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But I'm only human...

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
07.07.2021
20.01.2022
12
23.870
10
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Dieses Kapitel
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14.07.2021 1.848
 
"Stop Tom, komm mal her", ertönte die Stimme von Klaus als der Beamte in die Wache reinkam und verschwinden wollte.
Er drehte sich etwas zu seinem Chef.
"Was gibt's?", fragte er während Wiebel ihn genauestens musterte.
"Dreh mal deinen Kopf mehr zu mir", forderte er ihn auf. Mayer schwieg kurz, hatte aber wohl keine andere Wahl und wandte sein Gesicht ganz seinem Chef zu. Dieser kniff die Augenbrauen zusammen.
"Was hast du gemacht?", fragte er.
"Ich hab einen Pfosten übersehen", erwiderte Tom und sah ihn an.
"Ach, einen Pfosten übersehen?", fragte Klaus ihn und war überhaupt nicht zufrieden mit der Antwort seines Kollegen.
"Ja, kann doch mal passieren", meinte Mayer und tippte mit den Fingern auf den Holztresen. Eigentlich hatte er gehofft, dass es unbemerkt blieb. Vor allem seinem Chef gegenüber.

Wiebel musterte seinen Kollegen genau. Sein linkes Auge war etwas bläulich und drum herum rot. Schien jedoch so als hätte Tom versucht es mit Schminke zu überdecken. Richtig gelungen ist ihm das allerdings nicht. Das war auch nicht das erste Mal, dass sein tschechischer Kollege mit so einer Verletzung zum Dienst erschien. Er hatte schon einmal ein blaues Auge gehabt, aber noch harmloser als heute. Eine aufgesprungene Lippe hatte er auch mal, aber er streitete ab, dass er irgendwelche Probleme hatte. Klaus machte sich Gedanken um ihn. Wer öfters mit Verletzungen kam, der musste irgendwo ein Problem haben.

"Steckst du in Schwierigkeiten?", fragte der Dienstgruppenleiter den Beamten. Dieser sah seinen Chef nun genervt an.
"Nein, ich hab halt eben bisschen zu lang aufs Handy geschaut und dann ist es passiert", erklärte er.
"Tom…", sagte Klaus. Ihm gefiel dieses Verhalten nicht und es machte ihn stutzig. Eigentlich war der Tscheche von der ruhigen Art, natürlich ab und zu aufgedreht. Aber genervt trat er selten auf.
"Ja, was willst du denn von mir? Es war meine Dummheit, also ist es auch nichts großes", entgegnete Mayer und verschränkte die Arme. Wiebel sah ihn blinzelnd  an. So kam er nicht zu seinem Kollegen durch. Vielleicht sollte er es auf andere Weise versuchen? Denn normal fand er es nicht mehr.
"Na gut, geh ruhig", entließ der Chef ihn und senkte seinen Blick auf die Akte, welche vor ihm lag. Tom sah ihn kurz an, murmelte eine Entschuldigung und verschwand zum Aufenthaltsraum, wo bereits seine Kollegen saßen. Wiebel sah ihm kurz nach, dann entkam ihm ein lautloser Seufzer. Irgendwie hatte er ein schlechtes Gefühl und locker würde er nicht lassen. Vielleicht kam er ja durch Muri an Tom ran. Schließlich pflegten sie ein sehr gutes Freundschaftsband zueinander.

"Alter Tom, hast du dich geprügelt?", war die erste Frage von seinem Partner als er zu ihm trat. Mayer schluckte seine Genervtheit runter und grinste schief.
"Pfosten übersehen. Weiter nichts", meinte er dann zu ihm. Muri musterte ihn einmal von oben nach unten.
"Na dann, passt aber irgendwie zu dir", sagte er und boxte ihm leicht gegen die Seite. Die anderen Kollegen brachen etwas in Gelächter aus.
"Wie gemein", meinte Tom, aber war erleichtert über Muris Einstellung. Der Türke war anders als Klaus. Er hakte nicht so nach wie der DGL es tat. Demir nahm es lockerer auf.
Nur wenige Minuten später saß er mit seinem Partner im Streifenwagen, dabei saß Mayer am Steuer und hatte den Blick auf den Straßenverkehr vor sich gerichtet.
Ein Diebstahl war gemeldet worden und sie erreichten innerhalb kurzer Zeit den entsprechenden Laden, wo der Besitzer bereits vor der Tür wartete. Ein Kiosk.

