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Ein Krieg zweier Götter von Menschenhand entschieden

GeschichteHistorisch / P12 / Gen
05.07.2021
05.07.2021
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Fast 1000 Jahre vor der Geburt Christi wurde die Welt von schrecklichen Königen beherrscht. Ihr grausames Wesen wurde nur von der Skrupellosigkeit der Götter übertroffen, die sie anbeteten. Die Welt war damals voller Krieg, Opfer, Blut, Leid und vor allem Tod. Der Tod hing in jeder Ritze der verstaubten Ebene, auf der jämmerliche Sklaven ihre Hütten errichtet hatten. Zu dieser Zeit war es nicht verwunderlich, wenn die eine oder andere Frau verschwand und nach Monaten der erfolglosen Suche tot aufgefunden wurde. Doch hoch über all dem Leid thronten die Könige in ihren prunkvollen Städten.
Die prunkvollste und schönste Stadt war Troja. In dem sonnigen Troja herrschte der König Laomedon. Er war ein guter König, er war einer der Gründe, warum es jedem Trojaner nie an Nahrung mangelte. Aber wie jeder Herrscher hatte auch er seine Geheimnisse. Laomedon hatte sich die Lage seiner Stadt zu Nutze gemacht und angefangen, für jedes fremde Schiff, dass die Meerenge in der Nähe von Troja passieren wollte, Zoll zu erheben. Insgeheim fragte sich König Laomedon jeden Tag, wann er wohl seine Feinde vor den großen Holztoren Trojas stehen sehen würde. Mit jedem Tag, der verstrich wurde er zusehends nervöser. Eines Tages, Laomedon war gerade auf dem Weg zum Tempel des Sonnengottes Apollon, kam ein Bote auf ihn zugeeilt. Keuchend blieb der Bote in den einfachen Leinentüchern vor Laomedon stehen. „Sprich!“, sagte der König gebieterisch. Wiederholt nach Luft schnappend schnaufte der Bote: „Oh König aller Könige, ich überbringe schlimme Neuigkeiten, Eure Schwester wurde tot aus den Netzen der Fischer gezogen!“ Der König erstarrte. Seine geliebte kleine Schwester, die sich in jungen Jahren dem Sonnengott versprochen hatte, obwohl sie so  schön war, dass sie selbst eine Dienerin von Aphrodite hätte sein können. „König, wenn ich verlauten darf, der Meeresgott Poseidon hat sie zu sich genommen.“, murmelte der Bote unsicher. In diesem Augenblick verschwand die Sonne hinter den Wolken und Donner erfüllte die Luft, so, als ob sich Apollon, rasend vor Wut, auf Poseidon stürzen würde.
Hoch oben auf dem Olymp stürmte Apollon in seinem goldenen Gewand in die große marmorne Halle, in der Zeus und Ares auf riesigen Thronen saßen und leise redeten. Erschrocken von der plötzlichen Ruhestörung blickten die Götter auf und der Gott der Götter, Zeus sah empört auf Apollon hinab. „Was hast du, Apollon, mein Sohn?“, brummte Zeus mit einer wunderschön klingenden Stimme. „Was ich habe?!“, kreischte der Sonnengott laut. „Dein vermaledeiter Bruder hat soeben sein Todesurteil unterschrieben!“ „Erzähl mir davon“, und zu Ares gewandt sagte er: „Geh bitte und gib uns ein paar Minuten.“ Mit einer Armbewegung bedeutete Zeus Apollon, sich zu setzen. Erschöpft ließ sich Apollon auf dem Steinstuhl nieder und fuhr sich aufgelöst mit einer makellosen Hand durch seine blonden Locken. Dann fasste er einen Entschluss und fing an, Zeus zu erzählen, warum er so unbeschreiblich wütend und traurig war.
Die Schwester von Laomedon war eine seiner Priesterinnen gewesen und er hatte sich in sie verliebt. Er wollte es ihr mitteilen, doch immer wieder rief er sich ins Gedächtnis, dass Liebe zwischen Göttern und Menschen nicht lange hält, da Menschen nur einen Wimperschlag leben im Vergleich zu den unsterblichen Göttern.
Doch so hatte Poseidon seine Chance ergriffen, denn auch er hatte sich in die Priesterin verliebt. Alle auf See Verstorbenen kommen zu Poseidon zurück, weil er sie gerufen hat. Er bringt sie aus der Welt der Lebenden in die Welt der Toten, zu Hades. Als Apollon endete, richtete Zeus sich auf und brummte mit seiner tiefen Stimme: „Du musst das tun, was du für richtig hältst. Aber bedenke, Poseidon ist viel älter als du. Handle also nicht unüberlegt!“ Mit diesen Worten schritt er aus der Halle hinaus und bei jeder Berührung seiner nackten Füße auf dem Boden ertönte in der Ferne ein kleines Donnergrollen.
Lange lag Apollon in dieser Nacht wach und wälzte sich unruhig auf seinem Bett hin und her. Er wollte Poseidon etwas nehmen, das ihm so viel bedeutete, wie die Priesterin ihm bedeutet hatte. Und nach Stunden des Grübelns wusste er, was er zu tun hatte.
