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Faceless I | Betrayal

GeschichteFantasy, Action / P16 / Gen
Drachen Ritter & Krieger
05.07.2021
08.08.2021
10
23.744
 
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05.07.2021 1.816
 
Mit einem stumpfen Geräusch glitt das Tuch über die messerscharfe Klinge der Waffe. Immer wieder wiederholte sich die Bewegung, bis das dunkelrote Blut, welches zuvor an dem Messer haftete, komplett in den Stoff des Tuchs eingezogen war.
Noch vor wenigen Stunden hatte genau dieses Messer in der Augenhöhle seines letzten Opfers gesteckt. Erbärmliche Laute waren der Frau entwichen, Schreie die um Gnade winselten, plädierend, dass sie Familie hatte. Die angsterfüllten Worte waren an der Fassade des Schwarzhaarigen abgeprallt und nach einem kurzen Kampf, der die Frau mehr und mehr wie ein in die Enge getriebenes Tier aussehen hatte lassen, hatte er ihr das Messer ins Auge gerammt.  
Sie hatte unter seinem Messer geschrien und sich gewunden, allerdings hatte er den eisernen Griff um die Halterung der Waffe nicht eine Sekunde gelockert.

Mit einem Aufschlitzen der Kehle hatte er dem Haufen Elend schließlich ein Ende gesetzt.
Seufzend legte er das benutzte Tuch in einen der mit Wasser befüllten Eimer und steckte das Messer zurück in seine Halterung an seinem Hüftgurt.  
Träge erhob er sich von seinem Platz, die Müdigkeit steckte ihm seit er heute Morgen aufgestanden war in den Knochen. Aus diesem Grund verschwendete er auch keine Zeit mehr, sondern begab sich auf direktem Weg zu seinem Zimmer.  

Zu dieser Tageszeit waren die Gänge im Quartier beinahe menschenleer, nur hier und da kamen ihm ein paar arme Schweine entgegen, die heute Nachtschicht schieben würden. So sehr er diesen Ort auch als sein Zuhause bezeichnete, würde er sich wohl nie an die rotbraun gestrichenen Wände gewöhnen können, genauso wenig an den hässlichen Teppich, den irgendein Depp in seinem Flur ausgelegt hatte. Er war schon mehrmals beinahe in den Genuss gekommen, dieses beschissene Teil in Flammen aufgehen zu lassen, allerdings hing Jares aus irgendeinem Grund an diesem Ungeheuer von einem Teppich.

Seufzend legte er die Hand auf die Klinke seiner Tür und wollte diesen gerade runterdrücken, um endlich in seinen wohlverdienten Feierabend zu gehen, als ihn ein Ruf dazu bewegte, seinen Kopf nach rechts zu drehen.

„Levi!", ertönte es von der anderen Seite des Ganges. Levi war sich sicher, dass man den Idioten noch bis nach Skoedal hören konnte.  
Ein genervtes Schnaufen entwich ihm bevor er sich vollends zu dem auf ihn zu eilenden Laufburschen umdrehte und ihm einen seiner besten Verpiss-dich-Blicke schenkte. Der Zwerg schrumpfte merklich unter seinen Augen zusammen – falls das überhaupt möglich war.  
Eine Weile sagte niemand etwas, es glich eher einem erbärmlichen Blickduell. Entnervt fuhr der der Schwarzhaarige den Jungen vor sich schließlich an.

„Was verdammt nochmal ist? Falls du's nich' gemerkt haben solltest, es gibt hier Leute die schlafen wollen", sagte er und deutete dabei demonstrativ auf sich, in   der Hoffnung, das Erbsenhirn vor ihm würde kapieren, dass er in Ruhe gelassen werden wollte.  

„J-John möchte mit dir reden", stotterte der Junge vor ihm.

Levis zweifarbige Augen hellten sich mit einem Schlag auf. John Persil – der Grund warum er noch nicht abgekratzt war. Leiter der größten Untergrundorganisation Atelons, sein Ausbilder und gleichzeitig Ziehvater.

„Büro?"

„J-Ja."

