können ihnen beistehen.“ Wieder half Draco ihm aufzustehen. Als er wacklig stand, umarmte er Draco. Sein Junge hatte richtig gehandelt, nicht selbstsüchtig wie er es getan hätte. Draco hatte ihm endlich den Mut gegeben sich zu stellen, zu kämpfen. Endlich!

„Danke, mein Junge.“

„Du … bist nicht böse?“

„Nein, du hast das Richtige getan. Du hast beschützt, was du liebst. Aber jetzt haben wir zu tun. Bist du bereit, mein Sohn?“ Draco betrachtete ihn ernst. Sie hatten sich weh getan, sich gehasst und jetzt hatten sie sich vergeben, weil sie liebten. Liebe verband.

„Ich liebe dich, Dad und ich bin für alles bereit. Treten wir Snape in den Arsch!“

„Tun wir das!“

Notdürftig heilten und verarzteten sie sich, apparierten dann zum Versteck des Dreckigen Dutzend und … kamen zu spät. Der Kampf war schon in vollem Gange.





Severus Snape hatte sieben seiner Snakeheads mitgebracht, als er durch den Stein in die Höhle kam. Draco hatte nicht gewagt zu lügen. Da war ihm sein widerwärtiger Vater also doch etwas wert gewesen.

Jemand schrie auf. Hermione, die gerade mit Ginny und noch zwei Frauen für das Abendessen gesorgt hatte, indem sie auf einem großen Kessel, der über einem Feuer hing, einen Lammeintopf kochten, erstarrte sofort. Nein, es war eher ein Erfrieren, als sie Snape erkannte. Wie hat er von diesem Ort erfahren? Sieben Männer mit Masken waren bei ihm, standen unweit von ihrer Gruppe entfernt. Eine seltsame Stille hatte sich über die Höhle gelegt. Niemand wagte anzugreifen, alle waren viel zu sehr überrascht vom Erscheinen des brutalsten Handlangers des Dunklen Lords, direkt hier im Herzen ihres Widerstands.

„Niemand muss verletzt werden, wenn ihr mir Hermione … Granger aushändigt!“, rief Snape laut. Seine Stimme hallte magisch verstärkt tausendfach von den Wänden der Höhle wider, verschwand in den einzelnen Gängen und versursachte dort schaurige Geräusche.

„Niemals!“, schrie eine Frau laut und andere stimmten mit ein. Ehe Hermione ganz freiwillig entscheiden konnte, wurde für sie entschieden, was der Starschuss für den Kampf war.

„Nein! Hört auf!“, rief sie noch, aber niemand hörte auf sie, oder wollte nicht. Im Gegenteil, die Menschen hatte scheinbar keine Lust ihren Hoffnungsstern zu verlieren und stellten sich vor sie, um sie zu beschützen. Obwohl es nur sieben Snakeheads waren, kämpften sie mit der ihn eigenen Grausamkeit und Härte. Hermiones Schutzwall splitterte und sie ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls zu kämpfen. Seite an Seite mit Ginny benutzte sie zum ersten Mal die Angriffszauber gegen Menschen. Anfangs fiel es ihr unheimlich schwer, versuchte sie die Todesser nur zu erschrecken, doch schon bald merkte sie, dass es so nicht funktionierte. Neben ihr starb die Frau, mit der sie gerade noch Eintopf gekocht hatte, durch einen Unverzeihlichen Fluch. Plötzlich raste ein schwarzer Schatten auf sie zu und riss sie meterweit mit in einen der Gänge hinein. Dort materialisierte sich Severus Snape und ließ sofort den Gang hinter sich einstürzen. Alles ging so schnell, dass Hermione nicht reagieren konnte. Die Dunklen Künste! Sie müsste sie einsetzen, wenn sie nicht verlieren wollte, dachte sie und sprach ein „Cru…!“ Snapes „Expelliarmus!“ war leider schneller. Ihre Waffe riss sich ihr aus der Hand und fiel weit hinter sie.

„So weit bist du also schon? Die Dunklen Künste?“ Er kam auf sie zu und sie wich zurück.

„Woher … weißt du von dem Ort?“, flüsterte sie. In ihrem Magen war es eisig, weil sie nicht umhin kam an Lucius und Draco zu denken. Mussten die für Snapes Wissen mit dem Leben bezahlen?

„Sieh doch nach …“, erwiderte er lakonisch und lächelte sogar.

„Ich … verstehe nicht.“ Wie bei ihrer ersten Begegnung legte sich sein Zauberstab unter ihr Kinn, zwang es hoch, so dass sie ihn ansehen musste. Hermione war schlecht, doch gleichzeitig spürte sie eine neuartige Stärke in sich, die sie den letzten Tagen und ihren neuen Freunden zu verdanken hatte. Mutig blickte sie ihn an.

