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Die Zwerge

von - Leela -
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
08.07.2021
08.07.2021
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3.790
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Nicht jeder Ghostbusting-Auftrag ist im ersten Moment das, was er zu sein scheint. So dürfen Jake, Eddy und Tracy bei diesem Abenteuer überrascht sein, was sie erwartet.
      Anm. d. Aut.: Diese Geschichte wurde für das phantastische Projekt »Schreib meine Geschichte« von Caralia geschrieben. Die Vorgabe war Nummer 41 mit dem Titel »Die Zwerge« (Markus Heitz).



Die Zwerge

Hin und wieder kam es vor, daß die Ghostbuster einen Auftrag untertage bekamen. Die nachfolgende Geschichte ist so eine, wo das passierte. Aber dennoch beschreiben Eddy, Jake und Tracy diesen Einsatz als einen der bemerkenswertesten, die sie je hatten.

Die Geschichte beginnt mit einem Telefonanruf. Das an sich war nichts ungewöhnliches. Im Gegenteil, eher war es an der Tagesordnung, daß ein Klient sich per Telefon bei ihnen meldete. Und auch der Tenor des Gespräches war eher sehr üblich für das Berufsfeld des Ghostbuster-Services.
      Tracy war als erster am Apparat und nahm Ansabones Hörer ab. „Hallo?“
      „Hallo… Hallo… Hallo…“ echote das Ansabone. Auch das war Standard. Denn im Ghostbusterbüro stand kein normales Telefon, sondern ein Original Skelefon, mit ganz eigenem Humor. Oft genug nahm das schädelförmige Telefon den Anruf schon an, bevor überhaupt einer der Jungs Gelegenheit bekam, den Hörer zu nehmen, und verschreckte die Anrufer mit seinen Späßen. Diesmal war Tracy zu schnell gewesen.
      Die grimmige Miene des Gorillas und die drohend geballte Faust brachten das Skelefon schnell zur Ruhe. In der Hinsicht war die natürliche Autorität des kräftigsten Teammitglieds wahrlich Gold wert. Jetzt konzentrierte sich Tracy erst einmal auf den Anruf. Und das war auch vonnöten, denn die Stimme am anderen Ende klang sehr aufgeregt. Wie gesagt, alles in allem war es ein sehr gewohnter Verlauf, im Ghostkommando.
      Das Gespräch ergab für das Ghostbuster-Team folgende Informationen: In einer alten Miene sollte es spuken. Es war von unheimlichen Geräuschen die Rede, die aus den Stollen kamen. Das klang nach einem Routine-Auftrag für die Ghostbuster. Auch wenn Eddy nicht ganz wohl bei dem Hinweis war, daß sie am Eingang auf ein Hinweisschild treffen würden, welches darauf hinwies, daß die Miene geschlossen war, und welches sie für ihren Auftrag zu ignorieren hatten…

Mit dem Ghostbuggy war das Team schnell am Einsatzort. Im Flugmodus war das Einsatzfahrzeug der Ghostbuster schneller als so manches Flugzeug, dadurch, daß es auch durch die Dimensionen reisen konnte. Jetzt standen Jake, Eddy und Tracy am Eingang der besagten Miene und sahen sich die Sache erst einmal von außen an.
      Eddy ließ den Blick über die nahe Umgebung schweifen. „Mir wäre wohler, wenn jemand hier wäre, um uns in Empfang zu nehmen und uns zu begleiten, und uns alles zu zeigen und so…“
      „Haben wohl zu viel Angst.“ kürzte Tracy den Monolog seines Partners ab.
      „Es ist ja auch unser Job, dafür zu sorgen, daß hier alles wieder sicher ist.“ brachte Jake es auf den Punkt.
