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Kurzgeschichten Sammlung #1

Kurzbeschreibung
SammlungKrimi, Freundschaft / P12 / Gen
Klaus Wiebel Marc Westerhoven Moritz Breuer Nico Berger Paul Richter Stephan Sindera
10.07.2021
25.09.2021
32
62.235
12
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Dieses Kapitel
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12.07.2021 1.811
 
Die Polizisten warteten. Es klopfte, dann öffnete sich die Tür und ein schwarzhaariger Mann, den sie vorher nicht gesehen hatten, brachte drei Stapelstühle und stellte sie vor den Schreibtisch. "Setzt euch", sagte er. "Ronja ist gleich wieder da."
Tatsächlich dauerte es weniger als fünf Minuten, bis Ronja Miller zurückkam. "Entschuldigen Sie", sagte sie, "ich musste eine spezielle Buchung direkt mit einem Gast klären. Es hat nichts mit den Einbrüchen zu tun."
"Kein Problem", versicherte Stephan ihr.
Ihr Kunde nahm nun ebenfalls Platz. "Wo waren wir? Ach ja, ich wollte dir gerade von den Einbrüchen erzählen."
Paul stellte ein paar Fragen. "Wie wurde bei ihnen eingebrochen? Wurden irgendwelche Türen beschädigt? Hat die Polizei schon irgendwelche Hinweise gefunden?"
"Die Polizei war vor Ort", sagte sie, "hat aber keine Hinweise gefunden. Anscheinend war der Einbrecher immer sehr geschickt und hat keine Fingerabdrücke oder ähnliches hinterlassen."
"Sicherlich hat er Handschuhe getragen", kommentierte Stephan. "Wie ist er in die Büros gekommen?"
"Die Polizisten dachten, er muss Dietriche oder echte Nachschlüssel benutzt haben, um die Schlösser zu öffnen. In den Büros gibt es normale Schlösser, anders als in den Gästezimmern, wo man ja die Chipkarten braucht. Es gibt keine offensichtlichen Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen." Sie deutete hinter sich. "An meinem Safe ist er allerdings gescheitert."
"Du sagst immer er", bemerkte Moritz. "Weißt du denn mit Sicherheit, dass es ein Mann war?"
"Äh ... na ja, nein. Ich habe das nur vermutet."
Stephan räusperte sich laut. "Wir können nicht von vornherein jede Möglichkeit ausschließen."
Ihr Mandant nickte. "Klar, dafür seid ihr ja Polizisten"
"Wurde immer nachts eingebrochen?", fragte Paul. Sie nickte.
"Wenn die Büros nicht besetzt waren."
Stephan dachte laut nach: "Wie könnte jemand unbemerkt in die Büros kommen? Klar: Sie sind so weit von der Rezeption entfernt, die auch nachts besetzt ist, dass es jedem, der schon im Gebäude ist, möglich wäre. Aber jeder, der von draußen reinkommt, müsste an der Rezeption vorbeigehen. Ich nehme an, dass dort niemand etwas bemerkt hat?"
"Absolut richtig", bestätigte Ronja.
"Also ist der Einbrecher wahrscheinlich jemand aus dem Hotel. Ein Angestellter oder ein Gast. Wann war der erste Einbruch?"
"So weit habe ich schon vorausgedacht. Es war vor vier Tagen." Ronja hob einen Computerausdruck hoch. "So lange sind schon viele Gäste hier. Dreiundzwanzig, um genau zu sein."
Stephan grinste. "Viele Verdächtige und keine Spuren ... klingt nach einem interessanten Fall!" Wieder klingelte das Telefon. Ronja hörte kurz zu, wurde blass und sagte dann: "Ich treffe euch in zehn Minuten dort." Sie legte auf und sagte zu den drei..: "Schreckliche Nachrichten!"
"Schreckliche Nachrichten?", wiederholte Stephan. "Was meinst du damit, Ronja? Bitte erzähl!"
Sie nickte und sah alles andere als erfreut aus. "Zum ersten Mal ist in das Zimmer eines unserer Gäste eingebrochen worden. Während des Frühstücks."
"Können wir uns mal umsehen?", fragte Paul. "Es ist wichtig, dass wir uns den Tatort ansehen."
"Die Familie ist noch unten an der Rezeption. Ich habe vereinbart, dass wir uns in zehn Minuten in ihrem Zimmer treffen."
"Warum erfährst du überhaupt davon?", wunderte sich Moritz. "Was hat der Leiter der Buchhaltung mit den Diebstählen zu tun?"
