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A B B I T T E

von A wie Ana
GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Furlan Church Hanji Zoe Irvin / Erwin Smith Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille OC (Own Character)
12.07.2021
19.09.2021
17
142.051
21
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
15.09.2021 7.933
 
Guten Morgen, ihr Lieben!

Erst einmal möchte ich mich selbstverständlich für eure schönen Rückmeldungen bedanken, jede einzelne hat mich sehr gefreut und vielleicht lässt sich der eine oder andere auch noch dazu ermutigen seine Gedanken mit mir zu teilen! Aber ich freue mich schon allein sehr darüber, dass ich ein paar fleißige Leserchen habe, die den Mist, den ich manchmal fabriziere, einfach gerne lesen. Ihr seid wirklich genug Dank <3

Okay, dann wünsche ich euch viel Spaß mit diesem Kapitelchen aus Erwins Sicht. Es ist tatsächlich eines meiner liebsten, vielleicht versteht ihr im Verlauf ja warum.
Liebste Grüße und bleibt alle schön gesund, macht euch eine schöne Restwoche,

A wie Ana

Content: Prostitution, Kraftausdrücke, das übliche Gedankenchaos




ERWIN


Die Tage vergehen und es passiert absolut nichts. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht so wirklich, was ich erwartet habe, vielleicht einen Anruf von Mike, in dem er mir mitteilt, dass Levi einen Rückzieher gemacht hat, dass er kein Interesse mehr an einer Vereinbarung wie dieser hat, oder einen von Hanji, in dem sie mir vorwirft zu forsch gewesen zu sein, zu drängend. Vielleicht sogar einen von Levi, in dem er mir noch einmal viel zu deutlich klar macht, dass er nicht wegen mir auf mein Angebot eingegangen ist, sondern einzig allein nur um des Geldes wegen.
Aber nichts dergleichen geschieht. Die Woche vergeht, Tag um Tag, und schließlich ist es Freitag und ich fühle mich bereits jetzt furchtbar ausgelaugt, obwohl das Treffen mit Levi erst noch bevorsteht.
Wir haben uns, seitdem wir oben in Mikes Büro die Vereinbarung aufgesetzt haben, nicht noch einmal gesehen geschweige denn standen wir auf irgendeine andere Art in Kontakt. Ich habe mich bisher davon abhalten können Hanji zu fragen, ob es ihm gut geht, einfach weil…nun ja, weil es mich wahrscheinlich zum einen nichts angeht und zum anderen, weil ich Levi nicht das Gefühl vermitteln möchte mich ihm noch mehr aufzudrängen als ich es ohnehin bereits schon getan habe.

Ehrlich gesagt hätte ich auf diese bescheuerte Abmachung am allerliebsten verzichtet. Und ich habe ehrlich gesagt auch ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm dieses Angebot ausgerechnet an Petras Todestag gemacht habe, an dem er sowieso zwischen Gut und Böse schwankte. Wenn ich daran denke, wie betrunken er war, wie verschlossen und in sich gekehrt, noch mehr als sonst, überkommt mich das Schuldgefühl sogar noch weitaus mehr. Es ging ihm an diesem Tag nicht gut, selbst ein Blinder hätte das gesehen, und ich kann es verstehen, ja, ich kann es sogar extrem gut nachempfinden. Mir ist schon aufgefallen, dass Levi bezüglich Alkohol alles andere als ein Kind von Traurigkeit ist, aber das…hat mich dann doch ein wenig erschreckt, wenn ich ehrlich bin. Als wir an der Bar saßen, wirkte er schon wieder etwas klarer, obwohl er sich andauernd bewegen musste, weil er kaum richtig sitzen konnte, aber davor…er war betrunken. Extrem betrunken.
Ist durch das Eden gewankt wie jemand, der längst jeglichen Bezug zur Realität verloren hat, und hat sich diesen und jenen Typen angelacht. Ich habe keine Ahnung, ob er mit einem von ihnen nach oben oder sonst wohin verschwunden ist, der Große mit den dunkelblonden Haaren ist auf jeden Fall nicht von seiner Seite gewichen, ich weiß nur, dass ich ihn eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen habe, während dieser Aftershow-Party und dann…saß er an der Bar. Und meine Beine haben mich beinahe automatisch auf ihn zu getragen.
Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass ich ihm dieses Angebot gemacht habe, obwohl ich mich extrem dafür schäme, weil es nicht meine Art ist die Betrunkenheit der Menschen auszunutzen. Wäre er absolut nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen, wäre der Vertrag zwischen uns sowieso nichtig gewesen, aber so…wahrscheinlich habe ich das ausgenutzt. Levis nicht mehr zu hundert Prozent rationales Denken, die Lage, in der wir uns befinden und…diese Wette, die mir gerade jetzt so bescheuert vorkommt, wie sie ist.
Im Nachhinein denke ich mir, wie sehr sie unser Kennenlernen kaputt machen wird, dass sie es beeinflussen wird, auf eine Weise, die ich eigentlich nicht möchte und die eigentlich nicht das erzielen wird, was ich will. Ich will mit Levi nicht im Bett landen, ein oder zwei Male, nur damit dieses ganze Arrangement zwischen uns vorüber ist, ich will ihm eigentlich nicht einmal die Aussicht darauf geben, weil es so…einen Job-Charakter hat, einen Freier-Charakter und noch dazu ist es verflucht kindisch.
Aber ich konnte nicht einmal anders, weil er ansonsten…wohl niemals darauf eingegangen wäre. Damals nicht, gestern nicht und auch heute nicht. Levi ist schwer einzuschätzen, extrem schwer sogar, ich kann nie genau sagen, was er denkt, aber in dieser Sache…
...ist er ein absolut leserliches Blatt. Er möchte mich nicht kennenlernen, er möchte Sex und er möchte dafür entlohnt werden, so, wie es sonst eben immer der Fall ist, und hätte ich ihm nicht angeboten, ihm das doppelte der ausgemachten Summe zu bezahlen, wenn es doch darauf hinausläuft, hätte er ziemlich sicher Nein gesagt. Levi trifft sich nicht für Dinge dieser Art mit Menschen, wahrscheinlich nicht einmal mit seinen Freiern. In seinem Beruf geht es um Sex und sexuelle Gefälligkeiten, um Bedürfnisse und Fantasien und nicht darum sich mit einem seiner Kunden nett zu unterhalten und ihn vielleicht sogar ein wenig in sein Leben zu lassen.

