Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Darcons Weg

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
OC (Own Character)
11.07.2021
30.05.2022
8
29.238
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.07.2021 7.888
 
„Und sicher, dass du nichts für mich hast?“ fragte Thorsten den Barkeeper in der Bar „Weinloch“ in der er jetzt schon seit einigen Monaten kellnerte. Nicht seine Traumvorstellung dort zu arbeiten, aber nachdem sein Vater in rausgeschmissen hatte, waren seine Möglichkeiten eingeschränkt.

„Nein. Es sei denn du hast es dir anders überlegt zu…“ sagte der alte Mann der vermutlich schon seit den Eurokriegen hinter dieser Bar stand.

„Definitiv nicht.“ schnitt Thorsten ihn ab. Ja, er brauchte dringend Geld, dass er nicht aus seinem dreckigen Ein-Zimmer-Loch in Kirchheim rausgeschmissen würde, aber nicht, dass er… alles tun würde. „Irgendwas anderes musst du doch haben, oder? Bitte!“

„Ich weiß nicht.“ sagte der alte Mann und ließ nach einigen Sekunden seinen Blick einmal an Thorsten hoch und runter gleiten. „Kannst du schießen?“

Das war eine gute Frage. Thorsten war mit seiner Mutter früher ein paar Mal auf dem Schießstand gewesen, aber das war lange her und ob er davon noch etwas wusste… Aber bevor er hier nicht weiterkam sagte er „Ganz gut eigentlich. Also ich bin kein Meister, aber ich treffe meine Ziele.“.

„Hmm…“ der alte Mann schien nachzudenken. „Vielleicht hab ich was für dich, aber es ist nicht ohne Risiko und bringt dir auch keine Massen an Kohle ein.“

Als ob das was Neues wäre. Nachts um 2, wenn seine Schicht zu Ende war, durch die Straßen Heidelbergs zu sich nach Hause zu laufen war auch nicht ungefährlich und wirklich Geld brachte die Arbeit auch nicht. Aber das verschwieg er lieber, sonst wäre seine Chance auf einen zusätzlichen Job eher hin. Was es wohl sein sollte? Beim nächsten Aldi-Lidl Mittags Wache schieben weil irgendein Angriff erwartet würde?

„Klingt gut.“ sagte Thorsten. „Ich habe aber keine Waffe. Kriege ich die da gestellt?“

Das meckernde Lachen des alten Manns schockte Thorsten. Nach ein paar Sekunden beruhigte er sich wieder und sagte zu Thorsten. „Nö. Aber weil du tatsächlich bisher der einzige Kellner der letzten Jahre bist, der ohne zu Meckern 3 Monate jeden Abend gearbeitet hat, leihe ich dir eine. Und du kriegst morgen sogar frei, dann kannst du dir mal von der Schmidt erklären lassen was ansteht.“

„Danke! Ich danke ihnen das hilft mir so…“ fing Thorsten mit einer Dankesbekundung an, bevor ihn der alte Mann abrupt abbrach.

„Mach dir nicht ins Hemd Kleiner.“ sagte der alte Mann „Ich hab einfach ein viel zu gutes Herz. Und sag nicht danke bevor du nicht weißt, was dich erwartet.“

Thorsten konnte sich nicht zurückhalten und schaute den alten Mann verwirrt an. Bevor er zu einer Frage ansetzen konnte, hatte der alte Mann ihn aber schon angeschnauzt und zu einem Tisch geschickt, um die Bestellungen aufzunehmen.

Nachdem er sechs Stunden später die Bar zugeschlossen hatte, machte er sich mit einer Karte mit Adresse und Uhrzeit für das morgige Treffen und einer Walther P.90 in der Tasche auf den Weg nach Hause. Komisch eigentlich, dass das Treffen in echt stattfinden sollte, dachte er sich. Er hatte eigentlich erwartet, dass Bewerbungen bei Aldi-Real (oder wo auch immer ihn der alte Mann hin vermittelt hatte) virtuell ablaufen würden.

Der Weg nach Hause war die letzten Monate immer zum Fürchten gewesen. Ja, die Strecke von der Unteren bis zum Bismarckplatz war noch ziemlich sicher (selbst wenn man als Durchschnittsbürger auf der Hauptstraße Ärger mit den Sicherheitsjungs von Knight-Errant kriegen könnte), aber die Strecke vom Bismarckplatz bis zu sich nach Hause war die Hölle. Gangs, die sich tagsüber kaum in die Gegend trauten, waren nachts eine komplett andere Hausnummer. Ein paar Mal hatte er sehr schnell auf dem Fahrrad abhauen müssen und einmal hatte ihn nur eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife gerettet. Nicht, dass sie für ihn angehalten hätte, aber die Ganger hatten trotzdem Angst bekommen und waren abgehauen.

Und schon wieder tauchten dieses Mal Ganger vor ihm auf. Trashige Kleidung, Ketten an jeder Gürtelschnalle, ein Baseballschläger… Ja, eindeutig irgendeine Jugendgang. Und das genau an der Stelle, an der er immer abbremsen musste, um die eine Kurve zu seiner Wohnung zu kriegen. „Scheiße“ dachte er. Aber dann fiel ihm ein, dass er ja dieses Mal gar nicht so wehrlos war. Er stieg 20 Meter vor den Gangern von seinem Fahrrad und konnte dabei schon ein Grinsen des Anführers sehen. Thorsten versuchte mehr Selbstsicherheit zu zeigen, als er auch nur annähernd spürte. Die Ganger kamen näher, lachend, drohend. Ein düsteres „Hast du keine Angst?“ kam von der Gruppe.

Thorsten musste sein Zittern unterdrücken, als er die Pistole zog. „Doch!“ rief er „Aber mehr als ich sollte.“ Er richtete die Pistole auf den Anführer der Gang „Und du? Vermutlich weniger als du solltest.“ Scheiße. Hätte er einfach umdrehen sollen? Aber andererseits war irgendwann auch genug.

Die Ganger fingen an ihn zu umzinglen und der Anführer lachte. Ok, eigentlich zeigte er nur seine chromüberzogenen Zähne und sagte: „Das traust du dich nicht.“

Thorsten zielte und schoss. Die Kugel traf deutlich näher an den Fuß des Anführers als sie sollte. Das Geräusch schockte Thorsten kurz – seit wann waren Pistolen nochmal so laut? – aber die Ganger waren so überrascht, dass es ihnen nicht auffiel. Von den sechs ergriffen drei gleich die Flucht. Ein lautes „scheiße, er meint es ernst“ das von den drei Fliehenden kam war wie Musik in seinen Ohren.

„Drekhead!“ schrie ihm der Anführer entgegen.

Thorsten nahm seinen restlichen Mut zusammen „Verschwinde. Das nächste Mal schieße ich nicht absichtlich daneben.“ Thorsten konnte sehen, dass es in dem Ganger arbeitete, aber mit einem Handzeichen zog er seine Freunde mit sich und verschwand schnell um eine Ecke. Als die Ganger verschwanden fühlte Thorsten wie das Adrenalin aus seinen Adern verschwand. Er musste sich an der Hauswand abstützen, weil es ihm schwindelig wurde. Das war ekelhaft knapp gewesen und er war sich nicht sicher ob er tatsächlich hätte abdrücken können, wenn der Anführer nähergekommen wäre. Nach einigen Minuten wischte sich Thorsten die Tränen aus den Augen und schwang sich aufs Fahrrad, um die letzten Kilometer zu seiner Wohnung zu fahren.

