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Faded

von Caragor
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Draco Malfoy Fenrir Greyback OC (Own Character) Theodore Nott
13.07.2021
27.07.2021
5
12.007
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22.07.2021 4.285
 
„Homenum Revelio!“ Langsam taten mir die Arme weh und vom Klopfen der Herzschläge bekam ich allmählich Ohrenschmerzen. Überall waren viele Leute in den Häusern. Der Nieselregen hatte sich mittlerweile in fallenden Regen verwandelt und wir wären tropfnass gewesen, hätte Leony nicht die rettende Idee gehabt. „Wartet mal kurz“, hatte sie gesagt, mit dem Zauberstab auf uns alle drei geklopft und gesagt: „Impervius!“ Sofort perlte der Regen von uns ab, als hätten wir einen wasserabweisenden Schutzanzug an. „Danke, Leony“, hatte Sabrina gesagt. „Machen wir weiter.“ „Da gibt es nur ein Problem“, meinte Leony. „Mal angenommen, wir finden ein potenzielles Todesser-Haus … wie markieren wir es dann für die anderen?“ Ich biss mir auf die Lippe; darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Dann fiel es mir wie Schuppen vor die Augen. „Wir benutzen rote Funken“, erklärte ich. „Außerdem werden wir an den Türen derjenigen, bei denen wir uns sicher sind, ein rotes Flammenkreuz anbringen, sodass sie markiert sind.“ „Und wie willst du das den anderen mitteilen?“, wollte Leony wissen. „Kannst du vielleicht einen sprechenden Patronus?“ „Nein“, gab ich zu und wandte mich an Sabrina. „Dein Vater war doch in so etwas geübt, nicht?“ „Naja …“, murmelte sie. „Ja, aber … er hat es mir nie beigebracht.“ „Wirklich nie?“, fragte ich nach. „Auf keine irgendwie erdenkliche Art und Weise?“ Meine Hoffnung schwand, als ich die Resignation auf ihrem Gesicht sah. „Nein, ich … Doch“, sagte sie plötzlich. „Doch, einmal hat er den Zauberspruch gesagt. Es war auf einer Schulung innerhalb des alten Ministeriums, kurz vor der Machtübernahme. Da hat er den neuen Auroren diesen Zauber beigebracht, falls sie einmal in Schwierigkeiten geraten sollten. Ich denke, ich sollte mir den Spruch gemerkt haben …“ Sie stellte sich hin, zielte mit ihrem Zauberstab in die regennasse Luft und kniff fest die Augen zusammen. Im nächsten Moment schoss ein silberner Wüstenfuchs aus ihrem Zauberstab, die weiß leuchtenden Augen zu uns gewandt. Er setzte sich lautlos auf den nassen Asphalt und fixierte nun Sabrina. Diese schluckte, richtete ihren Zauberstab auf ihre Kehle und wisperte Worte, die ich im prasselnden Regen nicht verstand. Sofort begann die Zauberstabspitze, ein seltsam weißes, reines Licht zu entzünden, das starke Kontraste setzte: So wurde zwar die Umgebung um uns herum erhellt, doch die Schatten wurden auch tiefer. Dann sprach Sabrina in den Lichtkegel hinein: „An alle Gruppen! Jedes potenzielle Todesser-Haus wird sichtbar mit roten Funken am Himmel und einem Feuerkreuz an der Tür markiert! Danach treffen wir uns wieder bei meiner Tante, um eine Lagebesprechung durchzuführen!“ Sie schnippte mit dem Zauberstab zum Patronus hin, woraufhin dieser das silberne Maul öffnete und den grellen, reinen Lichtkegel verschluckte, der auf ihn zuflog. Dann erhob er sich in die Luft und flog los. In der Zwischenzeit richtete ich meinen Zauberstab erneut auf das Haus und wiederholte den Aufspürzauber, der mittlerweile wieder erloschen war. Erneut flammten gut zwei Dutzend Gestalten auf und ich richtete meinen Zauberstab jetzt in den Himmel und dachte: Relaschio! Rote Funken brachen vor dem wolkenverhangenen, dunkelgrauen Himmel daraus hervor und sammelten sich über dem dunkelrot glänzenden Dach des Hauses. „Flagrate!