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Aber wenn das ganze hier sowieso schon in dem unterirdischen Stollen stattfindet, der geschlossen ist, und wo niemand mehr rein kann, warum lassen wir dann nicht alles, wie es ist? Sollen die Geister doch da unten rumspuken!“
      „Eddy, wir können die Geister da nicht einfach rumspuken lassen!“ tadelte Jake. „Was ist, wenn sie an die Oberfläche kommen? Darüber schon mal nachgedacht? Davon abgesehen ist nicht gesagt, daß niemand hier herkommt! Vielleicht müssen ab und zu Leute hier her, oder der Stollen soll irgendwann wieder aufgemacht werden, oder was weiß ich? Spätestens dann müssen die Geister verschwunden sein!“
      „Ist ja schon gut.“ grummelte der mollige Ghostbuster.
      Während die beiden Jungs diskutierten, sah Tracy sich bereits den Zugang an. Der Gorilla inspizierte die Holzbalken genau, die dilettantisch kreuz und quer angebracht waren, und allenfalls als Hinweis galten, daß der Stollen geschlossen war, aber niemanden wirklich davon abhalten konnten, die einstige Mine zu betreten. Ein Hinweisschild auf der rechten Seite sagte: „Geschlossen – Betreten verboten!“ Er legte ein Ohr gegen die halbherzige Barrikade und lauschte.
      Jake und Eddy beendeten ihre Debatte, als sie von Tracy einen eindeutigen ärgerlichen Wink bekamen, ruhig zu sein. Der Gorilla lauschte aufmerksam. Aus dem Stollen kamen Geräusche. Es waren verschiedene, und er konnte sie nicht eindeutig zuweisen.
      „Hast du schon eine Idee, womit wir es zu tun haben?“ erkundigte sich Jake, als sein Partner sich wieder aufrichtete.
      Tracy schüttelte den Kopf. „Keine Spur.“
      Jake und Eddy wechselten einen Blick. Das war ungewöhnlich! Normalerweise hatte Tracy, als ältestes und erfahrenstes Mitglied des Teams, immer irgendeinen Ansatz. Doch dieses Mal wirkte er ratlos.
      „Hilft nur eins. Reingehen!“ brachte Tracy es auf den Punkt.
      Eddy rollte die Augen. „Warum habe ich das geahnt…?“
      „Vielleicht, weil du unsere Arbeit kennst!“ Jake klopfte seinem Partner auf den Arm und folgte Tracy, der sich bereits zwischen den Holzbalken hindurch ins Innere der Mine schob.
      Eddy atmete tief ein, hielt die Luft einen Moment an und stieß sie wieder aus. Genau das gefiel ihm gar nicht, in einem alten Minenschacht herumzustromern und Geister zu jagen. Aber das war nun einmal Teil seines Jobs, und so fügte er sich in das unvermeidbare. Hinter Jake schob er sich durch die Balken, und sah sich den jetzt nur noch von Tracys Taschenlampe erhellten Gang an, der in dem Licht schon unheimlich genug war. Er nahm seine eigene Taschenlampe zur Hand und achtete darauf, dicht bei seinem Team zu bleiben.
      Je weiter sie sich vorarbeiteten, desto lauter wurden die Geräusche. Sie versuchten, sie zu analysieren. Ein… Summen, ein… Hämmern? Ein Grollen! Langsam wurde Jake und Eddy klar, warum Tracy mit den Geräuschen nichts hatte anfangen können. Es war nichts was sie spezifisch einer Kategorie von Geistern zuordnen konnten.
      Eddy wurde leicht nervös. Er mochte es nicht, wenn sie nicht wußten, was sie erwartete. Kannte man eine Sorte von Geistern schon, wußte man zumindest, worauf man sich einließ. Bei neuen Geistern fing man wieder von vorne an. Waren sie harmlos oder gefährlich? Einfach oder schwer zu busten? Wo kamen sie her, was war ihre Intention?
      Der Gang führte die Ghostbuster immer tiefer in den Berg hinein. Auf einmal konnten sie einen Lichtschein wahrnehmen. Lumineszierende Geister! Wunderbar, die leuchtenden mochte Eddy besonders gerne!
