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Dämonen

von Funnygana
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Intschu-Tschuna Nitsas-Ini OC (Own Character) Old Shatterhand Schi-So Winnetou
05.07.2021
21.09.2021
28
50.750
7
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
15.09.2021 2.929
 
Kleines Vorwort:
Den Biber habe ich mir von SilviaK ausgeliehen,  danke ! Schiba war mir einfach noch zu jung zu diesem Zeitpunkt und hatte bestimmt noch nicht seinen Namen erlangt......... Und ich liebe es, die OC von anderen mit in meine Geschichte einzuflechten. Natürlich immer mit Genehmigung der Erfinder!




Eine anstrengende Reise (Herbst/Winter 1861)

Nitsas-Ini hatte sich mit seinen Unterhäuptlingen und dem Rat der Ältesten besprochen. Der Rat war dagegen gewesen, dass sich der Häuptling mit den Kriegern der Diné auf die Suche nach den Comanchen machen wollte, die Gidi als ihre Peiniger identifiziert hatte. Aber man würde ihm keine Steine in den Weg legen, wenn er mit seinem Freund Ma´iitso losreiten wollte.
Gidi wollte unbedingt mit den Freunden reiten. Schließlich war sie die Einzige, die ihre Peiniger wirklich identifizieren konnte.
Das sprach sie auch beim allabendlichen Gespräch mit ihrem Mann an.
„Gidi, das wird eine lange Reise werden. Die Comanchen lagern wahrscheinlich zurzeit in den südlichen Plains. Wir werden Wochen unterwegs sein. Und dann ist noch lange nicht sicher, dass wir auch auf deine Peiniger treffen“, bemerkte Nitsas-Ini zu ihr.
„Nitsas-Ini, du weißt, dass deine Frau praktisch veranlagt ist. Ich würde mit dem Zug nach Santa Fé und von dort weiter nach Roswell fahren. Dort könnte man Pferde kaufen und weiter in die südlichen Plains reiten. Die Comanchen haben einen Vertrag mit deutschen Einwanderern abgeschlossen. Es wäre sogar von Vorteil, wenn ich mit Ma´iitso und dir reiten würde“, antwortete Gidi schlagfertig.
„Und was ist mit den Kindern?“
„Áhi tééh wird sie solange aufnehmen.“
„Meine Frau hat schon alles geplant, ohne mit mir darüber zu sprechen.“
„Wir sprechen doch jetzt darüber. Geliebter Ehemann, ich weiß ja, du bist der Häuptling, und du bestimmst, was passiert.“
„Ich bin verblüfft. Seit wann erkennt mich meine Frau als ihren Gebieter an?“
Gidi kuschelte sich an ihren Mann, legte ihre Hand auf seine Brust und flüsterte in sein Ohr:
„Shj, du bist mein Leben!“
Nitsas-Ini seufzte. Er wusste, dass er verloren hatte.
Dann schubste er sie zur Seite und sprach:
„Regel eins: Auf einem Kriegszug, und das wird unsere Reise sein, braucht Nitsas-Ini seine gesamte Aufmerksamkeit für andere Dinge. Gidi wird ihn nicht berühren.“
Gidi, die schon aufbegehren wollte, als er sie zur Seite schob, nickte ernst. Dann setzte sie sich ihm gegenüber und schenkte seinen Worten ihre ganze Aufmerksamkeit.
„Regel zwei: Keine Diskussionen. Wenn Nitsas-Ini oder Ma´iitso etwas befehlen, wird dies sofort ausgeführt! Regel drei: Es wird sich nicht beklagt. Regel vier: Kein unnötiges Geschwätz. Du wirst Waffen tragen, Revolver und Messer. Du wirst deine Haare zusammenbinden. Du wirst Schmutz und Geruch ertragen müssen. Und wenn die Dämonen kommen, wirst du niemanden haben, der sich liebevoll um dich kümmert.“
Gidi hatte zu jedem seiner Worte genickt. Ihr wurde bewusst, dass es kein Spazierritt werden würde, aber sie war bereit.
„Nitsas-Ini wird sich auf Gidi verlassen können!“
Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Hogan: „Mama, das wird eine sehr anstrengende Reise für dich. Nicht reden und vor allem nicht widersprechen wird dir schwerfallen.“
Schi-So hatte dem Gespräch der Eltern gelauscht und musste nun seine Gedanken dazu kundtun.
„Mein Sohn“, sagte die Häuptlingsfrau, „ich werde dich und deine Ratschläge vermissen. Komm her zu mir!“
Schi-So kam aus ihrem Hogan und setzte sich zu den Eltern, die jetzt wieder nah beieinander saßen.
„Wirst du es schaffen, auf deine Schwester aufzupassen? Áhi tééh wird genug damit zu tun haben, euch zu versorgen“, fragte Gidi ihren Sohn.
„Ich habe einen anderen Vorschlag, Mama: Chʼil bilátah hózhóón fühlt sich nutzlos, wenn meine Schwester und ich zu Áhi tééh ziehen. Ich bin jetzt neun Jahre alt und kann sehr gut auf mich selbst und Sǫʼ Ndaajeehí  aufpassen. Im nächsten Jahr werde ich allein nach Deutschland gehen. Schenke uns dein Vertrauen!“
Gidi schaute zu ihrem Mann, der ihr mit einer kurzen Handbewegung mitteilte, dass die Kindererziehung ihre Sache war und er sich nicht in ihre Entscheidungen einmischen würde.
„Gut“, nickte sie, „dann hoffe ich nur, dass Sǫʼ Ndaajeehí sich benimmt.“
„Mama, es wird Sǫʼ Ndaajeehí gut tun, wenn du eine Weile weg bist. Du bist viel zu nachsichtig mit ihr. Sie ist jetzt sechs Jahre alt und muss so langsam begreifen, dass sie nicht machen kann, was sie will. Überlasse es Chʼil bilátah hózhóón und mir, mit der Kleinen fertig zu werden. Sie ist viel zu frech und unerzogen. Wenn ihr wiederkommt, wird meine Schwester viel gelernt haben und unseren Haushalt alleine führen können.“
Fast tat es der Weißen leid, dass sie ihre Tochter der Erziehung Chʼil´s überlassen musste, aber Schi-So hatte Recht, sie war viel zu nachsichtig mit Sǫʼ Ndaajeehí. Diese hatte bis jetzt ein freies Leben geführt, schwamm lieber als zu weben, ritt wie ein Junge und führte die eine oder andere Waffe sogar besser als gleichaltrige Jungen.