“, sagte ich und deutete mit meinem Zauberstab auf die Tür dessen, auf der sofort ein feuerrotes Flammenkreuz erschien. Dann, nach wenigen Sekunden, schossen rings um uns herum mindestens sechs Mal an verschiedenen Orten rote Funken in den Himmel. Ich schluckte, als ich die schiere Anzahl der möglichen Todesser-Verstecke sah. Und ich wusste, dass das noch nicht einmal alle waren. In jedem Haus konnten sich weitere Todesser verbergen, wenn sie sich aufgeteilt hatten. Dann würden wir einer Übermacht gegenüberstehen, sollten wir auch nur ein Haus angreifen … Ich schüttelte langsam den Kopf. Ich war ich. Nicht Hermine. Und ich würde garantiert nicht paranoid werden. Während ich diese Gedanken dachte, gingen wir weiter – und gerieten prompt in eine Sackgasse. „Scheint, als wäre das Viertel hier zu Ende“, bemerkte Leony. „Lasst uns zurückapparieren, dann können wir besprechen.“ „Ich hoffe, dass die Teams von Peter und Malfoy auf der Südseite gut vorankommen werden“, meinte ich. „Immerhin liegt dort London.“ Ich schloss die Augen und während ich fest an das Wohnzimmer dachte, hörte ich, wie mit je einem leisen Plopp sowohl Sabrina wie auch Leony verschwanden. Meine Füße hoben vom regennassen Boden ab und ich drehte mich in die Dunkelheit.

Ich kam auf Holzdielen wieder auf und sah, dass sowohl mein Team wie auch einer aus Peters Team schon wieder zurück waren. „Wo ist der Rest?“, fragte ich ihn. „Die sind noch unterwegs“, gab er zurück. „Sie sollten aber jeden Moment kommen.“ Leony warf mir einen zweifelnden Blick zu und erneut hoffte ich, dass Peter und Malfoy nicht in Schwierigkeiten gerieten. Je weiter sie auf der Südseite vorankamen, desto gefährlicher würde es werden, da sie dem Neuen Ministerium immer näherkämen. Während wir warteten, kam Mrs. Cauldrony herein. „Möchte jemand eine Tasse Tee?“, fragte sie und schien die in der Luft liegende Anspannung weitestgehend zu ignorieren. Sabrina stand auf und folgte ihrer Tante in die Küche, mit den Worten: „Ich nehme eine.“ Immer noch warteten wir und ich sah, wie Leony einen flüchtigen Blick zum Fenster warf und dann sofort wieder zur Tür. Ich hatte meine Ohren gespitzt und wusste, dass es auch jeder andere tat. Jeder von uns wartete auf das Zeichen, dass die Erkundung entweder unbehelligt verlaufen oder gescheitert war. Schließlich stand auch ich auf; ich hielt es nicht mehr aus, hier im halbdunklen Wohnzimmer zu sitzen und darauf zu warten, dass irgendetwas passierte … Ich ging zum Fenster und sah in den grauen, verregneten Tag hinaus. Es waren nur wenige Gestalten zu erkennen, die sich dunkelgrau, beinahe schon schwarz gegen die Regenwand abhoben und keine davon sah aus, als hätte sie Wind von uns bekommen. Vor allem lauschte ich. Wenn die Todesser angriffen, würden wir das mitbekommen – es sei denn, sie folterten Peter und Malfoy, da sie noch nichts von unserem Versteck erfahren hatten. In diesem Falle würde es bis zu einer ganzen Weile dauern, bis wir vom Angriff erfahren würden, denn Peter war gut in Okklumentik und wie zäh Malfoy war, konnte ich nicht sagen. Ich hoffte nur, dass er ähnlich stark war. Als sich dann schließlich das leise Plopp ankündigte, fuhr ich heftig zusammen, denn sie waren direkt hinter mir aufgetaucht. „Peter!