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Yuus unglaubliche Abenteuer

von YuuSaigon
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P18 / Gen
14.07.2021
07.05.2022
23
74.611
2
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14.07.2021 3.117
 
In diesem Jahr haben wir einen besonders langen und heißen Sommer.

Es ist noch vor zwölf Uhr Mittags und im Schatten sind es jetzt schon über vierzig Grad Celsius. Und dabei ist es schon Mitte September.

Auf Geheiß der Regierung wurde für die Zeit der Hitzewelle die Arbeitszeit und die Schulstunden in die Nacht verlegt, sodass sich alle um diese Uhrzeit ein verhältnismäßig kühles Plätzchen gesucht haben und schlafen.

So auch mein Bruder Mizu und ich.

Wir haben es uns im Schatten eines großen Baumes auf dem Schulhof gemütlich gemacht. Eine laue Brise weht uns um unsere Nasen und raschelt durch die Blätter über uns.

Irgendwann stört ein anderes unangenehmes Geräusch unseren seichten Schlaf.

„Mizu… hast du wieder vergessen, dein Terminal stumm zu schalten?“, schelte ich ihn verschlafen. Das kommt leider nur allzu häufig vor.

Mein Bruder, der bisher auf dem Rücken zu meiner Rechten lag, dreht mir nun selbigen zu.

„Nee…  kam aus deiner Richtung.“, entgegnet er schlafumnebelt.

Ich setze mich auf und schaue auf mein Terminal.

Es ist ein Gerät, dass in seiner Funktionalität stark an einen Computer erinnert, aber mit noch mehr Funktionen. Man kann damit zusätzlich noch telefonieren, videotelefonieren und sich sogar den Standort von Freunden anzeigen lassen. Außerdem kann man mittels eines einfachen Knopfdrucks alle Personen im Umkreis informieren, dass man in der Klemme steckt und Hilfe braucht. Das alles so kompakt verpackt, dass man es bequem am Unterarm tragen kann. Am besten ist aber die multiple-Schwebedisplays Funktion. Damit kann man gleich mehrere Displays nebeneinander vor sich und um sich herum anzeigen lassen und gleichzeitig bedienen.

Und mein Terminal hat mir eben mitgeteilt, dass ich eine neue, ungelesene Mail habe. Ich öffne diese, auch wenn mir der Absender spontan nichts sagt.

Absender ist eine Ida, die sich wohl sehr wichtig nimmt, da der gesamte Name in Großbuchstaben geschrieben steht. Als Betreff gibt sie an, sie hätte einen Auftrag für mich.

Das seltsamste ist aber, dass ein gewisser Sebastian unterschrieben hat. Sebastian, Leiter der Abteilung 7.

Nur kenne ich aber weder eine Ida, noch einen Sebastian.

„Du, Mizu, schau mal.“, sage ich und stupse ihn mit meinem Ellenbogen an.

Ich treffe ihn an der Schulter. Das Momentum reicht gerade aus, um ihn auf den Bauch zu rollen.

Während er ächzend nach Luft ringend seinen Kopf hebt, stelle ich die Sichtbarkeit des Displays, auf dem die Mail geöffnet ist, auf ‚für alle sichtbar‘.

„Ich hab hier `ne komische Mail, mit der kann ich nix anfangen. Von einer Ida.“

Mizu dreht den Kopf zu mir und sieht mich vorwurfsvoll an.

„Das sollte jetzt wirklich besser wichtig sein. Mich zu wecken …“

„Ida, oder I-D-A?“, fragt er schließlich.

Er reibt sich verschlafen die Augen und setzt sich neben mich im Schneidersitz und Gras.

„Dummkopf.“, sagt er nur knapp, nachdem er die Mail überflogen hat und haut mir mit der geballten Faust leicht auf den Hinterkopf. „Die Mail ist von der IDA. Du wirst dich erinnern, da war vor ein paar Jahren so ein komischer Kauz, der dich anwerben wollte.“

Mit beleidigter Mine lässt mein Bruder sich zur Seite ins weiche Gras fallen.