      Tracy schob sich vorsichtig und aufmerksam immer weiter nach vorne. Jake folgte mit seiner gewöhnlichen Portion Neugierde. Eddy wäre am liebsten wieder umgedreht.
      Je weiter sie kamen, desto heller wurde es. Tracy konnte schon das Ende des Ganges ausmachen. Schließlich schaltete er die Taschenlampe ab und steckte sie ein. Das war kein Geist, der das Licht produzierte! Auch die Geräusche wurden immer lauter. Man konnte sie jetzt klar und deutlich hören. Wenige Schritte weiter blieb er stehen und sah sich beeindruckt um. Er stand am Rande einer riesigen Höhle, der einstigen Mine. Und doch war das was er sah das letzte, womit er gerechnet hätte.
      Er machte etwas Platz, damit Jake und Eddy aufschließen konnten, um sich das Spektakel ebenfalls anzusehen. Die beiden blieben am Rand der Höhle stehen und staunten. „Zwerge?“ hauchte Jake.
      In der Tat herrschte in der Mine rege Betriebsamkeit. Das Licht kam von unzähligen Laternen, die an Wandhalterungen angebracht waren. Auf mehreren Ebenen arbeiteten dutzende kleiner Zwerge mit Spitzhacken, Schaufeln und Schubkarren, Loren, die auf einem Schienensystem durch den ganzen Berg fuhren.
      „Wie im Märchen…“ entfuhr es Eddy verzaubert.
      Tracy lächelte. „Erklärt es. Keine Geister.“
      Jake wußte nicht, ob er in seiner Faszination nicht auch ein bißchen enttäuscht sein sollte. Er hatte sich schon auf eine spannende Geisterjagd eingestellt. „Stimmt. Das alles ist gar nicht so dramatisch. Wir müssen den Leuten aus dem Ort nur sagen, daß Zwerge hier in der Mine arbeiten, und die Geräusche von ihren Arbeiten kommen.“
      „Und ihrem fröhlichen Summen!“ Eddy strahlte. „Ob sie etwas dagegen haben, wenn wir uns ein wenig umsehen?“ Plötzlich war sein Enthusiasmus geweckt. Jetzt, wo es nicht um Geister ging, konnte er sich ohne weiteres auf den Zauber einlassen.
      Tracy zeigte die Treppe hinunter auf den großen Platz. „Können uns von dort bestimmt vorsichtig alles ansehen.“
      Sachte, möglichst ohne viel Aufsehen zu erregen, gingen die drei die Treppe auf den Platz herunter. Von dort aus hatte man einen gewaltigen Überblick über die Aktivitäten im Stollen. Überall waren geschäftige Zwerge am Werk und bauten summend auf diversen Ebenen bis hoch unter die Decke Mineralien ab.
      „Kein Wunder, daß das Volk hier alarmiert gewesen ist!“ kommentierte Jake.
      Ein paar Minuten sahen sie fasziniert zu, wie die gerade mal vielleicht 30 bis 40 Zentimeter großen Zwerge vor sich hin arbeiteten, bis Tracy sagte: „Wollen nicht länger stören.“
      Eddy hätte noch Stunden zusehen können, doch er wußte, sein Freund hatte Recht. Sie waren uneingeladen hier, und sicher wurde das nicht gerne gesehen.
      Die drei wandten sich gerade zum gehen, als sie plötzlich angesprochen wurden. „Sie sind die Ghostbuster, richtig?“
      Überrascht sahen die drei zu dem Zwerg herunter, der sie angesprochen hatte. „Ja.“ bestätigte Jake automatisch.
      „Gott sei Dank! Kommen Sie bitte mit. Ich erkläre Ihnen dann alles. Gut, daß Sie so schnell kommen konnten.“
      Die drei Ghostbuster wechselten überraschte Blicke. Das war eine unerwartete Wendung der Ereignisse…

In einer kleinen Nebenhöhle, die wie ein Büro eingerichtet war, gab es Sitzplätze. Jake, Eddy und Tracy nahmen trotzdem auf dem Boden Platz, da sie zu groß dafür waren.