Sie hatten beschlossen, ihre Pferde mitzunehmen. So waren sie unabhängig und mussten sich in Roswell nicht erst um Reittiere kümmern. Sie waren nach Gallup geritten und Ma´iitso kümmerte sich um Fahrkarten. Da es keinen genauen Fahrplan gab – niemand wusste, ob ein Zug überhaupt sein Ziel erreichte, mussten sie fast einen Tag warten, bis die Reise fortgesetzt werden konnte.
Die Mustangs reagierten nervös, als die schwere Lok in den Bahnhof einfuhr, ließen sich aber schnell beruhigen. Man suchte sich einen leeren Viehwagen, legte die Rampe an und brachte die Pferde in den Wagon. Gidi hatte Schwierigkeiten mit ihrem Mustang und musste das Verladen Nitsas-Ini überlassen.
Die kurze Fahrt von Gallup nach Santa Fé hatte ihnen keine besonderen Schwierigkeiten gemacht und auch die Pferde hatten sich schnell an das Rattern und Schwanken des Zugs gewöhnt. Sie hatten den Wagen für sich und konnten so in Ruhe auf die Tiere eingehen.
Später fanden die drei Zeit, sich gemütlich auf einige Strohballen zu setzen.
„Nitsas-Ini, sind wir schon auf dem Kriegspfad?“, fragte Gidi ihren Mann. Dieser sah erstaunt auf.
„Nein, natürlich nicht“, antwortete der Indianer.
„Das ist gut“, antwortete die Frau und kuschelte sich an ihren Mann…

Auf dem Verladebahnhof in Santa Fé sah es dann anders aus. Hier lagerten schon Dutzende von Cowboys mit ihren Pferden, die die Fahrt nach Texas antreten wollten. Gidi hatte sich ihren Zopf um den Kopf geschlungen und einen Männerhut aufgesetzt. Sie würde wieder in die Rolle des Ben schlüpfen, welche sie vor Jahren schon einmal gespielt hatte. Trotz der Kinder und dem guten Essen von Chʼil bilátah hózhóón hatte sie ihre knabenhafte Figur er-halten können und ihre kleine Brust würde unter dem weiten Hemd nicht auffallen. Auch Nitsas-Ini trug seine Haare zu Zöpfen gebunden und hatte zusätzlich zur Lederweste ein Hemd angezogen.
Der nächste Zug, der sie in Richtung Roswell bringen sollte, fuhr erst in zwei Tagen. Martin Wolf nutzte die Zeit, um in der Stadt seine Handelspartner aufzusuchen. Auch das Häuptlingspaar hatte sich mit ihren Geschäftspartnern verabredet, allerdings an einem Treffpunkt außerhalb der Stadt. Beide verspürten nicht das Bedürfnis, durch Santa Fé zu reiten.