Ich komme mir dumm vor. Dumm und weitaus weniger weitsichtig, als ich es normalerweise bin. Was erwarte ich denn? Dass Levi einen Gefallen an mir findet, dass er das genießen kann? Würde er das wollen, hätte er sich sicherlich auf eine stinknormale Verabredung mit mir eingelassen, aber das hat er nicht. Also…habe ich eine Möglichkeit ergriffen, von der ich niemals dachte, dass ich sie ergreifen würde, und jetzt fühle ich mich ekelhaft, widerlich und wie ein Heuchler, weil ich mir zwar gerne einrede ich wäre anders als seine anderen Freier, es aber eigentlich nicht bin.
Ich will nur…ich will nur wissen, wer er ist. Ich will einfach einmal mit ihm reden, in einem anderen Rahmen als dem des Eden oder Trost, in einem Rahmen, in dem er seine Anspannung vielleicht auch einmal fallen lassen und sich ein wenig öffnen kann. Dabei fühle ich mich beschissen, weil ich es ihm auf diese Art und Weise, die er kennt, aufgedrängt habe, obwohl er es eigentlich nicht will. Und doch sagt mir eine zynische Stimme in meinem Kopf stets und ständig, dass er ja…Nein hätte sagen können, würde er das nicht wollen.
Dass er es wegen dem Geld tut, das ich ihm dann schulde, ist mir klar. Ich habe keine Ahnung, was für ein Typ Mensch Levi ist, wie ich ihn einschätzen soll, ob er sich vielleicht nicht sogar beweisen will, indem er mich um den Finger wickelt und es eben doch auf etwas sexuelles hinausläuft, obwohl ich das so nicht geplant habe. Belügen kann ich mich nicht, er ist ein schöner Mann, er ist attraktiv und außerdem mag ich es, wenn meine Sexualpartner etwas kleiner sind als ich, noch dazu weiß er ziemlich sicher ganz genau, was er tut, aber…in diesem Kontext, mit dem Hintergedanken an eine Bezahlung und dass er dann währenddessen einfach nur eine Rolle spielt, so, wie er es gegenüber und mit seinen Freiern eben immer tut, gefällt mir der Gedanke weitaus weniger als er mir unter anderen Umständen wohl gefallen würde.
Dass er mir meine Wünsche erfüllen kann und würde, daran zweifle ich nicht. Wer weiß schon, in wie vielen Bereichen der sexuellen Vorlieben er bereits Erfahrungen sammeln konnte und ich bin nicht sonderlich speziell, eigentlich bin ich sogar eher…langweilig. Ich stehe nicht auf Blümchensex, aber auch nicht auf BDSM. Ich mag von beidem gerne etwas, ein paar Elemente, die in den Akt mit hineinfließen, aber ich bin kein Fan davon meinen Partnern den Hintern zu versohlen oder Rosenblätter auf dem Bett zu verteilen. Natürlich kann ich das so pauschal gar nicht sagen, Sex mit Menschen ist selbstverständlich immer anders, weil sie alle verschieden sind, aber im Grunde…ist es vielleicht eine Art leidenschaftliche Kontrolle. Ich lasse mich gerne gehen währenddessen, aber ich mag es genauso gerne, wenn mir mein Partner die Zügel in die Hand gibt und sich fallen lässt.
Dass Levi das wahrscheinlich eher nicht tun wird, als Dienstleister dieser Art muss er schließlich immer den Überblick und die Kontrolle behalten, ist mir irgendwie klar, aber dennoch…muss ich manchmal darüber nachdenken und in meinen Gedanken sieht dieses Bild so unfassbar gut aus, dass ich es meistens schnell wieder beiseiteschieben muss, weil das so garantiert nicht passieren wird. Wenn es denn überhaupt passiert, was ich einerseits nicht hoffe und andererseits…

Diese Wette war einfach eine bescheuerte Idee.
Was haben wir davon? Wenn wir miteinander schlafen, hat Levi gewonnen und ich habe ihm zugestanden ihn ab diesem Zeitpunkt in Ruhe zu lassen. Ich bin ein willensstarker Mann, ich habe schon ganz anderen Dingen widerstehen müssen, und vor allem würde ich auch sagen, dass ich nicht leicht zu verführen bin, aber…es ist schließlich Levi. Er hat das schon so viele Male gemacht, dass ich mir ernsthaft bescheuert und dämlich vorkomme.
Ich wusste nur nicht…wie ich sonst eine Chance bekomme. Die Chance ihn kennen zu lernen. Ihn, nicht den Dienstleister. Und vielleicht war es ein Fehler, ziemlich sicher war es das, aber…
Tatsächlich bin ich nur ein einziges Mal versucht gewesen den Hörer in die Hand zu nehmen, Mike anzurufen und meinerseits diese Vereinbarung zu lösen. Immer genau dann, wenn mich Zweifel überkommen haben und dieser winzige Anflug von einem schlechten Gewissen, weil ich Levi zu etwas dränge, das er eigentlich gar nicht will. Und vielleicht ist es nur eine Ausrede, wenn ich mir darauf jedes Mal sage, dass Levi es wahrscheinlich gar nicht anders kennt. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie viele Freier etwas von ihm verlangen, zu dem er eigentlich nicht das Bedürfnis hat, und dennoch…tut er es. Weil er dafür bezahlt wird.
Also versuche ich mein schlechtes Gewissen und die Schuldgefühle unten zu halten und einfach mit dieser Entscheidung zu leben, die ich getroffen habe. Leicht ist es nicht, aber gleichzeitig…ist es das, was ich will. Levi kennenlernen. Mit ihm essen gehen. Mit ihm an einen schönen Ort fahren und mit ihm reden. Ich will wissen, wer er ist. Und vielleicht…gelingt es mir. Wenn auch nur zu einem winzigen Teil.

