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But I'm only human...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
07.07.2021
18.10.2021
7
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"Tom, kommst du bitte", erklang Wiebels Stimme von der Tür aus. Es waren einige Minuten vergangen seit seinem Zusammenstoß mit Moritz, wo er etwas laut gegenüber dem Jüngeren geworden war. Mayer blickte zu Klaus und hatte keine andere Wahl als dem Chef zu folgen. Paul blickte ihm ausdruckslos hinterher.
Er folgte dem DGL in den Aufenthaltsraum, wo sie drei Tische zusammengeschoben hatten. Auf der einen Seite war ein leerer Stuhl, auf der anderen saßen Martin und Muri, zwischen ihnen war frei.
"Soll das ein Verhör werden?", brummte Mayer, dem dieser Anblick überhaupt nicht gefiel.
"Setz dich bitte", sagte Klaus und zeigte auf den Stuhl, so musste er sich setzen. Der Chef ließ sich daraufhin gegenüber von ihm nieder zwischen den beiden Kollegen. Tom fühlte sich unwohl.

"Du verhältst dich schon seit längerem anders Tom. Du weißt, dass es hier auf der Wache problemlos laufen und jeder jedem vertrauen muss. Das Verhalten von dir wird nicht nur von mir bzw. von einigen älteren Kollegen langsam als intolerant eingestuft. Vor allem jetzt, wo du Moritz so angegangen bist", fing Klaus an zu erklären.
"Ja, er hat mich in dem Moment eben aufgeregt", erwiderte Mayer.
"Das heißt aber nicht, dass du ihn so zusammenschnauzen musst! Du hast dem Kleinen einen richtigen Schrecken eingejagt", entgegnete Martin sauer. Tom blickte ausdruckslos zu ihm, wusste, dass er Moritz oft zur Seite stand.
"Tom. So eine Einstellung schadet dem Arbeitsklima auf der Wache, das solltest du wissen", sprach Klaus.
"Mir geht's halt zurzeit nicht so top, jeder ist doch mal schlecht drauf", sagte Mayer.
"Aber über so einen langen Zeitraum? Tom, das geht schon seit Wochen so. Zwar nicht so extrem wie heute, aber man merkt dir diese Genervtheit an und du bist abweisend, gibst manchmal auch pampige Antworten. Merkst du das eigentlich?", fragte Klaus. Tom sah ihn an, spürte wie die Wut in seinem Bauch anfing zu brodeln. Vielleicht war er in letzter Zeit nicht der beste Kollege gewesen, aber wieso sollten sie erwarten, dass er immer guter und verständnisvoller Laune war? Manchmal hatte man eben eine beschissene Zeit, wieso musste man dann auch so extrem nachhaken? Er machte seine Arbeit doch ohne Probleme, blieb neutral bei Einsätzen. Nur weil die Kollegen sein Verhalten nicht gut fanden, mussten sie ihn doch nicht direkt an den Pranger stellen.
"Wenn du so weitermachst, wirst du das Vertrauen zu jedem deiner Kollegen zerstören und Vertrauen ist hier das A und O Tom, das weißt du ganz genau! Damit wird deine Karriere noch untergehen. Das will ich nicht und die Anderen mit Sicherheit auch nicht", sprach Klaus weiter und seine Stimme wurde eindringlicher.
"Also erzähl uns doch einfach in was für Schwierigkeiten du steckst! Du kannst niemanden was vormachen Tom! Deine Berufung steht auf dem Spiel!", sagte Muri und mit einem Schwung von Besorgnis in seiner Stimme dabei.
"Ich steck in keinen Schwierigkeiten", entgegnete Mayer bloß.
"Hier, denkst du etwa wir sind blöd oder was? Schau dich doch mal an, ständig kommst du mit irgendwelchen neuen Verletzungen an und überschminkst sie noch. Als würden wir das nicht sehen!", herrschte Muri ihn nun an, der sich verletzt fühlte von der abweisenden Art seines besten Freundes. Eigentlich erzählten sie sich alles, wieso also verhielt sich Tom so merkwürdig?