„Wenn du’s genau wissen willst, dann ruf dort an. Ne Nummer steht ja drunter. Und jetzt lass mich in Ruhe schlafen.“

Ich stehe auf und klettere auf die höheren Äste des Baumes, damit mein Bruder unten in Ruhe schlafen kann, während ich telefoniere.

Ich tippe die Nummer ein und schon nach kurzem Klingeln meldet sich eine tiefe Männerstimme.

„IDA, Abteilung 7, Sebastian am Apparat.“

„Ah, hallo. Hier ist Yuuko Haru. Ich habe eben eine Mail von Ihnen bekommen, zu der ich ein paar Fragen hätte.“

„Yuuko Haru? Eine Sekunde bitte …“

Für einen Moment ist von der anderen Seite das Geraschel von Papier zu hören.

„Danke für die Geduld, Frau Haru. Was für Fragen haben sie denn, die Mail betreffend?“

„Zu aller erst einmal möchte ich wissen, was das für ein Auftrag sein soll und was das für eine seltsame Zahlenfolge ist, die in der Mail geschrieben steht.“

„Das wissen Sie nicht? Das ist doch bei allen Aufträgen gleich. Sind sie vergesslich geworden?“

„Ich kann es nicht vergessen haben, da ich noch nie einen Auftrag von der IDA erhalten habe.“

„Noch nicht? Aber sie sind doch schon seit Jahren bei der IDA als Mitglied eingetragen. Moment, ich schau noch mal in die Akte …“

„Da haben wir es ja. Sie sind vor acht Jahren der IDA beigetreten und hatten tatsächlich bisher noch keinen einzigen Auftrag. Das ist aber ungewöhnlich. Sonst bekommen Rekruten binnen von einem Monat ihren ersten Auftrag. Sagen sie, wie alt sind sie jetzt eigentlich?“

„Ich bin ende letzten Jahres vierzehn geworden. Steht denn mein Geburtsdatum nicht mit in meiner Akte?“

„Was? VIERZEHN! Das kann nicht sein … Doch, tatsächlich. Da muss wohl einer in der Abteilung geschlafen haben. Ein solcher Auftrag ist eher etwas für alte Hasen denn für Neulinge. Für den Auftrag muss man schon besonderen Schneid und eine Unmenge an Erfahrung haben.“

Er hält kurz inne, wahrscheinlich studiert er meine Akte noch einmal genauer.

„Aber ihre Eckdaten passen tatsächlich zu den Vorgaben. Nun gut, das lässt sich nun nicht mehr ändern. Der Auftrag wurde ihnen zugewiesen. Ich kann nur hoffen, dass die von der Vergabe wissen, was sie tun.“

„Und was soll das jetzt genau heißen? Ich bin gerade ein bisschen verwirrt.“

„Es hilft ja nichts. Ich werden Ihnen die Vorgehensweise erklären müssen. Da sie sicher auch noch nicht die Standardausstattung haben, werde ich Ihnen eine besorgen. In einer halben Stunde  komme ich zu Ihnen, um alles Weitere zu klären.“

Damit ist das Telefonat beendet.

Verwirrt schaue ich auf mein Terminal. Das kommt mir alles wie ein schlechter Scherz vor. Aber in einer halben Stunde wird sich sicher einiges klären.

Ich klettere den Baum wieder herunter um unten für ein paar Minuten, zumindest meine Augen auszuruhen. In einer halben Stunde schlafe ich bei der Hitze eh nicht ein.