Ich zucke leicht zusammen, als es an der Tür klopft, und wende den Blick von meinen Unterlagen ab, hebe den Kopf. Es ist Ymir, die mein Büro betritt, mit einem unveränderten, gelangweilten Gesichtsausdruck, und einer Tasse Kaffee in der Hand, die sie, ich halte es kaum für möglich, noch seriöser aussehen lässt, als sie es ohnehin schon tut.
„Hast du kurz Zeit?“, fragt sie mich und mustert mich von oben bis unten, ihr Mundwinkel zuckt, als sie meinen beinahe ertappten Gesichtsausdruck sieht.
Ich räuspere mich leicht und klappe dann den Ordner zu, lehne mich zurück.
„Sicher, was gibt’s?“
„Dieser kleine Giftzwerg ist hier. Du weißt schon, der mit dem Erbschaftsstreit.“, sagt sie und mein Magen krampft kurz. Ich klappe meinen Terminplaner auf, aber sie schüttelt nur den Kopf.
„Er hat keinen Termin, er wollte nur kurz mit dir sprechen.“, sagt sie und ich nicke nur knapp, beinahe bewegungsunfähig, weil ich nicht wirklich damit gerechnet habe Levi vor Sonntag noch einmal zu sehen. Und ehrlich gesagt…weiß ich gerade auch nicht wirklich wie ich mich ihm gegenüber jetzt verhalten soll, dabei hat sich nicht wirklich etwas zwischen uns verändert.
Nur…dass wir uns in Zukunft eben öfter sehen werden. Irgendwie.
„Soll ich ihn wegschicken“, fragt Ymir und reißt mich damit aus meiner kurzen Abwesenheit. Ich werfe ihr einen Blick zu, den sie mit erhobenen Augenbrauen erwidert, ehe ich den Kopf schüttele und mir ein Lächeln aufzwinge.
„Natürlich nicht, ich habe Zeit. Schick ihn nur herein.“
Sie nickt einmal knapp, dann verschwindet sie wieder durch den Türrahmen, ich höre ihre Stimme, die irgendetwas sagt und dann…steht Levi mit einem Mal in meinem Büro, in seinem schönen Mantel, in seinen Stiefeln, mit seinen dunklen Haaren und einem Gesichtsausdruck, der mir eigentlich…überhaupt nichts darüber sagt, was er gerade denkt. Das fand ich bei Levi schon immer sehr schwierig. Er ist unwahrscheinlich gut darin die Menschen nicht wissen zu lassen, was er denkt oder was er fühlt. So, wie jetzt.
Und ehrlich. Was habe ich eigentlich erwartet? Dass ihn unsere Abmachung in einem ähnlichen Maße aufwühlt wie mich? Er kennt es nicht anders, diese Vereinbarung ist nicht die erste, die er aufgesetzt hat. Für ihn ist es nichts Neues, abgesehen davon, dass ich ihn in erster Linie eben nicht für das bezahle, für das ihn seine anderen Freier normalerweise entlohnen. Bei dem Gedanken daran wird mir leicht übel, obwohl ich es zu vermeiden versuche und ich weiß, dass er all diese Dinge, die sie von ihm verlangen, freiwillig tut.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich frage, wie er wohl dabei empfindet, wenn er mit einem seiner Freier nach oben geht, wenn er eine Vereinbarung mit ihm aufsetzt und mit ihm schläft oder…eben auch ganz andere Dinge tut, die für mich schon nicht mehr viel mit Sex oder sexuellen Gefälligkeiten zu tun haben.
Kümmert es ihn überhaupt? Oder sieht er es immer und zu jeder Zeit als genau das an, was es eben ist – ein Job? Wahrscheinlich fällt es ihm nicht schwer mir gegenüber ruhig zu bleiben, weil er schon weitaus schlimmere Dinge getan hat als das, was wir vorhaben, was Bestandteil unserer Vereinbarung ist.
„Levi“, sage ich schließlich, nachdem wir ein paar Sekunden geschwiegen und uns nur angesehen haben, und lächele leicht, schiebe den Ordner vor mir ein Stück zur Seite, ehe ich mich zurücklehne.
„Schön dich zu sehen.“
Das ist sogar die Wahrheit. Eine Wahrheit, die Levi ganz offensichtlich nicht zu teilen scheint, denn er sieht mich noch einen Augenblick lang stumm an, dann ziehen sich seine Augenbrauen zusammen und er schließt die Tür hinter sich, kommt dann mit ein paar wenigen, eleganten Schritten auf mich zu. Ohne ein Wort der Begrüßung lässt er sich vor mir in einem der Sessel fallen und schält sich aus seinem Mantel, überschlägt die Beine.
Er trägt einen Pullover, der beinahe durchscheinend ist, aus dunklem Stoff und so hauchzart, dass ich seine Schlüsselbeine sehen kann. Er ist vielleicht aus Kaschmir oder Seide, ich kann es nicht sagen, und im nächsten Moment ärgere ich mich. Es ist egal. Es spielt keine Rolle, was er trägt. Obwohl es einfach jedes Mal unwahrscheinlich gut aussieht.
Macht er das mit Absicht? Putzt er sich heraus, um seinen Freiern zu gefallen? Der Gedanke gefällt mir nicht, weil ich es mir irgendwie nicht vorstellen kann und noch dazu schäme ich mich beinahe für diesen Geistesblitz. Levi erscheint mir nicht wie der Typ Mensch, der anderen Menschen unbedingt gefallen will. Eher wie jemand, der keinen Wert auf die Meinungen von anderen legt und tut und sagt und denkt und fühlt, was er will.
Und außerdem…kleidet er sich immer gut. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass mir sein Aussehen mit jedem Mal, das wir uns sehen, etwas eindrücklicher im Gedächtnis bleibt.

Als Levi weiterhin nicht antwortet, er sieht mich nur an, räuspere ich mich und es ärgert mich kurz. Er ist zu mir gekommen, nicht umgekehrt. Und er erwartet trotzdem, dass ich beginne. Eigentlich ist es lächerlich, dass es mich ärgert. Aber…
„Womit kann ich dir helfen?“, frage ich letztendlich und ich behalte meine Freundlich- und Höflichkeit bei, weil er schließlich immer noch…irgendwo ein Klient ist. Wenn auch ein sehr unkonventioneller.
„Ich hab Petras Mutter ans Telefon gekriegt“, sagt er dann, seine Stimme klingt rau und heiser, als hätte er zu viel geraucht, und er räuspert sich, lehnt sich dann zurück. Wahrscheinlich ist es ihm auch nicht entgangen.
Meine Augen huschen einmal kurz über sein Gesicht, er sieht wahnsinnig müde aus und ich habe irgendwie das Gefühl er hätte ein wenig abgenommen, seine Wangen wirken nicht unbedingt hohl, aber weitaus markanter als sonst, und außerdem…er wirkt einfach so, als hätte er in letzter Zeit nicht unbedingt sehr gut geschlafen. Als wäre er Tag und Nacht unterwegs gewesen. Vielleicht war er das ja auch und wenn…ist es wahrscheinlich nicht meine Sache.
Sich das einreden zu wollen, hilft mir allerdings leider nur sehr bedingt dabei darüber hinwegzusehen.
„Oh“, sage ich, weil es mich wirklich überrascht. Ich selbst habe mehrere Male versucht mit Petras Mutter, Frau Ral, zu sprechen, allerdings habe ich es vermieden, nachdem mir der Anwalt eine Nachricht hat zukommen lassen, in dem er mir mitteilte, dass Frau Ral leider unpässlich wäre und ich offene Fragen sowie Mitteilungen lieber mit Herr Ral oder dem Anwalt klären sollte.
Das ist typisch für einen Fall wie diesen. Und seit Levi und ich uns im Trost getroffen haben, gab es leider auch nichts Neues.
„Und?“, frage ich dann, weil ich hoffe, dass Levi irgendetwas zu seinen Gunsten herausfinden hat können, aber als ich in sein Gesicht sehe, weiß ich eigentlich schon, dass es ihn eher um ein paar Schritte zurückgeworfen hat.
„Sie hat keinen blassen Schimmer von einem Testament. Sie hat mich nicht einmal zwei Minuten später abgewürgt, weil ihr Wichser von Ehemann in dem Moment nach Hause gekommen ist. Ich war auch bei ihr zuhause. Aber das Arschloch hat die Bullen gerufen.“
Es klingt nicht wütend, eher resigniert, aber das macht es irgendwie nicht besser, wenn ich ehrlich bin.
Ich nicke nur, weil ich davon schon gehört habe. Herr Rals Anwalt hat mich angerufen und mich darum gebeten Aktionen wie diese in Zukunft sein zu lassen, da Herr Ral sonst ernsthaft in Erwägung zieht eine richterliche Verfügung zu beantragen. Was meiner Meinung nach extrem lächerlich ist und vor Gericht wahrscheinlich sowieso nicht durchgehen würde, weil dafür absolut kein Grund besteht. Levi war mit Sicherheit nicht gewalttätig oder hat Petras Vater bedroht, aber ich kann mir gut vorstellen, warum Herr Ral das tun würde.
Es würde diesen ganzen Streit noch weiter in die Länge ziehen. Und damit Levis Unruhe.
„Hm“, mache ich schließlich und greife nach meiner Tasse, trinke einen Schluck Kaffee.
Als ich Levi einen Blick zuwerfe, wendet er den seinen ab. Er wirkt nicht unsicher oder verlegen, aber…genervt. Was ich verstehen kann. Das alles muss ihn einfach viel Kraft kosten.
„Das alles gestaltet sich tatsächlich als etwas schwieriger als anfangs gedacht“, fahre ich dann fort und stelle meine Tasse zurück auf den Tisch.
Levi wirft mir einen Blick zu, seine Augenbraue zuckt, er wirkt genervt und so, als wäre das, was ich sage, sowieso nichts Neues für ihn, aber beirren lasse ich mich nicht.
„Mir wäre es wirklich lieber eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden. Und ich bin mir sicher, das ist auch in deinem Sinne. Leider können wir Frau Ral nicht dazu zwingen sich zu unseren Gunsten…auf unsere Seite zu stellen. Wenn das alles so ausgeht, wie ich es jetzt gerade befürchte, bleibt uns nur noch die Möglichkeit uns dein Geld von dem Händler zurückzuholen, der dir Petras Bilder verkauft hat. Es ist zwar nicht das, was du vorrangig willst, aber es ist besser als nichts.“
Der Blick, den Levi mir jetzt schenkt, ist so abfällig, dass ich erst einmal nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll. Er schnaubt leise und lehnt sich dann zurück, verzieht den Mund.
„Das kommt nicht infrage. Wenn es sein muss, pisse ich eher auf ihre Bilder als dass ich sie diesem Wichser überlasse.“
Er klingt, als würde er das zu einhundert Prozent ernst meinen, leider kann ich es mir bei ihm auch wirklich gut vorstellen, und als ich seinen Blick für ein paar Sekunden stumm erwidere, schnaubt er erneut, aber er sagt nichts weiter dazu. Sein Standpunkt ist klar. Aber…