“, rief Sabrina und ich hörte Klirren; offenbar hatte sie ihre Tasse Tee vor Schreck fallengelassen. Ich wirbelte herum und sah im Zwielicht, wie sie ihren Zauberstab missmutig auf den weißen Scherbenhaufen richtete, der sich daraufhin wieder zusammensetzte, aber der verschüttete Tee blieb als dunkelroter Fleck auf dem Boden. „Tergeo“, murmelte Peter und deutete auf den Flecken; beinahe augenblicklich wurde das Gröbste davon weggesaugt. „Peter?“, fragte ich leise. „Lilly“, murmelte er. „Wir … sind fertig, wir …“ Zitternd setzte er sich auf das Sofa. „Was ist passiert?“, wollte Sabrina wissen. Ein zweites Plopp ertönte, kurz darauf ein drittes und viertes und schließlich erschien Peters gesamtes Team sowie Malfoy. Alle waren blass und geschockt. „Wir …“, fing Peter an, schluckte und bekam dann keinen Ton mehr heraus. „Malfoy?“, wandte ich mich an ihn; einer aus Peters Team verschwand murmelnd in Richtung Toilette. Er war noch sehr jung, nur zwei Jahre älter als Jerry, und während ich darauf wartete, dass sich Malfoy fing, hörte ich aus der Toilette ekelerregende Würg- und Spritzgeräusche, danach mehrmaliges Spülen. „Wir waren noch nicht sehr weit“, fing Malfoy leise an. Er sah aus dem Fenster in die Ferne, während er sprach. „Vielleicht waren es nur zwei Blocks, oder auch drei, aber …“ Er schüttelte den Kopf. „Es waren so viele“, hauchte er. „Mindestens drei Dutzend. Auf einmal waren sie da, sie … Sie waren überall um uns herum, haben uns aus dem Nichts umzingelt …“ Ich warf einen schnellen Blick auf Leony, die leise mutmaßte: „Wahrscheinlich ein Anti-Eindringlingsfluch oder so etwas in der Art.“ Ich sah wieder zu Malfoy, welcher soeben fortfuhr: „Wir konnten uns am Anfang gut erwehren, aber dann … dann hat einer von ihnen angefangen, Todesflüche durch die Gegend zu schleudern und …“ Seine Stimme brach und er versuchte es erneut, bekam jedoch keinen Ton mehr heraus. „Sie haben alle beide erwischt“, murmelte Peter. „Das ganze Team. Malfoy konnte als einziger daraus überleben. Er hat ein paar gute Gegenzauber parat gehabt, aber …“ Schlagartig verlor mein Gesicht jegliche Farbe, als mir die Tragweite dieser Nachricht bewusstwurde. „Heißt das, sie … fangen an, einen Vorstoß in diesen Vorort zu wagen?“, wollte ich wissen. „Nein, Lilly“, meinte Leony, die verstanden hatte. „Das haben sie bereits. Sie haben ihre Macht über die Südseite bereits schon gefestigt und stoßen jetzt anscheinend in Richtung Ostseite vor.“ „Sie wissen also, wo wir sind?“, fragte Sabrina matt. „Dann müssen wir also wieder fliehen?“ „Nein“, erwiderte ich. „Die wissen es nicht, sondern vermuten es nur. Ich glaube, dass das Neue Ministerium denen befohlen hat, ihre Grenzen zu erweitern, richtig?“ „Vielleicht“, antwortete Peter, „denn viele der Häuser schienen ausgebrannt oder standen leer. Ich vermute, dass die sich da so richtig ausgetobt haben.“ In der darauffolgenden Stille schienen sich die Schatten im Zimmer zu verdunkeln, während jeder von uns seinen eigenen Gedanken nachhing. „Es war meine Schuld“, sagte Malfoy plötzlich. „Ich hab sie verloren; ich hab sie alle verloren …“ „Nein“, antwortete Leony. „Du konntest nichts dafür; keiner konnte irgendetwas dafür. Du wusstest nicht, dass das ein Hinterhalt war, du …“ „Aber ich hab sie in den Hinterhalt geführt!