Nur eine Frage beschäftigt mich. Auch wenn die Stadt, in der ich wohne, nicht besonders groß oder weitläufig ist, sucht man manchmal trotzdem stundenlang vergebens nach jemanden. Woher will also dieser Sebastian wissen, wo in der Stadt er mich finden kann? Selbst Hellseher tun sich bei uns schwer, da es neben den Straßen oberhalb der Erdoberfläche, auch noch ein riesiges Labyrinth von Wegen unterhalb der Stadt gibt. Und fast jeder in der Stadt kennt sich mittlerweile dort unten aus.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich zum ersten Mal da unten in einem der Gänge stand. Seit vielen Jahren, ach was, wahrscheinlich sogar seit Jahrzehnten, war ich die erste Person, die dieses Labyrinth betreten hat. Entsprechend staubig war es da unten. Aber mit vielen helfenden Händen war das Labyrinth schnell sauber und kartographiert. Später musste ich aber feststellen, dass wir eine ganze Reihe versteckter Türen übersehen haben, die wiederum zu weiteren verzweigten Gängen führen. Und von diesen versteckten Gängen habe ich bisher bestenfalls zehn Prozent erkundet und für mich kartographiert.

Ich schiele mit einem Auge auf mein Terminal. Die halbe Stunde ist fast um.

So setze ich mich auf um streiche meine etwas zerzausten blonden Haare glatt. Ich will ja einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

„Mizu? Ich habe gleich einen wichtigen Termin und mach mich jetzt auf den Weg.“

Als mein Bruder das hört, schnellen seine Augen auf. Wie vom Blitz getroffen springt er auf.

„Termin? Hab ich verschlafen?“

„Du hast mir wieder nicht richtig zugehört. Ich habe gesagt, ‚Ich‘ habe einen Termin, nicht ‚wir‘.“

Entkräftet lässt er sich auf seinen Allerwertesten fallen.

„Sag das doch gleich.“

„Habe ich doch. Du hörst mir ja nur nie zu. Ich wollte dich nur informieren, dass ich jetzt weg muss. Nicht, dass du dann wieder alle aufscheuchst, so, wie beim letzten Mal.“

„Was sollte ich machen? Ich dachte, du wärst schon wieder entführt worden.“

„Nur zu deiner Info. Ich bin kein kleines Kind mehr. Selbst wenn ich entführt werde, ich komme alleine zurecht. Was denkst du, wozu ich trainiere? Damit kein potenzieller Entführer sich mehr traut, mich zu entführen. Die holen sich bei mir nur noch blutige Nasen.“

Ich seufze. Es stimmt schon. Als ‚geliebte‘ Tochter des Regenten und der Königin, und gleichzeitige Thronanwärterin ist mein Leben einiges Wert, weshalb ich fast monatlich von irgendwelchen Idioten, die meinen, für mich Geld verlangen zu können, entführt werde. Aber in den letzten Monaten ist es erstaunlich ruhig gewesen. Wahrscheinlich hat es sich herum gesprochen, dass die Letzten, die es versucht haben, im Krankenhaus gelandet sind. Meinetwegen.

„Ich gehe jetzt also.“, sage ich nur knapp und wende mich zum gehen.

„Warte! Ich komm mit!“

Wenn mein Bruder einen Fehler hat, dann den, dass er viel zu sehr an mir hängt. Ich weiß nicht, ob er denkt, er müsse mich beschützen, aber ich denke, dass ich, als die ältere von uns beiden, ihm ein Vorbild sein und auf eigenen Beinen stehen sollte. Als Ältere muss ich aber eben auch manchmal streng mit ihm sein. So, wie jetzt.

„Nein, Mizu. Du wartest bitte hier. Die Angelegenheit hat mit dir nichts zu tun. Ich treffe mich mit dem Herrn  von der IDA und spreche mit ihm über diesen ominösen Auftrag. Dann komme ich wieder her. Halte also bitte meinen Schattenplatz für mich frei.“

Ich schaue über meine Schulter und bereue es sofort. Mizu sieht mich mit seinem ‚treuen Hundeblick‘ an, ein fataler Volltreffer.

Einen Moment hadere ich mit mir, dann knicke ich ein.