„Ich hoffe, dass das nur ein Scherz war“, sage ich dann langsam, obwohl ich weiß, dass er es ernst gemeint hat, und Levi erwidert nichts. Er sieht mich auch nicht an.
Ich seufze und meine Schultern sacken beinahe automatisch nach unten.
„Das ist Sachbeschädigung. Damit hätte er noch einen Grund mehr dich vor Gericht zu zerren. Eine Geldstrafe ließe sich ziemlich wahrscheinlich herausschlagen, aber sie wäre extrem hoch. Also - “
„Ist mir egal“, unterbricht er mich und ich schließe den Mund. Er macht ein abfälliges Geräusch. „Wenn wir beide fertig miteinander sind, hab ich die Kohle. Mehr als genug davon. Also ist es mir verschissen egal.“
Im ersten Moment weiß ich nicht einmal, was ich darauf sagen soll. Stumm sehe ich ihn an und er erwidert meinen Blick, mit einem Ausdruck in den Augen, der von absoluter Überzeugung spricht. Als wüsste er schon ganz genau, wie unsere Vereinbarung ausgehen wird. Ich habe Levi niemals für einen unsicheren, wenig selbstbewussten Mann gehalten, aber das…ich würde fast sagen, dass er zufrieden aussieht. Beinahe triumphierend. Und zu einhundert Prozent überzeugt von sich selbst.
Eigentlich ist es ein guter Anblick, ich mag es, dass er so sicher in sich selbst ist, aber in diesem Kontext…kommt es mir nicht unbedingt zugute.
„Was hast du eigentlich vor, hm“, fragt er mich dann, als ich immer noch nichts sage, ich habe wirklich keine Ahnung, was ich darauf erwidern soll, und seine Augen wandern herablassend über mein Gesicht. Jetzt ist es nicht mehr nur Überzeugung, jetzt ist es…kühle Arroganz. Jener Ausdruck, den ich im Eden schon viel zu oft an ihm gesehen habe.
„Führst du mich zum Essen aus? Oder lerne ich gleich deine Eltern kennen?“
Es klingt so herablassend, dass ich einen Augenblick lang wie vor den Kopf gestoßen bin. Ich sehe ihn für ein paar Sekunden schweigend an, sein Gesichtsausdruck wirkt immer noch kühl und überheblich, ehe ich den Blick abwende und merke, wie mein Mundwinkel nach oben zuckt. Ich will es nicht einmal, aber es passiert wie von selbst, nur leider weiß ich, dass es alles andere als selbstsicher oder gar glücklich aussieht.
Was habe ich denn erwartet? Dass Levi mich plötzlich zuvorkommender und netter behandelt, nur, weil ich jetzt einer seiner Kunden bin? Diese Erwartung gehabt zu haben, auch wenn es mir nicht ganz bewusst war, war lächerlich. Levi würde mir niemals Honig ums Maul schmieren, weil er so einfach nicht ist. Und trotzdem…
„Nichts von alldem“, sage ich schließlich und schenke ihm ein Lächeln, das er natürlich nicht einmal ansatzweise erwidert. Er runzelt die Stirn.
„Ich wollte mit dir Essen gehen, das stimmt. Aber am Sonntag findet eine Lesung statt. Da würde ich gerne mit dir hingehen.“
Seine Augenbrauen heben sich.
„Eine Lesung“, wiederholt er, beinahe tonlos, und ich kann ihm ansehen, dass er damit wohl eher nicht gerechnet hat.
Vielleicht hat er geglaubt, seine Worte würden mich aus der Fassung bringen. Vielleicht hat er gehofft, ich würde ihm hier und jetzt sagen, dass ich kein Interesse mehr an unserer Vereinbarung habe und sie lösen möchte. Und ja, es hat mich aus der Fassung gebracht, aber…ich halte daran fest. Levi macht es mir nicht leicht. Aber er schätzt mich falsch ein. Ich bin nicht aufdringlich, aber hartnäckig. Ein Manko, das ich schon ewig mit mir herumtrage und mir manchmal wirklich zugutekommt. So, wie jetzt.
„Genau“, fahre ich fort und verschränke die Arme vor der Brust. Er wirkt so, als wüsste er nicht wirklich, was er darauf jetzt sagen soll. Ich lächele.
„Einer meiner Lieblingsautoren wird dort sein. Wenn du aber so gar nichts damit anfangen kannst, kann ich mir auch etwas anderes überlegen. Liest du gern?“, füge ich dann hinzu, es sollte keine versteckte Frage sein, aber Levi wirkt trotzdem kurz irritiert, dann zieht er die Augenbrauen zusammen.

