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Have you never actually thought about how I would feel about this?

Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Het
OC (Own Character) Sebastian Stan
05.07.2021
05.07.2021
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„Verdammt Sebastian, du verstehst es nicht, dass ich auch noch ein eigenes Leben führe!“, schrie ich wutentbrannt. Ich war mir bewusst, dass seine Nachbarn mich gerade hören können, aber meine Wut konnte ich nicht runterschlucken.
„Warum ist es so schwer für dich, mich in meiner Karriere zu unterstützen?“, antwortete er laut und schmeißt sein Skript auf den Couchtisch.

Wir lernten uns vor vier Jahren kennen und lieben, es war die perfekte siebte Wolke, auf der wir schwebten. Immer hatte ich Verständnis, dass er für seinen Beruf viel reisen muss, lange unterwegs ist und nicht immer bei mir sein kann. Jeder seiner Filme habe ich gesehen, sie bei meinen Freunden hochgelobt und kam zu jeder Premiere mit. Aber seit einem Jahr bin ich mehr eingespannt in meinem Beruf, den ich über alles liebe. Die Medizin war seit meinen Kindheitstagen mein Traum, ich liebe den Kontakt zu Menschen, ihnen zu helfen und ein Lächeln als Dankeschön ist der schönste Teil meines Jobs.
Aber dann kam Corona, ich arbeitete Tage und Nächte durch, schwitzte unter der Schutzkleidung, meine Füße schmerzten noch mehr und die Zahl der täglichen Toten stieg immer mehr. Wir waren hilflos. Wir waren am Ende aller Kräfte, positiv in die Zukunft sehen schien unmöglich. Wie sollst du positiv bleiben, wenn innerhalb einer Schicht 20 Menschen von diesem scheiß Virus vor dir sterben und du kannst nichts dagegen tun?

Durch die Impfung kam etwas Erleichterung, trotzdem gibt es immer noch Spätfolgen, neue Varianten und jeder im medizinischen Feld hat schon lange seine Grenzen erreicht.
Trotz dieser Situation, von der Sebastian mehr als gut weiß, fragte er mich wieder, warum ich nicht weniger arbeite und ihn zu den Drehorten begleite. Immer wieder betont er, wie gerne er mich dabeihätte, damit wir mehr Zeit für uns haben. Immer wieder deutet er an, dass ich irgendwann auf meinen Job verzichten sollte, um ihn überall begleiten zu können. Sebastian weiß, die Medizin ist meine erste Liebe und wie sehr ich meinen Beruf liebe – trotz der aktuellen furchtbaren Zeit.
„Ich verstehe deinen Punkt nicht, es wäre für so viele Frauen kein Problem! Aber du stellst deinen Job über mich? Über deinen Partner?“, fügt er immer noch laut hinzu.
Erschöpft über jeden Streit in den letzten Monaten, lehne ich mich an die Küchentheke.

„Vielleicht solltest du einer der Frauen daten, die damit kein Problem haben. Ich habe nicht jahrelang Medizin studiert nur um es hinzuschmeißen und dann wie ein treudoofer Hund dir hinterher zureisen. Ich bin eine eigenständige Person mit Wünschen und Träumen! Warum soll ich auf meine Träume verzichten für dich? Wann hast du auf etwas verzichtet, um mich zu unterstützen?“, brülle ich zurück.
Würde ich nicht sehen und hören wie die Wörter aus seinem Mund kämen, würde ich sie nicht glauben.
„Ich habe dich unterstützt! Immer!“, antwortet Sebastian schnell.
„Du meinst das eine Mal, als du mich abgeholt hast von der Arbeit? Oder als ich dir geraten habe in Quarantäne zu gehen? Ganz toll Seb, du bist ja so umwerfend!“, antworte ich ironisch und musste etwas lachen. Es wird einfach lächerlich. Es ist lächerlich.
Ich lief in das Schlafzimmer, nahm meine Tasche und sammelte meine wenige Sachen ein. Wirklich viel hatte ich hier eh nie, er war ja kaum in der Stadt.