„Ich erkläre es dir gern. Du hast zwei Optionen. Die eine ist, du entscheidest dich für mich. Das heißt, du wirst auf meiner Seite kämpfen, vielleicht nicht allein gegen den erbärmlichen Haufen da draußen, vielleicht auch gegen den Dunklen Lord selbst …“ Das war neu, das konnte sie nicht gleich verdauen. Sie entdeckte das ungeduldige Blitzen tief in seinen Augen, es war wie eine Art kaltes Sternenfeuer am sonst finsteren Nachthimmel. Am Boden seiner schwarzen Seele lag ein leuchtender Stern.

„Die andere Option ist, wir bringen es hier und jetzt zu Ende. Das wird bedeuten, dass ich dich bis in die letzte Faser deiner Existenz ergründen werde, einfach, weil du mir das bisher verwehrt hast. Wie hört sich das für dich an?“

„Das kannst du nicht, ohne dass ich … dich auch sehe“, flüsterte sie belegt und zitterte unkontrolliert. Außer mit seinem Zauberstab berührte er sie nicht, blickte ihr nur direkt in die Augen.

„Möglicherweise. Vielleicht bin ich diesmal aber auch besser gewappnet. Glaubst du wirklich, du kannst mich so ein weiteres Mal erwischen?“ Glaubte sie nicht, ganz und gar nicht, und doch war es ihre einzige Chance.

„Mir würde Option eins wesentlich besser gefallen. Sie lässt dich unversehrt und am Leben. Vielleicht erfährst du auch so alles, was du wissen willst, ohne, dass wir einen Seelenstrip hinlegen müssen.“

„Was ist mit Lucius und Draco?“ Snape verdrehte überdrüssig die Augen.

„Am Leben.“

„Geht es ihnen gut?“, beharrte sie auf eine spezifischere Antwort.

„Denke schon. Draco ist klüger als man annimmt und sein Vater … sentimentaler als ich erwartet hätte. Also, zu uns … deine Entscheidung, Hermione!“ Hinter dem eingestürzten Gang hörte man noch immer den Kampf. Einmal bebte sogar der Boden unter ihren Füßen ein wenig.

„Entscheide dich!“, knurrte er ungeduldig.

„Ist das die Art, wie du mit Frauen umgehst?“, fragte sie todesmutig. Sein Lachen war zynisch.

„Finde es raus.“ Snape hatte keine Lust zu antworten, starrte sie nur zunehmend vernichtend an.

„Option zwei!“, sagte sie fest und erschauerte unter ihrem eigenen Mut. Snape schien enttäuscht.

„Entweder bist du genauso größenwahnsinnig wie Lucius Malfoy oder aber, du überschätzt dich einfach nur maßlos. Meinetwegen. Doch zuvor will ich dir etwas sagen. Du bist etwas Besonderes. Dumbledore hat dich nicht umsonst versteckt und ich … erkenne etwas in dir, was mich verwirrt und anspricht. Natürlich könnte ich dich zwingen, dich einfach mit einem Imperius-Fluch belegen usw. Aber das wäre nicht dasselbe, als wenn du mir freiwillig folgen würdest. Ich würde ja fast behaupten, Malfoy hat dich verdorben, wenn ich nicht wüsste, dass ihm dazu die Macht und der Einfluss fehlen. Schade, dass du dich für deine ewige geistige Umnachtung entschieden hast. Du und ich … wir wären gute Partner geworden, Hermione.“

„Fang schon an!“, zischte sie ihn bitter an. Schon war er in ihrem Kopf. Glasklar zog er durch, bis zu dem Moment ihrer Geburt, an den sie sich selbst natürlich nicht erinnerte. Hermione ließ ihn ungehindert machen, weil sie instinktiv spürte, dass nur er den Deckel des Brunnens anheben könnte. Das tat er. Was sie beide dann sahen, war schockierend. Sie sah genau das Leben, von dem sie glaubte, dass es eine Illusion in ihrem Kopf gewesen war. Es war ihre Welt, die sie sich in den Jahren im Saint Patricks zurecht geträumt hatte, um nicht durchzudrehen. Sie sah sich in Hogwarts, Severus Snape als ihr Lehrer, Harry und Ron, ihre beiden Freunde, mit denen sie die ungeheuerlichsten Abenteuer erlebte, um den Dunklen Lord aufzuhalten und schließlich zu besiegen. Beide sahen den Tod Snapes durch Nagini, beobachteten Harry, der seine Tränen auffing, um auch den Rest von ihm zu begreifen. Hermione erlebte die Endschlacht, Harrys Tod und Wiederauferstehung, den Sieg. Und ihre anschließende Kälte. Malfoy und sie im Wald, ihre berauschende Liebe, sein furchtbares Geheimnis und ihre Vergebung. Ihr brach das Herz, Severus auch. Er war selbst sehr schockiert, darüber, dass er nicht real war, das fühlte sie so gut, dass sie sich an ihn hängte, als er sich zurückziehen wollte. Er war wehrlos, zu verstört, über das, was es bedeuten mochte. So konnte sie ihm folgen, in seine schwarze Seele, spürte seine Scham über das, was er getan hatte. Severus war so unendlich einsam, wie man es nur sein konnte. Missverstanden, ungeliebt und verstoßen. So voller Selbstzweifel, Traurigkeit und Hass, dass Hermione sogar die körperlichen Auswirkungen fühlte. Schmerz und Folter, in jeder Sekunde seines Lebens. Mitgefühl. Erinnerte sie sich an Remus‘ Rat.