Die Beamten stiegen aus ihrem Wagen und traten zu dem Besitzer rüber.
"Sie haben uns gerufen?", fragte Muri den Passanten.
"Ja, ich habe einen Diebstahl zu melden. Eine junge Frau, ca. 1,65 groß. Alter würde ich grob 15 Jahre schätzen. Blonde Haare, schmale Statur. Sie hatte zwei Flaschen Alkohol in der Hand und eine Tüte Chips als sie hinaus rannte. Ich bin ihr hinterher, doch sie war zu flink", erklärte der Kioskbesitzer und regte sich etwas darüber auf.
"Ruhig bleiben. Ist Ihnen sonst etwas an der Täterin aufgefallen? Kleidungsstil?", fragte Tom und hatte alles mitgeschrieben, was von Wichtigkeit war.
"Dunkel gekleidet. Kapuzenpulli. Mehr habe ich nicht erkannt", erwiderte der Mann.
"In Ordnung", murmelte Mayer während sich Muri kurz umschaute bevor er sich zurück an den Kioskbesitzer wandte.
"Dann möchte ich einmal Ihren Ausweis haben, um Ihre Personalien aufzunehmen. Wir werden eine Anzeige gegen Unbekannt aufstellen", sagte der Beamte und nahm den Ausweis entgegen, schrieb sich die Daten auf.

"Sollte die Dame hier nochmal auftauchen, dann melden Sie sich bitte bei uns", sagte Tom zu dem Besitzer, welcher nickte.
"Hast du die Personalien?", fragte er dann an seinen Partner Muri gewandt.
"Ich hab alles", erwiderte dieser und gab den Ausweis an den Besitzer des Kiosks zurück.
"Sie können also nichts machen?", fragte dieser und kratzte sich am Kopf.
"Leider nicht wirklich. Vielleicht sollten Sie sich überlegen eine Kamera aufzustellen", antwortete Demir und brachte den Besitzer somit ins Grübeln. War ja schließlich keine schlechte Idee.
"Mal schauen", murmelte der Besitzer und die Beamten verabschiedeten sich. Sie stiegen in ihren Streifenwagen und fuhren davon.

Es herrschte eine Weile Stille zwischen den beiden Partnern bis Muri diese unterbrach.
"Sag mal Tom, woher kommen die ständigen Verletzungen?", fragte er und bemerkte wie sein Freund leicht zusammenzuckte.
"Ich habs dir doch gesagt, da war ein Pfosten. Hab zu lange aufs Handy gestarrt", meinte dieser nach kurzem Schweigen und blickte zu ihm herüber bevor er seinen Blick wieder auf die Straße richtete.
"Dann muss sich der Pfosten echt gewehrt haben als du gegen ihn gelaufen bist", sagte Demir und musterte seinen Partner skeptisch.
"Es war bergab", kam es von prompt von Tom. Der Beamte fühlte sich unwohl. Musste jetzt ausgerechnet auch sein Partner nachhaken?
"Tom, ich frag das jetzt nicht als Kollege, sondern als dein bester Freund. Was ist passiert?", fragte Muri und machte sich Sorgen um ihn. So eine Verletzung war schließlich nicht das erste Mal bei ihm.

Mayer blieb eine Weile stumm. Er konnte es ihm nicht sagen, es war ja auch nur ein Ausrutscher von Laura gewesen… wieder einmal. Aber das würde vergehen. Sie liebte ihn. Diese Phase würde sich schon legen. Tom hing an diesen Gedanken. Laura war schließlich die Frau seines Lebens.

"Muri bitte, mach dir keine Sorgen um mich. Es ist alles in Ordnung", beantwortete der Beamte schließlich lächelnd die Frage seines Freundes. Er stoppte an der roten Ampel und blickte ihn an, er konnte die Sorge in seinem Blick erkennen. Er kannte Demir schon jahrelang und sie waren mehr als nur Kollegen, gute Partner. Mayer wusste zu gut, dass er seinem besten Freund nichts vormachen konnte. Aber es gab auch keinen Grund zur Sorge.

Muri musterte seinen guten Freund genau und atmete einmal durch. Er musste das wohl hinnehmen, aber war nicht wirklich zufrieden mit der Antwort seines Partners, da ihm auch die Pflaster auf den Fingern aufgefallen waren.
"Bist du dir sicher?", fragte er nochmal nach, sah ihn durchdringend an.
"Ja, alles in bester Ordnung", lächelte Tom und setzte den Wagen in Bewegung als die Ampel auf grün schaltete. Demir drehte sich wieder nach vorne um und seufzte leise. Er musste auf das Wort seines Freundes vertrauen. Dennoch machte er sich immer noch Sorgen.