„Willst du jetzt vor der Diskussion weglaufen?“, fragt er als er meine Tasche sieht.
„Ich laufe nicht vor einer Diskussion weg, ich gehe, weil es sich immer nur im Kreis dreht. Dir passt es nicht, dass ich ein eigenes Leben habe und nicht alles was ich erarbeitet habe, für dich wegwerfe! Ich brauch keinen Mann, der mir sagt, ich soll nur für ihn da sein. Ich brauche jemand, der mich unterstützt und mit einer selbstständigen Frau leben kann – was du offensichtlich nicht kannst. Ich wurde nicht geboren nur um an der Seite von einem Mann zu sein, ich lebe, um mein eigenes Leben zu führen. Du bist nicht der Mittelpunkt meines Lebens und Erfolgs, ich bin der Mittelpunkt meines Lebens. Es ist meins! Du willst eine Frau, die mit dir reist und dich bei jedem Dreh anhimmelt? Viel Spaß damit!“.
Ich nahm meine Schuhe und schlüpfte hinein. Ich will nur noch hier weg. Es wäre das beste gewesen, hätten wir uns niemals getroffen. Sebastian stand auf und stand nun gegenüber von mir.
„Schau mich nicht an, als würde es dir leidtun. Wir passen nicht in das Leben des anderen, du kommst nicht damit klar, dass du für mich nur die zweite Liebe bist. Und ich möchte nicht meine Karriere für dich wegwerfen.“, sage ich in einem ruhigen Ton. Für mich ist die Sache erledigt. Wir funktionieren nicht. Es gibt kein uns.
„Und das hier ist jetzt unser Ende? Das war es? Vier Jahre für nichts? Nur weil ich dich bei mir haben möchte?“, fragte Sebastian mit einem Hundeblick.

Gut, dass ich gegen diesen treudoofen Blick bereits immun bin.
„Sebastian, nimm dir Zeit und denke über alles nach was ich dir gesagt habe. Ich liebe dich, aber wir funktionieren nicht, solange du nicht nachgeben kannst. Ich habe dir bereits so viel Zeit und Verständnis gezeigt. Denk an jede Premiere, die du hattest, ich war an deiner Seite. Warst du bei meiner Willkommensfeier? Warst du bei Feier, bei der ich zum Head of Surgery befördert wurde? Warst du bei der Feier, bei der ich als Mentor für die Medizinstudenten ausgewählt wurde? Keine einzige. Ich war immer alleine bei jedem meiner Karriereerfolge. Jeder deiner Premieren habe ich mit dir besucht, extra Schichten getauscht, um dort zu sein mit dir. Stelle sie auf eine Waage und du wirst merken, wie unausgeglichen es war. Es ist besser, wenn wir uns erst einmal nicht mehr sehen. Wenn du bereit bist, etwas zu ändern… Du hast meine Nummer.“, erkläre ich, nehme meine Tasche und meine Jacke von der Garderobe und öffne die Türe.

Sebastian griff nach meiner Hand, ich drehte mich noch einmal zu ihm.
„Chloé, danke für die schöne Jahre. Es tut mir leid, dass ich nicht der war, den du gebraucht hättest. Ich will nur dass du weißt, wie stolz ich immer auf dich war und sein werde.“, flüstert er fast. Ich schenke ihm ein letztes Lächeln, bevor ich durch die Tür trete und nach Hause gehe. Ich weiß, dass es mir gut gehen wird und ich hoffe Sebastian findet jemanden, den er braucht. Auch wenn es eine andere Frau ist, die mit ihm überall reist und sein persönlicher Nummer #1 Fan ist. Denn ich bin es nicht, ich bin nicht ein Cheerleader in seinem Leben. Ich bin der Cheerleader für mein eigenes Leben.
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