“, entgegnete Malfoy. „Meinetwegen sind sie jetzt tot! Sie waren … nur achtzehn Jahre alt.“ Leony öffnete den Mund, doch ihr fiel nichts ein und sie schloss ihn wieder. Erneut wünschte ich mir Butterbier oder Feuerwhiskey herbei, um diese Trauer wegzubrennen, die schwer auf unseren Schultern lastete. Malfoy verschwand in der Küche und kam wenig später mit Tee für alle zurück. Während wir unsere Tassen tranken, waren wir in tiefem Schweigen miteinander verbunden. Ich ahnte, dass Mrs. Cauldrony uns beobachtete, ein Eindringling in eine trauernde Gemeinschaft. Schließlich hörte ich, wie sie kehrtmachte und im Haus verschwand. „Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Peter leise. Die meisten von uns hatten ihre Tassen geleert; nur die von Malfoy und Leony waren noch gefüllt. „Hat irgendwer eine Idee?“ „Nein“, meinte Sabrina und klang, als wäre sie den Tränen nahe. Wir saßen noch lange dort, schweigend, mit leeren Tassen, während draußen der Regen langsam aufklärte und schließlich vollkommen verschwand. Die Wolken schoben sich zur Seite und die schwache Sonne tauchte die Straßen in tiefe Schatten. „Möchte irgendwer ein Mittagessen?“, fragte Mrs. Cauldrony irgendwann; ich blinzelte. Ich war vollkommen in Gedanken versunken gewesen, wie wir den Todessern diese Gräueltat am ehesten heimzahlen konnten – am besten noch verdoppelt und verdreifacht. Ein kleiner Teil in mir wollte, dass wir die Todesser unseren Schmerz und unsere Wut spüren lassen sollten, dass wir sie auf das Grausamste für den Mord bestrafen sollten, doch der andere, rationale Teil von mir wusste genau, dass uns das nur wieder auf den alten Weg zurückführen würde. Und ich war nicht sie. Ich konnte meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich sah in die Runde. „Hat wer Hunger?“, wollte ich wissen. Alle schüttelten den Kopf. „Was ist mit den Kindern?“, fragte ich Mrs. Cauldrony; sie warf einen Blick nach oben. „Ich habe sie versorgt, während ihr … draußen wart“, antwortete sie. „Da ist einer, der Jerry heißt. Er will dauernd, dass eine gewisse Hermine kommt …?“ Ich biss die Zähne zusammen und schloss die Augen. Selbst im Tod ließ sie uns nicht gehen … „Hermine war … unsere frühere Anführerin und in Jerrys Augen eine Ersatzmutter für ihn“, antwortete ich nach einem kurzen Moment Stille, in der der frische Schmerz in mir getobt hatte. „Wir haben sie vor zwei Tagen in Shell Cottage begraben.“ „Das wusste ich nicht“, sagte sie. „Es tut mir leid.“ „Nein, ist schon in Ordnung“, meinte ich. „Sie haben ein Recht, es zu erfahren.“ „Soll ich Jerry davon erzählen?“, wollte sie wissen. „Nein“, sagte ich sofort, „er wird es verstehen, wenn er dazu bereit ist.“ Ich dachte an meinen Bruder Sherman. Unsere Eltern waren uns vor vier Jahren von Todessern genommen worden. Sie waren mitten in der Nacht zu uns gekommen und hatten in ihrer rasenden Wut unser Haus vernichtet. Ich erinnerte mich noch genau daran, dass unsere Mutter uns zugeschrien hatte, wir sollten verschwinden. Aus dem Inferno waren nur wir beide herausgekommen. So hatte uns Hermine vor drei Jahren aufgefunden: Verdreckt, hungrig, obdachlos, frierend. Bis heute weigerte sich Sherman, zu glauben, was mit unseren Eltern passiert war. „Und ihr wollt wirklich nichts essen?“, fragte Mrs. Cauldrony erneut. Jeder schüttelte den Kopf. „Ich verstehe“, meinte sie. „Falls ihr eure Meinung ändert, bin ich hier im Haus.