In der Wohnung merkte er wie sehr er noch immer aufgekratzt war. Er schloss die Tür hinter sich, schloss von innen ab (das hatte ihm der Vormieter sehr klargemacht wie wichtig das war) und schaltete das Licht an. In der Küche war es nur eine trübe Funzel, das hatte er zwar dem Vermieter schon gemeldet, aber das konnte sich trotzdem ziehen. Er schob sich eine Premium-Curry-MahlzeitTM in die Mikrowelle, zog sich die Schuhe aus und schmiss sich aufs Bett. Eigentlich wollte er reflexhaft eine Runde mit seinen Freunden zocken, aber da fiel ihm erneut bewusst auf, dass er diese Freunde mit seinen Eltern in der AGC-Niederlassung zurückgelassen hatte. Scheiße, er dachte kurz darüber nach – wie jedes Mal, wenn er nachts alleine auf dem Bett saß – wieder zurück zu gehen, aber nein. Das würde ihn wieder in den Trott zurückzwingen, würde ihn zu seinem nervigen Vater zurückbringen. Das „Bing“ der Mikrowelle brachte ihn aus seinen Gedanken und zurück in die Realität. Ok, aufstehen, Zeit für das letzte Essen und dann Schlafen. Was ihn morgen wohl erwartete?

Mit einem nervigen Piepen weckte ihn sein Kommlink. 11:30 Uhr. Sein Kissen war vollgesabbert und er selbst fühlte sich wie zerschlagen. Bis er schlafen konnte hatte es Stunden gedauert, das letzte Mal als er auf sein Kommlink nachts geschaut hatte war es kurz nach 4 gewesen. Das Adrenalin von dem er gedacht hätte, dass es ihn verlassen hatte war wohl noch lange nicht aus seinem Körper gewesen. Bis er dann schlafen konnte hatte er sich aber innerlich schon mehr und mehr davon überzeugt wie heldenhaft er doch gewesen war und dass die Barkeeperin, mit der er sich manchmal seine Schicht teilte, die Geschichte toll finden würde. Er stand auf, zog sich seine trashige Kleidung an mit der er auch meistens zur Arbeit ging, fuhr sich nochmal über die Haare und machte sich auf den Weg. Eine Minute später kam er zurückgerannt nachdem er realisiert hatte, dass er die Pistole vergessen hatte. Er wusste zwar nicht ob er sie gleich brauchen würde, aber er dachte, dass es besser wäre sie dabei zu haben, als dann peinlich berührt dazustehen, wenn sie gebraucht würde. Eine Minute verbrachte er damit sie vernünftig unter seiner Jacke zu verstecken. Der alte Mann hatte zwar durchklingen lassen, dass die Regeln dafür bei dem Job etwas laxer wären, aber so rein technisch gesehen durfte Thorsten die Waffe nicht bei sich haben.

Die Fahrt zu der Kneipe „Wilas Hellhole“ in der Weststadt verbrachte Thorsten in Gedanken. Die Straßenbahnen rauschten an ihm auf seinem Fahrrad vorbei und er träumte davon, wie es wohl wäre die wieder regelmäßig benutzen zu können. Nicht, dass er als Konzernkid oft daringesessen wäre. Als er vor der Kneipe ankam wurde ihm klar, dass das hier kein Bewerbungsgespräch für irgendeinen Sicherheitsjob bei Aldi-Real würde. Die Kneipe war heruntergekommen, dunkel und man konnte bereits durch die Fenster erkennen, dass die Kneipe für die Uhrzeit verdammt voll war. Als er durch die Tür trat, kam er in einen verrauchten Raum, voll mit alten Stühlen und Tischen, nicht mit dem Charme der alten Prä-Eurokriege-Einrichtung des Weinlochs, sondern mit dem „Charme“ einer Sperrmülldeponie.

Als er sich umblickte sah er an einigen Tischen Gruppen von Orks und Trollen, die aussahen, als ob sie seit gestern Abend da wären. Er musste noch immer etwas Schlucken, wenn er Orks und Trolle so Nahe sah. Tief in ihm weckten sie noch immer die Ängste, die er von irgendwelchen Trideo-Serien und den Erzählungen seines Vaters hatte. Seine Nachbarn hatten ihm gezeigt, dass auch Orks und Trolle genau so nett wie Menschen sein konnten. Aber das laute aggressive Lachen der Orks im Weinloch und die schiere Größe der Trolltürsteher in manchen Bars jagte ihm noch immer Angst ein. Er schluckte und ging zum Barmann, der ihn abschätzig anblickte.

„Ich suche eine Frau Schmidt.“ sagte er und nahm seinen ganzen Mut zusammen, dass seine Stimme nicht zitterte. War das hier am Ende…?

Der knapp 30-jährige Barmann mit einem Gesicht, das nach vielen Schlägereien aussah, lachte. „Früh dran, oder? Aber gut, die anderen noch mehr. Die beiden warten auch auf sie.“ sagte er und nickte in Richtung eines Tischs, an dem ein Mensch und eine Zwergin saßen. Der Mensch hatte eine ziemlich auffällige Datenbuchse in der rechten Seite des Kopfes implantiert und zumindest das linke Auge schien auch vercybert zu sein. Die Cyberware machte es schwer sein Alter richtig einzuschätzen, aber sein Lächeln, während er mit der Zwergin redete schien aufrichtig. Die Zwergin hatte ein etwas genervteres Gesicht und vor allem einen Irokesen, der aussah als wäre er halb so groß wie die Zwergin selbst.

Thorsten bedankte sich bei dem Barmann und bestellte einen Soykaf, worauf er ein „Tischservice gibt es aber nicht“ erntete. Er schluckte und merkte wieder, wie er ein Zittern unterdrücken musste. Er trat an den Tisch heran und sagte „auch am Warten auf Schmidt?“

Die beiden am Tisch musterten ihn noch abschätziger, als es der Barmann eben erst getan hatte. „Bist du die Nummer 3 die uns der alte Mann vermitteln wollte?“ kam von der Zwergin.

Thorsten nickte, selbst wenn er nicht ganz sicher war, was mit Nummer 3 gemeint war.

„Meint der das ernst? Sorry, aber du siehst aus als wäre das dein erster Run. Hast du überhaupt eine eigene Waffe?“ ätzte die Zwergin.

Thomas merkte wie er rot wurde. „Klar habe ich eine eigene Waffe.“

„Boah Trish, entspann dich mal. Einerseits weißt du genau so gut wie ich, dass wir keinen Vollprofi dieses Mal brauchen, andererseits warst du auch mal ne blutige Anfängerin. Soll ich dich an die Sache mit den badischen Separatisten damals erinnern?“ sagte der Mensch „Also Junge, setz dich. Ich bin Walker und du?“

Thorsten entspannte sich und war froh, dass Walker kein Problem mit ihm zu haben schien. Aber die Röte wollte noch nicht aus seinem Gesicht verschwinden. Er zögerte kurz und erinnerte sich dann an seinen Gamer-Namen von früher. „Ich bin Darcon. Schön euch kennenzulernen.“

„Darcon. Das hast du dir gerade überlegt, oder?“ kam von Trish.

