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But I'm only human...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
07.07.2021
18.10.2021
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07.07.2021 2.019
 
Der DGL der Wache Köln-Mühlheim gähnte und trank einen Schluck von seinem Kaffee. Er stand hinter dem Tresen und ging einen Brief durch, den er eben bekommen hatte. Irgendwas Persönliches von den Oberschwätzern. Während er sich den Zettel durchlaß, nahm er die Stimmen seiner Kollegen aus dem Aufenthaltsraum wahr und fragte sich, wie oftmals, was für bescheuerte Leute eigentlich auf seiner Wache arbeiteten. Er mochte sie zwar, aber was die manchmal ablieferten… da war er sich nicht mehr sicher, ob es sich um Polizeubeamte handelte.

"Hier ist ihr Kaffee Herr Richter", ertönte Sinderas Stimme.
"Danke mein lieber Stephan", erklang es hochnäsig von Paul und Wiebel schüttelte nur leicht den Kopf. Diese beiden Idioten waren ihre ganz eigene Spezies. War es ein Fehler gewesen, sie damals zu einem Team zu machen? Das glaubte er jetzt weniger. Sie verstanden sich blind und immerhin brachten die Beiden ihre Kollegen auch oftmals zum Lachen genauso wie jetzt. Dick und Doof, passte doch eigentlich perfekt zu Paul und Stephan.

"Ihr habt doch zu viel Kaffee intus", hörte er die Stimme von Daniel Klattmann. Der Kerl war zwar vernünftig, kam aber manchmal auf Ideen. Wenigstens waren er und sein Partner Robin Sturm nicht so bekloppt bzw. nervig wie Richter und Sindera.
"Ich glaube eher, sie haben ihre Tage", erklang Heidis Stimme und die Kollegen brachen in Gelächter aus. Manchmal haute Matera Sprüche raus, die der Knaller waren. Auf jeder Wache musste es mindestens eine Frau geben, die für Ordnung im Chaos sorgte. Deswegen war Klaus sehr froh darüber, dass er Heidi und auch Hannah bzw. Jule hier hatte. So war er nicht allein unter männlichen Idioten.

Es klingelte und er bekam einen Einsatz von Arnold herein. Kurzerhand schrieb er sich alles Nötige auf und begab sich zum Aufenthaltsraum, wo seine Idioten am rumturnen waren.
"Guten Morgen meine Damen…", fing Klaus lächelnd an und bekam einige missbillige Blicke von Seiten der männlichen Kollegen.
"Und Herren, entschuldigt. Ich habe einen Einsatz. Einbruch in dem schnösen Viertel, wer will hin?", fragte er als Stephan sich auch schon meldete zum Nachteil von Paul, der da wohl überhaupt nicht hin wollte.
"Wir übernehmen", grinste Stephan den Dienstgruppelleiter an und nahm sich den Zettel.
"Nehmt Wagen Nr. 3, ihr könnt direkt los", sagte Wiebel zu ihm und sein Kollege drehte sich um.
"Komm Paul", sagte er und schritt schon auf den Gang hinaus.
"Ausgerechnet die Schnösel", brummte Richter und folgte seinem munteren Kollegen.

Die restlichen Beamten kicherten leise. Stephan und Paul konnten manchmal so verschieden sein, aber Gegensätze zogen sich halt eben an.
"Jetzt sei nicht so, ich geb dir danach auch einen Kaffee aus", erklang Sinderas Stimme vom Parkplatz her, da sie das Fenster offen hatten.
"Das hoffe ich doch", kam es von Richter.
Es waren Türen zu hören, der Motor wurde gestartet und das Auto verließ den Parkplatz der Wache.
"Das perfekte Traumpaar", lachte Matera und die Kollegen stimmten ihr dabei nur zu.
Wiebel lachte ebenfalls und schaute über sie alle hinweg. Nur bei einem blieb sein Blick kurz hängen. Schon seit einigen Wochen machte er sich Sorgen um den Kollegen. Aber dieser ging nicht auf seine Fragen ein und wirkte genervt. Klaus war am Überlegen, ob er einfach eigenwillig handeln sollte. Immerhin war ihm das Wohl seiner Leute wichtig.