“ Ich nickte und hörte, wie sich ihre Schritte wieder entfernten. Gegen Abend, als die Sonne langsam versank und der Himmel von einem tiefen Blutrot in dunkles Lila und schließlich in Schwarz überging, hörten wir Malfoys Magen knurren. Ich warf einen Blick auf ihn und als er sich penetrant nicht rührte, murmelte ich: „Geh schon. Du musst etwas essen.“ Malfoy nickte und erhob sich. Er zog seinen Zauberstab heraus und schwang ihn; beinahe sofort sprangen die Lampen an und tauchten den Raum in sanftes, gedimmtes Licht. Im Halbschatten war die uns zugewandte Seite von Malfoy kaum bis gar nicht zu sehen, sodass er wie ein Schatten in der Nacht wirkte, als er in die Küche ging. Den Jungen aus Peters Team hatten wir nicht mehr gesehen und ich vermutete, dass er sich schlafen gelegt hatte. Noch immer saßen wir dort und hatten uns keinen Millimeter bewegt. Dann flammte in mir ein
Geistesblitz auf. „Wir greifen sie an“, verkündete ich mit heiserer, rauer Stimme, nachdem ich so lange geschwiegen hatte. Sofort schoss Sabrinas Kopf hoch. „Das ist nicht dein Ernst!“, sagte sie. „Malfoy sagte, dass es mindestens drei Dutzend waren! Wie sollen wir da eine Chance gegen sie haben?“ „Das ist Selbstmord, Lilly“, meinte Peter leise. „Ist dir Rache wirklich so viel wert?“ Ich überhörte die leise Warnung, die darin mitschwang, und sagte: „Ist es nicht. Wir haben etwas, was sie nicht haben. Wir sind gewarnt.“ „Aber das sind die auch!“, meinte Leony. „Sie werden nicht damit rechnen, dass wir jetzt angreifen werden“, erwiderte ich. „Sie werden mehrere Stützpunkte haben müssen, wenn es wirklich drei Dutzend sind. Wir können sie überraschen und sie daran erinnern, dass wir nicht wehrlos sind.“ „Und wie wollen wir das anstellen?“, fragte Malfoy, der inzwischen zurückgekommen war, in der Hand ein halbes Sandwich. „Indem wir einen ihrer Stützpunkte aufmischen“, gab ich zurück. „Dann werden sie uns alle jagen“, meinte Leony. „Und wir locken sie hierher, zum Haus, von wo aus wir sie dann sicher ausschalten können“, schloss ich. „Lilly, ich weiß nicht“, meinte Peter zweifelnd. „Die sind nicht blöd, weißt du? Ich bin sicher, die werden doch Verstärkung holen; entweder Ministeriumsleute oder weitere Todesser. Das würde sich doch nur zu einem Stellungskrieg entwickeln, der ewig dauern würde. Außerdem würde es den Muggeln doch irgendwann auffallen, wenn ein Haufen geschockter Todesser auf der Straße herumliegt, oder?“ „Ja, der Plan ist nicht perfekt“, gab ich zu, „aber mir fällt kein anderer ein, wie wir ihren Griff brechen könnten.“ „Er gefällt mir nicht, aber du hast recht“, meinte Peter. „Gut, greifen wir an.“ Wortlos standen wir auf und wollten soeben zur Haustür gehen, als Sabrina den Mund aufmachte: „Wartet einen Moment. Ich sage meiner Tante Bescheid, dass sie auf die Kinder aufpassen soll, bis wir wieder zurück sind. Dann sind diese wenigstens in Sicherheit.“ Ich nickte und Sabrina verschwand für eine kurze Zeit, in der wir im schattigen Flur warteten, die Hände in den Taschen und fest um die Zauberstäbe geklammert. Als sie schließlich zurückkam und nickte, lockerte ich meinen Griff ein wenig. Ich sah Malfoy an und streckte meine Hand aus. Er ergriff sie und so bildeten wir eine Schlange. Dann schlossen Peter und Malfoy die Augen und ich spürte, wie sie sich von mir wegdrehten. Ich wurde mitgezogen, meine Füße hoben ab und Dunkelheit umfing mich.