„Es ist deine Entscheidung, was wir machen“, rattert er dann hinunter und ich merke, wie meine Schultern nach unten sacken. Er wendet den Blick ab und sein Gesichtsausdruck wirkt mit einem Mal so desinteressiert und glatt, dass ich ihn kaum länger ansehen kann. Er zuckt mit den Schultern.
„Dein Geld, deine Entscheidung. Mehr nicht.“
Ich runzele die Stirn.
„Aber ich möchte ja nichts tun, das du nicht willst“, sage ich, ich meine es ernst, aber er hebt nur die Schultern und dann schweigen wir für einen Moment.
Sein Gesichtsausdruck wirkt beinahe teilnahmslos, abwesend und er wirkt nicht resigniert, aber…nun ja. Irgendwie ergeben. Ich bin sein Kunde. Und er ist nur der Dienstleister. Diese Rolle, die er sich selbst gegeben hat, ist in manchen Fällen vielleicht gut, aber gerade jetzt…finde ich es irgendwie furchtbar, wie wenig er hinterfragt. Er tut, was immer ich möchte. Weil ich ihn dafür bezahle.
„Du hast das ernst gemeint, oder“, sagt er dann nach ein paar Sekunden und ich werfe ihm einen fragenden Blick zu. Er schnaubt leise.
„Du willst mich wirklich nicht für Sex bezahlen“, stellt er dann fest, als ich nichts sage und es klingt beinahe resigniert. Ich schweige einen Moment lang, dann seufze ich lautlos.
„Natürlich, Levi“, sage ich und er macht ein missbilligendes Geräusch. Ich sehe ihn an und er erwidert meinen Blick so kühl und distanziert, dass ich mich dazu zwingen muss ihn weiterhin anzusehen.
„In erster Linie bezahle ich dich dafür dich kennen zu lernen. Ich dachte, das habe ich deutlich genug gemacht.“
Er schnaubt, aber es bringt mich nicht aus der Ruhe. Er hat scheinbar wirklich damit gerechnet, dass ich das alles abblasen würde. Oder ein Freier wie jeder andere bin, der immer nur das eine von ihm will. Aber das bin ich nicht. Ich will wissen, wer er ist. Auch, wenn ich dafür eine Option wählen musste, die mir bis jetzt nicht ganz gefällt und die ich lieber nicht gewählt hätte.
„Dir ist schon klar, dass ich der einzige bin, der irgendetwas von unserer Vereinbarung hat, oder?“, sagt er dann und ich werfe ihm einen Blick zu. Sein Mundwinkel zuckt leicht nach oben, aber es sieht nicht amüsiert aus, sondern einfach nur beinahe mitleidig, herablassend und abfällig.
Als ich nichts erwidere, ihn einfach weiterhin ansehe, zuckt er mit den Schultern und lehnt sich zurück, mustert mich. Seine Augen wandern über mein Gesicht, über meinen Hals, über meine Schultern, ehe sie auf meinem Oberkörper stoppen. Und der Ausdruck in seinen Augen ist so hochmütig, so von sich selbst überzeugt, dass es mir beinahe unangenehm ist wie er mich ansieht. Verunsichert bin ich nicht. Aber…es ist unangenehm, wie deutlich er mir machen will, dass er bisher immer das bekommen hat, was er wollte.
„Du bist echt dämlich“, meint er dann und schnaubt abfällig.
„Du unterschätzt mich“, sage ich und er wirft mir einen Blick zu, der nicht fragend ist, sondern einfach nur teilnahmslos. Ich straffe die Schultern und mustere ihn.
„Ich wusste, dass du dich nicht darauf einlassen wirst, wenn ich dir nicht ein Angebot mache, das du nicht ablehnen kannst. Also hat es wohl doch irgendwie funktioniert und jetzt stehst du hier und ärgerst dich darüber. Vielleicht glaubst du doch nicht, dass du mich so leicht überzeugen kannst. Oder, Levi?“
Er starrt mich einen Moment lang schweigend an, aber dann steht er auf und zieht sich seinen Mantel über, so gelassen und teilnahmslos, wie ich es von ihm gewohnt bin.
„Fick dich, Erwin“, sagt er und der Ausdruck in seinen Augen ist kühl, er will mich beinahe niederzwingen, aber ich erwidere seinen Blick ohne zu zögern.
Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe. Ich weiß, dass es nicht leicht sein wird. Und ich weiß, obwohl er mir das Gegenteil beteuert hat, dass es auch für ihn…nicht ganz einfach werden wird. Er kennt das so nicht, er kann mich nicht richtig einschätzen. Und ich halte Levi für niemanden, der Sprüche kloppt, um seine Unsicherheit zu überspielen, aber in diesem Fall…
Ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht einmal, wie unser Arrangement ausgehen wird. Ich habe keine Ahnung. Ich halte mich selbst für einen sehr willensstarken Mann, aber andererseits haben Levi und mein Wunsch danach ihn kennen zu lernen mich bereits dazu gebracht etwas zu tun, das ich so sonst niemals in meinem ganzen Leben in Erwägung gezogen habe. Es sieht mir nicht ähnlich einen Weg wie diesen zu wählen, eher alles andere als das, und wenn ich mich auf mich selbst nicht einmal mehr so wirklich verlassen kann…kann ich dementsprechend auch überhaupt nicht sagen, wie das hier zwischen uns ausgehen wird. Womöglich wird es auf Sex hinauslaufen. Aber womöglich…
Levi sieht mich noch einen Moment lang stumm an, dann dreht er sich um und geht durch den Raum, öffnet die Tür. Er sieht sich kein einziges Mal zu mir um, als er mein Büro verlässt und als die Tür hinter ihm zugeht, weiß ich ehrlich gesagt noch weniger, wie ich mich am Sonntag, an unserem Treffen, ihm gegenüber verhalten soll. Wie ich es anstellen soll, dass wir miteinander reden, dass wir einfach Zeit verbringen.
Denn bisher…sieht es nicht so aus, als würde sich Levi auch nur auf irgendeine Weise darauf einlassen wollen.


Als ich in das Wochenende starte, nach einem verdienten Feierabend, fühle ich mich so unruhig wie schon lange nicht mehr. Ich habe es in der Kanzlei kaum geschafft mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und die Treffen mit meinen Klienten mehr mit Ach und Krach hinter mich gebracht. Ich war gedanklich so abwesend, dass sogar Ymir mich darauf angesprochen und schließlich den letzten Termin für heute übernommen hat, weil sie meinte, dass unser Klient bei meinem Anblick sicherlich wieder rückwärts durch die Tür gehen würde. Ich kann es ihr nicht verdenken. Wirklich hier bin ich nämlich tatsächlich nicht.
Mir geht dieses unerwartete Treffen zwischen mir und Levi nicht aus dem Kopf, ich muss ständig darüber nachdenken, wie er sich mir gegenüber verhalten hat, so desinteressiert und kalt, gleichzeitig so überzeugt von sich selbst, und gedanklich wirklich zur Ruhe komme ich nicht. Es wird auch nicht besser, als Hanji mich anruft und mich fragt, ob ich am Abend mit ihr etwas trinken wollen würde, im Eden, aber weil ich Hanjis Gesellschaft schätze und weil vielleicht doch ein winzig kleiner Teil von mir hofft Levi zu sehen, wann ist es eigentlich so weit gekommen, sage ich zu und stehe um Punkt neun Uhr abends im Foyer des Eden.
Es ist genauso viel los wie es das jedes Mal der Fall war, wenn ich hier war, aber diesmal, im Vergleich zu sonst, können mich die ganzen illustren Gestalten und die Musik nicht einmal ablenken.

