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In der Klemme

von Tatu
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Suspense / P18 / Gen
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
10.07.2021
06.11.2021
18
30.889
16
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Dieses Kapitel
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17.07.2021 2.054
 
Ermittlungen

„Es gibt in Alma weder ein Motel noch eine Pension. Wir müssen in Salem unterkommen, das ist nur wenige Minuten entfernt von Alma.“ Sam hatte im Internet bereits ein Motel gefunden.
Dean kniff die Augen voller Skepsis zusammen. „Salem, huh? Klingt nach Hexen.“
Typisch Dean. Sam fragte sich, ob sein Bruder wirklich nicht wusste, dass es mehrere Salems in den USA gab oder ob er die Bemerkung nur unbedingt loswerden wollte. Zur Sicherheit entschloss er sich, Dean aufzuklären. „Du meinst das Salem in Massachusetts, Dean.“
„Weiß ich doch.“
Dass Dean anscheinend doch nicht so unwissend war, erleichterte Sam. „Gut. Zuerst sollten wir zum Motel fahren, um unsere Sachen abzuliefern und ...“
„Und um zu essen!“, fiel ihm Dean ins Wort. Wie zur Unterstreichung seiner Worte knurrte dessen Magen.
Sam bemerkte dadurch seinen eigenen Hunger. „Meinetwegen. Wir haben ja genug Zeit.“ Er sah auf sein Handy, auf dem immer noch die Navigationsapp geöffnet war. „Wir kommen gleich an einem Diner vorbei. Lass uns die Burger mit ins Motel nehmen. Dann können wir noch ein bisschen recherchieren. Und anschließend sollten wir der hiesigen Polizei einen Besuch abstatten, vielleicht erfahren wir dadurch schon einige Details.“

Im Motel stürzte sich Dean auf sein Essen. Manchmal erinnerte er Sam an ein ausgehungertes Tier.
Sam stellte unterdessen seinen Laptop auf und loggte sich im Motel-WLan ein. Erst nachdem er die Nachrichtenseiten von Salem und St. Louis aufgerufen hatte, biss er von seinem Veggieburger ab.
„Und? Gibt es was Neues?“ Deans undeutliche Aussprache, weil er gerade einen großen Happen in den Mund geschoben hatte, regte Sam auf. Er hasste es, wenn der Ältere mit vollem Mund sprach. Eine Angewohnheit, die so tief in Dean verankert war, dass Sam irgendwann aufgegeben hatte, ihn zu ermahnen.
Sam trank einen Schluck Cola. Als er auf den Bildschirm blickte, verschluckte er sich beinahe. Der Hustenreiz, der darauf folgte, zwang ihn mit seiner Auskunft zu warten. Erst, als sich seine Kehle wund anfühlte und er einen weiteren Schluck genommen hatte, gelang es ihm krächzend zu antworten. „Es gibt ein weiteres Opfer!“
Dean riss die Augen auf. „Was?“
Sam überflog den Artikel des Salems-top-News-Artikels und fasste zusammen „Wurde heute Morgen gefunden. Diesmal ganz in der Nähe von Salem. Wieder fehlte das Herz.“
Dean verschränkte die Arme vor der Brust. „Das heißt, die Leiche ist wahrscheinlich in der Gerichtsmedizin eingetroffen, nachdem wir dort weggefahren sind.“
„Ja, nehme ich auch an.“
„Dann müssen wir bei dem hiesigen Sheriffs-Büro nachfragen, wann das Opfer gestorben ist. Wir wollten ja sowieso gleich hinfahren.“
Sam klappte seinen Laptop zu. „Sieht so aus.“

