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But I'm only human...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
07.07.2021
18.10.2021
7
12.458
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Dieses Kapitel
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08.10.2021 1.970
 
"Ach Schwester Laura, wie gerne ich dich doch mal richtig durchvögeln würde. Gefesselt auf einem Stuhl, was für tolle Gedanken", grinste der Psychopath ihr nach, ein verurteilter Vergewaltiger mit wirklich krankhaften Gedanken.
"Pass auf, dass ich dich nicht gleich sediere und dir was hinten hinein schiebe", meinte Laura leicht lächelnd und schritt den Gang runter. Da keiner ihrer Kollegen in der Nähe gewesen war, konnte sie mal so einen Satz heraus bringen.
"Oh, wenn ich dich mal in die Finger bekomme, dann kriegst du alle Löcher gestopft! Hörst du?! Schwester Laura!", rief er hinterher und Laura brummte was. Wieso war sie nochmal hier? Ach um ihre Gesichter genießen zu können, wenn einige Therapien bevorstanden.

"Der Kerl nervt. Kann der nicht verlegt werden?", brummte Jaqueline leise, eine ihrer liebsten Kolleginnen hier.
"Dann hätten wir ja weniger Spaß", sagte Laura und die beiden bereiteten die Medikamente für die Patienten vor.
"Ja ok, vielleicht hast du Recht, trotzdem ist der gruselig", murmelte ihre Kollegin.
"Sehr gruselig. Aber die anderen sind nicht besser, vor allem die Männer", stimmte Laura ihr zu.
"Oh ja, wollen nur Sex. Aber dafür kriegen sie nur Tilidin", sagte Jaqueline leicht lachend.
"Ist ja auch so verordnet", meinte Laura.

***

Tom brummte ein Morgen als er den Aufenthaltsraum betrat, sich ein Kaffee holte und sich anschließend zu Daniel setzte.
"Schlechte Laune?", fragte dieser.
"Etwas", murrte Mayer. Er hatte sie Tuscheln gehört. Sicherlich ging es um den Streit zwischen ihm und Muri am Vortag. Letzterer betrat gerade den Aufenthaltsraum und es wurde noch stiller. Der Türke schüttete sich ebenfalls Kaffee ein und ging Richtung Stephan zu, der an einem anderen Tisch wie Daniel und Tom saß. Dabei blickte Demir allerdings seinen Partner an mit einer Mischung aus Wut, aber auch Besorgnis.
"Was guckst du so blöd?", blaffte Mayer seinen Partner an.
"Vielleicht solltest du mal deine Uniform richten", entgegnete Muri.
"Geht dich nichts an wie ich meine Sachen trage", murrte Tom.
"Anstand ist dir wohl ein Fremdwort", meinte Demir.
"Halt doch die Klappe", knurrte Mayer und trank von seinem Kaffee. Er hatte kein Bock auf eine Diskussion mit dem Kerl.
"Zügel du mal deine Zunge", blaffte Muri und die beiden tauschten tödliche Blicke miteinander aus. Die Kollegen waren still. Das war ein kalter Krieg in den sie sich nicht einmischen wollten.

Martin betrat den Aufenthaltsraum.
"Hey, kommt mal runter ihr Beiden", warnte er als Klaus hinter ihm den Raum betrat. Die Spannung zwischen Demir und Mayer war deutlich zu spüren.
"Da bin ich einen Tag nicht da, da gibt es nur Ärger. Ich glaub's nicht, aber darüber unterhalten wir uns nach dem Dienst. Dennoch... so wie ich euch beide hier sehe, werdet ihr euch noch gegenseitig umbringen. Also wird Muri heute mit Stephan fahren und Tom, du verbringst die Schicht mit Paul und ich will kein Geschrei hier hören, ist das klar? ", sprach Klaus ein Machtwort aus.
"Ja Chef", kam es von Mayer.
"Ist verstanden", sagte Muri.
"Gut. Stephan, dann könnt ihr schon mal raus. Hab bereits einen Einsatz für euch. Meldet euch, wenn es Schwierigkeiten gibt", meinte Wiebel und schickte die Beiden los bevor er sich abwandte und zum Tresen verschwand gemeinsam mit Martin.

Tom raufte sich die Haare. War doch erleichtert, dass er nicht den Tag mit Muri verbringen musste. Aber zum Anderen wollte Klaus bei Schichtende mit ihnen sprechen. Das konnte noch heiter werden.
"Da wir gerade hier sind, gehen wir in mein Büro. Stephan wird schon nichts dagegen haben, wenn du seinen Rechner benutzt", sagte Paul und klopfte seinem Kollegen auf die Schulter. Dieser atmete tief durch und klärte seine Gedanken. Jetzt hieß es Arbeit. Auf Muri konnte er später noch sauer sein. So folgte der Braunhaarige dem Kleineren ins Büro.
Mit langen Sitzen wurde es allerdings nichts. Sie meldeten sich im System an, da kam auch schon Fuchs mit einem Einsatz an. Die beiden Beamten zogen ihre Westen über und verschwanden in Richtung Ausgang, nahmen den entsprechenden Dienstwagen und fuhren zum Einsatzort.