Kurz darauf kam ein neuer Einsatz rein und Wiebel fragte wieder nach motivierten Kollegen.
"Wir fahren!", meldete sich Muri und zog seinen Partner Tom direkt mit zum DGL, welcher ihnen die Anschrift übergab.
"Die Dame hat wegen Ruhestörung angerufen", sagte er noch dazu.
"Ruhestörung um 06:00 Uhr morgens? Die haben sie doch nicht mehr alle", murrte Mayer leise. Für ihn war die frühe Uhrzeit noch mitten in der Nacht. Kein Wunder, dass er so schlechte Laune hatte im Gegensatz zu seinem Partner, der putzmunter war und ihn einfach mitzog.
"Ihr habt Wagen 2!", rief Klaus ihnen noch hinterher und machte sich noch einen neuen Kaffee bevor er wieder zum Tresen zurückgehen würde. Davor drehte er sich nochmal zu den Kollegen.
"Daniel, du und Robin habt Innendienst. Heidi, du fährst mit Flo raus. Ben, du nimmst Moritz mit ins Auto", meinte er noch und trat auf den Gang. Er hörte genervtes Gestöhne von dem einen Beamten und vom Anderen ein "Och nö, warum wir?"
Er grinste leicht. Innendienst war nicht immer toll, aber gehörte eben auch zur Polizeiarbeit.
"Da haben wir nochmal Glück Flo", lachte Heidi auf und klatschte sich mit ihrem Partner ab.

***

"Ist es nicht schon Hausfriedensbruch, dass wir mit unserem dreckigen Dienstwagen in dieses Viertel fahren?", brummte Paul. Reiche Leute mussten sich immer besser fühlen und waren dementsprechend nervig, zum Teil auch respektlos.
"Naja, immerhin haben die uns doch gerufen, also haben wir die Erlaubnis", grinste sein Kollege und Richter lachte schnaubend auf als sie die entsprechende Adresse erreichten.

In der Tür wartete bereits ein Mann in seinem samtroten Morgenmantel auf die Beamten und sah auf seine Armbanduhr, die aus echtem Silber bestand.
"Wurde auch langsam Zeit. Jetzt kommen Sie mal mit", meinte der Herr und verschwand auch schon in der Villa.
"Ihnen auch einen Guten Morgen…?", kam es fragend von Sindera und Paul schüttelte leicht grinsend den Kopf. Sie folgten ihrem Auftraggeber durch die nobel geschmückte Eingangshalle und durch ein viel zu großes Wohnzimmer mit jeglichen Gegenständen, die sich die Beamten wohl nie leisten könnten.
"Jemand ist durch die Terrasse eingebrochen", erklärte der Hausherr und zeigte auf die Terrassentür, die einige Einbruchsspuren zeigte. Stephan kniete sich hin um es sich genauer anzuschauen.
"Und den Täter habe ich schon", sagte der Melder und die Beamten schauten sich kurz verblüfft an.
"Wirklich?", fragte Stephan.
"Aber natürlich. Er ist im Badezimmer", meinte der Herr uns ging voraus.
"Eigentlich ist es ihnen untersagt so etwas zu tun", fing Paul an.
"Aber er hat Hausfriedensbruch begangen. Wenn er weggerannt wäre, würde er nicht seine Strafe bekommen", meinte der Schnösel und schloss die Badezimmertür auf. Auf dem Klodeckel saß ein junger Kerl, der direkt aufblickte.
"Endlich. Der Kerl hat mich hier eingesperrt!", beschwerte er sich.
"Du Rotzgöre bist bei mir eingebrochen!", zischte der Hausherr.
"Hey hey, jetzt beruhigen wir uns alle wieder. Wieso bist du hier eingebrochen? Leugnen hilft nichts. Es gibt Einbruchsspuren an der Terrassentür", sagte Richter und sah den jungen Mann an.
"Ich wollte diesem Schnösel hier eine Lektion erteilen", murmelte er. Der Hausherr schnaubte darauf.
"Lektion erteilen? Für was?", fragte Paul.
"Er hat meinen Hund getreten, nur weil er an seinen komischen Busch geschnüffelt hat!", wurde der Junge laut.
"Der wollte dran pinkeln! An meinen preisgekrönten Buchsbaum! Seit fünf Jahren platziert er den ersten Platz!", regte sich der Schnösel auf.
"Das ist noch lange kein Grund ein wehrloses Tier zu treten!", keifte der junge Mann und Stephan ging dazwischen.

"Beruhigen Sie sich. Dieser Umgangston nützt niemanden! Sie werden mir jetzt beide ihre Personalien geben und dann begleiten sie uns auf die Wache", erklärte der Beamte.
"Wie, soll ich jetzt mitkommen? Was habe ich denn verbrochen?", regte sich der Hausherr auf.
"Zum Einen brauchen wir ihre Aussage zu dem Einbruch und zum Anderen haben sie Tierquälerei begangen. Das reicht schon aus", erklärte Sindera während sein Partner einen zweiten Streifenwagen anforderte.
"Das war nur ein harmloser Tritt, ist eh nur ein Vieh", murrte der Hausherr.
"Luna ist kein Vieh!", beschwerte sich der junge Mann.
"Halt die Klappe Rotzgöre", zischte der Ältere.
"Hey, wenn Sie sich weiter so aufregen, dann sitzen Sie gleich mit Handschellen in unserem Streifenwagen", drohte Sindera ihm und der Hausherr verstummte.

