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Circle (2) - the bitter truth

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Lucius Malfoy
15.07.2021
21.10.2021
11
43.902
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15.07.2021 4.321
 
Das ist also nun der 2. Teil der „Lumione“ – Geschichte. Weil es eine Art Reihe ist, habe ich sie benannt.

Circle – ich glaube, das muss ich nicht weiter erklären. Selbstredend sollte man auf das Ende warten, um alles verstehen zu können  ;)

Ich weiß, ich weiß, das Ende des 1. Teils war … hart. Klären wir es auf. Versuchen wir es zumindest.

Dieser zweite Teil ist ganz anders als der erste Teil. Nicht nur vom Inhalt her, auch von der Stimmung her. Sogar das Verhältnis zwischen Lucius und Hermione wird ein anderes sein.

Es kommen neue Charaktere hinzu, einer davon ist S. Snape. Andere Charakter bleiben, z.B. Draco.

In diesem Teil der Geschichte kreiere ich eine Welt, in der Voldemort an der Macht ist. Dazu kam es aber anders, als man es kennt. Aber die Auswirkungen sind natürlich ähnlich. Die Todesser sind in der Überzahl, werden täglich mehr und keine Grenze ist in Sicht, wenn Snape auf Geheiß des Dunklen Lords umsetzt, was der beabsichtigt. Dann ist sogar die Welt der Muggle in großer Gefahr.

Hermione, die also seit ihrem 12. Lebensjahr in einer Psychiatrischen Anstalt gefangen gewesen ist, wird von Lucius Malfoy in die magische Welt geholt, weil sie da eine Aufgabe hat. Diese Welt ist für sie sehr dunkel. Voldemort hat einen Krieg gewonnen, der nie erst 1998 geendet hat. Der Auserwählte, Harry Potter und sein Freund Ron haben den aussichtslosen Kampf gegen den Dunklen Lord schon sehr früh verloren. Beide starben schon im Alter von vierzehn Jahren. Sehr viele Menschen sind tot, nur wenige der Guten sind noch übrig. Voldemort herrscht rigoros über die magische Welt, an seiner Seite Severus Snape, der eine eigene, grausam Privatarmee hat, die „Snakeheads“.

Auf der anderen Seite steht Remus Lupin und sein „Dreckiges Dutzend“, der verzweifelt Widerstand leistet. Lucius Malfoy und sein Sohn Draco sind zwar weiterhin offiziell Todesser, arbeiten aber heimlich mit dem Widerstand zusammen. Der Grund ist ein trauriger. Narcissa Malfoy ist tot.

Denkt daran: es ist und bleibt eine sehr düstere Geschichte!!

Freue mich schon auf eure Kommentare und Sternchen (wenn es euch gefällt).



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Hermione strauchelte immer wieder. Ihre Muskeln waren schwach, nicht gut ausgebildet. Der Weg nach draußen erschien zu weit, kaum zu bewältigen. Wo war sie? Wer waren all die Menschen? Menschen in weißer Kleidung, Menschen in hellblauer Kleidung, so wie sie? Lucius …

Er war gekommen, hatte einen Arm um ihre Hüfte, half ihr zu laufen und murmelte nun leise:

„Nur noch ein Stück und ich kann dich tragen, halte durch.“ Sie ächzte, wunderte sich, dass niemand sie zu sehen und aufzuhalten schien. Lucius, das Echo eines Namens den sie kannte. Sein Griff beherzt, sein Duft betörend. Sie passierten den Haupteingang, liefen nach links in die Parkanlage. Dort packte er sie jäh und hob sie hoch.

„Keine Angst, Miss Granger, ja?“ Seine grauen Augen waren ihr so bekannt und trotzdem kannte sie ihn nicht, was ein zwiespältiges Gefühl in ihr auslöste. Zwar abseits von Angst und Hysterie, doch entfachte es in ihr eine starke Unruhe. Er trug sie, als würde er eine Feder tragen, ein Stück in den Park hinein, bis unter eine blühende Kastanie. Dort setzte er sie behutsam ab. Mit einer lässigen Handbewegung zog er aus seinem Gehstock einen Zauberstab. Hermiones Augen wurden groß und ungläubig. Schon hörten sie Geschrei, man schlug Alarm und hatte offensichtlich ihre Flucht bemerkt.