„Na gut, aber nur ausnahmsweise. Beim nächsten Mal heißt ‚nein‘ endgültig nein. Verstanden?“, sage ich, und kratzte mich am Hinterkopf. Wie oft habe ich das schon gesagt? Viel zu oft. Eindeutig. Aber er schafft es doch immer wieder, mich rum zu kriegen.

Als ich über meine Schulter schaue, sehe ich, dass Mizu exakt drei Schritte hinter mir auf der linken Seite geht und grinst, wie ein Honigkuchenpferd.

Ich seufze, dann wende ich meine Schritte in Richtung Stadttor. Wenn jemand in die Stadt hinein will, dann muss er dort durch. Es ist der einzige Zugang zur Stadt, die von einer riesigen Mauer umgeben ist. Was im Kriegsfall praktisch sein mag, ansonsten aber etwas übertrieben wirkt.

Am Tor angekommen, werde ich von den Wachen formell korrekt gegrüßt und gefragt, wo ich denn hin wolle. Darauf antworte ich nur knapp, dass ich Besuch von außerhalb erwarte.

Es dauert auch gar nicht lange, dann ist in der Ferne eine hagere Gestalt in heller Kleidung zu sehen.

Am Tor angekommen, zeigt Sebastian den Wachen seinen Ausweis und wird sofort und ohne weitere Kontrolle durchgewinkt. Was erstaunlich ist, denn Fremde erhalten sonst erst dann Zugang, wenn die Wachen sie komplett gefilzt haben.

Erstaunt sehe ich meinen Gast an. Er misst fast zwei Meter in der Höhe, ist spindeldürr, was von den kurzen, dunklen, struppigen Haaren nur noch verstärkt wird. In der Hand trägt er eine abgenutzte lederne Aktentasche.

„Entschuldigen sie die Verspätung, ich wurde aufgehalten. Mein Name ist Sebastian, wir hatten am Telefon gesprochen.“

„Guten Tag. Ich bin Yuuko, der Jungen mit den blonden Haaren hinter mir ist mein Bruder Mizu. Er wäre gern bei unserem Gespräch dabei.“

„Ach, das ist also ihr Bruder Mizu. Sehr erfreut. Sie können uns natürlich gerne Gesellschaft leisten. Nur wäre ich sehr dankbar, wenn wir unser Gespräch an einem etwas kühleren Ort weiterführen könnten.“

Ich bitte Sebastian, mir zu folgen und führe ihn zum nächstliegenden Eingang, hinunter ins Labyrinth. Von dort nehme ich zielsicher ein paar Abbiegungen, bevor ich vor einer hölzernen Tür stehen bleibe.

„Hinter dieser Tür wird uns niemand stören. Das ist mein privates Büro, sozusagen.“

„Ich muss zugeben“, meint Sebastian hinter mir kleinlaut, „dass ich sie hier unten nie gefunden hätte. Dieser Irrgarten sucht seinesgleichen vergebens.“

„Ich kenne mich mittlerweile ganz gut hier unten aus. Und zur Not habe ich meine Karte.“

Die Türangeln ächzen unter der Last der massiven Holztür, als ich sie mit vollem Körpereinsatz aufdrücke. Dann bitte ich meine Gäste hinein.

Der Boden des vier mal vier Meter großen Zimmers ist nahezu vollständig mit weichen Kissen ausgelegt. In der Mitte steht ein kleiner, niedriger Tisch, auf dem sich unzählige Papiere stapeln.

„Setzt euch einfach irgendwo hin und macht es euch bequem.“

Sebastian setzt sich an eine Seite des Tisches, mit dem Rücken zur Tür. Mizu wartet erst noch kurz an der Tür, bis ich die Papiere beiseite gelegt habe und setzt sich dann einen halben Meter hinter mir, zu meiner linken hin. Dabei schaut er meinen Gast prüfend skeptisch an. Aufgrund der erwarteten Schwere des Gesprächs, setze ich mich Sebastian gegenüber.