Ich kam auf Asphalt auf und als ich tief einatmend die Augen wieder öffnete, sah ich, dass wir nicht mehr im Haus waren. Überall waren Häuser, von denen die meisten Fenster dunkel waren. Hier und da stieg vereinzelt Rauch aus den Schornsteinen auf und die Straße glänzte vom Regen. Mir war kalt und ich zitterte leicht. Als ich mich umsah, konnte ich die dunklen Silhouetten der anderen Kämpfer entdecken, die allesamt zu Malfoy sahen. Dieser stand ein paar Schritte von uns entfernt und sah in Richtung Norden. „Da vorne ist der Hinterhalt passiert“, meinte er und deutete ein paar Meter weit in die Dunkelheit hinein. „Die Todesser waren sofort um uns herum, also sind ihre Stützpunkte wahrscheinlich auf beiden Seiten der Straße.“ Ich nickte, holte meinen Zauberstab heraus und zielte in die Dunkelheit. Der Mond schien nicht und die orangenen Lampen spendeten nur diffuses Licht, welches nicht viel von dem möglichen Schlachtfeld, in welches sich die Straße verwandeln könnte, erhellte. „Lilly?“, fragte Leony und ich wandte den Kopf. Direkt hinter uns ragte eine schwarze Häuserruine in das dunkle, sternenlose Firmament. Beides schien miteinander zu verschmelzen. Ich schluckte, als mir klarwurde, dass ebendieses Schicksal auch unser Versteck ereilen könnte. Ich drehte mich wieder um und zielte erneut in die Finsternis. Dann murmelte ich: „Homenum Revelio!“ Erneut glitt dieses Gefühl des Lichts über mich hinweg und ich sah in vielen Häusern nichts als Leere. Nur in ein paar vereinzelten Häusern waren dunkle Silhouetten von Leuten zu erkennen und der Herzschlag, der an meine Ohren dröhnte, schien weiter entfernt. „Meinst du, die haben das mitbekommen?“, wollte Leony leise wissen. „Kommt drauf an, wie tief sie schlafen“, entgegnete ich und ließ schnippend meine Zauberstabspitze aufleuchten. Ich sah, wie alle anderen um mich herum dies ebenfalls taten, sodass wir bald eine kleine Reihe an fahlen Lichtpunkten hatten, die in der Finsternis um uns herum in der Luft schwebten. Es sah fast schon unheimlich aus, aber ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich wieder auf das, was wichtig war: Die Mission zählte; alles andere war sekundär. „Welches Haus würde sich am ehesten als Stützpunkt eignen?“, wollte Sabrina wissen. „Das da vorne rechts“, meinte Malfoy und deutete auf ein Haus, nur wenige Meter von uns entfernt. „Von da sind ein paar der Todesser herausgekommen.“ „Gut“, nickte ich. „Dann knöpfen wir uns die vor.“ Mit den Zauberstäben im Anschlag gingen wir auf das Haus zu, wobei ich jederzeit damit rechnete, dass aus den tiefen Schatten zwischen den Häusern Lichtstrahlen auf uns zuschießen würden, aber alles war ruhig. Hör auf damit, ermahnte ich mich selbst. Du bist nicht sie, also denke auch nicht wie sie! Doch die Frage war, wenn ich nicht wie sie dachte, würde ich dann auch fähig sein, uns auf dem von ihr begonnen Weg weiterhin führen zu können? Oder würden wir wegen mir untergehen, weil ich eben nicht wie sie gedacht hatte? „Lilly?“ Peter berührte mich an der Schulter und ich bemerkte, dass ich stehengeblieben war. „Die anderen warten schon“, meinte er. „Kommst du mit?“ Ich hob den Kopf und sah, wie sich die anderen in die dunklen Bereiche des Hauses unter den Fenstern kauerten. „Ja“, antwortete ich leise. „Gehen wir.“ Ich ging vor und richtete meinen Zauberstab auf das Schloss der Tür, welches sofort leise klickte. „Meint ihr, die haben die Tür impertubiert?“, wollte Leony wissen. „Wieso?“, konterte Malfoy. „Warum fragst du?“ Leony zuckte nur mit den Achseln und murmelte: „Ich hätte es denen zugetraut.