Meine Gedanken kreisen, ich fühle mich merkwürdig unwohl, obwohl ich eigentlich keinen Grund dafür habe, und ich bin so geistesabwesend, dass ich erst nach ein paar Sekunden reagiere, als mich die junge, hübsche Dame am Einlass nach meinem Mitgliedsausweis fragt. Tatsächlich hat es, seitdem ich das erste Mal hier gewesen bin, nur ein paar Tage gedauert, ehe er blütenweiße Umschlag mit der Karte aus Hartplastik in meinen Briefkasten geflattert ist und das erste, das ich getan habe, war Mike anzurufen, um ihn zu fragen, was genau das eigentlich bedeutet.
Eigentlich zahlen die Mitglieder wohl Beiträge, Unsummen an Beiträgen, aber er hat mir zuliebe darauf verzichtet, obwohl ich es nicht wollte. Praktisch ist es allemal, weil ich so zumindest jederzeit hierher kommen kann, wenn mir die Lust danach steht, aber seltsam ist es trotzdem. Hätte man mir vor zwei Monaten gesagt, dass ich irgendwann einmal Mitglied in einem Club dieser Art sein würde, hätte ich wahrscheinlich eher aufgelacht.
Die junge Dame nickt mir lächelnd zu, nachdem sie meinen Ausweis überprüft hat, und öffnet mir dann die zwei Flügeltüren aus buntem Glas. Mich empfängt Musik, nicht lauter als sonst, und Gelächter, der Geruch von Parfüm und Rauch, aber es ist nicht annähernd so voll wie sonst. Was vielleicht aber auch einfach mit der Uhrzeit zusammenhängt. Das Eden hat vor nicht einmal einer halben Stunde seine Tore geöffnet und augenscheinlich dauert es seine Zeit, ehe die Gäste nach und nach eintrudeln. Ehrlich gesagt ist es mir so aber sogar lieber, weil ich jetzt schon das Gefühl habe leicht überfordert zu sein.
Es ist einfach viel wahrscheinlicher Levi noch vor der Rush-Hour des Clubs zu begegnen, jetzt, wo es noch so viel weniger voll und laut ist, und nach wie vor lege ich es nicht darauf an ihm das Gefühl zu geben ich würde mich ihm aufdrängen. Diesen Eindruck hat er wahrscheinlich sowieso schon von mir, aber ich möchte ihn nicht verstärken, weil ich nicht glaube, dass es unsere zukünftigen Treffen angenehmer machen würde.
Zukünftige Treffen. Wenn ich mir das in Gedanken sage, merke ich, dass ich sowohl nervös als auch positiv aufgeregt bin. Ich bin mir nach wie vor sehr sicher, dass Levi mit einer gewissen Distanz an unsere Verabredungen herangehen wird, wahrscheinlich wird es nicht halb so interessant und unterhaltsam, wie ich es mir wünschen würde und nur zu gerne vorstelle, aber… ich will das Beste daraus machen. Und ich erhoffe mir daraus, dass wir uns einfach etwas besser kennenlernen, dass er vielleicht sogar merkt, dass ich keiner dieser Männer bin, die nur das eine von ihm wollen.
Aber vielleicht will er das sogar eher als mich kennen zu lernen. Für ihn ist das ein Job, ein Arrangement, wie er es sicherlich schon hunderte Mal getroffen hat, nicht mehr und nicht weniger. Er wird das durchziehen, weil ich ihn dafür bezahle, und nicht, weil er sich mit mir auseinandersetzen möchte.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich frage, warum genau er sich eigentlich so dagegen sperrt. Sicher, eine Trennung zwischen Privatleben und Beruf ist garantiert vor allem in dieser Branche nicht verkehrt, aber…wenn er das nicht möchte, warum hat er sich nicht einfach privat mit mir verabredet, so, als wären wir zwei ganz normale Männer, die eben einmal miteinander ausgehen?
Als ich ihm diese Frage gestellt habe, wirkte er so…nun, nicht abgeneigt, aber leicht irritiert und…leicht verunsichert. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er sich überhaupt schon einmal privat mit jemandem auf diese Weise getroffen hat, vielleicht hat er auch einfach kein Interesse daran, aber…vielleicht hat es auch einfach viel mit Petra zu tun, die schließlich seine Freundin war und die er an Drogen verloren hat. Wer weiß schon, ob er darüber überhaupt schon hinweg ist. Vielleicht tut es, auch nach all der langen Zeit, einfach noch zu sehr weh und vielleicht braucht er noch ein wenig Zeit, ehe er sich wieder auf einen anderen Menschen in diesem Kontext einlassen kann. Dabei ist das eigentlich auch idiotisch.
Ich erhoffe mir nichts davon, zumindest nichts Weitläufiges. Ich erwarte nicht, dass wir danach eine Beziehung eingehen und ein Liebespaar werden, ehrlich gesagt kann ich mir Levi in einer Beziehung auch überhaupt nicht vorstellen, aber…ich will einfach nur wissen, wer er ist. Ich will Zeit mit ihm verbringen. Und vielleicht bin ich wirklich auf der Suche nach etwas, das ich im normalen Alltag nicht finden kann, vielleicht bin ich wirklich geblendet, vielleicht sehe ich in Levi tatsächlich viel mehr als eigentlich da ist, aber ehrlich gesagt…glaube ich das nicht. Er hat mich einfach fasziniert. Und ich will ihm nahe sein. Vielmehr noch auf einer menschlichen Ebene als auf einer körperlichen.
Der Weg, den ich dafür beschritten habe, gefällt mir nach wie vor irgendwie nicht, aber jetzt…ist es schon zu spät. Keiner von uns hat bisher die Anstalten gemacht unsere Vereinbarung wieder zu lösen. Also…
Ich seufze schwer, es ist extrem anstrengend darüber nachzudenken, ehe ich mich in Bewegung setze und in den hohen Hallen nach Hanjis braunem Schopf suche, den ich glücklicherweise bereits nach ein paar wenigen Minuten entdecken kann. Sie sitzt in einem der Separees, völlig allein, aber es scheint sie absolut nicht zu stören.
Sie grinst von einem Ohr zum anderen, als ich die Hand hebe und sie mich somit entdeckt, springt sofort auf, kaum bin ich bei ihr angekommen, und zieht mich in eine feste Umarmung, an die ich mich, ich hätte es anfangs kaum für möglich gehalten, tatsächlich schon gewöhnt habe.
„Schön, dass du da bist“, gurrt sie und ich nicke nur leicht erschlagen, schäle mich dann aus meinem Mantel und setze mich in einen der schicken Sessel.
Hanji grinst und schiebt mir über den Tisch hinweg ein bis oben hin gefülltes Martiniglas zu, wackelt dann mit den Augenbrauen, als ich ihr einen amüsierten Blick zuwerfe.
„Du kannst doch nicht auf dem Trockenen sitzen an einem Freitagabend“, lacht sie und da muss ich ihr tatsächlich Recht geben.
Ich trinke wirklich nicht oft, und vor allem trinke ich nicht viel, und vor allem, allem trinke ich eigentlich nicht, um mich abzulenken, aber gerade heute…erscheint es mir wie eine Wohltat. Und Hanji hat glücklicherweise niemals versucht mich wirklich abzufüllen. Das aber wahrscheinlich auch nur, weil sie meistens lange vor mir zu betrunken ist, um das wirklich durchzuziehen.
„Geht’s dir gut?“, fragt Hanji mich, als ich meine Zigaretten auf den Tisch lege und einen Schluck von dem Martini nehme, mich dann zurücklehne. Ich werfe ihr einen Blick zu, den sie eindringlich erwidert.
„Natürlich“, antworte ich lapidar und sie hebt die Augenbrauen.
„Du siehst aber nicht so aus, als wäre alles in Ordnung“, sagt sie und ich weiß einen Moment lang nicht einmal wirklich, was ich darauf erwidern soll.
Hanji ist unwahrscheinlich gut darin an den Nasenspitzen der Menschen abzulesen, was in ihnen vorgeht, das habe ich bereits gemerkt, aber manchmal merkt sie sogar schon vor einem selbst, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Es ist irritierend. Aber irgendwo ist es auch heilsam, wie ich finde, weil sie es nicht böse meint. Sie sorgt sich nur.