"Seitdem in mein Büro eingebrochen wurde, habe ich ein besonderes Interesse an den Vorgängen", erklärte sie. "Seitdem bin ich die interne Ansprechpartnerin - irgendjemand muss es ja tun, und als ich sagte, ich würde es übernehmen, hatte niemand etwas dagegen. Im Gegenteil, alle waren froh, dass ich mich freiwillig gemeldet habe. Natürlich kümmert sich die Polizei darum, aber hier im Hotel wenden sich alle an mich."
Ronja Miller zwinkerte den drei Polizisten zu. "Insgeheim ermittelst du jetzt auch ... zumindest wenn du meinen Auftrag annimmst, was ich sehr hoffe."
"Gewiss", antwortete Stephan.
"Leider hat die Familie bereits die Polizei verständigt", fuhr Ronja fort. "Mir wäre es lieber gewesen, ihr hättet vorher ungestört mit der Familie sprechen können. Oder wie auch immer ihr in so einem Fall vorgeht."
"Das kommt ganz darauf an", erklärte Moritz. "Wir improvisieren jedes Mal und passen uns der Situation an."
Ronja machte sich auf den Weg zur Tür. Zu viert fuhren sie mit Ronjas Chipkarte in den 14. Stock. Noch im Aufzug gab  Ronja den Polizisten drei Karten, mit denen sie andere Stockwerke anwählen konnten, um sich freier im Hotel bewegen zu können. Das Treppenhaus war schließlich nur für Notfälle gedacht. Jeder, der die Tür dazu öffnete, löste einen schrillen Alarm aus. Ein Warnschild auf jeder Etage machte dies unmissverständlich klar.
Als sie ihr Ziel erreicht hatte, klingelte ihre Auftraggeberin am Zimmer der bestohlenen Gäste, doch niemand reagierte. Offenbar war die Familie noch nicht zurückgekehrt und wartete unten in der Lobby auf das Eintreffen der Polizei.
Bevor sie etwas sagen konnten, kam ein Junge auf sie zu. Er hielt eine Türkarte in seiner Hand. Die drei erkannten ihn sofort: es war eines der Kinder, die beim Frühstück neben ihnen gesessen hatten. "Wurde bei euch eingebrochen?", fragte Stephan. "Hmm", grummelte der Junge.
"Du bist ... Tim, richtig?", fragte Moritz.
"Woher weißt du das?"
"Wir haben beim Frühstück nebeneinander gesessen. Dein Vater hat einmal deinen Namen gerufen."
"Ja, das stimmt. Und ja, es wurde bei uns eingebrochen. So eine Frechheit." Der Junge verschränkte die Arme vor der Brust und präsentierte seine Zahnlücke mit einem breiten Grinsen.
Moritz ging vor ihm in die Hocke. "Was wurde bei euch gestohlen? Und wisst ihr noch etwas?"
"Wer seid ihr eigentlich?", fragte der Junge misstrauisch.
"Wir sind Polizisten." Paul reichte ihm seinen Ausweis "Aber das ist eigentlich streng geheim."
Tim schaute sie an.
„Und wer ist das dann?“, er deutete auf Ronja Miller
"Sie gehört zum Hotel. Das ist gut."
"Gut", stimmte Tim zu. "Unsere Kamera wurde gestohlen und die Brieftasche von meinem Vater war leer. Sie war in der Tasche seiner Jacke an der Garderobe. Da waren 200 Dollar drin. Das mit der Kamera ist mir aufgefallen, als ich zurück ins Zimmer ging, um meinen MP3-Player zu holen. Ich dachte sofort, dass etwas faul ist, also habe ich in meiner Brieftasche nachgesehen."
"Das war schlau", lobte Paul. "Aber sonst weißt du nichts?"
"Nö." Tim zuckte mit den Schultern. "Und jetzt muss ich pinkeln. Deshalb bin ich vor den anderen hochgegangen."
"Denk doch mal nach, bitte", bat Paul. "Du hast wirklich niemanden gesehen?"
"Hmm, wenn du so fragst, ja habe ich. Jemand kam mir auf dem Flur entgegen. Irgendein Angestellter hier vom Hotel, der morgens immer die Minibar auffüllt. Er kam aus unserem Zimmer. Aber er darf da rein, also habe ich nichts gesagt."
Paul tauschte einen kurzen Blick mit seinen Kollegen. Sie nickten ihm zu.
Im selben Moment waren Schritte zu hören. Es mussten Tims Familie und die Polizei sein.Es wurde eng vor dem Hotelzimmer von Tims Familie - eine ganze Reihe von Menschen tummelte sich nun auf dem Flur. Einer der beiden Polizisten stellte sich als Inspektor Erlhoff vor. "Gehen wir erst einmal in das Zimmer", bat er. "Zumindest alle, die betroffen sind." Dabei warf er den Kölner Polizisten fragende Blicke zu. Ronja übernahm die Antwort auf die unausgesprochene Frage: "Die drei sind bei mir. Sie kümmern sich auf meine Bitte hin auch um die Diebstähle hier im Hotel."