“ „Leise jetzt“, meinte ich und schwang die Tür lautlos auf. Dahinter erwartete uns gähnende Leere und tiefe Dunkelheit, denn die Lampen waren allesamt ausgeschaltet. In den Ecken und an der Decke waren die Schatten besonders tief und als ich mit einem Schlenker meines Zauberstabs dessen Spitze entzündete, schienen sich diese noch zu vertiefen. Einmal atmete ich tief durch. Dann setzte ich einen Fuß über die Schwelle. Halb erwartete ich, dass die Dielenbretter knarzen würden, doch sie taten es nicht. Im Haus herrschte vollkommene Stille, die nur durch das leise Rascheln der Kleidung unterbrochen wurde, wenn wir uns bewegten. „Ob die wirklich schon alle schlafen?“, wisperte Sabrina ungläubig. Peter schüttelte den Kopf. „Ich glaube eher, dass irgendwo ein Wachtposten steht, falls mögliche Gefahren auf sie zukommen.“ Gefahren wie wir, schoss es mir durch den Kopf, aber ich verdrängte den Gedanken und flüsterte: „Schauen wir lieber nach. Sobald der Kampf losgeht, werden die sowieso alle alarmiert sein.“ Leony öffnete die Tür zu ihrer Linken und spähte hinein. Dann schüttelte sie den Kopf und zog ihn wieder heraus. Peter probierte die nächste Tür und leuchtete mit seinem Zauberstab hinein, sodass wir alle sehen konnten, dass der Raum leer war. Es schien ein Wohnzimmer zu sein, denn im fahlen Licht der Zauberstabspitze kamen ein Sofa, ein Fernseher und einige Schränke zum Vorschein. „Was haben die wohl da drin?“, wollte Sabrina leise wissen. „Irgendwelche Zaubertränke zum Foltern?“ „Keine Ahnung“, murmelte ich und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht haben die einen ganzen Folterkeller, wie die Carrows.“ „So nah am Neuen Ministerium?“, hakte Peter ungläubig nach. „Klingt eher unwahrscheinlich. Suchen wir weiter.“ Er schloss die Tür wieder und öffnete die zu seiner Rechten. Auch da leuchtete er erst wieder hinein, bevor er die Tür weiter öffnete, sodass wir alle den Raum sehen konnten. Im Gegensatz zum Wohnzimmer schien das hier eine Art Gästezimmer zu sein. Als Peter die Tür schließen wollte, bemerkten wir eine Bewegung in den Schatten. Sofort richteten wir unsere Zauberstäbe auf den Ort, doch im Licht war niemand zu sehen. Misstrauisch und vorsichtig ging ich hinein, dicht gefolgt von den anderen. Meine Augen konnten die dichte Dunkelheit nicht durchdringen, sodass ich meinen Zauberstab hin- und herbewegte, damit möglichst viel vom Raum ausgeleuchtet wurde. Wir konnten es uns nicht leisten, durch zu viel Licht unseren Standort zu verraten, also musste das fahle Licht der Spitzen reichen. In dem Moment, als ich zum Entschluss kam, dass hier niemand war, blitzte es hinter mir zweimal auf und es war ein Knall zu hören. Sofort wirbelten wir herum und richteten unsere Zauberstäbe in die Richtung des Geräusches, doch ich ließ meinen sofort wieder sinken. „Malfoy hatte also doch recht“, meinte Leony und stupste den geschockten und stummen Todesser am Boden mit dem Fuß an. Dafür erntete sie einen bösen Blick von Malfoy, doch sie antwortete nicht darauf. Wir leuchteten ihm direkt ins Gesicht, sodass er die Augen zusammenkniff, während er angestrengt zu uns hochstarrte. „Was machen wir mit dem?“, wollte Sabrina wissen; noch immer hielt sie ihren Zauberstab kampfbereit erhoben. „Den Knall werden die anderen alle gehört haben.“ „Lassen wir ihn hier liegen“, meinte Peter, „und holen wir sie uns.“ Da mir keine bessere Idee einfiel, nickte ich. So leise wie möglich verließen wir den Raum und schlossen die Tür wieder. „Wir teilen uns auf“, beschloss ich. „Sabrina, Malfoy, Leony, ihr geht mit mir nach oben. Alle anderen durchsuchen das restliche Haus.