      „Noch mal eben, damit ich es richtig verstehe.“ hakte Jake ein. „Sie haben uns kontaktiert?!“
      „Richtig.“ bestätigte der Zwerg. „Wir haben ein großes Problem. In einem der tieferen Stollen spukt es. Wir können nicht mehr in ihm arbeiten, und haben dadurch hohe Verluste.“
      Eddy und Jake sahen sich gedankenvoll an. All ihre Theorien über Geister und Zwerge waren mit einem mal über den Haufen geworfen. Und dennoch ergab plötzlich alles einen Sinn. Eddy schluckte. Die Hoffnung, um den Geisterjägereinsatz herumzukommen, löste sich gerade in Luft auf.
      „Sie wirken irritiert.“ stellte der Zwerg fest.
      „Ja, ich… Wir waren zuerst davon ausgegangen, daß der Auftrag aus dem Ort kam, und dachten, Ihre Aktivitäten hier hätten die Menschen aufgeschreckt.“ erklärte Jake.
      „Die Menschen aus dem Ort wissen, daß wir hier arbeiten.“ erklärte der Zwerg. „Sie haben uns die Mine überlassen, damit wir hier arbeiten können. Deswegen auch das Schild zu Beginn, damit wir hier etwas mehr Ruhe haben.“
      „Ah…“ Jake war nicht so einfach zu beeindrucken, jetzt war er aber doch fasziniert. „Okay, gut. Bitte erzählen Sie uns etwas über den Geist.“
      „Geist oder Geister, wir wissen nicht, wie viele es sind.“ begann der Zwerg. „Was auch immer es ist, es macht sich durch ein unheimliches Heulen in den Stollen bemerkbar. Zuerst dachten wir an ein gefangenes Tier. Zwerge sind nicht so einfach zu erschrecken, wissen Sie? Was wir fanden, war aber etwas anderes. Wolken, die Jagd auf uns machten. Bei jeder Bewegung erzeugen sie dieses Heulen. Allerdings verändert sich die Gestalt ständig. Daher können wir nicht sagen, aus wie vielen Teilen sie besteht. Bei den letzten Arbeiten im Stollen zeigten sie sich zuerst. Das Arbeiterteam aus dem Stollen erzählte uns, wie das Wesen plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Es war gespenstisch.“
      „Na, herzlichen Glückwunsch.“ kommentierte Eddy. Jake stieß ihn in die Rippen.
      „Die Geräusche hören sich in den Stollen noch gewaltiger an, durch den Widerhall.“ erzählte der Zwerg weiter. „Nichtsdestowenigertrotz, dieses Wolkenwesen spukt durch den Stollen und bedroht die Arbeiter. Wollen Sie sich darüber selbst ein Bild machen?“
      „Das werden wir müssen!“ stellte Jake fest. Er sah zu seinem Kameraden zu seiner rechten. „Tracy, hast du den Spuk- und Geistererscheinungsfeldstärkenmesser dabei?“
      „Oki Doki!“ bestätigte der Gorilla.
      „Gut, ich stelle ein Team zusammen, das Sie begleiten wird.“ Der Zwerg stand auf. „In den Stollen sollten Sie nicht ohne Führung unterwegs sein.“
      Das wiederum beruhigte Eddy. Sie waren nicht allein unterwegs. Sie folgten ihrem Auftraggeber zurück in die große Höhle und warteten, bis er mit einem Team von Zwergen zu ihnen zurück kam. Vier Zwerge begleiteten sie. Eddy konnte sich nicht helfen, er wußte nicht genau warum, aber sieben wären ihm lieber gewesen.
      Dafür ging die kleine Prozession stilvoll los, jeder der Zwerge hatte eine kleine Laterne in der Hand, die allerdings ein effektives Licht spendeten. Es ging nun noch tiefer in den Berg hinein, und die Ghostbuster konnte sich den Arbeitsplatz der Zwerge genauer ansehen.