Ohne Umschweife machte er sich im Schnellschritt auf den Weg, die Müdigkeit und Genervtheit von vor wenigen Sekunden komplett vergessen. Johns Büro war nicht weit von seinem eigenen Zimmer, dafür hatte der ältere Mann eigens gesorgt. Egal was für einen beschissenen Tag Levi hatte, ein Gedanke an den Mann und seine Stimmung hellte sich auf. Aus diesem Grund wollte er ihn auch nicht warten lassen und beschleunigte seinen Schritt nochmal, bevor er schließlich vor der holzbraunen Tür stand. Eine goldene Aufschrift „Persil" prangte auf einem ebenso goldenen Schildchen auf der Tür.  
Der Schwarzhaarige schenkte ihr nicht weiter Beachtung, sondern drückte die Klinke hinunter und betrat das Büro.  
Der Raum war recht groß gehalten. Links und rechts sammelten sich Regale mit irgendwelchen Dokumenten – nicht wirklich sein Themengebiet. Einige Apparaturen schmückten Beistelltische, aber auch mit denen konnte er nicht viel anfangen.
Zwei Stufen führten zum leicht erhöht stehenden Schreibtisch im Raum. Dieser war genau wie der Rest vom Raum in einem Ahornbraun angefertigt und mehrere Kerzen erhellten den Tisch, jedoch nur spärlich den Raum.  

Augenverdrehend aber mit dem Ansatz eines Lächelns auf den Lippen entfachte er sein Metaquo – Feuer – in seiner Hand und zündete die im Dunkeln liegenden Kerzen nacheinander an.
Ihre Positionen kannte er mittlerweile auswendig, das Anzünden dieser war mit der Zeit zu einer Angewohnheit geworden. Er hatte John schon tausend Mal gesagt, er solle sie gefälligst selber anzünden, aber der Grauhaarige schien an seiner These, sein Feuer sei „wärmer" festzuhalten.
Schnaubend verdrehte er nochmals spielerisch bevor er sich im nun erhellten Raum auf einen der zwei Stühle vorm Schreibtisch zubewegte und sich in einer fließenden Bewegung auf einen dieser gleiten ließ.  

Ungeduldig wartend stützte er seinen Kopf auf die auf dem Schreibtisch liegenden Ellenbogen ab und schnaufte einmal. Wenn man ihn schon herzitierte könnte man erwarten, nicht erst Stunden warten zu müssen, bevor man empfangen wird.
Gelangweilt griff er nach einer der herumliegenden Schreibfedern (John hatte definitiv zu viele davon) und drehte sie in seiner behandschuhten Hand herum, als sich die Bürotür hinter ihm ein weiteres Mal mit einem Klacken öffnete.

„Wirst auf deine alten Tag ja doch ganz schön langsam", begrüßte er John, ohne sich umzudrehen.

„Desto älter du wirst, desto ungeduldiger wirst du", entgegnete der Grauhaarige trocken.

Levis Brauen zogen sich verwirrt zusammen, als er nicht nur ein Schuhpaar hinter sich vernahm. Mit ausdrucksloser Miene drehte er sich um und erblickte drei weitere Gestalten, die John folgten. Drei Männer - oder sollte er Jungs sagen ?-, alle von ungefähr gleicher Statur.
An vorderster Stelle ging ein lichtblonder Grünäugiger, der seine langen Haare zu seinem lockeren Zopf geflochten hatte. Als zweites kam ein etwas muskulöserer Mann, gelbe Augen und wellige, orange-braune Haare, die ebenfalls in einem kleinen Zopf endeten, allerdings deutlich kürzer waren und weitaus höher in das Haarband verliefen.
Als Dritter und letzter erschien ein deutlich jüngerer Kastanienbrauner mit gräulichen Augen, kurze Haare und ein navyfarbendes Bandana schmückten seinen Kopf.
John schloss hinter ihnen die Tür. Wie immer war er in seiner schwarzen Weste mit weißem Hemd gekleidet, die grauen Haare hatte er locker zusammengebunden, allerdings fehlte heute der charakteristische schwarze Hut.

Mit hochgezogener Braue starrte er John an, welcher sich mittlerweile auf seinem Schreibtischstuhl gegenüber von ihm - nein, ihnen - niedergelassen hatte. Dieser schenkte ihm nur einen mahnenden Blick sich zu benehmen, bevor er sprach.

„Levi, das sind Ahren van Skjell", er zeigte auf den Lichtblonden „Sergio de Sainz", der mit den gelben Augen „und Isaac Kayden Ridanno", Bandana-Typ „Ahren, Sergio, Isaac, das ist Levi Charles Chèney. Wie besprochen wird er Cains Position als Leader eures Teams einnehmen."

Levi hatte das Gefühl, man hätte ihn in einen Trog kalten Wasser geworfen. Mit 'nem Zementblock am Fuß versteht sich.

„Ganz bestimmt nicht!", protestierte er mit stoischer Miene. Er würde ganz sicher nicht den Babysitter für irgendwelche Fremden spielen, deren Probleme ihn einen Scheiß angingen. Er war seit 13 Jahren Solo unterwegs, warum dachte John, man müsse dies ändern? Er hatte die beste Abschlussquote aller Assassinen, ihm entwischte nie ein Ziel und er tat was von ihm verlangt wurde. Was wollte John mehr?