„Vertraue mir, Hermione, ja?“, flüsterte er und zog sie näher an seinen Körper heran. Sie nickte und schon wurden sie beide in seinen Apparierstrudel gezogen, der sie in eine neue Welt brachte. Eine Welt, die ihr gehörte.



Sie kamen vor einem monströsen, düster aussehenden Haus an. Hermione fiel auf die Knie, wimmerte, würgte, ohne sich zu übergeben, und krallte ihre Hände in den Kies der Auffahrt.

„Ganz ruhig, Mädchen. Wir gehen das ganz langsam an. Es ist mein Haus und ich werde dich nun in ein Zimmer bringen, was allein dir gehört. Alles, was du tun musst, ist, keine Angst zu haben und mir zu vertrauen.“ Er half ihr behutsam hoch.

„Lucius?“

„Ja, der bin ich.“

„Wo sind die Pferde?“ Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Lächeln.

„Nur Geduld, Miss Granger. Zuerst musst du zu Kräften kommen.“ Wieder packte er sie, trug sie über die Türschwelle wie eine Braut, durchquerte mit ihr die Eingangshalle und trug sie die Treppe nach oben. Das Haus war still und finster. Hermione hielt sich an seinem Nacken fest, beobachtete sein Gesicht und versuchte ein Puzzle zusammenzusetzen. Sie kannte ihn. Wer war er?

„Lucius“, flüsterte sie zu sich selbst. Er lächelte, wirkte dabei stolz und edel, so, wie sich Hermione immer Prinzen vorgestellt hatte.





Das Zimmer, in das er sie brachte, war geräumig und dunkel. Vorsichtig legte er sie auf das große Himmelbett, wedelte mit dem Zauberstab und die dicken, blauen Vorhänge zogen sich von selbst auf. Ein bisschen mittägliche Sonne kam in den Raum. Mit offenem Mund hatte sie ihn beobachtet.

„Ich weiß, du hast sehr viele Fragen und ich werde dir alle Fragen beantworten, jede einzelne. Aber eins nach dem anderen. Zu allererst musst du dich ausruhen, was bedeutet, essen, schlafen, essen und wieder schlafen.“

„Und dann?“ Es fühlte sich komisch an zu sprechen, obwohl sie das ständig getan hatte. Lucius kam näher, schob ihre Beine fürsorglich unter die Decke, zog sie ihr hoch und setzte sich neben sie aufs Bett.

„Und dann kann ich dir die Welt zeigen, in die du eigentlich gehörst. Aber langsam, ich möchte nicht, dass du Angst bekommst.“ Hermione dachte an Harry und Voldemort.

„Kann ich auch Harry Potter treffen?“, fragte sie begierig. Lucius graue Augen weiteten sich kurz.

„Darüber sprechen wir später. Möchtest du, dass ich dir beim Einschlafen helfe, Hermione?“

„Wie denn?“

„Ich könnte einen leichten Schlafzauber auf deinen Geist legen.“ Sie hatte so viele Fragen, doch sein Gesicht sagte nur eins: Nicht jetzt! Auf keinen Fall jetzt!

„Na gut“, erwiderte sie, zu schnell resigniert, zu schwach für diese Welt. Seine warme Hand legte sich an ihre Wange, die Spitze seines Zauberstabs zielte auf sie und Hermione kniff ängstlich die Augen zusammen. Plötzlich wurde sie unglaublich müde, gähnte und öffnete ihre Augen nicht mehr.





Einen Moment saß er noch bei ihr am Bett, versuchte zu Atem zu kommen und seinen Geist zu sortieren, bevor er den Anderen Bescheid geben musste.

Er hatte sie gefunden. Endlich, nach so langer Zeit! Der entscheidende Hinweis kam von einem Insassen der psychiatrischen Einrichtung selbst. Niall der Gutgläubige, ein Narr, der mit Vögeln sprach und sie kontrollieren konnte, hatte ihm eine Eule geschickt. In der Nachricht stand, dass es hier ein Mädchen gab, was ständig den Namen Lucius Malfoy vor sich hinbrabbelte. Anfangs konnte Lucius es kaum glauben, dann siegte die Neugier.