„Trish, mach jetzt mal echt nicht so den Stress.“ sagte Walker. „Du musst sie entschuldigen, sie hat eine…“ Walker schrie auf. Trish hatte ihn hart mit mehr Kraft als Thorsten erwartet hätte unter dem Tisch getreten. Bevor das ganze eskalieren konnte trat eine ca. 40-jährige Frau an den Tisch. Sie trug einen Mantel der nach „knapp ein Jahr Arbeit für Thorsten“ preislich aussah und hatte eine Ausstrahlung die mehr „Professionalität“ schrie, als jeder der mittleren Manager die früher bei Thorstens Vater zu Besuch gewesen waren.

„Ihr seid die drei?“ kam von ihr mit einer hellen Stimme, die nicht zu ihrem ersten Eindruck passte. Als die drei nickten setzte sie sich. „Gut, dann fangen wir doch mal an. Ich bin Frau Schmidt.“

Ok, die ersten Eindrücke waren kein falscher Gedanke gewesen. Er wurde hier tatsächlich für einen Shadowrun angeworben. Kein Job bei Aldi-Real, kein langweiliges Wachestehen irgendwo, das war jetzt hier wie in Karl Kombatmage. Er versuchte konzentriert und professionell zu schauen, war sich aber nicht sicher ob sein Gesicht nicht noch immer rot war.

Der Barkeeper kam mit einer Flasche Bier zu dem Tisch und stellte es vor Frau Schmidt. Sie lächelte ihn an, was dem Barmann ebenfalls ein Lächeln entlockte. Als er verschwand setzte sie an. „Ihr seid mir als billige, verschwiegene Leute empfohlen worden. Stimmt das?“

Eine rhetorische Frage natürlich. Niemand würde dabei nein sagen. Alle drei nickten. „Gut.“ kam von der Schmidt. „Bei dem Auftrag handelt es sich um einen Einbruch, minimale Sicherheitsvorkehrungen, kein AAA-Konzern, keine magischen Sicherheitsvorkehrungen. 250 Nuyen für jeden von ihnen und weitere 250 für Spesen. Der Auftrag ist nicht extrem zeitkritisch, muss aber bald ausgeführt werden. Sind sie interessiert? Wie immer, für mehr Details müssen sie zuerst annehmen.“

Thorsten schluckte. Das war es jetzt. Keine Spielchen mehr. Er blickte kurz zu den beiden neben sich und nickte dann als Walker mit einem „Ja“ antwortete.

„Gut.“ Frau Schmidt setzte das Bier an ihren Mund und exte die Flasche, bevor sie eine Mappe aus ihrer Tasche holte und zu den Dreien schob. „Die relevanten Informationen finden sie hier, einschließlich einer Adresse, an die die Daten abgeliefert werden sollen.“ Sie stand auf und nahm die Flasche mit sich, was ihr vom Barmann ein anerkennendes Nicken einbrachte.

„Ok Leute, die Details schicke ich euch als Zusammenfassung nachher.“ sagte Walker als die Schmidt aus der Bar gegangen war.

„Gut.“ sagte Trish „Ich muss eh weg, ich hör mich dann nachher auch noch ein wenig um. Ciao Walker.“ und ging ohne Thorsten eines Blickes zu würdigen.

Thorsten saß peinlich berührt und unsicher da. Er war noch immer überrascht, dass er sich jetzt hier wirklich für einen Shadowrun verpflichtet hatte. Walker lächelte ihn an: „Du bist wirklich noch ziemlich neu im Geschäft, oder?“.

Merkte man das so sehr? Thorsten nickte nur und merkte wie sein Kopf wieder rot wurde.

„Ganz locker“ kam von Walker „Das waren wir alle mal. Willst du dir nicht erstmal deinen Soykaf holen den du dir vorhin bestellt hast und ich geb dir mal ein paar Infos wie das ganze ablaufen wird?“

Thorsten war erleichtert, dass Walker ihn nicht gleich abgeschrieben hatte, wie Trish es scheinbar getan hatte. Als er ein paar Sekunden später wieder am Tisch saß, merkte er, dass der Soykaf kalt war, aber trotzdem guttat. Walker hatte sich schon in die Dokumente vertieft und Thorsten schaute sich nervös um. Wollte Walker jetzt auch, dass er ging? Aber nach einer halben Minute klappte Walker die Mappe zu und wandte sich zu Thorsten: „So, den Rest schau ich mir später an, dann kriegst du auch deine Zusammenfassung. Aber sieht auf den ersten Blick machbar aus.“

Walker ließ den Blick kurz um sich schweifen, bevor er fortfuhr. „Mach dir nichts aus Trish. Sie hatte…“ er pausierte kurz „einige schlechte Wochen. Normalerweise ist sie nicht so. Und ich bin auch nicht als dein Babysitter da, das ist auch ein wenig Ausgleich dafür wie Trish drauf ist gerade.“

Thorsten merkte wie er schon wieder rot wurde.

„Das heißt aber auch nicht, dass ich dich ins offene Messer laufen lasse. Du siehst nett aus und nicht so als hättest du zu viel Karl Kombatmage gesehen und würdest davon träumen einfach nur rumzuballern. So läuft das ganze nämlich nicht und wenn du auf so dumme Ideen während dem Run kommen würdest, könntest du gar nicht schnell genug schauen bevor Trish und Ich weg wären.“ sagte Walker.

Ok, das machte schon auch Sinn, dachte Thorsten und nickte. Selbst wenn es ihm jetzt um so mehr peinlich war, dass sein erster Gedanke durchaus an manche Folgen aus Karl Kombatmage gegangen war.

„Also gut, in der Theorie wird das ganze eine einfache Sache. Wir sollen in ein ziemlich unwichtiges Büro der Stadtverwaltung von Heidelberg rein. Sicherheit ist angeblich vernachlässigbar. In dem Fall in dem alles nach Plan läuft schiebst du im Prinzip nur Wache. Trish bringt uns rein, ich zieh die Daten auf eine Speicherkarte“

„Klingt so weit gut. Was wenn nicht alles nach Plan läuft?“ fragte Thorsten, dem das alles noch deutlich zu risikofrei klang.

„Ah, die richtige Einstellung. Ja, in dem Fall in dem nicht alles nach Plan läuft wird es interessant.“ sagte Walker „Dann brauchen wir unsere schönen chrombesetzten Waffen noch.“

Thorsten schluckte: „Verständlich, dafür bin ich dann ja da.“

Walker lachte. „Du bist hauptsächlich als Unterstützung da. Drei Leute mit Waffen verschrecken nun mal einen Sicherheitsmann von irgendeiner Firma schneller als zwei Leute. Schießen können vermutlich sowohl Trish als auch Ich besser als du.“

Thorsten blickte peinlich berührt auf seinen Soykaf und fing so langsam an sich zu schämen. Vielleicht hätte er doch einfach beim Kellnern bleiben sollen. Oder am Ende doch wieder zu seinem Vater zurückkriechen sollen.

Walker stieß ihn mit dem Arm an. „Das heißt nicht, dass ich dich für inkompetent halte. Nur für neu. Trish und Ich sind schon lange dabei und wir haben auch schon größere Sachen durchgezogen. Und ich bin, um ehrlich zu sein verdammt froh mal jemanden dabei zu haben der nicht die ganze Zeit mit seinen früheren Runs angibt.“

„Danke.“ Thorsten flüsterte fast.

