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Faceless I | Betrayal

GeschichteFantasy, Action / P16 / Gen
Drachen Ritter & Krieger
05.07.2021
08.08.2021
10
23.744
 
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19.07.2021 2.192
 
Die Nacht des Überfalls lag ihm noch heute schwer im Magen. Das ganze war zwar mittlerweile 4 Tage her, aber trotzdem ließ es ihn nicht in Ruhe.
Nicht nur der Fakt, dass die drei 1. nicht aufgewacht sind und er 2. die Angreifer nicht bemerkt hatte, sondern auch, wie man sie finden konnte. Ihre Route war geheim, sie hatten sich im unterholzigsten Unterholz bewegt was es nur gab und genau wie jetzt ihre Umhänge getragen.
Sie waren aufmerksamer gewesen als normal, hatten bei jeder Heuschrecke die Waffen gezogen.

Das Thema nagte mehr an ihm als er zugeben wollte.
Selbst Boadiceas aufmunterndes Wiehern brachte nichts.

Entnervt verdrängt er die Sache aus seinen Gedanken.
Er konnte Devenhill schon am Horizont - bzw. eher das Schloss - sehen und da sie durch die Kopfgeldjäger einen Umweg eingeschlagen hatten, hatten sie einen ganzen Tag verloren, weswegen ihr Ziel noch heute Nacht ankommen würde.

Er musste sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren - zumindest für den gegeben Zeitpunkt.

„Alles in Ordnung?", fragte Ahren, der neben ihm herritt.

Der Pfad auf dem sie sich bewegten war etwas breiter, weswegen sie jeweils zu zweit nebeneinander galoppieren konnten. Die anderen beiden ritten hinter ihnen.

„Diese Sache geht mir nicht aus dem Kopf. Ich meine, wie haben die uns gefunden? Und dieser Vawin oder wie er hieß lässt mich auch nicht in Ruhe", antwortete er wahrheitsgemäß.

Der Blonde hatte eine beruhigende Art an sich, soviel hatte er schon am ersten Tag bemerkt.
Außerdem war er gut darin Menschen zu lesen. Lügen würde bei ihm also nichts bringen, weswegen Levi lieber gleich die Wahrheit sagte.
Ehrlich gesagt erinnerte es ihn ein wenig an seine Mutter.

Ahren stieß einen langen Seufzer aus.

„Charles, wenn wir wieder im Haracorian's sind, reden wir sofort mit John. Versprochen. Jetzt zählt erstmal, Frey umzubringen, das Geld einzusacken und sicher nach Hause zu kommen. Ok?"

Über die Erwähnung seines Zweitnames kräuselten sich seine Mundwinkel leicht.
Neben Jares hatte er es nur bei wenigen Leuten akzeptiert ihn so zu nennen. Es mag für andere Leute kleinlich oder dumm erscheinen, aber für ihn war es ein Eindringen in seine Privatsphäre, wenn Leute sowas unerlaubt taten. Man konnte es mit einer Art Spitznamen vergleichen.
Man wollte schließlich nicht, dass Leute, die man nicht wirklich kannte, einen beim Spitznamen nannten.

Der Feuer-Metaquo ließ seine Schultern leicht sacken. Er wusste, dass Ahren recht hatte, aber es war trotzdem nicht einfach, das Geschehnis vollends aus seinen Gedanken zu verdrängen.

Dennoch nickte er Ahren zu und murmelte ein halbherziges „Okay".

Der Blonde schien zu merken, dass er hier nur auf Granit biss und ließ das Thema ruhen.

Es dauerte noch eine Dreiviertelstunde, bis sie die Tore Devenhills erreichten. Keine Stunde, weil sie am Ende das Tempo nochmal stark angezogen hatten.

Die Pferde schnauften unter ihnen, als sie durch das imposante Stadttor ritten.
Vor ihnen tat sich eine lange, baumstammartige Brücke auf, die am Rand mit einem rankenartigen Geländer versehen war.

Die Brücke führte über einen großen Wassergraben, der die Stadt umgab.
Rechts auf der Miniinsel tat sich ein hoher Berg auf, in dessen Gestein das riesige Schloss von Lord Lasley von Caliga gehauen war. Auf dem Rest der Insel breitete sich eine verhältnismäßig große Stadt mit viel grün aus.