Die Stadt war in den letzten Jahren gewachsen und es gab am Güterbahnhof mittlerweile einen Saloon, der auch über zwei kleinere Gästezimmer verfügte. Dort trafen sie sich mit den Juwelieren und Teppichhändlern und besprachen die notwendigen Dinge.
Als zwei Tage später der Zug hielt, war das Gedränge groß, denn etliche Tiere und Waren sollten nach Texas gebracht werden. Sie fanden nur mit Mühe einen Platz, wo sie sich mit ihren drei Pferden zusammen aufhalten konnten. So hockten sie eng aneinandergepresst in einer dunklen Ecke, was Gidi sehr gefiel. Trotzdem war auch sie froh, als sie den stickigen und dunklen Wagon in Roswell verlassen konnte.

Nitsas-Ini und Ma´iitso hatten beschlossen, ihre Freunde, die Mimbreños aufzusuchen. So konnte der Häuptling mit Nalgu Mokaschi erneut den Frieden bekräftigen, sich der Nöte der Mimbreños annehmen und zudem erfahren, wo die Comanchen anzutreffen waren. Gidi musste auf dem Ritt zu dem befreundeten Stamm erfahren, dass ihr Mann tatsächlich keinerlei Rücksicht auf sie nahm. Selbst Martin Wolf wagte es nicht, dem Häuptling zu widersprechen, wenn dieser seine Entscheidungen über Rast und Lagern traf.
In der ersten Nacht lagerten sie an einem kleinen Bach, der nur wenig Wasser enthielt. Nitsas-Ini bedeutete seiner Frau, sich auf einen Stein zu setzen.
„Du gehst hier nicht weg, bis Ma´iitso und ich die Gegend abgesucht haben“, befahl er ihr.
Als die Männer nach einer Stunde wieder kamen, saß Gidi noch genauso auf dem Stein, wie ihr befohlen war,
„Uff, du hättest in der Zeit den Bach stauen, die Pferde versorgen und Holz sammeln können“, sagte der Häuptling zornig.
„Regel zwei: Tu genau das, was dein Häuptling befiehlt. Und du hast befohlen: Geh nicht weg!“, konterte Gidi.
Martin Wolf konnte sich ein Kichern nicht verkneifen.
Nitsas-Ini befahl seiner Frau jetzt, Feuerholz zu sammeln. Die Gegend war sicher, und sie konnten getrost ein kleines Feuer anzünden, um die zwei Hasen zu braten, die die Männer geschossen hatten.
Unterdessen suchte Ma´iitso am Bach eine geeignete Stelle, um den Rinnsal wenigstens so weit zu stauen, dass man Wasser schöpfen konnte. Die Pferde waren schon vorher so angebunden worden, dass diese trinken und fressen konnten.