„Ich kann Ihnen leider keinen Tee anbieten, da ich hier weder Tassen, noch eine Möglichkeit, Wasser zu erwärmen habe. Meistens halte ich mich ohnehin nicht so lange hier unten auf, und habe üblicherweise auch keine Besucher.“

„Das ist nicht so schlimm, ich bin nicht zum Teetrinken gekommen.“

Sebastian hatte seine Aktentasche neben sich auf die Kissen gelegt. Nun öffnet er diese und zieht eine kleine Tasche heraus. Cremefarben und etwa so groß wie meine beiden Fäuste zusammen. Er legt die Tasche mittig auf den Tisch zwischen uns.

„Das ist einmal die komplette Grundausstattung der Mitglieder der IDA. Vergewissern Sie sich bitte, dass alles in Ordnung ist.“

Ich nehme die Tasche und öffne sie.

„In dieser Tasche mit unbegrenztem Stauraum sollten sich ein Ausweis der IDA, sowie eine silberne Glocke an einem weißen Band befinden.“

Ich greife in die Tasche hinein und ziehe tatsächlich einen Ausweis mit meinem Konterfei und ein kleines Glöckchen hervor.

„Sehr gut. Sie haben bereits von Beginn an einen sehr hohen Rang, dargestellt durch die drei Sterne auf dem Ausweis. Der höchste Rang wird durch sieben Sterne gekennzeichnet. Sie müssen nur denen innerhalb der IDA Respekt zeigen, die sich ihnen als Abteilungsleiter vorstellen und denen die einen höheren Rang als sie selbst haben.“

Er schiebt mir seinen Ausweis rüber. Darauf steht: Sebastian, Leiter der Abteilung 7, sechs Sterne.

Seinen Ausweis schiebe ich ihm zurück.

„Sie haben ja selbst an der Reaktion der Wachposten gesehen, was für einen Einfluss die IDA hat.“

Ich schlucke schwer. Mir war gar nicht bewusst, wie einflussreiche die IDA ist. Als ich damals angeworben wurde, dachte ich noch, es sei ein Wald und Wiesen Verein, der sich um diesen und jenen Unsinn kümmert. Hätte nie gedacht, dass die Leute der IDA einfach so überall reinkommen. Wie praktisch.

„Als Mitglied der IDA genießt man viele Vorzüge, besonders dann, wenn man einen oder mehr Sterne auf dem Ausweis hat. Aber Vorzüge bedeuten auch immer, dass man eine entsprechende Verantwortung trägt. Der Auftrag, den sie erhalten haben, führt sie in ein Dorf, zu dem Außenstehende sonst nur sehr selten Zugang erhalten. Ihre Aufgabe wird es sein, mit den Zielpersonen Kontakt aufzunehmen und sicher zu stellen, dass Ihrem Schicksal nichts entgegen steht.“

Er erklärt mir mit vielen, schönen Worten, wofür die Glocke ist und wie ich sie richtig benutze, dann verabschiedet er sich, und wünscht mir bei meinem ersten Auftrag viel Erfolg.

Eine Weile, nachdem Sebastian gegangen ist, meldet sich mein Bruder zu Wort.

„Habe ich das richtig verstanden? Du sollst Schicksal spielen?“

„Klang für mich zumindest so. Und dann habe ich noch nicht einmal Zeit, mich großartig auf diese Aufgabe vorzubereiten.“

Ich seufze schwer. Wenn ich Sebastian richtig verstanden habe, dann soll ich zwei Personen miteinander verkuppeln. Ausgerechnet ich! Wo ich in meinen reichlich vierzehn Lebensjahren noch nicht ein einziges Mal verliebt war.

Na DAS kann ja heiter werden.