"Wir sind Polizisten, die hier Undercover im Hotel ermitteln", erklärte Stephan selbstbewusst.

Erlhoff grinste schmallippig. "Nichts für ungut, Jungs, aber ..." Er beendete den Satz nicht, wohl in dem Glauben, dass er seine Meinung deutlich genug gemacht hatte.
„Auch wenn wir nur normale Streifen Polizisten sind, so haben wir schon viele Einsätze bearbeitet die so mancher Kommissar oder Profi nicht hätte aufklären können.“, Moritz fand das Verhalten von Erlhoff erniedrigend und wollte das nicht einfach so hinnehmen. Schließlich waren sie ja irgendwie alle auf einer Ebene.

"Ja, ja", unterbrach Erlhoff unwirsch, "wir können später darüber reden. Hier gibt es eine Familie, die unsere Hilfe braucht. Das hier ist jetzt wichtiger."

Paul mischte sich in das Gespräch ein. "Wir haben schon etwas herausgefunden, Sir! Der Junge hat vielleicht den Dieb beobachtet."

Inspektor Erlhoff beugte sich zu Tim hinüber. "Also, was hast du gesehen, Junge?"

Tim sah sichtlich erfreut aus. "Ein Mann kam aus unserem Zimmer. Er darf da aber rein, weil er hier arbeitet." Er grinste. "Aber ich halte ihn trotzdem für verdächtig."

„Du bist ein schlaues Kerlchen. Das hast du bestimmt von denen da!“ er deutete auf Stephan, Moritz und Paul.

Weil Tim offenbar nicht wusste, was er sagen sollte, meldete sich Stephan wieder zu Wort. "Leider kommt es in allen Hotels vor, dass sich Mitarbeiter auch an den Sachen der Gäste zu schaffen machen, wenn sie die Zimmer reinigen oder ..."

"Das weiß ich", knurrte Erlhoff.

Ronja stellte sich neben Stephan. "Ich muss Stephan zustimmen. So etwas ist hier im Hotel noch nie passiert, aber wir müssen es in Betracht ziehen. Es ist leicht zu überprüfen. Selbst wenn der Junge nichts gesehen hätte, wäre es eine Standardprozedur. Wir können genau sehen, mit wessen Generalkarte die Tür geöffnet wurde, dank der modernen Schließanlage. Unser Haustechniker, Herr Allensteiner, führt bereits routinemäßig eine Überprüfung durch. Danach können wir den entsprechenden Mitarbeiter befragen."

"Und Du", sagte Moritz zu Tim, "kannst ja schon mal erzählen was du gesehen hast,“

Tim gefiel es offenbar, im Mittelpunkt zu stehen. "Das war ein dicker Mann mit so einer Brille ohne Gestell, einem Schnurrbart und grauen Haaren."

Die Polizisten hatten ihn auch in den Gängen gesehen. Ronjas Handy klingelte. "Ich glaube, ich weiß jetzt, wen du meinst", sagte sie zu Tim. "Das klingt wie Max Rimmele Er arbeitet ... warte mal kurz!" Sie hob ab und wandte sich dem Anrufer zu: "Ja ... haben Sie den Namen, Herr Allensteiner? ... Danke, das dachte ich mir schon." Sie legte auf, drehte sich wieder um und sagte: "Max Rimmele, tatsächlich. Er war im Zimmer!"

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Und hier gehts nun weiter mit dem Undercover Einsatz im Hotel Sonnenhof. Noch haben sie den Dieb nicht geschnappt, aber vielleicht dauert es ja nicht mehr lange. Übrigens werde ich in den nächsten Stunden und Tagen vereinzelt OneShots hier hochladen, die ich entweder so geschrieben habe, oder als Anfrage bekommen habe. Seid gespannt.

eure Lele
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