Er hatte sie gefunden. Die Eine, auf die alle ihre Hoffnungen setzten. Die wenigen Magiebegabten, die nach dem letzten Krieg übrig geblieben waren. Wie eine Prinzessin lag sie in diesem Bett, was einst seiner Frau Narcissa gehört hatte. Und wie eine Prinzessin würde sie behandelt werden. Sie war wertvoller als jeder Edelstein der Welt.

Hermione war neunzehn Jahre alt, eine junge Frau in den besten Jahren und doch hatte sie sehr viel nachzuholen. Zu viele wertvolle Jahre war sie eingesperrt gewesen. Hoffentlich waren ihre Anlagen nicht zu verkümmert. Hoffentlich erfuhr niemand von ihr, bis sie bereit war sich dem Dunklen Lord zu stellen.

Lucius‘ Herz klopfte heiß und heftig, wie schon so lange nicht mehr. Seit Narcissas Tod, war er kaum noch in der Lage etwas zu empfinden. Ähnlich ging es seinem Sohn Draco. Bei der Betrachtung der schlafenden Hermione, erwachte etwas in ihm, was verschüttet gewesen war. Sie war viel zu jung und zu hübsch für ihn. Darüber hinaus viel zu unerfahren, ihr Wesen beinah ätherisch und doch verkrüppelt. Es fühlte sich nicht nur so an, als wäre sie aus einer andere Welt, sie war es! Und doch konnte er es spüren. Dieses dunkle Pulsieren der Magie in ihr. Lucius ließ seine flache Hand über ihrem Solar Plexus schweben und fühlte ihr magisches Herz schlagen. Roh und ungebildet, erregend und wild.

Sein Mund wurde wieder auf die Art des Verlangens trocken, die er nicht mehr kannte. Er stand auf und beschloss, dass er dringend einen Drink bräuchte, um in Ruhe über alles nachzudenken. Jetzt nur keine Fehler machen. Es dürfte kein einziger Fehler passieren, damit weder Bellatrix noch Snape auf den Plan gerufen wurden, geschweige denn Lord Voldemort.





Nachdenklich saß er im Salon, als Draco dazu kam. Draco nahm sich ein Glas, goss sich mehr als zwei Fingerbreit Whiskey ins Glas und trank es auf einen Zug aus.

„Übertreibe es nicht, Sohn.“

„Keine Sorge, Dad. Ich habe das im Griff. Was gibt es Neues?“ Draco setzte sich in den anderen Sessel, musterte ihn skeptisch und grinste dann.

„Wie kommst du darauf, dass es etwas geben könnte?“ Dracos emotionale Intelligenz war ihm manchmal unheimlich.

„Ich sehe es dir an. Du hast da so ein … Glitzern im Blick. Hat Lupin endlich jemand gefunden, eine geeignete Kandidatin?“

„Nein, ich glaube nicht.“

„Es ist ein sinnloses Unterfangen, Dad. Niemand wird den Dunklen Lord je besiegen können. Und selbst wenn, was ist mit Snape? Den Lestranges und Tante Bella?!“

„Nenn sie nicht so. Sie ist Abschaum!“

„Gut, aber was ist mit ihnen? Selbst, wenn Voldemort tot wäre, diese Irren würden den Rest des Packs doch weiter anführen. Die Welt den Todessern! Dem Dunklen Lord! Erinnerst du dich? Es geht nicht mehr nur um die magische Welt! Sie wollen alles! Und mit Snapes Talent, wird der Dunkle Lord eines Tages schaffen, was er sich erträumt. Lauter reinblütige Zombies, die auf seinen Befehl hin töten und die Mugglewelt überrennen und einnehmen.“

„Sei still, Draco!“, knurrte Lucius ihn an.