Nachdem die Hasen verzehrt waren, hatten sie das Feuer wieder gelöscht. Es sollte nicht die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich ziehen. Dann wollte man sich zum Schlafen hinlegen. Gidi sollte die erste Wache übernehmen. Nitsas-Ini gab ihr genaue Anweisungen:
„Achte auf die Pferde, wenn diese sich sonderbar benehmen, weck uns! Bewege dich leise, geh mehrmals um unser Lager herum und sobald dir auch nur eine Kleinigkeit auffällt, weck uns! Ich stehe lieber zehnmal auf, weil du dich geirrt hast, als dass ich einmal liegen bleibe und es geschieht etwas.“
Gidi hatte noch ein Problem: „Woran merke ich, dass meine Wache vorbei ist? Ich kann die Zeit nicht anhand der Sterne erkennen.“
„Jetzt, Ende Oktober, geht der Mond kurz vor Mitternacht auf. Du kannst mich also wecken, wenn du den Halbmond erblickst.“
Die Männer wickelten sich fest in ihre Decken, denn die Nachttemperaturen betrugen weniger als 10°C.
Gidi schaute in die Dunkelheit. Es war eine sternenklare Nacht und sie genoss es, ein wenig alleine ihren Gedanken nachzuhängen. Dann riss sie sich zusammen, verließ ihren Sitzplatz und umrundete das Lager. Ihre Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt und sie konnte die Umrisse vereinzelter Bäume ausmachen, die in einiger Entfernung standen. Nichts rührte sich. Wieder im Lager angekommen, begnügte sie sich damit, ihrem Mann beim Schlafen zuzuschauen. Langsam kroch die Kälte in ihren Körper, und sie umrundete wieder das Lager. Dann suchte sie die Pferde auf, um sich ein wenig an ihnen zu wärmen. So verging die Zeit nur langsam, und erleichtert sah sie den Mond aufgehen. Sie begab sich also zu ihrem Mann und blies ihm mit Vergnügen ins Ohr.
Nitsas-Ini schreckte hoch, griff zu seiner Waffe und zielte auf sie. Dies geschah so schnell und lautlos, dass Gidi keine Zeit hatte, sich überhaupt zu erschrecken.
„Weib“, flüsterte der Häuptling, „was machst du da? Fast hätte ich auf dich geschossen.“
„Regel eins: Keine Berührungen“, stammelte die Weiße.
Unterdessen hatte Nitsas-Ini seine Waffe wieder eingesteckt und schüttelte nur mit dem Kopf. Das konnte ja heiter werden, dachte er und bedeutete seiner Frau, sich in seine warme Decke zu schlagen.
Erschöpft und mit schmerzenden Muskeln kuschelte sich Gidi ein. Ihr Mann hatte sie ganz schön gefordert an diesem Tag. Sie biss regelrecht die Zähne zusammen. Sie wusste, was er mit dieser harschen Art erreichen wollte. Er hoffte wahrscheinlich, dass sie bei den Mimbreños bleiben wolle, anstatt mit auf die Jagd nach den Comanchen zu gehen. Doch da hatte er sich verrechnet. Sie würde lieber alle Qualen still ertragen, als eine Niederlage, denn das wäre es für sie, einzugestehen. Bald war sie eingeschlafen.

Viel zu schnell war die Nacht vorbei und nach einem kleinen Frühstück ging es weiter. Zum Glück für Gidi waren die Tage jetzt im Oktober schon recht kurz, sodass die Tagestouren nicht ganz so lang waren. Sie brauchten daher zwar etwas länger für die Reise, doch war diese nicht so anstrengend. Die Weiße war es einfach nicht gewohnt, den ganzen Tag auf einem Pferderücken zu verbringen. Sie bekam an den Lagerstätten stets die erste Wache zugesprochen, damit sie am Stück durchschlafen konnte. Das war aber auch die einzige Erleichterung, die die Männer ihr zugestanden.
Unbehelligt erreichten sie das Dorf von Nalgu Mokaschi. Während die Männer ihre Gespräche führten, ruhte sich Gidi ausgiebig aus. Zu viel Zeit blieb ihr aber nicht, denn schon bald drängte Nitsas-Ini zum Aufbruch. Es war Anfang November und sie hatten kein Bedürfnis, den Winter, sollte er auch noch so warm sein, außerhalb ihres Dorfes zu verbringen. Von den Mimbreños erhielten sie genug Lebensmittel, um einige Tage ohne Jagd auszukommen. Nalgu Mokaschi hatte ungefähr gewusst, wo sich Tevua-Schohe (Feuerstern) der oberste Häuptling der Comanchen mit seinem Stamm aufhielt und so konnte die Suche beginnen.

Jetzt konnte es auf ihrer Reise wirklich gefährlich werden, ritten sie doch nun durch ein Gebiet, wo nicht ganz sicher war, ob man Freund oder Feind vor sich hatte. Die Männer hatten beschlossen, Gidi von ihrer Pflicht als Wache zu befreien. Es erschien ihnen zu gefährlich, der Frau die Verantwortung zu überlassen. Sie hatte sich zwar bewährt, war aber trotz allem ungeübt und ihre Sinne waren nicht so geschärft wie die von Nitsas-Ini und seinem Freund.
Gidi fügte sich, so wie schon die ganze Reise über, widerstandslos den Befehlen der Männer.
Da es auf den Winter zuging, begegneten sie tagelang keinem Menschen und kamen so dem Gebiet der Comanchen immer näher.

