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Krieg geht durch alle Zeiten

GeschichteDrama, Suspense / P16 / Gen
Abraxas Malfoy Albus Dumbledore Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
02.07.2021
15.09.2021
15
29.500
14
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
15.09.2021 1.930
 
Halbzeit, ihr Lieben. Nach diesem Kapitel erwarten euch jetzt noch 14 weitere & ein Epilog.
Heute dürft ihr das neue Kapitel ungewöhnlich früh genießen, da ich am Samstag nicht hochladen kann. Nächste Woche geht es dann wieder wie gewohnt weiter :-)
Danke an Cache, Hermione riddle und Luna Gerschler für eure Reviews zum letzten Kapitel!
Die Schwarzleser:innen unter euch konnte ich leider nicht motivieren, mir Hallo zusagen. Ihr bekommt auch eine riesige Packung Kekse! Nein? Immer noch nicht? Okay, ich versuche es nächste Woche wieder.
***

Lustlos erwachte sie am Dienstagmorgen. Am liebsten wollte sie den ganzen Tag im Bett verbringen und sich unter ihrer Decke verstecken. Es war der 19. September. Eigentlich ihr Geburtstag, doch in ihrer Zeit hätte sie erst in einem halben Jahr das nächste Lebensjahr erreicht. Trotzdem schwappte eine Welle an Traurigkeit über ihren Körper. Heute würde niemand an sie denken. Welch Ironie seinen Geburtstag zu feiern, bevor man überhaupt geboren wurde. ‚Hey, Hermine, wie alt bist du geworden?‘ – ‚Oh ich bin minus 35 Jahre alt.“

Irgendwie schaffte sie es dann doch, sich aus dem Bett zu quälen. Ihr morgendlicher Blick in den Spiegel zeigte ihr, dass sich ihr Körper schon ordentlich erholt hatte. Sie war zwar noch sehr dünn, aber sah um Weiten gesünder aus. Die Knochen stachen nicht mehr allzu sehr hervor und ihre Haare hatten ihren natürlichen Glanz zurückbekommen. Nur die Narben würden bleiben. Für immer. Viele von ihnen waren noch im Heilungsstadium. Die große Narbe an ihrem Unterarm sah unverändert wie am ersten Tag aus, als Bellatrix Lestrange die Buchstaben in ihre Haut geritzt hatte. Hermine bezweifelte, dass sie jemals verblassen würde. Es war schon ein tägliches Ritual geworden, die Zeichen des Krieges mit einem Glamour-Zauber zu retuschieren. Sie würde sich trotzdem sicherheitshalber niemals mehr kurzärmlig kleiden, falls der Zauber unwahrscheinlicher Weise nachlassen sollte. In ihrem Jahrzehnt hätte sie keine Probleme damit, Lestranges Andenken offen zu zeigen. Sie schämte sich nicht dafür, muggelstämmig zu sein und war stolz die schlauste Hexe in Hogwarts gewesen zu sein. Doch hier war es gefährlich, ihren wahren Blutstatus preiszugeben. Es würde ihre Mission nicht nur erschweren, sondern sogar völlig unmöglich machen. Schließlich gehörte sie zu der Gruppe von Menschen, die Riddle als Abschaum bezeichnete.

Da sie noch etwas Zeit bis zum Unterricht hatte, beschloss Hermine, endlich den versprochenen Brief an Jean und Inés zu schreiben. Der war schließlich längst fällig. Auf der anderen Seite würde sie den Brief per Eulenpost verschicken. Damit würde sie nicht nur sicher gehen, dass er von den Nazis nicht abgefangen werden würde, er käme auch dreifach so schnell an wie ein Brief per Muggelpost. Also machte es theoretisch keinen Unterschied, ob sie ihn vor Tagen mit einer Marke frankiert hätte oder ihn nun einer Eule übergeben würde. Sie holte sich Pergament und Feder aus ihrer Schultasche und setzte sich an den kleinen eckigen Tisch im Mädchenschlafsaal.

Liebe Inés, lieber Jean,
ich bin wohlauf in Großbritannien angekommen. Der Flug ging ohne nennenswerte Vorkommnisse vonstatten. Ich bin in einem schottischen Internat untergekommen – hier ist es sicher vor den Bombenangriffen. Ich stehe für eure Hilfe tief in der Schuld. Wenn es irgendetwas gibt, wie ich mich revanchieren kann, lasst es mich wissen!

Hermine überlegte. Sie wollte dem Paar in diesen schrecklichen Zeiten Hoffnung geben. Schließlich wusste sie, dass der Krieg ungefähr in einem halben Jahr am 8. Mai mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht enden würde.

Bitte haltet durch. Bringt euch nicht mehr in unmittelbare Gefahr. Ich bin mir absolut sicher, dass der Krieg im kommenden Frühling ein Ende nimmt. Hitler wird fallen. Daran habe ich keine Zweifel.
Ich bin euch auf ewig dankbar für das, was ihr für mich getan habt.
Hermine

Sie rollte das Blatt zusammen und schnürte ein Band herum. Dann steckte sie den Brief in die Tasche ihrer Robe.