      „Leben Sie auch hier?“ wollte Tracy neugierig von den Zwergen wissen. Im allgemeinen redete der Gorilla nicht viel, nur das notwendigste, es mußte ihn also wirklich interessieren.
      „In der Tat.“ bestätigte einer der Zwerge. „Es gibt Wohneinheiten hier im Berg. Viele kommen aber auch von außerhalb und leben in einem Zwergendorf im Wald.“
      „Und die Mineralien, die Sie hier abbauen, verkaufen Sie die?“ hakte Jake sich ins Gespräch mit ein.
      „Oder tauschen. Sie sind gültiges Zahlungsmaterial unter uns Zwergen.“ erklärte ein anderer Zwerg.
      Eddy war viel zu fasziniert, um eine Frage zu stellen. Jetzt hieß es allerdings auch schon, aufmerksam zu werden. Die Zwerge wurden langsamer im Schritt. Einer von ihnen deutete in eine Richtung. „Der Stollen, um den es geht, liegt dort.“
      Automatisch lauschten die sieben. Erst in dem Moment ging Eddy auf, daß sie insgesamt zu sieben waren. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich automatisch besser. Noch war nichts zu hören.
      Vorsichtig gingen sie weiter. „Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen der Geist besonders aktiv ist?“ erkundigte sich Jake leise.
      „Wir konnten kein System feststellen.“ erläuterte einer der Zwerge. „Das ist ganz unterschiedlich.“
      „Aber, bleibt der Geist nur in dem einen Raum?“ fragte nun doch Eddy.
      „Bis jetzt ja.“ wurde seine Annahme bestätigt. „Es erscheint immer dann, wenn wir in dem Stollen aktiv sind. Wir vermuten, daß es uns an der Arbeit hindern will.“
      Tracy kramte in seinem Ghostpack und holte bereits den Spuk- und Geistererscheinungsfeldstärkenmesser heraus. Kurz bevor sie den Eingang zu dem tieferen Stollen passierten, schaltete er das Gerät ein. Es gab sofort einen leichten Ausschlag.
      Als sie in die Höhle kamen, erwartete sie eine gespenstische Atmosphäre. Vom Grundsatz her sah dieser Raum genau so aus wie der erste, mit den vielen Ebenen und dem Arbeitsmaterial. Doch hier arbeitete niemand. Keine summenden Zwerge.
      Tracy ging mit dem Meßgerät einmal durch die Höhle. Hier und da wurde der Ausschlag der Geisterenergie größer.
      Jake wandte sich an die Zwerge. „Aus Sicherheitsgründen warten Sie bitte vor der Höhle und lassen Sie uns unsere Arbeit machen.“
      Die Zwerge nickten und verließen den Raum.
      Eddy wollte brüllen: ‚Neein!‘ Jede Person in seiner Nähe trug gerade zu seiner Beruhigung bei. Statt dessen sah er den Zwergen nach und biß die Zähne zusammen. Er griff schon mal nach dem Ghostgummer, um den Geist im Zweifel gleich festsetzen zu können, wenn er auftauchte.
      Tracy sah sich die Wände näher an.
      „Kann es sein, daß die Geisterpräsenz erst ausgelöst wird, wenn sich jemand hier in dem Raum befindet?“ mutmaßte Jake.
      „Gut möglich.“ bestätigte Tracy.
      „Die Zwerge sprachen von einer Wolke. Die kann natürlich sehr unauffällig sein, wenn sie inaktiv ist.“ sinnierte Jake.
      „Sind Wolkengeister nicht in der Regel ungefährlich?“ erinnerte sich Eddy. Er freute sich jetzt schon auf Jakes Bestätigung.
      „In der Regel ja. Sie haben kein Bewußtsein, und damit keine zielgerichtete Intention.“ erwiderte Jake. „Es ist nur die Frage, ob das hier ein klassischer Wolkengeist ist, wenn er sogar die Zwerge in die Flucht schlägt.“
      „Na, herzlichen Dank!“ bemerkte Eddy, was so viel hieß wie, den zweiten Teil hätte er sich auch sparen können.