Es gab noch zwei andere Brücken die auf die Burg zuliefen, eine links und die andere gegenüber von ihrer.

Händler, Bauern und Adlige kamen ihnen auf dem langen Übergang entgegen.
Mal in prächtiger Kutsche, mal mit einfachem Karren.

Unter ihnen spielten seichte Wellen mit den Pfählen der Brücke und schwabbten in gemäßigten Abständen gegen diese.

Der Übergang dauerte nur wenige Minuten und bald darauf standen sie erneut vor einem Stadttor.

Eine Schlange hatte sich vor dem Tor gebildet und Soldaten kontrollierten jeden einzelnen der passieren wollte.

Sachte brachte er Bo zum Stehen und lehnte sich leicht zu Ahren rüber.

„Warum wussten wir davon nichts?", murmelte er dem Natur-Metaquo zu.

Dieser richtete seinen Blick auf die Soldaten, die gerade einen Bauern zu überprüfen schienen.

„Keine Ahnung", raunte dieser geistesabwesend zurück.

Schnaubend drehte er sich zu den beiden jüngsten um.

„Ruhe bewahren, tut nichts Auffälliges und macht, was man euch sagt."

„Aye, Captain", stimmten beide im Chor ein.

Es dauerte nochmal einige Minuten, bis sie an die Reihe kamen und Levi eine ganze Menge Nerven, als der Adlige vor sich begann, sich mit den Soldaten zu streiten. Diese Kontrollen „seien ja unerhört".

Levi hatte seine Ellenbogen auf seinen Sattelknauf gestellt und mit einem genervten Stöhnen seinen Kopf in den Handflächen vergraben.

Er war 7 Tage gereist um jemanden umzubringen, nicht um in 'na Schlange zu stehen.

Am Ende entwischte ihnen der Bastard noch, weil diese Idioten im Schneckentempo arbeiteten.

Am Himmel konnte man schon die ersten rosa Färbungen erkennen und sie musste schließlich noch einmal quer durch die Stadt reisen, sich in Position bringen etc.

Seine Hand zuckte verräterisch zu dem Katana an seinem Sattel. Er wusste, wo er treffen musste, um einen Menschen zu töteten.
Und auch wenn er wusste, dass der diesen arroganten Idioten vor sich nicht ins Grab schicken würde, erhellte sich seine Laune minimal allein von der Vorstellung.

Er hatte den Adel schon immer gehasst.
Auch wenn er früher selbst dazu gehört hatte.

Sein Vater war ein wohlhabender Lord Nikmaas und gehörte zu einer der einflussreichsten und reichsten Familien im Reich.

Die Ehe mit seiner Mutter allerdings entstand rein aus politischen Interessen und war nie wirklich erfüllt.

Sein Vater stritt sich ständig mit seiner Mutter, fing nach einiger Zeit auch an, sie kontinuierlich zu schlagen.
Nachdem sie erneut Kinder zur Welt brachte - 2 Zwillinge - zählte er schon damals 1 und 1 zusammen.

Er hatte seinen Vater bereits im Kindesalter mit der Misshandlung und Vergewaltigung seiner Mutter konfrontiert, aber dieser hatte ihn meistens nur geschellt.

Seine Wutausbrüche wurden immer schlimmer, umso weniger Fortschritt seine Erben im Kampftraining zeigten.

Eines Nachts war es so schlimm, dass er in seinem Wahn seine beiden Töchter samt Frau mit einer Eisenstange zu Tode schlug.

Levi hatte damals heimlich im Türrahmen gestanden und alles mit angesehen.
Er war auf seinen Vater losgestürmt, die mickrige Flamme bereits in den Händen entfacht, aber dann hatte auch er die Eisenstange zu spüren bekommen.

Vermutlich wäre er heute nicht mehr am Leben, wenn genau dann John nicht aufgetaucht wäre.

Dieser hatte seinem Vater den Kopf gespalten und Levi mit zu sich genommen.

Aber schon als er noch selber zum Adel gehörte, konnte er diesen nicht ausstehen. Das meiste waren irgendwelche verwöhnten Bastarde, die den Hals nich' vollbekamen und es an ihren Untergebenen auslassen mussten. Hielten sich für was Besseres und schmissen die Gulden nur so zum Fenster raus.