„Wir sind auf der richtigen Seite, Junge. Diesmal wirklich. Und auch wir haben eine Armee, vergiss das nicht!“

„Pfff, Lupin und sein dreckiges Dutzend? Nichts gegen Lupin und Nymphadora, aber all die Guten sind doch tot! Zabinis Zauberkraft ist zwar gut, doch viel zu ungenau. Pansy schießt gern übers Ziel hinaus und das meine ich wortwörtlich, und Ginny Weasley hat längst nicht wieder zu alter Stärke zurückgefunden, wenn sie das jemals tut. Wir sind vielleicht auf der richtigen Seite, Dad, aber eindeutig auf der Verliererseite, wenn wir nicht langsam diesen angeblichen Rohdiamanten finden, von dem Albus Dumbledore in seinen letzten Zügen orakelt hat. Ich hab ihn noch im Ohr: Findet sie! Findet den rohen Diamanten, versteckt in der Mugglewelt! Findet sie! Sie kann über den Dunklen Lord triumphieren.

„Ich habe sie …“, sprach Lucius beiläufig leise in die goldene Flüssigkeit seines Drinks. Draco und er hatten schwierige Jahre hinter sich. Er hatte als Vater so viel falsch gemacht, bereute so vieles, hatte aber auch die Möglichkeit es besser zu machen, sofort erkannt. Allerdings wäre das nie passiert, wenn Narcissa nicht gestorben wäre, wenn dieses furchtbare Ereigniss nicht alles in Frage gestellt hätte. Draco und er würden sich hassen. So hatten sie wieder zueinander gefunden. Er schätze Dracos Einfühlungsvermögen, seine sensitive Art die Dinge zu sehen und zu erspüren. Das, was er früher für eine Schwäche gehalten hatte, hatte er nun als Stärke erkannt. Draco war ein guter Junge, ihm selbst ähnlicher, als er früher sehen wollte und doch hatte der Junge so viel von seiner Mutter, dass ihm manchmal das Herz weh tat, wenn er Narcissa in dem Jungen erkannte.

Nun hielt Draco kurz die Luft an, nachdem er sie scharf eingezogen hat.

„Was sagst du da?!“, brach es anschließend aus ihm heraus.

„Ich habe den Diamanten gefunden.“ Atemlos starrten sich die Beiden ein paar Momente an. Auf Dracos Gesicht erschien bald ein breites Lächeln, was Lucius erwiderte.

„Wir gewinnen!“, skandierte Draco und sprang auf, um seinem Dad und sich noch einen Drink zu machen.

„Wir werden sehen, doch zuvor wirst du schweigen. Nur du und ich wissen bisher davon. Sie muss erst zu sich kommen, bevor wir es den anderen sagen können, in Ordnung? Kein Wort zu Blaise und Pansy, versprich es mir!“

„Versprochen, Dad!“

„Andere Frage, Junge: Kennst du zufällig jemand, der Pferde verkauft?“

„Du meinst … Einhörner?“, fragte Draco irritiert nach.

„Nein, ganz gewöhnliche Pferde, auf denen man reitet.“

Draco grinste und nickte.

„Ja, vielleicht, Dad.“





Beide Malfoys standen vor Hermiones Bett und starrten sie ehrfürchtig an. Die Prinzessin schlief tief und fest. In Dracos Augen sah sie aus wie ein mageres Kind, was mal eine wunderschöne Frau werden würde. In Lucius Augen sah sie aus wie ein unerreichbares Wesen, überirdisch schön, elfengleich. Auch er deutete Draco mit dem Kopf an den Raum zu verlassen.

Im Flur holte Draco dramatisch Luft.

„Wie … ist ihr Name?“, stieß er atemlos hervor. Lucius lächelte, da sein Sohn dieselbe Begeisterung versuchte zu verstecken, wie er sie fühlte.

„Hermione Granger.“

„Hermione. Seltsamer Namen, aber schön. Wie alt ist sie?“

„Neunzehn.“

„Was? Sie sah aus wie vierzehn!“

„Sie war einige Jahre in einer dieser furchtbaren Muggleanstalten eingesperrt, ähnlich dem St Mungo.“ Draco wurde bleich.

„Oh, wie schrecklich. Dann müssen wir sie aufpäppeln.“

„Richtig mein Sohn. Und vor allem schweigen wir!“ Draco nickte eifrig, ein wenig zu sehr. Über das Blitzen in seinem Blick musste Lucius schmunzeln. Sein Sohn war hin und wieder sehr durchschaubar. Schnell zu begeistern, ebenso schnell erlosch seine Flamme. In dieser Hinsicht war Draco nicht wie er, was gut war und dem Jungen viel Schmerz ersparte.