      Tracy hatte eine kleine Spitzhacke zur Hand genommen und betrachtete sie. Vorsichtig klopfte er damit gegen den Stein.
      Jake schmunzelte. „Guck mal, Tracy betätigt sich als Zwerg.“ raunte er seinem Kumpel zu. Er hatte kaum ausgesprochen, als sich plötzlich etwas in der Höhle tat. Nebel stieg auf und verdichtete sich in einer Wolke.
      „Ich würde eher sagen, er hat etwas ausgelöst!“ schrie Eddy auf.
      Tracy wirbelte herum und betrachtete die Wolke, die durch den Raum zu spuken begann. Mal teilte sie sich in kleinere Wolken auf, dann floß sie wieder zusammen. Der Gorilla betrachtete die Anzeigen auf seinem Gerät. „Hm, wie ich mir dachte. Verselbständigte Energie!“
      Jake wollte gerade schon mit dem Dematerialisator auf die Wolken losgehen, als Tracy ihm mit einer Geste Einhalt gebot. Statt dessen zog der Gorilla eine Sprühflasche aus dem Ghostpack.
      „Keine klassischen Geister. Reine Energie. Dematerialisator kann nichts ausrichten.“ erklärte Tracy.
      Eddy beobachtete, wie sein Kamerad die Wolken gezielt mit der Sprühflasche einnebelte, und sich die Energie daraufhin neutralisierte. „Natürlich. Reine Energie kannst du nicht in die Geisterzwischendimension schicken.“ erinnerte er sich. „Aber du kannst sie neutralisieren, mit dem Geisterspray!“
      Tracy ging einmal akribisch den Raum durch und löste alle Wolken auf.
      „Okay, aber was machen wir jetzt?“ fragte Jake in den Raum. „Ist das Problem jetzt gelöst?“
      „Fürchte, das kann immer wieder passieren.“ vermutete Tracy. „Deswegen werden wir Zwerge jetzt anlernen!“
      „Auf das Geisterspray?“ fragte Eddy überrascht, und Tracy nickte.
      „Reproduzieren Echteinsatz und zeigen ihnen, wie es geht.“ Der Gorilla drückte Jake die Flasche in die Hand.
      „Ah, damit sie sich in Zukunft selbst helfen können, wenn das passiert!“ Jake lächelte. „Na, das ist doch mal ein eher unklassischer Busting-Einsatz.“
      „Obwohl das gar nicht so selten vorkommt, mit der Energie.“ schmunzelte Tracy. „Eddy, sag mal Bescheid.“ Er nickte zum Eingang.
      „Ja!“ Ein bißchen aufgeregt über die tolle Lösung lief der mollige Ghostbuster los, um die Zwerge wieder hereinzuholen, die draußen vor der Tür warteten.
      Man konnte ihren Auftraggebern ansehen, daß sie sehr neugierig auf die Lösung des Problems waren, und so begann Jake zu erklären: „Also, wir haben herausgefunden, wo das Problem liegt. Und zwar scheint sich hier, bei der Bearbeitung des Stollens, eine Energie zu verselbständigen.“
      „Salzgeister!“ brachte Tracy es auf den Punkt und zeigte auf den Stein. „Energie verdichtet sich, beim bearbeiten der Salzadern.“
      Die Zwerge wirkten etwas ratlos ob der Analyse. „Aber kann man dem Problem denn beikommen?“ fragte einer von ihnen. „Es wäre nicht auszudenken, wenn wir diesen Stollen nicht mehr bearbeiten könnten!“
      „Oder vielleicht andere auch nicht mehr!“ gab ein anderer Zwerg zu bedenken.
      „Es gibt eine sehr einfache Lösung.“ erklärte Jake zur Beruhigung der vier. „Und wir hoffen, daß wir es Ihnen jetzt gleich demonstrieren können.“ Er hielt sich mit der Sprühflasche bereit, während Tracy noch einmal den Stein mit der Spitzhacke bearbeitete.