Ein Stupsen an seiner Schulter ließ ihn aufschauen.
Ahren blickte ihn an und nickte dann mit seinem Kopf nach vorne.
Folglich wandte auch Levi seinen zum Stadttor und endlich, die Soldaten schienen den Mann reinzulassen.

Mit einem kleinen Kick seiner Waden trieb er Bo noch ein paar Schritte vorwärts, auf den nun freien Platz bei den Kontrolleuren zu.

Der eine hielt ein Pergamentpapier sowie einen Steckbrief in der Hand, der andere hatte seine Waffe griffbereit.

„Name?"

„John Bresley, Carrek Osnes, Jares Sendert und Argon Erates", antwortete Ahren für ihn. Es war üblich, als Assassine seinen Namen bei solchen Kontrollen nicht anzugeben, schließlich wurden manche von ihnen gesucht.

Einer der Ritter schaute sie nur mit hochgezogener Braue an, schrieb die Namen aber dennoch auf die Liste.

„Wenn ich mir die Frage erlauben dürfte, Ser, wofür sind diese Kontrollen?", fragte Ahren.

Der Mann ohne Pergamentpapier stieß ein träges Seufzen aus, bevor er sich leicht zum Blonden hinüberlehnte.

„Sag's niemandem, aber neulich wurde ein Anschlag auf den Lord verübt. Die Täter sind noch immer nicht gefasst, also reist vorsichtig", sprach der Mann hinter hervorgehaltener Hand.

Ahren neigte als Dank einmal seinen Kopf und sprach: „Aber selbstverständlich. Vielen Dank für die Auskunft."

Als die andere Wache sie durchgewinkt hatte und sie auf der Hauptstraße angekommen waren, konnte Isaac sich von hinten anscheinend einen Kommentar nicht verkneifen.

„Hast den Typen ja direkt rumgekriegt, Blondie", sagte der Kastanienbraune grinsend.

„Komm, Kay, lass uns schonmal das Hochzeitsgeschenk besorgen", stieg Sergio mit ein.

„Ich seh schon wer heute kein Abendessen kriegt", konterte Ahren amüsiert.

Levi konnte von hinten geschocktes Aufatmen hören.

„Bitte? Charles, sag doch auch mal was!", kam direkt der Protest.

„Das was Ahren sagt", stimmte er geistesabwesend.

Hinter ihnen wurde es wieder ruhig, aber hier und da konnte er zwischen dem gedämpften Genuschel Sachen wie „Frechheit" heraushören.

Milde amüsiert schüttelte er nur seinen Kopf.

Vor ihnen tat sich eine große Hauptstraße auf. Rechts und links standen Häuser, Läden etc. und Menschen tummelten sich an den Straßenseiten.

Die ganze Stadt war stufenartig gebaut und spannte sich um das auf dem Berg liegenden Schloss.

Genau wie eben zogen sie das Tempo nochmals an und waren schon bald am äußeren Teil der Stadt, dort, wo die Armen und Obdachlosen sich tummelten.

Das Wasser schwabbte gegen den Ministrand, er sich hier auftat.

Überall lag Müll herum, es stank nach Exkrementen und an jeder Ecke saß mindestens ein Bettler.

Die Straßen waren kaum bis gar nicht beleuchtet und es war ungemein eng.
Die Häuser waren morsch und verkommen, rostiges Metall und anderer Müll lagerte in manchen „Gärten" und kaum eine Pflanze schaffte es an die Oberfläche.

An einer bestimmten Stelle, die mit einer Fackel erleuchtet wurde, sprangen sie von ihren Pferden, die sie sicher in einer dunklen Ecke versteckten.

Sie selber nahmen sich ihre Waffen von den Pferden und begaben sich auf eines der morschen Dächer.

Die Luft um sie herum war schwül und Insekten jeder Art flogen um sie herum.

Levi drehte sich auf dem Dach einmal zu den anderen herum.

„Okay, Ahren, du bleibst hier. Isaac, halt die Kutsche an. Sergio und ich kümmern uns um Frey."