oO°Oo


„Bin ich froh, dass Sie da sind!“ Sheriff Grayson ließ sich in seinen Schreibtischstuhl plumpsen. Mit einer einladenden Geste bot er Sam und Dean an, Platz zu nehmen.
„Wir haben bereits von der Leiche, die heute Morgen gefunden worden ist, gehört. Leider waren wir schon weg, als sie eingetroffen ist. Können Sie uns mehr dazu sagen?“ Dean verlor keine Zeit.
Der drahtige Mittfünfziger atmete laut aus. „Bei der Toten handelt es sich um Sheila Burns. Sie war Lehrerin an der Grundschule hier in Salem. Ihr Ehemann hatte sie gestern Abend das letzte Mal gesehen, als sie das Haus verließ, um joggen zu gehen. Heute Morgen wurde ihre Leiche dann von einem Spaziergänger und dessen Hund gefunden. Den genauen Todeszeitpunkt kennen wir noch nicht. Die Gerichtsmedizin hängt ziemlich hinterher. Vielleicht können Sie ja da etwas Dampf machen. Macht bestimmt mehr Eindruck, wenn das FBI drängt.“
Sam nickte. Wobei er bezweifelte, dass Dr. Delwer mit mehr Druck den Berg Arbeit schneller erledigen könnte. Jeder wollte möglichst sofort die Ergebnisse seines Falls erhalten. Und so traurig es auch klang, bei St. Louis handelte es sich um eine Großstadt und da häuften sich eben die Verbrechen. Doch anstatt Sheriff Grayson zu erklären, dass die Gerichtsmedizin alles gab, um schnell, aber gründlich zu arbeiten, nickte Sam einfach. „Ja, wir haben schon die Leichen von Pete Samper und Malik Carmichael begutachtet. Dr. Delwer erwähnte, wie überlastet er und seine Kollegen sind.“
„Wir haben bereits die Angehörigen der Opfer und der Vermissten befragt, aber leider sind wir kein Stück weitergekommen. Die Jäger haben die Wälder durchforstet, auf der Suche nach infrage kommenden Tieren, aber weder Puma, Bär noch Wolf gefunden. Wahrscheinlich ist es doch ein Irrer, der hier sein Unwesen treibt.“ Der Sheriff seufzte. „Manchmal hasse ich diesen Job.“
„Ja, es ist erschreckend, was da draußen so rumläuft“, ließ Dean kryptisch verlauten.
Sam warf Dean einen Blick zu, der diesen zum Innehalten brachte. „Wir sind ja jetzt da und kümmern uns um den Fall. Sind im Umkreis von Alma oder Salem in den letzten Monaten neue Bürger zugezogen?“
Grayson dachte kurz nach. „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen.“
Anscheinend hielt der Sheriff es nicht für nötig, Frisch Zugezogene zu überprüfen. „Nun gut, Sheriff Grayson, wir werden erstmal nach Alma fahren und uns dort umsehen. Falls wir noch Fragen an Sie haben, melden wir uns.“

„Reinblütige Werwölfe! Verdammt. Das heißt, wir müssen ständig auf der Hut sein. Warum sollte es auch mal einfach gehen?“ Dean entlud die hochkochende Wut durch einen Schlag mit der Handfläche auf das Lenkrad.
„Wenigstens wissen wir es jetzt. Und wir müssen nicht mehr die zwei Tage abwarten.“ Sams Argumente beruhigten Dean etwas.

oO°Oo


Alma entpuppte sich als noch kleiner als Sam erwartet hatte.
An der Hauptstraße gab es lediglich ein paar Häuser. Sam erkannte einen Blumenladen, ein kleines Lebensmittelgeschäft und einen Schlachter. Sie fuhren gerade an dem Postamt vorbei, als Dean auflachte. „Dass es hier kein Motel gibt, überrascht mich nicht. Jedes Kuhkaff ist ja größer.“ Kaum hatte er den Satz beendet, erreichten sie auch schon ein Schild, auf dem stand: Sie verlassen jetzt Alma. Aufwiedersehen. „Nun, das war es bereits.“
Sam verdrehte die Augen. „Ich habe eben eine Nebenstraße gesehen und laut des Navis gibt es noch ein paar mehr. Dreh nochmal um und mach einen Schlenker durch den Ort.“
Dean wendete den Impala an der T-Kreuzung direkt nach dem Ortsschild. „Was verspricht du dir davon?“
„Ich denke, wir sollten die Einwohner befragen, ob ihnen etwas aufgefallen ist oder in den letzten Monaten jemand zugezogen ist. Ich habe einen Schlachter und einen Shop gesehen und laut Navi gibt es hier eine Kfz-Werkstatt.“
„Und wir sind eben an dem Postamt vorbeigekommen. Vielleicht wissen die was.“
Sam nickte. „Gute Idee.“
Dean hielt vor dem Postgebäude. Dabei handelte es sich um einen schnell hochgezogenen Flachbau.

