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London 1888

GeschichteAbenteuer, Horror / P16 / Mix
08.07.2021
14.10.2021
3
4.443
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14.10.2021 1.487
 
Die Luft in den Straßen stickig und von den Gassen kroch der unangenehme Geruch der Kanalisation hervor. Roy mochte diesen Geruch noch nie, jedoch hatte er keine andere Wahl als in diesen armen Teilen Londons zu leben. Doch hatte es auch seine Vorteile, er ist in diesen Gassen und Straßen aufgewachsen und wusste deshalb genau wo sich die meisten Obdachlosen aufhalten würden. Leise beobachtete er hinter Straßenecken oder Hauswänden einen Obdachlosen, welcher nicht mal mehr Beine hatte.
Er saß in einen kleinen Karren aus Holz mit welchen er sich, wenn nötig, bewegen konnte.
Es fing schon langsam an zu dämmern, doch Roy war dem Bettlerkönig immer noch kein kleines Stück näher gekommen. Frustriert warf Roy sich gegen eine Wand und sackte leicht zu Boden. Zuerst nahm er sie gar nicht war, doch dann wurde die Stimme immer präsenter.  >> Ey du. Na, haste keinen Erfolg? Kein wunder wenn man sich so dumm anstellt wie du<< Roy sah sich nach links und nach rechts um, sah aber niemanden.
>>Hier oben, du Trottel<<
Auf einen dem Hausdach gegenüber saß ein sehr ungepflegt aussehender, dürrer Mann. Sein lächeln hatte etwas von einem Verrückten. >>Wenn du willst, kann ich dir weiter helfen, aber wie alles im Leben kostet das<< scherzte der Mann und rieb seinen Zeigefinger und Daumen aneinander.
Roy zögerte kurz, bevor er dann auf das Angebot des Mannes einging: >>Wie viel willst du?<<
>>10 Schilling<< Als Roy die Zahl hörte, war er entsetzt. Schon 20 Schilling waren ein kleines Vermögen und fast keiner trug einen Pfund mit sich. Und erst recht nicht Roy.
>>Ich gebe dir 20 Pennys und wenn du noch mehr willst, gebe ich dir noch meine Faust!<< Vollkommen zufrieden mit dem Ergebnis nickte der verrückte Mann und grinste. Roy suchte das Geld raus, und widerwillig warf er dem Mann einen kleinen Beutel mit 20 kleinen Bronze Münzen hoch.
>>Du findest einen der Eintreiber am Borough Market südlich der Themse, viel Spaß hahhaha.<< Sagte der Mann mit einem merkwürdigen Lachen, bevor er über die Dächer verschwand.

Und so fand sich Roy kurz vor Sonnenuntergang am  Borough Market wieder und wartete auf Männer die verdächtig aussahen.
Er hatte keine Ahnung wie diese Eintreiber aussehen würden, oder wo genau er sie auf diesen großen Markt finden könnte. Er glaubte schon das er reingelegt wurde, als ihm ein großer breiter Mann, mit einer dunklen Robe und die schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen auffiel. Unbemerkt schlich sich Roy hinter dem verdächtigen Mann her.
Er folgte ihm über die Blackfriars Bridge und noch um einiges weiter. Als es schon so dunkel war, dass die ersten Straßenlaternen anfingen zu leuchten, bemerkte er endlich wo sie waren.
Sie befanden sich im Stadtteil Whitechapel im East End. Der Stadtteil der im Moment in aller Munde aufgrund des Mörders Jack the Ripper war. Das Ziel war ein unauffälliges, kleines Fabrikgebäude.

Als Roy dieses betrat, sah er an den Wänden große Schmelzöfen und viele Arbeiter und Obdachlose durch die Gegend laufen. Am anderen Ende der Halle war eine weitere Ebene mit einem Balkon aus Stahlgittern, von den man die Halle überblicken konnte. Auf diesen Balkon stand ein Mann mit einer alten, kaputten Brille, einem zerzausten Bart und einem alten Hut auf dem Kopf.
Doch sah Roy ihn nur kurz, bevor dieser sich weg drehte und in einen Raum dahinter verschwand. So leise wie es nur möglich war, schlich sich Roy an den Arbeitern und Eintreibern die Treppe nach oben und kniete sich vor die Tür des Raumes, in den gerade der Bettlerkönig verschwunden ist.
>>Rodric, wir haben wieder einen der nicht zahlen wollte<< zugleich hörte er das flehen eines Mannes hinter der Tür.

>>Schon wieder? Sägt ihm ein Bein ab, dann geben ihn die Leute in Zukunft vielleicht mehr Geld, damit er nicht auch noch sein zweites Bein hergeben muss.<< Das flehen des Mannes wurde lauter und lauter. Doch bevor Roy noch mehr hören konnte, packte ihn eine kräftige Hand am Kragen und zog ihn hoch.
Einen Moment später fand Roy sich in den Raum wieder, an dessen Tür er gerade noch gelauscht hatte. Er wurde gezwungen sich zu setzen und gegen über sah er Rodric, den Bettlerkönig. Ein alter, schon durchlöcherter Hut lag auf seinen Kopf und auf der Nase trug er eine leicht verschmutze Glasbrille. Ein dunkler Mantel hing an seinen Schultern und in der rechten Hand hielt er ein noch halb volles Weinglas.
>>Ich wette, du bist nicht einfach so zum Spaß hier her gekommen, oder liege ich da falsch?<< Wurde Roy von Rodric gefragt. In die Stille hinein konnte Roy die Schreie eines Mannes hören und er bezweifelte nicht, dass sie von dem armen Bettler kamen, der gerade sein Bein verlor.