Der Einsatz war nicht wirklich spektakulär gewesen. Ruhestörung, hatte sich auch schnell geklärt gehabt. Die Gemüter waren beruhigt worden. So schlug Paul vor auf Fußstreife zu gehen und die beiden Beamten schritten nun die Schanzenstraße entlang.
"Was stört dich denn zurzeit an Muri? Euer Streit ist Gesprächsthema Nummer eins auf der Wache", fing Richter das Gespräch an, was wohl unausweichlich gewesen war. Tom gab einen lautlosen Seufzer von sich.
"Er hat nicht aufgehört nachzufragen", erwiderte Mayer nach einer kurzen Stille.
"Worüber nachzufragen?", fragte Paul.
"Darüber will ich nicht sprechen. Das habe ich auch Muri ständig gesagt", antwortete der Braunhaarige und wurde von Richter gemustert, welcher vermutete, dass es um die Verletzungen gehen musste.
"Ah verstehe, aber ich denke, Muri macht sich deswegen nur Sorgen. Wieso sagst du ihm nichts?", fragte Paul und Mayer knirschte leise mit den Zähnen. Musste er jetzt auch damit anfangen? Aber er wollte jetzt nicht auch noch einen Streit mit Paul beginnen. Da würde er noch mehr Ärger am Hals haben.

"Ich will einfach nicht darüber sprechen. Es ist meine Privatsphäre, das geht ihn nichts an", sagte Tom.
"Und genau deshalb fragt er nach, weil… normalerweise bist du nicht so schweigsam Tom. Wir alle merken das", stellte Richter klar und sah seinen Kollegen an, dessen Miene er nicht lesen konnte.
"So offensichtlich?", fragte dieser nur.
"Es fällt auf und nicht nur deine Schweigsamkeit. Auch anderes, du weißt was ich meine. Vielleicht solltest du dir mal Gedanken drüber machen, denn wenn du so weitermachst, könntest du echt Probleme auf der Wache bekommen und das nicht nur mit Muri", erklärte Paul.
"Warum sollte ich Probleme bekommen, wenn es meine Sorge ist und nicht eure?", zischte Mayer.
"Weil du zurzeit unausstehlich bist. Deine Art, dein Verhalten sind zurzeit nicht wirklich angenehm. Ich war nicht gerade erfreut darüber als Klaus meinte, dass ich die Schicht mit dir verbringen soll. Du solltest langsam darüber nachdenken, was dir wichtiger ist. Sonst verbaust dir noch deine Zukunft", meinte Richter und Tom spürte ein Kloß im Hals, der mit jedem Wort seines Kollegens größer wurde. War er wirklich so unfreundlich zu seinen Kollegen? Waren sie deshalb so etwas verstellt? Dachten sie alle so über ihn? Mayer schluckte schwer, fand keine Worte dafür.

"Danke für die Antwort", meinte Paul im kühlen Ton und Tom blieb kurz stehen, öffnete den Mund, doch er konnte es nicht sagen. Irgendwas hielt ihn zurück. Sein Kollege hatte sich umgedreht, aber da doch nichts kam, entkam ihm nur ein Seufzer bevor er weiterschritt.
"Wir sollten langsam zum Wagen zurück. Hier scheint alles ruhig zu sein", sagte er und Mayer folgte ihm betreten.
"Stimme ich zu", murmelte er leise.

Das Ende der Schicht nahte und Tom bekam immer schlimmere Bauchschmerzen deswegen. Klaus wusste von Robin Bescheid und sicherlich hat Muri auch schon einiges ausgeplaudert. Der Beamte schluckte schwer während er seine Arbeit am Rechner betätigte. Paul warf ihm einen kurzen Blick zu, konzentrierte sich dann allerdings wieder auf seinen eigenen Computer.