Mayer schwieg, sah den Türken einfach nur an.
"Tom, wir machen uns langsam echt Sorgen um dich. Nicht nur, weil du dich wie ein ,entschuldigung, Arsch benimmst, sondern auch wie Muri eben meinte, dass du ständig mit Verletzungen kommst. Verdammt, du bist Polizist… sollte es nicht in deinem Kopf mal klick machen?", kam es nun von Martin. Tom drehte den Kopf zu diesem als Klaus wieder das Wort nahm.
"Wir wollen dir doch nichts Böses Tom, wir wollen dir nur helfen. Irgendwas ist doch und ich hoffe, du bist hier nicht derjenige, der irgendwann in Handschellen vor mir steht", sagte sein DGL. Der Tscheche sah ihn schockiert an.
"Wieso sollte ich?", fragte er.
"Weil du hier in einem Aufzug erscheinst als würdest du dich regelmäßig prügeln, so sieht es jedenfalls aus", antwortete Klaus.
"Ich verprügel niemanden!", protestierte Tom.
"Dann sag mir, was sonst los ist! Tauchst hier mit Verletzungen auf, gehst deine Kollegen an und verhältst dich zudem abweisend! Was ist mit dir los Tom?!", wurde der DGL laut, sodass sein Gegenüber zusammenzuckte. Mayer musste schlucken, sah dem wütendem Blick seines Chefs entgegen. Der Blick war ihm unangenehm, fraß sich durch ihn durch. Es war als würde Wiebel direkt in ihn reinschauen können. Das machte ihn unsicher, brachte ihn zum nachdenken. Vielleicht sollte er es seinen Kollegen sagen, dass Laura etwas aggressiv zurzeit war, allerdings war es nur eine Phase. Sie würde sich schon wieder einkriegen, schließlich liebte die Braunhaarige ihn. Es würde sich auch nicht ändern. Tom biss sich auf die Unterlippe, dann atmete er durch.
"Es ist alles in Ordnung, hab nur bisschen Ehekrach, weiter nichts", erklärte der Tscheche.
"Was für einen Ehekrach?", kam es nun von Klaus.
"Wir haben zurzeit verschiedene Meinungen, aber das legt sich wieder", beantwortete Tom die Frage.
"Und du willst uns damit sagen, dass die Verletzungen von diesem Ehekrach kommen?", fragte Wiebel.
"Was ist bei euch los Tom? War Laura das? Du weißt, das fällt unter häusliche Gewalt!", kam es von Muri. Mayer blickte seinen Streifenpartner finster an.
"Ist es nicht, Laura war das nicht!", entgegnete er darauf. Seine Frau war es vielleicht doch gewesen, aber es war ihr nicht bewusst. Es waren nur Ausrutscher, sie meinte es doch gar nicht so. Im Grunde würde sie ihre Hand nie ihm gegenüber erheben.
"Woher kommen die Verletzungen dann?", fragte Muri.
"Hab mich bei der Hausarbeit ab und zu gestoßen", erwiderte Tom schulterzuckend.
"Das glaubst du doch selbst nicht Tom", kam es abfällig von Demir.
"Es ist aber so!", entgegnete der Tscheche und sah seinen Kumpel finster an.
"Du lügst uns gerade knallhart ins Gesicht, ist dir das bewusst Tom?", zischte Muri.
"Es ist alles in Ordnung, lasst es doch gut sein", entgegnete Mayer.
"Nichts ist in Ordnung!", kam es von Muri.
"Tom, wenn du nichts sagst, wird es ziemliche Konsequenzen haben können. Deine Person steht im immer schlechteren Licht der Anderen gegenüber. Du merkst es doch selbst", sagte Martin und musterte seinen Kollegen.
"Und warum? Weil ihr einfach nachfragen müsst! Versteht doch, dass ich es nicht sagen will!", entgegnete Tom und wurde langsam echt wütend. Wieso waren sie so gegen ihn? Es war nur eine Phase von Laura von der sie nichts mitbekommen müssten. Es würde alles gut werden! Eine Tages würde er mit ihr wieder glücklich sein…

"Dein Auftreten, deine Wunden… warum sagst du nicht was los ist? So kenne ich dich nicht! Du verhältst dich als würdest du mich, uns verachten", knurrte Muri und Tom sah ihn geschockt an. Er verachtete seine Kollegen doch nicht! Sie würden es falsch verstehen, deswegen sagte er nichts. Er hatte halt Krach mit seiner Ehefrau, in einer Beziehung konnte es halt nicht immer gut verlaufen.
"Verdammt Tom! Vertraust du mir nicht mehr?! Ich will dir helfen! Wir wollen dir helfen! Aber anscheinend hab ich mich wohl in dir getäuscht. Wenn du wirklich Hilfe brauchst, verschließt du dich und jeder geht dir am Arsch vorbei", zischte Demir und löste in seinem Partner damit was aus. Mayer verhielt sich doch nicht so. Was dachten sie von ihm? Da hatte er nur einige Probleme in der Ehe, soll er das denn an die große Glocke hängen? Am Besten in der ganzen Stadt rumerzählen? Tom schluckte schwer und richtete sich mit einem Schlag auf. Das sowas je von Muri kam, hatte er nie erwartet…

"Wenn ich unerwünscht bin, dann gehe ich einfach", meinte er trocken
Tom stürmte aus dem Raum, zurück ins Büro, wo sich gerade Arne befand, welcher zusammenzuckte. Die Frühschicht hatte seit einigen Minuten bereits Feierabend.
"Tom?", fragte dieser, doch Mayer packte sich nur seine Jacke und steckte seine Wertsachen ein. Er achtete nicht auf Arne und wandte sich zum gehen als er vor der Bürotür von Klaus abgefangen wurde.
"Tom, denk nochmal gut nach. Du machst einen Fehler", sagte der DGL.
"Einen Fehler? Ihr seht mich dauernd an als würde ich Fehler machen! Das ist nicht fair!", schnauzte Tom. Zitterte vor Wut, musste sich die Tränen zurückhalten. Wiebel legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Tom…", fing er an, aber da wandte sich Mayer ab. Er verschwand runter in die Umkleide, erschreckte Moritz und Ben als er die Umkleide betrat.
"Alles ok?", kam es von Decker während der Dienstjüngste sich hinter seiner Spindtür versteckte.
Mayer warf seinem Kollegen nur einen finsteren Blick zu, sperrte seinen Waffengürtel weg und verließ direkt nach dem Absperren in Uniform den Raum. Der Oberkommissar sah ihm verblüfft hinterher während Moritz erleichtert war, dass der Tscheche wieder weg war.
"Was hat er denn?", fragte Ben seinen Kollegen, der daraufhin zusammenzuckte und ihn dann aufklärte.

Tom stieg in seinen Wagen, fuhr vom Parkplatz der Wache und schrie jeden Autofahrer an, der ihn nervte und das waren nun gefühlt alle.
"Was denken die bitte von mir? Das ich ein Verbrecher bin? Ein Lügner….? Du kannst mich mal Muri", fluchte Mayer vor sich hin während er seinen Wagen durch Köln lenkte um endlich daheim anzukommen.
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