Hermione folgte ihm in den kleinen Raum, ohne Fenster, stockdunkel, kahl und kalt. Dort saß ein kleiner Junge auf dem Boden. Hermione erkannte nur seine Umrisse, konnte nicht sehen, wie er aussah. Sie kniete sich neben ihn und nahm ihn in die Arme, ohne jegliches Zögern. Erst war er hart wie Stein, doch dann weichte er auf, lag in ihren Armen und weinte. Sie beide weinten.

Unterbrochen wurden sie, als ein weiterer Teil des Tunnels ohne Snapes Zutun einstürzte. Er reagierte geistesgegenwärtig, stieß sie mit seinem Schatten viele Meter weiter in den Gang hinein. Da, wo sie gestanden hatten, wären sie nun unter Stein begraben.

Bestürzt blickten sie sich an, noch mitten im Kampf. Hermione beendete ihn. Sie robbte näher, legte ihre Arme um ihn, wie sie es bei Draco getan hatte und er ließ es zu. Ruhe kehrte ein, nur vereinzelt ertönten Schreie. Sein Körper wurde warm und nachgiebig, er legte seine Arme um sie, drückte sein Gesicht in die Stelle zwischen Hals und Schulter und weinte leise. Mitgefühl. Ja, Remus hatte recht gehabt, absolut. Er tat ihr unheimlich leid, so sehr, dass sie selbst weinte.

„Ich liebe dich“, hörte sie ihn flüstern. Severus meinte nicht sie, sondern Lily. Sanft strich sie ihm über die Haare und löste sich von ihm.

„Das weiß ich“, antwortete sie ruhig. Es war die Erwiderung, die er erwartet hatte.

„Du verstehst, was das alles bedeutet, oder?“ Sie nickte. Noch kam die Panik nicht durch, noch war sie voller ruhiger Anteilnahme.

„Das hier ist nicht mein echtes Leben, nicht mein reales Leben.“ Jetzt nickte er.

„Lass mich gehen, Severus, bitte.“ Lange sah er sie an, sehnsüchtig, traurig, voller Gefühl. Sein Lächeln war schmerzhaft aber aufrichtig.

„Ja, ich werde dich gehen lassen, Hermione. Ich …“ Weiter konnte er nicht sprechen, denn ein heftiger Zauber traf ihn. Es war ein Zauber aus Dracos Zauberstab, der gut gezielt war. Draco, sein Vater und Lupin kam aus dem anderen Ende des Ganges auf sie zu, wirkten aufgelöst und besorgt.

„Hermione!“ Lucius riss sich in seine Arme, erdrückte sie beinah. Snape kam zu sich, ächzte und Hermione rief erschrocken:

„Nein! Er …“ Aber Lucius zerrte sie schon weg. Hinter ihr waren Draco und Lupin, die mit Snape kämpften. Blitze schlugen fehl, erwischten sie beinah. Lucius humpelte, zerrte sie aber unverdrossen vorwärts.

„Lucius! Severus, ich muss …“

„Nicht jetzt! Ich beschwöre dich! Die Höhle stürzt gleich ein und wir müssen weg!“ Schon polterte es heftig und sie schrie auf.

„Draco und Remus!“, schrie sie über den Lärm.

„Die schaffen es, komm!“ Sie bezweifelte, dass Remus und Draco hier rechtzeitig rauskamen, andererseits kannte Lupin die Höhlen wie kein Zweiter.

„Wir müssen ihnen helfen.“

„Tot nützt du keinem etwas, Hermione! Ich bitte dich!“, flehte Lucius sie an und blieb nicht eine Sekunde lang stehen. Sein Griff um ihren Arm war fest und Hermione war müde, so müde dieser Welt, die Severus als nicht real entlarvt hatte. Die Welt in ihrem Kopf, die war ihre echte Welt gewesen. Doch hatte sie keine Ahnung, wie sie in diese Welt kam und wie sie wieder rauskam.

Wenn diese Welt nicht echt war, waren es Draco und Remus eventuell auch nicht. War sie echt? Willenlos ließ sie sich von Lucius aus der Höhle bringen, stand mit ein paar Überlebenden im eisigen Wind des Hochlands und brach dann bewusstlos zusammen. Es war zu viel, einfach viel zu viel. Die Tränen auf ihrem Gesicht, die allein Severus Snape gehörten, trocknete der Apparierstrudel, als Lucius sie in die Mugglewelt brachte.



Schon einmal war sie dort gut versteckt gewesen. Jetzt würden sie sich beide dort verstecken. Vor Snapes und oder Voldemorts Rache. Solange, bis sie wussten, wie viel es noch vom Widerstand gab. Ob Draco überlebt hatte?
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