„Mach einfach keinen Scheiß Darcon und dann hast du in drei Tagen 250 Nuyen mehr auf deinem Credstick.“ kam von Walker. „Jetzt kommt eh erstmal der entspannte Teil des Runs.“

„Nämlich?“

„Jetzt geht es die nächsten Tage einfach in die Bars und wir versuchen rauszufinden welche wichtigen Informationen uns die Schmidt verschwiegen hat?“

„Ernsthaft, in die Bars?“

„Das ist tatsächlich dein erster Run, oder? Ja, auch in die Bars, bei Leuten in den Schatten rumfragen, Infodealer anfragen. Ok, das letzte vielleicht nicht, dafür bringt der Run nicht genug.“

„Gut, dann hör ich mich auch mal etwas um, sobald du mir die Zusammenfassung schickst und ich weiß wonach ich mich umhören muss. Das sollte bei mir ja ganz gut klappen, als Bedienung in ner Bar kriegt man ja doch einiges mit.“

„Super. Aber kleiner Tipp noch. Erzähl nie was von deinem Leben außerhalb der Schatten. Nein, ich werde nichts davon jemandem verraten, aber das ist trotzdem eine schlechte Idee. Die Schatten und die helle Welt hälst du am besten strickt auseinander.“

Thorstens starte wieder peinlich berührt auf seinen inzwischen leeren Soykaf. Darauf hätte er auch selbst kommen können. „Klar, da passe ich in Zukunft drauf auf.“

„Gut, ich schicke dir dann nachher die Zusammenfassung. Morgen Mittag schaue ich mir mal unser Ziel an, kommst du dann mit?“

„Klar, gerne.“ Sagte Thorsten und beschloss, dass jetzt der Punkt war um zu gehen. „Ich mach mich dann mal auf den Weg, bin auf die Zusammenfassung gespannt.“

„Jo Darcon, mach das. Keine Panik, das wird alles.“

Thorsten schnappte sich die Tasse von seinem Soykaf und brachte sie noch zu dem Barkeeper. Ein Knurren war alles was er dafür erntete. Sein Fahrrad außerhalb der Bar war tatsächlich noch fahrbereit, nicht selbstverständlich in dieser Gegend. Nur etwas Spray auf der Seite zeigte, dass hier auch tagsüber Knight Errant nicht Streife fuhr.

Er schwang sich aufs Fahrrad und als er eine halbe Stunde später bei sich in der Wohnung ankam, fand er auf dem Kommlink bereits die Zusammenfassung was das Ziel des Runs war:

„Kleine Außenstelle der Abteilung für universitäre Kommunikation der Stadtverwaltung Heidelberg in Neuenheim. Nachts sollte dort niemand sein, mehrere Büros zwar dort, aber eigentlich sollten wir von jedem Zugang auf die Daten haben. Trish übernimmt es uns reinzubringen, wenn wir nichts falsch machen kriegt da auch niemand mit. Morgen 13 Uhr schauen wir uns bei dem Ziel um, übermorgen Abend gehen wir rein.“

Shit, Abends. Daran hatte Thorsten noch gar nicht gedacht, da würde er den alten Mann das erste Mal tatsächlich um einen freien Tag bitten müssen.

Ein paar Stunden später stand Thorsten an der Bar im Weinloch und blickte sich um. Der alte Mann hatte ihn erstmal mit beißendem Spott begrüßt als er, obwohl er eigentlich frei gekriegt hatte, um 17 Uhr am Weinloch aufgetaucht war. Aber für Thorsten war es fast wie ein Reflex gewesen. Was sollte er auch sonst am Abend machen? Außerdem würde er ja auch übermorgen frei brauchen. Als er das dem alten Mann erzählt hatte, hatte der zwar zuerst getobt, ihm aber dann die Kellnerschürze hingeworfen und gesagt: „Wehe du blamierst mich übermorgen.“

Man merkte, dass es Wochenende war. Freitag und die untere Neckarstraße war voll mit Leuten von verschiedensten Gruppierungen. Vom Post-Doc der magischen Fakultät der Universität Heidelberg (leicht zu erkennen an ihren Umhängen, mit denen sie eine Tradition zeigen wollten die so gar nicht existierte), über Angestellte irgendwelcher Corps in der Gegend, mittlere Manager von Shiawase die einmal in der ADL feiern gehen wollten bis zu irgendwelchen ärmeren Leuten die ihre paar Euro die ihnen in der Woche übrig blieben für ein billiges Bier verwenden wollten. Je nach Bar waren unterschiedliche Klientel dort. Und im Weinloch… Nun ja, die reicheren Leute verirrten sich nie dort hin. Man sah es den Leuten an, dass für viele die freitägliche Sauferei im Weinloch ein Höhepunkt ihrer Woche war. Die meisten waren am Ende ganz normal. Leute, die sich einfach etwas besaufen wollten, weil die Woche hart gewesen war. Thorsten hatte einige Wochen gebraucht, um sich an die Besoffenen zu gewöhnen, sowohl an die, die lachten und laut rumschrien, als auch an die Besoffenen, die nur in ihrer eigenen Welt an der Bar saßen.

Die drei Frauen, die in die Bar reinkamen, fielen ihm daher sofort ins Auge. Weder waren sie welche von den Stammgästen noch welche von den Studenten die gelegentlich für ein billiges Bier hier reinkamen. Sie sahen eigentlich eher nach mittleres bis hohes Management in irgendeinem Konzern aus und das war jetzt nun mal wirklich nicht das Klientel das normalerweise im Weinloch vorbeikam.

Als Thorsten den Tisch nebenan abräumte spitze er doch etwas mehr die Ohren als sonst. Die Gespräche von Leuten mitzukriegen hatten ihn schon immer interessiert und besonders in einem Fall wie diesem, wenn die Leute, die redeten ungewöhnlich waren. Oder zumindest ungewöhnlich für das Weinloch.

„… die Universität?“ sagte die Blonde.

„Die weiß nichts davon und wenn…“ sagte die eine Schwarzhaarige bevor ein halber Satz von dem Gelächter der Orks zwei Tische weiter verschluckt wurde.

Das Gelächter und das auf-den-Tisch-Schlagen hörte erst im nächsten Satz der Blonden auf und kurz bevor Thorsten den Tisch fertig abgeräumt hatte. Nur ein „…aber sag denen von der Außenstelle, dass die aufpassen sollen und dass ich damit nicht einverstanden bin.“

Außenstelle. Das konnte alles heißen, aber zumindest klang es jetzt mal sehr nach Stadtverwaltung. War da was im Gange? Aber als er das nächste Mal am Tisch der Drei vorbeikam hielt ihm die Blonde schon den Credstick entgegen. Immerhin, gute 15% Trinkgeld, aber eigentlich hätte ihn noch mehr von dem Gespräch interessiert.