Es war seltsam und interessant zugleich, Dumbledore als Professor für Verwandlung zu erleben. Hermine konnte nicht sagen, ob sein Unterricht besser oder schlechter war als McGonagalls. Das war nicht miteinander vergleichbar. (Ein Minuspunkt war allerdings, dass Dumbledore sich nicht in eine Katze verwandeln konnte.) Dennoch strahlte er solche Seriosität und Autorität aus, während er zu gleich lustiglocker unterrichtete. Er schien die Hausfarben nicht zu sehen, sondern jede Schülerin und jeden seiner Schüler – egal ob rot, gelb, blau oder grün – gleich zu behandeln. Das konnte man über sein gealtertes Ich nicht sagen, welches offen zur Schau zeigte, dass er Gryffindor, vor allem Harry, präferierte. Hermine beschlich das Gefühl, dass nicht ihre Anwesenheit in 1944 auslösend dafür war, dass Dumbledore charakterlich so anders auftrat. Irgendetwas musste ihn derartig verändert haben, dass er seine Prinzipien umstülpte. Gedanklich ging sie Rita Skeeters Biografie über den Professor durch. Auch wenn sie keinen Funken Respekt für diese Frau übrighatte, so beruhten die meisten vermeintlichen Fakten dieses Buches auf bewiesenen Tatsachen. Seine Schwester Ariana war bereits gestorben, das Ereignis konnte nicht der Auslöser sein.

Hermine musterte ihn. Seine spätere, extravagante Kleidung – von goldbestickten Roben bis hohen Spitzhüten – war für Hermine etwas ganz Normales gewesen. Sie hatte es nicht anders gekannt. Doch ihn nun in Anzugshose, Hemd und Weste zu sehen, kam ihr mehr als seltsam vor. Ihr Blick fiel auf eine kleine silberne Phiole, die er um seinen Hals trug und die wohl das auffälligste an seinem Outfit war. ‚Natürlich‘, dachte Hermine. Wieso war sie nicht schon gleich darauf gekommen. Dumbledore ging in seiner Jugend einen Blutschwur mit dem zurzeit gefürchtetsten Zauberer der Welt ein. Er hatte Grindelwalds Absichten zu spät erkannt und war dazu verdammt, dabei zuzusehen, wie sich die Liebe seiner Jugend der dunklen Mächte bekehrte – machtlos, da der Pakt es ihm unmöglich machte, seinen Zauberstab gegen Grindelwald zu erheben. Doch der Schwur würde gebrochen werden. Schon bald. Indem Grindelwald in Besitz des Elderstabs kommt, würde der Eid ungültig werden, da er mit einem anderen Stab geschworen wurde. Dann wird es Dumbledore möglich sein, ihn zu bekämpfen. Der Mai1945 war nicht nur der Monat, in dem Nazi-Deutschland fallen würde. Es war auch der Monat, in dem Dumbeldore über Grindelwald in einem Duell siegte. Das musste ausschlaggebend dafür sein, dass er in Zukunft das größere Wohl über sein eigenes und das seiner Mitmenschen stellen würde.

Doch auch jetzt, fiel ihr auf, behandelte er nicht alle gleich. Hermine, die einige Tische hinter Tom Riddle saß, hatte bemerkt, dass der Professor seinen Schüles wissentlich ignorierte. Er nahm ihn nicht dran, wenn er sich meldete, lobte ihn nicht für perfekt ausgeführte Zauber und beantwortete Fragen, die Riddle in den Raum warf, nur knapp und verärgert. Für jemanden, der vor ein paar Tagen noch zu ihr gesagt hatte, sie solle Riddle zum Lieben bringen, verhielt er sich alles andere als hilfreich. Erinnerte Riddle ihn vielleicht an Grindelwald und behandelte ihn deswegen so kühl und abweisend? Was wollte er damit bezwecken? Dass sich der Junge noch vernachlässigter fühlte, als er sowieso schon war? Hätte Dumbledore es geschickt angestellt, dann hätte er eine Vaterfigur für Riddle werden können, so wie er es für Harry war. Gleich mit seinem ersten Besuch im Waisenhaus hätte er Tom das Gefühl von familiärer Liebe geben können, das ein Kind benötigte. Hätte er das getan, säße Hermine jetzt nicht hier. Und auf einmal kam ihr dieser junge Dumbledore doch nicht mehr so unvertraut vor. Er tat es jetzt schon. Von seinen Mitmenschen das Unmögliche verlangen, anstatt es selbst anzugehen.

„Das war es auch schon wieder für diese Woche!“, verabschiedete sich Dumbledore zum Ende der Stunde von ihnen. Stühle quietschen über dem Boden und das Klassenzimmer wurde mit regem Getriebe gefüllt. „Miss Jean, hätten Sie noch einen Moment für mich?“, wurde Hermine zurückgerufen. Hermine packte langsam ihre Sachen zusammen, um ihren Mitschülern genug Zeit zu geben, den Raum zu verlassen. Einer, der es ihr gleichtat, war Riddle. Er schien neugierig zu sein, was Dumbledore von ihr wollte.