„Der Tag war ehrlich gesagt…ziemlich anstrengend“, gebe ich letztendlich zu, weil sie mich immer noch ansieht, und zünde mir dann eine Zigarette an. Ich atme tief aus.
„Levi war bei mir in der Kanzlei.“
Hanjis Augenbrauen wandern noch ein Stück weiter nach oben.
„Und?“
Ihre Stimme klingt gefasst. Wieso sollte sie auch nicht? Sie weiß schließlich, dass er mein Klient ist, daher wäre es nicht ungewöhnlich, wenn er sich in meine Kanzlei bewegen würde. Aber nach dem, was passiert ist, nach dem Schließen dieser, wahrlich, bescheuerten Vereinbarung ist es doch irgendwie…
„Ehrlich gesagt war es nicht die schönste Begegnung, die wir bisher hatten.“, sage ich und im nächsten Augenblick fällt mir auf, dass wir eigentlich noch nie eine schöne Begegnung miteinander hatten.
Es war nur ein paar wenige Male sehr unangenehm, aber wirklich…schön und unterhaltsam und angenehm war es bisher eben auch noch nie. Da war immer…irgendetwas zwischen uns. Eine Barriere, die Levi gezogen hat und die er mich niemals hat überschreiten lassen. Vielleicht wird das auch niemals in dem Maße passieren, in dem ich es mir wünsche. Aber andererseits…
„Hm“
Hanji nickt nur. Dann trinkt sie einen Schluck ihres schreiend pinken Cocktails, sie hat wohl ein Faible dafür, und räuspert sich.
„Gibt es irgendetwas Neues wegen der Bilder?“, fragt sie mich schließlich und ich schüttele den Kopf.
„Levi hat wohl versucht Petras Mutter abzufangen. Aber wirklich gelungen ist es ihm nicht. Petras Vater hat offensichtlich sogar die Polizei gerufen.“
„Das überrascht mich nicht“
Hanjis Mundwinkel zuckt nach oben, aber wirklich glücklich sieht es nicht aus. Als ich sie fragend ansehe, hebt sie die Schultern und seufzt, lehnt sich in ihrem Sessel zurück.
„Die zwei haben sich nie verstanden. Petras Vater hat immer auf ihm herumgehackt. An mancher Stelle kann ich es ihm nicht einmal übelnehmen. Levi war eben…nicht immer das, was man sich für seine Tochter wünschen würde.“
Ich runzele die Stirn, warte darauf, dass sie noch mehr darüber erzählt, aber sie wirkt nur für einen Moment lang abwesend, ehe sie mir ein kleines Lächeln schenkt. Einerseits rechne ich es ihr wirklich hoch an, dass sie nicht aus dem Nähkästchen plaudert, schließlich sind sie und Levi eng befreundet und er vertraut ihr, aber andererseits…ich weiß eigentlich überhaupt nichts über ihn. Also sauge ich jeden Fetzen an Information über ihn quasi in mich auf.
Dass Levi und Petras Vater nicht das allerbeste Verhältnis zueinander hatten, war mir bereits vor Hanjis Worten schon klar, schließlich hat Levi es auch zugegeben, aber…nun ja. Es werden die Drogen gewesen sein. Ich weiß nicht, inwieweit Levi darin involviert war, irgendwie kann ich mir das zum einen überhaupt nicht und zum anderen leider viel zu gut vorstellen, aber…kein Vater sieht das gerne. Vor allem nicht, wenn es so in die Extreme geht, dass es sogar zum Tod führt.
„Hm“, mache ich also nur, weil sie keine Anstalten dazu macht mehr zu erzählen, und rühre dann in meinem Martini herum, asche meine Zigarette ab.
„Jedenfalls gibt es nichts Neues. Aber Levi hat nur noch einmal mehr versucht mir deutlich zu machen wie wenig er von mir hält und dass er sich nur wegen des Geldes darauf eingelassen hat.“
„Hat er auch.“, sagt Hanji, völlig unerwartet, und ich werfe ihr einen Blick zu. Sie hebt die Schultern, es sieht entschuldigend aus, und lächelt dann leicht, aber glücklich wirkt es nicht.
„Levi trifft sich normalerweise nicht mit Menschen wie dir. Von Menschen wie dir hält er sich eigentlich von Vornherein fern. Du hast ihn mit der Bezahlung gelockt und so furchtbar ich es auch finde, Levi tut in seinem Job fast alles für Geld. Auch das“
Sie weist auf mich. Dann seufzt sie schwer und ihre Augen wandern durch den großen Saal, sie nickt in eine bestimmte Richtung und ich drehe den Kopf, werfe einen Blick quer durch die Halle, bleibe mit meinen Augen an Levi hängen, der just in diesem Moment an einem der Tisch Platz nimmt, in Begleitung dieses Mannes, den ich, leider, bereits kennen lernen durfte.
Levis Gesichtsausdruck gleicht einer Maske, als er sich niederlässt, in diesem kleinen Grüppchen, das so widerlich schmierig aussieht, dass mir die Galle hochkommt. Der Lockenkopf vom letzten Mal, Walter oder so ähnlich, legt, sobald er sitzt, eine Hand auf Levis Oberschenkel, murmelt ihm irgendetwas ins Ohr, das ich natürlich nicht verstehen kann, aber Levis Reaktion ist relativ eindeutig. Seine Mundwinkel zucken kurz, nicht vor Belustigung, einfach nur vor Ekel, aber er stellt sofort jegliche Gefühlregung wieder ein und bleibt einfach sitzen.
Mit dieser Hand auf seinem Oberschenkel, mit dieser widerlich säuselnden Stimme im Ohr und mit einem Gesichtsausdruck…der dem einer Maske gleicht.