Später, auf dem Heimweg, ließ er sich die Fetzen, die er gehört hatte durch den Kopf gehen. Nach dem Gespräch der drei Frauen hatte er auch den Rest des Abends aufgepasst, aber nichts Spannendes erfahren. War das was er gehört hatte überhaupt spannend oder relevant gewesen? Dieses Mal schaffte er es, ohne blöd angemacht zu werden nach Hause. Die Ganger die ihn erst gestern noch verschreckt hatten waren dieses Mal erstaunlich nett, als er an ihnen vorbeifuhr, was ihm ein Lächeln entlockte. Vielleicht wurde es ja doch so langsam was, sein Leben in Freiheit, außerhalb der Cons.

Am Tag darauf, kam Thorsten überpünktlich zu dem vereinbarten Treffpunkt in Neuenheim. Er hatte sich extra seine besser aussehenden Sachen angezogen, hatte aber trotzdem das Gefühl, dass er in diesem Viertel voller Professoren und Manager irgendwelcher lokaler Kons auffiel wie eine Elfe in der Trollrepublik Schwarzwald. Nach ein paar Minuten war Thorsten noch immer allein und er begann sich Sorgen zu machen, aber mit fast zwanzig Minuten Verspätung kam Walker schließlich abgehetzt und mit zwei Bechern Soykaf in der Hand an.

„Hey, alles gut bei dir? Sorry für die Verspätung.“ keuchte Walker.

„Ja klar, kein Ding, kann ja vorkommen. Kommt Trish nicht mit?“

„Trish ist… Trish ist der Grund für die Verspätung.“

Thorsten sah ihn fragend an, aber als Walker den Kopf schüttelte, wusste Thorsten, dass er keine Antworten kriegen würde und ein Nachbohren ihn nur sehr schnell sehr unbeliebt machen würde.

Walker und Thorsten näherten sich langsam schlendernd dem Gebäude, unterhielten sich entspannt, solange Leute sehr nahe waren über die letzten Ergebnisse der Stadtkriegs-Meisterschaften, sonst brachte Walker Thorsten in Schnellform etwas Observationstechnik bei. Einmal entspannt vorbeigehen, eine Zeit lang warten, später würde einer von beiden (also Walker, als der Erfahrenere) zurückgehen und noch einmal einen Blick drauf werfen. Viel gab es nicht zu sehen. Das Gebäude war ein Beton-Stahl-Glas-Palast im Baustil der späten 30er, ohne Charme und mit nur ein paar Fenstern deren Räume noch benutzt aussahen. Billige Architektur für eine Stadtverwaltung die zu dieser Zeit jeden Cent umdrehen musste. Damals war dort die ganze Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit untergebracht gewesen, heute war es nur noch eine kleine Außenstelle, bei der man wohl auch überlegte, sie zu schließen.

Walker lachte zwar, als Thorsten ihm die Erkenntnisse seiner Recherche erzählte – Thorsten war sich sicher, dass Walker das alles ebenfalls rausgefunden hatte – aber dennoch erntete er auch ein anerkennendes Nicken. Aber dafür erzählte Walker Thorsten auch, dass er billig einen Grundriss erhalten hatte und noch einige Details über die Sicherheitsvorkehrungen, die hauptsächlich bedeuteten, dass sie zwischen 22:45 Uhr und 00:15 Uhr reingehen mussten.

Als die beiden einige Minuten an einer Straßenecke einige hundert Meter wegstanden erzählte Thorsten Walker von dem Gespräch, dass er belauscht hatte.

„Könnte was mit uns zu tun haben, ja. Ich habe auch ein paar Andeutungen gehört, aber nicht viel, bloß dass die Stadtverwaltung wohl irgendwas plant. Aber das muss nichts Negatives sein. Und hat vor allem für den Run jetzt echt wenig Relevantes, oder?“ sagte Walker.

Thorsten konnte nur Nicken und nach wenigen Minuten, als der Soykaf von beiden ausgetrunken war, verabschiedeten sich die Beiden.

Thorsten lief die Strecke zu seinem Fahrrad über einen Umweg und sah dann auf sein Kommlink, als er davorstand. „21:00 Uhr morgen, finale Lagebesprechung in der Matrix, 22:00 Uhr Treffen an der Neckarwiese, direkt bei der Theodor-Heuss-Brücke.“ war als Nachricht von Walker gekommen. Thorsten schluckte und fühlte ein Zittern. Scheiße, jetzt wurde es so langsam wirklich ernst.

Den Rest des Tages war Thorsten unkonzentriert wie noch nie. Den Nachmittag verbrachte er damit in der Matrix nach Infos zu dem Gebäude zu suchen, ohne etwas zu finden. Um 17 Uhr stand er wie immer vor dem Weinloch. Aber auch dort merkte er, dass er unkonzentriert war, seine Gedanken schweiften zwischen dem Run morgen und dem Versuch Gespräche zu belauschen. Aber es gab nichts Relevantes zu belauschen, nur das normale Gelächter und Gegröle der Säufer in der Bar. Der alte Mann schickte ihn früh heim, ungewöhnlich, dachte Thorsten.

Eigentlich wollte er daheim gleich schlafen, aber als er sich auf das Kissen warf merkte er schon, dass es dauern würde einzuschlafen. In seinem Kopf rasten die Gedanken an den Tag morgen. Sein erster Run. Fast alle seiner Freunde aus der Schule in der AGC-Niederlassung hatten davon mal geträumt; Shadowrunner sein, unterwegs sein wie Karl Kombatmage. Und ja, er hatte eigentlich keinen Grund nervös zu sein. Ja, es war nur ein kleiner Einbruch, ja es war eigentlich keine gefährliche Sache, ja er würde mir Profis unterwegs sein. Und ja, eigentlich war es tatsächlich mal auch sein Traum gewesen. Aber eben ein Jugendlichen-Traum, nicht mit der Chance tatsächlich real zu werden, wenn er das jetzt tatsächlich tat, war es auch ein sehr endgültiger Schritt weg von seinem Leben, das – hinter sehr viel Ärger mit seinem Vater – noch immer auf ihn bei der AGC wartete.

Viel später schlief Thorsten endlich ein. In seinen Träumen war er wieder zurück in seiner Schule, zurück bei seinen Freunden die sich über ihre Studienziele und dann die Traumjobs – natürlich bei der AGC – unterhielten. Die Elfin Tina in seiner Klasse verliebte sich in ihn, sie heirateten, gingen auf eine Hochzeitsreise nach Ägypten…

Thorsten wachte schweißgebadet auf. Kurz vor 8 Uhr. Für die meisten Lohnsklaven in den Büros der Konzerne schon fast etwas spät, um noch zur Arbeit zu hetzen, wenn nicht Sonntag wäre. Thorsten wusste von seinem Vater, dass die Schichten für die Arbeiter in ihren Bürowürfeln regelmäßig ihre 12-Stunden-Schichten schieben mussten. Für Thorsten war 8 Uhr aber inzwischen zu „mitten in der Nacht“ geworden. So oft wie er schon um 4 Uhr erst ins Bett gekommen war, nachdem er sich irgendwo auf dem Heimweg von den Gangs verstecken musste. Er blickte aus dem Fenster, raus in die Stadt und fühlte sich am Scheideweg. Nein, es war vielleicht noch nicht eine endgültige Entscheidung, aber verdammt nahe daran. Aber er konnte nicht anders. Wenn er diesen Run ablehnte wäre er fertig. Fertig mit seiner Flucht vor dem Leben in den „Mühlen“ der AGC. Und das konnte er sich nicht vorstellen. Die Luft aus dem Fenster roch nach Abgasen, aber fühlte sich auch nach Freiheit an. Nach ein paar Atemzügen hatte er eine Entscheidung getroffen. Es würde passen. Heute Abend würde gut. Mit diesen Gedanken ging er zurück in sein Bett und schlief erstaunlich entspannt ein.