Der Beamte begann die Personalien aufzunehmen. Kurz darauf kam der zweite Streifenwagen und sie brachten die beiden Beteiligten zur Wache, wo der Fall geklärt werden würde.

***

Er schloss die Tür auf und trat in das Haus hinein, die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Er zog sich die Jacke aus und hängte sie an den Ständer, streifte sich die Dienstschuhe von den Füßen ab bevor er sich in die Küche begab und etwas zu essen kochte. Ein Teil nahm er zu sich, den anderen Teil stellte er in die Mikrowelle.

Er schritt nach oben und zog sich im Schlafzimmer um. Hängte die Uniform an den Schrank und ging in die Kammer um sich Reinigungsmittel zu besorgen. Anschließend begann er das Haus zu putzen. Er staubsaugte und wischte feucht durch als er das Türschloss hörte und innehielt. Er spürte wie sich die Angst langsam in seinem Körper ausbreitete. Seit wann war es schon so? Seitdem Laura sich so verändert hatte? Seit dem Tod ihrer Schwester? Es war Vergangenheit, aber wieso war Laura immer noch so zu ihm?
Sie dominierte Tom. Sagte ihm, was er machen sollte und was nicht. Er hörte auf sie, aber wieso tat er das? Weil er sie liebte und hoffte, damit würde sie wieder zu der Frau werden, die er kennengelernt hatte? Das Laura wieder zu der Frau wurde, die er geheiratet hatte?
"Tom?! Wo bist du?", erklang ihre Stimme und der Beamte schluckte.
"Im Esszimmer!", rief er zurück und die Schwarzhaarige trat in den Raum hinein. Er stand immer noch da wie eine Salzsäule. Ihr genervter Blick war auf ihn gerichtet.

"Ich hab Hunger! Du weißt, dass ich was essen will, wenn ich Heim komme!", herrschte Laura ihren Mann direkt an.
"In der Mikrowelle steht was. Brauchst du nur warm machen", erklärte Tom schnell und beobachtete wie seine Frau in die Küche stapfte. Sie öffnete die Mikrowelle, kurz darauf landete neben ihm der Teller und zerbrach durch den Aufprall auf den Boden.
"Gemüselasagne? Ist das dein verdammter Ernst Tom? Seh ich aus wie eine Kuh, die nur so Grünzeug frisst?", schnauzte seine Frau und stapfte auf ihn zu. Der Beamte schritt etwas zurück.
"N-nein, ich dachte nur, etwas Abwechslung…", fing er an und bekam deftig eine geklatscht von ihr. Er zuckte zusammen.
"Etwas Abwechslung? Ich will Fleisch! Wie oft soll ich dir das denn noch sagen?!", schnauzte Laura und verpasste ihm direkt noch eine.
"I-ich mach was neues, w-was willst du haben?", stotterte Tom und zuckte als sie erneut ausholte.
"Das fragst du noch? Mach mir Hähnchenfilet oder Steak! Eins von Beiden, aber bloß nie wieder so einen Gemüsemist!", herrschte sie ihn an, schlug ihn aber nicht. Sie gab einen genervten Seufzer von sich und sah auf die Sauerei am Boden.
"Mach das weg und dann stell dich in die Küche. Ich.Habe.Hunger!", zischte sie und wandte sich ab. Verschwand nach oben.

Tom blieb zitternd zurück und rieb sich über die schmerzende Gesichtshälfte. Er schluckte und kniete sich hin, begann die Scherben aufzusammeln und achtete nicht darauf, dass er sich hin und wieder in die Haut schnitt. Er brachte das Porzellan in den Mülleimer und hob die Essensreste hoch, auch diese landeten im Müll. Er wusch sich die Hände und fluchte als es doch einige Schnittverletzungen waren. Er bedeckte sie mit Pflastern und begab sich zurück in die Küche um die gewünschte Mahlzeit für seine Frau zu kochen.

Der Wecker klingelte als Tom das Geräusch von Schritten auf der Treppe wahrnahm. Sofort breitete sich wieder Unbehagen in seinem Körper aus und er öffnete den Backofen. Nahm die Pfanne heraus, wo das Steak drauf lag und tat dieses auf den Teller neben die Steakhouse Pommes.
Kurz darauf trat Laura in die Küche und sah ihn auffordernd an.
"Essen ist fertig Schatz", meinte er etwas unsicher lächelnd.
"Geht doch, mach es beim nächsten Mal richtig", zischte sie ihn an und verschwand mit dem Teller im Esszimmer. Tom sah ihr kurz nach bevor er die gebrauchten Utensilien säuberte und dann anschließend weiter das Haus putzte.
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