„Das sind Männer, mit denen sich Levi normalerweise trifft“, höre ich Hanji sagen und ich wende den Blick von Levi ab, der uns nicht einmal registriert zu haben scheint.
Hanjis Gesichtsausdruck, als ich sie ansehe, wirkt bemüht ruhig, aber den Ekel kann ich trotzdem erkennen.
„Männer, von denen er sich benutzen lassen kann. Die nicht mehr wollen als eine Befriedigung ihrer Gelüste. Sie lieben ihn alle, auf ihre Weise, aber sie lieben mehr seinen Körper und dass er ihnen geben kann, was sie sonst nirgendwo bekommen als ihn als Menschen. Und sie bezahlen gut. Sie alle.“
Sie wendet den Blick von Levi und Walter ab, runzelt die Stirn, und trinkt dann einen Schluck ihres Cocktails. Sie wirkt merkwürdig bedrückt.
„Levi tut das schon so lange weißt du“, fährt sie dann fort und hebt die Schultern. „Seit so vielen Jahren tut er das schon und es war eigentlich immer dasselbe. Seine Freier wollten immer nur eines: Sex oder irgendetwas anderes in dieser Richtung. Und Levi sucht sich immer diesen Typ von Freier heraus, eben die, die nicht mehr wollen als das, denen er auch nicht mehr geben muss. Für die er nur gut im Bett oder in was auch immer sein muss, damit sie ihn bezahlen. Walter ist schon eine halbe Ewigkeit sein Freier und er verlangt von Levi Abscheuliches. Aber Levi ist es lieber seine Kunden sind abartig und dreckig und verkorkst und wollen nur das eine von ihm als dass sie sind…wie du.“
„Was meinst du damit“, frage ich beinahe tonlos und greife nach meinem Glas, leere den Inhalt in einem Zug.
Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass wir darauf zu sprechen würden kommen, ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich in diesen wenigen Sekunden so viel über Levi erfahre, das ich zuvor zwar schon geahnt habe, aber niemals mit absoluter Sicherheit sagen konnte. Ich habe mich schon oft gefragt, was er bereits alles für Geld getan hat. Ich habe mir schon oft den Kopf darüber zerbrochen, ob Levi bereits Dinge erlebt und gesehen hat, die einen traumatisieren, die einen einfach prägen müssen. Und warum er das tut. Warum er sich, wie Hanji es ausgedrückt hat, benutzen lassen will.
Als wäre er kein Mensch, als wäre er einfach nur Ware, die man auswählen und für seine eigenen Zwecke benutzen und missbrauchen kann, mit der man tun und lassen kann, was man will, weil sie einem…für einen Zeitpunkt lang voll und ganz gehört. Und irgendwo stimmt es wohl. Seine Freier bezahlen dafür. Sie bezahlen dafür, dass er vollkommen ihnen gehört, für den Zeitraum, den er ihnen zugestanden hat.

In meinen Gedanken klingt es genauso grauenvoll wie es ist. Aber habe ich das Recht zu urteilen? Levi tut es freiwillig. Er sucht sich Menschen wie Walter heraus, die genau das mit ihm tun, und das…auch aus völlig freien Stücken. Warum also? Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie man sich das antun kann. Es gibt sicherlich Menschen, die nur darin eine sexuelle Befriedigung finden. Die einen Gefallen daran finden als Objekt betrachtet zu werden, die es erregt, die in nichts anderem eine Stillung ihrer Begierden sehen. Und vielleicht ist Levi so eine Art von Mensch. Vielleicht ist es genau das, was er will.
Aber es ist etwas, das ich ihm dann nicht geben kann. Ich behandele meine Partner nicht so. Ich versuche natürlich auf ihre sexuellen Bedürfnisse so weit einzugehen, wie es mir möglich ist, so weit, wie ich es selbst noch erregend finden kann, aber das…ich möchte meine Partner nicht benutzen. Ich möchte nicht, dass sie unter mir stehen und als Objekt betrachtet werden. Und Levi…
„Levi wusste gleich von Anfang an, dass du anders bist als seine anderen Freier“, sagt Hanji und ich wende den Blick von meinem leeren Martiniglas ab, sehe sie an. Ihr Gesichtsausdruck wirkt seltsam…aufgewühlt. Und besorgt.
„Er wusste das gleich von Anfang an. Du bist jemand, der ihn nicht als Objekt betrachten würde. Du würdest ihm nicht wehtun. Du würdest in Sex immer mehr sehen, als es für ihn ist. Und das kann er einfach nicht, weil er Zärtlichkeit kaum ertragen kann, Erwin, egal auf welche Weise. Levi sucht sich Freier, die ihn behandeln als wäre er kein Mensch, weil er kein Mensch sein will. Hier nicht und auch in seinem Alltag nicht. Er will das schon so lange nicht mehr. Und bevor jemand sieht, was in ihm vorgeht, bevor jemand ihn sieht als das, was er ist, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen und Gedanken…lässt er sich lieber auf Typen wie ihn ein.“
Sie nickt in Walters Richtung und ich drehe fast automatisch den Kopf. Sehe mit einem merkwürdigen Gefühl im Bauch, wie Walter seine Hand in seinen Oberschenkel krallt, seine andere in seinen Nacken gleiten lässt und seinen Kopf dreht und sein Gesichtsausdruck…es ist so widerwärtig, dass ich wegsehen muss, weil es kaum zu ertragen ist zu sehen wozu Levi eigentlich bereit ist, nur damit er sich nicht mehr wie der Mensch fühlen muss, der er ist.
Der Gedanke, den ich gleich darauf habe, klingt in meinen Ohren so…weit hergeholt und gleichzeitig so wahrscheinlich, dass ich mich kurz darauf frage, warum ich das nicht schon so viel eher gesehen habe. Mit absoluter Sicherheit kann ich es natürlich nicht sagen, wer weiß schon, warum er das wirklich tut, obwohl Hanji ein paar Andeutungen gemacht hat, aber...
Er hasst sich selbst. Er hasst sich so sehr, dass er…nur diese eine Möglichkeit sieht, um sich selbst irgendwie zu entkommen. Vielleicht ist das der einzige Weg für ihn mit Dingen zurechtzukommen, die ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen kann. Ich weiß so wenig über ihn. Aber ich weiß, dass er Schmerzen hat. Solche Schmerzen, dass er…sich lieber auf jemanden wie Walter einlässt, der seinen Schmerz durch einen anderen dämpft, als auf jemanden wie mich, der ihm zeigt, dass er auch nur ein Mensch ist.
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