Sechs Stunden später klingelte der Wecker auf seinem Kommlink. Keine Nachrichten darauf, wie erwartet. Seit er von der AGC abgehauen war, war das die normale Situation geworden. Früher hatten ihn immer 30-40 Nachrichten morgens erwartet. Auf diesem Kommlink dagegen… Aber irgendwie fühlte sich das auch wie Freiheit gerade an.

Thorsten frühstückte (so langsam wurden seine Vorräte wirklich wenig), ging zum ersten Mal seit langem eine kleine Runde spazieren. Zwar alles nett, aber das flaue Gefühl im Bauch ließ einfach nicht nach. Auch das „Mittag“-Essen bei seinem Lieblingsdöner konnte ihn nicht wirklich beruhigen. Der Ork hinter der Theke sah ihm das scheinbar sogar an und fragte: „Alles gut bei dir?“.

So persönliche Fragen waren für Thorsten der hier normalerweise nur „mit oder ohne scharf?“ hörte ungewohnt. Er nickte darauf und sagte: „Ja, bin bloß ein bisschen nervös, ich habe heute Abend so… so eine Sache.“

„Ein Date? Kannst sie auch gerne mitbringen.“

„Ne, was… anderes.“

In den Augen des Orks leuchtete etwas auf und er lachte. „Na dann viel Glück. Erzähl dann wie es lief.“

Mit dem Döner in der Hand ging Thorsten langsam zurück zu seiner Wohnung. Hatte der Ork tatsächlich aus diesen paar Worten raushören können, dass er heute Abend einen Run vorhatte? Ok, Essen, panisch aufs Klo rennen. Und es war erst 17:30 Uhr. So nervös hatte sich Thorsten das letzte Mal gefühlt als er das erste Mal zu einem Mädchen hingegangen war, um sie nach einem Date zu fragen. Wieder aufstehen, schauen unter welchen Klamotten er die Pistole am besten verstecken könnte. Durch die Wohnung laufen, auf die Uhr schauen: 17:45 Uhr. Scheiße, die Zeit verging auch gar nicht.

Thorsten verbrachte die Zeit bis 21 Uhr in einem Misch-Masch aus panischem durch die Wohnung laufen und tief durchatmen. Der Friede mit sich selbst und das Gefühl von Freiheit, dass ihn morgens noch durchströmt hatte, waren schon längst verschwunden. Aber bis um 21 Uhr schaffte er es sich halbwegs wieder zusammenzureißen und so zog er sich, zum ersten Mal seit langem, seine Troden über den Kopf und loggte sich mal wieder vollständig in die Matrix ein.

Das Gefühl wieder in der Matrix zu sein berauschte ihn. Nicht einfach nur die AR die zwar die Realität verschönerte, aber am Ende trotzdem nur die Realität war, sondern die volle VR. Seine digitale Repräsentation stand auf einer schwarzen Fläche, um ihn herum war direkt nicht viel. Verständlicherweise, hier in Kirchheim hatten die meisten Läden besseres zu tun, als sich eine richtige Matrixpräsenz zu leisten. In der Entfernung konnte er die Matrixversion der Uni sehen. Ein weißes Gebäude das man ohne große Probleme „Schloss“ nennen konnte.

Selbst mit den schlechten Troden die er hatte war das Gefühl wieder in der Matrix zu sein der Wahnsinn. Für eine Sekunde war er versucht sich Zugang zu seinem alten System zu verschaffen, die ganzen Programme zu laden… Aber nein, das Leben war vorbei, so sehr er es auch manchmal vermisste. Sich da wieder Zugang zu verschaffen würde nicht unbemerkt bleiben und dann war es mit seiner Freiheit direkt vorbei.

Das Gefühl sich in Gedankenschnelle durch die Matrix zu bewegen verursachte in ihm für einen Moment Übelkeit, bevor sich wieder das Hochgefühl einstellte, das ihn dabei auch früher immer verfolgt hatte. Nach ein paar Sekunden hatte er den Raum gefunden den Walker ihm angegeben hatte. Er wartete kurz und fast direkt materialisierten sich die Matrix-Versionen von Trish und Walker. Trish sah aus wie in echt, bloß etwas größer, während Walker ohne Cyberware, aber dafür mit einem massiven Breitschwert auf dem Rücken und einer Ritterrüstung dastand. Walker war offenbar bereits in seinem Kampf-Setup unterwegs. Viele Decker hatten ihre Matrix-Persona so angepasst, wenn sie in der Matrix kämpften. Nicht, dass es wirklich nötig gewesen wäre, aber auch Thorsten hatte, als er früher mal versucht hatte sich durch einige Sicherheitslevels zu kämpfen, ein solches Aussehen in der Matrix gehabt. Ok, nicht ganz so ein Aussehen, es war eher nach dem neuen Rambo-Remake gewesen, ein großer Troll, oben ohne, mit einer Panther XL Sturmkanone in der Hand.

Walker begrüßte Thorsten mit einem „Hi. Alles gut Chummer?“

Thorsten konnte ein Lächeln nicht zurückhalten. Chummer, Walker sah ihn echt als Teil des Teams, sonst würde er ihn nicht so nennen. „Ja, bin vorbereitet. Bei euch auch alles gut?“

Walker nickte, aber Trish schaute nur starr nach vorne.

„Also, was ist der Plan?“ fragte Thorsten.

„Im Prinzip ziemlich einfach. Wir treffen uns wie geplant in 55 Minuten nördlich der Theodor-Heuss-Brücke. Waffen bleiben versteckt, jeder hat Handschuhe an. Wir gehen langsam und unauffällig Richtung unseres Ziels. Ankunft sollte 22:40 Uhr in der Straße sein. Der Sicherheitsdienst hat eine ziemlich berechenbare Patrouillenroute und geht um 22:45 Uhr aus dem Gebäude. Um 22:50 Uhr gehen wir zu Hintertür, Trish bringt uns rein. Du und Trish schieben Wache. Wenn alles nach Plan läuft brauche ich nur eine Viertelstunde, um die Daten zu finden. Im Idealfall sind wir also um 23:10 Uhr wieder draußen. Danach teilen wir uns auf, verschwinden in unterschiedliche Richtungen. Wenn wir länger als 23:30 Uhr brauchen bleiben wir noch 10 Minuten drin, dann kommt eine reguläre Knight Errant Patrouille durch die Straße. 23:55 Uhr ist der späteste Exit-Zeitpunkt, danach holt ihr mich aus dem System raus, selbst wenn ich einen Auswurfschock kriege. Falls wirklich was schiefläuft, hauen wir Richtung Nordosten ab, im Zweifel auch durch die Gärten.“

Ok, klang verdammt durchgeplant. Deutlich mehr Sachen, als Thorsten jemals drangedacht hätte. „Klingt super. Ich glaube das klappt.“

„Perfekt. Dann…“ Thorsten konnte sehen, dass Walker nachdachte „… bis in knapp einer Stunde.“

Thorsten ging zu seinem Eintrittspunkt in die Matrix zurück – das minimierte das Übelkeitsgefühl nach dem Verlassen der Matrix immer – und loggte sich aus. Kurz hielt er die Augen geschlossen und gewöhnte sich wieder an die Realität. Direkt danach stand er auf, packte seine Sachen, ok eigentlich nur die Waffe und ging aus der Wohnung. 21:15 Uhr, das würde stressfrei bis in 45 Minuten am Treffpunkt zu sein.