„Gut, besorge mir jemand, der gute Reitpferde zu verkaufen hat und ich mache inzwischen einen Plan, was und wie wir ihr alles schonend beibringen. Denke daran, falle nicht auf. Wir sind vielleicht gerade an der Periphere von Voldemorts Aufmerksamkeit, weil er denkt, wir sind nach dem Tod deiner geliebten Mutter aus dem Rennen, aber nur ein Fehler und Snapes schwarzer Blick wird uns finden, oder die Nase deiner vermaledeiten Tante.“





So sehr Lucius Remus Lupins Fähigkeiten bezweifelte, so gern hatte er ihn inzwischen. Remus war ein freundlicher, zurückhaltender Mann, der immer die passenden Worte fand, um andere zu beruhigen. Früher auf der Gegenseite, dachte er selten über ihn nach. Alles, was wichtig war, war seine Werwolfgestalt, die unter gewissen zeitlichen Umständen gefährlich werden konnte. Als die Gegenseite zerschlagen, der Dunkle Lord und die Todesser gesiegt hatten, begann die Suche nach verstreuten Rebellengrüppchen. Remus Lupin hatte zusammen mit seiner Freundin Nymphadora Tonks und Ginny Weasley, der letzten der Weasley Familie und einer Handvoll Überlebender (Draco nannte sie immer das dreckige Dutzend, obwohl es dreizehn Personen gewesen waren) Zuflucht in einer unterirdischen Höhle in einem der unzähligen schottischen Seen gesucht. Und so überlebt. Versteckt vor Snapes Blick, Bellatrix’ Nase und Voldemorts Macht.

Da die magische Welt nun ständig Augen und Ohren hatte, musste man zu gewieften Mitteln greifen, um sich zu verständigen. Überall hausten nun Unmengen von Schlangen. Sie lagen auf den Wegen, verbargen sich im Gebüsch und wohnten in den Häusern. Nagini  befehligte sie, weil sie die Augen und Ohren des Dunklen Lords waren. Allein die Häuser und Grundstücke der Todesser wurden von dieser Plage verschont, die niemand bekämpfen konnte. Es gab nur eine Art Vogel, vor dem die Schlangen instinktiv panisch Angst hatten und sich sogar entgegen Naginis Befehl verzogen, wenn sie nur seinen Flügelschlag vernahmen. So hatte sich Lucius aus dem Ausland einen Schlangenadler besorgt, den er im Gehege seiner Pfaue verborgen hielt. Über diesen Adler kommunizierte er mit Lupin. So schickte er Lupin nun eine Nachricht, dass er auf schnellstem Weg und allein zu seinem Anwesen kommen möge.