Vor dem Tresen stand ein Kunde mit Stock und schütterem, weißem Haar. Hinter dem Schalter zählte ein Mann mittleren Alters Briefmarken ab. Er reichte die Marken durch die Durchreiche unterhalb der Glaswand. „So, Mr. Jenkins. Kann ich noch etwas für Sie tun?“
„Nein danke, Matthew“, krächzte Mr. Jenkins und holte seine Geldbörse aus der Jackentasche.
„Dann macht das vier Dollar und vierzig Cent“, verkündete Matthew.
Der alte Mann wühlte in seinem Portemonnaie und legte schließlich ein paar Geldscheine auf den Tresen. „Hier. Der Rest ist für die Kaffeekasse.“
„Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“
Kaum hatte sich Mr. Jenkins vom Schalter entfernt, trat Dean an den Tresen heran. Er klappte seinen FBI-Ausweis auf und hielt ihn gegen die Glasscheibe. „Wir haben ein paar Fragen wegen der Toten und Vermissten aus dieser Gegend.“
Sam gesellte sich zu seinem Bruder und hielt ebenfalls seine Identifikationskarte hoch.
Der Postangestellte zuckte die Schultern. „Ich hoffe, ich kann Ihnen helfen.“
„Wissen Sie, ob in den letzten Monaten jemand hierhergezogen ist?“ Dean steckte seinen Ausweis zurück in sein Jackett.
„Nein, nicht das ich wüsste. Aber vielleicht weiß Roy mehr.“ Matthew drehte sich um und rief: „Roy, komm mal nach vorne!“ Dann wandte er sich wieder Sam und Dean zu. „Roy ist unser Fahrer. Er sollte wissen, wenn es Neue in unserem kleinen Örtchen gibt.“
Ein dunkelhaariger Mann mit Bierbauch kam hinter den Regalen hervor und stellte sich neben seinen Kollegen. „Was’n los?“
„Das FBI will wissen, ob hier in den letzten Monaten Leute zugezogen sind?“, klärte ihn sein Kollege auf.
„FBI, ja?“ Roy pfiff. „Muss ja ganz schön wichtig sein. Ja, hinten die Broadway Avenue raus, da ist `ne Familie eingezogen. Brawnston oder so.“
„Entschuldigung, die Herren.“ Mr. Jenkins war zurückgekehrt. „Ich habe Ihr Gespräch zwangsläufig mitgehört. Ich wohne draußen in der Brubaker Road. Am Ende der Straße gibt es einen alten Hof direkt am Wald. Da hatte bis vor einem halben Jahr die gute Mrs. Landy gelebt. Leider ist sie verstorben. Aber neulich habe ich ein Auto dort auf dem Hof gesehen. Und hin und wieder sehe ich diesen Wagen bei mir vorbeifahren. Ist ein alter Ford mit Ladefläche. Vielleicht hilft Ihnen das ja weiter.“
Sam nickte. Das waren mehr Informationen, als er zu hoffen gewagt hatte. „Ja, danke. Wir werden das überprüfen.“