Thorsten fuhr nur bis zum alten Hallenbad. Kurz hatte er überlegt bis auf die andere Neckarseite zu fahren, hatte dann aber dran gedacht, dass das nur auffälliger wäre. Wenn er unbedingt an den Platz zurückkehren musste, an dem man ihn mit den anderen Runnern sehen würde, war das ein unnötiges Risiko. Er nahm einen kleinen Umweg, nicht direkt über den Bismarckplatz, sondern durch die Scheidmühlstraße vorbei am Einkaufszentrum. Nicht, dass die Kontrollen am Bismarckplatz wirklich problematisch waren, aber einerseits wollte er sich keine detaillierten Fragen nach seiner Waffe anhören und andererseits war er inzwischen doch etwas im Stress.

Gerade so pünktlich kam er auf der anderen Neckarseite an und sah Walker und Trish sofort. Trish stand nach vorne übergebeugt da und Walker schien beruhigend auf sie einzureden. Als sie sahen, dass Thorsten näher kam rückten sie von einander ab und Walker begrüßte ihn zuerst „Hey Darcon.“

Auch von Trish kam ein „Hey Darcon“ das irgendwo zwischen fertig und beißend klang. Sie sah nicht gut aus, ja sie hatte etwas an was im nächtlichen Neuenheim nicht krass auffallen würde, aber selbst im schlechten Licht, das hier herrschte, konnte Thorsten sehen, dass ihre Gesichtsfarbe alles andere als normal war und dass sie, trotz der eher kühlen Temperaturen schwitzte. Thorsten überlegte ob er sie fragen sollte was los war, fing aber einen warnenden Blick von Walker auf.

Als sie sich ein paar Minuten später in Bewegung setzten war die Stimmung deutlich angespannter als bei der Observation mit Walker am Tag vorher. Kein Geplaudere über Sport, keine Kurzerklärungen was man wissen musste. Einfach nur zu dritt möglichst unauffällig zu Ziel laufen. Wenn auch mit einigen Umwegen und Pausen, direkt wäre man ja auch in 10 Minuten dort gewesen, dachte Thorsten. Trish hielt sie auch eher auf und konnte selbst dem langsamen Tempo von Walker und Thorsten kaum folgen. Erst um 22:50 Uhr standen sie dann tatsächlich vor dem Gebäude. So viel zur „visuellen Bestätigung, dass der Sicherheitsdienst gegangen war“. Aber Neuenheim war um die Uhrzeit schön ruhig, besonders Sonntags Abends, wenn die meisten sich wohl eher mental auf

An der Hintertür zog Trish ein paar komplexe Werkzeuge aus der Tasche. Offenbar Dietriche, denn nach einer Minute an dem Schloss rumwerken öffnete sich die Tür. Kein Alarm ging los, das war schon mal gut. Walker schloss die Tür hinter den Dreien und langsam erkundeten sie das Gebäude weiter. Die Infos des Raumplans schienen mit der Realität übereinzustimmen. Die Schmidt hatte ja gesagt, dass jedes Büro Zugang zu den Daten haben sollte, deshalb suchten sie erstmal nach einem Büro, das nicht abgeschlossen war.

Schließlich hatten sie eins gefunden. 23:00 Uhr, so viel zu dem Plan um 23:10 Uhr wieder raus zu sein.

„Ok, ich gehe in das Netzwerk. Trish, du passt hier auf mich auf und holst mich im Ernstfall raus.“ sagte Walker. Thorsten war sich zwar nicht sicher ob Trish in dem Zustand auf jemanden oder auch nur auf sich selbst aufpassen konnte, aber ok. „Darcon, du gehst zum Haupteingang, pass dort auf ob irgendwas passiert. Wenn alles gut läuft sind wir in 10 Minuten hier fertig.“

Thorsten nickte und sah noch im Rausgehen wie Walker erschlaffte, nachdem er die Verbindung zwischen dem Netzwerk und seiner Datenbuchse hergestellt hatte. Thorsten merkte, dass er jetzt doch erstaunlich ruhig, es schien ja gut zu laufen. Als er zum Haupteingang kam, sah er, dass der Bildschirm im kleinen Sicherheitsbüro dort an war. Die Tür war offen und auf dem Bildschirm sah er eine Nachricht, die ihm kurz das Herz stehenbleiben ließ.

„Ungewöhnliche Aktivitäten für die Uhrzeit wurden in Büro C-13 detektiert. Falls diese Aktivitäten erlaubt sind geben sie bitte den Sicherheitscode in den nächsten 44 Sekunden ein.“

Scheiße. Und offenbar entweder etwas das Walker im Netzwerk übersehen hatte, oder etwas das nicht über das eigentliche Netzwerk lief. Was passieren würde, wenn der Code nicht eigegeben würde stand zwar nicht da, aber dass es nichts Gutes wäre war Thorsten klar. Walker würde nicht schnell genug über den Auswurfschock wegkommen und Trish war kaum fähig gewesen die Tür zu öffnen, die Sache lag jetzt an ihm. Code, fuck was könnte das sein. Er warf einen Blick auf das Eingabefeld. Vier Stellen. Das konnte… aber was wenn es falsch war? Eigentlich auch egal, ob er es jetzt nicht versuchte, oder ob er es falsch eingab war am Ende egal, in beiden Fällen müssten sie schnell weg. Thorsten nahm seinen Mut zusammen und drückte 1386 in das Feld, das Gründungsjahr der Universität in Heidelberg.

Die zwei Sekunden danach merkte er wie er am liebsten gleich aufs Klo gerannt wäre. Die Nachricht danach beruhigte ihn: „Code bestätigt, Alarm zurückgenommen.“. Verdammt, das war knapper gewesen als er gehofft hatte. Thorsten verbrachte die nächsten Minuten damit seinen rasenden Puls wieder nach unten zu bringen und blickte danach auf seine Uhr. 23:10 Uhr, er beschloss noch kurz zu warten. Einatmen, ausatmen, sich nicht panisch umschauen. Ein paar Minuten später war sein Puls wieder normal und statt einem Gefühl der Panik, setzte Langweile ein. Um 23:20 Uhr hielt er es nicht mehr aus und ging kurz zurück zu Trish und Walker.

„Alles gut bei euch?“

Trish schien aus ihrem Tief zumindest etwas rausgekommen zu sein und sah wieder gesunder aus. „Ja, Walker ist noch nicht wieder da, scheint komplexer zu sein.“ Während sie diese Worte aussprach zuckte Walker, schnappte nach Luft und öffnete die Augen. Sein Atem wurde schnell panisch und Trish legte ihm ihre rechte Hand auf die Schulter. „Hey, hey Walker. Alles gut, du bist draußen. Alles gut.“

Walkers Augen zuckten ohne Struktur hin- und her. Auswurfschock. Oder doch was Schlimmeres? Aber nach einigen Sekunden beruhigte er sich und sah die Trish und Thorsten tatsächlich an.