„Aber er hat dir weder verraten, wen du verkuppeln sollst, noch, wie sie aussehen. Woher sollst du das wissen? Ein paar mehr Informationen wären schon echt nicht schlecht gewesen.“

„Mizu… kannst du dich an unser Abenteuer im Land des ewigen Schnees erinnern? Ich habe uns sicher durch den Schneesturm geführt, ohne den Weg zu kennen, oder gar sehen zu können.“

„Ja, ich war beeindruckt. Es war, als wenn du jemandem, der den Weg kannte, einfach nur gefolgt wärst.“

„Du hast es ganz treffend ausgedrückt. Ich habe ein kleines blaues Licht gesehen und mich von ihm leiten lassen.“

„War das etwa …?“

„Vermutlich, ja. Das blaue Licht des Schicksals. Das ist wahrscheinlich die Voraussetzung für den Auftrag.“

Mein Bruder sieht mich mit einem gequälten Gesichtsausdruck an. Er hat sich mittlerweile zu meiner Linken an den Tisch gesetzt.

„Das mit dem Schlafen wird bei mir heute nicht mehr viel. Ich muss meine Sachen packen und sofort los. Kannst du unserem Vater mitteilen, dass ich einen externen Auftrag erhalten habe, zu dem ich übereilt aufgebrochen bin?“

Mizu nickt nur kurz und bietet mir dann an, mir beim Packen zu helfen.

Dankend nehme ich an und wir machen uns erst auf den Weg in mein Zimmer und dann bringt mein Bruder mich noch bis raus ans Stadttor.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich die Stadt verlasse.

Aber es ist das erste Mal, dass ich nicht weiß, wann ich wieder zurück kommen werde. Heute kommt mir das Tor noch viel größer vor als sonst.

Die Größe ist aber auch beachtlich. In der Breite passen bequem zwei Pferdewagen und zwei Menschen aneinander vorbei, ohne sich zu berühren. Und es ist etwa eineinhalb mal so hoch. Aber Pferdewagen kommen nur sehr selten in die Stadt. Es gibt auch nur wenige, die aus der Stadt heraus gehen, und wieder hinein. Somit haben die vom Wachposten eigentlich einen sehr ruhigen Job. An manchen Tagen ist es so ruhig, dass der eine um der andere Wächter schon bei der Arbeit eingeschlafen ist, weil so wenig los war.

„Ich geh dann mal, Mizu. Mach’s gut.“

Ich werfe noch einen letzten Blick durch das Stadttor auf die dahinter liegende Stadt. Da nahezu alle Häuser einstöckig sind hebt sich das Haupthaus, in dem ich wohne, und das gleichzeitig der Sitz der Regierung ist, sehr stark hervor. Mit seinen fünf Etagen, die von einem kleinen Türmchen auf dem Dach überthront werden.

Dann wende ich mich zum Gehen.

Mein nächstes Ziel: Das kleine Dorf im Wald.

Nachdem ich schon ein gutes Stück weit in den Wald hinein gegangen bin, der auf der anderen Seite der Stadtmauer angrenzt, schaue ich mich um, lausche. Hier draußen bin ich ganz allein. Also gut.

Getreu der Anleitung, die mir Sebastian gegeben hat, lasse ich die Glocke erklingen und öffne damit eine Abkürzung zu meinem Auftragsziel.

Aus dem Inneren der Glocke kommt ein Leuchten, dass sich ausbreitet, bis eine hell leuchtende Scheibe vor mir steht, deren Durchmesser knapp größer ist als ich.

Jenseits dieser Lichtscheibe ist mein Ziel.

Ich nehme all meinen Mut zusammen, kneife meine Augen zusammen und gehe hindurch.

***
Trivia:
In Yuukos Heimat gilt man bereits mit 13 als alt genug, um arbeiten zu können. Im Zuge der Schulausbildung finden auch immer wieder Praktika ähnliche Arbeitswochen statt, wo die Schüler für ihre geleistete Arbeit einen Oblolus erhalten. Die meisten beginnen richtig zu Arbeiten, wenn sie etwa 16 Jahre alt sind, da sie eher eingeschult werden, als es in Deutschland der Fall ist. (Mehr dazu in Kapitel 3)
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