„Wir sollten beide Häuser unter die Lupe nehmen. Am besten sehen wir uns erstmal die Familie hier im Ort an.“
„Meinst du Mum und Dad Werwolf gehen nachts auf die Jagd nach Menschen, bringen am Morgen ihre Kinder in die Schule und trinken nachmittags Kaffee mit ihren Nachbarn?“
„Warum nicht? Vielleicht ist es ja auch nur Mum oder Dad. Wäre ja nicht das erste Mal. Wir hatten schon ganz andere Fälle.“ Sam erinnerte sich an Amy, seine Freundin, die eine Kitsune gewesen war. Sie hatte sich lange Zeit von den Hirnanhangsdrüsen von Leichen ernährt. Aber als ihr Sohn krank wurde, sah sie sich gezwungen, Menschen zu töten, um ihn zu retten. Dean hatte sie getötet, was er vor Sam geheimgehalten hatte.
Aber auch ein absurder Fall, der bereits viele Jahre zurücklag, fiel ihm wieder ein. Damals wurde er von einer Familie gefangen genommen, die Menschen wie Tiere in Käfigen hielt und sie dann freiließ, um sie zu jagen. Sam konnte von Glück reden, dass Dean mit einer Polizistin das Versteck ausfindig gemacht und ihn gerettet hatte.

Dean riss ihn aus seinen Gedanken. „Ich denke, der Fall ist klar. Die Neuen in der Brubaker klingen verdächtig.“
„Weil sie einen Pick-up fahren?“
„Nein, weil sie anscheinend etwas zu verheimlichen haben. Offensichtlich halten sie nicht viel davon, sich bei den Nachbarn vorzustellen oder sich im Ort sehen zu lassen. Die haben bestimmt Dreck am Stecken.“
Sam gab Dean insgeheim Recht. Das Verhalten war auffällig. Und Dean hatte schon immer das richtige Gespür für solche Sachen. Aber Sam wollte sichergehen und auch die zugezogene Familie unter die Lupe nehmen. „Deshalb checken wir ja auch beide.“

Das Haus der Familie Brawnston befand sich am nördlichen Ortsausgang. Sam vergewisserte sich über das Klingelschild, dass die Familie wirklich so hieß. Schließlich war der Postbote nicht ganz sicher gewesen.
Er klingelte. Von innen ertönte Bellen und kurz darauf vernahm Sam Kratzen an der Tür.
Eine Frau um die dreißig öffnete. In ihrem Arm trug sie ein Baby. „Bilbo mach sitz!“, befahl sie dem Australian Shepherd. Dieser setzte sich auf die Hinterpfoten. An Sam gerichtet fragte sie: „Was kann ich für Sie tun?“
Sam und Dean wiesen sich als FBI-Agenten aus. Sam übernahm das Gespräch. „Agents Johnson und Scott. Guten Tag. Wir ermitteln in den Todesfällen um Alma herum und haben ein paar Fragen an Sie.“
Sie zog die Stirn in Falten. „Warum an mich? Ich kannte die Toten ja nicht einmal. Wir wohnen erst seit einem Monat hier. Hätte ich schon beim Kauf gewusst, was hier in dem Ort Schreckliches passiert, wären wir hier gar nicht hierhergezogen.“
„Es handelt sich um ganz allgemeine Fragen, Mrs Brawnston. Sie sind also erst vor einem Monat eingezogen?“
„Ja.“
„Wann genau?“, hakte Dean nach.
„Am 20. Mai.“
Das war vor den letzten Morden und somit vor dem letzten Vollmond. Sam tauschte einen kurzen Blick mit Dean. Dann richtete er sich wieder an die Frau. „Können Sie uns sagen, wo Sie in der Nacht zum 29. Mai waren?“
„Oh, wieso? Sie verdächtigen doch nicht etwa mich?“ Mrs. Brawnston wirkte ehrlich geschockt.
Sam ließ nicht locker. „Es handelt sich um eine Standardfrage. Bitte antworten Sie.“
„Da waren mein Mann und ich im Krankenhaus in Salem. In der Nacht ist nämlich unsere Tochter geboren.“ Wie zur Bestätigung quengelte das kleine Bündel auf ihrem Arm.
Das war ein Alibi, an dem sich nicht rütteln ließ. „Ah, okay. Dann haben sich die anderen Fragen erübrigt. Vielen Dank.“

Sie setzten sich wieder in den Impala. Dean stieß die Luft aus. „Ich sag ja, es sind die in der Brubaker Road.“
„Wir werden es sicherlich bald erfahren. Also los. Dann sehen wir mal nach.“
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