„Es handelt sich um ein Gespräch unter vier Augen. Und Ohren, Mr. Riddle“, ordnete er seinen Schüler scharf zum Gehen an. Dieser erwiderte nichts und verließ nur schweigend den Raum. Hinter ihm schloss sich die Tür. Dumbledore legte einen Muffliato über sie.

„Ich habe gute Neuigkeiten, Miss Jean!“, lächelte er sie an. Hermine stellte sich ein Stück gerader hin. „Gestern Nacht erhielt ich eine Eule meines geschätzten Freundes.“ Hermine unterbrach ihn freundlich. „Sir, ich weiß, dass Sie Nicholas Flamell meinen.“

Dumbledore neigte seinen Kopf. „Natürlich wissen Sie das, Miss Jean. Ich vergesse manchmal, wie viel sie über mein altes Ich wissen. Wie dem auch sei. Nicholas hat in seinem Zeitumkehrer die entscheidende Mechanik gefunden, mit dessen Hilfe man in die Vergangenheit reisen kann. Er entwirft jetzt ein Modell mit gegenteiliger Mechanik, in der Hoffnung, dass dieses es vermag, mit genügend Umdrehungen Sie zurück in die Zukunft zu transportieren.“

Hermine traute sich nicht, sich zu freuen. „In meine Zukunft, Sir? Sprich in die Gegenwart? In dieselbe Zeitlinie, aus der ich gekommen bin?“

Dumbledore seufzte. „Es wird die Zukunft dieser Zeitlinie sein, denn es ist die Vergangenheit ihrer Gegenwart, doch ob es auch die Gegenwart ist, die sie kennen, kann ich ihnen nicht versprechen.“

Hermine wusste nicht, was sich nun wirklich ereignet hatte. Ob sie sich in einer Zeitschleife befand. Ob sich ihre Gegenwart, wie sie sie kannte, ändern würde. Damit wäre sie wieder beim Kern des Problems. „Dennoch danke, Sir. Das ist eine positive Wendung. Richten Sie Mr. Flamell meinen aufrichtigen Dank für seine Unterstützung aus.“

„Und Sir“, drehte sich Hermine noch einmal um, „behandeln Sie Riddle nicht wie Abschaum. Wie sie schon sagten. Noch ist er ein weitestgehend unschuldiger Junge.“

Leise ließ Hermine die Tür hinter sich ins Schloss fallen und atmete tief durch.

„Dumbledore kann ziemlich anstrengend sein, hm?“ Ihr Kopf fuhr herum. Neben ihr hatte Riddle sich lässig gegen die Wand gelehnt. Nun stieß er sich schwungvoll von der Mauer ab und ging mit ihr ein paar Schritte.

„Was wollte er?“, fragte er neugierig nach.

„Warum interessiert dich das so sehr, dass du mich auflauern musst?“, konterte Hermine.

„Es ist für Dumbledore unüblich, dass er eine Schülerin nach der Stunde zu sich ruft und dann auch noch den Raum abschließt und einen Muffliato spricht… So als hätte er Angst, bei etwas erwischt zu werden“ Ihm waren die Zauber also nicht entgangen. Wahrscheinlich hatte er eins und eins zusammengezählt, als es ihm nicht gelang, beim Gespräch mitzulauschen, sondern er stattdessen ein undefinierbares Brummen in den Ohren hatte. Hermine gefiel allerdings ganz und gar nicht, was er mit seiner Aussage gerade angedeutet hatte. Was nahm sich Riddle da eigentlich heraus? Dass er Dumbledore nicht ausstehen konnte, war das eine. Aber ihm und ihr so etwas zu unterstellen, war ein anderes Level der Unverschämtheit. Hermine versuchte ruhig zu bleiben.

„Dippet fehlten noch einige Daten über mich, die er für seine Schülerkartei benötigt. Er hatte Professor Dumbledore darum gebeten, mit mir darüber zu sprechen. Den Muffliato hat er sicherlich des Datenschutz wegen gesprochen, um meine Privatsphäre zu garantieren“, erwiderte sie sachlich. Riddle schien skeptisch, musste sich aber mit der Antwort zufriedengeben.

„Dennoch bedanke ich mich, dass Sie so um mich besorgt zu sein scheinen und extra auf mich gewartet haben. Wenn Sie mich entschuldigen, ich habe noch einen Stapel Hausaufgaben zu erledigen.“ Hermine hatte gar nicht bemerkt, dass sie Riddle wieder gesiezt hatte, um Distanz zwischen ihn und sich zu bringen. Ihr war die Begegnung seltsam intim vorgekommen, gerade weil Riddle sie so überrumpelt hatte.

Der, auf der anderen Seite, hatte es mitbekommen. Er blieb stehen und sah der Braunhaarigen stirnrunzelnd hinterher, wie sie um die Ecke bog und verschwand.

***

Hermines Geburtstag ist noch nicht vorbei, doch dazu mehr im nächsten Kapitel ;-)
Um euch die Wartezeit zu verkürzen, kann ich diese Harry Potter Parodie mit aktuell politischem Hintergrund wärmstens empfehlen.
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