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Ein Teil meiner Geschichte

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16 / Gen
09.07.2021
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Ich bin in Behandlung wegen einer depressiven Angststörung.

Meine Mutter und mein Vater sindim Sommer2016 beide an Krebs erkrankt. Innerhalb von einer Woche haben wir die Diagnose bekommen, dassmein Vater anLeukämie und meine Mutter an Gallen- und Leberkrebs erkrankt ist.

ImOktober des gleichen Jahresstarb meine Mutter. Wir haben siedieletzten verbliebenen Tage zuhause gepflegt.Zum Schluss war sie nicht mal mehr richtig bei Bewusstsein.

Nach zwei Chemotherapien gilt mein Vater mittlerweile wieder als genesen. Aber auch ihn hätte ich beinahe verloren.

Ich wollte nach meinem Abitur 2016 eine Ausbildung antreten, habe dann aber den Ausbildungsplatz abgesagt, um meine Mutter pflegen zu können.Im Jahr darauf habe ich eine Ausbildung angefangen.

Nach meiner Ausbildung wurde ich in einer Abteilung übernommen, in der ich jede Woche 45 bis 50 Stunden gearbeitet habe.Ich hatte eine Chefin, die es geschafft hat, dass ich morgens mit Magenschmerzen aus dem Haus bin.Ab da hatte ich regelmäßig Panikattacken.

Durch die Isolationin der Pandemie habe ich mich, wie die meisten auch, so einsamgefühlt wie noch nie. Ich konntemich aber auch nicht dazu aufraffen mich bei jemandem zu melden, weil ich das Gefühl hatte, dassdas was in meinem Kopf los ist, wirr und unverständlich ist.

Mir ging essehrschlecht. Ich konnte michnicht leiden und habe nicht einsehen können, wenn ich etwas gut gemacht habe. Ich habe alles Positive in meinem Leben schlecht geredet. Habe immer wieder darüber nachgedacht wie mein Leben in die Brüche gehen könnte.

Irgendwannwar ich an dem Punkt an dem eingestehen konnte, dass ich nicht mehr allein da rauskomme. Ich habe eine Therapie angefangen.

Als ich den ersten meiner Freunde erzählt habe, dass ich in Therapie bin, haben sie mich gefragt, warum ich das tue. Ich könnte doch mit ihnen reden. Sie haben nicht verstanden, dass es mir in den letzten Jahren wirklich schlecht ging und dass ich aus diesem Loch nicht mehr ohne Hilfe herauskam.

Nur wenige Menschen in meinem Leben akzeptieren was mit mir los ist und noch weniger können es verstehen.

Heute habe ich einen Bekannten getroffen, jemanden von dem ich dachte wir wären Freunde. Wir haben uns durch die Entfernung, Stress und die Pandemie eine ganze Weile nicht gesehen und nur telefonisch Kontakt gehalten. Er hatein Treffen für die nächste Woche vorgeschlagen. Da es sich mit einem Therapietermin überschneidet habe ich ihn vertröstet.eute habe ichH

Als erverstand,wieso ich nicht konnte, hat er mir erklärt, dass das alles nur in meinem Kopf stattfindet, dassdas Ausredenwären und ich mir das nur einbilden würde.

Das ist die Reaktion, die ich recht häufig bekomme, wenn ich darüber Rede.
Ich hasse es behandelt zu werden, als sei ich verrückt und würde nur nach Ausreden für meine Unzulänglichkeiten suchen.

Ich schreibe viel, um mit meinen Gefühlen zurecht zu kommen und normalerweise veröffentliche ich diese persönlichen Sachen nicht, aber heute wollte ich das einfach loswerden.

Danke für eure Aufmerksamkeit.
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