>>Wenn du schon so fragst: du hast doch sicherlich was von dem Brand gestern an den St. Katharine Docks mitbekommen, oder?<<
>>Ich seh schon, du willst von mir wissen ob ich weiß wer das war, oder? Ha ha. Ich weiß es nicht, aber ich kanns mir denken wer es war.<< Roy platze fast vor Spannung.

>>Du musst wissen, ich bekomme längst nicht alles mit, aber in den letzten paar Monaten höre ich immer wieder von einen Treffen sehr einflussreicher Männer Londons. Dem einen gehört die Isle of Dogs . Kennst du sicherlich, diese Halbinsel östlich von hier an der Themse mit den großen Docks...<<   während Rodric sprach ging er um den kleinen Tisch mit seinem kristallenen Weinglas.
>>... dem zweiten gehören viele Fabriken hier in London. Ein fetter Sack, der seine Arbeiter bis zum Tod ausbeutet. Der dritte ist mir nicht bekannt. Doch kann ich mir gut vorstellen das er auch an dem Brand beteiligt war...<<  Roy war nicht wirklich zufrieden mit den Informationen die er bekommen hatte. >>Da war ein Mann.... mit einer Pestmaske.<<
Rodric blieb kurz verwundert stehen.
>> du warst also dort?... Ein Mann mit einer Pestmaske? Das macht es alles Interessant. Aber darum musst du dich nicht weiter kümmern...<<  >>Sägt seine Beine ab, dann wird er in Zukunft weniger herum spionieren können, und zudem kann ich immer neue Bettler gebrauchen<< ohne weitern Kommentar wandte sich Rodric ab und verließ den Raum.

Roy wand sich im Stuhl und mit aller Kraft konnte er sich aus den Griffen Rodrics Schlägern bereifen. Den einem Schlug er den Kopf auf den Tisch und konnte darauf hin gerade noch rechtzeitig dem Schlag des zweiten Mannes ausweichen. Geschwind eilte er aus dem Raum in die große Halle und das erste was ihm ins Auge viel waren die großen Schmelzöfen.
Das heiße Feuer könnte wenn es außer Kontrolle geriet verheerenden schaden anrichten. Unten angekommen setzte er mit einer simplen Hebelfunktion einen der Schmelzöfen außer kraft und die alten Ziegelsteine vielen auf den nächsten Ofen.
Eine Kettenreaktion aus zusammenfallenden Schmelzöfen setzte die Arbeiter in Panik. Roy, welchem immer noch der zweite Schläger an den Fersen hing. konnte gerade noch fliehen, bevor das Fabrikgebäude Feuer fing.

Zur gleichen Zeit als die Fabrik Feuer fing, stand der alte Cop an der niedergebrannten Lagerhalle an den St Katharine Docks.
Arthur war sein Name, und während dieser sich gerade eine Zigarette an machte, schaute er seinen Jungs zu, wie diese in dem eiskalten Wasser der Themse nach den vermeintlichen Leichen suchten. Ein aufgeregter, junger Polizist rannte in seine Richtung. Mit der einen Hand hielt dieser noch seinen Hut fest, als er schon anfing zu reden. Hastig und völlig außer Atem deutete er mit starken Artikulationen in den Himmel und die Rauchwolke die über Whitechapel aufging. Leise fluchte Arthur und spuckte aus.
Er winkte einen alten Freund von sich rüber. James. Groß, blonde kurze Haare und nicht mal 40 Jahre alt.
>>Siehst du diese Rauchwolke da?<< fragte Arthur und deutete in die gleiche Richtung wie der junge Polizist nur wenige Augenblicke zuvor gezeigt hatte. >>Klar, wie könnte ich die denn übersehen. Was ist mit der?<< Arthur machte eine kurze Pause und zog an seiner Zigarette:
>>Ich glaube wir haben noch ein Problem mein alter Freund.<<
sagte dieser bevor er den Rauch aus seinen Lungen ließ...

Ein dunkler Raum wurde nur von einer kleinen Kerze erhellt.
Ein großer, runder Tisch war zu sehen. Um diesen standen eine Hand voll Leute, doch einer stach besonders hervor. Er trug einen alten, durchlöcherten Hut und auf seinen Schultern lag ein alter, schwarzer Mantel, welcher jedoch an mehreren Stellen Brandspuren vorwies. Der schein der Kerze reflektierte in den Gläsern seiner Brille. Man hörte wie er frustriert mit der Faust auf den Tisch schlug.
>>Bringt mir diese verfickte Ratte... lebend!<<
 
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