„Scheiße. Kaum Sicherheit am Arsch. Die haben schwarzes IC da drin, das hätte mich fast erwischt. Wir müssen raus, wenn das nicht gemeldet wurde fresse ich einen Besen.“

„Hast du die Daten?“ fragte Trish.

„Ja und noch etwas mehr, aber das besprechen wir nachher. Jetzt, aufräumen und raus.“ Sagte Walker gehetzt.

Kurz die Sachen zusammenpacken, aufpassen, dass nichts Auffälliges übrig war, wieder raus durch die Hintertür.

„Ok, Darcon, du gehst nach Westen, Trish und ich teilen uns bei der Werderstraße auf. Sei vorsichtig! Gib mir eine Bestätigung, wenn du es heim geschafft hast. Ich glaube Sicherheitsmaßnahmen daheim brauchen wir alle nicht, dafür war die Sache nicht groß genug.“ kam von Walker.

Thorsten verabschiedete sich von den beiden und ging langsam los. In der nächsten Querstraße sah er bereits wie auf der Schröderstraße ein Knight-Errant-Fahrzeug vorbeifuhr. Scheiße, Walker hatte recht gehabt, aber es sah aus als wären sie gerade noch mal davon gekommen. 30 Minuten später stand Thorsten bei seinem Fahrrad und schwang sich drauf. Irgendwie hatte er sich seinen ersten Run spannender vorgestellt, dachte er und war nicht sicher ob er darüber froh, oder enttäuscht sein sollte.

Jede Sirene in der Ferne ließ Thorsten auf dem Weg nach Hause zusammenschrecken. Kurz nach 1 kam er bei sich zuhause an. Kein Polizist hatte ihn angehalten, es wartete kein SEK auf ihn. War das jetzt tatsächlich sein erster Run gewesen? Nach kurzem Nachdenken stellte er nur sein Fahrrad ab und ging zum Späti um die Ecke. Glücklicherweise war einer der großen Spätis direkt um die Ecke. Manche der Spätis hatten in den letzten Jahren Fördermittel zur Trollintegration abgegriffen, den Raum vergrößert und damit auch Platz für ein größeres Sortiment geschaffen.

Thorsten kaufte sich ein gekühltes Pils – AGC Eigenmarke – und ging damit an sein Fenster in der Wohnung. Die Luft von draußen roch dieses Mal nach Chemie. Zusammen mit dem Geschmack nach dem trashigen AGC-Pils (das komischerweise genau so wie das Radeberger schmeckte) verschaffte es ihm ein Gefühl von „zuhause“. Eine Träne stieg ihm ins Auge. Er hatte sich von seinem ersten Run irgendwie mehr erhofft. Nach ein paar Sekunden fiel ihm auf, dass er Walker noch nicht geschrieben hatte. Ein „alles lief nach Plan“ an Walker später war er etwas beruhigter. Er blickte in die Ferne und überlegte, wie es jetzt weitergehen könnte. Er könnt einfach heimgehen. Das war sein erster Blick in die dunkle Seite der Welt, in die Schatten gewesen. Und wenn er jetzt gehen würde, wäre alles keine Sache mehr. Aber wollte er das? Heimweh schön und gut, aber andererseits schien das Runner-Leben ja nicht so schlecht. Ein paar Monate vielleicht… Eine Nachricht von Walker riss ihn aus seinen Gedanken. Es war schon fast 2 und von Walker kam ein „Matrix. Jetzt. Gleicher Raum wie letztes Mal.“

Eine Minute später war Thorsten zurück im Chatraum. Wieder der kurze Rausch der Matrix, wieder der Blick auf den Elfenbeinturm der Uni in der Ferne. Walker erwartete ihn bereits und sah in seiner Ritterrüstung sehr beeindruckend aus. Trish war dieses Mal nicht da.

„Ist Trish in Sicherheit?“ war die erste Frage von Thorsten als er bemerkte, dass Trish nicht da war.

„Ja, keine Sorge. Die…“ Walker pausierte kurz. „… ist im Bett. Ich wollte mit dir über die Daten reden.“

Ok, Debriefing. So nannte man das doch, oder? „Du hast gesagt es war was Interessantes drin, oder?“

„Interessant ist schwer zu sagen…“ sagte Walker. „Ich habe was gefunden was komisch war. Griechischer Dateiname, ist ja eher ungewöhnlich bei einer deutschen Stadtverwaltung. Ich hab es mitgenommen und durch einen Translator gejagt und… Es ist was über einen Plan die Führung des „Elefanten“ abzusägen und dafür „Zeus“ mehr Einfluss in Boxberg zu verschaffen. Weis nicht ob es eine schlaue Idee war das mitzunehmen. Aber es sieht so aus als ob da irgendwas Größeres im Kommen wäre.“

Thorsten dachte fieberhaft nach. „Das erklärt vielleicht auch die bessere Sicherheit.“

„War da mehr als das IC?“

„Äh ja, das hatte ich ja noch gar nicht gesagt. Als ich zum Haupteingang kam war ein Alarm ausgelöst gewesen und ich musste ihn abbrechen.“ sagte Thorsten.

„Was?!?“ schrie Walker ihn an „Und das sagst du erst jetzt?“

„Wieso, ich hab ihn doch abgebrochen.“ kam von Thorsten. Warum fand Walker das so schlimm?

„Ok, du bist ein Frischling, deshalb sollte es mich nicht überraschen. Aber selbst, wenn man einen Alarm abbricht muss man raus. Meistens wird das geloggt und irgendwelche von der Security kommen gerne mal vorbei. Wir hatten ein scheiß-Glück, dass das nicht passiert ist.“

Thorsten merkte, dass er in echt Rot wurde. „Fuck, tut mir leid.“

„Ist ja nichts passiert. Aber merke es dir einfach.“

„Klar, mache ich.“

„Und wegen der Übergabe morgen. Du kommst mit. Vorher treffen wir uns noch in Boxberg und hören uns mal etwas um. Dann kriegst du auch eine etwas… bessere Wumme. Wenn wir in was Großes verwickelt werden, will ich nicht, dass du mit so einer Erbsenpuste dastehst.“

„Kommt Trish da mit?“ fragte Thorsten.

„Würdest du es für eine gute Idee halten sie mitzunehmen?“

„Um ehrlich zu sein…“ und Thorsten fragte er sich, ob er ehrlich sein konnte.

„Du weißt es genau so gut wie ich. Zu so einem Treffen kann sie nicht mit. Vielleicht irgendwann wieder, aber…“

Thorsten nahm seinen Mut zusammen und fragte: „Walker, was ist mit Trish?“

Nach einer kurzen Pause kam von Walker „Nicht jetzt. Aber ich erzähle dir das irgendwann mal. Ist eine längere Geschichte. Und dafür vertraue ich dir noch nicht genug.“ Walker atmete durch. „Morgen, 11 Uhr, Boxberg, in der Kneipe „Zur Schlacht von Warschau“. Sei pünktlich.“

Walker loggte sich aus und Thorsten tat es ihm nach ein paar Sekunden gleich. Ok, vielleicht war der Run am Ende doch nicht so stressfrei wie er es gedacht hatte.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast