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Die dunkle Seite des Winters

GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Alaric Saltzman Bonnie Bennett Caroline Forbes Damon Salvatore OC (Own Character) Stefan Salvatore
07.07.2021
25.09.2021
41
103.324
4
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Dieses Kapitel
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07.07.2021 1.946
 
Hallo, meine Lieben, und ja, ihr lest richtig, es geht weiter. Irgendwie spuken da noch so viele Ideen in meinem Kopf herum, die einfach raus müssen. Eigentlich wollte ich erst noch weiterschreiben, bevor ich die ersten Kapitel veröffentliche, aber ihr habt mich mit euren vielen Votes und lieben Kommentaren so motiviert, dass ich mich einfach nicht länger zurückhalten kann. Die meisten von euch haben sich mehr Romance und die große Liebe für Damon gewünscht. Mal sehen, ob ich damit dienen kann. Im Moment habe ich ein ungefähres Konzept, wo die Reise hingehen soll, aber meistens entwickeln die Figuren ein Eigenleben und ziehen ihr Ding durch. Deshalb werde ich hier noch nicht allzu viel verraten. Auch dieses Mal findet ihr die Playlist bei Spotify. Lasst mir gern euere Kommentare da, ich freue mich über jeden einzelnen.

Man liest sich!

Annie




Without You (Acoustic) – The Blind Love



Zwei Wochen war es her, seit die Welt nicht mehr die gleiche war. Zwei Wochen, in denen Caroline sich um die Weihnachtsdeko und die Tombola kümmern müsste. So wie all die Jahre zuvor auch. Stattdessen plante sie eine Beerdigung.

Warum sie beschlossen hatte, diese Aufgabe zu übernehmen, konnte sie nicht mehr genau sagen. Vielleicht hatte sie ihr Kontrollzwang dazu getrieben. Sie hatte es einfach als ihre Pflicht angesehen. Irgendetwas hatte sie tun müssen. Sie war gut im Organisieren, gut im Planen. Und sie wollte, dass ihre Freundin die Beerdigung bekam, die sie verdiente. Niemand hätte Carolines Ansprüchen gerecht werden können, das war ihr vor Anfang an klar gewesen. Deshalb hatte sie es schweren Herzens selbst übernommen.

Sie hatte noch nie eine Beerdigung geplant. Planen müssen. Warum auch? Normalerweise starben Menschen in ihrem Alter noch nicht. Auch wenn sie in Mystic Falls gefährlich lebten. Sienna war ebenfalls noch viel zu jung gewesen, um zu sterben. Wie sollte sie eine Beerdigung organisieren, wenn sie kaum begreifen konnte, was passiert war? Wenn sie einfach nicht glauben wollte, dass ihre Freundin nicht mehr da war?

Es war nicht richtig.

Es war nicht richtig, dass Sienna tot war. Weil sie einem Vampir das Leben gerettet hatte. Einem Vampir, der schon über hundertfünfzig Jahre gelebt hatte, während sie noch ganz am Anfang ihres Lebens gestanden war.

Es war nicht richtig, dass der Holzpfahl sie getroffen hatte. Sie musste gewusst haben, dass er sie tötete. Während er vielleicht überlebt hätte.

Es war nicht richtig, dass sie sich um Siennas Beerdigung kümmerte, damit sie einen gebührenden Abschied bekam.

Das wäre seine Aufgabe. Das Mindeste, das er tun konnte, nachdem sie ihr Leben geopfert hatte.

Caroline erinnerte sich noch gut an das Gespräch mit Stefan auf der Terrasse der Pension. Ein tiefer Schock hatte sich über das ganze Haus gelegt. Totenstille umgab sie. Kein Vogelgesang, kein Rauschen der Bäume im Wind, kein Rascheln im Unterholz. Als würde das Haus mit ihnen trauern. Caroline ging zu Stefan, der regungslos vor der Steinmauer stand, den Kopf gesenkt und den Blick in die Ferne gerichtet.

«Ich hab Bonnie nach Hause gebracht», machte sie sich zögernd bemerkbar.

Stefan hob den Kopf. «Ich wäre mit dir gekommen.»

«Du brauchtest etwas Zeit für dich.» Sie blieb neben ihm stehen und legte ihm die Hand auf den Arm. «Willst du darüber reden?»

Er schüttelte langsam den Kopf. «Nicht unbedingt», meinte er leise. «Nein.» Er holte tief Luft.

«Lass mich das anders ausdrücken. Du musst darüber reden. Du kannst das nicht alles mit dir alleine ausmachen.» Ihre Hand legte sich um sein Handgelenk, bevor sie ihn zu sich herumdrehte und seine Hände in ihre nahm.

«Oh doch, das muss ich. Jeder Blutsverwandte, jeder Freund, den ich je hatte – früher oder später sind alle tot.»

Caroline warf ihm einen überraschten Blick zu. Sie hatte nicht gewusst, dass er Sienna längst wie eine Schwester betrachtet hatte. So tief war ihre Freundschaft gewesen. Und nun hatte man sie ihm genauso entrissen wie seinem Bruder. «Stefan –»

«Ich weiß, dass du sagen wirst, dass Siennas Tod nicht meine Schuld ist», fiel er ihr ins Wort. «Doch dem ist so. Ich bin ein Teil der Ursache, warum jeder, der meiner Familie zu nahe kommt, dem Tod geweiht ist. Ich hab sie entweder in Gefahr gebracht oder sie selbst getötet.»

Bei seinen Worten blieb ihr die Luft weg. Sie konnte seinen Schmerz beinahe körperlich spüren. Und seine Schuldgefühle verursachten einen bitteren Geschmack in ihrem Mund. «Ich wollte nur sagen, dass ... Damon ist nicht tot.»

Stefans grüne Augen blickten sie betrübt an. «Doch, ist er», murmelte er niedergeschlagen. «Ich hab gesehen, wie's passiert ist.»

«Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben.» Sie wusste nicht, was sie sonst sagen sollte.

«Werd ich nicht.»

Caroline fragte sich, wo Damon war. Er müsste an ihrer Stelle hier sein, müsste zusammen mit seinem Bruder trauern. Sie wollte ihn nicht mit seinen Schuldgefühlen alleine lassen, aber sie konnte jetzt nicht darüber nachdenken, was geschehen war. Sie wollte sich mit den Konsequenzen noch nicht auseinandersetzen. Lieber wollte sie noch eine Weile in diesem Zustand zwischen Verleugnung und Unglaube verharren. Oder sich ablenken. Egal mit was. Caroline lief nervös auf und ab, fuhr sich immer wieder durch die Haare. «Wir müssen Pläne machen. Listen. Wir brauchen zuerst eine Beerdigung. Oder eine Vertuschungsgeschichte. Oder vielleicht sogar beides. Ich frage am besten meine Mom. Sie weiß, was zu tun ist.»

«Wir sollten Matt herholen», sagte Stefan.

«Du hast recht. Ich mach das. Ich rufe Matt an und dann sag ich es meiner Mom und dann mache ich eine Liste. Oder einen Leichenschmaus. Oder ... ich weiß nicht. Was man in solchen Situationen eben so tut oder tun sollte.» Genau das hatte sie dann getan. Sie hatte sich gekümmert.



Caroline betrachtete sich in dem Spiegel neben ihrem Kleiderschrank. Die dunklen Ringe unter ihren Augen passten perfekt zu dem schlichten, schwarzen Kleid, das sie trug. Es wurde Zeit, zu gehen. Auch wenn sie nie dafür bereit sein würde, durfte sie diesen Gang nicht länger hinauszögern.

In diesem Moment klopfte es an ihrer Zimmertür. Ihre Mom steckte den Kopf herein. «Bist du soweit? Bonnie wartet unten.» Ihre Mutter trug ihre Polizeiuniform, da sie zwar im Dienst war, aber trotzdem an der Beerdigung teilnehmen wollte.

«Ich komme gleich.»

Caroline zog sich einen dunkelblauen Mantel über, dann stieg sie langsam die Stufen hinunter. Am Fuß der Treppe erwartet sie Bonnie, ebenfalls in einem schwarzen Wollkleid und einer dicken Jacke. Die letzten Tage hatte es ununterbrochen geregnet und die Temperaturen waren über Nacht gesunken. Fast kam es Caroline so vor, als wolle die Natur sie für das Geschehene bestrafen.

«Hey», begrüßte sie ihre Freundin, die noch immer weiß wie ein Blatt Papier war. Siennas Tod hatte Bonnie am meisten getroffen. Wenn sie ihre leidende Freundin ansah, dann kehrte sofort die Erinnerung an diese entsetzlichen Minuten in der Salvatore Villa zurück.

Sienna, die sich, ohne zu zögern, vor Damon warf.

Der Holzpfahl, der sie in die Brust traf.

Siennas Blut überall.

Damon, der sich mit ihrem Geist verband, bis sie friedlich eingeschlafen war.

Stefan hatte ihr unzählige Male versichert, dass Sienna keine Schmerzen gehabt hatte. In ihren letzten Minuten war sie glücklich gewesen. Etwas anderes hätte sein Bruder nicht zugelassen.

Caroline klammerte sich an den Gedanken, um die Erinnerung daran, wie sich Siennas Brust ein letztes Mal gehoben hatte, erträglich zu machen.

Der Schock saß noch immer tief, selbst Stunden später. Keiner von ihnen hatte es geschafft, das Wohnzimmer zu verlassen. Die Trauer schien sie alle bewegungsunfähig gemacht zu haben. Alaric ging wortlos zu Bonnie, kniete sich vor sie und reichte ihr seinen Flachmann. «Bonnie. Hier, trink das. Das wird dich beruhigen», meinte er sanft.

Bonnie schlug seine Hand weg. «Ich will keinen blöden Bourbon von dir.»

«Bonnie -» Er sah sie mitleidig an.

«Sienna ist tot!» Bonnie schluchzte und begann zu weinen. Der Boden vibrierte kurz, dann fingen die Vorhänge Feuer.

«Pass auf, dass deine Zauberkräfte nicht außer Kontrolle geraten.» Alaric nahm sie in den Arm und drückte sie an sich. «Hey, Bonnie, ich lass nicht zu, dass du zusammenbrichst. Das lass ich nicht zu.»

Die Tage nach Siennas Tod waren genauso düster und drückend gewesen wie der wolkenverhangene Himmel. Caroline hatte erst am nächsten Tag erfahren, dass Damon Sienna in die Familiengruft der Salvatores gebracht hatte. Dort lag sie nun auf einem kalten Grabstein in dieser dunklen, feuchten Gruft. Caroline hatte den Gedanken daran nicht ertragen. Und beschlossen, sich um die Beerdigung zu kümmern. Genau deshalb hatte sie dieses Gespräch mit Stefan geführt. Sie hatte sich gekümmert. Es war ihr egal, ob es Damon passte oder nicht. Sie wusste nicht, was er sich dabei gedacht hatte, als er Sienna in die Gruft gebracht hatte, aber so wie sie ihn kannte, hatte er vermutlich gar nichts gedacht. Jedenfalls würde er Sienna nicht im Wald vergraben, wie er es mit seinen anderen Opfern getan hatte.

Also war sie mit Alaric und Stefan zur Gruft gegangen, um den Leichnam zu holen. Sie hatten nicht geahnt, dass Bonnie dort sein würde und sich ihnen in den Weg stellte. «Nein, sie ist nicht ... hört auf, sie ist nicht tot. Wir können sie zurückholen. Es gibt bestimmt einen Weg. Ich finde einen Weg.»

Alaric wiegte sie in seinen Armen und strich ihr beruhigend übers Haar. «Du solltest mir die Leiche überlassen. Wir bringen sie in ein Bestattungsinstitut, wo sie hergerichtet wird, damit du und ihre Freunde sich von –»

«Sie ist nicht tot!»

«Bonnie, lass das», mahnte sie Stefan mit strenger Stimme. Caroline sah ihm an, wie schwer es auch ihm fiel, die Wahrheit zu akzeptieren. Sie alle kämpften jede Minute darum, sich daran zu gewöhnen, dass Sienna nicht mehr bei ihnen war. Nur Bonnie verschloss die Augen vor der Realität.

«Jetzt tut ihr so wissenschaftlich. Wo war eure Wissenschaft, als man euch zu Vampiren gemacht hat? Hier hat die Wissenschaft nichts zu suchen. Das ist Magie. Wir brauchen Zauberkraft. Wo ist Damon? Damon kriegt das wieder hin. Holt mir Damon!», schrie sie verzweifelt.

«Bonnie.» Matt stand im Eingang. Sein Blick fiel auf Siennas Leiche, die blass und regungslos auf dem Stein lag. Tränen traten in seine Augen, liefen seine Wangen hinab, während sich sein Gesicht vor Schmerz verzerrte.

«Nein, Matt, alles in Ordnung», sagte Bonnie gefährlich gefasst. «Schon gut.» Sie ging zu ihm, umarmte ihn fest. «Damon wird bald hier sein. Und er wird alles in Ordnung bringen. Alles wird gut. Alles wird wieder gut.»

Aber Damon war nicht gekommen.

Nichts wurde wieder gut.

Und jetzt machte sich Bonnie schreckliche Vorwürfe, weil sie Katherine in der Höhle nicht vernichtet hatte. Aber niemand wusste so genau, was dort passiert war. Dank Bonnies Magie war Katherine verschwunden gewesen. Sie hatten alle gedacht, dass Bonnie sie auf direktem Weg zurück in die Hölle geschickt hatte. Oder an einen anderen Ort, den sie nicht verlassen konnte. Aber da hatten sie sich geirrt. Nicht einmal zwei Wochen später war Katherine zurückgekehrt und hatte sie erneut in einen Hinterhalt gelockt. Caroline hatte sich oft gefragt, ob sie Siennas Tod hätten verhindern können, wenn sie früher gemerkt hätten, dass nicht Elena, sondern Katherine neben ihnen gestanden hatte. Nur ein paar Sekunden früher und Stefan hätte ihr den Holzpfahl aus der Hand reißen können. Aber sie alle hatten sich von ihr täuschen lassen.

Caroline umarmte Bonnie fest, damit sie einander Trost spenden konnten. Die Augen ihrer Freundin waren verquollen und gerötet, als ob sie die ganze Nacht geweint hätte. Caroline wollte ihr so gerne helfen, aber sie wusste nicht wie. Sie konnte nicht ungeschehen machen, was passiert war. Sie konnten nur versuchen, sich gegenseitig Halt zu geben.

«Ich lass dich nicht allein. Ich werde die ganze Zeit bei dir sein», versprach sie Bonnie.

Bonnie nickte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. «Danke.»

Ihre Mutter kam wieder zu ihnen. «Wir müssen jetzt los.»

Schweigend folgten die Mädchen Sheriff Forbes zu ihrem Dienstwagen.
 
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