Leise, um die anderen Götter nicht im Schlaf zu wecken, schlich sich Apollon aus dem Palast. Kaum hatte er die Schwelle übertreten, rauschte er in den Himmel und immer weiter in Richtung Südwesten. Nach einigen Minuten erreichte er in Höchstgeschwindigkeit die Stadt Atlantis. In Atlantis wurde nur Poseidon verehrt und geachtet. So kam es, dass Poseidon eines Tages einen sicheren Ort für seine Meereswaffe brauchte. Er benutzte die Verliese von Atlantis, um seinen wertvollsten Besitz zu verwahren. Doch die Waffe des Meeres war nie vor Göttern geschützt worden, sondern nur vor den gierigen Fingern anderer Menschen. Ohne große Mühe gelangte Apollon in das Verlies und brach einen Zacken von Poseidons Vierzack ab. Und obwohl keiner den Einbruch mitbekam, bemerkte Poseidon in seinem Inneren einen Drang, nach seinem Vierzack zu sehen. Er machte sich sofort auf die Reise und kam schon nach wenigen Minuten in Atlantis an. Sekundenbruchteile zuvor war der Sonnengott mit seiner Beute in den Nordosten verschwunden. Als Poseidon herausfand, dass eine Zacke an seiner Waffe fehlte, war er außer sich vor Wut. Er kochte und rauchte und das Wasser um Atlantis herum tat es ihm nach. Brüllend hob Poseidon die zum Dreizack gewordene Waffe und richtete sie auf Atlantis. Mit lautem Getöse, Gebrüll und Geblubber sank Atlantis langsam auf den Grund des Meeres. Die schäumenden Wellen schlugen an den Häusern hoch und die Menschen liefen schreiend umher, doch sie konnten nichts dagegen machen, sodass innerhalb eines Tages Atlantis, vollständig und restlos, im Meer versank.
Mehrere Königreiche entfernt ging Apollon in eine Schmiede in einer kleinen Stadt. Die Stadt war recht unscheinbar, denn ganz aus Lehm gebaut, glich sie dem Erdboden, auf dem sie errichtet worden war. Als der Sonnengott die einfache Schmiede betrat, hob der Schmied seinen verrußten Kopf und blickte den Kunden neugierig an. Für ihn war Apollon nur ein recht wohlhabender Mann, denn der Gott wollte nicht erkannt werden. Er schritt mit leichtem Gang auf den Schmied zu und reichte ihm die abgebrochene Zacke. „Forme daraus ein Schwert und du wirst gut belohnt werden.“, versprach Apollon. Der Schmied verbeugte sich tief und fing sogleich mit seiner Arbeit an. Einige Stunden später gab Apollon ihm ein kleines Säckchen mit Goldmünzen und nahm das Schwert an sich. Mit dem wertvollen Besitz flog der Sonnengott in den Himmel und hielt immer weiter auf Troja zu.
In Troja saß König Laomedon in seinem Gemach und trauerte um seine Schwester. Plötzlich rauschte etwas auf seinem Balkon nieder und voller Erschrecken erkannte er den Sonnengott Apollon. In einen goldenen Glanz gehüllt schritt er auf Laomedon zu. Er reichte ihm das Schwert und sagte: „Deine Schwester war auch meine Priesterin. Als Zeichen dafür, dass ich deine Trauer anerkenne, schenke ich dir dieses Schwert. Es ist aus der Zacke von Poseidons Vierzack gefertigt, der deine Schwester an sich genommen hat. Solange dieses Schwert in deinem Volke weilt, wird es nicht untergehen.“. Mit diesen Worten verschwand Apollon und reiste zum Olymp zurück.
Weit entfernt heuerte Poseidon die Achaier an, um gegen Troja in den Krieg zu ziehen, denn er wusste um die List von Apollon. Es gelang ihm und die Griechen zogen in den Krieg gegen Priamos, der Sohn von Laomedon. Während der Kriegszeit brauchte es mehrere Zeichen von Poseidon, damit die Achaier wussten, dass er ganz und gar hinter ihnen stand. Fast volle zehn Jahre dauerte es, um die Tore von Troja zum Fallen zu bringen. Doch kurz vor dem Untergang brachte ein junger Bursche namens Aeneas das wertvolle Schwert in Sicherheit. Nicht einmal Poseidon wusste, wo es hingebracht wurde. Nach der Schlacht um Troja, war die Stadt völlig ausgebrannt und ausgebeutet worden. Die überlebenden Söhne und Töchter von Priamos verstreuten sich in der Welt. Und obwohl Troja die Schlacht verloren hatte, lebte das Volk noch immer weiter, denn das Schwert weilte unter ihnen.
Ein paar Jahrhunderte später vertrugen sich der Gott des Meeres und Apollon wieder. Sie saßen gerade in der Halle aus Marmor und sprachen über den Krieg mit Ares, als Zeus von leichten Blitzen umgeben durch die Tür schritt. Er setzte sich auf den größten der Steinstühle uns sah auf seinen Bruder und seine Söhne. Zeus lachte in sich hinein. Apollon fragte: „Zeus warum lachst du?“, und Zeus antwortete: „Ihr beide habt eine Schlacht entfacht, die über zehn Jahre dauerte und das Alles wegen eurer Liebe zu einer einzigen Frau und sie gehört am Ende Hades.“
 
 
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