Eine Stunde vor Feierabend kehrten sie auf die Wache zurück um ihren Papierkram zu erledigen. Während des kompletten restlichen Tages hatten Tom und Muri nicht wirklich Worte getauscht, nur wenn es nötig war.
Nun hockten sie in ihrem Büro und arbeiteten stumm vor sich hin. Demir blickte ab und zu zu seinem Partner, aber es gab keinen wirklichen Wortwechsel zwischen ihnen.

"Bis morgen Muri", verabschiedete sich Mayer lächelnd von seinem Partner.
"Bis morgen", lächelte Muri und sah ihm nach wie er die Treppen hinunter schritt. Der Beamte sah zum Tresen und überlegte, aber stellte sich gegen den Gedanken Klaus anzusprechen. Deswegen begab er sich zum Büro von Paul und Stephan, wo sich die Glastür öffnete als er davor stand. Richter sah seinen Kollegen verwundert an.
"Oh Muri, was ist denn?", fragte dieser.
"Ach, ich wollte zu Stephan", erwiderte der Türke.
"Na, dann will euch nicht stören. Bis morgen Stephan", sagte Paul an seinen Kollegen gewandt und verließ kurz darauf die Wache.

Demir schloss die Tür hinter sich und ging dann auf Sinderas Schreibtisch zu, der seine Unterlagen zusammenpackte.
"Na Muri, hast du nichts vor heute Abend?", fragte sein Kollege ihn lachend.
"Nicht wirklich, aber ich wollte dich was fragen", erwiderte Muri und stützte sich am Tisch etwas ab.
"Was denn?", fragte sein Gegenüber.
"Es geht um Tom", fing Demir an und seufzte leise bei den Gedanken um seinen besten Freund.
"Sein Auge sieht wieder nicht so gesund aus. Ich hab das auch bemerkt", meinte Stephan, der ebenfalls gut mit Mayer befreundet war. Oftmals gingen die Drei noch auf ein Feierabendbier aus, da auch Paul nicht immer Zeit für sowas hatte.
"Ich hab ihn darauf angesprochen, dass er mir es ruhig erzählen kann. Aber er hat nur erwähnt gegen einen Pfosten gelaufen zu sein. Soll mir keine Sorgen machen… ", meinte Muri.
"Glaubst du, da steckt was anderes dahinter?", fragte Sindera.
"Ja… danach wirkte er verschlossen. War wohl nicht sehr begeistert, dass ich ihn darauf angesprochen habe", erklärte Muri.
"Das ist merkwürdig. Sonst ist Tom doch immer so offen und ihr so gut wie ein Herz und eine Seele", erwiderte Stephan.
"Das ist es ja. Eigentlich erzählen wir uns alles. Ich hab ihm vorhin auch gesagt, dass ich ihn als besten Freund frage. Nicht als Kollegen", meinte Demir, strich sich über den Nacken.
"Vielleicht braucht er etwas Zeit für sich, aber solche Verletzungen sind nicht neu bei ihm. Das macht mir immer mehr Bedenken", murmelte Sindera.
"Was ist, wenn er in ernsthaften Schwierigkeiten steckt? Was weiß ich, was… wenn er am Ende noch schlimmer hierher kommt", machte sich Muri Sorgen. Schließlich machte man sich im Polizeiberuf auch viele Feinde. Hatte Tom etwa Probleme in dieser Richtung?
"Hast du schon mit Klaus gesprochen?", fragte ihn sein Freund.
"Ich will mich noch nicht an ihn wenden, deswegen bin ich zu dir gekommen", sagte Demir und seufzte wieder. Stephan stand auf und legte ihm die Hand auf die Schulter.
"Wenn Tom in Schwierigkeiten steckt, dann wird er sich schon äußern. Vielleicht musst du einfach nur etwas abwarten", sagte er.
"Vielleicht…", murmelte Muri und verschwand aus dem Büro. Abwarten… nach einigen Wochen… was wenn dies ein Fehler war? Allerdings konnte er auch nichts tun, wenn Tom weiterhin schwieg. Demir hoffte wirklich, dass sein bester Freund mit der Wahrheit rausrückte.
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