Wollte man es so sehen, hatte Narcissas Tod etwas Gutes. Sein anschließender Zusammenbruch, hatte dafür gesorgt, dass er in Voldemorts Beliebtheitsskala ganz weit nach unten rutschte. Weder nahm der Dunkle Lord ihn noch für voll, noch vertraute er ihm Aufgaben an. Lucius Malfoy war nicht mehr, als einer von inzwischen vielen Todessern. Ein Gefolgsmann und Lakai. Aber nicht nur Narcissas Tod, an dem ein Todesser Schuld trug, war der alleinige Punkt, dass Lucius sich vom Lord abgewandt hatte. Voldemort herrscht nun seit ein paar Jahren, hatte den Ehrgeiz seine Macht bis in die Mugglewelt auszudehnen und forcierte das mit dem hirnrissigen Plan, jeden Reinblüter, der jemals in diesem Land gelebt hatte, zu erwecken und zu versklaven. Damit wollte er eine Armee erschaffen, die unbesiegbar war und Snape war sein Frankenstein. Severus war dazu auserkoren das Erweckungsritual und den dazugehörigen Trank zu erschaffen. Dieses Vorhaben verursachte Lucius mehr als Bauchschmerzen. Nicht nur, dass unberechenbare, lebendige Tote über die Erde ziehen würden, er bezweifelte auch, dass Voldemort sie für immer unter Kontrolle halten könnte. Wie eine Seuche oder eine Heuschreckenplage würden sie übers Land ziehen, alles dem Erdboden gleichmachen und zerstören, die Muggle töten oder versklaven. Wo bitte war dann noch der Wohlstand, der einen edlen, raren Reinblüter ausmachte? Alles würde im Chaos versinken, alles würde sich nur noch um Beherrschung und Vernichtung drehen. Den standesgemäßen Luxus, das elitäre Leben, was sich Lucius wünschte, wäre dann nur noch ein alter, unerreichbarer Traum. Konnte Voldemort nicht so weit in die Zukunft denken oder war es ihm schlichtweg egal? Vermutlich war es der zweite Punkt. Voldemort hatte zwar immer gesagt, dass er den Status der Magiebegabten herausstellen und fördern wollte, aber in Wahrheit ging es immer nur um seine alleinige Macht, seine Gier nach mehr. Das hatte Lucius schon bald durchschaut. Es war ihm zuwider und doch hätte er nie gewagt sich aufzulehnen, wenn nicht Narcissa zu Tode gekommen wäre. Erst da fragte er sich, ob es das alles wert war und musste diese späte Frage leider mit einem klaren Nein beantwortet. Zu spät für Narcissa, aber noch rechtzeitig für seinen Sohn und sich selbst. Er hätte sich einfach zurückziehen können, hätte so tun können, als ob. Todesser gab es inzwischen wahrlich genug und niemand würde ihn missen, zumal Goyle und Crabbe auch längst zu Staub zerfielen.

Wenn er nicht mit Severus Snape aneinander geraten wäre. Sein einstiger Freund war seit dem Tod seiner Geliebten Lily nicht mehr wiederzuerkennen. Grausam, hemmungslos gewalttätig und bösartig, erledigte er nicht nur gehorsam die Aufträge des Dunklen Lords, sondern befehligte auch eine eigene, kleine Privatarmee, die „Snakeheads“, auch genannt der Schwarze Blick. Sie waren eine Spezialtruppe, deren Todessermasken Schlangenköpfen glichen. Er alleinige Zweck dieser Leute war es, die anderen Leute auszuspitzeln, egal wie, egal wo, egal wen.

Sie waren inzwischen mancherorts gefürchteter als die regulären Todesser. Nur eine Sache war gut, die Anzahl durfte sich auf Anweisung Voldemorts auf nie mehr als dreizehn Mitglieder belaufen. Für Lucius war die Sache klar. Voldemort hatte zu große Angst, dass Snape sich seine eigene Armee beschaffte und deswegen waren die Mitglieder streng limitiert.





In der Zeit des Wartens auf Lupin, ging er zu Hermione, um sie zu wecken. Es war gut, wenn sie wach war, bevor sie neue Gesichter sehen würde, die sie eventuell verängstigten würden.

Mit dem Kopf zur anderen Seite gedreht, lag sie da, ließ sich das Sonnenlicht aufs Gesicht scheinen und wirkte surreal. Lucius setzte sich leicht auf das Bett und berührte ihren nackten Arm. Sie stöhnte leise, drehte den Kopf und murmelte:

„Lucius.“

Heiß durchzuckte es ihn, als er an die Bilder in ihrem Kopf dachte. Wenn er mit seiner Annahme recht hatte, war sie seit ihrem zwölften Lebensjahr in einer derartigen Einrichtung. Sie war unerfahren wie ein Kind. Woher kamen all diese Sehnsüchte? Sehr weibliche, sehr leidenschaftliche Wünsche. Fantasien, die er lieber verbannen sollte, ehe es ihn zu sehr verwirrte und animierte. Weshalb hatte sie von der halben Realität geträumt? Nein, eigentlich konnte man es gar nicht als Traum bezeichnen, eher als eine Art halber, geistiger Anwesenheit. Etwas von ihr, war schon immer in dieser Welt, kannte ihn und den Auserwählten Harry Potter, der nichts weiter als ein Junge war, der mit vierzehn Jahren den Tod fand. Hermione kannte Draco, Narcissa und andere, und doch auch wieder nicht. Aber sie hatte ihn erkannt und das bedeutete, dass etwas in ihr schon immer hier lebte.