„Keine Widerrede. Die drei brauchen einen neuen Leader und Dir würde ein bisschen Sozialisierung auch gut tun."

knirschte der Angesprochene mit den Zähnen und presste den Kiefer so stark aufeinander, dass er fürchtete, ihm würde die Schnauze wegbrechen.
Die Zahnräder in seinem Kopf arbeiteten ununterbrochen. Klar, ein Team brachte seine Vorteile mit sich, wie dass man nicht ständig Augen am Hinterkopf haben musste. Allerdings war ein Team nur so stark wie das schwächste Glied und interne Konflikte würden einen nur unnötig auslaugen. Zusätzlich musste erst einmal Vertrauen erarbeitet werden, etwas, worauf er überhaupt keinen Nerv hatte.
Er bekam seinen Auftrag, Anreise, Ermordung, Abreise, so einfach war das.
Allerdings hatte er John sein Leben zu verdanken und der Ältere hatte ihn immer mit Respekt behandelt. Hatte ihm ein Dach überm Kopf gegeben, ein zu Hause erschaffen. Ohne ihn wäre er jetzt vermutlich tot.
Seufzend knickte er ein.

„Schön, wenn's dich glücklich macht", murrte er schlussendlich.

Der Grauhaarige schenkte ihm ein dankendes Lächeln, bevor er sich wieder allen zuwendete.

„Also gut, es ist spät, ihr solltet ins Bett", beendete John das „Treffen".

Wie von einer Tarantel gestochen erhob sich der Schwarzhaarige und machte sich mit einem kurzen Nicken an die vier Personen auf zu seinen Gemächern.


POV Ahren van Skjell

Nachdem Persil sie hinausgeschickt hatte, hatten sich die drei nicht gerade begeistert angeschaut.
Sie hatten gehofft, dass sie nach Cains Tod - Ermordung - als 3er Team weiter agieren und ihren neuen Leader intern bestimmen durften, allerdings hatte der Grauhaarige bereits beim Lesen ihres Berichtes dieser Todesmission gemeint, dass er Cain ersetzen lassen würde. Der Gedanke allein hinterließ einen bitteren Geschmack auf seiner Zunge und ließ seine trocken werden.
Cain konnte man nicht ersetzen und würde es niemals können.
Sein einziger Trost war, dass der Schwarzhaarige von eben - Levi, wenn er sich recht erinnerte - genauso wenig scharf darauf war wie sie.

„Was ist bitte in ihn gefahren?!", platzte es aus Isaac heraus, kaum dass die Tür zu ihrem Wohnraum in Schloss gefallen war.
Teams lebten meist in ihren eigenen Apartments, ausgestattet mit eigener kleiner Küche, einem Wohnzimmer, Schlafraum und Waffenzimmer.

„Er kann doch nich' einfach Cain ersetzen! Hat man ihm irgendwie zu hart auf'n Kopf geschlagen?!" brauste nun auch Sergio auf.

Ahren atmete einmal tief durch. Er stimmte den beiden anderen zwar zu, allerdings konnten sie vorerst nichts an der Situation ändern und es wäre am schlausten, diesen Zeitraum so angenehm wie möglich für sie zu gestalten. Das hieß, unnötige Konflikte vermeiden und sich nicht ständig in den Haaren liegen.

„Jungs, wir werden erstmal damit klarkommen müssen. Wir werden John schon noch umstimmen können, aber vorerst werden wir uns fügen müssen.
Und fangt bloß keinen unnötigen Streit mit dem Typen an, sonst sorg ich eigenhändig für euren Rausschmiss", beschwichtigte er die beiden.

Isaac sah so aus, als wolle er protestieren, aber Sergio kickte dem Braunhaarigen einmal gegen den Knöchel, woraufhin auch dieser zustimmend nickte.

„Also gut, lasst es uns angehen."


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Well, nach 2 Jahren Vorbereitung (das meiste davon war zwar eher ich ohne Motivation, aber brauch man ja nich wissen) lade ich endlich das erste Kapitel hoch. Vor einem oder 2 Jahren war die Geschichte schonmal online, allerdings habe ich mindestens 70% geändert.
However, selbstverständlich freue ich mich über jede Art von Rückmeldung, sei es nun Lob oder Kritik denn nur so verbessert man sich, aber auch Empfehlungen sind willkommen, falls euch die Story bereits überzeugen konnte.
Ich merk schon wieder wie ich anfange, zu viel zu reden, deswegen wünsche ich euch jetzt noch einen schönen Abend und man sieht sich
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