      So wie von dem Team beabsichtigt, entstand tatsächlich nach kurzer Zeit einer der berüchtigten Geister. Als die Wolke aufkam, sprühte Jake sie zur Demonstration mit dem Geisterspray ein, und die Wolke löste sich auf.
      „Die Energie muß neutralisiert werden. Das ist das ganze Geheimnis.“ erklärte er den Zwergen. „Das Spray lassen wir Ihnen hier, damit Sie sich in Zukunft selbst helfen können.“
      Die Aussicht löste Freude unter den Zwergen aus. „Das bedeutet, wir können den Stollen bald wieder bearbeiten!“ freute sich einer von ihnen.
      „Das sind gute Neuigkeiten!“ stimmte ein anderer fröhlich ein.
      „Wenn Sie wollen, können Sie direkt heute damit anfangen.“ Jake machte eine einladende Geste. „Wir wickeln nur die Formalitäten mit Ihrem Büro ab, und dann können Sie loslegen.“
      Eddy fand es ganz erstaunlich, wie schnell die Stimmung von Niedergeschlagenheit zu purer Euphorie unter den Zwergen umschlagen konnte. Fröhlich brachten sie ihre Besucher zurück zur großen Höhle bei dem Eingang, und spätestens jetzt waren die drei Ghostbuster froh, die Führung bei sich zu haben. Mindestens Jake war sich sicher, er würde sich bestimmt ein oder zwei Mal verirrt haben, hätte er nicht die ortskundigen Zwerge bei sich gehabt…

Die Formalitäten waren schnell geregelt. Man merkte dem Zwerg, der sie eingeladen hatte, seine Erleichterung deutlich an, als er zu wissen bekam, daß das Problem gelöst war.
      Der Zwerg begutachtete die Flasche interessiert. „Wie lange hält das Spray?“
      „Unendlich.“ erläuterte Tracy. „Inhalt geht nicht aus.“
      „Das ist eine spezielle Technik, die Tracy hier bei der Entwicklung des Sprays angewandt hat.“ fügte Jake hinzu. „Das ist alles im Preis mit inbegriffen.“ Er klopfte auf den Quittungsbeleg, der auf dem Schreibtisch im Zwergenbüro lag.
      Das Strahlen auf der Miene des Zwerges wurde noch ein wenig breiter. „Das ist großartig! Unser Dank ist Ihnen gewiß!“
      „Gern geschehen.“ Jake stand auf, und Eddy und Tracy folgten seinem Beispiel. „Sollte es noch Probleme geben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.“
      „Das werden wir. Wir werden Sie guten Gewissens weiter empfehlen.“ Der Zwerg brachte sie noch bis zum Eingang. Auf dem Rückweg konnten die drei noch eine Weile lang die faszinierenden Arbeiten der Zwergengemeinschaft in dem Stollen beobachten, und dem fröhlichen Summen lauschen, das jetzt noch eine Nuance fröhlicher wirkte, als die frohe Kunde ihre Runde machte.
      Als die drei zurück an die Oberfläche gelangten, atmeten sie erst einmal tief durch. Was für ein Abenteuer!
      „Hättet ihr mit so etwas gerechnet?“ fragte Jake entgeistert.
      Tracy schüttelte den Kopf. „Nope!“
      „Ein richtiger Zwergenauftrag.“ grinste Eddy. „Ich wußte nicht einmal, daß es wirklich richtige echte Zwerge gibt, die hier in den Stollen arbeiten.“
      „Ich bis vor kurzem auch nicht!“ lachte Jake. „Ich dachte echt, die Zwerge wären das, was hier für Geister gehalten wird.“
      Langsam machten sich die drei auf den Weg zurück zum Ghostbuggy, und unterwegs wurde noch viel über Zwerge, Geister, und den gerade erlebten Einsatz philosophiert.
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