„Hermione, wach auf!“, berührte er sie wieder. Sie schlug die Augen auf. Neblig und beduselt starrte sie ihn an, dann lächelte sie.

„Geht es … dir gut?“

„Ja, danke. Ich glaube, ich habe … Hunger.“ Sie setzte sich auf.

„Ich werde dir gleich etwas bringen lassen. Nur ein paar Informationen, damit du dich nicht fürchten musst. Ich habe Personal, was vertrauenswürdig ist. Darüber hinaus habe ich einen Sohn, der …“

„Draco!“, rief sie aus.

„Richtig, Draco ist sein Name. Er ist in etwa so alt wie du, hat immer die große Klappe, ist aber harmlos. Du wirst ihn kennenlernen. Und du wirst noch jemand treffen. Sein Name ist Remus Lupin, er ist so etwas wie … ein Freund und Verbündeter.“ Sie runzelte die Stirn, was sie älter erscheinen ließ.

„Er ist sehr nett, keine Angst. Wichtiger ist das hier …“ Lucius reichte ihr seinen Zauberstab. Er gab ihn äußerst ungern aus der Hand.

„Erinnerst du dich, ob du mit elf Jahren einen Brief aus Hogwarts bekommen hast?“ Das hübsche Gesicht hellte sich auf und sie nickte eifrig.

„Das heißt, du hast magische Kräfte, wurdest aber niemals ausgebildet.“

„Ich kann also wirklich zaubern?“ Sie klang wie eine Zwölfjährige, total begeistert.

„Theoretisch ja, praktisch musst du das üben.“ Unabsichtlich bewegte sie den Zauberstab, deutete auf ihn und Lucius wurde vom Bett geschleudert.

„WOAH!“, rief sie erschrocken aus und warf seine Waffe weit weg, ins Zimmer. Er kam auf die Beine und grinste.

„Schon nicht übel. Da es mein Zauberstab ist, wirst du Schwierigkeiten haben die richtigen Zauber damit auszuführen. Du wirst einen eigenen Zauberstab brauchen. Dazu später. Deine Eltern haben dich also wegsperren lassen, weil sie dachten, dass mit dir etwas nicht stimmt. Das ist grausam aber leider typisch für Muggle, die plötzlich magisches Talent in der Familie haben. Gib deinen Eltern keine Schuld.“ Ihre braunen Augen blickten ihn nachdenklich an.

„Ich hatte ein Pony, es war weiß und hieß Mr Pepper.“

„Du magst Pferde … hm?“ Ein wenig war Lucius hilflos, weil es schwerer war mit ihr zu sprechen, als gedacht. Ihr magisches Talent war beachtlich, wie er eben am eigenen Leib gespürt hatte. Aber auch sehr roh und ungeformt. Schlimmer war, dass sie in ihrem Verstand scheinbar noch zwölf Jahre alt war, wo ihr Pony der Nabel ihrer Welt war.

„Du bekommst ein neues Pferd, versprochen!“

Sie strahlte, wühlte sich aus ihren Laken und fiel ihm um den Hals. Das schockierte und machte Lucius so verlegen, dass er sie fast grob von sich gestoßen hätte.

„Schon gut“, sagte er mit kratziger Stimme und schob sie nachdrücklich aber sanft von sich. Enttäuscht und mit leicht vorgeschobener Unterlippe sah sie ihn an, hüpfte aber dann wieder ins Bett. Mit zittrigen Beinen lief er zu einer Tür, öffnete sie und meinte:

„Hier ist übrigens ein Bad. Jetzt lasse ich dir essen kommen und vielleicht komme ich später mit Remus vorbei.“

„Lucius.“ Er musterte sie, ebenso wie sie ihn betrachtete, als liebte sie es einfach nur seinen Namen zu sagen. Doch das dunkle Glimmen in ihren braunen Augen, machte ihn nervös. Hermione fügte nichts an und er nickte nur. Sein Weggang war eine regelrechte Flucht. Diese junge Frau reizte ihn so sehr, dass Nervenenden, die er abgestorben glaubte, wieder zum Leben erweckt wurden. Sein Geschlechtsteil räkelte sich wie nach zehn Jahren Kälteschlaf.