"Es fällt auf und nicht nur deine Schweigsamkeit. Auch anderes, du weißt was ich meine. Vielleicht solltest du dir mal Gedanken drüber machen, denn wenn du so weitermachst, könntest du echt Probleme auf der Wache bekommen und das nicht nur mit Muri"

Mayers Hände zitterten leicht als er an Pauls Worte dachte. Er fühlte sich schon Zuhause nicht unbedingt wohl, auf der Wache wurde es langsam auch immer unausstehlicher. Wieso ließen sie ihn nicht in Ruhe? Wieso mussten sie sich Gedanken um ihn machen? Es waren doch seine Probleme, er wollte die Anderen nicht da mit hinein ziehen und er konnte es auch nicht.  Schließlich ging es sie nicht an und schlechte Laune konnte jeder mal haben. Wann waren alle bitte so sensibel geworden, wenn Paul meinte, er wäre nicht besonders freundlich?
Tom biss sich auf die Lippen und gab er einen leisen Seufzer von sich. Er stand auf und verließ das Büro, verschwand auf der Toilette und stellte sich ans Waschbecken. Mit kaltem Wasser strich er sich über's Gesicht und schaute in den Spiegel. Die Stellen mit den Hämatomen hatte er nicht nass gemacht, dennoch konnte man die Flecken leicht erkennen. Aber musste man sich unbedingt Sorgen machen? Er hätte ja vielleicht auch einfach eine Treppe runterfallen können, würden sie dann auch so übertreiben?
Er brummelte etwas tschechisches vor sich hin und schüttelte den Kopf, atmete durch. Paul sollte nicht merken wie angespannt bzw. genervt er war. Auf das Gespräch hatte er auch keine Lust. Es war ziemlich unnötig in seinen Augen, nur weil er paar Tage mal schlecht drauf war. Verwunderlich? Schließlich war er ein Mensch und keine gefühllose Maschine.

Er riss sich ein Tuch ab, trocknete seine Hände, trat aus der Toilette und prallte mit einer Person zusammen. Da er über ihre Beine stolperte, verlor er sein Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Unbewusst griff er nach dem Arm der Person, die er allerdings mitriss, da sie nicht schnell genug reagierte. Mit einem Ächzen knallte er zu Boden und fluchte auf. Noch hatte er den Arm der Person im Griff, so setzte er sich auf und zog sie zu sich.
"Do háje! Kannst du nicht aufpassen?! Mach die Augen auf!"(tsch.: Verdammt nochmal), schnauzte er der Person direkt ins Gesicht, nur Millimeter Abstand war zwischen ihnen. Moritz sah ihm erschrocken entgegen, machte sich etwas klein und zitterte leicht.
"T-T-Tut mir L-Leid…", stotterte er, hatte mit so einem Wutanfall seines Kollegens nicht gerechnet.
"Ja schön, pass mal besser auf!", regte sich Mayer auf.
"Hey Tom, spinnst du? Sowas passiert, da musst du dich doch nicht so aufregen!", erklang Martins Stimme. Der Hauptkommissar kam vom Tresen angelaufen.
"Ja, aber wenn er träumt?", meinte Tom, zeigte auf Breuer.
"Du hast doch wahrscheinlich auch nicht erwartet, dass jemand kommt. Und wenn schon ist es noch lange kein Grund jemanden so anzugehen! Und lass Moritz mal los!", entgegnete Martin streng. Mayer blinzelte, dann fiel sein Blick auf seine Hand. Immer noch hatte er Moritz im Griff und er bemerkte, dass er doch ziemlich fest zudrückte. Der Tscheche ließ ihn los und brummte etwas als er sich aufrichtete. Martin half dem Dienstjüngsten auf die Beine, der immer noch etwas verschreckt war von Toms Reaktion.
"Mensch, was ist denn in dich gefahren Tom?", fragte Fuchs sauer.
"Ist es so schlimm, wenn ich mal schlecht drauf bin? Passiert eben sowas mal", zischte Mayer. Martin sah ihn ärgerlich an als Klaus auftauchte.
"Was soll das Gebrülle?", fragte Wiebel, war natürlich nicht sehr erfreut.
"Tom und Moritz sind zusammengestoßen und zu Boden gegangen. Tom hat da etwas sehr überreagiert", erklärte Fuchs die Kurzfassung. Mayer seufzte genervt.
"Verdammt Tom… geh ins Büro zurück, wir klären das gleich", kam es nur von Klaus. Der Tscheche verdrehte die Augen.
"Was macht ihr alle denn ein Drama raus, verdammt?", fragte er und verschwand leicht brummelnd zu Paul ins Büro, der ihn zwar anschaute aber nichts sagte. Er ließ sich vor dem Computer nieder, machte seine Arbeit weiter.
Er verstand seine Kollegen nicht. Sie hatten ihn angegangen als wäre er ein Verbrecher, dabei war er bloß Moritz gegenüber etwas laut geworden. Warum musste man jetzt so eine große Nummer draus machen? Nur weil er etwas geladen war? Es gab halt schlechte Tage, was gingen sie ihm auch ständig auf die Nerven? Sie sollten ihn einfach in Ruhe lassen.
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