“ Alle nickten und wir teilten uns auf. Schnell und leise huschten wir die Treppe hinauf, während Peter und der Rest des Teams in Richtung Keller gingen. Oben angekommen, gab ich Malfoy und Leony ein Zeichen, dass wir uns erneut aufteilten, sodass wir mehrere Räume gleichzeitig durchsuchen konnten. Der dunkle Flur machte mir Angst, denn jederzeit könnte in den Schatten verborgen ein Todesser warten – und wir hätten keine Chance, falls er uns aus dem Hinterhalt angreifen würde. Ich richtete meinen Zauberstab auf die Tür vor mir und leise klickend schwang sie auf. Vorsichtshalber löschte ich das Licht meiner Zauberstabspitze und schlich hinein. Im diffusen Zwielicht und den Halbschatten der Lampen draußen sah ich drei Gestalten, die in einem magisch vergrößerten Bett lagen und fest zu schlafen schienen. Ich richtete meinen Zauberstab auf diese und im nächsten Moment blitzte es rot auf, gefolgt von einem Knall. Der Todesser in der Mitte schlug die Augen auf und sein Gesicht verzerrte sich, als ihn mein stummer Schockzauber traf. Die anderen beiden erwachten ebenfalls und erfassten die Situation in einem Blick: Blitzschnell griffen sie nach ihren Zauberstäben, aber ich war schneller. „Impedimenta!“, murmelte ich und der erste Todesser brach unter Schmerzen zusammen. Als der zweite seinen Zauberstab erhob, stieß ich meinen vor: Petrificus Totalus! Auch der dritte Todesser ging zu Boden, steif wie ein Brett. Sofort hörte ich es von überall her knallen und ich ahnte, dass jetzt auch Sabrina, Malfoy und Leony zugeschlagen hatten. Ich trat aus dem Raum heraus und ein Fesselfluch zischte an mir vorbei. Er klatschte gegen die Wand und blieb liegen. Es knallte erneut, ein roter Lichtblitz flammte auf und Sabrina kam heraus. Sie nickte mir zu und im selben Moment kamen auch Malfoy und Leony aus den Zimmern. „Ich denke, jetzt sollten keine Todesser mehr hier sein“, meinte Malfoy. „Schauen wir nach, wie der Keller aussieht.“ Ich nickte und wir gingen nach unten, die Zauberstäbe immer noch anschlagsbereit. Doch dort warteten bereits schon alle anderen auf uns – außer Peter. „Wo ist Peter?“, fragte Sabrina, als sie den Blick schweifen ließ. Nun sahen auch alle anderen nach, aber er war nirgendwo. „Er war doch … gerade noch hier?“, murmelte ein Mädchen ratlos und mit leichter Panik in der Stimme. „Ist er noch im Keller?“, wollte ich wissen. „Das ist wichtig!“ „Ich
weiß es nicht!“, antwortete sie mit zittriger Stimme; sie stand kurz davor, in Tränen auszubrechen. In diesem Moment kam Peter die Treppe hochgerannt und rief: „Todesser! Am Haus!“ „Was?“, hakte Sabrina alarmiert nach. „Wie?“ „Sie … sie haben mich entführt … und Legilimentik angewandt, um unser Versteck herauszufinden! Und … sie haben es geschafft.“ „Aber wieso haben wir nichts davon gehört?“, wollte das Mädchen verwirrt wissen. „Weil die den Silencio-Zauber eingesetzt haben“, erklärte Peter, noch immer außer Atem. „Das heißt …“, murmelte Malfoy. „Das heißt, dass sie alle verdammten Schutzzauber kennen und außer Kraft setzen können!“, fluchte ich. „Vielleicht sind sie sogar schon dort!“ „Lilly, dein Plan hat nicht funktioniert!“, meinte Leony. „Was machen wir jetzt?“ „Wir holen uns unser Versteck zurück!“, meinte ich. „Auf drei disapparieren wir alle gemeinsam vor das Haus! Es ist wahrscheinlich, dass sie sich bereits schon Zugang verschafft haben!“ Sabrina fasste mich am Arm. „Oh Gott, die Kinder!“ „Ich weiß“, sagte ich schlicht. „Eins … zwei … drei!“ Dann disapparierten wir in die Dunkelheit.
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