Einstimmiges Nicken folgte.

Also legten sie sich auf die Lauer, warteten auf die Maus, die in ihre Falle tappen würde.

Die Nacht war durch den Mond minimal erleuchtet, aber heute drangen keine Sterne zu ihnen durch, graue Wolken tummelten sich am Himmel.

Es dauerte kaum mehr als zehn Minuten, dass er eine sich nähernde Kutsche vernahm.

„Aufpassen. Ziel in Sicht", flüsterte er den anderen zu.
Diese zogen ihre Waffen, Ahren legte einen Pfeil an, Sergio griff an die Unterseite seines Speers, bereit, ihn jederzeit zu zücken und Isaac hatte ebenfalls sein Beil in der Hand.

Levi selber nahm seine Doppelaxt, ließ sie allerdings noch eingeklappt.

Die Kutsche wurde von insgesamt vier Pferden gezogen, Brabanter soweit er erkennen konnte. Das Gefährt selber war komplett schwarz, nur eine Kerze an der Seite erhellte es.

Auf sein Zeichen sprang Isaac aus seiner Deckung, direkt vor die Kutsche und erschuf eine Eiswand.

Mit einem lauten Wiehern kamen die Kaltblüter zu einem Stopp.

„Was zum Teufel soll das?!", fluchte er Kutscher, ein alter, gebrechlicher Mann in Zylinder und Anzug.

Flink rutschten nun auch Sergio und Levi das Dach hinunter und landeten gekonnt auf der Straße.

Isaac zerrte indes den Mann aus seinem Sitz und hielt ihm seine Axt an den Hals.

Sergio und er gingen jeweils auf eine Seite der Kutsche, rissen die Türen auf und zerrten die Insassen hinaus.

Mit seinem Metallarm packte Levi ihr Ziel am Kragen und Sergio zerrte zwei Frauen zu ihm hinüber.

Ohne viel Gerede zog Levi seinen Dolch, und legte ihm Frey an die Kehle.

„Noch irgendwas zu sagen?"

Frey schaute ihn verschreckt an. Sein Gesicht war mit Falten durchzogen, die Haare bereits ergraut und die Augen eingesunken.

„B-Bitte meine Kinder!", bettelte der Mann, aber Levi verdrehte nur die Augen, packte mit dem rechten Arm den Schopf des Mannes und zog ihn nach hinten, sodass der Hals freilag.

„Was is' mit denen?", fragte ihn Sergio.

Levi hatte die Klinge bereits am Hals seines Opfers und konnte das Zittern das Mannes spüren, richtete seinen Blick allerdings nochmal auf die beiden Frauen.

Beide hatten Perücken auf, Hüte bis ins Nirvana und hässlich grüne Kleider.
Sie waren deutlich jünger als Frey, trugen aber den gleichen verschreckten Ausdruck wie dieser.

„Töten. Zeugen können wir nicht gebrauchen."

Damit schlitzte er die Kehle Freys auf, der versuchte, seine Hände auf den Schnitt zu legen, allerdings hielt Levi seinen Kopf beständig nach hinten, sodass das Blut frei heraussprudeln konnte.

Unverständliche Gurgellaute entwichen dem Sterbenden und seine Augen wurden matt, als das Leben in dem Körper schließlich erstarb.
Wie Abfall ließ Levi die Leiche nach vorne fallen.

Mit einem Blick zu Sergio konnte er sehen, dass er den beiden Frauen ebenfalls die Kehlen durchgeschnitten hatte.

„Gute Arbeit", lobte er ihn deswegen, bevor er sich zu Isaac aufmachte.

„Was sollen wir mit dem hier machen?", richtete Isaac das Wort an ihn. Die Krallen seiner Axt stachen dem Kutscher immer noch leicht ins Fleisch.

Wortlos entrastete er seine Doppelaxt und schlitzte dem Mann in einer Bewegung die Kehle auf.

Stumpf sah er den Braunhaarigen an.

„Töten."


————-

Großes Sorry von meiner Seite aus, waren bis eben aufm Rückweg vom Urlaub und zum Hochladen haben meine Mobilen Daten dann doch nicht gereicht.

Hoffe, ihr habt trotzdem Freude beim Lesen!
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