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Nitsas-Ini war sich sicher, dass sie verfolgt wurden. Er hatte niemanden gesehen oder gehört, aber das Gefühl des Beobachtetwerdens ließ sich nicht abschütteln. Er bedeutete seinen Begleitern, eine Rast einzulegen. Sie sollten dicht bei den Pferden bleiben und sich recht häufig mit diesen bewegen, sodass einem Lauscher nur schwer erkenntlich war, ob sie nun weiterhin drei oder nur noch zwei Menschen waren. Zusätzlich entkleidete er seinen Oberkörper, befestigte Hemd und Weste so am Sattel Ma´iitso´s Pferd, dass man von weitem meinen konnte, er stände bei demselben. Dann ließ er sich unauffällig zu Boden gleiten und kroch davon.
Gidi und Wolf machten ihre Sache gut. Der Lauscher, den es tatsächlich gab, beobachtete hinter einem Baum hervor verwirrt, was die Menschen dort wohl taten. Er sah, dass sie ihre Pferde mehr oder weniger im Kreis bewegten und ständig auf den Boden starrten.
Plötzlich spürte der junge Krieger einen harten Griff in seinem Nacken.
„Mein junger Bruder versteckt sich hinter einem Baum und rätselt, warum die Reiter abgestiegen sind?“, wurde er von Nitsas-Ini in einem Gemisch aus Englisch und Spanisch angesprochen.
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Nitsas-Ini hatte sich kriechend, von hohem Gras und Gebüsch versteckt, von den anderen entfernt. Vorsichtig und leise schlich er nun in die Richtung, aus denen sie gekommen waren und entdeckte bald den jungen Krieger, der gut getarnt hinter einem Baum lag. Sein Gesicht war unbemalt und er erkannte die weichen Züge. Er schätzte den Knaben auf vierzehn oder fünfzehn Sommer und überlegte kurz, ob dieser überhaupt schon ein Krieger war. Dann sah er den Medizinbeutel am Hals des Jungen, der so darauf konzentriert war, die Menschen vor ihm zu beobachten, dass er nicht bemerkte, was hinter ihm geschah.
Kurzerhand erhob sich der Häuptling, packte den Jungen am Kragen und sprach ihn an.
Der junge Krieger erschrak, hatte sich aber schnell wieder im Griff und antwortete im gleichen Sprachgemisch: „Hah-nih (Biber) sah die Männer durch das Land der Comanchen reiten und wollte wissen, was diese jetzt, im späten Herbst, hier wollen. Die Zeit der Jagd ist vorbei und die Comanchen wollen in Frieden den Winter erleben.“
„Auch Nitsas-Ini, der Häuptling der Diné, kommt in Frieden. Er möchte sich mit Tevua-Schohe, dem Häuptling der Comanchen, treffen.“
„Weiß der Vater von Hah-nih, dass Nitsas-Ini ihn aufsuchen möchte?“, fragte der junge Krieger.
„Nein, Nitsas-Ini hatte gehofft, ihn im Winterlager der Comanchen anzutreffen. Zurzeit herrscht kein Krieg zwischen den Stämmen der Diné und der Comanchen. Ich werde meinen jungen Bruder jetzt loslassen, damit er mit mir zu meinen Gefährten gehen kann.“
Er löste seinen eisernen Griff vom Hemd des Jungen und ging zusammen mit dem Häuptlingssohn zu Gidi und Ma´iitso. Dort machte er rasch alle miteinander bekannt und kleidete sich wieder an.
Dann wandte er sich dem Jungen zu: „Wird Hah-nih die Pfeife des Friedens mit uns rauchen?“
„Hah-nih, der Sohn Tevua-Schohes möchte erst wissen, was die drei Fremden von seinem Vater möchten.“
„Wir sind auf der Suche nach einigen Männern, die vor über zehn Sommern diese Weiße hier überfallen und grundlos gemartert haben. Bis vor einem Mond wussten wir nichts über diese Krieger. Doch dann kamen Winnetou und Old Shatterhand in das Dorf der Diné und erzählten von einem Erlebnis mit den Comanchen und der Name Pohniʔatsi̱ wurde erwähnt. Die Katze, wie sich diese Weiße nennt, erkannte den Namen eines ihrer Peiniger und wir machten uns auf die Suche.“
„Das Geschehene könnte sehr gut auf Pohniʔatsi zutreffen“, antwortete Hah-nih und spuckte aus. „Er wird in unserem Lager nur geduldet.  Hah-nih ist bereit, mit Nitsas-Ini und den zwei Weißen das Kalumet des Friedens zu rauchen und sie dann zu Tevua-Schohe zu führen.“

Nachdem das Kalumet die Runde gemacht hatte, stiegen sie wieder auf die Pferde. Der junge Häuptlingssohn war unberitten und sollte auf Gidis Mustang steigen, während die Frau hinter ihrem Mann aufsprang. Ein kurzer Blick Nitsas-Inis erlaubte ihr, diesen zu berühren.
Der Diné musste sich auf dem Ritt sehr zusammenreißen. Ständig spürte er den Atem seiner Frau im Rücken. Sie hatte die Arme um seine Hüften gelegt und ihre Hände ruhten unter seinem Hemd auf seiner nackten Haut.
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