Hermione ging ins Bad, bestaunte den Luxus und duschte schließlich mutig. Anschließend kuschelte sie sich in einen herrlich blütenweißen und superweichen Bademantel. Einen Schrei stieß sie aus, als sie zurück ins Schlafzimmer kam. Dort stand ein hässliches Ding, ein Elf, der Erste dieser Art, den sie live sah.

„Hallo, ich bin Dobby, zu euren Diensten, Miss.“

„Was … bist du …?“, fragte sie neugierig und kniete sich ganz unweiblich neben die kleine Kreatur.

„Ich bin ein Hauself“, sagte Dobby und wirkte sehr verlegen.

„Wie süüüüß!“, sagte sie und zog ein bisschen an den labbrigen Ohrenspitzen. Dobby kicherte.

„Ich habe der Miss Essen gebracht.“

„Das ist sehr nett von dir.“

„Das ist meine Aufgabe, Miss. Ich bin ein Diener.“

Hermione stand auf und stopfte sich irgendwas von dem Berg an Essen in den Mund. Nichts davon konnte sie namentlich benennen, aber was sie kaute, schmeckte köstlich.

„Ehrlich? So als wäre Lucius ein … König oder so was?“

Dobby kicherte wieder leise und schaute sich gleich darauf besorgt um.

„Nein, nur der Dunkle Lord ist hier der König. Mr Malfoy ist nur mein Herr und ich diene ihm, so gut ich kann.“ Hermione verlor bei der Nennung des Dunklen Lords den Appetit. Warum, verstand sie nicht.

„Miss? Schmeckt es nicht?“

„Doch, Dobby“, erwiderte sie nachdenklich. Es war, als wüsste sie eine Menge, aber alles, was sie in ihrem Kopf zusammenbrachte, war Mr Pepper und seinen intensiven Pferdegeruch. Und Lucius und ein kribbliges Gefühl in ihr drin. Sein Name, seine Augen, seine Stimme, seine Aura – ihn kannte sie. Sehr gut. Sie mochte ihn. Mehr war gerade nicht drin.

„Probieren sie bitte das Fleisch, es ist kostbarstes Duroc Schwein.“

„Na klar“, sagte sie und säbelte sich ein Stück ab. Das Fleisch war weich wie Butter.

„Essen sie auf, Miss, ja?“

„Ich versuche es, Dobby“, erwiderte sie, um ihn zu erfreuen. Dobby kicherte wieder, was sie mochte und ließ sie allein. Während sie aß, versuchte sie eine einzig klare Erinnerung zu finden. Alles wirkte verschwommen. Sie auf Mr Pepper, ihr Popo schmerzte ein bisschen. Sie, beim Lesen, sie mit einem mysteriösen Brief in der Hand, den ihr Vater ihr wegnahm und meinte: „So was ist wirklich ein gemeiner Witz!“. Sie, die tobte und einen ganzen Sessel durch die Luft fliegen ließ, einfach so. Sie, heulend, allein mit all den weißen Leuten, die auf sie einredeten. Eine Frau mit Brille ihr gegenüber, die auf sie einredete, von dem sie nichts verstand. Hermione war an einem Ort namens Hogwarts, hatte Freunde, Harry, Ron und sie mussten gegen den Dunklen Lord kämpfen. Bei der Erinnerung rutschte ihr das Saftglas aus der Hand. Verstört blickte sie auf die orangenen Spuren auf dem weißen Bademantel.

Der Dunkle Lord – mehr fiel ihr dazu nicht ein.

Die nächste Erinnerung war ein schlagendes, blutendes Herz in ihrer Hand. Sogar den metallischen Blutgeruch hatte sie in der Nase. Jemand war bei ihr. Lucius.

Als es klopfte, erschrak sie derart, dass sie das Tablett vom Tisch fegte und sich unter ihrer Decke verkroch. War das hier echt? Sie wusste es nicht und das war wirklich beängstigend. So sehr, dass sie zitterte wie verrückt.
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